Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Paradiso ─ Canto 26

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Paradies ─ Gesang 26

Derweil ich bangt' ob der erloschenen Sehkraft,
Weht' aus der Funkelflamme, die sie aufhob,
Ein Hauch hervor, der mich ließ Obacht geben.

Er klang: »Bis wieder dir der Sinn zurückkehrt
Des Auges, den du ganz an mir verbraucht hast,
Schickt sich's, das du durch Sprechen ihn ersetzest.

Beginne denn und sag, wonach gewandt steht
Die Seele dein ─ und sei gewiß, das Sehen
Ist in dir nur verwirrt, doch nicht vernichtet!

Denn hier die Herrin, die durch dieses hehre
Gefild dich hinführt, hat in ihren Blicken
Die Kraft, die Ananias' Hand war eigen.«

Ich sprach: »Wie's ihr gefällt, früh'r oder später,
Heil' sie die Augen mir, die Pforten waren,
Als mit der Glut sie einzog, drob ich brenne...

Das Gut, das diesen Hofstaat voll beseligt:
Alpha und Omega ist's, was je an Schriften
Mir Liebe las, bald schwächer und bald stärker!«

Dieselbe Stimme, die mir die Befürchtung
Benommen hatte plötzlichen Erblindens,
Ließ mich zu reden nochmals Sorge tragen;

Und sagte: »Wahrlich, durch ein engeres Sieb noch
Sollst du dich jetzt erklären! Sagen magst du,
Wer deinen Bogen wies nach solchem Ziele!«

Und ich: »Durch philosophische Begründung
Wie durch Beweiskraft, die von hier herabfließt,
Muß solche Liebe sich ins Herz mir prägen!

Nämlich ein Gut, so wie's als Gut erkannt wird,
Ruft auch die Liebe wach; und um so stärker,
Je mehr des Guten es in sich mag fassen.

So muß denn jenem Wesen ─ das so reich ist,
Daß jedes Gut, das außer ihm sich findet,
Nichts anderes als ein Strahl ist seines Glanzes ─

Weit mehr, als irgendeinem sonst, in Liebe
Der Geist sich eines jeden nah'n, der einsieht
Die Wahrheit, drauf sich der Beweis hier gründet.

Die Wahrheit breitet aus vor meiner Einsicht
Er, der die Erste Liebe mir entschleiert
All jener ewig-währenden Lebewesen;

Kund gibt sie mir des Wahren Schöpfers Stimme,
Der sagt zu Moses, von sich selber redend:
›Ich werde dir all meine Güte zeigen!‹;

Du auch entrollst sie mir, dort wo du anhebst
Den hohen Sang, der das Geheimnis kundtut
Der Welt hier, mehr als sonst ein Aufruf drunten!«

Und ich vernahm: »Durch menschliches Begreifen
Wie höchste Zeugenschaft, ihm voll entsprechend,
Schaut deiner Liebeskräfte stärkste Gott...

Doch sag mir jetzt, fühlst du noch andere Seile
Dich zu ihm hinzieh'n ─ also daß du kündest,
Mit wieviel Zähnen diese Lieb' dich antreibt!«

Nicht blieb verborgen mir die heilige Absicht
Des Adlers Christi; vielmehr ward ich inne,
Wohin er mein Bekenntnis wollte führen.

Drum hub ich wieder an: »All jene Stiche,
Die, daß das Herz sich Gott naht, machen können,
Haben zu meiner Liebe sich vereinigt!

Nämlich das Sein der Welt und 's eigne Dasein,
Der Tod, den er erlitt, damit ich lebe,
Und das, was mit mir hofft jedweder Gläub'ge:

Sie haben, mit der erstgenannten Einsicht,
Dem Meer der falschen Liebe mich entrissen
Und mich der wahren hingelegt ans Ufer...

Die Blätter, drin im Laub steht all der Garten
Des ewigen Gärtners, lieb' ich solchermaßen,
Als ihnen Güte ist von Ihm verliehen!«

Sobald ich schwieg, erklang süßestes Singen
Hin durch den Himmelsraum; und meine Herrin
Rief mit den andern: »Heilig! Heilig! Heilig!«

Und wie bei grellem Licht vom Schlaf man aufwacht,
Dieweil die geistige Sehkraft neu sich wendet
Dem Glanze zu, der dringt durch alle Schichten

(Und der Geweckte, was er sieht, verabscheut,
So unbewußt noch ist sein plötzlich Wachen,
Bis daß die Urteilskraft ihm kommt zu Hilfe):

So scheuchte von den Augen jede Trübung
Beatrice mir jetzt mit dem Strahl der ihren,
Die mehr als tausend Meilen weit erglänzten.

Worauf ich besser sah noch als soeben ─
Und, fast bestürzt, erbat ich Kunde über
Ein viertes Licht, das ich bei uns bemerkte.

Und meine Herrin: »Dort in dem Gestrahle
Freut ihres Schöpfers sich die erste Seele,
Die da die Erste Kraft jemals erschaffen!«

Dem Laubwerk gleich, das niederneigt den Wipfel,
Zieht Wind hindurch (und wiederum sich aufreckt,
Aus jener eigenen Kraft, die es emporstrafft):

So tat auch ich, solang ihr Wort ertönte,
Voll Staunens; und dann gab mir neu Vertrauen
Ein Wunsch zu reden, der mich ganz durchglühte.

Und ich begann: »O Apfel, der in Reife
Allein du wardst erzeugt; o alter Vater,
Dem jede Gattin Schnur zugleich und Tochter:

So fromm, als ich nur kann, fleh' ich zu dir hin,
Daß du mir sprichst! Du siehst ja mein Verlangen;
Drum, bälder dich zu hören, sei's beschwiegen.«

Manchmal bewegt ein zugedecktes Tier sich
Derart, daß sein Gefühl muß sichtbar werden,
Indem sich ganz ihm anschmiegt die Umhüllung;

Und ähnlich ließ die erst-geschaffene Seele
Durchscheinen mir durch ihre Glanzgewandung,
Wie sehr, mir zu genügen, froh sie wurde.

Drauf hauchte sie: »Auch ohne deinen Vortrag
Erkenn' ich deines Herzens Wunsch doch besser,
Als du, was sonst am besten dir bekannt ist;

Denn ich erblick' ihn in dem Spiegel,
Der sich zum Abglanz macht der andern Dinge,
Doch keines jemals macht zu seinesgleichen...

Hören willst du, wie lang es ist, daß Gott mich
Dem hochgelegenen Garten gab, wo Die hier
Dich zu so hohem Aufstieg vorbereitet;

Wie lang er dann die Lust war meiner Augen,
Den wahren Grund auch jenes großen Zornes,
Und welche Sprach' ich schuf mir zum Gebrauche...

Also, mein Sohn: Nicht ward vom Baum das Kosten
An sich zum Grund von solcherlei Verstoßung,
Nein, nur das Überschreiten des Verbotes!

Von dort, wo deine Herrin einst Vergil rief,
Viertausend und dreihundertzwei der Sonnen-
Umschwünge sehnt' ich hier nach diesem Chor mich;

Und kehren sah die Sonn' ich allen Lichtern,
An ihrem Weg, neunhundertdreißig Male,
Derweil ich dort auf eurer Erde lebte.

Die Sprache, die ich sprach, war längst verloren,
Als zu dem Bau, dem nie Vollendung winkte,
Des Nimrod Volk all seine Kräfte aufbot;

Denn nie noch war verstandesmäßige Wirkung
─ Weil menschliches Gutdünken sich verändert,
Je nach dem Himmel ─ irgendwie von Dauer.

Werk der Natur ist's, daß die Menschen sprechen;
Allein ob so, ob anders, läßt Natur drauf
Euch selbst entscheiden, wie's euch mag belieben!

Eh' ich zur höllischen Beklemmnis abstieg,
Nannt' I auf Erden man der Güter Höchstes,
Von dem die Wonne kommt, die mich umschimmert.

EL nannte man's sodann, und das ist Rechtens:
Gleicht doch der Brauch der Sterblichen dem Blatte,
Das ab vom Ast fällt, wenn ein neues nachstößt...

Am Berg, der sich vor allen aus der Flut hebt,
Weilt' erst mit reinem, dann beflecktem Leben
Von frühster Stund' ich bis zu der, die leuchtet

Tauscht den Quadrant die Sonne, auf die sechste.«

Mentr' io dubbiava per lo viso spento,
de la fulgida fiamma che lo spense
uscì un spiro che mi fece attento,003

dicendo: «Intanto che tu ti risense
de la vista che haï in me consunta,
ben è che ragionando la compense.006

Comincia dunque; e dì ove s'appunta
l'anima tua, e fa ragion che sia
la vista in te smarrita e non defunta:009

perché la donna che per questa dia
regïon ti conduce, ha ne lo sguardo
la virtù ch'ebbe la man d'Anania».012

Io dissi: «Al suo piacere e tosto e tardo
vegna remedio a li occhi, che fuor porte
quand' ella entrò col foco ond' io sempr' ardo.015

Lo ben che fa contenta questa corte,
Alfa e O è di quanta scrittura
mi legge Amore o lievemente o forte».018

Quella medesma voce che paura
tolta m'avea del sùbito abbarbaglio,
di ragionare ancor mi mise in cura;021

e disse: «Certo a più angusto vaglio
ti conviene schiarar: dicer convienti
chi drizzò l'arco tuo a tal berzaglio».024

E io: «Per filosofici argomenti
e per autorità che quinci scende
cotale amor convien che in me si 'mprenti:027

ché 'l bene, in quanto ben, come s'intende,
così accende amore, e tanto maggio
quanto più di bontate in sé comprende.030

Dunque a l'essenza ov' è tanto avvantaggio,
che ciascun ben che fuor di lei si trova
altro non è ch'un lume di suo raggio,033

più che in altra convien che si mova
la mente, amando, di ciascun che cerne
il vero in che si fonda questa prova.036

Tal vero a l'intelletto mïo sterne
colui che mi dimostra il primo amore
di tutte le sustanze sempiterne.039

Sternel la voce del verace autore,
che dice a Moïsè, di sé parlando:
'Io ti farò vedere ogne valore'.042

Sternilmi tu ancora, incominciando
l'alto preconio che grida l'arcano
di qui là giù sovra ogne altro bando».045

E io udi': «Per intelletto umano
e per autoritadi a lui concorde
d'i tuoi amori a Dio guarda il sovrano.048

Ma dì ancor se tu senti altre corde
tirarti verso lui, sì che tu suone
con quanti denti questo amor ti morde».051

Non fu latente la santa intenzione
de l'aguglia di Cristo, anzi m'accorsi
dove volea menar mia professione.054

Però ricominciai: «Tutti quei morsi
che posson far lo cor volgere a Dio,
a la mia caritate son concorsi:057

ché l'essere del mondo e l'esser mio,
la morte ch'el sostenne perch' io viva,
e quel che spera ogne fedel com' io,060

con la predetta conoscenza viva,
tratto m'hanno del mar de l'amor torto,
e del diritto m'han posto a la riva.063

Le fronde onde s'infronda tutto l'orto
de l'ortolano etterno, am' io cotanto
quanto da lui a lor di bene è porto».066

Sì com' io tacqui, un dolcissimo canto
risonò per lo cielo, e la mia donna
dicea con li altri: «Santo, santo, santo!».069

E come a lume acuto si disonna
per lo spirto visivo che ricorre
a lo splendor che va di gonna in gonna,072

e lo svegliato ciò che vede aborre,
sì nescïa è la sùbita vigilia
fin che la stimativa non soccorre;075

così de li occhi miei ogne quisquilia
fugò Beatrice col raggio d'i suoi,
che rifulgea da più di mille milia:078

onde mei che dinanzi vidi poi;
e quasi stupefatto domandai
d'un quarto lume ch'io vidi tra noi.081

E la mia donna: «Dentro da quei rai
vagheggia il suo fattor l'anima prima
che la prima virtù creasse mai».084

Come la fronda che flette la cima
nel transito del vento, e poi si leva
per la propria virtù che la soblima,087

fec' io in tanto in quant' ella diceva,
stupendo, e poi mi rifece sicuro
un disio di parlare ond' ïo ardeva.090

E cominciai: «O pomo che maturo
solo prodotto fosti, o padre antico
a cui ciascuna sposa è figlia e nuro,093

divoto quanto posso a te supplìco
perché mi parli: tu vedi mia voglia,
e per udirti tosto non la dico».096

Talvolta un animal coverto broglia,
sì che l'affetto convien che si paia
per lo seguir che face a lui la 'nvoglia;099

e similmente l'anima primaia
mi facea trasparer per la coverta
quant' ella a compiacermi venìa gaia.102

Indi spirò: «Sanz' essermi proferta
da te, la voglia tua discerno meglio
che tu qualunque cosa t'è più certa;105

perch' io la veggio nel verace speglio
che fa di sé pareglio a l'altre cose,
e nulla face lui di sé pareglio.108

Tu vuogli udir quant' è che Dio mi puose
ne l'eccelso giardino, ove costei
a così lunga scala ti dispuose,111

e quanto fu diletto a li occhi miei,
e la propria cagion del gran disdegno,
e l'idïoma ch'usai e che fei.114

Or, figliuol mio, non il gustar del legno
fu per sé la cagion di tanto essilio,
ma solamente il trapassar del segno.117

Quindi onde mosse tua donna Virgilio,
quattromilia trecento e due volumi
di sol desiderai questo concilio;120

e vidi lui tornare a tutt' i lumi
de la sua strada novecento trenta
fïate, mentre ch'ïo in terra fu'mi.123

La lingua ch'io parlai fu tutta spenta
innanzi che a l'ovra inconsummabile
fosse la gente di Nembròt attenta:126

ché nullo effetto mai razïonabile,
per lo piacere uman che rinovella
seguendo il cielo, sempre fu durabile.129

Opera naturale è ch'uom favella;
ma così o così, natura lascia
poi fare a voi secondo che v'abbella.132

Pria ch'i' scendessi a l'infernale ambascia,
I s'appellava in terra il sommo bene
onde vien la letizia che mi fascia;135

e El si chiamò poi: e ciò convene,
ché l'uso d'i mortali è come fronda
in ramo, che sen va e altra vene.138

Nel monte che si leva più da l'onda,
fu' io, con vita pura e disonesta,
da la prim' ora a quella che seconda,141

come 'l sol muta quadra, l'ora sesta».

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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