Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Purgatorio ─ Canto 04

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Fegefeuer ─ Gesang 04

Wenn je um Wonnen oder auch um Schmerzen,
So irgendeine Kraft von uns mag fassen,
Die Seele ganz auf diese sich versammelt,

Zeigt sich's, daß sonst auf keine Kraft sie achtet;
Und das spricht gegen jenen Wahn, der annimmt,
Seel' über Seele sei in uns entzündet.

Und drum, wird da gehört ein Ding, gesehen,
Das stark auf sich die Seele hält gerichtet,
Vergeht die Zeit, und man bemerkt es nicht!

Denn eine andre Kraft ist, die sie wahrnimmt,
Als die, so ganz für sich beschlägt die Seele:
Diese mit ihr verknüpft, jene frei schweifend.

Hievon ward mir leibhaftige Erfahrung,
Derweil ich jenen Geist anhört' und schaute:
Denn wohl auf fünfzig Grade war gestiegen

Die Sonn' ─ und hatt' ich's nicht bemerkt ─, als jetzt wir
Zum Ort gelangten, wo vereint die Seelen
Uns rufend wiesen: »Hier ist, was ihr wünscht!«

Größere Öffnung mag wohl oft verzäunen
Mit einer Gabelvoll von seinem Dornicht
Der Landbewohner, wenn die Traube braun wird,

Als hier der Hohlweg darbot, drin emporstieg
Mein Führer, und ich hinter ihm ─ wir einzig,
Da jetzt von uns die Seelenschar sich trennte.

Man steigt auf nach San Leo, ab nach Noli,
Erklimmt Bismantova wie auch Caccume
Gar wohl zu Fuß; doch hier heißt's fliegen können:

Ich meine, mit dem starken Schwunggefieder
Der großen Sehnsucht, hinter jenem Hort her,
Der Hoffnung mir verlieh und Einsicht schenkte!

Wir klommen hoch durch den geborstnen Felsen;
Und beiderseits bedrängten uns die Schroffen,
Und Hand wie Fuß erhiesch der Boden unten.

Als wir uns jetzt am obern Saum befanden
Der hohen Wand, auf offnem Bergesabhang:
»Meister«, sprach ich, »in welcher Richtung geh'n wir?«

Und er zu mir: »Weich ab mit keinem Schritte;
Vielmehr zur Höhe, mir nachfolgend, strebe,
Bis uns ein kundiger Führer mag erscheinen!«

Der Kulm war hoch, den Blicken unerreichbar;
Und auch der Abhang selbst um vieles jäher,
Als von dem Halbquadranten nach dem Zentrum.

Ich fühlte matt mich, als ich endlich anhub:
»O süßer Vater, wende dich und sieh doch;
Allein bleib' ich zurück, hältst du nicht inne!« ─

»Mein Sohn«, sprach er, »bis dort noch schlepp dich weiter!«
Deutend auf einen Vorsprung, wenig höher,
Welcher den Hang des Berges rings umkreiste.

Und also spornten an mich seine Worte,
Daß ich mich zwang, fort hinter ihm her kletternd,
Bis mir der felsige Gürtel unterm Fuß war.

Zum Sitzen ließen wir uns beide nieder,
Gewandt nach Osten, wo wir hergestiegen;
Denn Rückwärtsschauen pflegt uns Mut zu geben.

Die Blicke sandt' ich erst zum tiefen Strande,
Dann hob ich sie zur Sonne; und ich staunte,
Daß linksher wir von ihr getroffen wurden.

Wohl nahm der Dichter wahr, wie ich erstarrte,
Gänzlich verblüfft ob dem Gespann des Lichtes,
Weil zwischen uns und Norden es einherfuhr.

Drum er zu mir: »Wenn Castor jetzt und Pollux
Sich in Begleitung fänden jenes Spiegels,
Der auf- und niederwärts sein Glänzen sendet,

Du sähest dort den rötlich glühenden Tierkreis
Noch näher bei den beiden Bären schwingen,
Sofern er nicht vom alten Gleise abwich.

Wie Solches statthat, willst du's denken können:
In innrer Sammlung magst du Zion schauen
Mit diesem Berg auf Erden so gelegen,

Daß beide Einen Horizont, doch andre
Halbkugeln haben; weshalb du die Straße,
Die übel wußte Phaëthon zu fahren,

Seh'n wirst hier diesem Berg vorüberziehen
Zur einen, wann Zion zur andern Seite,
Falls nur dein Geist richtig erleuchtet aufmerkt!« ─

»Fürwahr, o Meister«, sprach ich, »nie bisher noch
Sah ich so klar, wie jetzt ich es erfasse,
Wo schon mir mein Verstand schien zu versagen!

Der Mittelkreis der himmlischen Bewegung,
Der sich Äquator nennt im Sternenwissen
Und immer zwischen Sonne bleibt und Winter,

Ist aus genanntem Grund von hier gelegen
So weit nach Norden hin, als weit die Juden
Ihn einstmals überm heißen Erdteil sahen...

Doch, wenn es dir gefällt, erführ' ich gerne,
Wie lang wir gehen müssen; denn der Berg steigt
Mehr an, als meine Augen steigen können!«

Und er zu mir: »Hier diesem Berg ist eigen,
Daß stets zu Anfang untenher er schwer ist;
Doch wie man höher kommt, so weniger schmerzt er.

Drum, wann er dir dereinst so sanft wird scheinen,
Daß dir das Aufwärtssteigen geht vonstatten
Wie abwärts mit dem Stromlauf Fahrt im Nachen:

Alsdann bist du am Ende hier des Pfades ─
Dort harrt Erlösung deiner von der Mühsal!
Mehr sag' ich nicht; doch weiß ich es für sicher.«

Kaum daß er hatte dieses Wort gesprochen,
Ward unweit eine Stimme laut: »Wohl möglich,
Daß vorher dich verlangt, dich hinzusetzen!«

Bei ihrem Schall dreht' um von uns sich jeder:
Und linkerhand sah'n wir 'nen großen Steinblock,
Den weder ich noch er zuvor bemerkte.

Wir hielten drauf: und fand sich dort ein Völklein,
Das sich im Schatten lagerte des Felsens,
Wie wer saumselig sich zum Lagern hinstreckt.

Und ihrer einer, der mir müde vorkam,
Hockte und schlang die Arm' um beide Kniee,
Gesenkt das Antlitz haltend zwischen ihnen.

»O holder Führer mein«, sprach ich, »so schau doch
Dort jenen, der sich noch weit lässiger aufspielt,
Als wenn die Trägheit seine Schwester wäre!«

Nun wandt' er sich uns zu, ward aufmerksam,
Sendend den Blick quer über seinen Schenkel,
Und sprach: »Steig du doch aufwärts, der du stark bist!«

Da wußt' ich, wer er war; und jene Mühsal,
Die etwas noch den Atem mir beschleunte,
Wehrte mir nicht, zu ihm zu geh'n ─ doch dann selbst,

Als ich ihm nah stand, hob er kaum den Kopf auf;
Und sprach: »Hast du geseh'n nun, wie die Sonne
Zu deiner linken Schulter ihr Gespann fährt?«

Sein faul Gebaren und die kurzen Worte
Bewegten mir die Lippen leicht zum Lachen;
Drauf hub ich an: »Belacqua, nicht ist bang mir

Um dich fortan! Doch sag mir: Weshalb sitzst du
Gerade hier? Erwartest du Gefolgschaft?
Hat alter Brauch sich deiner neu bemächtigt?«

Und er: »Bruder, was hilft's, hinanzusteigen?
Mich ließe doch nicht zu den Bußen eingeh'n
Der Vogel Gottes, der da sitzt am Tore.

Erst muß so oft der Himmel um mich kreisen,
Hier außerhalb ihm, als er tat im Leben,
Weil ich aufs End' verspart die Reueseufzer,

Falls vorher nicht mich ein Gebetlein fördert,
Entsprießend einem Herzen, das begnadet ─
Was nützt ein andres, hört's der Himmel nicht?«

Doch schon stieg weiter vor mir her der Dichter;
Und sprach: »So komm denn! Sieh, es rührt die Sonne
Den Mittagskreis; und drüben am Gestade

Bedeckt die Nacht schon mit dem Fuß Marokko.«

Quando per dilettanze o ver per doglie,
che alcuna virtù nostra comprenda,
l'anima bene ad essa si raccoglie,003

par ch'a nulla potenza più intenda;
e questo è contra quello error che crede
ch'un'anima sovr'altra in noi s'accenda.006

E però, quando s'ode cosa o vede
che tegna forte a sé l'anima volta,
vassene 'l tempo e l'uom non se n'avvede;009

ch'altra potenza è quella che l'ascolta,
e altra è quella c' ha l'anima intera:
questa è quasi legata e quella è sciolta.012

Di ciò ebb'io esperïenza vera,
udendo quello spirto e ammirando;
ché ben cinquanta gradi salito era015

lo sole, e io non m'era accorto, quando
venimmo ove quell'anime ad una
gridaro a noi: "Qui è vostro dimando".018

Maggiore aperta molte volte impruna
con una forcatella di sue spine
l'uom de la villa quando l'uva imbruna,021

che non era la calla onde salìne
lo duca mio, e io appresso, soli,
come da noi la schiera si partìne.024

Vassi in Sanleo e discendesi in Noli,
montasi su in Bismantova e 'n Cacume
con esso i piè; ma qui convien ch'om voli;027

dico con l'ale snelle e con le piume
del gran disio, di retro a quel condotto
che speranza mi dava e facea lume.030

Noi salavam per entro 'l sasso rotto,
e d'ogne lato ne stringea lo stremo,
e piedi e man volea il suol di sotto.033

Poi che noi fummo in su l'orlo suppremo
de l'alta ripa, a la scoperta piaggia,
"Maestro mio", diss'io, "che via faremo?".036

Ed elli a me: "Nessun tuo passo caggia;
pur su al monte dietro a me acquista,
fin che n'appaia alcuna scorta saggia".039

Lo sommo er'alto che vincea la vista,
e la costa superba più assai
che da mezzo quadrante a centro lista.042

Io era lasso, quando cominciai:
"O dolce padre, volgiti, e rimira
com'io rimango sol, se non restai".045

"Figliuol mio", disse, "infin quivi ti tira",
additandomi un balzo poco in sùe
che da quel lato il poggio tutto gira.048

Sì mi spronaron le parole sue,
ch'i' mi sforzai carpando appresso lui,
tanto che 'l cinghio sotto i piè mi fue.051

A seder ci ponemmo ivi ambedui
vòlti a levante ond'eravam saliti,
che suole a riguardar giovare altrui.054

Li occhi prima drizzai ai bassi liti;
poscia li alzai al sole, e ammirava
che da sinistra n'eravam feriti.057

Ben s'avvide il poeta ch'ïo stava
stupido tutto al carro de la luce,
ove tra noi e Aquilone intrava.060

Ond'elli a me: "Se Castore e Poluce
fossero in compagnia di quello specchio
che sù e giù del suo lume conduce,063

tu vedresti il Zodïaco rubecchio
ancora a l'Orse più stretto rotare,
se non uscisse fuor del cammin vecchio.066

Come ciò sia, se 'l vuoi poter pensare,
dentro raccolto, imagina Sïòn
con questo monte in su la terra stare069

sì, ch'amendue hanno un solo orizzòn
e diversi emisperi; onde la strada
che mal non seppe carreggiar Fetòn,072

vedrai come a costui convien che vada
da l'un, quando a colui da l'altro fianco,
se lo 'ntelletto tuo ben chiaro bada".075

"Certo, maestro mio", diss'io, "unquanco
non vid'io chiaro sì com'io discerno
là dove mio ingegno parea manco,078

che 'l mezzo cerchio del moto superno,
che si chiama Equatore in alcun'arte,
e che sempre riman tra 'l sole e 'l verno,081

per la ragion che di', quinci si parte
verso settentrïon, quanto li Ebrei
vedevan lui verso la calda parte.084

Ma se a te piace, volontier saprei
quanto avemo ad andar; ché 'l poggio sale
più che salir non posson li occhi miei".087

Ed elli a me: "Questa montagna è tale,
che sempre al cominciar di sotto è grave;
e quant'om più va sù, e men fa male.090

Però, quand'ella ti parrà soave
tanto, che sù andar ti fia leggero
com'a seconda giù andar per nave,093

allor sarai al fin d'esto sentiero;
quivi di riposar l'affanno aspetta.
Più non rispondo, e questo so per vero".096

E com'elli ebbe sua parola detta,
una voce di presso sonò: "Forse
che di sedere in pria avrai distretta!".099

Al suon di lei ciascun di noi si torse,
e vedemmo a mancina un gran petrone,
del qual né io né ei prima s'accorse.102

Là ci traemmo; e ivi eran persone
che si stavano a l'ombra dietro al sasso
come l'uom per negghienza a star si pone.105

E un di lor, che mi sembiava lasso,
sedeva e abbracciava le ginocchia,
tenendo 'l viso giù tra esse basso.108

"O dolce segnor mio", diss'io, "adocchia
colui che mostra sé più negligente
che se pigrizia fosse sua serocchia".111

Allor si volse a noi e puose mente,
movendo 'l viso pur su per la coscia,
e disse: "Or va tu sù, che se' valente!".114

Conobbi allor chi era, e quella angoscia
che m'avacciava un poco ancor la lena,
non m'impedì l'andare a lui; e poscia117

ch'a lui fu' giunto, alzò la testa a pena,
dicendo: "Hai ben veduto come 'l sole
da l'omero sinistro il carro mena?".120

Li atti suoi pigri e le corte parole
mosser le labbra mie un poco a riso;
poi cominciai: "Belacqua, a me non dole123

di te omai; ma dimmi: perché assiso
quiritto se' ? attendi tu iscorta,
o pur lo modo usato t' ha' ripriso?".126

Ed elli: "O frate, andar in sù che porta?
ché non mi lascerebbe ire a' martìri
l'angel di Dio che siede in su la porta.129

Prima convien che tanto il ciel m'aggiri
di fuor da essa, quanto fece in vita,
perch'io 'ndugiai al fine i buon sospiri,132

se orazïone in prima non m'aita
che surga sù di cuor che in grazia viva;
l'altra che val, che 'n ciel non è udita?".135

E già il poeta innanzi mi saliva,
e dicea: "Vienne omai; vedi ch'è tocco
meridïan dal sole, e a la riva138

cuopre la notte già col piè Morrocco".

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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