Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 14

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 14

»Wer ist denn der, der unsern Berg umwandert
(Eh' noch der Tod ihm hat den Schwung verliehen)
Und auf die Augen tut nach Lust und zuschließt?« ─

»Weiß nicht, wer's ist; weiß nur, daß er nicht einzig.
Befrag ihn du: bist mehr in seiner Nähe!
Doch sänftiglich, so daß er spricht, begrüß ihn.«

Also zwei Geister, einer dicht beim andern,
Berieten über mich sich dort zur Rechten;
Drauf hoben sie zum Reden hoch das Antlitz.

Der eine sprach: »O Seele, die du, haftend
Im Körper noch, dem Himmel steigst entgegen:
Tröst aus Barmherzigkeit uns durch Belehrung,

Woher und wer du bist! Denn also zwingst du
Zum Staunen uns ob deiner Huldbegnadung,
Wie sich's geziemt vor etwas Nie-Erlebtem.«

Und ich: »Mitten durch die Toscana streckt sich
Ein Fluß, der hoch am Falterona vorquillt;
Und hundert Meilen Laufs ihm nicht genügen.

Von seinem Ufer bring' ich diesen Leib her!
Euch sagen, wer ich bin, hieß' nutzlos reden;
Noch tönt mein Name weit nicht in der Runde.« ─

»Wenn recht in deine Meinung ein ich dringe
Mit dem Verstand«, gab mir darauf zur Antwort,
Der vorher sprach, »so redest du vom Arno!«

Und sprach zu ihm der andre: »Was verhehlte
Der da den Eigennamen dieses Flusses,
Wie man nur tut bei fürchterlichen Dingen?«

Und jener Schatten, welcher drob befragt ward,
Gab ihm Bescheid: »Ich weiß nicht; doch nur billig
Dünkt mich's, daß solchen Tales Name schwinde!

Denn von dem Ursprung sein ─ wo also massig
Der Bergkamm ist, von dem Pelorum absteht,
Daß wenig Stellen drin ihn übertreffen ─

Bis dort, wo er sich hingibt zum Ersatze
Dessen, was aus dem Meer der Himmel aufsaugt
(Woher die Ströme haben, was sie führen),

Wird Tugend so als Feindin fortgetrieben
Von allen, gleich der Schlange ─ sei's durch Unstern
Des Ortes, sei's durch Bosheit, die sie aufreizt ─,

Daß gänzlich ihre Art verwandelt haben
Die Siedler dieses unglückseligen Tales,
Als hätte zaubrisch Circe sie gefüttert.

Durch schmutzige Schweine, würdiger der Eichel
Als andrer Kost, nach Menschenbrauch bereitet,
Lenkt er zuerst den wasserarmen Lauf;

Auf Kläffer stößt er dann im Abwärtsfließen,
Weit bissiger noch, als ihre Kraft gestattet:
Und weg von ihnen, stolz, kehrt er die Schnauze.

So strömt und fällt er; und je mehr er breit wird,
So mehr trifft Hunde, die zu Wölfen werden,
Das gottverfluchte, unheilschwangre Strombett.

Hinabgerauscht durch mehrere tiefe Schluchten,
Findet er Füchse, voll so von Verschmitztheit,
Daß keine List sie fürchten, die sie fange...

Nicht laß' ich ab mit reden ─ hör's, wer's will ! ─;
Und sicher frommt's auch ihm, nimmt er zu Herzen,
Was jetzt der Geist der Wahrheit mir entschleiert...

Ich sehe deinen Enkel, der erwählt wird
Zum Jäger jener Wölfe dort am Ufer
Des argen Stroms; und allen schafft er Schrecken.

Ihr Fleisch verkauft er, weil sie noch am Leben;
Drauf sticht er sie wie altes Schlachtvieh nieder:
Vielen raubt er das Dasein, sich die Ehre!

Bluttriefend zieht er aus dem kahlen Walde;
Er läßt ihn so, daß bis in tausend Jahren
Zum früheren Stand er sich nicht wieder forstet.«

Wie bei Verkündigung schmerzhafter Schläge
Sich trübt das Antlitz dessen, der da zuhört,
Gleichviel, woher auch die Gefahr ihm drohe:

So sah die andre Seel' ich ─ die gewendet
Saß um zu hören ─ irr und traurig werden,
Als sie das Wort ganz in sich aufgenommen.

Der Spruch der einen und der andern Anblick
Erweckten mir den Wunsch nach ihren Namen;
Und also fragt' ich drum, nicht ohne Bitten.

Worauf der Geist, der mir zuerst Bescheid gab,
Aufs neu begann: »Du willst dazu mich bringen,
Daß ich dir tu', was du mir selbst verweigerst?

Allein da Gott in dir will leuchten lassen
So große Gnade, kann ich dir nicht karg sein;
Darum vernimm: Guido del Duca bin ich!

Einst war mein Blut von Mißgunst so entzündet,
Daß, sah ich einen Menschen sich erfreuen,
Ich gleich von Bläue war gefleckt zu schauen.

Von meiner Saat nun ernt' ich solche Streue...
O Menschenvolk, was mußt dein Herz du werfen
Auf das just, wo Gemeinschaft sich verbietet?...

Dies ist Rinier'; dieser ist Preis und Ehre
Vom Hause Calboli, darin kein einz'ger
Sich hat gemacht zum Erben seines Wertes!

Und nicht nur sein Geschlecht ist arm geworden
─ Zwischen dem Po, dem Berg, dem Meer, dem Reno ─
Am Schatz der Wahrheit wie der schönen Künste;

Denn innert dieser Mark ist so das Land voll
Von giftigem Unterholz, daß längst zu spät sie,
Was sie auch reuteten, jetzt kommen würden.

Wo ist der gute Lizio, wo Manardi?
Pier Traversar' und Guido di Carpigna?
O Romagnoler, wie seid ihr verbastert

Wann in Bologna sproßt ein Fabbro wieder?
Wann in Faenz' ein Bernardin di Fosco,
Hoch-edles Reis an unscheinbarem Stamme?

Nicht wundre dich, o Tusker, wenn ich weine,
Kommen mir in den Sinn, mit Pratas Guido,
Ugolin' d'Azzo, der einst bei uns lebte;

Friedrich Tignoso mit der Freundesschar,
Das Haus der Traversar' und Anastagi
─ So dies Geschlecht wie jenes ohne Erben! ─

Die Frau'n und Ritter, Wonnen und Gefahren,
Darein uns Lieb' und edler Mannssinn stürzten,
Wo nun die Herzen, ach, so schlimm geworden!

O Brettinoro, was zerstiebst du nicht,
Wo sich davongemacht hat deine Herrschaft
Und vieles Volk, um nicht verderbt zu werden?

Wohl tut Bagnacaval, das sich nicht fortpflanzt;
Und übel Castrocar und übler Conio,
Die solche Herrn zu zeugen sich noch abmüh'n!

Recht leben die Pagani (geht ihr Teufel
Mit Tod erst ab!); jedoch nicht so, daß lauter
Jemals auf Erden blieb' ihr Angedenken!

O Ugolin de' Fantolin, dein Name
Ist sicher nur, weil nicht mehr wird erwartet,
Der, wild entartend, ihn verdunkeln könnte...

Doch geh nun, Tusker, geh; denn jetzt verlangt mich's
Um vieles mehr zu weinen als zu reden,
So ist von dem Gespräch mein Herz beklommen!«

Wir wußten wohl, daß jene teuren Seelen
Uns hörten weiterzieh'n; drum, da sie schwiegen,
Ließen dem Weg sie uns Vertrauen schenken.

Da, als wir einsam wurden, vorwärtsschreitend,
Klang gleich dem Blitz, wenn er das Luftreich spaltet,
Ein Ruf, der uns entgegenkam, besagend:

»Töten wird mich, wer immer mich mag greifen!«;
Und schwand dahin, wie Donner, welcher abrollt,
Wenn jählings er die Wolkenbank durchborsten.

Kaum daß vor ihm Ruh' fanden unsre Ohren,
Horch, hallt' ein andrer drauf mit solchem Lärmen,
Daß es ein Donnern schien, das eben nachfolgt:

»Ich bin Aglauros, die zum Felsen wurde!«;
Und jetzt, dem Dichter eng mich anzuschmiegen,
Tat rückwärts ich und nicht nach vorn den Schritt.

Schon schwiegen rings die Lüfte von dem Dröhnen;
Da hub er an: »Das war die harte Halfter,
Die stets den Menschen soll in Schranken halten!

Doch ihr schnappt nach dem Fleisch, so daß die Angel
Des alten Widerparts euch zu sich herzieht;
Und wenig drum hilft Zügel oder Mahnung.

Euch ruft der Himmel und umkreist euch ringsum,
Euch weisend seine ewigen Herrlichkeiten;
Und doch schaut euer Auge nur zur Erde:

Drum züchtigt der euch, welcher alles wahrnimmt!«

"Chi è costui che 'l nostro monte cerchia
prima che morte li abbia dato il volo,
e apre li occhi a sua voglia e coverchia?".003

"Non so chi sia, ma so ch'e' non è solo;
domandal tu che più li t'avvicini,
e dolcemente, sì che parli, acco' lo".006

Così due spirti, l'uno a l'altro chini,
ragionavan di me ivi a man dritta;
poi fer li visi, per dirmi, supini;009

e disse l'uno: "O anima che fitta
nel corpo ancora inver' lo ciel ten vai,
per carità ne consola e ne ditta012

onde vieni e chi se'; ché tu ne fai
tanto maravigliar de la tua grazia,
quanto vuol cosa che non fu più mai".015

E io: "Per mezza Toscana si spazia
un fiumicel che nasce in Falterona,
e cento miglia di corso nol sazia.018

Di sovr'esso rech'io questa persona:
dirvi ch'i' sia, saria parlare indarno,
ché 'l nome mio ancor molto non suona".021

"Se ben lo 'ntendimento tuo accarno
con lo 'ntelletto", allora mi rispuose
quei che diceva pria, "tu parli d'Arno".024

E l'altro disse lui: "Perché nascose
questi il vocabol di quella riviera,
pur com'om fa de l'orribili cose?".027

E l'ombra che di ciò domandata era,
si sdebitò così: "Non so; ma degno
ben è che 'l nome di tal valle pèra;030

ché dal principio suo, ov'è sì pregno
l'alpestro monte ond'è tronco Peloro,
che 'n pochi luoghi passa oltra quel segno,033

infin là 've si rende per ristoro
di quel che 'l ciel de la marina asciuga,
ond' hanno i fiumi ciò che va con loro,036

vertù così per nimica si fuga
da tutti come biscia, o per sventura
del luogo, o per mal uso che li fruga:039

ond' hanno sì mutata lor natura
li abitator de la misera valle,
che par che Circe li avesse in pastura.042

Tra brutti porci, più degni di galle
che d'altro cibo fatto in uman uso,
dirizza prima il suo povero calle.045

Botoli trova poi, venendo giuso,
ringhiosi più che non chiede lor possa,
e da lor disdegnosa torce il muso.048

Vassi caggendo; e quant'ella più 'ngrossa,
tanto più trova di can farsi lupi
la maladetta e sventurata fossa.051

Discesa poi per più pelaghi cupi,
trova le volpi sì piene di froda,
che non temono ingegno che le occùpi.054

Né lascerò di dir perch'altri m'oda;
e buon sarà costui, s'ancor s'ammenta
di ciò che vero spirto mi disnoda.057

Io veggio tuo nepote che diventa
cacciator di quei lupi in su la riva
del fiero fiume, e tutti li sgomenta.060

Vende la carne loro essendo viva;
poscia li ancide come antica belva;
molti di vita e sé di pregio priva.063

Sanguinoso esce de la trista selva;
lasciala tal, che di qui a mille anni
ne lo stato primaio non si rinselva".066

Com'a l'annunzio di dogliosi danni
si turba il viso di colui ch'ascolta,
da qual che parte il periglio l'assanni,069

così vid'io l'altr'anima, che volta
stava a udir, turbarsi e farsi trista,
poi ch'ebbe la parola a sé raccolta.072

Lo dir de l'una e de l'altra la vista
mi fer voglioso di saper lor nomi,
e dimanda ne fei con prieghi mista;075

per che lo spirto che di pria parlòmi
ricominciò: "Tu vuo' ch'io mi deduca
nel fare a te ciò che tu far non vuo' mi.078

Ma da che Dio in te vuol che traluca
tanto sua grazia, non ti sarò scarso;
però sappi ch'io fui Guido del Duca.081

Fu il sangue mio d'invidia sì rïarso,
che se veduto avesse uom farsi lieto,
visto m'avresti di livore sparso.084

Di mia semente cotal paglia mieto;
o gente umana, perché poni 'l core
là 'v'è mestier di consorte divieto?087

Questi è Rinier; questi è 'l pregio e l'onore
de la casa da Calboli, ove nullo
fatto s'è reda poi del suo valore.090

E non pur lo suo sangue è fatto brullo,
tra 'l Po e 'l monte e la marina e 'l Reno,
del ben richesto al vero e al trastullo;093

ché dentro a questi termini è ripieno
di venenosi sterpi, sì che tardi
per coltivare omai verrebber meno.096

Ov'è 'l buon Lizio e Arrigo Mainardi?
Pier Traversaro e Guido di Carpigna?
Oh Romagnuoli tornati in bastardi!099

Quando in Bologna un Fabbro si ralligna?
quando in Faenza un Bernardin di Fosco,
verga gentil di picciola gramigna?102

Non ti maravigliar s'io piango, Tosco,
quando rimembro, con Guido da Prata,
Ugolin d'Azzo che vivette nosco,105

Federigo Tignoso e sua brigata,
la casa Traversara e li Anastagi
(e l'una gente e l'altra è diretata),108

le donne e ' cavalier, li affanni e li agi
che ne 'nvogliava amore e cortesia
là dove i cuor son fatti sì malvagi.111

O Bretinoro, ché non fuggi via,
poi che gita se n'è la tua famiglia
e molta gente per non esser ria?114

Ben fa Bagnacaval, che non rifiglia;
e mal fa Castrocaro, e peggio Conio,
che di figliar tai conti più s'impiglia.117

Ben faranno i Pagan, da che 'l demonio
lor sen girà; ma non però che puro
già mai rimagna d'essi testimonio.120

O Ugolin de' Fantolin, sicuro
è 'l nome tuo, da che più non s'aspetta
chi far lo possa, tralignando, scuro.123

Ma va via, Tosco, omai; ch'or mi diletta
troppo di pianger più che di parlare,
sì m' ha nostra ragion la mente stretta".126

Noi sapavam che quell'anime care
ci sentivano andar; però, tacendo,
facëan noi del cammin confidare.129

Poi fummo fatti soli procedendo,
folgore parve quando l'aere fende,
voce che giunse di contra dicendo:132

'Anciderammi qualunque m'apprende';
e fuggì come tuon che si dilegua,
se sùbito la nuvola scoscende.135

Come da lei l'udir nostro ebbe triegua,
ed ecco l'altra con sì gran fracasso,
che somigliò tonar che tosto segua:138

"Io sono Aglauro che divenni sasso";
e allor, per ristrignermi al poeta,
in destro feci, e non innanzi, il passo.141

Già era l'aura d'ogne parte queta;
ed el mi disse: "Quel fu 'l duro camo
che dovria l'uom tener dentro a sua meta.144

Ma voi prendete l'esca, sì che l'amo
de l'antico avversaro a sé vi tira;
e però poco val freno o richiamo.147

Chiamavi 'l cielo e 'ntorno vi si gira,
mostrandovi le sue bellezze etterne,
e l'occhio vostro pur a terra mira;150

onde vi batte chi tutto discerne".

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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