Bibel Stichwort ABEL

Unter den zwei Berichten, welche wir von den Anfängen des menschlichen Geschlechts im ersten Buch Mose haben, ist es der zweite, der jüngere, der den Namen Abel (hebräisch Hebël, Hábël, d. h. Hauch, Nichtigkeit), dem zweiten Sohne Adams beilegt. Dieser Bericht verfolgt die Tendenz, die Entstehung der ersten und notwendigsten Künste und Fertigkeiten jenen Urmenschen beizulegen, so dem Noah den Weinbau, dem Tubàl die Schmiedekunst, dem Jubàl die Musik, und in dieser Tendenz macht er die beiden ersten Abkömmlinge des ersten Menschen zu dem, was am allerersten nötig ist, den ältesten Kajin zum Ackerbauer, den jüngern Hebel zum Hirten. Ebenso verfolgt der Erzähler die Absicht, die religiösen Zustände der Urzeit zu beschreiben, einen Gegenstand, den der ältere Berichterstatter gar nicht beriihrt, und wie er den Noah opfern lässt, so auch schon Kajin und Hebel, an deren Opfer eine ganze Reihe von Folgen für die Kulturverhältnisse angelehnt wird. Der Hirtenstand galt dem Hebräer für den besseren, Gott genehmeren (vgl. Jer 35 die Rechabiten), da dies Volk gegen das sesshafte Leben von Hans aus eine Abneigung hatte, wie denn auch der Ackerbau als Fluch dargestellt ist, und dies stellt die Sage dar, indem sie Jahve auf Abels Opfer von Erstlingen und ihrem Fett schauen lässt, nicht aber auf das Fruchtopfer Kajins. Endlich hat es dieser jüngere, gemeinhin jehovistisch genannte Bericht, auch hauptsächlich mit der sittlichen und religiösen Entwickelung der Menschheit zu tun, und wie in ihm der Sündenfall den Anfang der Urzeit bildet, wie er 1Mose 6,5-8 das Hereinbrechen der Sintflut ausführlich durch die steigende Bosheit der Menschen begründet, und durch dieses Vertilgungsgericht die erste Periode der Menschengeschichte abschließt, so lässt er auch in dem Verhältnis von Abel und Kajin aus Neid den ersten Mord hervorgehen. Dieser Mord ist mit List verbunden, denn schon die Absicht des Mordes im Herzen hegend, sprach Kajin noch (freundlich) mit seinem Bruder (1Mose 4,8), wo nicht nach der samaritanischen Rezension zu ergänzen ist, er sprach zu ihm: "Wir wollen auf das Feld gehen", und dies ist ein wesentlicher Zug in der Darstellung, der daran liegt, das unwahre Wesen des ersten Mörders zu charakterisieren.
So wird denn der "Hauch", Abel, von dem Bruder gemordet und hieran schließt sich sowohl der Fluch über den Mörder auf der einen Seite, als auch ebenso die Heiligerklärung des Lebens auf der anderen, denn obwohl das vergossene Blut Rache heischt, so ist die Rache doch Gottes Sache oder die Sache eines geordneten Gerichts, und nicht soll Kajin töten jeder der ihn findet. Vielmehr gibt Gott dem Kajin (durch ein nicht weiter genanntes Ereignis) ein Wahrzeichen, gleichsam als Pfand, um ihn zu überzeugen, dass sein Leben trotz seines Verbrechens gesichert bleibt und dass der Mörder nicht vogelfrei ist. So sind die Worte "Gott setzte ihm ein Zeichen" richtig zu deuten, sie besagen nicht, dass er etwa ein körperliches Abzeichen empfangen habe, sondern wie Gideon (Ri 6,36) in dem Nasswerden des Felles, während alles ringsum trocken bleibt, ein bestätigendes Zeichen hat, dass Gott ihn berufen, jo auch Kajin, nur dass hier das Ereignis, welches als Zeiden dient, nicht angegeben ist. (Vgl. unten Kain).
So viel über den Sinn dieser jehovistischen Erzählung und ihre Verwandtschaft mit den zugehörigen Stücken desselben Berichts, da der elohistische Bericht von alledem nichts hat. Den Namen Abel will Julius Oppert nach dem angeblich assyrischen pul als Sohn deuten, aber diese Deutung ist um so unmöglicher, als mit p kein b wechseln kann und außerdem das sogenannte assyrische pul mehr als zweifelhaft ist. Von den späteren Sagen, wie sie Eisenmenger, "Entdecktes Judentum", I, 462. 832, gibt, sei die, welche in den Koran (5,30) gekommen ist und die schon im Targum des Jonathan und im jerusalemitischen vorliegt, erwähnt. Die Frage, warum Abels Opfer angenommen sei, das Kajins aber nicht, führt zu einem dogmatischen Streit, in dem Kajin die sittliche Weltordnung leugnet; bei den darauffolgenden Tätlichkeiten zerschlägt Kajin die Stirn Abels mit einem Stein. Da sandte Gott einen Raben, der auf dem Boden kratzte, um den Kajin zu lehren, wie er den Leichnam begraben solle, worauf Kajin mit Wehklagen Buße tat. Nach weiterer Sagenausbildung war die Veranlassung zum Opferdienst, dass die Brüder wechselseitig ihre Zwillingsschwestern heiraten sollten, wobei Kajin die seinige, die schöner war, dem Abel nicht lassen wollte. Adam entschied, durch das Opfer Gottes Willen zu erkunden, der sich dem Abel günstig erwies.

8 Fundstellen

1Mose 4,2Und sie fuhr fort und gebar Abel, seinen Bruder. Und Abel ward ein Schäfer; Kain aber ward ein Ackermann.ParalleltextKains Brudermord
1Mose 4,4und Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer;ParalleltextKains Brudermord
1Mose 4,8Da redete Kain mit seinem Bruder Abel. Und es begab sich, da sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.ParalleltextKains Brudermord
1Mose 4,9Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht; soll ich meines Bruders Hüter sein?ParalleltextKains Brudermord
1Mose 4,25Adam erkannte abermals sein Weib, und sie gebar einen Sohn, den hieß sie Seth; denn Gott hat mir, sprach sie, einen andern Samen gesetzt für Abel, den Kain erwürgt hat.ParalleltextSet und Enosch
2Sam 20,18Sie sprach: Vorzeiten sprach man: Wer fragen will, der frage zu Abel; und so ging's wohl aus.Schebas Aufstand
Mt 23,35auf daß über euch komme all das gerechte Blut, das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten Abel an bis auf das Blut des Zacharias, des Sohnes Berechja's, welchen ihr getötet habt zwischen dem Tempel und dem Altar.
Hebr 11,4Durch den Glauben hat Abel Gott ein größeres Opfer getan denn Kain; durch welchen er Zeugnis überkommen hat, daß er gerecht sei, da Gott zeugte von seiner Gabe; und durch denselben redet er noch, wiewohl er gestorben ist.

5 Fundstellen

1Mose 6,5Da aber der HERR sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,Ankündigung der Sintflut. Noahs Erwählung. Bau der Arche
1Mose 6,6da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen,Ankündigung der Sintflut. Noahs Erwählung. Bau der Arche
1Mose 6,7und er sprach: Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis auf das Vieh und bis auf das Gewürm und bis auf die Vögel unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe.Ankündigung der Sintflut. Noahs Erwählung. Bau der Arche
1Mose 6,8Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN.Ankündigung der Sintflut. Noahs Erwählung. Bau der Arche
Ri 6,36Und Gideon sprach zu Gott: Willst du Israel durch meine Hand erlösen, wie du geredet hast,Gideons Zurüstung zum Kampf

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