Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 26

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 26

Derweil wir so am Rande, hintereinander,
Schritten fürbaß ─ und oft der gute Meister
Mich rief: »Gib acht! Helf' dir, daß ich dich warne!« ─,

Traf mir die Sonne just die rechte Schulter,
Die, lichtversprühend, schon den ganzen Westen
Aus Azurblau in weißes Gleißen tauchte.

Und ich, mit meinem Schatten, ließ noch röter
Die Flamm' erscheinen; und selbst dieses Merkmal
Sah viele Geister ich im Geh'n beachten:

Es war der Grund, der ersten Anlaß ihnen
Von mir zu reden darbot; und sie fingen
Zu sprechen an: »Der scheint nicht bloßer Bildleib!«

Drauf gegen mich, soviel sie dringen konnten,
Drangen Gewisse vor; doch stets mit Vorsicht,
Daß sie nicht dorthin, wo kein Brand war, traten.

»O, der du gehst ─ nicht weil du träger wärest,
Nein, wohl aus Ehrfurcht, hinter jenen andern ─,
Sag an mir, der in Durst und Glut ich brenne

─ Und nicht nur mir tut deine Antwort not;
Denn alle die hier haben großern Durst drauf,
Als auf kalt Wasser Inder und Äthiopier ! ─.

Sag uns, wie kommt's, daß du dich stellst als Wandschirm
Der Sonne vor, wie wenn du noch nicht wärest
Dem Tod hineingeraten in das Netz?«

So sprach von ihnen einer; und ich hätte
Mich gleich erklärt, wär' ich gebannt nicht worden
Von anderm Neuen, das sich nunmehr zeigte:

Denn durch die Mitte des entflammten Weges
Kam an ein Volk, das Antlitz dem entgegen,
Das mich, um es zu schauen, ließ verweilen.

Hier seh' ich beiderseits sich eilig drängen
Alle die Schatten und zu zwei'n sich küssen,
Ohne Verzug, mit kurzem Fest zufrieden:

Also inmitten ihres Schwarzgewimmels
Beschnüffelt die Ameise sich mit jener,
Ihr Wegziel wohl und Wegglück zu erkunden.

Sobald sie lösen solchen Freundschaftswillkomm
(Eh' noch der erste Schritt dort weiterhastet),
Müht jede Schar sich ab im Überschreien ─

Die letztgekommne: »Sodom und Gomorrha!«,
Die andre: »In der Kuh barg sich Pasíphaë,
Damit der Stier zu ihrer Lust anstürme!«

Hierauf wie Kraniche, die den Riphaebergen
Zufliegen teils und teils den Wüsteneien,
Diese des Frosts, jene der Sonn' unlustig,

Macht ein Volk sich davon, das andre folgt uns:
Und weinend kehren sie zum früheren Sange
Und zu dem Ruf zurück, der ihnen zukommt.

Und nahe drängten sich zu mir wie vorher
Die nämlichen, die mich gebeten hatten,
Gespannt nun zum Gehör in ihren Mienen;

Und ich, der zweimal ihr Begehr gesehen,
Hub also an: »O Seelen, voll versichert,
Des Friedens Ruhstand, wann's auch sei, zu finden:

Nicht sind geblieben, weder hart noch mürbe,
Jenseits die Glieder mein; nein, an mir sind sie
Mit ihrem Blute hier und den Gelenken!

Von hier steig' auf ich, nicht mehr blind zu sein;
Ein Weib lebt droben, das uns Gnade zuwirbt,
Dank der ich Irdisches trag' durch eure Welt hin...

Allein, mög' euer größter Wunsch befriedigt
Bald werden ─ so, daß euch der Himmel herbergt,
Der voller Lieb' ist und am meisten Raum hat ─:

Tut kund mir, daß ich's noch auf Blätter schreibe:
Wer seid ihr hier; und wer ist jene Menge,
Die dort in eurem Rücken sich davonmacht?«

Auf andre Art nicht, jäh verblüfft, verwirrt sich
Der Bergbewohner und verstummt im Gaffen,
Wenn roh und als ein Wildling er zur Stadt kommt,

Als jeder Schatten jetzt ward im Benehmen;
Doch als des Staunens dann sie ledig waren,
Das in erhabnen Seelen bald sich sänftigt:

»O selig du, der du aus unsern Marken«
─ Hub wieder an, der mich zuerst erforschte ─
»Zu besserm Lebenslauf Erfahrung einschiffst!

Das Volk, das nicht mit uns kommt, fiel in jene
Sünde, für die einst Cäsar im Triumphzug
Sich ›Königin‹ entgegenrufen hörte;

Drum nehmen Abschied sie mit ›Sodom!‹-Schreien,
Zum Vorwurf selber sich, wie du's gehört hast,
Und steigern so die Glut, da sie sich schämen...

Ach, unsre Sünde war von Mann zu Weibe!
Doch weil die Menschensatzung wir nicht wahrten,
Nachgebend gleich den Tieren der Begierde,

Wird denn zu unsrer Schmach von uns gerufen,
Wenn wir von dannen zieh'n, der Name jener,
Die selbst zum Tier ward in dem Tier-Gerüste!...

Nun kennst du uns und wes wir schuldig wurden:
Willst du bei Namen wissen, wer wir waren,
Es reichte nicht die Zeit, auch wüßt' ich's nicht.

Gern werd' ich über mich den Wunsch dir stillen:
Bin Guido Guinizell'; und läutre schon mich,
Weil recht ich reuig ward, bevor's am Letzten!«

Wie sich in der Betrübnis des Lykurgos
Nahten zwei Söhn' zum Wiederseh'n der Mutter,
So naht' ich mich ─ nur trieb ich's doch nicht soweit! ─

Als ich sich selber nennen hört' den Vater
Meiner und andrer, Beßrer, welche jemals
Reime der Liebe sangen, süß und lieblich.

Und bar des Hörens, Redens schritt ich sinnend,
Wohl lange Zeit voll Staunen ihn beschauend;
Doch mehr nicht, ob der Glut, rückt' ich ihm näher.

Drauf, als ich am Betrachten mich geweidet,
Bot gänzlich ich mich dar zu seinen Diensten,
Mit der Versich'rung, die Vertrauen wachruft;

Und er zu mir: »Du läßt so tiefe Spuren
Durch das, was ich vernehm', in mir, so leuchtend,
Daß Lethe sie nicht tilgen kann noch trüben!

Allein, wenn wahr erst deine Worte schwörten:
Sag mir, was ist der Grund, weshalb du kundtust
In Rede so wie Blick, daß ich dir teuer?«

Und ich zu ihm: »Eure holdseligen Lieder
Sind's, die, solang die neue Richtung anhält,
Noch teuer werden machen ihre Tinten!« ─

»O Bruder«, sprach er, »der, den ich dir weise
Hier mit der Hand« ─ und zeigt' auf einen Geist vorn ─
»War beßrer Schmied der mütterlichen Sprache,

In Liebesversen wie Romanzenprosa
Besiegt' er all'; und laß die Thoren schwatzen,
Die glauben, der von Limoges gehe vor!

Den Ruf mehr als die Wahrheit schaut ihr Auge;
Und also bilden fest sie sich ihr Urteil,
Bevor auf Kunst oder Vernunft sie hören.

Einst hielten's viele Alten mit Guittone,
Von Mund zu Mund nur ihm den Preis verleihend,
Bis ihn getrumpft die Wahrheit, mit noch mehrern...

Nun, wenn so großes Vorrecht du genießest,
Daß offen dir die Fahrt steht nach dem Kloster,
Darinnen Christus Abt ist des Konventes,

So richt an ihn für mich ein Vaterunser,
Soweit es uns in diesem Reich hier nottut,
Wo Sündigen-können nicht mehr unser Teil ist!«

Dann, wohl um Andern Raum zu geben, welche
Er um sich hatte, schwand er hin durchs Feuer,
Wie durch die Flut ein Fisch, zum Grunde tauchend.

Ich nahte dem, der mir gezeigt ward, etwas
Und sagt' ihm, daß mein Wünschen seinem Namen
Freundliche Wohnstatt schon bereitet hätte;

Und er begann, freimütig, so zu reden:
»So wohl gefällt mir Eure höfische Bitte,
Daß ich nicht kann noch will mich Euch verhüllen.

Ich bin Arnald, und unter Tränen sing' ich;
Gedankenvoll schau' ich vergangne Torheit
Und seh' beglückt den Tag der Hoffnung vor mir.

Jetzt bitt' ich Euch ─ bei jener hehren Kraft,
Die Euch zur Höhe führt hier dieser Treppe ─,
Erinnert Euch zu Zeiten meines Schmerzes!«

Drauf barg er in der Glut sich, die sie läutert.

Mentre che sì per l'orlo, uno innanzi altro,
ce n'andavamo, e spesso il buon maestro
diceami: "Guarda: giovi ch'io ti scaltro";003

feriami il sole in su l'omero destro,
che già, raggiando, tutto l'occidente
mutava in bianco aspetto di cilestro;006

e io facea con l'ombra più rovente
parer la fiamma; e pur a tanto indizio
vidi molt'ombre, andando, poner mente.009

Questa fu la cagion che diede inizio
loro a parlar di me; e cominciarsi
a dir: "Colui non par corpo fittizio";012

poi verso me, quanto potëan farsi,
certi si fero, sempre con riguardo
di non uscir dove non fosser arsi.015

"O tu che vai, non per esser più tardo,
ma forse reverente, a li altri dopo,
rispondi a me che 'n sete e 'n foco ardo.018

Né solo a me la tua risposta è uopo;
ché tutti questi n' hanno maggior sete
che d'acqua fredda Indo o Etïopo.021

Dinne com'è che fai di te parete
al sol, pur come tu non fossi ancora
di morte intrato dentro da la rete".024

Sì mi parlava un d'essi; e io mi fora
già manifesto, s'io non fossi atteso
ad altra novità ch'apparve allora;027

ché per lo mezzo del cammino acceso
venne gente col viso incontro a questa,
la qual mi fece a rimirar sospeso.030

Lì veggio d'ogne parte farsi presta
ciascun'ombra e basciarsi una con una
sanza restar, contente a brieve festa;033

così per entro loro schiera bruna
s'ammusa l'una con l'altra formica,
forse a spïar lor via e lor fortuna.036

Tosto che parton l'accoglienza amica,
prima che 'l primo passo lì trascorra,
sopragridar ciascuna s'affatica:039

la nova gente: "Soddoma e Gomorra";
e l'altra: "Ne la vacca entra Pasife,
perché 'l torello a sua lussuria corra".042

Poi, come grue ch'a le montagne Rife
volasser parte, e parte inver' l'arene,
queste del gel, quelle del sole schife,045

l'una gente sen va, l'altra sen vene;
e tornan, lagrimando, a' primi canti
e al gridar che più lor si convene;048

e raccostansi a me, come davanti,
essi medesmi che m'avean pregato,
attenti ad ascoltar ne' lor sembianti.051

Io, che due volte avea visto lor grato,
incominciai: "O anime sicure
d'aver, quando che sia, di pace stato,054

non son rimase acerbe né mature
le membra mie di là, ma son qui meco
col sangue suo e con le sue giunture.057

Quinci sù vo per non esser più cieco;
donna è di sopra che m'acquista grazia,
per che 'l mortal per vostro mondo reco.060

Ma se la vostra maggior voglia sazia
tosto divegna, sì che 'l ciel v'alberghi
ch'è pien d'amore e più ampio si spazia,063

ditemi, acciò ch'ancor carte ne verghi,
chi siete voi, e chi è quella turba
che se ne va di retro a' vostri terghi".066

Non altrimenti stupido si turba
lo montanaro, e rimirando ammuta,
quando rozzo e salvatico s'inurba,069

che ciascun'ombra fece in sua paruta;
ma poi che furon di stupore scarche,
lo qual ne li alti cuor tosto s'attuta,072

"Beato te, che de le nostre marche",
ricominciò colei che pria m'inchiese,
"per morir meglio, esperïenza imbarche!075

La gente che non vien con noi, offese
di ciò per che già Cesar, trïunfando,
"Regina" contra sé chiamar s'intese:078

però si parton "Soddoma" gridando,
rimproverando a sé com' hai udito,
e aiutan l'arsura vergognando.081

Nostro peccato fu ermafrodito;
ma perché non servammo umana legge,
seguendo come bestie l'appetito,084

in obbrobrio di noi, per noi si legge,
quando partinci, il nome di colei
che s'imbestiò ne le 'mbestiate schegge.087

Or sai nostri atti e di che fummo rei:
se forse a nome vuo' saper chi semo,
tempo non è di dire, e non saprei.090

Farotti ben di me volere scemo:
son Guido Guinizzelli, e già mi purgo
per ben dolermi prima ch'a lo stremo".093

Quali ne la tristizia di Ligurgo
si fer due figli a riveder la madre,
tal mi fec'io, ma non a tanto insurgo,096

quand'io odo nomar sé stesso il padre
mio e de li altri miei miglior che mai
rime d'amor usar dolci e leggiadre;099

e sanza udire e dir pensoso andai
lunga fïata rimirando lui,
né, per lo foco, in là più m'appressai.102

Poi che di riguardar pasciuto fui,
tutto m'offersi pronto al suo servigio
con l'affermar che fa credere altrui.105

Ed elli a me: "Tu lasci tal vestigio,
per quel ch'i' odo, in me, e tanto chiaro,
che Letè nol può tòrre né far bigio.108

Ma se le tue parole or ver giuraro,
dimmi che è cagion per che dimostri
nel dire e nel guardar d'avermi caro".111

E io a lui: "Li dolci detti vostri,
che, quanto durerà l'uso moderno,
faranno cari ancora i loro incostri".114

"O frate", disse, "questi ch'io ti cerno
col dito", e additò un spirto innanzi,
"fu miglior fabbro del parlar materno.117

Versi d'amore e prose di romanzi
soverchiò tutti; e lascia dir li stolti
che quel di Lemosì credon ch'avanzi.120

A voce più ch'al ver drizzan li volti,
e così ferman sua oppinïone
prima ch'arte o ragion per lor s'ascolti.123

Così fer molti antichi di Guittone,
di grido in grido pur lui dando pregio,
fin che l' ha vinto il ver con più persone.126

Or se tu hai sì ampio privilegio,
che licito ti sia l'andare al chiostro
nel quale è Cristo abate del collegio,129

falli per me un dir d'un paternostro,
quanto bisogna a noi di questo mondo,
dove poter peccar non è più nostro".132

Poi, forse per dar luogo altrui secondo
che presso avea, disparve per lo foco,
come per l'acqua il pesce andando al fondo.135

Io mi fei al mostrato innanzi un poco,
e dissi ch'al suo nome il mio disire
apparecchiava grazïoso loco.138

El cominciò liberamente a dire:
"Tan m'abellis vostre cortes deman,
qu' ieu no me puesc ni voill a vos cobrire.141

Ieu sui Arnaut, que plor e vau cantan;
consiros vei la passada folor,
e vei jausen lo joi qu' esper, denan.144

Ara vos prec, per aquella valor
que vos guida al som de l'escalina,
sovenha vos a temps de ma dolor!".147

Poi s'ascose nel foco che li affina.

Falke Hölle
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34

Falke Fegefeuer
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33

Falke Paradies
01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33

Falke Inhalt operone