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Aachen

Aachen
Substantiv, n, Toponym; des Aachens, Aachener, Aachenern, Aacheners, Aachenerin, Aachenerinnen
Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland

[Wiktionary]

Aachen (franz. Aix-la-Chapelle, lat. Aquae, meist unflektiert Aquis, Aquisgranum; hierzu der Stadtplan mit Registerblatt), die uralte Krönungsstadt der deutschen Könige, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Rheinprovinz und Stadtkreis, 162 m ü. M., liegt in einem Kesseltal, das von der Wurm bewässert und von den Vorhöhen des Hohen Venn umgrenzt wird. A. besteht aus der innern alten und der äußern neuen Stadt, wozu noch neue Stadtteile außerhalb der ehemaligen Ringmauer und die 1897 einverleibte Nachbarstadt Burtscheid kommen. Die meisten Straßen erinnern mit ihrer breiten Flucht und modernen Gebäuden nur selten an das Mittelalter.
Als die schönsten sind die Wilhelms-, Hoch-, Theater-, Bahnhofs-, Komphaus- und Großkölnstraße und die sogen. Gräben (Templer-, Alexianergraben etc.), welche die Mittelstadt von den ehemaligen Vorstädten trennen, anzuführen. Neue schöne Straßen sind: die Lousbergstraße, die Ludwigs-, Monheims- und Heinrichsallee, der Adalbertstein weg, der Boxgraben etc. Von den Plätzen sind zu nennen: der Große Markt mit der Bronzestatue Karls d. Gr., der Friedrich-Wilhelmsplatz, der Theaterplatz mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (modelliert von Schaper), der Münsterplatz, der Bahnhofsplatz mit dem Kriegerdenkmal von Fr. Drake, der Kaiserplatz mit monumentalem Springbrunnen, der Hansemannplatz mit dem Denkmal David Hansemanns von H. Hoffmeister etc. Von den ehemaligen Toren der Stadt stehen nur noch das Ponttor im NW. und das Marschiertor im S., zwischen A. und dem Stadtteil Burtscheid.
[Bauwerke.] Unter den kirchlichen Bauwerken ist zunächst das Münster zu nennen, ein architektonisches Konglomerat aus den verschiedensten Perioden christlicher Baukunst. Der älteste Teil ist die byzantinische Pfalzkapelle Karls d. Gr., ein achteckiger, 32 m hoher Bau mit Kuppel. Dieses Oktogon, das eigentliche Schiff der Kirche, wurde 796 nach byzantinischen Mustern begonnen, von Meister Udo von Metz vollendet und 805 durch Papst Leo III. eingeweiht. Die Mosaikbilder, welche die Kuppelwölbung bedeckten, gingen verloren; nur eins derselben, die Majestas Domini mit den 24 Ältesten der Apokalypse, ist wiederhergestellt worden. Westlich von dem Oktogon steht ein Glockenturm, flankiert von zwei runden (karolingischen) Treppentürmen, die nach der im Mittelalter entstandenen gotischen Reliquienkammer führen. Das 34,5 m hohe, 25 m lange und 12,5 m breite Chor, der zweitälteste Teil des Münsters, 1353–1413 im gotischen [2] Stil ausgeführt, schließt sich an die Ostseite des Oktogons und interessiert besonders durch seine 26,7 m hohen, 5 m breiten Fenster, die mit prachtvollen modernen Glasmalereien geschmückt sind. Mehrere reichdekorierte, gotische Kapellen, im Innern restauriert, darunter die Karlskapelle und die Annakapelle, flankieren beide Seiten des Achtecks und Chors. Die Entfernung von Teilen einer dritten Bauperiode (18. Jahrh.), die das damals schon planlos erweiterte Gebäude verunzierten, so der im Zopfstil wieder aufgeführten Ungarischen Kapelle, die jetzt den Domschatz birgt, sowie geschmackloser Stuckaturen und Übermalungen im Innern und die Wiederherstellung der Kirche in ihrer ursprünglichen Gestalt hat sich der 1849 gegründete Karlsverein zur Aufgabe gemacht. In der Mitte des Oktogons bezeichnet eine Steinplatte fälschlich die Stelle, an der Kaiser Karl bestattet ist. Die Grabstätte ist indessen noch nicht gefunden. Seit 1215 ruhen seine Gebeine im schönen Karlsschrein. (Vgl. Käntzeler, Karls d. Gr. Behälter, Aach. 1858, und in den Bonner »Jahrbüchern«, Heft 33.) Über der vermeintlichen Gruft hängt ein großer Kronleuchter aus vergoldetem Kupfer, eine kunstvolle Arbeit des Aachener Meisters Wibert und vom Kaiser Friedrich I. geschenkt. Außer Karl d. Gr. wurde auch Otto III. im Münster bestattet. – Reich sind die Schätze, die das Münster birgt, an Reliquien und kostbaren Altertümern, unter letztern das angebliche Hifthorn Karls d. Gr., der weißmarmorne, später mit Gold plattierte Kaiserstuhl, die prachtvolle, mit Gold überzogene und mit Gemmen und Elfenbeinreliefs verzierte Evangelienkanzel, ein Geschenk Heinrichs II., etc. Die Reliquien werden alle sieben Jahre in der Zeit vom 10.–24. Juli (zuletzt 1902) dem Volke gezeigt. Vgl. Quix, Historische Beschreibung der Münsterkirche zu A. (Aach. 1825); Debey, Die Münsterkirche zu A. und ihre Wiederherstellung (das. 1851); Schervier, Die Münsterkirche zu A. und deren Reliquien (das. 1853); Floß, Geschichtliche Nachrichten über die Aachener Heiligtümer (Bonn 1855); Bock, Karls d. Gr. Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze (Köln 1866–67); Kessel, Geschichtliche Mitteilungen über die Heiligtümer der Stiftskirche zu A. (Köln u. Neuß 1874); Beissel, Die Aachenfahrt. Verehrung der Aachener Heiligtümer (Freib. 1902).
Außer dem Münster besitzt A. noch 41 Gotteshäuser, darunter 10 kath. Pfarrkirchen, 3 evang. Kirchen und eine Synagoge im maurischen Stil. Nur vier dieser Kirchen sind mittelalterlichen Ursprungs: die St. Foillans-Pfarrkirche (aus dem 15. Jahrh.), die spätgotische Kirche zu St. Paul (mit einer Himmelfahrt von Schadow), die Adalbertskirche und die Nikolauskirche. Unter den übrigen sind die gotische Marienkirche und die im romanischen Stil erbaute Redemptoristenkirche als moderne Bauwerke sowie die Michaeliskirche (1628 geweiht) wegen ihres Altarbildes (einer Pieta von Honthorst) und die neue Jakobskirche im romanischen Stil hervorzuheben.
Das historisch wichtigste profane Bauwerk Aachens ist das an der Stelle der karolingischen Kaiserpfalz im 14. Jahrh. erbaute gotische Rathaus. An beiden Seiten der Nordfront erheben sich nach Vernichtung ihres Dachwerks durch die Feuersbrunst von 1883 zwei jetzt wiederhergestellte Türme, von denen der eine (östliche), der gewaltige Granusturm, zum größten Teil noch der alten Pfalz angehört. Vgl. Kessel, Das Rathaus zu A. (Aach. 1884); Rhoen, Die karolingische Pfalz zu A. (das. 1889); v. Reber, Der karolingische Palastbau (Münch. 1892). Im obern Geschoß enthält das Rathaus den schönen, fast 45 m langen und 19 m breiten Kaisersaal, der einst zur Abhaltung der Krönungsfeierlichkeiten diente und mit Wandgemälden von Rethel und Kehren geschmückt ist. Eine durchgreifende Restauration des ganzen Baues ist jetzt vollendet. Von den übrigen öffentlichen Gebäuden sind zu nennen: das Kurhaus mit großem Konzertsaal, das Suermondt-Museum, der in griechischem Stil nach Schinkels Plänen 1822–24 ausgeführte Elisenbrunnen, das Theater, das Regierungsgebäude, das gotische Karlshaus, das städtische Verwaltungsgebäude, das städtische Archiv- und Bibliotheksgebäude etc.
[Bevölkerung und Erwerbszweige.] Die Zahl der Einwohner, die 1799: 23,699, 1867: 67,923 betrug, belief sich 1900 mit der Garnison (ein Füsilierregt. Nr. 40) auf 135,245 Seelen, darunter 9354 Evangelische und 1580 Juden. In der Industrie ist besonders die Textilbranche von hervorragender Bedeutung. 1900 bestanden dort 159 Fabriken mit 13,152 Arbeitern, die Spinnerei, Weberei, Tuchfabrikation (78 mit 10,365 Arbeitern) und Färberei betrieben. Hauptprodukt sind namentlich Herren- und Damentuche. Demnächst nimmt die Nadelfabrikation einen hervorragenden Rang ein (1900: 29 Fabriken mit 4022 Arbeitern), desgleichen die Herstellung von Kratzen, Maschinen und Dampfkesseln, Wagen und Waggons, Möbeln und Zigarren sowie die Buchdruckerei. Sonst sind noch vorhanden: Fabriken für Samt-, Leinen- und Posamentierwaren, Farben, Handschuhe, Messer, Regenschirme, feuerfeste Steine, Ton- und Steingutwaren, Zement, optische und physikalische Instrumente, Knöpfe, Glocken, Tapeten, Feuerspritzen, Eisengießereien, große Brauereien und Brennereien etc. A. ist mit vier Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Köln-Herbesthal und zahlreicher andrer Linien. Eine elektrische Straßenbahn von 83 km Betriebslänge sowie ein ausgedehntes Fernsprechnetz (1710 Sprechstellen) erleichtern den Verkehr. A. ist ein wichtiger Stapelplatz des preußischen Handels. Außer den Erzeugnissen der Textil- und Nadelfabrikation, mit starker überseeischer Ausfuhr, sind namentlich Wolle, Getreide und Wein, Steinkohlen, Leder, Holz etc. wichtige Handelsartikel. Zugleich ist A. Sitz der A.-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft (gegr. 1825 von Hansemann), der Rückversicherungsgesellschaft, der A.-Höngener Bergwerksgesellschaft und der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen. Den Geldverkehr vermitteln die Reichsbankstelle (Umsatz 1901: 1153,5 Mill. Mk.), die Filiale der Bergisch-Märkischen Bank, die Aachener Diskontogesellschaft, die Bank für Handel und Gewerbe etc. Ferner ist A. Sitz einer amtlichen Konditionieranstalt sowie Verwaltungsstelle einer Reihe berufsgenossenschaftlicher Organe und Sitz namhafter gewerblicher Vereinigungen (z. B. des Berg- und hüttenmännischen Vereins im Aachener Bezirk, des Vereins deutscher Nadelfabrikanten, des Tuchfabrikantenvereins etc.).
[Anstalten, Behörden.] An Bildungsanstalten besitzt A. eine technische Hochschule (1900: 421 Studierende), 2 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine höhere Fachschule für Textilindustrie, eine gewerbliche Zeichen- und Kunstschule, eine Baugewerkschule, eine höhere Maschinenbauschule, eine Fachschule für Heizer und Maschinenwärter, eine Taubstummenbildungsanstalt etc. Daneben bestehen mehrere öffentliche Bibliotheken und zahlreiche Kunst- und naturhistorische[3] Privatsammlungen, darunter namentlich die Stadtbibliothek mit über 80,000 Bänden, das Stadtarchiv, das Suermondt-Museum (für Altertümer, Gemälde und Kupferstiche), das Stadttheater, zahlreiche wissenschaftliche Vereine etc. Von Wohltätigkeitsanstalten sind zu nennen: das Mariahilfspital (unter Leitung von Elisabethinerinnen), die Alexianer-Irrenanstalt, das Vincenzspital für Unheilbare, die Mariannen-Entbindungsanstalt, die Annunziatenanstalt für weibliche Irre (Mariabrunn und Mariaberg), das Luisenhospital, die Augenheilanstalt für den Regierungsbezirk A., das Arbeiterinnenhospiz, ein Armen- und Waisenhaus etc.
A. ist Sitz der Regierung, eines Landratsamts (für den Landkreis A.), eines Landgerichts, einer Oberpostdirektion, eines königlichen Polizeipräsidiums, eines Hauptzollamts, des Stabes der 29. Infanteriebrigade sowie einer Handelskammer. Die städtischen Behörden zählen 7 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete. Die städtische Jahresrechnung umfaßte 1901: 8,144,000 Mk. in Einnahme und Ausgabe; die Schuld belief sich auf 17,7 Mill. Mk. Der Landgerichtsbezirk umfaßt die 16 Amtsgerichte zu A., Aldenhoven, Blankenheim, Düren, Erkelenz, Eschweiler, Eupen, Geilenkirchen, Gemünd, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie, St. Vith, Stolberg und Wegberg. – Die Stadtfarben sind Schwarz und Gelb.
[Mineralquellen.] Die Aachener Mineralquellen (schon von den Römern benutzt) gehören zur Klasse der warmen Schwefelquellen. Man unterscheidet drei Quellgruppen, die am Abhang der das Rathaus tragenden Höhe auf der Hof- und Büchelstraße (obere Gruppe) und der Komphausbadstraße (untere Gruppe) hervorbrechen, sowie die Quellen im Stadtteil Burtscheid. In der obern Gruppe ist die mächtigste und heißeste (55°) die Kaiserquelle (vgl. die chemische Analyse in der Tabelle bei Art. »Mineralwässer«, VII) im Gebäude des Kaiserbades, die außer den eignen Bädern und dem Elisenbrunnen auch das Bad Zur Königin von Ungarn und das Neubad speist; bei dem Neubau des erstern in der Edelstraße wurden die Fundamente eines von der 6. römischen Legion zwischen 71 und 91 n. Chr. in der Nähe der Kaiserquelle errichteten Badegebäudes ausgegraben. In Verbindung mit dem Kaiserbad steht ein Inhalationssaal. Zu der obern Quellgruppe zählt auch die Quirinusquelle (50°), die das gleichnamige Bad versieht. Zu der untern Quellgruppe auf der Komphausbadstraße gehört die von allen Thermen Aachens wasserreichste, das Rosenbad und das für Unbemittelte bestimmte Komphausbad versehende Rosenquelle (47,5°); sehr wasserreich ist auch die Corneliusquelle (45,7°), die das Cornelius- und Karlsbad speist. Im Stadtteil Burtscheid befinden sich 25 Thermen (Kochsalzquellen), die mehr oder minder nach Schwefelwasserstoffgas riechen, und von denen 9 zu Heilzwecken benutzt werden, darunter die Schwertbadquelle (74,6°), die heißeste Quelle von Mitteleuropa, der Viktoriabrunnen (60°), der gewöhnlich zum Trinken benutzt wird, der Kochbrunnen (72,5°; vgl. Tabelle bei Art. »Mineralwässer«, VII). Übrigens befindet sich dort auch eine kalte Eisenquelle. Die Thermen werden zu Bädern benutzt, auch getrunken und zerstäubt eingeatmet. Sie wirken besonders auf das Pfortadersystem und die Schleimhäute und werden angewendet gegen Gicht, Hautkrankheiten, Rheumatismus, Unterleibsbeschwerden, Syphilis, Neuralgien, Lähmungen, Folgezustände von Verletzungen und Entzündungen, Metallvergiftungen, Rückenmarksschwindsucht, Skrofulose. Aus dem Thermalwasser wird auch ein Tafelwasser hergestellt (Versand jährlich 3,8 Mill. Flaschen). Zahl der Kurgäste jährlich über 40,000. Vgl. Liebig, Chemische Untersuchung der Schwefelquellen Aachens (Aach. 1851); Lersch, Geschichte des Bades A. (das. 1870); Derselbe, Die Thermalkur zu A. und Burtscheid (das. 1870); Schuster, Die Aachener Thermen. Verhaltungsregeln etc. (3. Aufl., das. 1876); Reumont, Die Thermen von A. und Burtscheid (6. Aufl., das. 1888); Derselbe, Winterkuren an Schwefelthermen (Wien 1877); Beissel, Der Aachener Sattel und die aus demselben vorbrechenden Thermalquellen (Aach. 1886); »A. als Kurort« (hrsg. von Beissel, das. 1889); Fromm, Die Literatur über die Thermen von A. (das. 1890).
Umgebung. Rings um die Stadt sind vortreffliche Promenaden angelegt (Stadtgarten in Verbindung mit einem botanischen Garten). Der nahe Lousberg, ein 250 m hoher Hügel nördlich von der Stadt, bietet herrliche Aussicht. Vom Lousberg, zugleich einem ergiebigen Fundort für Petrefakten der Kreideformation, durch einen Einschnitt getrennt, erhebt sich der Salvatorberg, mit romanischer Kapelle, 1883 bis 1884 in der frühern Gestalt neu aufgebaut. Weiterhin bildet der über 1000 Hektar große Aachener Wald (mit Aussichtsturm) schöne Partien. Ein neues. im Bau befindliches Stadtviertel, überwiegend auf Burtscheider Gebiet, umgrenzt die Frankenburg, den sagenhaften Lieblingsaufenthalt Karls d. Gr. und Fastradas, in parkartiger Umgebung.
[Geschichte.] A. ist in der Römerzeit entstanden; seine mittelalterliche Bezeichnung Aquisgrani (Aquisgranum) weist auf den Kult des Apollo Granus hin, den die Römer bei Thermen verehrten. Schon unter König Pippin bestand daselbst um 765 eine königliche Pfalz, an deren Stelle Karl d. Gr. 777–786 einen prächtigen Neubau ausführen ließ, in dem er und seine Nachfolger häufig Hof hielten. Erst 1172 bis 1176 wurde der Ort (die jetzige Altstadt) auf Geheiß Kaiser Friedrichs I. mit einer Mauer umgeben und dadurch Stadt. Um 1300 entstand der äußere Mauerring. Schon 1166 gewährte Friedrich I. und 1215 Friedrich II. A. wichtige Privilegien. Wilhelm von Holland erteilte 1250 den vom Rate beschlossenen Statuten seine Zustimmung; doch bestanden als königliche Beamte Vogt und Schultheiß fort. A. hieß »des heiligen römischen Reiches freie Stadt« und spielte im Landfriedensbund zwischen Maas und Rhein (1351–87) eine hervorragende Rolle. Von Ludwig dem Frommen bis auf Ferdinand I. (813–1531) wurden hier 32 Kaiser und deutsche Könige gekrönt. 1450 erzwangen die Zünfte durch einen Aufstand Anteil am Stadtregiment. Die Reformation fand schon früh Eingang, ja 1580 wurde der katholische Magistrat verdrängt, worauf 1598 die Reichsacht über A. ausgesprochen und von dem Kölner Kurfürsten Ernst von Bayern vollstreckt ward. Als während des jülichschen Erbfolgestreites die Protestanten abermals die Oberhand gewannen, wurden spanische Truppen unter Spinola 1614 aus den Niederlanden herbeigerufen und durch sie das im Jahre vorher erlassene Restitutionsmandat Kaiser Matthias' vollzogen. Die Verlegung der Krönungen nach Frankfurt, die Religionsstreitigkeiten und eine große Feuersbrunst 1656 führten Aachens Verfall herbei. 1801 wurde es durch den Lüneviller Frieden französisch und Hauptstadt des Roerdepartements. 1815 fiel es an Preußen. Das Bistum A., 1802 gegründet, wurde 1821 aufgehoben und bei dem Münster wiederum ein Kollegiatstift eingerichtet.[4] Von A. führen zwei Friedensschlüsse den Namen. Der erste Friede von A. beendete 2. Mai 1668 den sogen. Devolutionskrieg (s. d.) Ludwigs XIV. gegen Spanien. Ludwig XIV. mußte sich mit einigen Städten Flanderns, wie Charleroi, Douai, Tournai und Lille, begnügen, wogegen Spanien die Franche-Comté zurückerhielt. Der zweite Friede von A., 18. Okt. 1748 zwischen Österreich, England, den Niederlanden und Sardinien einerseits und Frankreich und Spanien anderseits abgeschlossen, beendigte den Österreichischen Erbfolgekrieg. Österreich trat die italienischen Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla an den spanischen Infanten Philipp ab; dafür erkannten Frankreich und Spanien die Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI. an. Auf dem Aachener Kongreß (1. Okt. bis 14. Nov. 1818), zu dem die Monarchen von Österreich, Rußland und Preußen persönlich erschienen, trat Frankreich der Heiligen Allianz bei, worauf es 9. Okt. die sofortige Räumung seines Gebietes durch die verbündeten Truppen und die Festsetzung der noch zu zahlenden Kriegskosten auf 265 Mill. Frank zugestanden erhielt. Ferner erklärte der Kongreß das Großherzogtum Baden, von dem Österreich einen Teil an Bayern versprochen hatte, für unteilbar und gestand den Grafen von Hochberg das Recht der Nachfolge in Baden zu. Vgl. Schjerning, A. und seine Umgebung (Aach. 1895); Führer von Lersch (6. Aufl., das. 1900), Thissen u. a.; Wagner, Beschreibung des Bergreviers A. (Bonn 1881); Quix, Geschichte der Stadt A. (Aach. 1841, 2 Bde.); Haagen, Geschichte Achens (das. 1874, 2 Bde.); »Festschrift zur 72. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, Aachen 1900«; Rhoen, Die ältere Topographie der Stadt A. (das. 1891); Derselbe, Die Befestigungen der freien Reichsstadt A. (das. 1894); Pick, Aus Aachens Vergangenheit (das. 1895); »Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins« (seit 1879); »Aus Aachens Vorzeit«, Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit (seit 1887).
Der Regierungsbezirk A. (s. Karte »Rheinprovinz«) umfaßt 4155 qkm (75,46 QM.) mit (1900) 614,964 Einw. (148 auf 1 qkm), darunter 24,763 Evangelische, 585,717 Katholiken und 4325 Juden, und besteht aus den 11 Kreisen:
Über die fünf Reichstagswahlkreise des Regierungsbezirks s. Karte »Reichstagswahlen«.

[Meyer]

Aachen,
1) Regierungsbezirk im westl. Theil der preuß. Rheinprovinz, gebildet aus einem großen Theil des Herzogth. Jülich u. Gebieten von Stadt A., Churtrier und mehrern Grafschaften (die während der französischen Zwischenherrschaft zu den Dep. Roer, Niedermaas, Ourthe und Saar geschlagen wurden); 75 1/2 Q.-M., 458,476 E., worunter 11,000 Ref., 4500 Luth. u. 2200 Juden. Der nördliche und östliche Theil zeigt fast ganz den Charakter der niederländischen Ebene; der mittlere Theil ein 5-700 F. hohes Hügel u. Stufenland, ausgezeichnet durch reiche Erz-, Kalk- und Steinkohlenlager; der Süden, ein plateauartiges Gebirgsland (rheinisches Schiefergebirge), umfaßt die hohe Veen, Theile der Eifel u. des Oeslings. Die zahlreichen Gewäffer (Erft, Ahr, Alf, Kyl, Prümm, Our, Welz, Ourthe, Inde, Wurm, Amkleve, Vester, Roer etc.) strömen nach allen Richtungen und bilden zum Theil Zuflüsse von Mosel und Rhein. Das Klima im gebirgigen Theil rauh, im Flachland mild. Der ganze Bezirk, welcher an Belgien u. die Niederlande, dann die Reg.-Bez. Düsseldorf, Köln, Coblenz u. Trier grenzt, gewährt das Bild regster Gewerbthätigkeit (namentlich in Tuch, Baumwolle, Messing, Stecknadeln, Papier, Leder) u. zerfällt in 11 Kreise: Stadtkr. A., Landkr. A., Erkelenz, Jülich, Düren, Schleiden, Malmedy, Montjoie, Eupen, Geilenkirchen, Heimsberg.
2) Kreise: der Stadtkreis (die Stadt), der Landkreis mit Burtscheid.
3) Die Hauptstadt, Sitz der Regierung des Reg.-Bez., mit 61,921 E., worunter gegen 3000Protest. u. über 300 Juden.
A., vermöge der rheinisch-belgischen Eisenbahnen Hauptstapelplatz zwischen Deutschland u. Belgien, Frankreich u. England, hat in neuester Zeit großen industriellen Aufschwung genommen. Es drückt sich dieß auch in dem ganzen Gepräge der Stadt aus, die reich ist an schönen Straßen u. Plätzen. Für Bildung sorgen ein kath. Gymnasium, eine höhere Realschule, eine Provinzial-Gewerbeschule u. verschiedene sonstige Lehranstalten. Der wissenschaftliche Sinn wird rege erhalten durch die Mittel der Stadtbibliothek, durch eine Gesellschaft für nützliche Wissenschaften u. Gewerbe mit Museum, Bibliothek etc., einen Leseverein zur Förderung katholischer Wissenschaft; außerdem besitzt A. eine Menge industrieller u. Wohlthätigkeitsvereine und klösterlicher Institute, die sich theils der Erziehung, theils der Krankenpflege widmen. Besonders zu erwähnen ist die Gräflich v. Hartcamp'sche Fundation zur Unterstützung zurückgegangener Familien u. zur Erziehung von 12 Knaben u. 12 Mädchen armer Eltern, welche adeliger Herkunft sind od. dem höhern Bürgerstande angehören. Auch die Jesuiten haben (bes. durch Vermittlung des höchst verdienstvollen Pfarrers Nellessen) sich hier wieder niedergelassen u. ein sog. Scholasticat erbaut. Ueberhaupt ist in A. reges katholisches Leben, wie sich bes. auf der 1862 daselbst gehaltenen 14. Generalversammlung der katholischen Vereine zeigte. Unter den industriellen Anstalten sind die Wolltuchwaaren-, Nadel-, Maschinen- u. Dampfkesselfabriken zu erwähnen; ebenso die Gerbereien, Färbereien, Eisengießereien u. Zuckersiedereien. Die Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft wurde 1825 von Hansemann begründet. Der ebenfalls durch Hansemann gestiftete Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit ist eine der ältesten preußischen Sparcassen.
Die Schwefelthermen Aachens entspringen in der Mitte der Stadt im Uebergangskalk u. werden nach ihrer Lagein die oberen u. die unteren Quellen unterschieden.
I. Obere Schwefelquellen, auf dem Büchel und dem Hof, u. zwar:
a. die Kaiserquelle, die Haupttherme Aachens, entspringt im Badehause „Kaiserbad“ u. versieht außer diesem noch das „Neue Bad,“ das „Bad zur Königin von Ungarn“ und den „Neuen Trinkbrunnen" (Elisenbrunnen) mit Mineralwasser. Nach v. Liebig (1850) beträgt ihre Temperatur 44° R. (55° C.).
b. Die Quirinus-Quelle entspringt im Badehause gleichen Namens auf dem Hof, mit einer Temperatur von 39°,7 R. (49°,7 C.).
II. Untere Schwefelquellen, sämmtlich auf der Komphausbadstraße, u. zwar:
a. die Rosenbadquelle mit dem gleichnamigen Badehause, 37°,6 R. (47º C.).
b. Die Corneliusquelle, im Hofe des Corneliusbades, 36º, 3 R. (45º,4 C.).
Die Aachener Thermen sind zu verschiedenen Zeiten chemisch untersucht worden, zuletzt durch v. Liebig (1850). Die Kaiserquelle enthält in einem Pfunde Wasser 31 1/2, Gran fixe Bestandtheile, welche in abnehmender Reihe u. wägbarer Menge folgende sind: Chlornatrium, kohlensaures Natron, schwefelsaures Natron, kohlensaurer Kalk, schwefelsaures Kali, organische Materie, Kieselerde, kohlensaure Magnesia, kohlensaures Eisenoxydul, Schwefelnatrium, Bromnatrium, Jodnatrium, kohlensaures Lithion u. kohlensaurer Strontian; in unwägbarer Menge: kohlensaures Manganoxydul, phosphorsaure Thonerde, Fluorcalcium u. Ammoniak. An gasförmigen Bestandtheilen enthält sie: Stickstoff, Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, Grubengas u. Sauerstoff. Die übrigen Quellen haben eine der Kaiserquelle ähnliche chemische Zusammensetzung.
Die Aachener Quellen gehören demnach zu den alkalisch-muriatischen Schwefelthermen. Als heiße Schwefelquellen zeigen sie im Allgemeinen eine tief in die Ernährung eingreifende, theils erregende, theils alterirende (den Stoffwechsel befördernde) Wirkung; vermöge ihres bedeutenden Antheils an salzsaurem u. kohlensaurem Natron bethätigen sie hauptsächlich die Secretionen u. die Resorption u. üben durch ihren Antheil an Stickstoff und Schwefelwasserstoff gleichzeitig eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem aus. Speziell befördern die Aachener Thermen die Secretion der äußeren Haut, der Nieren u. der gesammten Schleimhäute, den Blutumlauf im Pfortadersystem, zugleich die anomale Blutmischung desselben verbessernd; endlich steigern sie die resorbirende Thätigkeit des Lymph- u. Drüsensystems. Sie sind daher von unübertroffener Heilkraft:
1) In chronischen Hautkrankheiten, namentlich bei den sogenannten Flechten.
2) In allen Formen u. Folgen der rheumatischen Diathese.
3) In der gichtischen Dyskrafie u. den davon abhängenden, oder damit in Zusammenhang stehenden Krankheitszuständen.
4) In chronischen Metallkrankheiten u. ihren Folgen (Atrophie, Lähmungen), hauptsächlich durch Merkur, Blei u. Arsenik. Hier wirkt die Aachener Therme wahrhaft specifisch u. entwickelt auch namentlich da ihre Heilwirkung, wo neben der Merkurialdyskrasie noch syphilitische Ueberreste bestehen.
5) Bei den Folgen schwerer Verletzungen, seien dieselben in Folge von Hieb- u. Schußwunden, od. durch Knochenbrüche u. Verrenkungen entstanden.
6) In chronischen Katarrhen des Larynx u. der Bronchien, in asthmatischen Beschwerden.
Außerdem bewährt die Aachener Therme öfter ihre Heilkraft in Krankheiten des lymphatischen Systems: Skrofeln, Drüsenverhärtungen; in gewissen Krankheiten des weiblichen Geschlechtes (wie fluor albus, Verhärtungen des Uterus etc.). Die Aachener Therme findet ihre Gegenanzeigebei fieberhaften Zuständen, Lungenschwindsucht, Herzkrankheiten, Blutflüssen u. Schwangerschaft. Es gibt fünf Methoden der Anwendungsart der Aachener Therme: die Trinkcur, das allgemeine Bad, die Douche, das Dampfbad u. die Einathmungscur der Dämpfe und Gase. Viele seiner vortrefflichen Erfolge verdankt Aachen den ausgezeichneten Douche- u. Dampfbad-Einrichtungen, die nirgendwo in solcher Vollkommenheit bestehen. Die Aachener Curzeit beginnt Anfangs Juni und endet gewöhnlich mit dem September. Außer den Schwefelthermen besitzt Aachen noch Eisenquellen, welche von Fremden u. Einheimischen häufig in Gebrauch gezogen werden. Der frühere Trink- oder sogen. Spaa-Brunnen auf dem Drischplatz ist eingegangen. Das trefflich einrichtete Leuchtenrath'sche Badehaus liegt auf der Theaterstraße; es werden hier kalte und erwärmte Eisenbäder genommen; es besitzt auch gute Douche-Apparate. Die Leuchtenrather Eisenquelle eignet sich durch ihren bedeutenden Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul u. ihren geringen Antheil an Kohlensäure mehr zum Baden, als zum Trinken. Die Wirkung weicht nichtvon der der Eisenquellen im Allgemeinen ab.
Vgl. G. Reumont, Aachen u. seine Heilquellen, Aachen 1828; J. P. J. Monheim, die Heilquellen von Aachen, Burtscheid etc., Aachen 1829; L. Zitterland, Aachens heiße Quellen, Aachen 1836; A. Reumont, Aachens Schwefelthermen, Aachen 1856; L. Wetzlar, Traité pratique Propriétés curatives des eaux thermales d'Aix-la-Chapelle, Bonn 1856; Benrath, A., Burtscheid u. ihre Umgebung für Fremde u. Curgäste, Aachen 1860; Amery u. Reumont, Aix-la-Chapelle et Borcette, ebd. 1862.
Von den Baudenkmalen Aachens ist vor Allem der Dom zu erwähnen, ein Hauptdenkmale altchristlicher Baukunst diesseits der Alpen, dessen Bau von Ansigis, dem Abt von St. Bandrilla, geleitet u. durch Papst Leo III. persönlich (804) zu einem Münster U. L. Frau eingeweiht wurde. Die Kirche bildet ein Achteck (von ungefähr 48 F. im Durchmesser), das von einem 16 seitigen Umgang umgeben u. durch starke Pfeiler gebildet wird, auf welchen die den Mittelraum einnehmende Kuppel emporstrebt. In spätern Jahrhunderten wurde manches angebaut, namentlich im 14. Jahrh. der hohe Chor; das halbindische Dach der Kuppel datirt aber erst aus dem17. Jahrh. Antike Säulen, die aus Ravenna geholt wurden, wie denn der ganze Plan viel Aehnlichkeit mit der unter Kaiser Justinian zu Ravenna erbauten Kirche von San Vitale hat, bildeten den architektonischen Hauptschmuck, wurden aber von den Franzosen zu Ende des vorigen Jahrh. herausgebrochen u. nach Paris transportirt, wo noch die schönsten im Antikensaale des Louvre zu sehen sind, während die Mehrzahl allerdings nach dem Pariser Frieden wieder nach Aachen zurückgebracht, aber erst unter Friedrich Wilhelm IV. an ihre alte Stelle gesetzt wurde. In der Mitte des Octogon deckt ein Stein mit der Inschrift Carolo Magno das Gewölbe, wo des Kaisers Leiche beigesetzt gewesen sein soll. Man fand sie, als Otto III. i. J. 1000 das Grab öffnen ließ, noch gut erhalten, sitzend auf einem Marmorstuhle, das Scepter in der Rechten, das Evangelium auf den Knieen, ein Stück vom h. Kreuze auf dem Haupte, die Pilgertasche um die Lenden. Wieder eröffnet bei glänzender Reichsversammlung durch Kaiser Friedrich I. i. J. 1165, wurden die Gebeine in einen kostbaren Sarg gelegt u. zum Gedächtnisse der feierlichen Erhebung ein prächtiger Kronleuchter mit 48 Armen über der Gruft aufgehängt. (S. dessen Abbildung bei Cochier u. Martin, Mélanges d'archéologie, Bd. 3; vgl. auch Fr. Bock, Der Kronleuchter Kaisers Friedrich Barbarossa im karolingischen Münster zu Aachen u. die formverwandten Lichterkronen zu Hildesheim u. Comburg, Aachen1863 mit 20 Holzschn. u. 16 Kupferabdrücken.) Endlich ließ Kaiser Friedrich II. die Reliquien in einen auf's künstlichste in Gold u. Silber gearbeiteten Schrank legen u. in die Sacristei bringen, wo sie noch aufbewahrt werden. Der marmorne Stuhl, später mit Gold plattirt, war bis 1531 bei Kaiserkrönungen in Gebrauch u. befindet sich jetzt auf der Emporkirche (Hochmünster); die Reichsinsignien dagegen kamen 1795 nachWien. Auf der Westseite der Rotunde, neben dem Glockenthurme, befindet sich die Heiligthumskammer, woselbst alle 7 Jahre (10.-25. Juli) die größern Heiligthümer (ein Kleid Mariä, Windeln des Heilands, das Leichentuch Johannis des Täufers u. ein blutgetränktes Lendentuch Christi) von der Thurmgalerie dem Volke gezeigt werden. Außer diesen bewahrt man in der Sacristei auch noch mehrere kleinere Reliquien. Vgl. Schervier, Die Münsterkirche zu Aachen u. deren Reliquien, 1853; Floß, Geschichtliche Nachrichten über die Aachener Heiligthümer, Bonn 1855; Bock, Der Reliquienschatz des Liebfrauenmünsters zu Aachen in seinen kunstreichen Behältern, Aachen 1860. Der schon erwähnte, östlich des Achtecks angebaute Chor ist in gothischem Style von Bürgermeister Gerbart v. Schellart (der auch im Dom seine Grabstätte gefunden) erbaut u. wurde 1413 eingeweiht. In Mitte desselben ist Kaiser Ottos III. Grab. Die Evangelienkanzel im Chor, mit kostbaren Gemmen u. von kunstreicher Schnitzarbeit, ist ein Geschenk Kaisers Heinrich II. Durch den 1849 begründeten Karlsverein wurden die Restaurationsarbeiten mächtig gefördert. Seit 1853 füllen auch prächtige Glasgemälde die hohen Bogenfenster. Von den übrigen Kirchen Aachens (im Ganzen 26) ist keine architektonisch bemerkenswerth. Die Peters-, Nikolaus-, Michaels- u. Leonhardskirche enthalten vorzügliche Gemälde. Die Marienkirche gehört zu den schönsten Bauten der Neuzeit. Das Rathhaus, von dem erwähnten Meister Gerhart (mit Beinamen Chorus) 1353 in gothischem Style auf einem der höchsten Punkte der Stadt erbaut, schließt die Reste der alten Pfalz in sich u. ist dessen175 F. lange Fronte rechts von dem sog. (wohl römischen) Granusthurm u. links von demGlockenthurm eingeschlossen. Im dritten Stockwerk befindet sich der große Krönungssaal, in welchem auch der Monarchencongreß stattgefunden u. die Friedensinstrumente von 1668 u. 1748 unterzeichnet wurden. Er ist neu hergestellt u. mit Fresken aus dem Leben Karls d. Gr. von Rethel u. Kehren geschmückt. Ein schöner Springbrunnen vor dem Rathhaus trägt das bronzene Standbild Karls d. Gr. Die jetzige Kornhalle („Gras“) scheint ein Ueberrest aus der Zeit Karls d. Gr. zu sein u. die Bestimmung gehabt zu haben, aus den verschiedenen Anbauen der kaiserl. Pfalz einen befestigten Durchgang zur Kirche zu bilden. Von neuern Gebäuden sind zu erwähnen die Redoute mit reich ververziertem Concertsaal, das Schauspielhaus, das Regierungsgebäude, der Elisen- oder neue Trinkbrunnen. Vgl. Der Führer in Aachen, ebd. 1860.
A. ist ohne Zweifel röm. Ursprungs (Aquae Graniae, wahrscheinlich von Granius, dem Beinamen des als Schutzgott der Gesundheit bei Heilquellen von den Römern verehrten Apollo abgeleitet). Urkundlich wird A-s zuerst erwähnt in einer Entscheidung des Königs Siegbert. Pipin d. Kl. feierte in der von ihm errichteten Capelle des Palastes (Aix la Chapelle) 765 das b. Oster- u. Weihnachtsfest. Durch Karl d. Gr., dessen Geburtsort die Sage auch hieher verlegt, ward es gleichsam Hauptstadt der damaligen Welt. Von hier gingen seit 788 die meisten seiner Capitularien aus, hier wurde er auch nach seinem Tode (814) in dem von ihm(796-804) erbauten Dome beigesetzt. Seit 814 bis 1531 wurden hier sämmtliche deutsche Könige gekrönt. Unter Otto III. ward A. mit der durch wiederholte Einfälle der Normannen verwüsteten Krönungskirche wieder vollständig hergestellt u. auch dieses Kaisers Leiche (st. zu Paterno in Italien) auf dessen ausdrücklichen Wunsch daselbst beigesetzt. Hier predigte 1146 der h. Bernhard den Kreuzzug. Das Aachener Stadtrecht, wohl von Karl d. Gr. verliehen, wurde von Friedrich I. bestätigt. Wilhelms von Holland Krönung konnte, da A. seinem Gegner Friedrich II. anhing, erst nach 6monatlicher Belagerung u. Capitulation mit der Bürgerschaft stattfinden. In der goldenen Bulle (1356 von Karl IV. gegeben) wird A. als künftiger Krönungsort ausdrücklich bestimmt. Auch sonst erfreute sich A. zahlreicher kais. Privilegien. Die Bürger waren frei von Steuern, Hand- u. Kriegsdiensten, A-s Mauern gewährten dem Geächteten ein Asyl. Selbstverständlich behauptete die Stadt im rheinischen Bund eine hervorragende Stellung. Selbst in Frankreich genossen die Aachener Handelsherren (seit Karl IV.) längere Zeit der Zollfreiheit. An die Stelle der erblichen Geschlossenheit des Magistrats trat 1450, in Folge eines Aufstandes, die Zunftverfassung (Gaffelbrief), die aber noch manche Anfechtung erlitt. Ein neues Element der Zwietracht kam mit der Reformation, deren Anhänger selbst nach vielen Kämpfen keine Geltung gewinnen konnten. Verstärkt durch flandern'sche u. franz. Flüchtlinge begehrten sie endlich (1587) gleiche bürgerliche Rechte mit den Katholiken u. paritätische Wahl der Bürgermeister. Abgewiesen verjagten sie den kath. Magistrat mit Gewalt. Folge war die Reichsacht (1588), welche durch den Kurfürsten Ernst von Köln vollzogen wurde. Ebenso mußte ein Edict des Reichshofrathes von 1605 durch Waffengewalt (spanische Truppen unter Spinola 1614) zur Anerkennung gebracht werden. Eine furchtbare Feuersbrunst legte 1656 einen großen Theil der Stadt in Asche (über 4000 Häuser, 13 Klöster, das Stadtarchiv u. die Bibliothek) u. Erdstöße richteten 1756 u. 59 vielen Schaden an. Von den Franzosen 1793 u. 94 besetzt, kam A. durch die Friedensverträge von Campo Formio u. Lüneville (1798 u.1802) sammt dem linken Rheinufer an Frankreich, bis es 1814 von den Verbündeten in Besitz genommen u. durch den 2. Pariser Frieden 1815 mit Preußen vereinigt wurde. Ueber den 1818 abgehaltenen Monarchencongreß, zu dessen Andenken vor dem Adalbertsthore, an der Stelle des damals abgehaltenen militärischen Gottesdienstes, 1844 ein marmornes Denkmal errichtet wurde, sowie über die Aachener Friedensschlüsse u. Synoden das Nähere unten. Vgl. Noppius, Aachener Chronik, 1632; Quix, Geschichte der Stadt A., Aachen 1841, 2 Bde.

Aachen, Joh. van A., s. Achen.

[Vollmer]

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