Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Paradiso ─ Canto 14

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Paradies ─ Gesang 14

Vom Zentrum nach dem Kreis, vom Kreis zum Zentrum
Bewegt das Wasser sich in runder Wanne,
Je wie's erregt wird außen oder innen.

In mein Gedächtnis trat als jäher Einfall,
Was hier ich sage, als das ruhmverklärte
Leben des Bruders Thomas nun verstummte;

Der Ähnlichkeit zufolge, die sich kundtat
Mit seinem Spruch und mit dem Beatrices,
Der es gefiel, nach ihm so zu beginnen:

»Diesem tut not ─ doch zeigt er's euch mit nichten;
Weder mit Worten, selbst nicht in Gedanken ─,
Daß weiterer Wahrheit auf den Grund er gehe!

Sagt ihm denn, ob der Glanz, wovon in Blust steht
Hier euer Wesenskern, an euch wird bleiben
In alle Ewigkeit, wie's jetzt der Fall ist;

Und bleibt er euch, so sagt, wie ist es möglich,
Nachdem ihr sichtbar neugeschaffen worden,
Daß er am Sehen euch nicht Abbruch tue.«

Gleichwie, von größerer Lust gelockt, getrieben,
Zuweilen jene, welche tanzend schreiten,
Die Stimm' erhöh'n und freudiger sich gebärden:

So, bei der schleunigen und frommen Bitte,
Zeigten die heiligen Reigen neue Freude
In Tanzumschwung und wunderbarem Sange.

Wer drüber jammert, daß man hier muß sterben,
Damit man droben lebe, kannte niemals
Die kühle Labung dort des ewigen Taues!

Der »Eins und Zwei und Drei«, der stetsfort atmet
Und stetsfort herrscht in Drei und Zwei und Einem,
Selbst unumschränkt und alles doch beschränkend:

Dreimal ward er besungen von jedwedem
Der Geister dort, mit solchem süßen Liede,
Daß jeglichem Verdienst gerecht es lohnte.

Und hört' ich aus dem göttlichsten der Lichter
Des kleinern Kreises eine sanfte Stimme
─ Beinah wie die des Engels zu Maria ─

Antworten drauf: »Solang die Feier dauert
Des Paradieses, wird auch unsere Liebe
Ausstrahlen rings um sich solch Glanzgewand !

Sein Leuchten richtet ganz sich nach der Inbrunst,
Die Inbrunst nach dem Schau'n: und das ist so groß,
Als über seine Kraft es ist begnadet.

Sobald das Fleisch, das heilige und verklärte,
Uns neu umkleidet, wird auch unser Wesen
Noch schöner sein, weil es dann ganz vollkommen:

Deshalb wird das auch wachsen, was uns zuteilt
An unverdientem Licht das Höchste Schatzgut,
(An Licht, das Ihn zu schauen uns befähigt!);

Weshalb denn auch das Schauen noch muß wachsen,
Wachsen die Glut, die sich an ihm entzündet,
Wachsen der Lichtglanz, welcher von ihr herrührt.

Doch wie die Kohle, welche Flammen aushaucht
Und durch lebendigen Glanz sie überleuchtet,
So daß ihr eigener Lichtschein sich behauptet:

So wird auch dies Geblitz, das uns umknistert,
Besiegt von der Erscheinung sein des Fleisches,
Das da zur Stunde noch die Erde zudeckt.

Und doch wird soviel Licht uns nicht ermüden ─
Denn unseres Leibs Organe werden stark sein
Zu alledem, was uns dann mag erfreuen!«

Da schienen plötzlich mir, und so voll Eifer,
Die beiden Chöre »Amen!« auszurufen,
Daß sie wohl Sehnsucht zeigten nach den Körpern;

Vielleicht nicht nur für sich, nein, für die Mütter,
Die Väter auch und jene, die sie liebten,
Noch ehe sie zu ewigen Flammen wurden.

Und sieh: Ringsum, von ausgeglichner Helle,
Wuchs noch ein Glanz zu jenem, der schon da war,
Nach Art des Horizonts, der sich erheitert!

Und wie beim ersten Abenddämmer neue
Erscheinungen sich auftun hoch am Himmel,
So daß ihr Anblick wahr erscheint und nicht wahr:

So schien es mir, daß dort sich neue Wesen
Täten hervor und sich zum Kreis gesellten,
Von außen um die beiden andern Kränze.

O wahrhaft Funkensprüh'n des Heiligen Geistes!
Wie traf mir's plötzlich und voll weißen Glanzes
Die Augen, daß, geblendet, sie's nicht trugen!

Doch Beatrice wies so schön und lächelnd
Ihr Antlitz mir, daß es bei den Gesichten
Wohl bleiben muß, die nicht im Geist mir folgten.

Drauf schöpften meine Augen neue Stärke,
Sich zu erheben ─ und ich sah entrückt mich,
Nur mit der Herrin mein, zu höherm Heile!

Wohl merkt' ich, daß ich war erhoben worden,
An dem entflammten Lächelglanz des Sternes,
Der mir da röter schien als für gewöhnlich:

Von ganzem Herzen und in jener Sprache,
Die allen gleich ist, bracht' ich Gott mein Opfer,
Wie es sich ziemte vor der neuen Gnade.

Und noch war nicht in meiner Brust erloschen
Der Brand der Hingebung, als ich erkannte,
Die Spende sei ─ und gut! ─ empfangen worden:

Denn mit so starkem Schein und rotem wiesen
Sich Schimmer mir in zwei erlauchten Streifen,
Daß ich »O Gott, wie machst du schön sie!« hauchte.

Gleichwie, belebt von kleinern und von größern
Gestirnen, weiß von Pol zu Pol hin flimmert
Die milchige Straße, daß drob Weise grübeln:

So, voll von Sternen, formten tief im Grunde
Des Mars die Streifen jenes heilige Zeichen,
Zu dem die Kreisquadranten sich vereinen.

Allhier besiegt Erinnerung mein Vermögen;
Denn also strahlt' an jener Kreuzung Christus,
Daß ich kein würdig Gleichnis weiß zu finden!

Doch wer sein Kreuz aufnimmt und Christus nachfolgt,
Wird mir dereinst verzeih'n, was ich hier lasse,
Sieht er in jenem Hochglanz Christus blitzen.

Von Arm zu Arm, vom Haupt bis zu den Füßen
Bewegten Lichter sich, heftig erfunkelnd
Im Sichbegegnen und Vorüberschwärmen.

So sieht hienieden man, grad und gewunden,
Schnell und gemächlich, stets den Anblick ändernd,
Winzigste Sonnenstäubchen länger, kürzer

Sich regen in dem Strahl, von dem der Schatten
Manchmal durchstreift wird, den zu ihrem Schutze
Die Menschen sich mit Witz und Kunst bereiten!

Und so wie Geig' und Harfe, aus der Stimmung
Von vielen Saiten, süßen Klang erzeugen,
Für den selbst, der Musik nicht kann begreifen:

So von den Lichtern, die mir dort erschienen,
Vereinte übers Kreuz weg sich ein Klingen,
Das hin mich riß, blieb mir gleich fremd die Weise.

Wohl fühlt' ich's war ein Sang voll hohen Lobes;
Denn zu mir drang »Steh auf!« und »Überwinde!«,
Gleichwie zu dem, der hört und doch nicht auffaßt.

Ich ward so sehr von Lust daran befangen,
Daß bis dahin noch nichts mir war begegnet,
Das mit so holdem Netz mich hätt' umschlossen.

Vielleicht erscheint mein Wort hier zu verwegen,
Setz' ich hintan die Lust der schönen Augen,
In deren Anblick all mein Sehnen ausruht;

Doch wer bedenkt, daß die lebendigen Siegel
Jedweder Schönheit, höher, mächtiger wirken
Und daß ich mich noch nicht gewandt zu ihnen,

Kann mich entschuld'gen, wenn ich Schuld mir gebe,
Mich zu entschuld'gen, und sieht wahr mich reden ─
Denn nicht ist hier die heilige Lust verleugnet:

Vielmehr wird sie, im Aufwärtsschweben, reiner.

Dal centro al cerchio, e sì dal cerchio al centro
movesi l'acqua in un ritondo vaso,
secondo ch'è percosso fuori o dentro:003

ne la mia mente fé sùbito caso
questo ch'io dico, sì come si tacque
la glorïosa vita di Tommaso,006

per la similitudine che nacque
del suo parlare e di quel di Beatrice,
a cui sì cominciar, dopo lui, piacque:009

«A costui fa mestieri, e nol vi dice
né con la voce né pensando ancora,
d'un altro vero andare a la radice.012

Diteli se la luce onde s'infiora
vostra sustanza, rimarrà con voi
etternalmente sì com' ell' è ora;015

e se rimane, dite come, poi
che sarete visibili rifatti,
esser porà ch'al veder non vi nòi».018

Come, da più letizia pinti e tratti,
a la fïata quei che vanno a rota
levan la voce e rallegrano li atti,021

così, a l'orazion pronta e divota,
li santi cerchi mostrar nova gioia
nel torneare e ne la mira nota.024

Qual si lamenta perché qui si moia
per viver colà sù, non vide quive
lo refrigerio de l'etterna ploia.027

Quell' uno e due e tre che sempre vive
e regna sempre in tre e 'n due e 'n uno,
non circunscritto, e tutto circunscrive,030

tre volte era cantato da ciascuno
di quelli spirti con tal melodia,
ch'ad ogne merto saria giusto muno.033

E io udi' ne la luce più dia
del minor cerchio una voce modesta,
forse qual fu da l'angelo a Maria,036

risponder: «Quanto fia lunga la festa
di paradiso, tanto il nostro amore
si raggerà dintorno cotal vesta.039

La sua chiarezza séguita l'ardore;
l'ardor la visïone, e quella è tanta,
quant' ha di grazia sovra suo valore.042

Come la carne glorïosa e santa
fia rivestita, la nostra persona
più grata fia per esser tutta quanta;045

per che s'accrescerà ciò che ne dona
di gratüito lume il sommo bene,
lume ch'a lui veder ne condiziona;048

onde la visïon crescer convene,
crescer l'ardor che di quella s'accende,
crescer lo raggio che da esso vene.051

Ma sì come carbon che fiamma rende,
e per vivo candor quella soverchia,
sì che la sua parvenza si difende;054

così questo folgór che già ne cerchia
fia vinto in apparenza da la carne
che tutto dì la terra ricoperchia;057

né potrà tanta luce affaticarne:
ché li organi del corpo saran forti
a tutto ciò che potrà dilettarne».060

Tanto mi parver sùbiti e accorti
e l'uno e l'altro coro a dicer «Amme!»,
che ben mostrar disio d'i corpi morti:063

forse non pur per lor, ma per le mamme,
per li padri e per li altri che fuor cari
anzi che fosser sempiterne fiamme.066

Ed ecco intorno, di chiarezza pari,
nascere un lustro sopra quel che v'era,
per guisa d'orizzonte che rischiari.069

E sì come al salir di prima sera
comincian per lo ciel nove parvenze,
sì che la vista pare e non par vera,072

parvemi lì novelle sussistenze
cominciare a vedere, e fare un giro
di fuor da l'altre due circunferenze.075

Oh vero sfavillar del Santo Spiro!
come si fece sùbito e candente
a li occhi miei che, vinti, nol soffriro!078

Ma Bëatrice sì bella e ridente
mi si mostrò, che tra quelle vedute
si vuol lasciar che non seguir la mente.081

Quindi ripreser li occhi miei virtute
a rilevarsi; e vidimi translato
sol con mia donna in più alta salute.084

Ben m'accors' io ch'io era più levato,
per l'affocato riso de la stella,
che mi parea più roggio che l'usato.087

Con tutto 'l core e con quella favella
ch'è una in tutti, a Dio feci olocausto,
qual conveniesi a la grazia novella.090

E non er' anco del mio petto essausto
l'ardor del sacrificio, ch'io conobbi
esso litare stato accetto e fausto;093

ché con tanto lucore e tanto robbi
m'apparvero splendor dentro a due raggi,
ch'io dissi: «O Elïòs che sì li addobbi!».096

Come distinta da minori e maggi
lumi biancheggia tra ' poli del mondo
Galassia sì, che fa dubbiar ben saggi;099

sì costellati facean nel profondo
Marte quei raggi il venerabil segno
che fan giunture di quadranti in tondo.102

Qui vince la memoria mia lo 'ngegno;
ché quella croce lampeggiava Cristo,
sì ch'io non so trovare essempro degno;105

ma chi prende sua croce e segue Cristo,
ancor mi scuserà di quel ch'io lasso,
vedendo in quell' albor balenar Cristo.108

Di corno in corno e tra la cima e 'l basso
si movien lumi, scintillando forte
nel congiugnersi insieme e nel trapasso:111

così si veggion qui diritte e torte,
veloci e tarde, rinovando vista,
le minuzie d'i corpi, lunghe e corte,114

moversi per lo raggio onde si lista
talvolta l'ombra che, per sua difesa,
la gente con ingegno e arte acquista.117

E come giga e arpa, in tempra tesa
di molte corde, fa dolce tintinno
a tal da cui la nota non è intesa,120

così da' lumi che lì m'apparinno
s'accogliea per la croce una melode
che mi rapiva, sanza intender l'inno.123

Ben m'accors' io ch'elli era d'alte lode,
però ch'a me venìa «Resurgi» e «Vinci»
come a colui che non intende e ode.126

Ïo m'innamorava tanto quinci,
che 'nfino a lì non fu alcuna cosa
che mi legasse con sì dolci vinci.129

Forse la mia parola par troppo osa,
posponendo il piacer de li occhi belli,
ne' quai mirando mio disio ha posa;132

ma chi s'avvede che i vivi suggelli
d'ogne bellezza più fanno più suso,
e ch'io non m'era lì rivolto a quelli,135

escusar puommi di quel ch'io m'accuso
per escusarmi, e vedermi dir vero:
ché 'l piacer santo non è qui dischiuso,138

perché si fa, montando, più sincero.

Falke Hölle
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34

Falke Fegefeuer
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33

Falke Paradies
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33

Falke Inhalt operone