Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Paradiso ─ Canto 05

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Paradies ─ Gesang 05

»Wenn ich dir flamme von der Glut der Liebe
Weit übers Maß, das sichtbar wird auf Erden,
So daß ich deiner Augen Kraft besiege:

Wundre darob dich nicht! Entspringt doch solches
Vollkommenem Schauen, das, sobald es wahrnimmt,
Gleich auch im wahrgenommenen Heil den Fuß regt.

Ich sehe wohl, wie allbereits sich spiegelt
In deinem Geist das ewige Licht des Himmels,
Das, kaum erblickt, die Lieb' auch schon entzündet;

Und mag auch andres eure Lieb' mißleiten,
Es ist doch stets von jenem noch ein Abglanz,
Übel erkannt zwar, der darin erschimmert...

Du willst erfahren, ob durch andre Dienste
Verfehlt Gelübd' man soweit kann ersetzen,
Daß es die Seele vor Betreibung sichre!«

Also begann Beatrice diesen Sang jetzt;
Und dem gleich, der nicht unterbricht sein Reden,
Spann also weiter sie die heilige Frage:

»Die größte Gabe, die aus seiner Milde
Gott-Schöpfer spendete ─ so seiner Güte
Am meisten gleich, daß er sie schätzt vor allen ─,

Das war des Willens freie Selbstentscheidung,
Womit die geistbeliehenen Wesen sämtlich,
Und sie allein, wurden und sind begnadet.

Nun wird dir, wenn von hier du weiter schließest,
Klar des Gelübdes Wert sein, ist's von der Art,
Daß Gott dreinwilligt auch, wann du einwilligst:

Denn beim Vertragsschluß zwischen Gott und Mensch wird
Zum Opfer dargebracht just dieser Höchst-Schatz,
Den ich genannt; und zwar auf seinen Antrieb.

Mithin, was könnte für Ersatz man schaffen?
Glaubst du auch gut zu brauchen, was du hingabst,
Du willst doch mit Geraubtem gutes Werk tun...

Du bist nunmehr des Hauptpunkts völlig sicher;
Doch weil die Heilige Kirch' hievon entbindet
─ So daß Unwahrheit scheint, was ich enthüllte ─,

Mußt du dich etwas noch bei Tisch verweilen:
Zumal die schwere Kost, die du geschluckt hast,
Noch weitere Hilf' erheischt für dein Verdauen.

Öffne den Geist dem, was ich kund dir tue,
Und schließ es drinnen fest! Denn nicht schafft Wissen,
Behält man's nicht, bloßes Verstandenhaben...

Zwei Dinge sind zum Wesen solchen Opfers
Erforderlich: das eine ist die Sache,
Draus es besteht; das andre der Vertrag.

Der letztere wird nicht anders aufgehoben,
Als durch Erfüllung ─ und grad über diesen
Wird so bestimmt im Früheren geredet ─.

Drum war Notwendigkeit bei den Hebräern
Das Opfern selbst, mocht' immerhin das Opfer
(Wie du ja wissen mußt!) verwandelt werden.

Die erstere, die als Inhalt dir genannt ward,
Kann so beschaffen sein, daß man nicht fehlgeht,
Wird gegen andern Inhalt sie gewechselt:

Doch wechsle nicht die Last auf seiner Schulter
Nach eignem Dünken jemand ohne Drehung
Des weißen so wie auch des gelben Schlüssels;

Und jeden Wechsel halte du für nichtig.
Wenn's Unterlaßne nicht im Übernommnen
Gleich wie die Vier ist in der Sechs enthalten.

Deshalb, wo eine Sache solch Gewicht hat
Nach ihrem Wert, daß jede Wage einsinkt,
Kann man genug nicht tun mit andrer Zahlung...

Treibt, Sterbliche, kein Spiel mit dem Gelübde!
Seid treu; doch hierin auch nicht unbesonnen,
Wie Jephtha einst mit seiner Erstlingsgabe,

Dem besser stand zu sagen: »Übel tat ich!«,
Als, worttreu, Schlimmeres tun; und ähnlich töricht
Kannst du der Griechen großen Feldherrn finden,

Drob Iphigenie weint' um ihre Schönheit
Und ob sich weinen machte Weis' und Toren,
Die Botschaft hörten solchen Götterdienstes.

Bedächtiger seid, ihr Christen, dreinzustürzen!
Seid nicht der Feder gleich bei jedem Winde;
Und glaubt nicht, daß euch jedes Wasser wasche!

Ihr habt das Alt' und Neue Testament ja
Und auch den Kirchenhirten, der euch leitet:
Solches sei euch genug zu eurer Rettung !

Wenn schlimm Verlangen euch ein andres zuruft,
So seid ihr Menschen, nicht sinnlose Schafe,
Daß unter euch der Jud' euch nicht verhöhne!

Tut nicht dem Lamme gleich, das seiner Mutter
Milch fahren läßt und, dumm und übermütig,
Nach eigner Lust herumrennt, sich zum Schaden!«

Also zu mir Beatrice, wie ich's schreibe ─
Drauf wandte sie sich, ganz in Sehnsucht schmachtend,
Dorthin, wo mehr des Lebens in der Welt ist.

Ihr Schweigen, ihres Angesichts Verwandlung
Geboten Stillsein meinem gierigen Geiste,
Der da schon neue Fragen vor sich hatte;

Und einem Pfeil vergleichbar, der am Ziel schon
Einschlägt, eh' nur die Sehne wieder still liegt,
So flogen wir empor zum zweiten Reiche.

Daselbst sah meine Herrin ich so strahlend,
Als in das Licht sie jenes Himmels eintrat,
Daß leuchtender darob ward der Planet:

Und wenn der Stern sich wandelt' und erglänzte,
Wie ward erst ich, der ich schon von Natur aus
Veränderlich ja bin auf jede Weise!

Wie sich im Fischteich, welcher still und klar liegt,
Die Fische zieh'n zu dem, was kommt von draußen,
Als ob sie es für ihre Atzung hielten:

So sah ich wohl weit über tausend Schimmer
Auf uns herzieh'n; und klang ein Ruf aus jedem:
»Hier naht, der noch erhöh'n wird unsere Liebe!«;

Und in dem Maß, als jeder auf uns zukam,
Sah man der Seelen vollgeschwellte Wonne
Am hellen Blitzesglanz, den sie verströmten.

Bedenke, Leser, wenn das, was hier anhebt,
Nicht weiterginge, wie du fühlen müßtest,
Mehr zu vernehmen, schauderndes Verlangen ─

Und an dir selbst magst seh'n du, wie von diesen
Ich war voll Wunsch zu hören ihren Zustand,
Sobald sie meinen Augen dar sich boten!

»O Glückgeborener, dem zu schau'n die Throne
Des ewigen Triumphs gewährt Begnadung,
Bevor der harte Kriegsdienst ist verlassen:

Vom Licht, das durch das Weltall sich verbreitet,
Sind wir entflammt; und drum, wenn du Begehr trägst,
Uns näher zu erforschen, tu's nach Lust!«

Also von einem jener frommen Geister
Ward mir Bescheid; und von Beatrice: »Sprich nur
Getrost dich aus; und glaub ihm dann wie Göttern!« ─

»Ich sehe wohl, wie du hinein dich nistest
Ins eigne Licht und es dir ziehst aus Augen,
Dieweil so sehr sie glänzen, wenn du lächelst:

Doch weiß ich nicht, wer bist du, noch wie ward dir,
Ehrwürdige Seele, hier die Sphärenstufe,
Die Sterblichen sich hüllt mit fremden Strahlen?«

Das sprach ich, hingewendet zu der Leuchte,
Die erst zu mir gesprochen; und drob wurde
Sie noch viel glänzender, als sie schon war.

So wie die Sonne, die sich selbst verschleiert
Im Übermaß von Licht, hat Hitze aufgesogen
Die Dämpfung durch die dichten Wasserdünste:

Also entzog sich mir durch größere Freude
In seinem Strahlenglanz das heilige Antlitz,
Und so, dicht-dicht verschlossen, gab mir's Antwort

Derart, wie es der folgende Gesang singt.

"S'io ti fiammeggio nel caldo d'amore
di là dal modo che 'n terra si vede,
sì che del viso tuo vinco il valore,003

non ti maravigliar, ché ciò procede
da perfetto veder, che, come apprende,
così nel bene appreso move il piede.006

Io veggio ben sì come già resplende
ne l'intelletto tuo l'etterna luce,
che, vista, sola e sempre amore accende;009

e s'altra cosa vostro amor seduce,
non è se non di quella alcun vestigio,
mal conosciuto, che quivi traluce.012

Tu vuo' saper se con altro servigio,
per manco voto, si può render tanto
che l'anima sicuri di letigio".015

Sì cominciò Beatrice questo canto;
e sì com'uom che suo parlar non spezza,
continüò così 'l processo santo:018

"Lo maggior don che Dio per sua larghezza
fesse creando, e a la sua bontate
più conformato, e quel ch'e' più apprezza,021

fu de la volontà la libertate;
di che le creature intelligenti,
e tutte e sole, fuoro e son dotate.024

Or ti parrà, se tu quinci argomenti,
l'alto valor del voto, s'è sì fatto
che Dio consenta quando tu consenti;027

ché, nel fermar tra Dio e l'omo il patto,
vittima fassi di questo tesoro,
tal quale io dico; e fassi col suo atto.030

Dunque che render puossi per ristoro?
Se credi bene usar quel c' hai offerto,
di maltolletto vuo' far buon lavoro.033

Tu se' omai del maggior punto certo;
ma perché Santa Chiesa in ciò dispensa,
che par contra lo ver ch'i' t' ho scoverto,036

convienti ancor sedere un poco a mensa,
però che 'l cibo rigido c' hai preso,
richiede ancora aiuto a tua dispensa.039

Apri la mente a quel ch'io ti paleso
e fermalvi entro; ché non fa scïenza,
sanza lo ritenere, avere inteso.042

Due cose si convegnono a l'essenza
di questo sacrificio: l'una è quella
di che si fa; l'altr'è la convenenza.045

Quest'ultima già mai non si cancella
se non servata; e intorno di lei
sì preciso di sopra si favella:048

però necessitato fu a li Ebrei
pur l'offerere, ancor ch'alcuna offerta
si permutasse, come saver dei.051

L'altra, che per materia t'è aperta,
puote ben esser tal, che non si falla
se con altra materia si converta.054

Ma non trasmuti carco a la sua spalla
per suo arbitrio alcun, sanza la volta
e de la chiave bianca e de la gialla;057

e ogne permutanza credi stolta,
se la cosa dimessa in la sorpresa
come 'l quattro nel sei non è raccolta.060

Però qualunque cosa tanto pesa
per suo valor che tragga ogne bilancia,
sodisfar non si può con altra spesa.063

Non prendan li mortali il voto a ciancia;
siate fedeli, e a ciò far non bieci,
come Ieptè a la sua prima mancia;066

cui più si convenia dicer 'Mal feci',
che, servando, far peggio; e così stolto
ritrovar puoi il gran duca de' Greci,069

onde pianse Efigènia il suo bel volto,
e fé pianger di sé i folli e i savi
ch'udir parlar di così fatto cólto.072

Siate, Cristiani, a muovervi più gravi:
non siate come penna ad ogne vento,
e non crediate ch'ogne acqua vi lavi.075

Avete il novo e 'l vecchio Testamento,
e 'l pastor de la Chiesa che vi guida;
questo vi basti a vostro salvamento.078

Se mala cupidigia altro vi grida,
uomini siate, e non pecore matte,
sì che 'l Giudeo di voi tra voi non rida!081

Non fate com'agnel che lascia il latte
de la sua madre, e semplice e lascivo
seco medesmo a suo piacer combatte!".084

Così Beatrice a me com'ïo scrivo;
poi si rivolse tutta disïante
a quella parte ove 'l mondo è più vivo.087

Lo suo tacere e 'l trasmutar sembiante
puoser silenzio al mio cupido ingegno,
che già nuove questioni avea davante;090

e sì come saetta che nel segno
percuote pria che sia la corda queta,
così corremmo nel secondo regno.093

Quivi la donna mia vid'io sì lieta,
come nel lume di quel ciel si mise,
che più lucente se ne fé 'l pianeta.096

E se la stella si cambiò e rise,
qual mi fec'io che pur da mia natura
trasmutabile son per tutte guise!099

Come 'n peschiera ch'è tranquilla e pura
traggonsi i pesci a ciò che vien di fori
per modo che lo stimin lor pastura,102

sì vid'io ben più di mille splendori
trarsi ver' noi, e in ciascun s'udia:
"Ecco chi crescerà li nostri amori".105

E sì come ciascuno a noi venìa,
vedeasi l'ombra piena di letizia
nel folgór chiaro che di lei uscia.108

Pensa, lettor, se quel che qui s'inizia
non procedesse, come tu avresti
di più savere angosciosa carizia;111

e per te vederai come da questi
m'era in disio d'udir lor condizioni,
sì come a li occhi mi fur manifesti.114

"O bene nato a cui veder li troni
del trïunfo etternal concede grazia
prima che la milizia s'abbandoni,117

del lume che per tutto il ciel si spazia
noi semo accesi; e però, se disii
di noi chiarirti, a tuo piacer ti sazia".120

Così da un di quelli spirti pii
detto mi fu; e da Beatrice: "Dì, dì
sicuramente, e credi come a dii".123

"Io veggio ben sì come tu t'annidi
nel proprio lume, e che de li occhi il traggi,
perch'e' corusca sì come tu ridi;126

ma non so chi tu se', né perché aggi,
anima degna, il grado de la spera
che si vela a' mortai con altrui raggi".129

Questo diss'io diritto a la lumera
che pria m'avea parlato; ond'ella fessi
lucente più assai di quel ch'ell'era.132

Sì come il sol che si cela elli stessi
per troppa luce, come 'l caldo ha róse
le temperanze d'i vapori spessi,135

per più letizia sì mi si nascose
dentro al suo raggio la figura santa;
e così chiusa chiusa mi rispuose138

nel modo che 'l seguente canto canta.

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33

Falke Paradies
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33

Falke Inhalt operone