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Afrasiab

Afrasiab (Orient. M.), ein fabelhafter Fürst der Perser, der neunte aus der Dynastie der Pischdadier. Er war ein Türke und beherrschte alle Länder jenseits des Oxua oder Gihon; das Land hiess Turan (Gegensatz von Iran), jetzt Turkestan, und obgleich König dieses Reiches, stammt er doch aus Persien, von Tus, einem Sohne des Königs Feridun, wesshalb er Ansprüche an die Krone machte, den Regenten des Landes, Manugeher, mit Krieg überzog und nach langen Kämpfen ihn nöthigte, in die Gebirge von Hyrcanien sich auf sein festes Schloss Tabaristan zurückzuziehen. Sein Sieg machte ihn jedoch nicht übermüthig, und er schenkte dem Fürsten Frieden, ihm erlaubend, in seine Staaten zurückzukehren, nachdem vorher die Grenze festgesetzt worden war, welche beide Reiche, Iran und Turan, fernerhin trennen sollte. Manugeher erhielt, so lange er lebte, den Frieden, allein sein Sohn gerieth wieder in Streit mit A., die Türken kamen mit einem ungeheuren Heere über den Gihon, überfielen den Schach (Nandar); eine einzige Schlacht entschied das Schicksal des Reiches, und dieses, führerlos, unterwarf sich ohne Widerstand dem Sieger, welcher zwölf Jahre lang dessen Herr blieb. Da erhob sich der heldenmüthige Sohn eines der berühmtesten Heroen der persischen Geschichte, Zaal, Sohn des Sam Neriman; er veranlasste einen Aufstand und schlug A. wieder über den Gihon zurück, worauf er einen Sprössling der Regentenfamilie, den Prinzen Zu, auf den Thron setzte, welcher zwar nur kurze Zeit, doch glücklich regierte, indessen sein Sohn und Nachfolger, Kischtasp, abermals von A. des Reiches beraubt und daraus vertrieben wurde, worauf er bald sein Leben verlor, und mit ihm die Dynastie der Pischdadier in Persien erlosch. Zaal aber und sein Sohn Rustam, im Lande Sistan oder Segestan lebend, dachten wieder darauf, Persien von den unwillkommenen Gästen zu befreien, bis Kaikobad, der Stifter der zweiten Dynastie persischer Regenten, sich erhob, den beiden Helden den Befehl über die Heere anvertraute, gegen A. aufbrach und diesen wieder aus dem Reiche schlug, worauf Kaikobad und dessen Sohn ruhig herrschten, bis des Ersteren Enkel abermals von A. angegriffen wurde; allein das stets wechselnde Glück hatte dem Barbarenhaupt jetzt ganz den Rücken gewendet; er und sein Bruder Garschiawez wurden in dem Gebirge von Aderbidschan gefangen und bald darauf hingerichtet, worauf die Dynastie der Pischdadier auch in Turan unterging. - Diese Geschichte zeigt übrigens deutlich, dass unter A. nicht eine Person, sondern wahrscheinlich ein Titel zu verstehen sei, wie Pharao in Aegypten etc., denn sonst müsste der Beherrscher von Turan 500 Jahre gelebt haben: ein Alter, welchen ihm indessen die persischen Geschichtschreiber wirklich beilegen; doch schon die frühesten Schriftsteller, welche nur einigermassen aufgeklärt sind, wie der Dichter Ferdusi (Schach Nameh), sagen, dass diese Periode der Geschichte völlig dunkel sei.

[Vollmer]

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