Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 30

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 30

Als so des höchsten Himmels Siebensternbild,
Das niemals Untergang noch Aufgang kannte,
Noch andern Nebel als der Sünde Schleier

─ Und das dort jeden ließ voll Eifer merken
Auf seine Pflicht, wie's hier das tiefre den läßt,
Der's Steuer dreht, zum Hafen zu gelangen ─,

Zum Stillstand kam, wandte das Volk, das wahre,
Das vor dem Greifen war genaht, doch nach ihm,
Zum Wagen hin sich wie zu seinem Frieden;

Und ihrer einer, als ein Himmelsherold,
Rief »Komm, o Braut des Libanon!« im Sington
Laut dreimal aus; und hernach all die andern.

Gleichwie die Seligen bei der letzten Ladung
Rasch sich entheben werden ihren Gräbern,
Mit neuer Stimme Halleluja jubelnd:

So hoben auf dem göttlichen Gefährte
Sich hundert jetzt, beim Ruf so heiligen Greises,
Diener und Sendlinge des ewigen Lebens.

Allen entfuhr: »Gesegnet, die du nahest!«
Und, Blumen werfend obenher und ringsum:
»O streuet Lilien aus mit vollen Händen!«

Ich sah wohl schon zu Anbeginn des Tages
Den Horizont im Osten rot erglommen,
Doch sonst den Himmel in der Klarheit Zierde;

Und das Gesicht der Sonne so umschleiert
Auftauchen, daß, durch Milderung der Dünste,
Das Auge sie vertrug für längere Weile.

Also erschien ─ in einer Blütenwolke,
Die aus den Engelshänden sich emporschwang
Und wieder niederflockte drin und draußen;

Hoch über weißem Flor ölblattbekränzt ─
Ein herrlich Weib mir, unterm grünen Mantel
Gekleidet ganz in frischer Flamme Farbe!

Und mein Gemüt, dem schon so lange Spanne
Verflossen war, seit es in ihrer Nähe,
Vor seligem Staunen bebend, war erlegen,

Erfuhr, noch vor der Augen schärferer Kunde,
Durch überirdische Kraft, die von ihr ausging,
Der alten Liebe wundersame Macht.

Sobald als blendend das Gesicht mir rührte
Der hehre Strahl, der vormals mich durchzuckte,
Eh' ich noch aus den Kinderschuh'n getreten,

Wandt' ich zur Linken mich mit dem Vertrauen,
Mit dem das Kindlein eilt zu seiner Mutter,
Wenn es sich fürchtet oder wenn's betrübt ist,

Auf daß Vergil ich sagte: »Nicht ein Quentchen
Von Blut ist mir geblieben, das nicht zittert ─
Der alten Flamme Zeichen kenn' ich wieder!«

Allein Vergil war von uns weggeschwunden,
Vergil, der treue, holdbesorgte Vater,
Vergil, dem ich zu meinem Heil mich hingab!

Und das, was rings verlor die Menschenmutter,
Bewahrte nicht die tau-gewaschenen Wangen,
Daß sie sich, unter Tränen, wieder trübten...

»Dante ! Ob auch Vergil von dannen gehe,
Weine darum noch nicht; nicht weinen sollst du!
Denn Weinen ziemt dir, wund von anderm Schwerte!«

Dem Admiral gleich, der von Heck zu Bugsprit
Nachschauen kommt die Mannschaft, die den Dienst tut
Der andern Schiffe, und zur Bravheit antreibt,

Sah von der linken Brüstung ich des Wagens
─ Als ich beim Klang mich meines Namens wandte,
Der aus Notwendigkeit hier wird vermerkt ─

Das hehre Weib (das mir zuvor sich zeigte
Umschauert von dem Engelsblütenreigen)
Werfen den Blick auf mich, diesseits des Flusses.

Obschon der Schleier, der vom Haupt ihr wallte,
Umzirkelt von den Blättern der Minerva,
Nicht völlig offenbart sie ließ erscheinen,

Fuhr königlich in Haltung und Gebärden
Sie fort wie jemand, der zwar Worte redet,
Allein das glühendste für später aufspart:

»Betracht uns wohl! Wir sind, sind Beatrice!
Wie wagtest du's, den Berg hinanzusteigen?
Wußtest du nicht, daß hier der Mensch im Glück lebt?«

Die Augen sanken mir zur klaren Quelle;
Doch als ich drin mich sah, lenkt' ich zum Gras sie,
So heftige Scham beschwerte mir die Stirne.

Also erscheint die Mutter stolz dem Sohne,
Wie sie mir da erschien: denn bitter mundet
Der Nachgeschmack so herb bezeigter Liebe.

Sie schwieg jetzt; und schon stimmten an die Engel
Das Lied »Auf dich, o Herr, setz' ich mein Hoffen«;
Doch kamen sie nicht über »meine Füße«.

Also wie Schnee, zwischen begrünten Stämmen,
Sich auf Italiens Rückgrat rasch verhärtet,
Im Hauch erstarrt der Winde von Slavonien;

Drauf, weichgetaut, versickert in sich selber
─ Sobald's vom Land, dem Schatten mangelt, herweht ─,
Gleichwie wenn Feuersglut die Kerze abschmelzt:

Also war ohne Tränen ich und Seufzer
Bis zum Gesange jener, welche jubelnd
Dem Klang der ewigen Himmelssphären folgen.

Doch als ich aus den mild gewognen Weisen
Ihr Mitleid wahrnahm, mehr als wenn gesprochen
Sie hätten: »Herrin, was zerknirschst du so ihn?«,

Löste der Krampf, der mir das Herz umschnürt hielt,
In Seufzen sich und Naß; und voll Bedrängnis
Brach er durch Mund und Augen aus dem Busen.

Sie, stets noch hehr an der erwähnten Brüstung
Des Wagens stehend gab den mitleidsvollen
Geistigen Wesen hierauf solchen Aufschluß:

»Ihr wachet in dem ewig-lichten Tage,
So daß nicht Nacht noch Schlaf euch einen Schritt raubt,
Den da die Welt hintut auf ihren Wegen;

Drum trägt auch meine Antwort größte Sorge,
Daß jener mich verstehe, der dort jammert,
Damit so Schuld wie Schmerz von einem Maß sei.

Nicht nur durch Einfluß der erhabnen Sphären,
Die jeden Samen seinem Ziel zutreiben,
Je nach den Sternen, die Geleit ihm leisten,

Nein, auch durch Überfluß göttlicher Gnade,
Die aus so hohem Dunstkreis niederregnet,
Daß unsere Blicke dort hinauf nicht reichen,

Ward der da so in seinem Lebensmorgen
Mit Kraft begabt, daß jede gute Neigung
Sich wunderbarlich hätt' in ihm entfaltet ─

Doch um so schlimmer wird und um so wilder
Ein Feld mit schlechter Saat (und ungewartet),
Je mehr ihm eignet bodenständige Wucht!

Ein Weilchen stärkt' ich ihn mit meinem Antlitz:
Ihm weisend meiner Augen Jugendhelle,
Zog ich ihn mit, dem Rechten zugewendet;

Doch kaum daß ich die Schwell' betreten hatte
Des zweiten Alters und das Leben tauschte,
Verließ er mich und warf sich weg an andre:

Als ich vom Fleisch zum Geist emporgestiegen
Und Schönheit mir und Tugend war gewachsen,
Ward minder lieb ich ihm und minder teuer!

Er setzte seinen Fuß auf Irrtumswege,
Trugbilder haschend eitlen Sinnenglückes,
Die keinerlei Verheißung je erfüllen;

Und nicht half mir's, daß Zeichen ich erwirkte,
Durch die sowohl im Schlaf ich als auch anders
Zurück ihn rief; so wenig mocht' er's achten.

So tief fiel er, daß jeglich Unternehmen
Zu seinem Heil bei weitem nicht mehr reichte,
Sei's, die verlornen Völker ihm zu zeigen!

Deshalb trat durch das Tor ich der Verdammten;
Und jenem, der ihn hier heraufgeleitet,
Ward, unter Tränen, kundgetan mein Bitten...

Der hehre Ratschluß Gottes wär' gebrochen,
Wenn Lethe man durchschritt' und seine Labung
Genossen würd' ohn' irgendwelchen Anzoll

Herzlicher Reu', die ganz in Tränen hinfließt!«

Quando il settentrïon del primo cielo,
che né occaso mai seppe né orto
né d'altra nebbia che di colpa velo,003

e che faceva lì ciascuno accorto
di suo dover, come 'l più basso face
qual temon gira per venire a porto,006

fermo s'affisse: la gente verace,
venuta prima tra 'l grifone ed esso,
al carro volse sé come a sua pace;009

e un di loro, quasi da ciel messo,
'Veni, sponsa, de Libano' cantando
gridò tre volte, e tutti li altri appresso.012

Quali i beati al novissimo bando
surgeran presti ognun di sua caverna,
la revestita voce alleluiando,015

cotali in su la divina basterna
si levar cento, ad vocem tanti senis,
ministri e messagger di vita etterna.018

Tutti dicean: 'Benedictus qui venis!',
e fior gittando e di sopra e dintorno,
'Manibus, oh, date lilïa plenis!'.021

Io vidi già nel cominciar del giorno
la parte orïental tutta rosata,
e l'altro ciel di bel sereno addorno;024

e la faccia del sol nascere ombrata,
sì che per temperanza di vapori
l'occhio la sostenea lunga fïata:027

così dentro una nuvola di fiori
che da le mani angeliche saliva
e ricadeva in giù dentro e di fori,030

sovra candido vel cinta d'uliva
donna m'apparve, sotto verde manto
vestita di color di fiamma viva.033

E lo spirito mio, che già cotanto
tempo era stato ch'a la sua presenza
non era di stupor, tremando, affranto,036

sanza de li occhi aver più conoscenza,
per occulta virtù che da lei mosse,
d'antico amor sentì la gran potenza.039

Tosto che ne la vista mi percosse
l'alta virtù che già m'avea trafitto
prima ch'io fuor di püerizia fosse,042

volsimi a la sinistra col respitto
col quale il fantolin corre a la mamma
quando ha paura o quand'elli è afflitto,045

per dicere a Virgilio: 'Men che dramma
di sangue m'è rimaso che non tremi:
conosco i segni de l'antica fiamma'.048

Ma Virgilio n'avea lasciati scemi
di sé, Virgilio dolcissimo patre,
Virgilio a cui per mia salute die' mi;051

né quantunque perdeo l'antica matre,
valse a le guance nette di rugiada
che, lagrimando, non tornasser atre.054

"Dante, perché Virgilio se ne vada,
non pianger anco, non piangere ancora;
ché pianger ti conven per altra spada".057

Quasi ammiraglio che in poppa e in prora
viene a veder la gente che ministra
per li altri legni, e a ben far l'incora;060

in su la sponda del carro sinistra,
quando mi volsi al suon del nome mio,
che di necessità qui si registra,063

vidi la donna che pria m'appario
velata sotto l'angelica festa,
drizzar li occhi ver' me di qua dal rio.066

Tutto che 'l vel che le scendea di testa,
cerchiato de le fronde di Minerva,
non la lasciasse parer manifesta,069

regalmente ne l'atto ancor proterva
continüò come colui che dice
e 'l più caldo parlar dietro reserva:072

"Guardaci ben! Ben son, ben son Beatrice.
Come degnasti d'accedere al monte?
non sapei tu che qui è l'uom felice?".075

Li occhi mi cadder giù nel chiaro fonte;
ma veggendomi in esso, i trassi a l'erba,
tanta vergogna mi gravò la fronte.078

Così la madre al figlio par superba,
com'ella parve a me; perché d'amaro
sente il sapor de la pietade acerba.081

Ella si tacque; e li angeli cantaro
di sùbito 'In te, Domine, speravi';
ma oltre 'pedes meos' non passaro.084

Sì come neve tra le vive travi
per lo dosso d'Italia si congela,
soffiata e stretta da li venti schiavi,087

poi, liquefatta, in sé stessa trapela,
pur che la terra che perde ombra spiri,
sì che par foco fonder la candela;090

così fui sanza lagrime e sospiri
anzi 'l cantar di quei che notan sempre
dietro a le note de li etterni giri;093

ma poi che 'ntesi ne le dolci tempre
lor compartire a me, par che se detto
avesser: 'Donna, perché sì lo stempre?',096

lo gel che m'era intorno al cor ristretto,
spirito e acqua fessi, e con angoscia
de la bocca e de li occhi uscì del petto.099

Ella, pur ferma in su la detta coscia
del carro stando, a le sustanze pie
volse le sue parole così poscia:102

"Voi vigilate ne l'etterno die,
sì che notte né sonno a voi non fura
passo che faccia il secol per sue vie;105

onde la mia risposta è con più cura
che m'intenda colui che di là piagne,
perché sia colpa e duol d'una misura.108

Non pur per ovra de le rote magne,
che drizzan ciascun seme ad alcun fine
secondo che le stelle son compagne,111

ma per larghezza di grazie divine,
che sì alti vapori hanno a lor piova,
che nostre viste là non van vicine,114

questi fu tal ne la sua vita nova
virtüalmente, ch'ogne abito destro
fatto averebbe in lui mirabil prova.117

Ma tanto più maligno e più silvestro
si fa 'l terren col mal seme e non cólto,
quant'elli ha più di buon vigor terrestro.120

Alcun tempo il sostenni col mio volto:
mostrando li occhi giovanetti a lui,
meco il menava in dritta parte vòlto.123

Sì tosto come in su la soglia fui
di mia seconda etade e mutai vita,
questi si tolse a me, e diessi altrui.126

Quando di carne a spirto era salita,
e bellezza e virtù cresciuta m'era,
fu' io a lui men cara e men gradita;129

e volse i passi suoi per via non vera,
imagini di ben seguendo false,
che nulla promession rendono intera.132

Né l'impetrare ispirazion mi valse,
con le quali e in sogno e altrimenti
lo rivocai: sì poco a lui ne calse!135

Tanto giù cadde, che tutti argomenti
a la salute sua eran già corti,
fuor che mostrarli le perdute genti.138

Per questo visitai l'uscio d'i morti,
e a colui che l' ha qua sù condotto,
li preghi miei, piangendo, furon porti.141

Alto fato di Dio sarebbe rotto,
se Letè si passasse e tal vivanda
fosse gustata sanza alcuno scotto144

di pentimento che lagrime spanda".

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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