Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 15

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 15

Soviel als bis zum Schluß der dritten Stunde
Seit Anbeginn des Tags sich zeigt vom Himmel,
Der immerfort, nach Kinderart, dahinspielt:

Allsoviel schien nunmehr bis hin zum Abend
Der Sonne noch vor ihrem Lauf geblieben ─
Vesper war's dort, und Mitternacht war hier es;

Und traf ihr Strahl uns mitten auf die Nase,
Weil da von uns so weit der Berg umkreist war,
Daß nun gradaus wir gegen Westen schritten.

Da fühlt' ich plötzlich mir die Stirn belastet
Von Strahlenglanz viel stärker noch als eben;
Und Staunen schuf mir dieses Unbegriffne:

Weshalb die Hand ich aufhob bis zur Höhe
Der Wimpern mein und sie zum Schirme wölbte,
Der mir der Lichtflut Übermaß beschnitte.

Wie wenn aus Wasser oder aus dem Spiegel
Aufspringt der Lichtstrahl nach der andern Seite
(Empor sich schwingend in derselben Weise,

In der er einfällt) und just soviel abweicht
Vom graden Fall des Steins, in gleichem Abstand,
Wie das Erfahrung dartut und auch Wissen:

So schien mir's, daß vom Licht, zurückgestrahlt
Daselbst vor mir, ich jählings sei getroffen;
Weshalb zur Flucht mein Auge schnell sich wandte.

»Was, holder Vater, ist's, wovor mein Antlitz
Ich nicht beschützen kann, so daß mir's fruchtet«,
Sprach ich, »und das gen uns sich scheint zu regen?« ─

»Nicht wundre dich, wenn dich vorerst noch blendet
Des Himmels Dienerschaft!« gab er Bescheid mir.
»Ein Bote naht, zum Aufstieg uns zu laden...

Bald wird's gescheh'n, daß solcher Dinge Schauen
Dir nicht mehr schwierig wird, nein, Lust bereitet,
Soviel Natur zu fühlen dich befähigt!«

Als wir nun vor dem seligen Engel standen,
Sprach er mit froher Stimme: »Tretet ein hier
Zu einem Steig, minder als jene stotzig!«

Wir stiegen auf, gar bald entfernt von dorten;
Und »Selig die Barmherzigen!« ertönte
Sang hinter uns und : »Freu dich, der du obsiegst!«

Mein gütiger Herr und ich, einsam wir beide,
Pilgerten aufwärts; und ich dachte, wandernd,
Nutzen zu zieh'n aus seinen weisen Worten.

Drum wandt' ich mich zu ihm, also ihn fragend:
»Was meinte doch der Geist aus der Romagna,
Als von ›Verbot‹ er und ›Gemeinschaft‹ sprach?«

Drauf er zu mir: »Von seinem größten Laster
Kennt er den Schaden; und drum ist's kein Wunder,
Wenn er es rügt, daß minder drob man weine!

Denn weil sich darauf richten eure Wünsche,
Wo durch Beteiligung der Teil sich schmälert,
Bewegt der Neid den Blasebalg zu Seufzern.

Allein wenn Liebe zu der höchsten Sphäre
Gen Himmel kehrte euer Sehnsuchtsstreben,
So läg' euch nicht im Herzen jene Furcht!

Nämlich um wieviel mehr dort sagen »unser«,
Um soviel mehr besitzt vom Schatz jedweder
Und glüht von Liebe mehr in jenem Kloster.« ─

»Nun bin ich satt zu werden noch erpichter»,
Sprach ich, »als wenn zuvor ich ganz geschwiegen;
Und größern Zweifel nur heg' ich im Geiste...

Wie kann denn sein, daß ein verteiltes Gut
Mehrere, die's besitzen, mehr bereichert,
Als wenn's da wird von wenigen besessen?«

Und er zu mir: »Weil du nun einmal heftest
Den Geist alleinzig auf die irdischen Dinge,
Erntest aus wahrem Licht du Finsternisse!

Jenes unendlich-unsagbare Schatzgut,
Das droben ist, eilt so der Lieb' entgegen,
Wie auf ein blankes Ding der Lichtstrahl zukommt:

So sehr teilt es sich mit, als Glut es findet;
So daß, wie weit auch Liebe sich mag öffnen,
Nur größer wird in ihr die ewige Kraft

Um wieviel Volk mehr droben sich verständigt,
So mehr gibt's dort zu lieben, so mehr liebt man;
Und, Spiegeln gleich, schenkt man im Tausch einander.

Und nimmt dir meine Rede nicht den Hunger,
Du wirst ja Beatrice seh'n; und ganz dann
Stillt sie dir die wie jede sonstige Sehnsucht.

Sorge du nur, daß bald getilgt sein werden,
Wie schon die zwei, so die fünf andern Wunden,
Die sich verschließen, wenn sie Schmerzen bringen!«

Als just ich sagen wollte »Du erfüllst mich...«,
Sah ich mich angelangt im nächsten Kreise,
So daß mich schweigen ließ die Lust der Augen.

Mir war daselbst, als ob in Traumverzückung
Ich würde unvermutet hingerissen
Und säh' in einem Tempel viele Menschen;

Und eine Frau beim Eingang, mit gar holder
Muttergebärde, sagte: »Ach, lieb Söhnchen,
Warum nur hast du das uns angetan?

Dein Vater, sieh, und ich, wir suchten schmerzlich
Immer nach dir ─« Und als sie hier verstummte,
Schwand, was noch erst Erscheinung war, hinweg.

Drauf zeigt' ein andres Weib sich, mit der Feuchte
Auf beiden Wangen, die der Schmerz hinabträuft,
Wann er aus großem Zorn auf jemand anschwillt;

Und sagte: »Wenn du Herr bist dieser Stadt,
Um deren Namen Götter so sich stritten
Und welcher jede Wissenschaft entleuchtet,

Nimm Rache dir an den verwegnen Armen,
Die unser Kind, Pisistratus, umfingen!«
Doch der Gewaltige schien mir, gütig-milde,

Ihr zu erwidern mit gefaßtem Antlitz:
»Was werden dem wir tun, der Leid uns anwünscht,
Wenn jener, der uns liebt, von uns verdammt wird?«

Drauf sah ich Volk, entbrannt in Glut des Zornes,
Mit Steinen einen Jüngling töten, wut-toll
Nichts andres mehr als »Steinigt! Steinigt!« kreischend;

Und ihn sah ich sich ob der Last des Todes,
Die schon ihm auflag, hin zur Erde neigen;
Doch stets dem Himmel tat er auf die Augen,

Erfleh'nd vom höchsten Herrn in solchem Kampfe,
Daß er verzeihe seinen irdischen Henkern,
Mit einem Ausdruck, welcher Mitleid auslöst.

Als meine Seele sich nach draußen kehrte,
Den Dingen zu, die außer ihr noch wahr sind,
Erkannt' ich meinen (drum nicht falschen!) Wahn.

Der Führer da, welcher mich konnte sehen
So tun wie einer, der vom Schlaf sich freimacht,
Sagte: »Was hast du, daß du dich nicht straff hältst,

Nein, mehr denn halbe Meile bist geschritten,
Umflort den Blick und mit unsichern Füßen,
Nach Art des, welchen Wein beugt oder Schlummer?« ─

»O süßer Vater mein, wenn du mich anhörst,
Will ich dir sagen«, sprach ich, »was mir deuchte,
Als mir der Dienst der Beine so benommen!«

Doch er: »Wenn du auch hundert Masken hättest
Vor dem Gesicht, mir blieben nicht verschlossen
Deine Gedanken, selbst nicht die geheimsten.

Dir ward solch Schau'n, damit du dich nicht weigerst
Dein Herz zu öffnen jenen Friedensbächen,
Die von der Ewigen Quelle sich verbreiten!

Nicht fragt' ich dich ›Was hast du‹, wie's wohl der tut,
Der nur mit dem Aug' schaut, das nichts mehr wahrnimmt,
Sobald entseelt der Körper liegt am Boden:

O nein, ich frug, Kraft deinem Fuß zu geben...
So muß man spornen die Bedächtigen, Trägen,
Daß sie ihr Wachsein, wenn's zurückkehrt, nützen!«

Wir schritten durch den Abend, ganz ins Schauen
Versenkt, soweit die Augen schweifen mochten,
Dem letzten, späten Strahlenglanz entgegen.

Doch sieh, ganz allgemach schob sich ein Rauchqualm
Auf uns herein, ähnlich der Nacht so finster;
Und keinen Ort gab's, um ihm auszuweichen.

Der nahm uns Blick und reine Luft mit einem.

Quanto tra l'ultimar de l'ora terza
e 'l principio del dì par de la spera
che sempre a guisa di fanciullo scherza,003

tanto pareva già inver' la sera
essere al sol del suo corso rimaso;
vespero là, e qui mezza notte era.006

E i raggi ne ferien per mezzo 'l naso,
perché per noi girato era sì 'l monte,
che già dritti andavamo inver' l'occaso,009

quand'io senti' a me gravar la fronte
a lo splendore assai più che di prima,
e stupor m'eran le cose non conte;012

ond'io levai le mani inver' la cima
de le mie ciglia, e fecimi 'l solecchio,
che del soverchio visibile lima.015

Come quando da l'acqua o da lo specchio
salta lo raggio a l'opposita parte,
salendo sù per lo modo parecchio018

a quel che scende, e tanto si diparte
dal cader de la pietra in igual tratta,
sì come mostra esperïenza e arte;021

così mi parve da luce rifratta
quivi dinanzi a me esser percosso;
per che a fuggir la mia vista fu ratta.024

"Che è quel, dolce padre, a che non posso
schermar lo viso tanto che mi vaglia",
diss'io, "e pare inver' noi esser mosso?".027

"Non ti maravigliar s'ancor t'abbaglia
la famiglia del cielo", a me rispuose:
"messo è che viene ad invitar ch'om saglia.030

Tosto sarà ch'a veder queste cose
non ti fia grave, ma fieti diletto
quanto natura a sentir ti dispuose".033

Poi giunti fummo a l'angel benedetto,
con lieta voce disse: "Intrate quinci
ad un scaleo vie men che li altri eretto".036

Noi montavam, già partiti di linci,
e 'Beati misericordes!' fue
cantato retro, e 'Godi tu che vinci!'.039

Lo mio maestro e io soli amendue
suso andavamo; e io pensai, andando,
prode acquistar ne le parole sue;042

e dirizza' mi a lui sì dimandando:
"Che volse dir lo spirto di Romagna,
e 'divieto' e 'consorte' menzionando?".045

Per ch'elli a me: "Di sua maggior magagna
conosce il danno; e però non s'ammiri
se ne riprende perché men si piagna.048

Perché s'appuntano i vostri disiri
dove per compagnia parte si scema,
invidia move il mantaco a' sospiri.051

Ma se l'amor de la spera supprema
torcesse in suso il disiderio vostro,
non vi sarebbe al petto quella tema;054

ché, per quanti si dice più lì 'nostro',
tanto possiede più di ben ciascuno,
e più di caritate arde in quel chiostro".057

"Io son d'esser contento più digiuno",
diss'io, "che se mi fosse pria taciuto,
e più di dubbio ne la mente aduno.060

Com'esser puote ch'un ben, distributo
in più posseditor, faccia più ricchi
di sé che se da pochi è posseduto?".063

Ed elli a me: "Però che tu rificchi
la mente pur a le cose terrene,
di vera luce tenebre dispicchi.066

Quello infinito e ineffabil bene
che là sù è, così corre ad amore
com'a lucido corpo raggio vene.069

Tanto si dà quanto trova d'ardore;
sì che, quantunque carità si stende,
cresce sovr'essa l'etterno valore.072

E quanta gente più là sù s'intende,
più v'è da bene amare, e più vi s'ama,
e come specchio l'uno a l'altro rende.075

E se la mia ragion non ti disfama,
vedrai Beatrice, ed ella pienamente
ti torrà questa e ciascun'altra brama.078

Procaccia pur che tosto sieno spente,
come son già le due, le cinque piaghe,
che si richiudon per esser dolente".081

Com'io voleva dicer 'Tu m'appaghe',
vidimi giunto in su l'altro girone,
sì che tacer mi fer le luci vaghe.084

Ivi mi parve in una visïone
estatica di sùbito esser tratto,
e vedere in un tempio più persone;087

e una donna, in su l'entrar, con atto
dolce di madre dicer: "Figliuol mio,
perché hai tu così verso noi fatto?090

Ecco, dolenti, lo tuo padre e io
ti cercavamo". E come qui si tacque,
ciò che pareva prima, dispario.093

Indi m'apparve un'altra con quell'acque
giù per le gote che 'l dolor distilla
quando di gran dispetto in altrui nacque,096

e dir: "Se tu se' sire de la villa
del cui nome ne' dèi fu tanta lite,
e onde ogne scïenza disfavilla,099

vendica te di quelle braccia ardite
ch'abbracciar nostra figlia, o Pisistràto".
E 'l segnor mi parea, benigno e mite,102

risponder lei con viso temperato:
"Che farem noi a chi mal ne disira,
se quei che ci ama è per noi condannato?".105

Poi vidi genti accese in foco d'ira
con pietre un giovinetto ancider, forte
gridando a sé pur: "Martira, martira!".108

E lui vedea chinarsi, per la morte
che l'aggravava già, inver' la terra,
ma de li occhi facea sempre al ciel porte,111

orando a l'alto Sire, in tanta guerra,
che perdonasse a' suoi persecutori,
con quello aspetto che pietà diserra.114

Quando l'anima mia tornò di fori
a le cose che son fuor di lei vere,
io riconobbi i miei non falsi errori.117

Lo duca mio, che mi potea vedere
far sì com'om che dal sonno si slega,
disse: "Che hai che non ti puoi tenere,120

ma se' venuto più che mezza lega
velando li occhi e con le gambe avvolte,
a guisa di cui vino o sonno piega?".123

"O dolce padre mio, se tu m'ascolte,
io ti dirò", diss'io, "ciò che m'apparve
quando le gambe mi furon sì tolte".126

Ed ei: "Se tu avessi cento larve
sovra la faccia, non mi sarian chiuse
le tue cogitazion, quantunque parve.129

Ciò che vedesti fu perché non scuse
d'aprir lo core a l'acque de la pace
che da l'etterno fonte son diffuse.132

Non dimandai "Che hai?" per quel che face
chi guarda pur con l'occhio che non vede,
quando disanimato il corpo giace;135

ma dimandai per darti forza al piede:
così frugar conviensi i pigri, lenti
ad usar lor vigilia quando riede".138

Noi andavam per lo vespero, attenti
oltre quanto potean li occhi allungarsi
contra i raggi serotini e lucenti.141

Ed ecco a poco a poco un fummo farsi
verso di noi come la notte oscuro;
né da quello era loco da cansarsi.144

Questo ne tolse li occhi e l'aere puro.

Falke Hölle
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