[1] Umwittern heißt hier nicht "gewitterhaft umgeben", sondern wie wittern von jedem Zustande der Atmosphäre, von jeder Witterung gebraucht wird, so deutet umwittern hier auf die Atmosphäre, welche jene Gestalten umzieht, auf den zauberhaften Dunst, der auf ihnen liegt und die Seele wunderbar ergreift. So sagt Egmont (B 9, 225): »Wo alle Segen der Gestirne uns umwittern«, Antiope im "Elpenor" (B. 13, 381): »Daß es (das Blut als Weiheopfer) fließend seinen Geist umwittre«. Im "Faust" selbst lesen wir »von meinem Hauch umwittert«, »vom Strahl umwittert« (B. 11, 23. 12, 201). Von anderer Art ist ein »grauslich Wittern« (B 12, 113).

[2] Man darf Schatten nicht von den hingeschiedenen Freunden des Dichters verstehen, vielmehr bezeichnet es die schattenhaften Erinnerungen selbst, wie das Wort nicht selten von schwachen, wesenlosen Bildern steht. Die beiden folgenden erklärenden Verse zeigen deutlich was unter den Schatten gemeint ist.

[3] In der Brockenszene heißt es:

Hör ich holde Liebesklage,
Stimmen jener Himmelstage?
Was wir hoffen was wir lieben!
Und das Echo wie die Sage
Alter Zeiten hallet wieder.

[4] Bei der ersten Liebe, der Jugendliebe, kann hier nur an die Liebe zu Friederiken, Lotten und zu Lili, besonders an letztere gedacht werden.

[5] Man erinnert sich hierbei einer Äußerung Goethes an die Gräfin Auguste zu Stolberg vom Jahre 1776: »Ich sagte immer in meiner Jugend zu mir, da so viel tausend Empfindungen das schwankende Ding bestürmten: Was das Schicksal mit mir will, dass es mich durch alle Schulen gehen lässt? Es hat gewiss vor, mich dahin zu stellen, wo mich die gewöhnlichen Qualen der Menschheit gar nicht mehr anfechten müssen. Und jetzt noch, ich sehe alles als Vorbereitung an.« Später in dem gleich anzuführenden Gedichte singt er:

Dann zog uns wieder ungewisse Bahn
Der Leidenschaften labyrinthisch an.

[6] Mein Lied kann hier nicht, wie in der vorhergehenden Strophe, den "Faust" bezeichnen, sondern muss auf die "Zueignung" selbst bezogen werden. Sein Lied will der Hingeschiedenen gedenken und sich ganz in ihre Gegenwart zurückversetzen, aber die Rührung, in welcher sich das Gefühl, jenseits des verlorenen Glücks wieder teilhaft zu werden, sanft an sein Herz anschmiegt, schwächt seine sonst laut erschallende Stimme und überwältigt ihn endlich, so dass er in Tränen ausbricht.

[7] Er spricht zuerst in Stanzen, wogegen er sich später, wie die beiden übrigen Personen, gereimter fünffüßiger Jamben bedient, mit einzelnen vier- und sechsfüßigen untermischt.

[8] Nur schließt sich genau an das vorhergehende Relativadverbium an; da "nur" in solchem Falle gewöhnlich verallgemeinert, so würde "allein" eher an der Stelle gewesen sein.

[9] Die tiefsten und edelsten Gefühle lassen sich nur schwer in Worten verkörpern, vor welchen sie wie vor einer Entheiligung zurückbeben, sie wagen sich kaum, über die Lippe zu kommen; es gelingt dem Dichter so schwer, sie in aller Reinheit auszuprägen.

[10] Erscheinen steht hier in der Bedeutung erkannt werden, im Gegensatz zum vorhergehenden "verschlingen". Man darf die Stelle nicht von einem Gedichte verstehn, dessen Stoff der Dichter Jahre lang mit sich herumgetragen, bis ihm endlich die vollendete Darstellung desselben gelingt, wie sehr dieser Gedanke auch sonst ganz in Goethes Sinne sein würde. Der Zusammenhang erfordert die oben gegebene Deutung.

[11] Die beiden letzten Verse sollen den Gedanken aussprechen, dass, wie lange auch das wahre Kunstwerk ungewürdigt bleiben mag, ihm doch die Zukunft die wahre Anerkennung bringen, es in seinem Werte zur Erscheinung kommen, nicht unerkannt untergehn wird.

[12] Spaß muß hier, ähnlich wie Spiel, im Sinne von anziehender Unterhaltung stehen, wie sie das die Erwartung spannende, lebhaftesten Anteil wachrufende, die tiefsten Leidenschaften erregende Drama gewährt.

[13] Schillers "Prolog zu Wallensteins Lager" (Oktober 1798) aus welchem die Worte genommen sind, steht in entschiedenem Gegensatz zu unserm, Schiller vielleicht schon bekannten "Prolog"; denn wenn Goethes Dichter sich mit Widerwillen von der Menge abwendet. so tritt Schiller mit vollstem Vertrauen zu dem "auserlesenen Kreis" des Weimarischen Theaterpublikums auf, »der, rührbar jedem Zauberschlag der Kunst, mit leisbeweglichem Gefühl den Geist in seiner flüchtigsten Erscheinung hascht.«

[14] Das Wort Knabe wird scherzhaft gebraucht, wie in der aus der Bibel herübergenommenen Redensart ein alter Knabe.

[15] Freilich hat man gemeint, es sei hier ebensowohl an eine Erschütterung durch Lachen als an tragische Wirkung zu denken, allein erschüttern für sich allein kann unmöglich auf die Erschütterung des Zwerchfells bezogen werden. da es durchweg auf die Rührung des Herzens geht.

[16] Man vergleiche hierzu Jarnos Äußerung B. 17, 189: »Zum Schein ist er (der Schauspieler) berufen, er muss den augenblicklichen Beifall hoch schätzen, denn er erhält keinen anderen Lohn; er muss zu glänzen suchen, denn deswegen steht er da.«

[17] Die Hauptkraft, wodurch der Dichter schafft, ist die Einbildungskraft, welche das Ganze beherrschen muss; Vernunft, Verstand, Empfindung, Leidenschaft werden hier als die jene begleitenden Tätigkeiten, als die Chöre jener bezeichnet. Das Bild ist von singenden, nicht von tanzenden Chören hergenommen. Ganz irrig hat man neuerdings unter den Chören der Phantasie die Phantasien verstehn wollen, welche gleichsam mannigfache Reigentänze um die Phantasie aufführen!

[18] Die beste Erläuterung hierzu gibt Serlos Äußerung in den "Lehrjahren", B. 17, 17.