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Aal

Aal (Deutsch)
Substantiv, m; die/der/dem Aale, des Aals/Aales, den Aalen, das Älchen
1. Zoologie: schlangenförmiger Süßwasser- und Meerwasserfisch aus der Ordnung der
Aalartigen (Anguilliformes)
2. umgangssprachlich, und in Zusammensetzungen: Fisch oder Wassertier von länglicher
Gestalt
3. Seefahrt, von U-Boot-Fahrern verwendete Bezeichnung für: Torpedo
4. Soldatensprache: neu eingezogener, unvereidigter Soldat, Soldat ohne Dienstgrad
5. junge Kalmuspflanze
Blankaal, Breitkopfaal, Entenschnabelaal, Essigaal, Flussaal, Fressaal, Gelbaal, Glasaal, Grubenaal, Kulpaal, Langhalsaal, Meeraal, Parasitenaal, Räucheraal, Sägezahn-Schnepfenaal, Sandaal, Schlangenaal, Schnepfenaal, Silberaal, Sommeraal, Spickaal, Spitzkopfaal, Steigaal, Suppenaal, Tiefseeaal, Wurmaal; Sandaal, Schleimaal, Seeaal, Zitteraal

[Wiktionary]

Der Aal, des -es, plur. die Aale, Diminut. das Älchen.
1) Eigentlich ein bekannter Fisch mit einem langen und schlüpfrigen Körper, wovon die gewöhnlichste eßbare Art in süßen Wassern lebt; Muraena Anguilla, L. Seine Schlüpfrigkeit hat einige sprichwörtliche Redensarten veranlasset, welche aber nur im gemeinen Leben üblich sind.
2) Figürlich, in den Küchen, ein Gebackenes aus Butterteige in Gestalt eines Aales. Bey den Tucharbeitern die falschen Brücke, welche bey dem Walken in den Tüchern entstehen. Älchen nennet man auch die kleinen länglichen Würmer in dem Sauerteige, Essige und andern sauren Körpern, welche lebendige Jungen zur Welt bringen; auch Essigaale, Kleisteraale.
Anm. 1) Wachters Ableitung ist zu gezwungen. Frisch hingegen hat die Übereinstimmung der Deutschen Benennung mit dem Nahmen dieses Fisches in der übrigen Europäischen und der Hebräischen Sprache glücklicher gezeiget. Nach ihm liegt der Grund der Benennung in der Schlüpfrigkeit; worin ihm auch Herr Ihre beypflichtet. Man könnte ihn aber auch aus der Länge und geringen Dicke dieses Fisches herleiten; denn es scheint, daß Al oder El in den ältesten Sprachen einen jeden langen, dünnen und spitzigen Körper bedeutet habe. S. Ahl und Elle.
2) In einigen Oberdeutschen Gegenden declinirt man der Aal, des Aalen, u. s. w., und im Plur. die Aalen. In andern Gegenden ist es weiblichen Geschlechts, die Aal, und in der Schweiz macht man den Plur. Äle.
3) Die großen Aale werden in und um Bremen Pann-ale, die mittlern aber Pinnken genannt. Eine Art mit einem dicken Kopfe heißt im Lauenburgischen Klauskopf. Aale, die in trüben Wassern leben, werden in Holland schlechthin Aale, in Deutschland aber Mooraale genannt, dagegen die Aale aus frischen Wassern in Holland Paaling heißen.

[Adelung]

Der Aal
des es –es, Mz- die –e, Verkleinerungswort, das Älchen des –s, Mz. w. d. Ez.
1) Ein langer, runder, schwärzlicher, in süßem Wasser lebender Fisch mit einer sehr schlüpfrigen Haut, weßhalb er nicht leicht festgehalten werden kann, (Muraena anguilla L.).Von diesem letzten Umstande sind die auf Menschen, welche sehr gewandt sind, übergetragenen Rebensarten hergenommen: Er ist glatt wie ein Aal; ich konnte ihn nicht fassen, er entschlüpfte mir wie ein Aal. Der bunte Aal oder die Meerschlange, der Meeraal, Sandaal. S. d. –
Älchen. so nennt man die Würmchen, welche sich in Essig, Kleister usw. erzeugen, s. Essigälchen, Kleisterälchen.
2) Ein Backwerk aus Butterteige in Gestalt eines Aales.
3) Die falschen Brüche, welche beim Walken in den Tüchern entstehen.

[Campe]

Aale (Muraenidae), Familie der Knochenfische aus der Abteilung der Edelfische (Physostomi) und der Gruppe der Apodes (ohne Bauchflossen), schlangenähnliche Fische mit scheinbar nackter Haut, die oft sehr kleine Schüppchen enthält, zuweilen ohne Brustflossen, mit einer senkrechten Flosse vom Rücken bis zum After. Die Haut umhüllt den Kiemendeckel nebst den Kiemenstrahlen, und nur zwei (oder eins) seitliche Löcher führen zu den Kiemen, so daß die A. lange außerhalb des Wassers leben können. Die A. entwickeln sich aus Leptocephalus-Arten durch Metamorphose. Sie leben als Raubfische im Meer und in den Flüssen.
Der Flußaal (Anguilla vulgaris Flem.), bis 6 kg schwer und 1,25 m lang, mit kurzen Brustflossen und äußerst zarten Schuppen, die sich nicht decken und in der schleimigen Haut Zickzacklinien bilden, ist dunkelgrün, blauschwarz oder graugelb, am Bauche stets heller. Sein Blut enthält, namentlich im Süden, ein sehr heftiges Gift, Ichthyotoxin, das zu den Eiweißkörpern gehört und, durch eine Wunde ins Blut andrer Tiere gebracht, ähnlich wie Schlangengift wirkt. Der Aal lebt in tiefem Wasser mit schlammigem Grunde, besonders in Brackwasser, ist über ganz Europa verbreitet,[5] fehlt aber in den Flüssen, die mittelbar oder unmittelbar ins Kaspische oder Schwarze Meer münden. Er ist sehr wanderlustig, doch beruht der alte Glaube, daß er nachts aufs Land gehe, um Schnecken und Gewürm, wohl gar Erbsen zu fressen, auf Mißverständnis oder Verwechselung. Er ist durch sein enges Maul auf Würmer, kleine Kruster und Fische beschränkt, überfällt aber auch Frösche und soll selbst Aas nicht verschmähen. Im Winter hält er, im Schlamm verborgen, Winterschlaf. Im Alter von 4–5 Jahren wandert er vom August bis Oktober (die männlichen A. schon früher), hauptsächlich in stürmischen, finstern Nächten, ins Meer. Hier wird er geschlechtsreif, laicht im Dezember und Januar in mindestens 500 m Tiefe, und aus den Eiern schlüpfen die 6 cm langen, seitlich zusammengedrückten, farblosen, durchsichtigen Larven, die bisher als Leptocephalus brevirostris (s. Abbildung) beschrieben wurden. Die alten A. scheinen als Tiefseefische nur kurze Zeit weiter zu leben.
Die junge Brut von etwa 7 cm Länge wird allmählich aalähnlicher, steigt nach einem Jahr, große Hindernisse überwindend, über Schleusen, kleinere Wehre und, an Felsen emporkletternd, in großen Scharen in die Flüsse und erreicht hier in 11/2 Jahr eine Länge von 65 cm. Alle in den Flüssen lebenden A. besitzen unentwickelte Geschlechtsorgane. Um den jungen Aalen das Aufsteigen in die Flüsse zu erleichtern, baut man neben großen Wehren, die ein unübersteigliches Hindernis bilden, Aalbrutleitern, d.h. aus rohen Brettern mit niedrigen Querleisten zusammengenagelte und mit Kies bedeckte Rinnen, die mit einer Neigung von 1:5 bis 1:8 aus dem Oberwasser in das Unterwasser der Mühlen reichen. Vor dem untern trichterförmig erweiterten Ende wird Reisig befestigt. Diese Vorrichtungen werden von der aufsteigenden Aalbrut bereitwillig benutzt. In den Lagunen von Comacchio an der Pomündung wird ein System von Schleusen und Kanälen im Frühjahr der einziehenden Aalbrut geöffnet und begünstigt im Herbst den Fang der 4–5 Jahre alten A., die sich zur Auswanderung anschicken. Man fängt den Aal besonders bei der Auswanderung ins Meer (Fettaal), weil er dann nicht frißt, mit Netzen und Reusen, den jungen, sehr gefräßigen Aal auch mit der Angel und tötet ihn am besten durch Abtrennen des Kopfes. Die sehr lange anhaltende Reflextätigkeit des Rückenmarks, infolge deren sich die Stücke des toten Aals lebhaft winden, wird sofort beendigt, wenn man eine Stricknadel in das Rückgrat stößt. Der fettreiche Aal ist überall frisch, geräuchert und eingemacht beliebt, namentlich waren die angelsächsischen Stämme von jeher Liebhaber desselben; Verwilligungen und Freibriefe wurden oft durch Zahlungen in Aalen geregelt. Die Klöster begünstigten die Anlage von Aalteichen, und zahlreiche Namen zeugen von der frühern Ergiebigkeit des Aalfanges (Ellesmore, Elfinger Hof etc.). Vgl. Coste, Voyage d'exploration sur le littoral de la France et de l'Italie (2. Aufl., Par. 1861); Nitsche, Der Flußaal und seine wirtschaftliche Bedeutung (Dresd. 1886); Linstow, Die Fortpflanzungsgeschichte der A. (Stuttg. 1900); Leonhardt, Der gemeine Flußaal (das. 1902).

[Meyer]

Aal, Flussfisch, bekannt und beliebt

[Pauly 1893]

Aal, Jakob s. Aall

Aal. Die Aale (Anguillaeformes) bilden eine Gruppe oder Familie der Weichflosser u. charakterisiren sich unter diesen leicht durch den Mangel der Bauchflossen, weshalb man sie auch passend mit dem Namen der Kahlbäuche bezeichnet hat. Sämmtliche Glieder der Familie sind meist durch einen mehr oder minder cylindrischen, langgestreckten Körper, durch eine dicke, schlüpfrige Haut mit kleinen versteckten Schuppen, ein kleines, mit spitzen Zähnen bewaffnetes Maul u. sehr kleine Kiemenöffnungen ausgezeichnet. Sie bewohnen theils das Meer, theils Brackwasser, theils Seen u. Flüsse, und nähren sich vom Raube kleiner Fische, Würmer, Insectenlarven, Kerbthiere etc. Wegen ihrer kleinen Kiemenspalten, welche das Austrocknen der Kiemen erschweren, ist es ihnen möglich, längere Zeit an der Luft zu athmen, sogar auf dem Lande nach Beute umherzustreifen u. aus einemTeich in den andern zu wandern. Sie pflanzen sich durch Eier fort. Ihr Fleisch ist schmackhaft, doch meist fett u. schwer verdaulich. Von den der Familie angehörenden Arten sind die Flußaale (Anguilla fluviatilis C.; Muraena anguilla L.; ###yelvs der Griechen, anguilla der Römer) am bekanntesten. Durch das Vorhandensein von Brustflossen, die unter ihnen sich öffnenden Kiemenspalten, so wie durch die erst vom zweiten Drittheil des Körpers beginnende Rückenflosse sind sie leicht unter ihren Verwandten kenntlich. Sie erreichen eine Länge von 2-7', sind cylindrisch, hinterwärts seitlich zusammengedrückt, oberseits dunkelgrün, unterseits am Bauche weißlich. Sie leben in Seen, Teichen, Flüssen u. Brackwasser u. liegen den Tag über im Schlamme verborgen. Ihr schmackhaftes Fleisch lockt zum Fange, welcher durch Reusen, Angeln mittelst Regenwürmer u. kleiner Frösche, oder durch Spieße oderGabeln (Aalgabel, Tristachel), welche auf's Gerathewohl an Stellen, an denen man Aale vermuthet, in den Schlamm gestoßen u. mit den angespießten Thieren herausgehoben werden, bewerkstelligt wird. Sie werden frisch gebraten, gekocht u. mit Essig eingemacht oder marinirt oder geräuchert (Spickaale) gegessen und sind für manche Gegenden ein bedeutender Handelsartikel, besonders an den Nord- u. Ostseeküsten, woselbst sie zumal im Mai zu Tausenden gefangen werden. Anatomisch interessant ist beim Aale das Vorkommen eines Herzens im Schwanze (Caudelherz); es ist ein pulsirendes, zu beiden Seiten des letzten Schwanzwirbels gelegnes Organ, welches das Blut aus den zarten Venen der Schwanzflosse in die Schwanzvene treibt u. wurde v. Marshall Hall entdeckt. Die Fortpflanzung der Aale ist noch nicht zur Genüge aufgeklärt. Aristoteles (hist. an. VI. 15. u. IV. 11. 2.) ließ sie aus Regenwürmern entstehen. Spätere behaupteten, sie brächten lebendige Junge zur Welt, bei alten Individuen wollte man junge Aale im Darm, sowie anderwärts gefunden haben (Elmer, Charleton, Allen etc.). Allein die Aale legen Eier, welche sich bei den Weibchen in einem zur Seite des Rücgrats verlaufenden weißen, etwa 6''' breiten, einem Fettstreifen ähnlichen Eierstock entwickeln, fast mikroskopisch klein sind und durch eine winzige Oeffnung, in welche man kaum mit einer feinen Borste gelangen kann, gelegt werden. Dagegen kennt man bis auf den heutigen Tag die Männchen u. ihre charakteristischen Organe noch nicht mit Bestimmtheit, weil man noch nirgends Samenthierchen hat auffinden können. (Vgl. Hohnbaum-Hornschuch, De anguillarum sexu etc., Greifsw. 1842; Schlüsser, De petromyzontum et anguillarum sexu, Dorp. 1548. – Außerdem gehören zu der Familie der Aale der Meeraal (Conger), der Sandaal (Ammodytes), der Zitteraal (Gymnotus), die Muräne (Gymnothorax) u. a.

Aal, ein falscher Bruch im Tuch.

[Vollmer]

Aal
m. (-s, Pl. -e)
schon bei Dasypodius 1537 Aal. Aus mhd. ahd. âl m.; dazu ndl. aal, ags. œl, engl, eel, anord. āll, schwed. ål, dän. aal m. Kaum nach E. Schröder ZfdA. 42, 63 aus *ēdlos «der eßbare Fisch» oder «der Fresser», vielmehr besteht wohl Verwandtschaft zu dem 2. Teil von lat. angu-illa f. gr. ἔγχελυς f. «Aal». Der Pl. lautet älternhd. wie im mhd. gewöhnlich Äle (so noch 1773 Goethe im Götz, d. j. Goethe 2, 344), doch Aale schon bei Henisch 1616, seit Adelung (der Äle nur aus der Schweiz kennt) Regel.

[Weigand 1909]

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