Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 23

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 23

Derweil die Augen auf das grüne Laubwerk
Ich also heftete, wie's der zu tun pflegt,
Der überm Vogelsang sein Leben hinbringt,

Sprach, der mir mehr als Vater war: »Lieb Söhnchen,
Komm nun mit uns! Die Zeit, die uns gesetzt ist,
Erheischt, daß wir sie nützlicher verwenden.«

Ich bog das Antlitz ─ und den Schritt nicht träger ─
Den Weisen zu, die derart sich besprachen,
Daß sie das Wandern mühelos mir machten.

Und horch! Ein Weinen hörte man und Singen:
»Tu auf die Lippen mein, Herr!«, solcher Weise,
Daß Lust es uns und Leid zugleich erweckte.

»Was ist das, holder Vater, was ich höre?«
Begann ich da; und er: »Schatten, die hinzieh'n,
Um ihrer Pflicht Verknotung aufzulösen!«

Gleichwie die Pilger, andacht-träumend, tun,
Wenn unterwegs sie fremdes Volk einholen,
Daß sie nach ihm sich wenden, doch nicht halten:

Also in unserm Rücken, nur viel schneller,
Starrten nach uns im Kommen und Vorbeigeh'n
Von Seelen eine Schar, stumm und ergeben.

Von Augen war jedwede hohl und glanzlos,
Aschfahl im Antlitz und so abgemagert,
Daß vom Gebein die Haut die Formen annahm.

Nicht glaub' ich, daß so bis zur Außenrinde
Einst Erisichthon sei vertrocknet worden
Vom Hunger, als ihm drob am meisten graute!

Ich sprach nachdenklich zu mir selber: »Das ist
Das Volk ja, das Jerusalem einst aufgab,
Als in den Sohn Maria schlug die Zähne!«

Ihr Augenhohl glich Ringen ohne Steine:
Wer im Gesicht des Menschen liest ein OMO,
Leicht hätte drinnen er erkannt das M!

Wer dächte, daß der Dufthauch eines Apfels
So's einem antun könnte, Gier erzeugend,
Und jener einer Flut, weiß er nicht, wie?

Schon nahm's mich wunder, was sie so verzehre,
Weil mir die Ursach' noch nicht offen vorlag
Von ihrer Magerkeit und schuppigen Hülse ─

Und sieh da, aus der Tiefe seines Schädels
Warf Blicke mir ein Schatten zu, jäh starrend;
Dann rief er laut: »Woher mir diese Gnade?«

Nie hätt' ich wieder ihn erkannt' am Antlitz;
Allein in seiner Stimme ward enthüllt mir,
Was das Gesicht in sich verwüstet zeigte:

Dies Tonfünklein entfachte neu zu Flammen
Mir die Erkenntnis der vertauschten Züge ─
Und sah ich jetzt das Antlitz von Forese.

»O, achte nicht auf jene trocknen Schuppen,
Die meine Haut«, fleht' er mich an, » verfärben,
Noch auf des Fleisches Mangel, den ich leide!

Nein, Wahres sprich von dir; und wer dort jene
Zwei Seelen sind, die dich zur Höhe führen.
Versteife nicht dich drauf, mir nichts zu sagen!« ─

»Dein Antlitz, das als tot ich schon betränte,
Gibt mir zum Weinen jetzt nicht kleinern Anlaß«,
Versetzt' ich ihm, »schau' ich es so entstellt.

Drum sprich beim Gott mir, der euch so entblättert!
Heiß mich nicht reden, während ich noch staune;
Denn schlecht kann sprechen, wer voll andern Willens.«

Und er zu mir: »Durch ewigen Ratschluß senkt sich
Solch eine Kraft aufs Wasser und den Baum dort,
Der hinter uns blieb, daß ich mich verzehre!

All dieses Volk, das weinend Lieder hersingt,
Schafft, weil's dem Schlund gefolgt ist über Maßen,
Hier sich in Durst und Hunger wieder heilig:

Nach Speis' und Trank entflammt in uns Begierde
Der Duft, der weht vom Apfel und vom Sprühnaß,
Das übers Grün der Zweige sich verbreitet;

Und nicht allein Ein Mal, derweil den Sims wir
Kreisend umzieh'n, erneut sich unsre Strafe ─
Ich sage Straf' und sollte sagen Wonne!

Denn jene Sehnsucht führt uns zu dem Baume,
Die Christum froh zum Ausruf führte: ›Eli!‹,
Als er mit seinem Herzblut uns erlöste.«

Und ich zu ihm: »Forese, seit dem Tage,
Da du die Welt für beßres Leben tauschtest,
Sind kaum fünf Jahre hingerollt bis jetzt.

Wenn früher nicht die Kraft in dir erschöpft war
Zum Weitersündigen, als bis in der Stunde
Heilsamen Schmerzes, der uns Gott zurückgibt:

Wie kamst du denn schon hier herauf? Ich glaubte
Annoch dich in der Tiefe dort zu finden,
Wo gleiche Zeit durch gleiche Zeit gesühnt wird.«

Und er zu mir: »So schnell hat mich geleitet
Zum Trank des süßen Wermuts dieser Martern
Nella, mein Weib! Mit ihrem brünstigen Weinen,

Mit ihren frommen Bitten und mit Seufzern
Hat sie enthoben mich dem Strand des Wartens
Und mich befreit auch von den andern Simsen.

Um soviel ist Gott teurer und in Gnaden
Die holde Witwe mein, die tief ich liebte,
Als ganz allein sie steht in bravem Wandel!

Denn selber die sardinische Barbagia
Ist, was die Frau'n betrifft, bei weitem keuscher,
Als die Barbagia, drin ich sie zurückließ.

O Bruderherz, was soll ich dir es sagen?
Zukünftige Zeit ist schon mir gegenwärtig,
Der noch nicht alt wird diese Stunde heißen,

Wo von der Kanzel aus wird untersagt sein
Den schamvergeßnen Florentiner Frauen
Die Schaustellung der Brüste samt den Warzen!

Wo gab's Barbaren-, Sarazenenweiber,
Die nötig hatten, um verhüllt zu wandeln,
Sei's geistliches, sei's anderes Gebot?

Doch wenn die Ausgeschämten sicher wüßten,
Was rascher Himmelsumschwung ihnen einbrockt,
Schon ─ um zu heulen! ─ täten sie den Mund auf:

Denn so Voraussicht mich hierin nicht blendet,
Wird Leid sie treffen, eh' der Flaum an Wangen
Dem wächst, den jetzt man noch mit »Nanna"« tröstet...

Doch, Bruder, sprich nun; birg dich mir nicht länger!
Du siehst, daß nicht nur ich, nein, alles Volk hier
Nur dorthin starrt, wo du die Sonne zudeckst.«

Drauf ich zu ihm: »Wenn du dir in den Sinn rufst,
Wer du mit mir, wer ich mit dir gewesen,
Wird dir noch jetzt das Darandenken schwer sein.

Aus solchem Leben riß heraus mich der dort,
Der vor mir geht; (erst Tage sind's; als rundlich
Sich noch der milde Bruder jener zeigte)«

─ Und wies zur Sonn' ich! ─: »er hat durch die tiefe
Nacht mich geleitet bei den wirklich Toten,
In diesem wahren Fleisch hier, das ihm nachfolgt!

Von dort hat mich emporgerafft sein Zuspruch,
Im Steigen und Umkreisen dieses Berges,
Der grad euch streckt, die einst die Welt verbogen.

Solang verspricht er mir noch seine Folgschaft,
Bis dort ich bin, wo Beatrice sein wird;
Daselbst dann muß ich sonder ihn verbleiben.

Vergil ist der, der solches mir verkündet«
─ Ich zeigt' auf ihn ─; »und der dort ist der Schatten,
Um den noch erst jedweder Felshang bebte

Von eurem Reich, das seiner sich entlastet.«

Mentre che li occhi per la fronda verde
ficcava ïo sì come far suole
chi dietro a li uccellin sua vita perde,003

lo più che padre mi dicea: "Figliuole,
vienne oramai, ché 'l tempo che n'è imposto
più utilmente compartir si vuole".006

Io volsi 'l viso, e 'l passo non men tosto,
appresso i savi, che parlavan sìe,
che l'andar mi facean di nullo costo.009

Ed ecco piangere e cantar s'udìe
'Labïa mëa, Domine' per modo
tal, che diletto e doglia parturìe.012

"O dolce padre, che è quel ch'i' odo?",
comincia' io; ed elli: "Ombre che vanno
forse di lor dover solvendo il nodo".015

Sì come i peregrin pensosi fanno,
giugnendo per cammin gente non nota,
che si volgono ad essa e non restanno,018

così di retro a noi, più tosto mota,
venendo e trapassando ci ammirava
d'anime turba tacita e devota.021

Ne li occhi era ciascuna oscura e cava,
palida ne la faccia, e tanto scema
che da l'ossa la pelle s'informava.024

Non credo che così a buccia strema
Erisittone fosse fatto secco,
per digiunar, quando più n'ebbe tema.027

Io dicea fra me stesso pensando: 'Ecco
la gente che perdé Ierusalemme,
quando Maria nel figlio diè di becco!'.030

Parean l'occhiaie anella sanza gemme:
chi nel viso de li uomini legge 'omo'
ben avria quivi conosciuta l'emme.033

Chi crederebbe che l'odor d'un pomo
sì governasse, generando brama,
e quel d'un'acqua, non sappiendo como?036

Già era in ammirar che sì li affama,
per la cagione ancor non manifesta
di lor magrezza e di lor trista squama,039

ed ecco del profondo de la testa
volse a me li occhi un'ombra e guardò fiso;
poi gridò forte: "Qual grazia m'è questa?".042

Mai non l'avrei riconosciuto al viso;
ma ne la voce sua mi fu palese
ciò che l'aspetto in sé avea conquiso.045

Questa favilla tutta mi raccese
mia conoscenza a la cangiata labbia,
e ravvisai la faccia di Forese.048

"Deh, non contendere a l'asciutta scabbia
che mi scolora", pregava, "la pelle,
né a difetto di carne ch'io abbia;051

ma dimmi il ver di te, dì chi son quelle
due anime che là ti fanno scorta;
non rimaner che tu non mi favelle!".054

"La faccia tua, ch'io lagrimai già morta,
mi dà di pianger mo non minor doglia",
rispuos'io lui, "veggendola sì torta.057

Però mi dì, per Dio, che sì vi sfoglia;
non mi far dir mentr'io mi maraviglio,
ché mal può dir chi è pien d'altra voglia".060

Ed elli a me: "De l'etterno consiglio
cade vertù ne l'acqua e ne la pianta
rimasa dietro, ond'io sì m'assottiglio.063

Tutta esta gente che piangendo canta
per seguitar la gola oltra misura,
in fame e 'n sete qui si rifà santa.066

Di bere e di mangiar n'accende cura
l'odor ch'esce del pomo e de lo sprazzo
che si distende su per sua verdura.069

E non pur una volta, questo spazzo
girando, si rinfresca nostra pena:
io dico pena, e dovria dir sollazzo,072

ché quella voglia a li alberi ci mena
che menò Cristo lieto a dire 'Elì',
quando ne liberò con la sua vena".075

E io a lui: "Forese, da quel dì
nel qual mutasti mondo a miglior vita,
cinqu' anni non son vòlti infino a qui.078

Se prima fu la possa in te finita
di peccar più, che sovvenisse l'ora
del buon dolor ch'a Dio ne rimarita,081

come se' tu qua sù venuto ancora?
Io ti credea trovar là giù di sotto,
dove tempo per tempo si ristora".084

Ond'elli a me: "Sì tosto m' ha condotto
a ber lo dolce assenzo d'i martìri
la Nella mia con suo pianger dirotto.087

Con suoi prieghi devoti e con sospiri
tratto m' ha de la costa ove s'aspetta,
e liberato m' ha de li altri giri.090

Tanto è a Dio più cara e più diletta
la vedovella mia, che molto amai,
quanto in bene operare è più soletta;093

ché la Barbagia di Sardigna assai
ne le femmine sue più è pudica
che la Barbagia dov'io la lasciai.096

O dolce frate, che vuo' tu ch'io dica?
Tempo futuro m'è già nel cospetto,
cui non sarà quest'ora molto antica,099

nel qual sarà in pergamo interdetto
a le sfacciate donne fiorentine
l'andar mostrando con le poppe il petto.102

Quai barbare fuor mai, quai saracine,
cui bisognasse, per farle ir coperte,
o spiritali o altre discipline?105

Ma se le svergognate fosser certe
di quel che 'l ciel veloce loro ammanna,
già per urlare avrian le bocche aperte;108

ché, se l'antiveder qui non m'inganna,
prima fien triste che le guance impeli
colui che mo si consola con nanna.111

Deh, frate, or fa che più non mi ti celi!
vedi che non pur io, ma questa gente
tutta rimira là dove 'l sol veli".114

Per ch'io a lui: "Se tu riduci a mente
qual fosti meco, e qual io teco fui,
ancor fia grave il memorar presente.117

Di quella vita mi volse costui
che mi va innanzi, l'altr'ier, quando tonda
vi si mostrò la suora di colui",120

e 'l sol mostrai; "costui per la profonda
notte menato m' ha d'i veri morti
con questa vera carne che 'l seconda.123

Indi m' han tratto sù li suoi conforti,
salendo e rigirando la montagna
che drizza voi che 'l mondo fece torti.126

Tanto dice di farmi sua compagna
che io sarò là dove fia Beatrice;
quivi convien che sanza lui rimagna.129

Virgilio è questi che così mi dice",
e addita' lo; "e quest'altro è quell'ombra
per cuï scosse dianzi ogne pendice132

lo vostro regno, che da sé lo sgombra".

Falke Hölle
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