Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 33

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 33

»O Herr, die Heiden brachen ─« huben wechselnd,
Bald drei, bald vier, in süßem Psalmodieren,
Die Frauen unter Tränen an zu singen;

Und sieh: Beatrice, tief aus Schmerzen seufzend,
Hört' ihnen also zu, daß wenig mehr nur
Einst vor dem Kreuz Maria sich entfärbte.

Doch als die andern Jungfrau'n ihr zum Worte
Nun Raum gewährten, gab sie, hoch sich reckend,
Solchen Bescheid ab, glutrot gleich dem Feuer:

»Ein Weilchen, und ihr werdet mich nicht schauen;
Und wiederum ─ o Schwestern ihr, geliebte! ─
Ein Weilchen: und ihr schauet mich aufs neue!«

Drauf ließ sie sich vorangeh'n alle sieben;
Und hinter sich, einzig mit Blicken, zog sie
Mich und das Weib und, der noch blieb, den Weisen.

So schritt sie hin; und glaub' ich nicht, daß zehnmal
Den Boden schon ihr Fuß betreten hatte,
Als sie mit Augen mir die Augen rührte;

Und mit geruhigem Antlitz: »Geh doch schneller«,
Sprach sie zu mir, »damit, red' ich mit dir nun,
Du völlig bist bereit, mich anzuhören!«

Sobald ich, wie ich sollte, bei ihr weilte,
Hub so sie an: »Bruder, warum nicht wagst du
Mich jetzt zu fragen, wo du mit mir wanderst?«

Wie's jenen geht, die allzu unterwürfig
Vor ihren Vorgesetzten sind im Sprechen,
Daß nicht die Stimme laut dringt zu den Zähnen,

So ging es mir, der ohne vollen Wortklang
Ich anfing: »Hohe Herrin, was mir not tut,
Wißt Ihr ja schon; wie auch, was mir mag frommen!«

Und sie zu mir: »Von Furcht wie von Beschämung
Möcht' ich, daß fortan du dich gänzlich frei machst,
Damit du nicht mehr sprichst, als wie im Traume...

Wisse, der Wagen, den der Drache durchstieß,
Ist nicht, er war; doch wer dran Schuld hat, glaube,
Daß Gottes Rache drum kein Sühnmahl fürchtet!

Nicht immerdar wird bar des Erben bleiben
Der Adler, der die Federn ließ im Wagen,
Drob dieser Scheusal ward zuerst, dann Beute;

Denn sicher schau' ich ─ und darum verkünd' ich's! ─,
Daß eine Zeit uns bringen nahe Sterne,
Gefeit vor jeder Hemmung, jeder Schranke,

In welcher ein ›Fünfhundert, Zehn und Fünf‹,
Gesandt von Gott, hinwürgen wird die Dirne
Samt jenem Riesen, welcher mit ihr frevelt.

Und wär's auch, daß dich meine Kunde, dunkel
Wie Sphinx und Themis, minder überzeugte,
Weil sie nach deren Art den Geist umnebelt,

So werden Taten doch bald als Najaden
Dir lösen helfen dieses schwere Rätsel,
Ganz ohne Schädigung an Vieh und Frucht...

Du merk dir's; und, wie sie von mir gesagt sind,
So melde diese Worte den Lebend'gen
Des Lebens, das ein Rennen ist zum Tode;

Und denke dran, wenn du sie zu Papier bringst,
Daß du verschweigst nicht, wie den Baum du trafest,
Der nun schon zweimal hier geplündert worden.

Wer immer ihn beraubt, wer je ihn abknickt,
Mit tätlicher Beschimpfung tritt er Gott nah,
Der nur zu seinem Dienst ihn heilig pflanzte ─

Weil drein sie biß, lechzte vor Weh und Sehnsucht
Fünftausend Jahr und mehr die erste Seele
Nach jenem, der den Biß in sich bestrafte!

Es schläft fürwahr dein Geist, wenn er nicht einsieht,
Daß aus besonderm Grund derart erhaben
Er ragt und so verkehrt in seiner Krone;

Und wären nicht gewesen Elsa-Wasser
Die nichtigen Gedanken deinem Geiste
Und ihre Lust ein Pyramus dem Maulbeer

Würdest durch solcher Zeichen Fülle schon du
Gottes Gerechtigkeit ─ in dem Verbote! ─
Erkennen an dem Baume, tief im Herzen.

Doch weil ich sehe, daß in deinem Geiste
Du bist aus Stein und, ganz versteint, verdunkelt
So sehr, daß meiner Rede Licht dich blendet,

Will ich, daß ─ wenn geschrieben nicht, gemalt doch! ─
Du in dir fort sie tragest zu dem Zwecke,
Zu dem den Stecken palmgeschmückt man heimbringt!«

Und ich: »Ganz so wie Wachs von einem Siegel,
Das das gepreßte Bildnis nicht verändert,
Ist nun geprägt von Euch das Hirn mir worden...

Allein warum so über meine Einsicht
Entschwebt mir Euer teures Wort im Fluge,
Daß sie's so mehr verliert, je mehr sie nachstrebt?« ─

»Damit dir klar wird«, sprach sie, »welcher Schule
Du bist gefolgt, und siehst, wie ihre Lehre
Im Stand ist, meinem Worte nachzufolgen;

Und siehst, daß Euer Weg von jenem Gottes
Absteht so weit, als sich vom Irdischen scheidet
Die Himmelssphäre, die zuhöchst dahineilt!«

Worauf zu ihr ich sprach: »Nicht will mir's dünken,
Daß je von Euch ich mich entfremdet hätte,
Noch hab' ich des Bewußtsein, das mich quälte!« ─

»Und wenn du dessen dich nicht kannst erinnern«,
Gab lächelnd sie zurück, »nun so entsinn dich,
Wie eben erst vom Lethe du getrunken!

Und wenn von Rauch auf Feuer man darf schließen,
Beweist just solcherlei Vergessen klärlich,
Die Schuld in deinem abgelenkten Streben...

Wahrhaftig, fortan werden so weit schlicht sein
All meine Reden, als es immer nottut,
Sie deinem blöden Blicke zu entschleiern!«

Und heißer strahlend und langsamern Schrittes
Herrschte die Sonne hoch im Mittagskreise
(Welcher, je nach dem Ort, bald da, bald dort ist):

Als stille standen ─ so wie jener stillsteht,
Der zieht vorauf der Hauptschar als ihr Führer,
Trifft Ungewohntes er auf seinem Wege ─

Die sieben Frau'n am Saum des bleichen Dunkels,
Wie's unter grünem Laub und schwarzen Ästen
Auf seine kühlen Bäche legt das Hochland:

Vor ihnen war's, als ob Euphrat und Tigris
Ein und demselben Quell ich säh' entströmen
Und gleichwie Freunde träge sich zu trennen!

»O Licht, o Herrlichkeit des Menschengeistes,
Was für ein Wasser ist's, das hier emporquillt
Aus einem Grund und sich von sich entfernet?«

Auf solche Frage ward Bescheid mir: »Bitte
Matelda, daß sie's künde!«; und schon sagte
─ Wie jemand tut, der einen Vorwurf abwälzt ─

Das schöne Weib: »Dieses und andre Dinge
Wurden ihm kund von mir; und ich bin sicher,
Daß es die Letheflut ihm nicht entrückte!«

Drauf Beatrice: »Wohl hat größere Sorge,
Die öfter den Gedächtnisschatz ausplündert,
Sein geistig Aug' mit Finsternis umdunkelt...

Doch sieh den Eunoë, der dort hinausfließt:
Führ ihn zu ihm; und, wie du es gewohnt bist,
Belebe die betäubte Kraft ihm wieder!«

Als eine edle Seele, die nicht ausweicht,
Nein, ihren Willen macht zu andrer Willen,
Sobald er sich durch Zeichen hat geäußert:

Also, nachdem von ihr ich ward ergriffen,
Machte sich auf die Holde; und zu Statius
Sprach, frauenhaft beredend, sie: »Komm mit ihm!«...

Wenn ich, o Leser, größern Raum nur hätte
Zum Schreiben, säng' ich wohl für sich besonders
Vom süßen Trank, der niemals mir genugtat.

Doch weil schon angefüllt sind alle Blätter,
Bestimmt für dieses zweite Lied des Jenseits,
Läßt mich der Zaum der Kunst nicht weiterschreiten!

Hervor ging ich aus jener heiligen Woge
So tief erquickt wie neugeschaffne Pflanzen,
Frisch übergrünt von jugendzarten Blättern:

Rein und bereit zum Aufschwung nach den Sternen.

'Deus, venerunt gentes', alternando
or tre or quattro dolce salmodia,
le donne incominciaro, e lagrimando;003

e Bëatrice, sospirosa e pia,
quelle ascoltava sì fatta, che poco
più a la croce si cambiò Maria.006

Ma poi che l'altre vergini dier loco
a lei di dir, levata dritta in pè,
rispuose, colorata come foco:009

'Modicum, et non videbitis me;
et iterum, sorelle mie dilette,
modicum, et vos videbitis me'.012

Poi le si mise innanzi tutte e sette,
e dopo sé, solo accennando, mosse
me e la donna e 'l savio che ristette.015

Così sen giva; e non credo che fosse
lo decimo suo passo in terra posto,
quando con li occhi li occhi mi percosse;018

e con tranquillo aspetto "Vien più tosto",
mi disse, "tanto che, s'io parlo teco,
ad ascoltarmi tu sie ben disposto".021

Sì com'io fui, com'io dovëa, seco,
dissemi: "Frate, perché non t'attenti
a domandarmi omai venendo meco?".024

Come a color che troppo reverenti
dinanzi a suo maggior parlando sono,
che non traggon la voce viva ai denti,027

avvenne a me, che sanza intero suono
incominciai: "Madonna, mia bisogna
voi conoscete, e ciò ch'ad essa è buono".030

Ed ella a me: "Da tema e da vergogna
voglio che tu omai ti disviluppe,
sì che non parli più com'om che sogna.033

Sappi che 'l vaso che 'l serpente ruppe,
fu e non è; ma chi n' ha colpa, creda
che vendetta di Dio non teme suppe.036

Non sarà tutto tempo sanza reda
l'aguglia che lasciò le penne al carro,
per che divenne mostro e poscia preda;039

ch'io veggio certamente, e però il narro,
a darne tempo già stelle propinque,
secure d'ogn'intoppo e d'ogne sbarro,042

nel quale un cinquecento diece e cinque,
messo di Dio, anciderà la fuia
con quel gigante che con lei delinque.045

E forse che la mia narrazion buia,
qual Temi e Sfinge, men ti persuade,
perch'a lor modo lo 'ntelletto attuia;048

ma tosto fier li fatti le Naiade,
che solveranno questo enigma forte
sanza danno di pecore o di biade.051

Tu nota; e sì come da me son porte,
così queste parole segna a' vivi
del viver ch'è un correre a la morte.054

E aggi a mente, quando tu le scrivi,
di non celar qual hai vista la pianta
ch'è or due volte dirubata quivi.057

Qualunque ruba quella o quella schianta,
con bestemmia di fatto offende a Dio,
che solo a l'uso suo la creò santa.060

Per morder quella, in pena e in disio
cinquemilia anni e più l'anima prima
bramò colui che 'l morso in sé punio.063

Dorme lo 'ngegno tuo, se non estima
per singular cagione essere eccelsa
lei tanto e sì travolta ne la cima.066

E se stati non fossero acqua d'Elsa
li pensier vani intorno a la tua mente,
e 'l piacer loro un Piramo a la gelsa,069

per tante circostanze solamente
la giustizia di Dio, ne l'interdetto,
conosceresti a l'arbor moralmente.072

Ma perch'io veggio te ne lo 'ntelletto
fatto di pietra e, impetrato, tinto,
sì che t'abbaglia il lume del mio detto,075

voglio anco, e se non scritto, almen dipinto,
che 'l te ne porti dentro a te per quello
che si reca il bordon di palma cinto".078

E io: "Sì come cera da suggello,
che la figura impressa non trasmuta,
segnato è or da voi lo mio cervello.081

Ma perché tanto sovra mia veduta
vostra parola disïata vola,
che più la perde quanto più s'aiuta?".084

"Perché conoschi", disse, "quella scuola
c' hai seguitata, e veggi sua dottrina
come può seguitar la mia parola;087

e veggi vostra via da la divina
distar cotanto, quanto si discorda
da terra il ciel che più alto festina".090

Ond'io rispuosi lei: "Non mi ricorda
ch'i' stranïasse me già mai da voi,
né honne coscïenza che rimorda".093

"E se tu ricordar non te ne puoi",
sorridendo rispuose, "or ti rammenta
come bevesti di Letè ancoi;096

e se dal fummo foco s'argomenta,
cotesta oblivïon chiaro conchiude
colpa ne la tua voglia altrove attenta.099

Veramente oramai saranno nude
le mie parole, quanto converrassi
quelle scovrire a la tua vista rude".102

E più corusco e con più lenti passi
teneva il sole il cerchio di merigge,
che qua e là, come li aspetti, fassi,105

quando s'affisser, sì come s'affigge
chi va dinanzi a gente per iscorta
se trova novitate o sue vestigge,108

le sette donne al fin d'un'ombra smorta,
qual sotto foglie verdi e rami nigri
sovra suoi freddi rivi l'alpe porta.111

Dinanzi ad esse Ëufratès e Tigri
veder mi parve uscir d'una fontana,
e, quasi amici, dipartirsi pigri.114

"O luce, o gloria de la gente umana,
che acqua è questa che qui si dispiega
da un principio e sé da sé lontana?".117

Per cotal priego detto mi fu: "Priega
Matelda che 'l ti dica". E qui rispuose,
come fa chi da colpa si dislega,120

la bella donna: "Questo e altre cose
dette li son per me; e son sicura
che l'acqua di Letè non gliel nascose".123

E Bëatrice: "Forse maggior cura,
che spesse volte la memoria priva,
fatt' ha la mente sua ne li occhi oscura.126

Ma vedi Eünoè che là diriva:
menalo ad esso, e come tu se' usa,
la tramortita sua virtù ravviva".129

Come anima gentil, che non fa scusa,
ma fa sua voglia de la voglia altrui
tosto che è per segno fuor dischiusa;132

così, poi che da essa preso fui,
la bella donna mossesi, e a Stazio
donnescamente disse: "Vien con lui".135

S'io avessi, lettor, più lungo spazio
da scrivere, i' pur cantere' in parte
lo dolce ber che mai non m'avria sazio;138

ma perché piene son tutte le carte
ordite a questa cantica seconda,
non mi lascia più ir lo fren de l'arte.141

Io ritornai da la santissima onda
rifatto sì come piante novelle
rinovellate di novella fronda,144

puro e disposto a salire a le stelle.

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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