Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Inferno ─ Canto 29

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Hölle ─ Gesang 29

Das viele Volk, die unerhörten Wunden,
Sie hatten so berauscht mir meine Augen,
Daß recht sich auszuweinen sie verlangten.

Da sprach Vergil zu mir: »Was starrst du noch?
Weshalb nur mag dein Schauen sich verweilen
Drunten bei den gestutzten Jammerschatten?

Du tatest so nicht bei den andern Mulden:
Bedenk ─ wenn du vermeinst, sie voll zu zählen ─
Daß zweiundzwanzig Meilen kreist dies Tal!

Bereits auch steht der Mond uns untern Füßen:
Die Zeit ist kurz nunmehr, die uns beschieden;
Und andres gibt's zu schauen, als du hier siehst!« ─

»O hättest du«, tat ich hierauf Bescheid ihm,
»Bemerkt den Grund, weshalb ich niederschaute,
Wohl hätt'st du noch zu bleiben mir gestattet!«

Inzwischen ging ─ und ich schritt hinter ihm ─
Der Führer; und schon gab ich völlig Antwort,
Beifügend: »Drinnen dort in jener Grube,

Wohin den Blick ich hielt so scharf gerichtet,
Glaub' ich, beweint ein Geist von meinem Blute
Die Schuld, die hier so teuer kommt zu stehen!«

Da sprach zu mir der Meister: »Nicht zerbrich du
Dir die Gedanken fürder über jenen:
Auf andres acht'; und er mag dort verbleiben!

Ich sah ihn wohl am Fuß des Brückenbogens
Zeigen auf dich und droh'n wild mit dem Finger;
Und hört' ich nennen ihn Geri del Bello.

Du warst derweilen so vollauf beschäftigt
Mit jenem, der auf Autafort einst hauste,
Daß du ihn nicht bemerktest; und so ging er.« ─

»O mein Gebieter, sein gewaltsam Ende,
Für das ihm noch nicht Rache wurde«, sprach ich,
»Ließ ihn auf einen zürnen, der des Schimpfes

Mit teilhaft ist! Drum wohl zog er von dannen,
Ohne mit mir zu sprechen, wie mir vorkommt ─
Und hat mich dadurch sich nur mehr verbunden!«

So sprachen wir bis zu der ersten Stelle,
Die von dem Felssteg aus das nächste Tal zeigt
─ Wär' nur mehr Licht darin! ─ bis auf den Grund.

Als wir da standen überm letzten Kreuzgang
Von Martermulden, so daß seine Brüder
Ansichtig werden konnten unserm Blicke,

Beschossen, Pfeilen gleich, mich grause Schreie,
Die mitgefühl-bewehrt die Spitzen hatten;
Weshalb die Ohren ich mit Händen zuhielt.

Wie's ein Geschrei wär, wenn von den Spitälern
Des Chianatales, zwischen Heu- und Herbstmond,
Und auch Maremmas und Sardiniens Seuchen

Beisammen sich in Einem Graben fänden:
So war es hier; und solch ein Stank erhob sich,
Wie er wohl rührt von eitrig-faulen Gliedern!

Wir stiegen ab zur letzten Querverrieglung
Der langen Felsenrippe, linker Hand stets;
Und nunmehr wurde meine Aussicht klarer

Hinab zum tiefen Grund, allwo die Dien'rin
Des höchsten Herrn ─ unfehlbar rechtlich Walten! ─
Bestraft die Fälscher, die sie hier sich vormerkt.

Ich glaube kaum, daß großern Elendsanblick
Einst auf Ägina bot das Volk, erkrankt ganz
─ Zumal die Luft so voll von Krankheitskeim war,

Daß die Geschöpfe bis zum kleinsten Würmlein
Hinsanken all und drauf die alten Völker
(Nach dem, was für gewiß die Dichter halten!)

Neu aus Ameisensamen auferstanden ─,
Als man da sah, durch jenes finstre Tal hin,
Die Geister schmachten in verschiednen Haufen!

Es lag hier auf dem Bauch, dort auf den Schultern
Einer dem andern; und der dort auf vieren
Schob sich dahin auf seinem Leidenspfade.

Wir gingen Schritt für Schritt, ohn' alle Rede,
Schauend hinab und horchend auf die Kranken,
Die nicht erheben konnten ihre Schemen.

Ich sah zwei sitzen ─ an sich angelehnt,
Wie man zum Wärmen anlehnt Pfann' an Pfanne ─,
Von Kopf zu Fuß von Schorfen überwuchert;

Und nie sah ich den Striegel so geführt
Von einem Stallknecht, den sein Herr erwartet,
Noch auch von dem, der widerwillig wachbleibt,

Wie jeder oft herunterzog den Einschlag
Der Nägel über sich vor großer Tollwut
Des Juckens, die sich nicht mehr weiß zu helfen.

Und rissen so die Nägel ah die Krätze,
Wie Messer von dem Brachsen ab die Schuppen,
Oder von anderm Fisch, der größere hat.

»O, der du mit den Fingern dich entpanzerst«,
Begann mein Führer jetzt zu ihrer einem,
»Und machst aus ihnen oftmals eine Zange:

Sag uns, ob kein Latiner ist bei diesen,
Die sind da drin, soll anders dir der Nagel
In Ewigkeit zu solcher Arbeit frommen!« ─

»Latiner sind wir selbst, die so zerschunden
Du beide siehst hier!« rief der eine flennend;
»Doch du, wer bist du, daß du nach uns fragst?«

Der Führer sprach: »Bin einer, der hinabsteigt
Mit diesem Lebenden, von Kreis zu Kreise;
Und ihm die Höll' zu zeigen ist mein Vorsatz.«

Da brach entzwei die gegenseitige Stütze;
Und zitternd wandte jeder sich nach mir hin,
Mit andern, die's im Widerhall vernommen.

Der gute Meister trat mir nah zur Seite
Und sagte: »Sprich zu ihnen, was du Lust hast!«;
Und ich begann, da er's denn also wollte:

»Soll euer Angedenken nicht verschwinden
Im ersten Dasein aus dem Geist der Menschen,
Vielmehr noch leben unter vielen Sonnen:

Sagt an mir, wer ihr seid und welchen Volkes ─
Hier eure garst'ge und so lästige Strafe
Schreck' euch nicht ab, euch mir zu offenbaren!« ─

»Bin von Arezz'; und Albero da Siena«
─ Sprach einer drauf ─ »ließ mich ins Feuer werfen:
Doch das, wofür ich starb, brachte nicht her mich.

Wahr ist's, daß ich, im Scherz, einst zu ihm schwatzte:
»Ich höbe wohl mich durch die Luft im Fluge!«;
Und er, bei viel Begier, doch wenig Grütze,

Wollte, daß ich ihm wies' die Kunst; und einzig,
Weil ich ihn nicht zum Dädal machte, ließ er
Verbrennen mich von dem, der ihn als Sohn hielt!

Nein, hier zur letzten der zehn Mulden stieß mich
Für Alchimie, die in der Welt ich übte,
Minos hinab, bei dem kein Irrtum möglich...«

Und zu dem Dichter sprach ich: »Gab's denn jemals
Ein Volk, so eitel wie das Volk von Siena?
Gewiß nicht das französische so sehr!«

Worauf der andre Krätzige, der mich hörte,
Beigrölte meinem Spruch: »Außer dem Stricca,
Der sich verstand auf mäßiges Verschwenden;

Und Niccolò, der jene üppige Sitte
Der Nelkenwürze allererst entdeckte
Im Garten, wo solch Sämlein sich bewurzelt;

Und außer der Gesellschaft, drin verpraßte
Caccia d'Ascian den Weinberg und den Hochwald,
Und Abbagliato seinen Witz versprühte...

Doch daß du weißt, wer gegen die Senesen
Also dir beistimmt, spitz auf mich das Auge,
So daß mein Antlitz recht dir Rede stehe!

Dann wirst du seh'n: ich bin Capocchios Schatten,
Der das Metall gefälscht durch Zauberkünste;
Und du entsinnst dich, wenn ich recht dich kenne,

Wie der Natur ich war ein guter Affe!«

La molta gente e le diverse piaghe
avean le luci mie sì inebrïate,
che de lo stare a piangere eran vaghe.003

Ma Virgilio mi disse: "Che pur guate?
perché la vista tua pur si soffolge
là giù tra l'ombre triste smozzicate?006

Tu non hai fatto sì a l'altre bolge;
pensa, se tu annoverar le credi,
che miglia ventidue la valle volge.009

E già la luna è sotto i nostri piedi;
lo tempo è poco omai che n'è concesso,
e altro è da veder che tu non vedi".012

"Se tu avessi", rispuos'io appresso,
"atteso a la cagion per ch'io guardava,
forse m'avresti ancor lo star dimesso".015

Parte sen giva, e io retro li andava,
lo duca, già faccendo la risposta,
e soggiugnendo: "Dentro a quella cava018

dov'io tenea or li occhi sì a posta,
credo ch'un spirto del mio sangue pianga
la colpa che là giù cotanto costa".021

Allor disse 'l maestro: "Non si franga
lo tuo pensier da qui innanzi sovr'ello.
Attendi ad altro, ed ei là si rimanga;024

ch'io vidi lui a piè del ponticello
mostrarti e minacciar forte col dito,
e udi' 'l nominar Geri del Bello.027

Tu eri allor sì del tutto impedito
sovra colui che già tenne Altaforte,
che non guardasti in là, sì fu partito".030

"O duca mio, la vïolenta morte
che non li è vendicata ancor", diss'io,
"per alcun che de l'onta sia consorte,033

fece lui disdegnoso; ond'el sen gio
sanza parlarmi, sì com'ïo estimo:
e in ciò m' ha el fatto a sé più pio".036

Così parlammo infino al loco primo
che de lo scoglio l'altra valle mostra,
se più lume vi fosse, tutto ad imo.039

Quando noi fummo sor l'ultima chiostra
di Malebolge, sì che i suoi conversi
potean parere a la veduta nostra,042

lamenti saettaron me diversi,
che di pietà ferrati avean li strali;
ond'io li orecchi con le man copersi.045

Qual dolor fora, se de li spedali
di Valdichiana tra 'l luglio e 'l settembre
e di Maremma e di Sardigna i mali048

fossero in una fossa tutti 'nsembre,
tal era quivi, e tal puzzo n'usciva
qual suol venir de le marcite membre.051

Noi discendemmo in su l'ultima riva
del lungo scoglio, pur da man sinistra;
e allor fu la mia vista più viva054

giù ver' lo fondo, là 've la ministra
de l'alto Sire infallibil giustizia
punisce i falsador che qui registra.057

Non credo ch'a veder maggior tristizia
fosse in Egina il popol tutto infermo,
quando fu l'aere sì pien di malizia,060

che li animali, infino al picciol vermo,
cascaron tutti, e poi le genti antiche,
secondo che i poeti hanno per fermo,063

si ristorar di seme di formiche;
ch'era a veder per quella oscura valle
languir li spirti per diverse biche.066

Qual sovra 'l ventre e qual sovra le spalle
l'un de l'altro giacea, e qual carpone
si trasmutava per lo tristo calle.069

Passo passo andavam sanza sermone,
guardando e ascoltando li ammalati,
che non potean levar le lor persone.072

Io vidi due sedere a sé poggiati,
com'a scaldar si poggia tegghia a tegghia,
dal capo al piè di schianze macolati;075

e non vidi già mai menare stregghia
a ragazzo aspettato dal segnorso,
né a colui che mal volontier vegghia,078

come ciascun menava spesso il morso
de l'unghie sopra sé per la gran rabbia
del pizzicor, che non ha più soccorso;081

e sì traevan giù l'unghie la scabbia,
come coltel di scardova le scaglie
o d'altro pesce che più larghe l'abbia.084

"O tu che con le dita ti dismaglie",
cominciò 'l duca mio a l'un di loro,
"e che fai d'esse talvolta tanaglie,087

dinne s'alcun Latino è tra costoro
che son quinc'entro, se l'unghia ti basti
etternalmente a cotesto lavoro".090

"Latin siam noi, che tu vedi sì guasti
qui ambedue", rispuose l'un piangendo;
"ma tu chi se' che di noi dimandasti?".093

E 'l duca disse: "I' son un che discendo
con questo vivo giù di balzo in balzo,
e di mostrar lo 'nferno a lui intendo".096

Allor si ruppe lo comun rincalzo;
e tremando ciascuno a me si volse
con altri che l'udiron di rimbalzo.099

Lo buon maestro a me tutto s'accolse,
dicendo: "Dì a lor ciò che tu vuoli";
e io incominciai, poscia ch'ei volse:102

"Se la vostra memoria non s'imboli
nel primo mondo da l'umane menti,
ma s'ella viva sotto molti soli,105

ditemi chi voi siete e di che genti;
la vostra sconcia e fastidiosa pena
di palesarvi a me non vi spaventi".108

"Io fui d'Arezzo, e Albero da Siena",
rispuose l'un, "mi fé mettere al foco;
ma quel per ch'io mori' qui non mi mena.111

Vero è ch'i' dissi lui, parlando a gioco:
"I' mi saprei levar per l'aere a volo";
e quei, ch'avea vaghezza e senno poco,114

volle ch'i' li mostrassi l'arte; e solo
perch'io nol feci Dedalo, mi fece
ardere a tal che l'avea per figliuolo.117

Ma ne l'ultima bolgia de le diece
me per l'alchìmia che nel mondo usai
dannò Minòs, a cui fallar non lece".120

E io dissi al poeta: "Or fu già mai
gente sì vana come la sanese?
Certo non la francesca sì d'assai!".123

Onde l'altro lebbroso, che m'intese,
rispuose al detto mio: "Tra' mene Stricca
che seppe far le temperate spese,126

e Niccolò che la costuma ricca
del garofano prima discoverse
ne l'orto dove tal seme s'appicca;129

e tra' ne la brigata in che disperse
Caccia d'Ascian la vigna e la gran fonda,
e l'Abbagliato suo senno proferse.132

Ma perché sappi chi sì ti seconda
contra i Sanesi, aguzza ver' me l'occhio,
sì che la faccia mia ben ti risponda:135

sì vedrai ch'io son l'ombra di Capocchio,
che falsai li metalli con l'alchìmia;
e te dee ricordar, se ben t'adocchio,138

com'io fui di natura buona scimia".

Falke Hölle
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Falke Fegefeuer
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Falke Paradies
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