Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 28

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 28

Begierig, zu durchspäh'n ringsum und drinnen
Das göttliche Gehölz, laubdicht und blühend,
Welches dem Blick das junge Taglicht dämpfte,

Ließ ich, ohn' weitere Rast, zurück den Berghang,
Langsamen Schrittes durchs Gefilde wandernd
Auf einem Grund, der allwärts Duft verströmte.

Ein süßer Hauch, der keine Unterbrechung
In sich zu haben schien, traf mir die Stirne
Mit stärkerm Fittich nicht als sanfter Wind:

Worob die Zweige, williglich erbebend,
Sich allesamt nach jener Seite bogen,
Wo ersten Schatten warf die heilige Höhe;

Doch nicht aus dem gewohnten Streben derart
Getrieben, daß die Vöglein in den Wipfeln
In ihrer Kunst zu üben sich vergaßen.

Nein, voller Lust die ersten Morgenstunden
Begrüßten zwitschernd sie durchs laubige Dickicht,
Das tief den Grundbaß raunte ihren Liedern ─

So, wie's von Ast zu Ast leis tosend herschwillt,
Dort durch den Pinienhain am Strand von Chiassi,
Wann Äolus des Südwinds Fesseln lockert.

Schon hatten mich versetzt die sachten Schritte
So weit ins Herz des alten Hains, daß nicht mehr
Ich mocht' erkennen, wo ich eingetreten:

Und sieh, das Vorwärtsgeh'n benahm ein Bach mir,
Der da nach links mit seinen kleinen Wellen
Hinbog das Kraut, das seinem Bord entsproßte.

Sämtliche Wasser, die hier noch so rein sind,
Scheinen doch einige Trübung zu enthalten,
Mit dem verglichen, welches nichts verheimlicht,

Ob es gleich dunkel-dunkel sich dahinwälzt
Unter dem ewigen Schattendach, das niemals
Sonn' oder Mond gestattet dort zu scheinen.

Still hielt mein Fuß; nur mit den Blicken drang ich
Jenseits des Flüßchens weiter, um zu schauen
Das reiche Wechselspiel der blühenden Bäume.

Und da erschien mir ─ wie da mag erscheinen
Ganz unvermittelt etwas, das hinwegrafft
Aufs wunderbarste jedes andre Denken ─

Einsam ein lieblich Weib, das sanft dahinschritt,
Singend und sich erwählend Blum' um Blume,
Womit gar farbig war ihr Pfad bestanden.

»O schöne Herrin, die am Strahl der Liebe
Du dich erwärmst ─ darf ich dem Äußern glauben,
Das sonst wohl Zeuge pflegt zu sein des Herzens ─:

Mög' Lust dir kommen, her dich zu begeben«,
Sprach ich zu ihr, »hier gegen dieses Bächlein,
So daß ich kann vernehmen, was du singst!

Du läßt mich daran denken, wo und wie einst
Proserpina zur Zeit war, als die Mutter,
Ach, sie verlor, und sie die Frühlingspracht.«

So wie sich dreht ─ die Sohlen eng verhaftet
Dem Grund und unter sich ─ ein Weib im Tanze
Und Fuß um Fuß kaum merkbar vor sich hinsetzt:

So wandte sie sich auf den rot und gelben
Blumen dort gegen mich ─ und das nicht anders
Als eine Jungfrau, die den sittigen Blick senkt ─;

Und schenkte meinen Bitten hold Gewährung,
So weit sich nähernd, daß das süße Tönen
Zu mir mit seiner Wortbedeutung schwebte.

Und wie sie da war, wo die Kräuter werden
Bespühlt vom Wellenspiel des schönen Flüßchens,
Beschied sie mir des Augenaufschlags Gnade:

Nicht glaub' ich, daß ein solches Leuchten strahlte
Unter der Venus Wimpern, als verwundet
Vom Sohn sie ward, ganz gegen sein Gebaren!

Sie lächelte vom andern Bord, gradüber,
Pflückte mehr Farben dann noch mit den Händen,
Wie sie die Kuppe ungesät hervorbringt.

Drei Schritte nur hielt uns der Bach geschieden:
Doch Hellespont, den Xerxes überbrückte
─ Noch heut ein Zügel allem Erdenhochmut! ─

Erfuhr nicht größern Haß einst von Leander
(Weil Sestos und Abydos trennt sein Branden),
Als er von mir, weil keine Furt sich auftat.

»Ihr seid hier fremd; und möglich, weil ich lächle«,
Begann sie jetzt, »hier an dem Ort, erlesen
Dem menschlichen Geschlecht zu seiner Wiege,

Packt in Verwunderung euch etwelcher Zweifel;
Doch Licht schenkt euch der Psalm ›Du hast erfreut mich‹,
Der eurer Einsicht mag den Schleier lieben...

Du aber, der voranstehst und mich barest:
Sag's, willst du mehr noch hören; willig naht' ich,
Um jede deiner Fragen dir zu stillen!« ─

»Das Wasser«, sprach ich, »und der Sang des Waldes
Bekämpfen mir im Herzen jungen Glauben
An etwas, das ganz anders ich vernahm!«

Worauf sie: »Sagen werd' ich dir, wie herrührt
Aus eigner Ursach' das, was dich verwundert,
Und lichten so den Nebel, der dich blind macht...

Das höchste Gut, ganz in sich selber selig,
Schuf gut den Menschen und zum Guten; gab dann
Den Ort ihm hier zum Pfand des ewigen Friedens.

Durch eigne Schwäche blieb er hier so kurz nur;
Durch eigne Schwäche ganz in Gram und Nöte
Verkehrt' er ehrbar Lachen, süßes Spielen!

Damit die Störung, welche drunten schaffen
Ausdünstungen des Wassers und der Erde
─ Die, wo sie können, stets der Wärme nachzieh'n ─,

Den Menschen nicht mit Ungemach befehde,
Stieg dieser Berg zum Himmel auf so mächtig;
Und frei davon ist er vom Eingangstor an.

Nun aber, weil bis zu den fernsten Grenzen
Die Luft sich umdreht mit dem ersten Umschwung,
Sofern ihr Kreisen nirgendwo gestört wird,

Rührt auch die Höhe hier, die ganz entrückt ist
Ins frische Ätherblau, solcherlei Regung
Und läßt den Hain aufrauschen, weil er dicht ist.

Und die bewegte Pflanze wirkt dann solches,
Daß sie mit ihrer Kraft den Wind durchschwängert
Und er sie drauf in Wirbeln ringsum ausstreut:

Das andre Erdreich, je nachdem sich's eignet,
Selbst oder durch den Himmel, faßt und zeugt dann
Aus andern Kräften andere Gewächse.

Nicht gält' es drüben weiter noch als Wunder,
Sobald man dies gehört hat, wenn ein Pflänzlein
Oh'n offenbaren Samen wo hervorsprießt;

Und wissen sollst du, daß die heilige Flur hier,
Auf der du stehst, von allen Samen voll ist
Und Frucht noch birgt, die drüben man nicht abpflückt...

Die Flut auch, die du siehst, quillt nicht aus Adern,
Die Dunst ergänzt, schlägt Kälte ihn hernieder,
Dem Flusse gleich, des Atem schwillt und abflaut:

Nein, sie entsprudelt steter, fester Quelle,
Die soviel aus dem Willen Gottes nachschöpft,
Als sie herausströmt, nach zwei Seiten offen.

Auf dieser Seite fließt sie mit der Kraft hin,
Die das Gedenken aller Sünden fortnimmt;
Dort gibt an alle Guttat sie es wieder.

Heißt sie hier Lethe, so zur andern Seite
Nennt sie sich Eunoë; doch mag's nicht frommen,
Wenn hier wie dort man nicht zuvor gekostet.

Jedwedem andern Wohlgeschmack geht der vor!
Und sollt' auch schon genügend dir gestillt sein
Der Wissensdurst, selbst wenn ich nichts mehr sagte,

Werd' ich doch etwas noch aus Gunst dir schenken ─
Nicht glaub' ich, daß mein Wort dir minder wert sei,
Wenn's über das Verheißne noch hinausgeht...

Sie, die vor Zeiten einst im Lied besangen
Die goldne Zeit und ihren seligen Zustand,
Träumten auf dem Parnaß wohl diesen Ort hier.

Schuldlos war hier des Menschenbaumes Wurzel,
Hier Frühling immerdar und Früchtereifen,
Der Nektar hier, von dem ein jeder meldet!«

Ich kehrte mich, rückschauend, allda gänzlich
Nach meinen Dichtern um; und sah, daß lächelnd
Sie jenes letzte Wort verstanden hatten.

Drauf neu zur hehren Frau wandt' ich die Blicke.

Vago già di cercar dentro e dintorno
la divina foresta spessa e viva,
ch'a li occhi temperava il novo giorno,003

sanza più aspettar, lasciai la riva,
prendendo la campagna lento lento
su per lo suol che d'ogne parte auliva.006

Un'aura dolce, sanza mutamento
avere in sé, mi feria per la fronte
non di più colpo che soave vento;009

per cui le fronde, tremolando, pronte
tutte quante piegavano a la parte
u' la prim'ombra gitta il santo monte;012

non però dal loro esser dritto sparte
tanto, che li augelletti per le cime
lasciasser d'operare ogne lor arte;015

ma con piena letizia l'ore prime,
cantando, ricevieno intra le foglie,
che tenevan bordone a le sue rime,018

tal qual di ramo in ramo si raccoglie
per la pineta in su 'l lito di Chiassi,
quand'Ëolo scilocco fuor discioglie.021

Già m'avean trasportato i lenti passi
dentro a la selva antica tanto, ch'io
non potea rivedere ond'io mi 'ntrassi;024

ed ecco più andar mi tolse un rio,
che 'nver' sinistra con sue picciole onde
piegava l'erba che 'n sua ripa uscìo.027

Tutte l'acque che son di qua più monde,
parrieno avere in sé mistura alcuna
verso di quella, che nulla nasconde,030

avvegna che si mova bruna bruna
sotto l'ombra perpetüa, che mai
raggiar non lascia sole ivi né luna.033

Coi piè ristetti e con li occhi passai
di là dal fiumicello, per mirare
la gran varïazion d'i freschi mai;036

e là m'apparve, sì com'elli appare
subitamente cosa che disvia
per maraviglia tutto altro pensare,039

una donna soletta che si gia
e cantando e scegliendo fior da fiore
ond'era pinta tutta la sua via.042

"Deh, bella donna, che a' raggi d'amore
ti scaldi, s'i' vo' credere a' sembianti
che soglion esser testimon del core,045

vegnati in voglia di trarreti avanti",
diss'io a lei, "verso questa rivera,
tanto ch'io possa intender che tu canti.048

Tu mi fai rimembrar dove e qual era
Proserpina nel tempo che perdette
la madre lei, ed ella primavera".051

Come si volge, con le piante strette
a terra e intra sé, donna che balli,
e piede innanzi piede a pena mette,054

volsesi in su i vermigli e in su i gialli
fioretti verso me, non altrimenti
che vergine che li occhi onesti avvalli;057

e fece i prieghi miei esser contenti,
sì appressando sé, che 'l dolce suono
veniva a me co' suoi intendimenti.060

Tosto che fu là dove l'erbe sono
bagnate già da l'onde del bel fiume,
di levar li occhi suoi mi fece dono.063

Non credo che splendesse tanto lume
sotto le ciglia a Venere, trafitta
dal figlio fuor di tutto suo costume.066

Ella ridea da l'altra riva dritta,
trattando più color con le sue mani,
che l'alta terra sanza seme gitta.069

Tre passi ci facea il fiume lontani;
ma Elesponto, là 've passò Serse,
ancora freno a tutti orgogli umani,072

più odio da Leandro non sofferse
per mareggiare intra Sesto e Abido,
che quel da me perch'allor non s'aperse.075

"Voi siete nuovi, e forse perch'io rido",
cominciò ella, "in questo luogo eletto
a l'umana natura per suo nido,078

maravigliando tienvi alcun sospetto;
ma luce rende il salmo Delectasti,
che puote disnebbiar vostro intelletto.081

E tu che se' dinanzi e mi pregasti,
dì s'altro vuoli udir; ch'i' venni presta
ad ogne tua question tanto che basti".084

"L'acqua", diss'io, "e 'l suon de la foresta
impugnan dentro a me novella fede
di cosa ch'io udi' contraria a questa".087

Ond'ella: "Io dicerò come procede
per sua cagion ciò ch'ammirar ti face,
e purgherò la nebbia che ti fiede.090

Lo sommo ben, che solo esso a sé piace,
fé l'uom buono e a bene, e questo loco
diede per arr'a lui d'etterna pace.093

Per sua difalta qui dimorò poco;
per sua difalta in pianto e in affanno
cambiò onesto riso e dolce gioco.096

Perché 'l turbar che sotto da sé fanno
l'essalazion de l'acqua e de la terra,
che quanto posson dietro al calor vanno,099

a l'uomo non facesse alcuna guerra,
questo monte salìo verso 'l ciel tanto,
e libero n'è d'indi ove si serra.102

Or perché in circuito tutto quanto
l'aere si volge con la prima volta,
se non li è rotto il cerchio d'alcun canto,105

in questa altezza ch'è tutta disciolta
ne l'aere vivo, tal moto percuote,
e fa sonar la selva perch'è folta;108

e la percossa pianta tanto puote,
che de la sua virtute l'aura impregna
e quella poi, girando, intorno scuote;111

e l'altra terra, secondo ch'è degna
per sé e per suo ciel, concepe e figlia
di diverse virtù diverse legna.114

Non parrebbe di là poi maraviglia,
udito questo, quando alcuna pianta
sanza seme palese vi s'appiglia.117

E saper dei che la campagna santa
dove tu se', d'ogne semenza è piena,
e frutto ha in sé che di là non si schianta.120

L'acqua che vedi non surge di vena
che ristori vapor che gel converta,
come fiume ch'acquista e perde lena;123

ma esce di fontana salda e certa,
che tanto dal voler di Dio riprende,
quant'ella versa da due parti aperta.126

Da questa parte con virtù discende
che toglie altrui memoria del peccato;
da l'altra d'ogne ben fatto la rende.129

Quinci Letè; così da l'altro lato
Eünoè si chiama, e non adopra
se quinci e quindi pria non è gustato:132

a tutti altri sapori esto è di sopra.
E avvegna ch'assai possa esser sazia
la sete tua perch'io più non ti scuopra,135

darotti un corollario ancor per grazia;
né credo che 'l mio dir ti sia men caro,
se oltre promession teco si spazia.138

Quelli ch'anticamente poetaro
l'età de l'oro e suo stato felice,
forse in Parnaso esto loco sognaro.141

Qui fu innocente l'umana radice;
qui primavera sempre e ogne frutto;
nettare è questo di che ciascun dice".144

Io mi rivolsi 'n dietro allora tutto
a' miei poeti, e vidi che con riso
udito avëan l'ultimo costrutto;147

poi a la bella donna torna' il viso.

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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