Sirach 29
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35 Fundstellen

Sir 29,1Wer seinem Nächsten leiht, der tut ein Werk der Barmherzigkeit; und wer Güter hat, der soll solches tun.
Sir 29,2Leihe deinem Nächsten, wenn er's bedarf, und du anderer, gib's auch wieder zu bestimmter Zeit.
Sir 29,3Halte, was du geredet hast, und handle nicht betrüglich mit ihm, so findest du allezeit deine Notdurft.
Sir 29,4Mancher meint, es sei gefunden, was er borgt, und macht den unwillig, so ihm geholfen hat.
Sir 29,5Er küßt einem die Hand, dieweil man ihm leiht, und redet so demütig um des Nächsten Geld;
Sir 29,6aber wenn er's soll wiedergeben, so verzieht er's, und klagt sehr, es sei schwere Zeit.
Sir 29,7Und ob er's wohl vermag, gibt er's kaum die Hälfte wieder, und rechnet's jenem für einen Gewinn zu.
Sir 29,8Vermag er's aber nicht, so bringt er jenen ums Geld. Derselbe hat sich dann selber einen Feind gekauft mit seinem eigenen Gelde;
Sir 29,9und jener bezahlt ihn mit Fluchen und Schelten, und gibt ihm Schmähworte für Dank.
Sir 29,10Mancher leiht ungern um solcher Bosheit willen; denn er muß fürchten, er komme um das Seine.
Sir 29,11Doch habe Geduld mit deinem Nächsten in der Not, und laß ihn auf das Almosen nicht zu lange warten.
Sir 29,12Hilf dem Armen um des Gebots willen und laß ihn in der Not nicht leer von dir.
Sir 29,13Verliere gerne dein Geld um deines Bruders und Nächsten willen, und vergrabe es nicht unter einem Stein, da es doch umkommt.
Sir 29,14Sammle dir einen Schatz nach dem Gebot des Allerhöchsten; der wird dir besser sein denn Gold.
Sir 29,15Lege dein Almosen an einen besonderen Ort; es wird dich erretten aus allem Unglück.
Sir 29,16Es wird für dich streiten wider deinen Feind,
Sir 29,17besser denn Schild oder Spieß.
Sir 29,18Ein frommer Mann wird Bürge für seinen Nächsten;
Sir 29,19aber ein Unverschämter läßt seinen Bürgen stecken.
Sir 29,20Vergiß nicht der Wohltat deines Bürgen;
Sir 29,21denn er hat sich selbst für dich versetzt.
Sir 29,22Der Gottlose bringt seinen Bürgen in Schaden,
Sir 29,23und ein Undankbarer läßt seinen Erlöser stecken.
Sir 29,24Bürge werden hat viel reiche Leute verderbt und hin und wieder geworfen wie die Wellen im Meer.
Sir 29,25Es hat große Leute vertrieben, daß sie in fremden Landen mußten in der Irre gehen.
Sir 29,26Ein Gottloser, so er Bürge ist geworden, und geht mit Ranken um, daß er sich auswickle, der wird der Strafe nicht entgehen.
Sir 29,27Hilf deinem Nächsten aus, soviel du kannst; und siehe dich vor, daß du nicht selbst darüber zu Schaden kommst.
Sir 29,28Es ist genug zu diesem Leben, wer Wasser und Brot, Kleider und Haus hat, damit er seine Notdurft decken kann.
Sir 29,29Es ist besser geringe Nahrung unter einem bretternen eigenen Dach denn köstlicher Tisch unter den Fremden.
Sir 29,30Laß dir's gefallen, du habest wenig oder viel; denn es ist ein schändlich Leben, von Haus zu Haus ziehen.
Sir 29,31Und wo einer fremd ist, darf er sein Maul nicht auftun;
Sir 29,32er muß herbergen, und mit sich trinken lassen, und keinen Dank haben,
Sir 29,33muß dazu bittere Worte hören, nämlich: »Du Fremder, gehe hin und bereite den Tisch, laß mich mit dir essen, was du hast.«
Sir 29,34Oder: »Zieh aus, ich habe einen werten Gast gekriegt; ich muß das Haus haben, mein Bruder zieht zu mir ein.«
Sir 29,35Solches ist schwer einem vernünftigen Mann, daß er um der Herberge willen solche Worte fressen muß und daß man ihm aufrückt, wenn man ihm geliehen hat.

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