Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Paradiso ─ Canto 10

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Paradies ─ Gesang 10

Schauend auf ihren Sohn mit jener Liebe,
Die beide, sie wie er, ur-ewig atmen,
Erschuf die Erste Kraft, die unnennbare,

Was immer sich in Raum und Geist umherschwingt,
So hehr geordnet, daß nicht anders sein kann
Als tief von ihr entzückt, wer dies betrachtet.

Drum heb, o Leser, zu den hohen Sphären
Mit mir den Blick empor, nach jener Gegend,
Wo sich ein Zirkel mit dem andern schneidet;

Und dort fang an, am Kunstwerk dich zu letzen
Des Meisters, der's so liebt in seinem Herzen,
Daß niemals er von ihm das Auge wendet!

Sieh auch, wie sich von dorten herwärts abzweigt
Der schräge Kreis, drin die Planeten rollen,
Der Welt, die sie herbeisehnt, zu genügen!

Und wär' nicht ihre Laufbahn schief verschoben,
Es fehlte mancher Himmelskraft an Wirkung,
Und gleich wie tot läg' aller Erdensamen

(Schon wenn vom graden Weg mehr oder minder
Wiche ihr Gang, so wär's ein großer Mangel,
Drunten wie droben, in der Weitenordnung)!

Halt dich denn, Leser, still auf deinem Bänklein,
Nachsinnend dem, was dir ward vorgekostet,
Willst froh du sein viel eher noch als müde ─

Ich trug dir auf: nunmehr greif selber zu!
Denn fortan nur auf sich zwingt all mein Trachten
Der Gegenstand, des Schreibers ich geworden.

Die größte Dienerin der Natur, die Sonne,
Die mit des Himmels Kraft die Welt gestaltet
Und die mit ihrem Licht die Zeit uns abmißt,

Drehte ─ mit jenem Ort, der just erwähnt ward,
Herrlich vereint ─ sich in den Schraubenlinien,
Darinnen sie sich täglich früher einstellt.

Und ich, ich war in ihr! Allein vom Steigen
Gewahrt' ich nichts: sei's denn, wie man gewahr wird,
Noch vor dem ersten Einfall, seines Kommens!

Denn Beatrice ist es, welche leitet
Vom Guten in das Bessere so geschwinde,
Daß das Gescheh'n, der Zeit nach, nicht hervortritt.

Wie sehr doch mußte durch sich selber leuchten,
Was in der Sonne war, in die ich einging,
Daß nicht an Farben, nur am Licht man's kannte!

Ob ich den Geist, die Kunst, die Übung rufe,
Doch schildr' ich's so nicht, daß man's je erträumte:
Nur glauben kann man's und zu seh'n verlangen!

Und sind zu niedrig unseres Geistes Flüge
Vor solcher Höhe, o, so ist's kein Wunder;
Denn mehr-als-Sonne nie ein Aug' erschaute!

Derart erschien der vierte Dienerreigen
Des hehren Vaters, der stetsfort ihn sättigt,
Indem er, wie er haucht und zeugt, ihm dartut;

Und schon begann Beatrice: »Dank denn sage,
Dank sag der Engelssonne, die zu dieser
Sichtbaren dich erhöht hat voller Gnade!«

Sterbliches Herz ward nie so sehr bewogen
Zur Frömmigkeit, noch Gott sich hinzugeben
Mit allem seinem Dankgefühl so schleunig,

Wie da bei jenen Worten ich es wurde;
Und all mein Lieben warf so ganz auf ihn sich,
Daß Beatrice hinschwand in Vergessen.

Doch nicht mißfiel ihr's; nein, nur solch ein Lächeln
Warf sie mir zu, daß ihrer Augen Glänzen
Den einigen Geist auf Mehreres mir verteilte.

Ich sah wohl manche Schimmer, lebhaft blendend,
Aus uns den Kern und sich zum Kranze bilden,
Süßer an Klang noch als von Anblick leuchtend:

So sehn wir oftmals sich Latonens Tochter
Umgürten, ist die Luft so dunstgeschwängert,
Daß sie den Faden hält, der jenen Kreis schafft.

Am hohen Himmelshof, woher ich kehre,
Gibt's viele Freuden also schön und herrlich,
Daß man sie nicht kann aus dem Reich entführen;

Und jener Lichter Sang war unter diesen:
Wer so sich nicht beschwingt, daß einst er auffliegt,
Von Stummen harr' er auf Bericht von dorten!

Als nun, so singend, jene glühenden Sonnen
Sich dreimal hatten um uns hergeschwungen,
Gleich Sternen in der Näh' der festen Pole,

Glichen sie Frauen, nicht vom Tanz abtretend,
Nein, die nur innehalten, still versunken,
Bis daß die neuen Weisen sie begriffen.

Und aus der einen hört' ich's klingen: »Weil doch
Der Gnade Strahl, an welchem sich entzündet
Wahrhaftige Lieb' (und der dann schwillt, im Lieben

Vermannigfacht!) in dir sich also spiegelt,
Daß er empor dich führt auf jener Leiter,
Wo ohne Wiederaufstieg niemand absteigt,

So wäre, wer den Wein aus seiner Schale
Für deinen Durst dir weigert, nicht in Freiheit,
Sei's denn wie Wasser, das zum Meer nicht abfließt!

Wissen willst du, von was für Blüten schimmert
Hier dies Gewinde, das ringsher umschmeichelt
Die hehre Frau, die dir zum Hochflug Kraft gibt?

Ich war der Lämmer eins der heiligen Herde,
Die da Domenico hinführt auf Wegen,
Wo jeder wohl gedeiht, wenn er nicht abirrt.

Dieser, der mir zur Rechten ist der nächste,
War Bruder mir und Meister: Albert ist es
Von Köln; und ich war Thomas von Aquino.

Wenn du der andern all willst inne werden,
So folge meiner Rede nach mit Blicken,
Hinschweifend übers selige Kranzgeschmeide!

Das dritte Flämmlein dort geht aus vom Lächeln
Gratians, der diesem Richterstuhl und jenem
So half, daß es gefällt im Paradiese.

Der nächste, der drauf unseres Chores Schmuck ist,
War jener Petrus, der, wie einst die Wittib,
Der heiligen Kirche seinen Reichtum hingab.

Das fünfte Licht, das unter uns das schönste,
Haucht solche Liebe her, daß alle Welt sich
Dort unten sehnt, von seinem Los zu hören:

Drin lebt der hehre Geist, in den so tiefes
Wissen gelegt ward, daß, wenn Wahres wahr ist,
Zu gleicher Schau kein zweiter sich erhoben.

Alsdann siehst du das Glanzlicht jener Kerze,
Die, drunten noch im Fleisch, zutiefst erspähte
Der Engel Wesenheit und auch ihr Walten.

Dort in der andern, kleinern Leuchte lächelt
Der Anwalt jener ersten Christenzeiten,
Dessen Latein sich Augustin bediente.

Nunmehr, hast du des Geistes Aug' geleitet
Von Licht zu Lichte, meinem Lobe folgend,
Bleibst du, voll Durst schon nach dem achten, stehen.

Im Anschau'n alles Heiles schwelgt dort drinnen
Die heilige Seele, die die Welt des Truges
Dem offenbar macht, der ihr merkend zuhört:

Der Leib, draus sie vertrieben ward, ruht drunten
Dort in Cieldaur'; und kam sie aus der Marter,
Und aus Verbannung, hier zu diesem Frieden.

Sieh weiter flammen dort den glühenden Geisthauch
Des Isidor, des Beda, und Riccardos,
Dem mehr als Menscheneinsicht war gegeben.

Der hier, von dem zu mir dein Blick zurückkehrt,
Ist eines Geistes Licht, der, tief im Grübeln,
Zum Sterben glaubte daß zu spät er käme:

Es ist die ewige Leuchte des Sigieri,
Der, Schule haltend in der Halmengasse,
Durch Schlüsse fand verhaßte Wahrheitslehren!«

Drauf wie ein Uhrwerk, das uns weckt zur Stunde,
Wo sich die Gottesbraut erhebt vom Lager
Zum Gruß des Bräutigams, daß er sie liebe

─ Das jetzt ein Rädchen zieht, ein andres antreibt,
Sein »Tintin« läutend in so holder Weise,
Daß frohgestimmt der Geist von Liebe anschwillt! ─:

So sah ich, wie der ruhmverklärte Reigen
Sich dreht' und Stimm' um Stimm' von solcher Färbung
Und Süße gab, wie's sonst nicht mag bekannt sein,

Es sei denn dort, wo ewig währt die Freude.

Guardando nel suo Figlio con l'Amore
che l'uno e l'altro etternalmente spira,
lo primo e ineffabile Valore003

quanto per mente e per loco si gira
con tant' ordine fé, ch'esser non puote
sanza gustar di lui chi ciò rimira.006

Leva dunque, lettore, a l'alte rote
meco la vista, dritto a quella parte
dove l'un moto e l'altro si percuote;009

e lì comincia a vagheggiar ne l'arte
di quel maestro che dentro a sé l'ama,
tanto che mai da lei l'occhio non parte.012

Vedi come da indi si dirama
l'oblico cerchio che i pianeti porta,
per sodisfare al mondo che li chiama.015

Che se la strada lor non fosse torta,
molta virtù nel ciel sarebbe in vano,
e quasi ogne potenza qua giù morta;018

e se dal dritto più o men lontano
fosse 'l partire, assai sarebbe manco
e giù e sù de l'ordine mondano.021

Or ti riman, lettor, sovra 'l tuo banco,
dietro pensando a ciò che si preliba,
s'esser vuoi lieto assai prima che stanco.024

Messo t'ho innanzi: omai per te ti ciba;
ché a sé torce tutta la mia cura
quella materia ond' io son fatto scriba.027

Lo ministro maggior de la natura,
che del valor del ciel lo mondo imprenta
e col suo lume il tempo ne misura,030

con quella parte che sù si rammenta
congiunto, si girava per le spire
in che più tosto ognora s'appresenta;033

e io era con lui; ma del salire
non m'accors' io, se non com' uom s'accorge,
anzi 'l primo pensier, del suo venire.036

È Bëatrice quella che sì scorge
di bene in meglio, sì subitamente
che l'atto suo per tempo non si sporge.039

Quant' esser convenia da sé lucente
quel ch'era dentro al sol dov' io entra'mi,
non per color, ma per lume parvente!042

Perch' io lo 'ngegno e l'arte e l'uso chiami,
sì nol direi che mai s'imaginasse;
ma creder puossi e di veder si brami.045

E se le fantasie nostre son basse
a tanta altezza, non è maraviglia;
ché sopra 'l sol non fu occhio ch'andasse.048

Tal era quivi la quarta famiglia
de l'alto Padre, che sempre la sazia,
mostrando come spira e come figlia.051

E Bëatrice cominciò: «Ringrazia,
ringrazia il Sol de li angeli, ch'a questo
sensibil t'ha levato per sua grazia».054

Cor di mortal non fu mai sì digesto
a divozione e a rendersi a Dio
con tutto 'l suo gradir cotanto presto,057

come a quelle parole mi fec' io;
e sì tutto 'l mio amore in lui si mise,
che Bëatrice eclissò ne l'oblio.060

Non le dispiacque; ma sì se ne rise,
che lo splendor de li occhi suoi ridenti
mia mente unita in più cose divise.063

Io vidi più folgór vivi e vincenti
far di noi centro e di sé far corona,
più dolci in voce che in vista lucenti:066

così cinger la figlia di Latona
vedem talvolta, quando l'aere è pregno,
sì che ritenga il fil che fa la zona.069

Ne la corte del cielo, ond' io rivegno,
si trovan molte gioie care e belle
tanto che non si posson trar del regno;072

e 'l canto di quei lumi era di quelle;
chi non s'impenna sì che là sù voli,
dal muto aspetti quindi le novelle.075

Poi, sì cantando, quelli ardenti soli
si fuor girati intorno a noi tre volte,
come stelle vicine a' fermi poli,078

donne mi parver, non da ballo sciolte,
ma che s'arrestin tacite, ascoltando
fin che le nove note hanno ricolte.081

E dentro a l'un senti' cominciar: «Quando
lo raggio de la grazia, onde s'accende
verace amore e che poi cresce amando,084

multiplicato in te tanto resplende,
che ti conduce su per quella scala
u' sanza risalir nessun discende;087

qual ti negasse il vin de la sua fiala
per la tua sete, in libertà non fora
se non com' acqua ch'al mar non si cala.090

Tu vuo' saper di quai piante s'infiora
questa ghirlanda che 'ntorno vagheggia
la bella donna ch'al ciel t'avvalora.093

Io fui de li agni de la santa greggia
che Domenico mena per cammino
u' ben s'impingua se non si vaneggia.096

Questi che m'è a destra più vicino,
frate e maestro fummi, ed esso Alberto
è di Cologna, e io Thomas d'Aquino.099

Se sì di tutti li altri esser vuo' certo,
di retro al mio parlar ten vien col viso
girando su per lo beato serto.102

Quell' altro fiammeggiare esce del riso
di Grazïan, che l'uno e l'altro foro
aiutò sì che piace in paradiso.105

L'altro ch'appresso addorna il nostro coro,
quel Pietro fu che con la poverella
offerse a Santa Chiesa suo tesoro.108

La quinta luce, ch'è tra noi più bella,
spira di tale amor, che tutto 'l mondo
là giù ne gola di saper novella:111

entro v'è l'alta mente u' sì profondo
saver fu messo, che, se 'l vero è vero,
a veder tanto non surse il secondo.114

Appresso vedi il lume di quel cero
che giù in carne più a dentro vide
l'angelica natura e 'l ministero.117

Ne l'altra piccioletta luce ride
quello avvocato de' tempi cristiani
del cui latino Augustin si provide.120

Or se tu l'occhio de la mente trani
di luce in luce dietro a le mie lode,
già de l'ottava con sete rimani.123

Per vedere ogne ben dentro vi gode
l'anima santa che 'l mondo fallace
fa manifesto a chi di lei ben ode.126

Lo corpo ond' ella fu cacciata giace
giuso in Cieldauro; ed essa da martiro
e da essilio venne a questa pace.129

Vedi oltre fiammeggiar l'ardente spiro
d'Isidoro, di Beda e di Riccardo,
che a considerar fu più che viro.132

Questi onde a me ritorna il tuo riguardo,
è 'l lume d'uno spirto che 'n pensieri
gravi a morir li parve venir tardo:135

essa è la luce etterna di Sigieri,
che, leggendo nel Vico de li Strami,
silogizzò invidïosi veri».138

Indi, come orologio che ne chiami
ne l'ora che la sposa di Dio surge
a mattinar lo sposo perché l'ami,141

che l'una parte e l'altra tira e urge,
tin tin sonando con sì dolce nota,
che 'l ben disposto spirto d'amor turge;144

così vid' ïo la gloriosa rota
muoversi e render voce a voce in tempra
e in dolcezza ch'esser non pò nota147

se non colà dove gioir s'insempra.

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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