Dante Alighieri ─ La Divina Commedia ─ Inferno ─ Canto 20

Konrad Falke ─ Die Göttliche Komödie ─ Hölle ─ Gesang 20

Von seltner Qual muß ich nun Verse hämmern
Und Stoff verleih'n dem zwanzigsten Gesange
Im ersten Liederkreis, dem der Verlochten!

Schon war mit allem Eifer ich beflissen,
Hinabzuschau'n in den enthüllten Talgrund,
Der ringsum ward benetzt von bangem Flennen ─

Da sah ich Volk durch die geschwungene Mulde
Hernahen, schweigend und betränt; im Schritte,
Den Prozessionen geh'n in dieser Welt.

Doch wie der Blick mir tiefer sank zu ihnen,
Erschien mir jeder wunderlich verdrechselt
Zwischen dem Kinn und dem Beginn des Rumpfes:

Denn nach dem Rücken stand gewandt das Antlitz;
Und rückwärts mußten sie des Weges kommen,
Weil Vorwärtsschauen ihnen war verwehrt!

Vielleicht hat schon in wilder Krampfesstarre
Sich jemals einer völlig so verkreiselt;
Doch sah ich's nicht, noch halt' ich es für möglich.

Soll Gott dich, Leser, Früchte pflücken lassen
Aus der Lektüre, denk dann bei dir selber,
Ob ich mein Antlitz trocken mocht' bewahren,

Als unser eignes Menschenbild von nahem
Ich so verrenkt sah, daß die Flut der Augen
Den Hinterbacken tropfte durch den Spalt!

Wahrlich, ich weint', an einen Fels gesunken
Der rauhen Klippe; so, daß mir mein Hüter
Zurief: »Bist denn auch du wie andere Thoren?

Hier lebt die Lieb' erst recht, wenn sie erstorben.
Wer wäre wohl verruchter, als es der ist,
Der Gottes Richterspruch kommt mit Gefühlen?

Empor das Haupt, empor, und schau, wem einst sich
Auftat, vor der Thebaner Aug', die Erde!
Worob sie alle schrien: »Wohin nur fällst du,

Amphiaros? Warum stehst du vom Krieg ab?«;
Doch nicht hielt er im Tieferstürzen inne
Bis hin zu Minos, der nach jedem ausgreift.

Sieh, wie zur Brust er hat gemacht die Schultern:
Weil er zu sehr die Zukunft wollt' ergründen,
Blickt er zurück und schreitet auf dem Krebsweg!

Teiresias sieh, der die Gestalt vertauschte,
Als er aus einem Manne jäh zum Weib ward,
Auswechselnd seine Glieder samt und sonders:

Und erst, hernach, mußt' er aufs neue schlagen
Die zwei verschlungenen Schlangen mit der Rute,
Eh' er zurück erhielt des Mannes Zeichen.

Aruns ist der, so seinem Bauch sich an-rückt,
Der auf den Bergen Lunis ─ wo sein Feld baut
Der Carrarese, der da wohnt im Tale ─

Hatte im weißen Marmorfels die Höhle
Zum Aufenthalt, von wo zur Schau der Sterne
Und selbst des Meers der Blick ihm unbeschnitten.

Und jene dort, die sich bedeckt die Brüste,
Die du nicht siehst, mit den gelösten Flechten,
Und abgekehrt trägt alle Haut mit Haarwuchs,

War Manto, die durch viele Länder irrte;
Drauf kam sie dort zur Ruh', wo ich zur Welt kam ─
Weshalb mich etwas freut, wenn du mich anhörst ...

Nachdem ihr Vater aus der Welt geschieden
Und drauf zur Sklavin ward die Stadt des Bacchus,
Trieb sie sich lange Zeit auf Erden um.

Im schönen Hoch-Italien dehnt ein See sich,
Am Fuß des Alpenstocks, der Deutschland abschließt
Dort bei Tirol; der wird genannt Benacus.

Aus tausend Quellen, glaub' wohl mehr noch, netzt sich
Der Berg von Val Camonica bis Garda
Vom Wasser, das in jenem See sich anstaut.

Ein Ort ist dort inmitten, wo der Bischof
Trients, wie der von Brescia und Verona
Einsegnen könnte, käm' er grad des Weges.

Dann thront Peschiera, schön und stolz-befestigt,
Zu trotzen Bergamasken und Brescianern,
Wo sich das Ufer rings schon sanfter abflacht.

Daselbst geschieht's, daß alles das hinausdrängt,
Was nicht im Schoß kann des Benacus bleiben;
Und wird ein Strom draus, hin durch grüne Auen.

Sobald das Wasser mit dem Ablauf anhebt,
Heißt es nicht mehr Benacus, sondern Mincio
(Bis nach Governo, wo's dem Po anheimfällt!)

Es strömt nicht weit, so findet's eine Ebne,
Drin es sich ausdehnt und die es zum Sumpf macht;
Und oft im Sommer ist's dort ungesund.

Als hier sie durchkam, sah die rauhe Jungfrau
Ein Fleckchen Land inmitten des Morastes,
Ganz unbebaut und bar von allen Siedlern.

Hier, jeden menschlichen Verkehr zu fliehen,
Blieb mit den Dienern sie, Künste zu treiben;
Und lebte hier und ließ den Leib zurück.

Die Menschen drauf, die rings verzettelt wohnten,
Fanden sich ein an jenem Ort, der stark war
Wegen des Moors, das allerseits er hatte.

Sie bauten eine Stadt auf den Gebeinen:
Und ihr zu Ehren, die den Platz erlesen,
Nannten sie »Mantua« sie, ohn' andre Wahl.

Einst war das Volk in ihren Mauern dichter,
Bevor der Tölpelsinn des Casalodi
Von Pinamonte Trug erhielt zum Lohne...

So lehr' ich dich's, damit, wenn je du hörst,
Daß meine Stadt auf andre Art entstanden,
Der Wahrheit keine Lüge Abbruch tue!«

Und ich: »O Meister, deine Reden scheinen
Mir so gewiß und packen so den Glauben,
Daß andre mir erloschne Kohlen wären ...

Doch sag mir, ob vom Volk, welches daherzieht,
Du einen noch erschaust, wert der Beachtung;
Denn einzig darauf ist mein Geist gerichtet!«

Da sprach er: »Jener dort, der von den Wangen
Vorstreckt den Bart auf die gebräunten Schultern,
War ─ als ganz Griechenland so männerleer stand,

Daß kaum sie übrigblieben für die Wiegen! ─
Augur; und gab den günstigen Wink mit Kalchas
In Aulis einst, das erste Tau zu kappen.

Eurypylus hieß er; und so besingt ihn
Mein hohes Heldenlied an seiner Stelle
(Wohl weißt du es, der du es gänzlich kennst!).

Der andre, der so schmächtig in den Flanken,
War Michel Scotto, der besonders trefflich
Von magischem Betrug verstand das Spiel.

Sieh dann Guido Bonatti; sieh Asdente,
Der, daß bei Pech und Leder er geblieben,
Jetzt gerne wollte, doch zu spät bereut!

Sieh auch die Vetteln, die die Nadeln ließen,
Spindel und Spule und zu Hexen wurden,
Und zauberten mit Kräutern und mit Bildern ...

Doch nunmehr komm! Denn schon steht an der Grenze
Der beiden Welten und berührt die Meerflut
Dort bei Sevilla Kaïn mit den Dornen;

Und gestern schon ward voll des Mondes Scheibe ─
Wohl magst du dich erinnern; denn nicht Schaden
Bracht' er dir mehrmals durch den tiefen Wald hin!«

So mahnt' er mich; und gingen wir indessen.

Di nova pena mi conven far versi
e dar matera al ventesimo canto
de la prima canzon, ch'è d'i sommersi.003

Io era già disposto tutto quanto
a riguardar ne lo scoperto fondo,
che si bagnava d'angoscioso pianto;006

e vidi gente per lo vallon tondo
venir, tacendo e lagrimando, al passo
che fanno le letane in questo mondo.009

Come 'l viso mi scese in lor più basso,
mirabilmente apparve esser travolto
ciascun tra 'l mento e 'l principio del casso,012

ché da le reni era tornato 'l volto,
e in dietro venir li convenia,
perché 'l veder dinanzi era lor tolto.015

Forse per forza già di parlasia
si travolse così alcun del tutto;
ma io nol vidi, né credo che sia.018

Se Dio ti lasci, lettor, prender frutto
di tua lezione, or pensa per te stesso
com'io potea tener lo viso asciutto,021

quando la nostra imagine di presso
vidi sì torta, che 'l pianto de li occhi
le natiche bagnava per lo fesso.024

Certo io piangea, poggiato a un de' rocchi
del duro scoglio, sì che la mia scorta
mi disse: "Ancor se' tu de li altri sciocchi?027

Qui vive la pietà quand'è ben morta;
chi è più scellerato che colui
che al giudicio divin passion comporta?030

Drizza la testa, drizza, e vedi a cui
s'aperse a li occhi d'i Teban la terra;
per ch'ei gridavan tutti: "Dove rui,033

Anfïarao? perché lasci la guerra?".
E non restò di ruinare a valle
fino a Minòs che ciascheduno afferra.036

Mira c' ha fatto petto de le spalle;
perché volse veder troppo davante,
di retro guarda e fa retroso calle.039

Vedi Tiresia, che mutò sembiante
quando di maschio femmina divenne,
cangiandosi le membra tutte quante;042

e prima, poi, ribatter li convenne
li duo serpenti avvolti, con la verga,
che rïavesse le maschili penne.045

Aronta è quel ch'al ventre li s'atterga,
che ne' monti di Luni, dove ronca
lo Carrarese che di sotto alberga,048

ebbe tra ' bianchi marmi la spelonca
per sua dimora; onde a guardar le stelle
e 'l mar non li era la veduta tronca.051

E quella che ricuopre le mammelle,
che tu non vedi, con le trecce sciolte,
e ha di là ogne pilosa pelle,054

Manto fu, che cercò per terre molte;
poscia si puose là dove nacqu' io;
onde un poco mi piace che m'ascolte.057

Poscia che 'l padre suo di vita uscìo
e venne serva la città di Baco,
questa gran tempo per lo mondo gio.060

Suso in Italia bella giace un laco,
a piè de l'Alpe che serra Lamagna
sovra Tiralli, c' ha nome Benaco.063

Per mille fonti, credo, e più si bagna
tra Garda e Val Camonica e Pennino
de l'acqua che nel detto laco stagna.066

Loco è nel mezzo là dove 'l trentino
pastore e quel di Brescia e 'l veronese
segnar poria, s'e' fesse quel cammino.069

Siede Peschiera, bello e forte arnese
da fronteggiar Bresciani e Bergamaschi,
ove la riva 'ntorno più discese.072

Ivi convien che tutto quanto caschi
ciò che 'n grembo a Benaco star non può,
e fassi fiume giù per verdi paschi.075

Tosto che l'acqua a correr mette co,
non più Benaco, ma Mencio si chiama
fino a Governol, dove cade in Po.078

Non molto ha corso, ch'el trova una lama,
ne la qual si distende e la 'mpaluda;
e suol di state talor esser grama.081

Quindi passando la vergine cruda
vide terra, nel mezzo del pantano,
sanza coltura e d'abitanti nuda.084

Lì, per fuggire ogne consorzio umano,
ristette con suoi servi a far sue arti,
e visse, e vi lasciò suo corpo vano.087

Li uomini poi che 'ntorno erano sparti
s'accolsero a quel loco, ch'era forte
per lo pantan ch'avea da tutte parti.090

Fer la città sovra quell'ossa morte;
e per colei che 'l loco prima elesse,
Mantüa l'appellar sanz'altra sorte.093

Già fuor le genti sue dentro più spesse,
prima che la mattia da Casalodi
da Pinamonte inganno ricevesse.096

Però t'assenno che, se tu mai odi
originar la mia terra altrimenti,
la verità nulla menzogna frodi".099

E io: "Maestro, i tuoi ragionamenti
mi son sì certi e prendon sì mia fede,
che li altri mi sarien carboni spenti.102

Ma dimmi, de la gente che procede,
se tu ne vedi alcun degno di nota;
ché solo a ciò la mia mente rifiede".105

Allor mi disse: "Quel che da la gota
porge la barba in su le spalle brune,
fu - quando Grecia fu di maschi vòta,108

sì ch'a pena rimaser per le cune -
augure, e diede 'l punto con Calcanta
in Aulide a tagliar la prima fune.111

Euripilo ebbe nome, e così 'l canta
l'alta mia tragedìa in alcun loco:
ben lo sai tu che la sai tutta quanta.114

Quell'altro che ne' fianchi è così poco,
Michele Scotto fu, che veramente
de le magiche frode seppe 'l gioco.117

Vedi Guido Bonatti; vedi Asdente,
ch'avere inteso al cuoio e a lo spago
ora vorrebbe, ma tardi si pente.120

Vedi le triste che lasciaron l'ago,
la spuola e 'l fuso, e fecersi 'ndivine;
fecer malie con erbe e con imago.123

Ma vienne omai, ché già tiene 'l confine
d'amendue li emisperi e tocca l'onda
sotto Sobilia Caino e le spine;126

e già iernotte fu la luna tonda:
ben ten de' ricordar, ché non ti nocque
alcuna volta per la selva fonda".129

Sì mi parlava, e andavamo introcque.

Falke Hölle
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