Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 25

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 25

Zeit war's, daß unser Steigen nicht Verzug litt;
Hatte die Sonne doch den Mittagsbogen
Geräumt dem Stier, die Nacht dem Skorpion.

Deshalb ─ wie es der Mensch macht, der nicht anhält,
Nein, fortgeht seinen Weg, was sich auch zeige,
Wenn ihn der Sorge Sporn zur Eile stachelt ─:

Also betraten wir den felsigen Durchschlupf,
Hintereinander hoch die Treppe klimmend,
Die, schachtgleich eng, die Steigenden entpaart.

Und wie dem Störchlein, welches schon die Schwingen
Vor Lust zum Fliegen hebt, doch nicht den Mut hat,
Des Nest zu lassen, und sie wieder absenkt:

So ging mir's mit der Lust, entflammt gelöscht,
Des Fragens, als ich kam bis zur Gebärde,
Die jener macht, der sich zum Sprechen anschickt.

Nicht ließ mich drin, ob rasch auch unser Gang war,
Mein holder Vater, sondern sprach: »Schieß ab denn
Der Rede Pfeil, schon bis ans Erz gezogen!«

Da, zuversichtlich, tat ich meinen Mund auf;
Und ich begann: »Wie kann man mager werden,
Wo kein Bedürfnis, sich zu nähren, statthat?« ─

»Erinnertest du dich, wie Meleager
Verzehrt hinschwand beim Brande eines Scheites,
Nicht wäre«, sprach er, »dieses dir so schwierig;

Und wenn du dächtest, wie, bei eurem Zucken,
Auch euer Abbild zuckt im Spiegelinnern,
Das, was dir hart erscheint, schiene dir weich...

Doch daß du drein nach Wunsch dich magst vertiefen,
Sieh Statius hier; und ich ersuch' und bitt' ihn,
Daß er dir Arzt nun sei für deine Bresten!« ─

»Wenn ich dies ewige Schauspiel ihm erkläre«,
Versetzte Statius, »wo doch du auch hier bist,
Sei mir Entschuld'gung, daß ich's nicht kann weigern!«

Also begann er: »Wenn hier meine Worte,
O Sohn, dein Geist bewahrt und in sich aufnimmt,
Werden sie Licht dem ›Wie?‹ sein, das du vorbringst...

Vollkommnes Blut, das nie wird aufgesogen
Von den begierigen Adern, nein, zurückbleibt
(Wie Speise, die du von der Tafel aufhebst!)

Empfängt im Herzen für des Menschen Glieder
Formende Schöpferkraft, ähnlich wie jenes,
Das, sie zu werden, durch die Pulse hinströmt.

Nochmals vergoren, sinkt's dorthin, wo schöner
Schweigen als Reden; und von dort dann träufelt's
Auf andres Blut, in ein natürlich Becken.

Daselbst vereinigt eins sich mit dem andern,
Bereit zu dulden dies, jenes zu bilden,
Dank jenem edlen Ort, aus dem's gepreßt wird;

Und, ihm vermählt, beginnt's hierauf sein Wirken,
Macht's erst gerinnen und gibt dem dann Leben,
Was es zu seinem Stoff sich ließ verdichten.

Die ‹Seele‹ so gewordene Schöpferkraft
─ Gleich der der Pflanze; nur darin verschieden,
Daß jene unterwegs erst, die am Lande! ─

Bewirkt drauf, daß er regt sich und empfindet,
Ähnlich dem Meerschwamm: und drauf schafft Organe
Sie den Vermögen, deren Keim sie bildet.

Nunmehr entfaltet, Sohn, nunmehr vertut sich
Die Kraft, aus des Erzeugers Herzen stammend,
Allwo Natur für alle Glieder vorbaut ─

Doch wie's vom Tier dann wird zum Menschenkindlein,
Siehst du drum noch nicht ein: das ist der Punkt auch,
Der weisern Mann, als du bist, einst ließ irren,

Indem in seiner Lehr' er scharf getrennt hielt
Das ›mögliche Begreifen‹ von der Seele,
Weil kein Organ er sah von ihm beschlagen !

Öffne der Wahrheit nun, die kommt, den Busen:
Erfahre, daß, sobald der Leibesknospe
Die Gliederung des Gehirnes ist gelungen,

Der Urbeweger sich ihr zukehrt, freudig
Ob diesem Kunstwerk der Natur, und einhaucht
Ihr neuen Geist, von solcher Kraft durchdrungen,

Daß er, was dort er wirksam findet, aufnimmt
Ins eigne Selbst und eine Seele draus schafft,
Die lebt und fühlt und in sich selbst zurückkehrt.

Und daß du minder staunst ob diesem Worte:
Schau an die Glut der Sonne, die zu Wein wird,
Vereint dem Saft, der aus der Rebe träufelt!

Doch hat dann Lachesis den Flachs versponnen,
Löst sie vom Fleische sich und trägt, der Kraft nach,
So Göttliches als Menschliches von dannen:

Die Sinne samt und sonders zwar verstummt;
Jedoch Gedächtnis und Verstand und Wille
In Wirklichkeit viel mehr geschärft als früher.

Ohn' Aufenthalt, aus eignem Antrieb fällt sie
Höchst wunderbar an eines der zwei Ufer:
Dann erst erkennt sie ihre Schicksalsstraße!

Sobald die Örtlichkeit sie dort umzirkelt,
Strahlt rings sie aus ihr seelisch Formvermögen,
Wie und wie stark es in den Gliedern lebte.

Und wie die Luft, ist sie recht regenschwanger,
Durch fremden Lichtstrahl, der in ihr sich spiegelt,
Von mannigfachen Farben wird erleuchtet:

So fügt auch hier die nachbarliche Luft sich
Zu jenem Formgebilde, das ihr aufprägt,
Durch ihre Kraft, die angekommene Seele.

Und ähnlich drauf der Flamme, die dem Feuer
Stets nachfolgt, wie's auch seine Stätte wechsle,
Folgt ihrem Geiste nach die neue Form.

Weil darin er zur Sichtbarkeit sich durchringt,
Heißt ›Schatten‹ sie; und darin wirkt er alsdann
Werkzeuge allen Sinnen bis zum Sehen.

Damit denn reden, damit lachen wir;
Damit auch bilden Tränen wir und Seufzer,
Die an dem Berg du magst vernommen haben.

Entsprechend wie die Wünsche uns ergreifen
Und andere Süchte, nimmt der Schatten Form an ─
Und solches ist der Grund des, drob du staunest!«

Doch schon gelangt zum letzten Kranzgesimse
Waren wir nun, und rechtshin abgebogen,
Und hatten andrer Sorgen zu gedenken.

Dort sprüht der Berghang Flammenglut nach außen;
Doch von dem Simsbord schlägt ein Hauch nach oben,
Der sie zurückwirft und von ihm entfernt hält.

Drum mußten wir entlang dem Abgrund schreiten,
Aufs Mal nur einer: und das Feuer scheut' ich
Von hier; und dort erbangt' ich abzustürzen.

Mein Führer aber sprach: »An diesem Orte
Soll man die Augen straff im Zügel halten;
Denn wenig braucht es nur, und man tritt fehl.« ─

»O Gott, an höchster Milde reich... «, so hört' ich's
Im Schoß der großen Hitze jetzt lobsingen,
Daß es mich trotzdem zwang, mich hinzuwenden.

Und ich sah Geister, durch die Glut hinschreitend;
Weshalb ich schaut' auf ihr' und meine Füße,
Verteilend meinen Blick bald da, bald dorten.

Gleich nach dem Schluß, der jenem Lied gesetzt ist,
Riefen sie laut: »Ich weiß von keinem Manne!«
Drauf huben wieder leise sie das Lied an.

Als es vorbei war, riefen sie: »Im Haine
Verblieb Diana und vertrieb Kalisto,
Die von der Venus Gift gekostet hatte!«

Drauf kehrten zum Gesang sie: und drauf nannten
Sie Frauen laut und Männer voller Keuschheit,
Wie Tugend es und Ehebund gebieten.

Und diese Weise, glaub' ich, schafft Genügen
Ihnen die ganze Zeit, wo sie die Glut brennt ─
Bei solcher Pflege muß, bei solcher Nahrung

Sich auch der Wunden letzte noch verschließen!

Ora era onde 'l salir non volea storpio;
ché 'l sole avëa il cerchio di merigge
lasciato al Tauro e la notte a lo Scorpio:003

per che, come fa l'uom che non s'affigge
ma vassi a la via sua, che che li appaia,
se di bisogno stimolo il trafigge,006

così intrammo noi per la callaia,
uno innanzi altro prendendo la scala
che per artezza i salitor dispaia.009

E quale il cicognin che leva l'ala
per voglia di volare, e non s'attenta
d'abbandonar lo nido, e giù la cala;012

tal era io con voglia accesa e spenta
di dimandar, venendo infino a l'atto
che fa colui ch'a dicer s'argomenta.015

Non lasciò, per l'andar che fosse ratto,
lo dolce padre mio, ma disse: "Scocca
l'arco del dir, che 'nfino al ferro hai tratto".018

Allor sicuramente apri' la bocca
e cominciai: "Come si può far magro
là dove l'uopo di nodrir non tocca?".021

"Se t'ammentassi come Meleagro
si consumò al consumar d'un stizzo,
non fora", disse, "a te questo sì agro;024

e se pensassi come, al vostro guizzo,
guizza dentro a lo specchio vostra image,
ciò che par duro ti parrebbe vizzo.027

Ma perché dentro a tuo voler t'adage,
ecco qui Stazio; e io lui chiamo e prego
che sia or sanator de le tue piage".030

"Se la veduta etterna li dislego",
rispuose Stazio, "là dove tu sie,
discolpi me non potert'io far nego".033

Poi cominciò: "Se le parole mie,
figlio, la mente tua guarda e riceve,
lume ti fiero al come che tu die.036

Sangue perfetto, che poi non si beve
da l'assetate vene, e si rimane
quasi alimento che di mensa leve,039

prende nel core a tutte membra umane
virtute informativa, come quello
ch'a farsi quelle per le vene vane.042

Ancor digesto, scende ov'è più bello
tacer che dire; e quindi poscia geme
sovr'altrui sangue in natural vasello.045

Ivi s'accoglie l'uno e l'altro insieme,
l'un disposto a patire, e l'altro a fare
per lo perfetto loco onde si preme;048

e, giunto lui, comincia ad operare
coagulando prima, e poi avviva
ciò che per sua matera fé constare.051

Anima fatta la virtute attiva
qual d'una pianta, in tanto differente,
che questa è in via e quella è già a riva,054

tanto ovra poi, che già si move e sente,
come spungo marino; e indi imprende
ad organar le posse ond'è semente.057

Or si spiega, figliuolo, or si distende
la virtù ch'è dal cor del generante,
dove natura a tutte membra intende.060

Ma come d'animal divegna fante,
non vedi tu ancor: quest'è tal punto,
che più savio di te fé già errante,063

sì che per sua dottrina fé disgiunto
da l'anima il possibile intelletto,
perché da lui non vide organo assunto.066

Apri a la verità che viene il petto;
e sappi che, sì tosto come al feto
l'articular del cerebro è perfetto,069

lo motor primo a lui si volge lieto
sovra tant'arte di natura, e spira
spirito novo, di vertù repleto,072

che ciò che trova attivo quivi, tira
in sua sustanzia, e fassi un'alma sola,
che vive e sente e sé in sé rigira.075

E perché meno ammiri la parola,
guarda il calor del sol che si fa vino,
giunto a l'omor che de la vite cola.078

Quando Làchesis non ha più del lino,
solvesi da la carne, e in virtute
ne porta seco e l'umano e 'l divino:081

l'altre potenze tutte quante mute;
memoria, intelligenza e volontade
in atto molto più che prima agute.084

Sanza restarsi, per sé stessa cade
mirabilmente a l'una de le rive;
quivi conosce prima le sue strade.087

Tosto che loco lì la circunscrive,
la virtù formativa raggia intorno
così e quanto ne le membra vive.090

E come l'aere, quand'è ben pïorno,
per l'altrui raggio che 'n sé si reflette,
di diversi color diventa addorno;093

così l'aere vicin quivi si mette
e in quella forma ch'è in lui suggella
virtüalmente l'alma che ristette;096

e simigliante poi a la fiammella
che segue il foco là 'vunque si muta,
segue lo spirto sua forma novella.099

Però che quindi ha poscia sua paruta,
è chiamata ombra; e quindi organa poi
ciascun sentire infino a la veduta.102

Quindi parliamo e quindi ridiam noi;
quindi facciam le lagrime e ' sospiri
che per lo monte aver sentiti puoi.105

Secondo che ci affliggono i disiri
e li altri affetti, l'ombra si figura;
e quest'è la cagion di che tu miri".108

E già venuto a l'ultima tortura
s'era per noi, e vòlto a la man destra,
ed eravamo attenti ad altra cura.111

Quivi la ripa fiamma in fuor balestra,
e la cornice spira fiato in suso
che la reflette e via da lei sequestra;114

ond'ir ne convenia dal lato schiuso
ad uno ad uno; e io temëa 'l foco
quinci, e quindi temeva cader giuso.117

Lo duca mio dicea: "Per questo loco
si vuol tenere a li occhi stretto il freno,
però ch'errar potrebbesi per poco".120

'Summae Deus clementïae' nel seno
al grande ardore allora udi' cantando,
che di volger mi fé caler non meno;123

e vidi spirti per la fiamma andando;
per ch'io guardava a loro e a' miei passi,
compartendo la vista a quando a quando.126

Appresso il fine ch'a quell'inno fassi,
gridavano alto: 'Virum non cognosco';
indi ricominciavan l'inno bassi.129

Finitolo, anco gridavano: "Al bosco
si tenne Diana, ed Elice caccionne
che di Venere avea sentito il tòsco".132

Indi al cantar tornavano; indi donne
gridavano e mariti che fuor casti
come virtute e matrimonio imponne.135

E questo modo credo che lor basti
per tutto il tempo che 'l foco li abbruscia:
con tal cura conviene e con tai pasti138

che la piaga da sezzo si ricuscia.

Falke Hölle
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