Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Inferno ─ Canto 31

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Hölle ─ Gesang 31

Ein und dieselbe Zunge stach zuerst mich
So sehr, daß sie mir beide Wangen färbte,
Und hierauf bot sie die Arznei mir dar:

Also vernahm ich, daß wohl einst die Lanze
Achills und seines Vaters war die Ursach'
Von schlimmer erst und dann von guter Gabe!

Den Rücken wandten wir dem Jammertale;
Über den Damm hin, der es rings umgürtet,
Hinunterquerend ohne alles Reden.

Hier war nicht Nacht, und war doch hier auch Tag nicht,
So daß mein Blick ein Kleines nur vorausdrang;
Allein ich hört' ein Horn so mächtig schmettern,

Daß jeden Donner es ließ matt erscheinen,
Und das ─ da seinem Schalle stets sie folgten ─
Mir ganz die Augen trieb auf einen Punkt hin.

Selbst nach der schmerzlichen Vernichtung, als einst
Der große Karl verlor die heilige Heerschar,
Hat Roland nicht so fürchterlich geblasen!

Kurz erst hielt ich nach dort das Haupt gewendet,
Als es mir war, ich säh' viel hohe Türme;
Weshalb ich: »Meister, sag, wie heißt die Stadt dort?"

Doch er zu mir: »Weil du noch nicht hindurchdringst
Durch dieses Dunkel, allzusehr von weitem,
Kommt es, daß in der Vorstellung du fehlgehst.

Wohl wirst du einseh'n, wenn du dort erst anlangst,
Wie sehr der Sinn sich trügt aus der Entfernung ─
Drum treibe selbst dich etwas mehr zur Eile!«

Drauf nahm er voller Güte bei der Hand mich
Und sprach: »Eh wir sind weiter vorgeschritten
─ Auf daß die Tatsach' minder fremd dir scheine ─,

Vernimm: Es sind nicht Türme, sondern Riesen;
Und tief im Brunnen steh'n sie rings am Rande,
Von Nabelhöhe abwärts allesamt!«

Ganz so wie, wenn der Nebel sich verflüchtigt,
Der Blick allmählich wieder deutlich auffaßt,
Was Dunst verhüllte, der die Luft verdichtet:

Also im Vormarsch durch das finstere Qualmen
─ Derweil wir mehr und mehr dem Abgrund nahten ─
Floh mich der Irrtum und erwuchs mir Grauen.

Denn ähnlich, wie auf seiner runden Mauer
Montereggione sich mit Türmen hochkrönt,
Also den Felsrand, der den Brunnen gürtet,

Betürmten mit der halben Leibeslänge
Die fürchterlichen Riesen, denen jetzt noch
Zeus aus dem Himmel zudroht, wenn er donnert.

Und ich erkannte schon des einen Antlitz,
Schultern und Brust und großen Teil des Bauches
Und an den Seiten abwärts beide Arme!

Natur gewiß, als sie die Bildung aufgab
Also beschaffner Wesen, tat gar wohl dran,
Dem Mars derlei Vollstrecker zu entziehen;

Und wenn von Elefanten und von Walen
Sie gleich nicht absteht, muß, wer sorgsam zusieht,
Gerechter sie und weiser noch drum halten:

Denn da nur, wo sich Geisteskraft verbündet
Dem schlimmen Wollen und der Leibesstärke,
Kann keinen Widerstand die Menschheit leisten.

Sein Antlitz schien mir lang und ungeschlacht,
Gleichwie zu Rom Sankt Peters Pinienzapfen;
Und im Verhältnis waren seine Glieder:

So daß der Felsrand ─ der als Schürze diente
Abwärts der Mitte ─ uns noch so viel zeigte
Nach oben, daß, zum Haarschopf hinzureichen,

Drei Friesen hätten schlechten Ruhm erworben;
Denn ich sah wohl an dreißig große Spannen
Vom Ort herab, wo man den Mantel einschnallt.

»Rafel mai amech zabi et almi«
Begann zu brüllen laut die wilde Schnauze,
Für die sich keine sanftern Psalmen schickten.

Und schon zu ihm mein Führer: »Torenseele,
Halt dich ans Horn und ras' mit ihm dich müde,
Wenn Wut dich oder andre Laune peinigt!

Such dir am Hals, du wirst den Riemen finden,
Der's angebunden trägt, du wirre Seele;
Sieh selbst es hier, das dir die mächtige Brust kreuzt!«

Drauf sprach zu mir er: »Selbst klagt er sich an!
Nimrod ist es, durch dessen schlimmen Einfall
Man nicht nur eine Sprache in der Welt braucht...

Lassen wir steh'n ihn; sprechen wir nicht nutzlos!
Denn also tönt ihm eines jeden Rede,
Wie andern seine, die noch keinem kund ward.«

So fuhren denn wir fort auf unsrer Reise,
Gewandt zur Linken; und in Pfeilschußweite
Fanden den zweiten wir, noch wilder, größer.

Wer ihn zu fesseln war der starke Meister,
Kann ich nicht sagen; doch er trug umklammert
Den linken Arm vorn und den rechten hinten

Von einer Kette, die ihn hielt bezwungen
Vom Hals abwärts, so daß auf seiner Nacktheit
Sie sich herumschlang bis zur fünften Windung.

»Dieser Vermeßne wollte sich versuchen
Mit seiner Kraft, dem höchsten Zeus entgegen!«
Sprach da mein Führer: »drum ward solcher Lohn ihm...

Ephialtes heißt er; und er tat sein Hauptstück,
Als die Giganten Furcht den Göttern weckten:
Die Arme, die er schwang, regt nie er wieder.«

Und ich zu ihm: »Wenn's möglich wäre, wollt' ich,
Daß auch von dem unbändigen Briareus
Erfahrung hätten diese meine Augen!«

Worauf er sprach: »Du wirst Antäus sehen
Hier nahebei, der spricht und fesselfrei ist;
Er wird zum Grund uns setzen aller Sünde!

Der, den du sehen möchtest, steht viel weiter
Und ist gebunden und wie der beschaffen,
Nur daß er wilder noch erscheint von Antlitz.«

Nicht gab's ein Beben vordem so gewaltig,
Daß es'nen Turrn so stark geschüttelt hätte,
Wie Ephialtes im Sichschütteln rasch war:

Da bangte mehr denn jemals ich vorm Tode
─ Und nichts bedurft' es außer dem Entsetzen! ─,
Hätt' ich die Kettenranken nicht gesehen.

Wir rückten weiter vor auf unsrer Fahrt
Und kamen zu Antäus, der fünf Ellen,
Ohne den Kopf, wohl aus dem Felsloch ragte.

»O du, der du im schicksalsschwangern Tale
─ Das Scipio zum Ruhmeserben machte,
Als Hannibal mit seinem Heer davonfloh! ─

Zur Strecke brachtest einst an tausend Löwen,
So daß, wärst du im Himmelskampf gewesen
Der Brüder dein, man heut noch glauben möchte,

Es hätten obgesiegt der Erde Söhne;
Setz dort uns ab ─ und mög' dich's nicht verdrießen ─,
Wo den Kozytus schlägt der Frost in Fesseln!

Laß uns nicht geh'n zu Tityus noch Typhoeus ─
Der da kann geben, was man hier erdürstet:
Drum neig dich her und zieh nicht schief das Maul!

Er mag dir noch auf Erden Ruhm bereiten:
Nämlich er lebt und harrt noch langen Daseins,
Wenn vor der Zeit nicht Gnad' ihn zu sich heimruft!«

So sprach mein Herr; und jener drauf in Eile
Streckte die Händ' ─ und packte meinen Führer! ─,
Wovon schon Herkul kräftigen Druck verspürte.

Vergil, als er sich angegriffen fühlte,
Sagte zu mir: »Komm her, daß ich dich halte!«;
Drauf tat er so, daß Ein Bund er und ich war.

Gleichwie die Carisenda ist zu schauen
Unter dem Überhang ─ segelt ein Wölkchen
Über sie weg: daß sie sich neigt entgegen ─:

So schien Antäus mir, der ich gespannt stand,
Zu seh'n, wie er sich bückte; und so schlimm war's,
Daß gern ich andre Straße wär' gegangen.

Doch sachte auf den Grund, der in sich einschlingt
Judas und Luzifer, setzt' er uns nieder;
Und nicht also gebeugt, verweilt er dorten,

Nein, wie der Mast im Schiff schnellt' er empor.

Una medesma lingua pria mi morse,
sì che mi tinse l'una e l'altra guancia,
e poi la medicina mi riporse;003

così od'io che solea far la lancia
d'Achille e del suo padre esser cagione
prima di trista e poi di buona mancia.006

Noi demmo il dosso al misero vallone
su per la ripa che 'l cinge dintorno,
attraversando sanza alcun sermone.009

Quiv'era men che notte e men che giorno,
sì che 'l viso m'andava innanzi poco;
ma io senti' sonare un alto corno,012

tanto ch'avrebbe ogne tuon fatto fioco,
che, contra sé la sua via seguitando,
dirizzò li occhi miei tutti ad un loco.015

Dopo la dolorosa rotta, quando
Carlo Magno perdé la santa gesta,
non sonò sì terribilmente Orlando.018

Poco portäi in là volta la testa,
che me parve veder molte alte torri;
ond'io: "Maestro, dì, che terra è questa?".021

Ed elli a me: "Però che tu trascorri
per le tenebre troppo da la lungi,
avvien che poi nel maginare abborri.024

Tu vedrai ben, se tu là ti congiungi,
quanto 'l senso s'inganna di lontano;
però alquanto più te stesso pungi".027

Poi caramente mi prese per mano
e disse: "Pria che noi siam più avanti,
acciò che 'l fatto men ti paia strano,030

sappi che non son torri, ma giganti,
e son nel pozzo intorno da la ripa
da l'umbilico in giuso tutti quanti".033

Come quando la nebbia si dissipa,
lo sguardo a poco a poco raffigura
ciò che cela 'l vapor che l'aere stipa,036

così forando l'aura grossa e scura,
più e più appressando ver' la sponda,
fuggiemi errore e cresciemi paura;039

però che, come su la cerchia tonda
Montereggion di torri si corona,
così la proda che 'l pozzo circonda042

torreggiavan di mezza la persona
li orribili giganti, cui minaccia
Giove del cielo ancora quando tuona.045

E io scorgeva già d'alcun la faccia,
le spalle e 'l petto e del ventre gran parte,
e per le coste giù ambo le braccia.048

Natura certo, quando lasciò l'arte
di sì fatti animali, assai fé bene
per tòrre tali essecutori a Marte.051

E s'ella d'elefanti e di balene
non si pente, chi guarda sottilmente,
più giusta e più discreta la ne tene;054

ché dove l'argomento de la mente
s'aggiugne al mal volere e a la possa,
nessun riparo vi può far la gente.057

La faccia sua mi parea lunga e grossa
come la pina di San Pietro a Roma,
e a sua proporzione eran l'altre ossa;060

sì che la ripa, ch'era perizoma
dal mezzo in giù, ne mostrava ben tanto
di sovra, che di giugnere a la chioma063

tre Frison s'averien dato mal vanto;
però ch'i' ne vedea trenta gran palmi
dal loco in giù dov'omo affibbia 'l manto.066

"Raphèl maì amècche zabì almi",
cominciò a gridar la fiera bocca,
cui non si convenia più dolci salmi.069

E 'l duca mio ver' lui: "Anima sciocca,
tienti col corno, e con quel ti disfoga
quand'ira o altra passïon ti tocca!072

Cércati al collo, e troverai la soga
che 'l tien legato, o anima confusa,
e vedi lui che 'l gran petto ti doga".075

Poi disse a me: "Elli stessi s'accusa;
questi è Nembrotto per lo cui mal coto
pur un linguaggio nel mondo non s'usa.078

Lasciànlo stare e non parliamo a vòto;
ché così è a lui ciascun linguaggio
come 'l suo ad altrui, ch'a nullo è noto".081

Facemmo adunque più lungo vïaggio,
vòlti a sinistra; e al trar d'un balestro
trovammo l'altro assai più fero e maggio.084

A cigner lui qual che fosse 'l maestro,
non so io dir, ma el tenea soccinto
dinanzi l'altro e dietro il braccio destro087

d'una catena che 'l tenea avvinto
dal collo in giù, sì che 'n su lo scoperto
si ravvolgëa infino al giro quinto.090

"Questo superbo volle esser esperto
di sua potenza contra 'l sommo Giove",
disse 'l mio duca, "ond'elli ha cotal merto.093

Fïalte ha nome, e fece le gran prove
quando i giganti fer paura a' dèi;
le braccia ch'el menò, già mai non move".096

E io a lui: "S'esser puote, io vorrei
che de lo smisurato Brïareo
esperïenza avesser li occhi mei".099

Ond'ei rispuose: "Tu vedrai Anteo
presso di qui che parla ed è disciolto,
che ne porrà nel fondo d'ogne reo.102

Quel che tu vuo' veder, più là è molto
ed è legato e fatto come questo,
salvo che più feroce par nel volto".105

Non fu tremoto già tanto rubesto,
che scotesse una torre così forte,
come Fïalte a scuotersi fu presto.108

Allor temett'io più che mai la morte,
e non v'era mestier più che la dotta,
s'io non avessi viste le ritorte.111

Noi procedemmo più avante allotta,
e venimmo ad Anteo, che ben cinque alle,
sanza la testa, uscia fuor de la grotta.114

"O tu che ne la fortunata valle
che fece Scipïon di gloria reda,
quand'Anibàl co' suoi diede le spalle,117

recasti già mille leon per preda,
e che, se fossi stato a l'alta guerra
de' tuoi fratelli, ancor par che si creda120

ch'avrebber vinto i figli de la terra:
mettine giù, e non ten vegna schifo,
dove Cocito la freddura serra.123

Non ci fare ire a Tizio né a Tifo:
questi può dar di quel che qui si brama;
però ti china e non torcer lo grifo.126

Ancor ti può nel mondo render fama,
ch'el vive, e lunga vita ancor aspetta
se 'nnanzi tempo grazia a sé nol chiama".129

Così disse 'l maestro; e quelli in fretta
le man distese, e prese 'l duca mio,
ond'Ercule sentì già grande stretta.132

Virgilio, quando prender si sentio,
disse a me: "Fatti qua, sì ch'io ti prenda";
poi fece sì ch'un fascio era elli e io.135

Qual pare a riguardar la Carisenda
sotto 'l chinato, quando un nuvol vada
sovr'essa sì, ched ella incontro penda:138

tal parve Antëo a me che stava a bada
di vederlo chinare, e fu tal ora
ch'i' avrei voluto ir per altra strada.141

Ma lievemente al fondo che divora
Lucifero con Giuda, ci sposò;
né, sì chinato, lì fece dimora,144

e come albero in nave si levò.

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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