Dante Alighieri - La Divina Commedia

Friedrich Freiherr von Falkenhausen - Die Göttliche Komödie

Die Hölle

Hölle - Gesang 01
Mittwegs auf unsres Lebens Reise fand
In finstren Waldes Nacht ich mich verschlagen,
Weil mir die Spur vom graden Wege schwand.

Hölle - Gesang 02
Der Tag ging nieder, und im Abendscheine
Fand alles, was sich plagt auf Erden, Rast
Von Tages Sorg und Müh. Nur ich, der eine,

Hölle - Gesang 03
»Durch mich gehts hin zur Heimstatt aller Plagen.
Durch mich gehts hin zur ewig langen Pein,
Durch mich zum Volke, das von Gott geschlagen.

Hölle - Gesang 04
Den tiefen Schlag im Haupt mir brach mit Krachen
Ein Donnerschlag, daß ich zusammenfuhr,
Wie wen man mit Gewalt erweckt zum Wachen.

Hölle - Gesang 05
So stieg vom ersten ich zum zweiten nieder
Der Kreise; faßt da mindren Raum der Ort,
Hallt um so lauter Weh und Jammern wider.

Hölle - Gesang 06
Kaum daß mir das Bewußtsein wiederkam,
Das vor der Pein, die jenes Paar geschlagen,
Mir schwand, da Mitleid ganz den Sinn benahm:

Hölle - Gesang 07
»Pape Satan aleph, Pape Satan!«
Ließ Plutus seine rauhe Stimme hören;
Doch Mut mir machend, hub der Weise an,

Hölle - Gesang 08
Lang – fahr ich fort im Liede –, lang bevor
Zum Fuße wir des hohen Turms gekommen,
Zogs unsren Blick zum Zinnenkranz empor.

Hölle - Gesang 09
Das Weiß, das Furcht mir malt' auf meine Wangen,
Als ich den Führer wiederkehren sah,
Drängt' ihm ins Innre gleich sein flüchtig Bangen;

Hölle - Gesang 10
So, zwischen Mauerring und Martern mitten
Hindurch, den Richtsteig geht er mir voran,
Der Meister, und ich folge seinen Schritten.

Hölle - Gesang 11
So kamen wir zu hoher Klippen Borde,
Wo Felsgetrümmer, rings getürmt im Rund,
Zum Pferch herniederstürzt noch schlimmrer Horde.

Hölle - Gesang 12
Wild, wo's den Fels hinabging, war die Stätte
Und wild desgleichen, was allda sich fand,
Daß jedem Blick davor geschaudert hätte.

Hölle - Gesang 13
Eh Nessus jenes Ufer konnt erreichen,
So langten wir in einem Dickicht an,
Da Wegs und Steges keine Spur noch Zeichen.

Hölle - Gesang 14
Von Liebe für mein Heimatland gedrungen,
Rafft ich die Blätter, wieder drein zu kleiden
Ihn, dessen Stimme heiser schon geklungen.

Hölle - Gesang 15
Nun trägt das feste Ufer uns von hinnen,
Vom Qualm des Bachs beschattet, der von Glut
Kein Fünklein läßt auf Well' und Dämme rinnen.

Hölle - Gesang 16
Schon war ich, wo den Gießbach man mit Brausen,
Als obs im Bienenkorb das Summen sei,
Zum nächsten Ringe hört herniedersausen,

Hölle - Gesang 17
»Sieh mit gespitztem Schweif das Untier dort!
Das hält kein Berg, Gewaffen brichts und Wälle.
Schau, was die Welt verpestet fort und fort!«

Hölle - Gesang 18
Ein Ort in Höllen ist, heißt Übelbuchten,
Ist ganz aus Stein, an Farbe weit und breit
Dem Eisen gleich wie seines Ringwalls Wuchten.

Hölle - Gesang 19
O Simon Magus und die seinen Pfaden
Ihr folgt, Elende, die in eurer Gier,
Was Tugend nur darf freien, Gottes Gnaden

Hölle - Gesang 20
Von neuer Pein muß neuen Sang ich singen,
Denn von dem Volke, das zur Tiefe fuhr,
Soll dieses ganze Lied, das erste, klingen.

Hölle - Gesang 21
Von Brücke so zu Brücke gings voran
Mit manchem Wort, davon sich spart die Kunde
Mein Lied, und hielten auf dem Scheitel an,

Hölle - Gesang 22
Wohl sah ich Ritter schon zu Felde ziehn,
Zum Angriff wie zur Heerschau sich bereiten,
Sah, wie sein Heil ein Fähnlein sucht' im Fliehn;

Hölle - Gesang 23
Einschichtig, schweigend, einer hinterm andern,
Ohn unser Weggeleite gingen wir,
Wie Mindre Brüder ihre Straße wandern.

Hölle - Gesang 24
Im jungen Jahr, wenn ihrer Locken Pracht
Schon unterm Wassermann die Sonne spreitet
Und schon der Gleiche nahen Tag und Nacht,

Hölle - Gesang 25
Als er am Ende, rief, die Händ erhoben,
Die Feige weisend gleich mit allen zwein,
Der Dieb: »Da hast du's Gott, dir gilts da droben!«

Hölle - Gesang 26
Freu dich, Florenz! Wie groß bist du, wie weit
Spannst du die Schwingen über Land und Meere!
Auch höllab klingt dein Name weit und breit.

Hölle - Gesang 27
Schon lohte steil und still und sprach nicht länger
Die Flamme, war von hinnen schon gegangen,
Dieweil ihr Urlaub gab der teure Sänger,

Hölle - Gesang 28
Wer, selbst in schlichter Rede, gäb in Treue
Bericht, was jetzt ich sah von Blut und Wunden,
Erzählt' ers wieder gleich und stets aufs neue!

Hölle - Gesang 29
Die Menge Volks, die gräßlich vielen Wunden,
So trunken hatt's mein Auge schier gemacht,
Daß es zum Weinen gerne Rast gefunden.

Hölle - Gesang 30
Zur Zeit, als Juno Thebens Sippe grollte
Um Semele, was grausam all ihr Blut
Noch ein, und andermal verspüren sollte,

Hölle - Gesang 31
Die gleiche Zunge wars, die erst mich stach,
Die Glut in beide Wangen mir zu jagen,
Und selber Balsam mir gereicht hernach.

Hölle - Gesang 32
O hätt ich Reime, heiser, hart und rauh,
Wie's für das Grauen ziemt in jenem Schlunde,
Auf dem sich türmt der Hölle ganzer Bau,

Hölle - Gesang 33
Der Sünder hob den Mund vom grausen Mahle
Und trocknet' ihn mit Strähnen Haares dann
Vom Haupt, dem hinten er zermalmt die Schale.

Hölle - Gesang 34
»Vexilla regis prodeunt: es wehn
Des Höllenfürsten Wimpel uns entgegen!
Schau«, sprach mein Führer, »ob du's schon magst sehn.«

Das Fegefeuer

Fegefeuer - Gesang 01
Zu beßrer Fahrt nun spannt, das sich dem Graus
So unbarmherzigen Meeres konnt' entringen,
Die Segel meines Geistes Schifflein aus;

Fegefeuer - Gesang 02
Es rührte schon der Sonne lichter Rand
Den Horizont, des Mittagskreis den Bogen
Zum Scheitel über Zions Zinnen spannt;

Fegefeuer - Gesang 03
Dieweil die andren jähe Flucht versprengt
Dahin und dorthin über das Gebreite,
Bergan, wohin Gebot der Pflicht sie drängt,

Fegefeuer - Gesang 04
Wenn, sei's von Lust ergriffen, sei's von Leid,
Der Kraft in uns, die solches kann empfinden,
Die Seele ganz und ungeteilt sich weiht,

Fegefeuer - Gesang 05
Die Schatten ließ ich stehn, und unverwandt
Folgt' ich des Führers Spur, da hört' ich einen,
Der, mir im Rücken, weisend mit der Hand

Fegefeuer - Gesang 06
Wenn's Würfelspiel zu Ende, bleibt zurück
Mißmutig, der verlor, erprobt verdrossen
Von vorne wieder, Wurf für Wurf, sein Glück;

Fegefeuer - Gesang 07
Da sie Willkomm in Zucht und Freundlichkeit
Drei-, viermal sich aufs neu geboten hatten,
Begann Sordell: »Sagt ihr nun, wer ihr seid!«

Fegefeuer - Gesang 08
Es war die Stunde, die von Wehmut schwellen
Zur See die Herzen macht und sehnlich schlagen,
Des Lebewohls gedenk der Trautgesellen;

Fegefeuer - Gesang 09
Tithons, des alten, Buhle wand sich kaum
Aus ihres Trauten Arm, mit Silberstreife
Verbrämend allbereits des Ostens Saum,

Fegefeuer - Gesang 10
Da hinter uns die Schwelle lag zum Tor,
Das unsre böse Lust des Tritts entwöhnte,
Denn krummen täuscht für graden Weg sie vor –

Fegefeuer - Gesang 11
»Du unser Vater, der im Himmel bist,
Allgegenwärtig, doch in Wohlgefallen
Ihm hold, der Deiner Schöpfung Erstling ist!

Fegefeuer - Gesang 12
Gleichwandelnd, als im Joch zwei Stiere gehn,
Mit ihm, der so beladen, eine Weile
Noch ging ich, weils mein Lehrer ließ geschehn,

Fegefeuer - Gesang 13
Zu Häupten blieben wir der Stiege stehen,
Wo wiederum solch Einschnitt kerbt die Seite
Des Berges, der entsühnt, die ihn begehen.

Fegefeuer - Gesang 14
»Wer ists, der kommt, um unsren Berg zu wallen,
Eh Tod zum Flug ihm Schwingen konnte leihn,
Und hebt und schließt die Lider nach Gefallen?«

Fegefeuer - Gesang 15
So weit von Tagsbeginn zur dritten Stunde
Der Sphärentanz sich dreht, der, wie im Reigen
Ein spielend Kind, ohn Ende schwingt die Runde,

Fegefeuer - Gesang 16
Nicht Höllenfinsternis, nicht tiefste Nacht,
Wenn, hinter finstrer Wolken Dunst verschwunden,
Am kargen Himmelsraum kein Stern mehr wacht,

Fegefeuer - Gesang 17
Sahst, Leser, je du Nebel um dich braun
Auf Bergeshöhn, darein du eingesponnen,
Nur wie durchs Lid der Maulwurf konntest schaun;

Fegefeuer - Gesang 18
Der hohe Meister hielt mit Reden inne,
Hat forschend dann ins Auge mich gefaßt,
Ob ich befriedet nun in meinem Sinne;

Fegefeuer - Gesang 19
Zur Stunde, da des Mondes kaltem Strahl
Die linde Wärme muß des Tages weichen,
Im Bann der Erde, des Saturns zumal;

Fegefeuer - Gesang 20
Schwer wider beßren Willen kämpft das Wollen:
Nach seinem, wider mein Begehr und Sinnen
Nahm ich den Krug vom Born, den halb kaum vollen,

Fegefeuer - Gesang 21
Der Durst, den, eigen uns von Anbeginne,
Kein Wasser löscht, denn das zu Gnaden sich
Vom Herrn erbat die Samariterinne,

Fegefeuer - Gesang 22
Schon blieb der Engel hinter uns, der lichte,
Der uns hinan zum sechsten Kreise wies
Und mir ein Mal gelöscht im Angesichte:

Fegefeuer - Gesang 23
Dieweil ich dort am grünen Laube hangen
Die Augen ließ, so wie der Zeit vergißt,
Wer liebt sie zu vertun mit Vogelfangen,

Fegefeuer - Gesang 24
Nicht hemmt' ein Wort den Schritt, kein Schritt das Wort:
Gleich Schiffen, die mit gutem Winde fahren,
So schritten wir im Reden rüstig fort;

Fegefeuer - Gesang 25
Die Stunde wars, da Rast nicht litt das Steigen,
Denn schon dem Stiere ließ den Mittagskreis
Die Sonne, dem Skorpion die Nacht zu eigen.

Fegefeuer - Gesang 26
So, einer hinterm andern, schritten wir
Den Saum entlang, und sprach zu vielen Malen
Mein Hort: »Hab acht, zunutze sag ichs dir!«

Fegefeuer - Gesang 27
Wie wenn ihr erster Strahl erblinkt dem Tage
Dort, wo ihr Schöpfer einst vergoß sein Blut,
Wenn überm Ebro steht im Kulm die Waage

Fegefeuer - Gesang 28
Froh zu durchstreifen rings von Hag zu Hage
Den lebensprossend dichten heiligen Hain,
Des Grün die Lichter dämpft am jungen Tage,

Fegefeuer - Gesang 29
Gleich Frauen, deren Huld die Liebe wecket,
Hob mit dem letzten Wort sie an zu singen:
»Wohl dem, dem seine Sünden sind bedecket!«

Fegefeuer - Gesang 30
Kaum blieb, das Aufgang nie noch untergehn
Noch Trübung, denn durch Sünde nur, erfahren,
Des ersten Himmels Siebensternbild stehn,

Fegefeuer - Gesang 31
»Du drüben an des heiligen Flusses Scheide«,
Also, die Spitze kehrend wider mich
Des Worts, davon so scharf bereits die Schneide,

Fegefeuer - Gesang 32
Mein Auge war so stet, so voll Verlangen,
Zu stillen jahrelangen Durstes Brand,
Daß jeder andre Sinn mir ganz vergangen;

Fegefeuer - Gesang 33
»Herr, kommen sind die Heiden ... «, so begannen
Den Psalm in holdem Wechselsang die Frauen,
Bald drei, bald vier, und ihre Tränen rannen.

Das Paradies

Paradies - Gesang 01
Die Herrlichkeit des, der das All läßt schwingen,
Strahlt aller Welt, und wider strahlt ihr Licht,
Hier mehr, dort minder, all aus ihren Ringen.

Paradies - Gesang 02
Die ihr der Spur gefolgt in kleinem Kahn
Von meinem Kiel, begierig, daß ihr höret,
Wie er mit Singen ziehet seine Bahn:

Paradies - Gesang 03
Die Sonne, die mein Herz schon macht' entbrennen,
Hat hehrer Wahrheit holdes Angesicht
Enthüllt, da Recht und Fehl sie lehrt' erkennen;

Paradies - Gesang 04
Gleich nah zwei Bissen, gleich verlockt von beiden,
Stirbt Hungers, eh er einen führt zum Mund,
Ein Menschenkind, das frei, sich zu entscheiden.

Paradies - Gesang 05
»So du mich flammen siehst in Liebesglut,
Hell, wie's auf Erden drunten nie zu sehen,
Daß deinem Auge gar Gewalt sie tut,

Paradies - Gesang 06
»Seit Konstantin dem Himmelsrund entgegen
Den Adler wandte, ihn, der ihrem Gang
Gefolgt vor Zeiten auf Äneas' Wegen,

Paradies - Gesang 07
»Preis Dir in Deinem Glanze, heiliger Gott,
Der Du entflammst in diesen Reichen allen
Die seligen Lichter, Herre Zebaoth!«

Paradies - Gesang 08
Lang wähnte ja die Welt, im Bann der Sünde,
Daß, kreisend auf der dritten Himmelsbahn,
Die holde Cypris Liebeswut entzünde;

Paradies - Gesang 09
Da er das Dunkel also mir gelichtet,
Hat Unbill mir, die seinem Samen droht,
Holde Clementia, dein Karl berichtet.

Paradies - Gesang 10
Den Sohn vor Augen schuf, von ihr entfacht,
Die beider Hauch von je entquillt, der Liebe,
Die erste, unaussprechlich hohe Macht

Paradies - Gesang 11
O sinnlos Mühn der Sterblichen! Wie werden
Zunicht die Gründe, die, mit Fleiß erdacht,
Hernieder deine Flügel ziehn zur Erden!

Paradies - Gesang 12
Kaum langte so beim letzten Worte an
Die hochgelobte Flamme, als zu schwingen
Sogleich das heilige Mühlenrad begann;

Paradies - Gesang 13
Denkt euch, so recht zu schauen ihr gewillt,
Was jetzt ich sah – und während ichs berichte,
Vor Augen haltet felsenfest das Bild –:

Paradies - Gesang 14
Von Mitte wellts zum Rand, vom Rand zur Mitten,
Wenn Wasser Stoß verspürt in runder Schale,
Obs innen, ob von außen ihn erlitten.

Paradies - Gesang 15
Freundwilligkeit, darin sich stets die Liebe,
Die nach dem Rechten zielet, kund muß tun,
Wie alle Unbill zeugt von sündigem Triebe,

Paradies - Gesang 16
O Adel des Geblüts! Wenn hier im Leben
Sich deines Flitters einer rühmen mag,
Hier, wo so schwach zum Guten unser Streben,

Paradies - Gesang 17
Wie er, der taub noch heut für Sohnesbitten
Die Väter macht, zu Klymene gekommen,
Gewißheit heischend des, was ihm bestritten,

Paradies - Gesang 18
Entrückt schon freute ihres Schauens sich
Die selige Leuchte, und wie sie, die lichte,
Das Bittre mir versüßend, tat auch ich;

Paradies - Gesang 19
Die Schwingen ausgespannt, von Wonne licht
Der Seelen all, die sich darin vereinen,
Stand mir das edle Bild vorm Angesicht;

Paradies - Gesang 20
Wenn, die das All erhellt, ihr Angesicht
Von unsrem Erdenrund hinabgewendet
Und allenthalb verglimmt des Tages Licht,

Paradies - Gesang 21
Mein Auge hing an meiner Herrin Wangen
Schon wieder, und zu ihr nun wandte sich
Mein Sinn, dem alles Trachten sonst vergangen.

Paradies - Gesang 22
Vor Schrecken starr, hatt ich mich umgewandt
Zu ihr, die mein Geleit, wie zu der einen,
Ders ganz vertraut, ein Kindlein kommt gerannt;

Paradies - Gesang 23
Dem Vogel gleich, im trauten Grün der Äste,
Wenn er zur Nacht, die unsrem Schauen wehrt,
Mit seinen süßen Jungen ruht im Neste

Paradies - Gesang 24
»Die ihr erwählt zum großen Liebesmahle
Des benedeiten Lammes, das euch letzt,
Daß eurem Durste stets gefüllt die Schale:

Paradies - Gesang 25
Erleb ichs noch, daß mein geweihter Sang,
Dies Lied, dran Himmel Hand gelegt und Erde,
Das an mir zehret Jahr' um Jahre lang,

Paradies - Gesang 26
Weil ums erloschne Augenlicht mir bange,
Drang aus der Flamme, die's gelöscht so licht,
Ein Hauch, und lauschen mußt' ich seinem Klange:

Paradies - Gesang 27
Dem Vater, Sohn und Heiligen Geiste klang
Ringsum durchs Paradies ein Gloria-Singen,
Daß wahrlich mich berauscht der süße Sang.

Paradies - Gesang 28
So wider unsrer Zeit verworfnes Leben,
Von ihr, die himmelwärts mir lenkt den Geist,
Gerechte Klage hört' ich da erheben;

Paradies - Gesang 29
Solang es währt, wenn Letos beide Sprossen,
In Hut des Widders eins und eins der Waage,
Vom Gurt zugleich des Horizonts umschlossen,

Paradies - Gesang 30
Sechstausend Meilen wohl von uns die Stunde
Des Mittags glüht, und waagerecht schier fällt
Der Schatten hier von unsrem Erdenrunde,

Paradies - Gesang 31
So, weißer Rose gleich, in lichter Glut,
Erschien mir die geweihte Heerschar droben,
Die Christ sich angetraut mit seinem Blut;

Paradies - Gesang 32
Versenkt in seine Wonne, war der Hort
Des Schauens willig doch, die Last zu tragen
Des Lehramts, und begann sein heilig Wort:

Paradies - Gesang 33
»O Jungfrau, Mutter, Tochter deinem Sohne,
Der nichts an Demut, nichts an Hoheit gleich,
Du, ewigen Heilsbeschlusses Ziel und Krone!

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