Zweisprachig
05 Fegefeuer - Karl Eitner - Die Göttliche Komödie
Dante Alighieri - La Divina Commedia - Purgatorio



Io era già da quell'ombre partito,
e seguitava l'orme del mio duca,
quando di retro a me, drizzando 'l dito,
3

Schon war ich von den Schatten weggegangen
Und folgte den Fußstapfen meines Führers,
Als hinter mir, den Finger auf mich richtend,3

una gridò: "Ve' che non par che luca
lo raggio da sinistra a quel di sotto,
e come vivo par che si conduca!".
6

Der eine rief: »Sieh, bei dem Untern scheinet
Der Sonnenstrahl zur Linken nicht zu leuchten,
Auch scheint wie lebend er sich zu geberden.« -6

Li occhi rivolsi al suon di questo motto,
e vidile guardar per maraviglia
pur me, pur me, e 'l lume ch'era rotto.
9

Beim Tone dieser Worte schaut' ich rückwärts
Und sah, wie sie mit Staunen nach mir blickten,
Nach mir nur und dem unterbrochnen Lichte.9

"Perché l'animo tuo tanto s'impiglia",
disse 'l maestro, "che l'andare allenti?
che ti fa ciò che quivi si pispiglia?
12

»Was läßt du dir den Geist so sehr befangen,«
Begann der Meister, »daß im Gehn du einhältst?
Was kümmert dich, was hier man zu sich raunet?12

Vien dietro a me, e lascia dir le genti:
sta come torre ferma, che non crolla
già mai la cima per soffiar di venti;
15

Komm, folge mir und laß die Leute reden!
Fest wie ein Thurm steh, dessen Spitze niemals
Sich hin und her bewegt im Wehn der Winde.15

ché sempre l'omo in cui pensier rampolla
sovra pensier, da sé dilunga il segno,
perché la foga l'un de l'altro insolla".
18

Denn stets entfernt der Mensch, in dem Gedanke
Sich auf Gedanke jagt, sich von dem Ziele,
Da einer ja des andern Feuer schwächt.« -18

Che potea io ridir, se non "Io vegno"?
Dissilo, alquanto del color consperso
che fa l'uom di perdon talvolta degno.
21

Was konnt' ich darauf sagen, als: »Ich komme.« -
So sagt' ich, überflogen von der Röthe,
Die oft uns der Verzeihung würdig macht.21

E 'ntanto per la costa di traverso
venivan genti innanzi a noi un poco,
cantando 'Miserere' a verso a verso.
24

Inzwischen kamen Leute quer den Abhang,
Die eine kurze Strecke vor uns gingen
Und Vers für Vers das »Miserere« sangen.24

Quando s'accorser ch'i' non dava loco
per lo mio corpo al trapassar d'i raggi,
mutar lor canto in un "oh!" lungo e roco;
27

Als sie gewahrten, daß ich keinen Durchgang
Dem Licht gestattete durch meinen Körper,
Schloß ihr Gesang mit langem, heisrem Oh!27

e due di loro, in forma di messaggi,
corsero incontr'a noi e dimandarne:
"Di vostra condizion fatene saggi".
30

Und zwei von ihnen, gleichsam Abgesandte,
Sie eilten uns entgegen mit der Frage:
»Wollt ihr uns euren Zustand wissen lassen?« -30

E 'l mio maestro: "Voi potete andarne
e ritrarre a color che vi mandaro
che 'l corpo di costui è vera carne.
33

Worauf mein Meister: »Kehrt nur wieder um
Und saget denen, die euch abgesendet,
Es sei hier dessen Körper wahres Fleisch.33

Se per veder la sua ombra restaro,
com'io avviso, assai è lor risposto:
fàccianli onore, ed esser può lor caro".
36

Und blieben stehn sie seines Schattens wegen,
Wie ich vermuthe, gnüge das als Antwort:
Man ehr' ihn; werth noch kann er ihnen sein.« -36

Vapori accesi non vid'io sì tosto
di prima notte mai fender sereno,
né, sol calando, nuvole d'agosto,
39

Nie hab' ich noch so schnell entflammte Dünste
Bei Nachtanbruch das Blau zertheilen sehen,
Noch, wenn die Sonne sank, Augustgewölke,39

che color non tornasser suso in meno;
e, giunti là, con li altri a noi dier volta,
come schiera che scorre sanza freno.
42

Als jen' in kürzrer Zeit emporwärts eilten
Und mit den andern dann zu uns zurück,
Gleich einer Schaar mit losgelassnem Zügel.42

"Questa gente che preme a noi è molta,
e vegnonti a pregar", disse 'l poeta:
"però pur va, e in andando ascolta".
45

»Viel sind der Leute, die uns so bedrängen
Und dich zu bitten kommen«, sprach der Dichter,
»Drum geh und hör sie an im Weitergehen.« -45

"O anima che vai per esser lieta
con quelle membra con le quai nascesti",
venian gridando, "un poco il passo queta.
48

»O Seele, die zur Seligkeit du wallest
Mit jenem Leib, den die Geburt dir gab«,
So riefen sie, »halt ein den Schritt ein wenig.48

Guarda s'alcun di noi unqua vedesti,
sì che di lui di là novella porti:
deh, perché vai? deh, perché non t'arresti?
51

Schau, ob du einen je von uns gesehen,
Daß jenseits du von ihm berichten kannst;
Ach, warum gehst du, warum nicht verweilst du?51

Noi fummo tutti già per forza morti,
e peccatori infino a l'ultima ora;
quivi lume del ciel ne fece accorti,
54

Wir alle sind gewaltsam einst gestorben
Und waren Sünder bis zur letzten Stunde,
Bis uns des Himmels Licht es ließ gewahren;54

sì che, pentendo e perdonando, fora
di vita uscimmo a Dio pacificati,
che del disio di sé veder n'accora".
57

So daß wir, reuig und Verzeihung übend,
Mit Gott in Frieden aus dem Leben schieden,
Den zu erschaun uns jetzt Verlangen quält.« -57

E io: "Perché ne' vostri visi guati,
non riconosco alcun; ma s'a voi piace
cosa ch'io possa, spiriti ben nati,
60

Und ich: »Wie sehr ich euch in's Antlitz blicke,
Doch kenn' ich keinen; wünscht ihr aber etwas,
Was ich zu thun vermag, erkorne Geister:60

voi dite, e io farò per quella pace
che, dietro a' piedi di sì fatta guida,
di mondo in mondo cercar mi si face".
63

So sprecht, und ich will's thun, bei jenem Frieden,
Der mich von Welt zu Welt ihn suchen heißet,
Indem ich solchen Führers Schritten folge.63

E uno incominciò: "Ciascun si fida
del beneficio tuo sanza giurarlo,
pur che 'l voler nonpossa non ricida.
66

Und Einer sprach darauf: »Wir alle glauben,
Was du versprichst, auch ohne daß du schwörest,
Wenn Ohnmacht nur den Willen nicht vereitelt;66

Ond'io, che solo innanzi a li altri parlo,
ti priego, se mai vedi quel paese
che siede tra Romagna e quel di Carlo,
69

Weshalb ich, der zuerst das Wort ich nehme,
Dich bitte, wenn du je das Land, das zwischen
Carls Reich und der Romagna liegt, erblickest,69

che tu mi sie di tuoi prieghi cortese
in Fano, sì che ben per me s'adori
pur ch'i' possa purgar le gravi offese.
72

Um so mit deinen Bitten mir in Fano
Hülfreich zu sein, daß dort man für mich bete,
Damit ich sühnen kann die schweren Sünden.72

Quindi fu' io; ma li profondi fóri
ond'uscì 'l sangue in sul quale io sedea,
fatti mi fuoro in grembo a li Antenori,
75

Von dort her war ich; doch die tiefen Wunden,
Woraus das Blut floß, das mich einst belebte,
Empfing im Schooß ich der Antenoriden,75

là dov'io più sicuro esser credea:
quel da Esti il fé far, che m'avea in ira
assai più là che dritto non volea.
78

Wo ich am sichersten zu sein vermeinte.
Von Este der bewirkt' es, dessen Zorn
Viel weiter ging, als Billigkeit erlaubte.78

Ma s'io fosse fuggito inver' la Mira,
quando fu' sovragiunto ad Orïaco,
ancor sarei di là dove si spira.
81

Doch wenn ich hingeflohn nach Mira wäre,
Als man mich überfiel bei Oriaco,
So wär' ich jenseits noch, allwo man athmet.81

Corsi al palude, e le cannucce e 'l braco
m'impigliar sì ch'i' caddi; e lì vid'io
de le mie vene farsi in terra laco".
84

Ich lief zum Sumpf, verfing in Schlamm und Rohr mich,
So daß ich fiel, und sah dort einen See
Sich auf der Erd' aus meinem Blute bilden.« -84

Poi disse un altro: "Deh, se quel disio
si compia che ti tragge a l'alto monte,
con buona pïetate aiuta il mio!
87

Dann sprach ein Andrer: »Sollte das Verlangen,
Das dich zur Höhe ziehet, sich erfüllen,
So hilf dem meinen auch mit frommem Sinne.87

Io fui di Montefeltro, io son Bonconte;
Giovanna o altri non ha di me cura;
per ch'io vo tra costor con bassa fronte".
90

Ich war von Montefeltro, war Buonconte;
Nicht sorgt für mich Johanna, noch ein Andrer:
Drum geh' gesenkten Blicks ich unter diesen.« -90

E io a lui: "Qual forza o qual ventura
ti travïò sì fuor di Campaldino,
che non si seppe mai tua sepultura?".
93

Und ich: »Welch Schicksal hat, welch Abenteuer
Dich so von Campaldino weggeführet,
Daß nie man deine Grabesstätte wußte?« -93

"Oh!", rispuos'elli, "a piè del Casentino
traversa un'acqua c' ha nome l'Archiano,
che sovra l'Ermo nasce in Apennino.
96

»O«, sagt' er drauf, »am Fuß des Casentino
Strömt quer ein Wasser, Namens Archiano,
Am Apennin entspringend überm Kloster.96

Là 've 'l vocabol suo diventa vano,
arriva' io forato ne la gola,
fuggendo a piede e sanguinando il piano.
99

Dort, wo sein Name sich verlieret, kam ich,
Zu Fuße fliehend, mit durchstochner Kehle,
Das Feld mit meinem Blut befleckend, an.99

Quivi perdei la vista e la parola;
nel nome di Maria fini', e quivi
caddi, e rimase la mia carne sola.
102

Hier schwand mir die Besinnung wie die Rede:
Verstummend, während ich Maria sagte,
Fiel hin ich und ließ nur den Leib zurück.«102

Io dirò vero, e tu 'l ridì tra ' vivi:
l'angel di Dio mi prese, e quel d'inferno
gridava: "O tu del ciel, perché mi privi?
105

Das Wahre sag' ich; meld' es den Lebend'gen.
Ein Engel Gottes nahm mich, doch ein Dämon
Schrie: »Du vom Himmel, was beraubst du mich?105

Tu te ne porti di costui l'etterno
per una lagrimetta che 'l mi toglie;
ma io farò de l'altro altro governo!".
108

Du führest dessen ew'ges Theil mit dir,
Das mir entgeht um eines Thränleins willen;
Doch werd' ich mit dem andern anders schalten.« -108

Ben sai come ne l'aere si raccoglie
quell'umido vapor che in acqua riede,
tosto che sale dove 'l freddo il coglie.
111

Du weißt gar wohl, wie in der Luft sich sammelt
Der feuchte Dunst, der rückkehrt in das Wasser,
Sobald er aufsteigt, wo die Kält' ihn trifft:111

Giunse quel mal voler che pur mal chiede
con lo 'ntelletto, e mosse il fummo e 'l vento
per la virtù che sua natura diede.
114

Der böse Wille, der nur Unheil sinnet,
Vereint mit Scharfsinn, regte Dampf und Sturm
Auf durch die Kraft, so ihm Natur verliehen.114

Indi la valle, come 'l dì fu spento,
da Pratomagno al gran giogo coperse
di nebbia; e 'l ciel di sopra fece intento,
117

Drauf hüllt das Thal er, als der Tag erloschen,
Von Pratomagno bis zum großen Joche,
In Nebel und bedeckt den Himmel oben,117

sì che 'l pregno aere in acqua si converse;
la pioggia cadde, e a' fossati venne
di lei ciò che la terra non sofferse;
120

So daß die schwangre Luft zu Wasser wurde.
Der Regen fiel und in die Bäch' ergoß sich
Das, was das Land davon nicht in sich sog;120

e come ai rivi grandi si convenne,
ver' lo fiume real tanto veloce
si ruinò, che nulla la ritenne.
123

Und wie's mit größern Bächen sich vereinigt,
Hin stürzt' es nach dem königlichen Strome
So schnell, daß keine Macht zurück es hielt.123

Lo corpo mio gelato in su la foce
trovò l'Archian rubesto; e quel sospinse
ne l'Arno, e sciolse al mio petto la croce
126

Der wilde Archian fand meinen Leichnam
Erstarrt an seiner Mündung und er trieb ihn
Zum Arno, auf der Brust das Kreuz mir lösend,126

ch'i' fe' di me quando 'l dolor mi vinse;
voltòmmi per le ripe e per lo fondo,
poi di sua preda mi coperse e cinse".
129

Das ich, von Schmerz bezwungen, auf mir machte:
Dann wälzt' er durch die Ufer mich zum Abgrund,
Umhüllt' und deckte mich mit seinem Raube.« -129

"Deh, quando tu sarai tornato al mondo
e riposato de la lunga via",
seguitò 'l terzo spirito al secondo,
132

»Ach, wenn zur Welt du bist zurückgekehret
Und ausgeruht von deiner langen Reise«,
Begann der dritte Geist nun nach dem zweiten:132

"ricorditi di me, che son la Pia;
Siena mi fé, disfecemi Maremma:
salsi colui che 'nnanellata pria
135

»Erinnre meiner dich! Ich bin die Pia;
Siena gab, Maremma nahm den Leib mir:
Der weiß es, welcher, sich mit mir vermählend,135

disposando m'avea con la sua gemma".138

Beringt mich einst mit seinem Ringe hatte.« -138

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