Weisheiten 8


Aller Hoffleute Dienst ist neiden, beugen und hoffen; der Lohn aber ist Reue.

Aller hundert Li ändern sich die Sitten, aller zehn Li ändern sich die Bräuche.
China

Aller hundert Li ist der Himmel ein anderer.

Aller innerer Sinn ist Sinn für Sinn.
Novalis, Fragmente

Aller Irrtum besteht darin, dass wir unsere Art, Begriffe zu bestimmen oder abzuleiten oder einzuteilen, für Bedingungen der Sachen an sich selbst halten.
Kant

Aller Kunst Anfang ist geringe.

Aller Lande Sitten sind nicht gleich.
angelsächs] Ealle land sida ne syn gelîce.

Aller Landsknechte Mutter ist noch nicht gestorben.

Aller Laster größtes, das auf Erden herrscht:
Schamlosigkeit.
Euripides, Medea, 471-472 (Medea)

Aller Laster König ist der Geiz.

Aller Laster Laster ist: sich vor keinem Laster scheuen,
Mit den Lastern rühmen sich und die Laster nicht bereuen.
Logau, Unverschämt

Aller Leut' Freund, jedermanns Geck (o. Narr).
mhd] Aller Lude vrunt is manniger Lude gek.
la] Multos ladibrio est cunctis qui poscit amicos.
Jüdisch-deutsch] A Tow-lakkel is a Rah-lakkel. (Ein-Gut-für-alle, ist ein Schlecht-für-alle)
i] Derjenige, der für alle Menschen gleich gut sein will, befriedigt keinen. Auch die Güte muss Maß und Ziel haben.
en] Too much familiarity breeds contempt.
fr] Une trop grande familiarité engendre le mépris.
la] Neque nulli sis amicus nec multis.
la] Nimia familiaritas parit contemptum.
la] Ridiculus multis, cunctis sit amicus oportet.
sd] Alle mans wän är ofta hwar mans narr.

Aller Leute Freund, aller Leute Geck (vieler Leute Narr).
i] Man soll sich vor denen hüten, die mit jedermann gut stehen und gleichsam die Gevattersleute der ganzen Welt sind.
sd] Alle mans wän är ofta hwar mans narr.

Aller Lüe Fründ, jêdermans Geck.

Aller Mechanismus vernichtet die Individualität, gerade das Lebendige geht nicht in ihn ein und ist ihm nichts. Alles Große und Göttliche aber geschieht immer durch Wunder, das heisst, es folgt nicht nach allgemeinen Gesetzen der Natur, sondern nur durch das Gesetz und die Natur des Individuums. Vertilgung der Individualität ist eben die Richtung eines unmetaphysischen, bloß mechanisch geformten Staates. Daher gelangen in ihm die gewöhnlichen Talente und am meisten mechanisch aufgezogene Seelen zur Herrschaft und Leitung der Angelegenheiten.
Schelling

Aller Mehrwert - wie er sich auch verteile, als Gewinn des Kapitalisten, Grundrente, Steuer usw. - ist unbezahlte Arbeit.
Engels

Aller Menschen Freund ist nicht mein Freund.
Molière, Misanthrope, I, 1

Aller Menschen Gesichter sind ehrlich, wie auch ihre Hände beschaffen seien.
Shakespeare, Antonius und Cleopatra (Menas)

Aller Menschen Gesichter, so wie alle Bäume, haben eine Rinde.
China

Aller Menschen harrt der Tod
Und keinen gibt's auf Erden, der untrüglich weiß,
Ob ihn der nächste Morgen noch am Leben trifft.
Euripides, Alkestis, 782/84

Aller Menschen Sinn und Mut geht auf Ehre, Geld und Gut, und wenn sie's haben und erwerben, dann legen sie sich hin und sterben.

Aller Neid ist zwischen Nachbarn.

Aller Prediger gemeiner Name ist: Noli me tangere.
i] Taste mich nicht an.

Aller Profit ist süß.

Aller Reichtum der Welt liegt im Wetter.
Schottland

Aller Respekt hat ein Ende, sagte der Fischer, als ihm ein Hecht eine Ohrfeige gab.

Aller Schatz unter der Erde begraben, tiefer als ein Pflug geht, gehört zu der königlichen Gewalt (ist Regale).
[RSpW]
i] Nach diesem Sprichwort gehören die gefundenen Schätze, d.h. nach dem Glossator des Sachsenspiegels, 'verborgen Geld eines unbekannten Herrn oder verstorbener Leute, von denen niemand eine Wissenschaft hat', zu den landesherrlichen Einkünften. So war es schon zu den Zeiten der fränkischen und sächsischen Könige.

Aller Schmerz ist feige, er zuckt zurück vor der übermächtigen Forderung nach Leben, die stärker in unserem Fleisch verhaftet scheint als alle Todesleidenschaft in unserem Geiste.
Stefan Zweig, Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau

Aller Schwärmerei droht der Übergang in Fanatismus. Darum darf keine Schwärmerei Nachsicht finden vor den Denkern.
Herbart

Aller Segen kommt von oben, aber von unten hilft man auch dazu.

Aller Sieg von Gott.
i] Wahlspruch des Franz von Sickingen.

Aller Sinn und aller Mut
Steht nach dem zeitlichen Gut,
Und wenn sie das erwerben,
Legen sie sich nieder und sterben.
Wartburg-Spruch

Aller Tage Abend ist noch nicht gekommen.
i] Sagt man, wenn die Ausführung eines Geschäfts bezweifelt wird; es kann noch zu Stande kommen vor dem Jüngsten Tage. Auch: die Folgen seines leichtsinnigen oder sträflichen Wandels, die bisjetzt ausgeblieben sind, können immer noch kommen. Der letzte Tag ist noch nicht gewesen. Die Sache ist noch nicht zu Ende, noch nicht abgetan. Man muss den Erfolg abwarten und nicht zu voreilig urteilen.
fr] Il sera encore demain soir.
fr] Il n'est pas encore soir pour les jours.
fr] Le dernier jour n'est pas encore passé.
it] Non e'ancor sera a Prato.
la] Nescis quid serus vesper vehat.
la] Nondum omnium dierum sol occidit.
bm] Vsak není jestĕ vsem dním večer.
dk] Alle dages aften er ikke endnu kommen.
fr] Il sera encore demain soir.
fr] Il n'est pas encore soir pour les jours.
fr] Le dernier jour n'est pas encore passé.
fr] Nous ne sommes pas encore au bout de la piece.
ho] Aller dagen zon is nog niet onder.
ho] Het is aller dagen avond niet.
is] Ekki er aldra daga komid kvöld.
it] Non è ancor sera a Prato.
la] Accidit in puncto quod non speratur.
la] Multa cadunt inter calicem supremaque labra.
la] Nescit quid serus vesper vehat.
la] Non dum omnium dierum sol occidit.
no] Dat kjem dag etter denne dag.
no] Der fleire dagar atter i aust.
se] Alla dagars afton är icke kommen.
siebenbürg] Et äs nôch net aler Dâg Ôwend.

Aller Tod in der Natur ist Geburt, und gerade im Sterben erscheint sichtbar die Erhöhung des Lebens.
Johann Gottlieb Fichte, Die Bestimmung des Menschen

Aller Umfang ist (o. wiegt) schwer.
[ASpW]

Aller Unglaube ist unbescheiden, aber der Glaube an Gott, der Kindersinn der Menschheit gegen die Gottheit ist stille Erhabenheit in jeder Kraft ihrer Wirkung.
Pestalozzi, Die Abendstunde eines Einsiedlers

Aller Vatersinn ist ohne Macht, wo der Kindersinn mangelt.
Pestalozzi, Briefe

Aller Verstand deucht mir ein Spiel von Aberwitz, wenn der heiligen Weisheit nicht alle Opfer gebracht sindPestalozzi: alle äußeren Vorteile, Würden und Ruhm...
B. V. Arnim, Die Günderode

Aller Wasser König der Rhein, die Donau soll seine Gemahlin sein.

Aller Welt freut führt eine Mucke aufm Schwantz hinweg.

Aller Welt Geiz hat keinen boden.

Aller Welt gemeiner Lohn ist, zum Schaden noch der Hohn.
mhd] Der fuchs sprach: ez ist hiur als vert, des lâ dich niht sîn wunder, der ein gât ûf, der ander under.
mhd] Ein edele kunne stîget ûf bî einem man, der dem vil wohl gehelfen unde râten kan; sô stîgt ein hohes künne nider und rihtet sich ûf nimmer wider.
mhd] Swa ein künne stîget, daz ander nider sîget.

Aller Welt Rat, Macht, Trotz und Streit
Ist lauter Tand und Eitelkeit.
Rollenhagen, Froschmeuseler

Aller Welt schuldig sein.
fr] Devoir à Dieu et au monde.

Aller wille ist, haben viel.

Aller Würdigkeit Verleiherin,
Das seid ganz wahrhaftig ihr, Frau Maße.
Walter von der Vogelweide, Gedichte

Aller Zustand ist gut, der natürlich ist und vernünftig.
Goethe, Hermann und Dorothea 5. Gesang Vs 12

Aller Zwang bildet Maschinen, und jedes Symbol ist der freien Moralität des Menschen nachteilig.
Forster, Über Proselytenmacherei

Allerdings [könnte man auch einen Karrengaul schön nennen] und warum nicht? Ein Maler fände an dem stark ausgeprägten Charakter, an dem mächtigen Ausdruck von Knochen, Sehnen und Muskeln eines solchen Tieres wahrscheinlich noch ein weit mannigfaltigeres Spiel von allerlei Schönheiten als an dem milderen, egaleren Charakter eines zierlichen Reitpferdes.
Goethe, Eckermann, 18.4.1827

Allerdings eine gefährliche Gabe, Macht ohne Güte, erfindungsreiche Schlauigkeit ohne Verstand. Nur können, haben, herrschen, genießen will der verdorben-kultivierte Mensch, ohne zu überlegen, wozu er könne, was er habe und ob, was er Genuss nenne, nicht zuletzt eine Ertötung alles Genusses werde.
Herder, Briefe zu Beförderung der Humanität

Allerdings heft de Bock e Büdel.
Danzig
i] Scherzhafte Anspielung auf den Bocksbeutel, richtiger Booksbüdel. Die Redensart wird zur Verspottung altertümlichen Wesens angewandt.

Allerdings ist es vorzüglich oder vielmehr ganz und gar das Glück, was bei allen menschlichen Dingen den Ausschlag gibt.
Demosthenes, Staatsreden

Allerdings ist in der Kunst und Poesie die Persönlichkeit alles, allein doch hat es unter den Kritikern und Kunstrichtern der neuesten Zeit schwache Personnagen gegeben, die dieses nicht zugestehen und die eine große Persönlichkeit bei einem Werke der Poesie oder Kunst nur als eine Art von geringer Zugabe wollten betrachtet wissen.
Goethe, Eckermann, 13.2.1831

Allererst die Schulden, dann die Almosen.
[RSpW]
i] Erst wenn aus dem Nachlass des Verstorbenen die Schulden bezahlt sind, können Legate und Vermächtnise berichtigt werden, die ebenfalls vom Erbe abgehen, ehe es angetreten oder verteilt werden kann.
mhd] Allererst de schult, danne die almosen.

Allergien sind möglicherkweise Luxuskrankheiten der zivilisierten Welt.
Enno Christophers, 1993

Allerhand ist ein Gänsedreckel.
i] Als Erwiderung, wenn auf die Frage, was es zu essen gebe, geantwortet wird: Allerhand.

Allerhand Männkes maken.

Allerheiligen (l.11.) bringt Sommer für alte Weiber, der ist des Sommers (letzter) Vertreiber.
Bayern

Allerheiligen bringt einen gewissen Sommer (o. bringt den Nachsommer).

Allerheiligen feucht, wird der Schnee nicht leicht.

Allerheiligen klar und helle, sitzt der Winter auf der Schwelle.

Allerheiligen Reif macht die Weihnacht (alles) starr und steif.

Allerheiligen trägt eigen den Winter zu allen Zweigen.

Allerheiligen
la] commemoratio omnium sanctorum

Allerhillgen stigt de Winter upp de Willgen (Weidenbäume).
Oldenburg

Allerhillgen, sit de Winter up de Tilgen (= Zweigen).

Allerhillgensuemer bliwt nit iude.
Westfalen (Selten bleiben sonnige Tage in der Zeit des 1. November aus)

Allerhilligen Dag Fressland wol beklagen mag.
i] Wenn die Heiligen irgendwo ihre Schutzaufgaben nicht erfüllt haben, so ist es in Nordfriesland gewesen, denn für dieses ist der 1. November wiederholentlich ein wahrer Unheilstag gewesen, besonders aber der des Jahres 1570, der Veranlassung zu obigem Sprichwort gegeben hat, an dem gegen 400.00 Menschen ihr Leben eingebüß haben sollen, und viele Ortschaften völlig verschlungen worden sind.

Allerlei dient nicht jedermann.
la] Omnia non pariter rerum sunt omnibus apta. Properz

Allerlei Dreck anknet (buttert) si nit.
Solothurn
i] Mannichfaltiges, Widersprechendes lässt sich nicht vereinen.

Allerlei Fische fressen den Menschen, aber nur der Hai wird beschuldigt.
Jamaika

Allerlei ist zweierlei.

Allerlei Schuhe kann man nicht an einen Fuß ziehen.

Allerley Hundshaare mit hineinhacken (darunterhacken).
Luthers Tischreden
i] Etwas verderben, verschlimmern, böse machen.
z] Wenn man etwas will verbösern vnd verderben, so muss man einen Wurm in handel setzen, Senff darzu anrichten, versäwern, versaltzen, den Compass oder das ziel verdrehen, ein Essig Fässlein darzu legen. Medium fermenti totam massam corrumpet. Hundshar darin hacken, ein Pfeffer oder Brühe darüber machen, mit einer schwartzen bürst darüber faren. Mäussdreck vnter Pfeffer mischen, der Drummel ein loch machen, dem Kranz ein blum nach der ander aussrupffen, der Freud den boden aussstossen, eines gewin vnd nutzen verwunden.

Allerlieblichste Trochäen
Aus der Zeile zu vertreiben
Und schwerfälligste Spondeen
An die Stelle zu verleiben,
Bis zuletzt ein Vers entsteht,
Wird mich immerfort verdrießen.
Laß die Reime lieblich fließen,
Laß mich des Gesangs genießen
Und des Blicks, der mich versteht!
Goethe, Zahme Xenien V

Allermanns Freund ist Allermanns Narr.
la] Nec nulli sis amicus, nec omnibus (multis).
ndt] Allmanns Frund, mennig Manns Geck.

Allermanns Knecht kann's nicht jedem machen (o. kochen) recht.

Allermanns Nutzen, Allermanns Schaden.
sd] Allmän nytta, allmän skada.

Allermanns Wort lügt selten.
dk] Dit almindelige rygte lyver ikke.
dk] Hver mands ord ere gjerne sande.

Allerorten hell und klar, Glückauf zum neuen Jahr.

Allerseelen
la] commemoratio animarum

Allerseelentag
la] animarum dies

Allerwelt geiz hat keinen Boden.

Allerwelts Bücher sind immer übelriechende Bücher: der Kleine-Leute-Geruch klebt daran.
Nietzsche

Allerwelts Freund (o. Allerweltsfreund), jedermanns Geck.

Allerweltsfreund, jedermanns Geck.

Allerweltsfreund, niemands Freund.

Allerweltskerl, ein Mensch, der in allen Gassen zu finden ist.

Alles a gen Po'zeklock hangen.
Aachen
i] Alles unter die Leute bringen. Po'z = Pforte, großes Tor; Po'zeklock = eine Glocke am Rathause, welche vorm Torschlusse geläutet wird.

Alles aber lässt sich in harter und beharrlicher Arbeit überwinden.
Petrarca, An Socrates in Avignon

Alles aber, was man gute Gesellschaft nennt, besteht in einer immer wachsenden Verneinung sein selbst, so dass die Sozietät zuletzt ganz null wird, es müßte denn das Talent sich ausbilden, dass wir, indem wir unsere Eitelkeit befriedigen, der Eitelkeit des anderen zu schmeicheln wissen.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Künftiger Divan - Buch des Unmuts

Alles abstrakte wird durch Anwendung dem Menschenverstand genähert, und so gelangt der Menschenverstand durch Handeln und Beobachten zur Abstraktion.
Goethe, Maximen und Reflexionen 530

Alles altert, selbst die Achtung, wenn man sich nicht in Acht nimmt.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Alles altert, selbst die Achtung, wenn man sich nicht in Acht nimmt.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heisst Schwangerschaft.
Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Alles an alles setzen.
la] Omnem jacere aleam.

Alles an diesem Gedicht ist vollkommen, Sprache, Gedanke,
Rhythmus, das einzige nur fehlt noch, es ist kein Gedicht.
Goethe, Xenien 133 - Ein deutsches Meisterstück

Alles an einen Nagel hängen.
i] Alles verwischen, durcheinanderwerfen, anstatt jeder besondern Sache ihren eigentümlichen Platz anzuweisen. Oder: das ganze Vermögen z.B. an ein Unternehmen wagen.

Alles an seinen Ort, sagt Flegel, der Schelmendeckel (Hut, Mütze) auf den Grind (Kopf).
it] In chiesa co' santi e all' osteria (in taverna) co' ghiotti (ghiottoni).

Alles an seinen Ort, sagte Jerms, das Aug' ins Fenster, den Arsch in die Brill'.
ho] Het oog in het venster, en de aars op het kakhuis.

Alles an Staat und nichts in der Schüssel.
fr] Plus de veloux que de pain.

Alles andere behalt im Sinn, das Schlafsäckchen vergiss.
Estland

Alles ändert sich auf der Welt.
Estland

Alles ännert sik in der Welt, man de Schimienstäute nit.
Sauerland

Alles arbeitet für unser Ideal, sogar jene, deren Schläge sich bemühen, es zu zerstören.
Rolland, Die Vorboten

Alles auch Meinende
Wird nicht vereint,
Weil das Erscheinende
Nicht mehr erscheint.
Goethe, Zahme Xenien V

Alles auf dem Leibe und nichts darin.
fr] C'est la reine d' Antioche qui mange plus de pain que de brioche.

alles auf den Kopf stellen
en] to turn everything topsy-turvy
fr] mettre tout sens dessus dessous - mettre tout en l'air
it] mettere tutto a soqquadro

Alles auf den Schein, heisst es jetzt; alles auf die Dauer, haben die Alten gesagt.

Alles auf der Welt hat sein zweites Gesicht, die Natur, die Kultur, die Religion, die Kunst, die Politik, die Liebe, alles, alles. Wer das nicht weiß, ist glücklich, ich weiß es.
Hermann Löns, Das zweite Gesicht

Alles auf der Welt ist eitel, wer kein Geld hat, scheisst in'n Beutel.
Ulm

Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss an.
Goethe

Alles auf deutschen (o. englischen u.s.w.) Fuß einrichten.
i] Wie man sagt: eine gute Hand schreiben, so lässt Jean Paul 'die Krüppel einen guten Fuß schreiben'.

Alles auf die Faust setzen.

Alles auf die leichte Achsel nehmen.

alles auf eine Karte setzen

Alles auf einmal haben wollen.
en] To have the egg and also the halfpenny that you buy it with.

Alles auf einmal tun zu wollen, zerstört alles auf einmal.
Lichtenberg, Über das Studium der Naturlehre

Alles auf Erden lässt sich finden, wenn man nur zu suchen sich nicht verdrießen lässt.
Philemon, Fragmente

Alles auf jegliche Weise fühlen, mit den Gefühlen zu denken verstehen und mit dem Denken zu fühlen...
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Alles aufs Spiel setzen.
fr] Jouer à tout perdre.
la] Omnem jacere aleam.

Alles Aufsehenerregende, mag es noch so künstlerisch angelegt sein, ermüdet und stößt bald ab.
M. Grimm, Das Ende der großen Kunstformen

Alles aus einer Büchse würzen.

Alles aus Liab - aber nix umsunst! sagen d' Buam und d' Wucherer.

Alles aus Liebe, aber nichts umsonst.
i] Motto eines Ladentisches im Bazar des Berliner Frauenvereins. Vossische Zeitung, 30. Jan. 1868

Alles aus Liebe, du (verfluchter) Hund.
Königsberg

Alles aus Müßiggang. Denn die meisten beten aus Langeweile, die andern verlieben sich aus Langeweile, die dritten sind tugendhaft, die vierten lasterhaft... es ist zu langweilig!
Büchner, Lenz

Alles außer uns ist nur Element, ja ich darf wohl sagen, auch alles an uns, aber tief in uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns, auf eine oder die andere Weise dargestellt haben.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Alles bätert sech op de Dê'r.
hdt] Alles bessert sich auf die Dauer.

Alles Bêd's (beide), Frau Pfarrern, sagt der Kutscher.
i] Die Frau eines Landgeistlichen will einem Lohnkutscher aus der Residenz, der bei kühlem Wetter mit seinem Wagen vor dem Predigerhause wartet, um jemand abzuholen, nach ihrer guten Gewohnheit eine Erfrischung reichen, und fragt ihn deshalb: 'Mögen Sie lieber eine Tasse Kaffee, oder ein Schnäpschen?' 'Alles Bêd's, Frau Pfarrern'.

Alles beed's, Frau Pfarren.
Köthen
i] Ein etwas unbescheidener Lohnkutscher hielt vor der Tür eines Landpredigers und wurde von der Frau desselben gefragt, ob er zu seiner Erquickung lieber Kaffee oder einen Schnaps annehme, worauf er obige sprichwörtlich gewordene Antwort gab.

Alles beginnt der Deutsche mit Feierlichkeit, und so zieht auch
Diesem deutschen Journal blasend ein Spielmann voran.
Goethe, Xenien 251 - Das Journal Deutschland

Alles beginnt mit der Sehnsucht.

Alles Behagen am Leben ist auf eine regelmäßige Wiederkehr der äußeren Dinge gegründet.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,13

Alles bekommt man einmal satt, am schnellsten die Frauen.
Maupassant, Friedhofsbesuche

Alles bekommt man vom Wald, nur ein selbstgewachsenes Spinnrad nicht.
Estland

Alles belebt sich zur Essenszeit und genest zur Topfzeit.
Estland

Alles besieget die Lieb', und wir auch geben besiegt uns.
Vergil, Eklogen, X, 69

Alles besiegt Amor.

Alles besiegt unablässiger Fleiß und die Not des drückenden Mangels.
Virgil, Georgica

Alles besiegt und raubt die geizende Zeit;
Den Ruhm auch, und schafft uns ein zweites Sterben,
Und wie vor dem ersten kein Mittel uns vor ihm feit.
So siegt die Zeit ob der Welt, lässt ihre Namen verderben.
Petrarca, I, Trionfi

Alles besser wie gestorben.
Warschau
i] Trost der Unglücklichen, die bei großem Verlust, z.B. Einer Feuersbrunst, wenigstens das Leben gerettet haben.

Alles Bestreben, einen Gegenstand zu fassen, verwirrt sich in der Entfernung vom Gegenstande und macht, wenn man zur Klarheit vorzudringen sucht, die Unzulänglichkeit der Erinnerungen fühlbar.
Goethe, L. K. Vogel, letzte Lebensjahre

Alles bezwingt die Liebe.
la] Omnia vincit Amor.

Alles bis auf den letzten Heller bezahlen.
fr] Payer rubis sur l'ongle.
fr] Payer ric à ric.

Alles Blut ist gleich alt. England

Alles Böse gründet in einem Guten, und alles Falsche in einem Wahren.
Thomas von Aquin, Über das Böse

Alles Böse ist nicht böse.
Venedig

Alles Böse ist nur das Phänomen der Hemmung des Triebs zum Guten, der Verzehrung des Guten.
Johann Wilhelm Ritter, Fragmente

Alles Böse, nur kein böses Weib. Hebräisch

Alles böss kompt vom guten her, auss Engeln Teuffel, auss Jungfrawen Huren.

Alles brennt trocken gut, nur die Lampe nicht.
Westfalen

Alles bricht, wenn es zu dünn wird, der Mensch, wenn er zu stark wird.
Kurdistan

Alles Brot ist dem gesund, der hungert.

Alles bunt durcheinander wie ein Hanswurstwamms auf der Kirchweih.

Alles da, Holz un Torf, die Miet' wird abgedanzt, drêmol um'n Ofen is ein Monat weg.
Stettin
i] Der Ofen steht nämlich dicht in einer Ecke.

Alles das geschieht mit Arglist.
la] Dolo malo haec fiunt omnia.

Alles das, wonach wir aus Vernunft streben, ist nichts anderes als das Erkennen, und der Geist beurteilt, insofern er von der Vernunft Gebrauch macht, nur das als für ihn nützlich, was zum Erkennen führt.
Baruch de Spinoza, Ethik

Alles Dasein hat in sich schon das Verderben.

Alles Dasein, welches verneint werden kann, verdient es auch, verneint zu werden; und wahrhaftig sein heisst: an ein Dasein glauben, welches überhaupt nicht verneint werden könnte und welches selber wahr und ohne Lüge ist.
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 3, Schopenhauer als Erzieher

Alles Denken geschieht unter der Kategorie der Zeit, das wahre Erkennen dagegen schaut in einem ewigen Nu.
Meister Eckhart

Alles Denken hat bisher Resultate ergeben.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Alles Denken ist Nachdenken, der Sache nachdenken.
Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem (Vorrede)

Alles Denken ist nichts anderes als ein Vorstellen durch Merkmale.
Kant

Alles Denken ist unmoralisch. Sein eigentliches Wesen ist Zerstörung.
Wilde, Eine Frau ohne Bedeutung

Alles Denken ist Zurechtmachen.
Morgenstern

Alles Denken, das in die Tiefe geht, endet in ethischer Mystik.
Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken

Alles der Würste wegen.

Alles Dichten und Trachten der Menschen, wie es sich in ihren so mannigfaltigen Bestrebungen betätigt, schlägt zwar äußerlich sehr verschiedene Wege ein, aber schließlich läuft es doch immer auf das eine letzte Ziel, die Erlangung der Glückseligkeit, hinaus. Diese aber ist das höchste Gut, nach dessen Erlangung nichts mehr zu wünschen übrig bleibt.
Boetius, Tröstungen der Philosophie, 3. Buch

Alles dichtet und tut und kein Mensch weiß, was er will, es sind lauter Velleitäten, die, wie Seifenblasen den spielenden Kindern, so den lieben Verfassern vor der Nase zerplatzen.
Goethe, An Nees v. Esenbeck, 24.5.1827

Alles Ding hat sein end.

Alles ding macht verdrossen mut, so man sein zuvil hat und thut.
la] Omne quod est nimium, crebrum sordescit ob usum.

Alles Ding will vorher Rat, dann Tat.

Alles dings ein mass.
dk] Alting til maade.
la] Omnibus in rebus modus est pulcherrima virtus.

Alles doppelt sehen.
i] Betrunken sein.
z] Es daucht jhn, was er siehet wer zweyfeltig.

Alles Drängen, alles Ringen
ist ewige Ruh' in Gott dem Herrn.
Goethe, Zahme Xenien

Alles durch den Arss fahren lassen.

Alles durch den Bauch jachen.

Alles durch Milde, nichts durch Gewalt.
dk] Lemfeldighed er ofte bedre end ret og magt.
dk] Mildhed er øm til at medlide; let til at forlade, færdig til at hielpe.
dk] Mildhed udretter meere end strenghed
en] The charitable give cut at the door and God puts in at the window.
fr] Tout par amour, rien par force.
la] Facilitate nihil est homini melius, neque clementia.

Alles durcheinander, wie sie der Griff gibt, sagte der Bettler, als er eine Filzlaus drunter fand.
ho] Zulke loopen er onder, zei de meid, en zij had eene plattluis tusschen hare vingeren.

Alles Edle ist an sich stiller Natur und scheint zu schlafen, bis es durch Widerspruch geweckt und herausgefordert wird.
Goethe, Eckermann, 1.4.1827

Alles ein Gesöff, sagte die Gans, da hatte sie in sieben Pfützen herumgeschnattert.

Alles eine Zeit lang.
la] Omnia ad tempus certum durant.

Alles Eisen lässt sich hämmern, aber nicht aus jedem wird Stahl.

Alles Elend der Welt wird durch impotente Hirne verursacht.

Alles en der Meddelmass (Mittelmaß).
Bedburg

Alles endert sich ohne des Papstes wurstkahen und der kuhschwantz.

Alles endet, außer die Liebe zu Gott.
Portugal

Alles entartet unter den Händen der Menschen.
Rousseau, Emile

Alles Entscheidende entsteht trotzdem.
Friedr. Nietzsche, Ecce homo

Alles entsteht und vergeht nach Gesetz; Doch über des Menschen
Leben, dem köstlichen Schatz, herrschet ein schwankendes Los.
Goethe, Elegien: Euphrosyne

Alles Erdreich ist Österreich untertan.
la] Austriae Est Imperare Orbi Universo.
Wahlspruch

Alles Erkennen ist Gestaltung. Gestaltung ist seelisches Besitzergreifen, Hunger nach Erkenntnis ist seelischer Wille zum Besitz.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Alles erkennt man an diesen Händen, an der Art wie sie warten, wie sie greifen und stocken: den Habsüchtigen an der krallenden, den Verschwender an der lockeren Hand, den Berechnenden am ruhigen, den Verzweifelten am zitternden Gelenk...
Stefan Zweig, Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau

Alles erkläret sich wohl', so sagt mir ein Schüler, 'aus jenen
Theorien, die uns weislich der Meister gelehrt.'
Habt ihr einmal das Kreuz von Holze tüchtig gezimmert,
Paßt ein lebendiger Leib freilich zur Strafe daran.
Goethe, Venezianische Epigramme 79

Alles erlaubt sich ein Weib, und es dünkt unziemlich ihr gar nichts.
Juvenal, Satiren

Alles Erzeugnis der Kunst ist Symbol der Offenbarung, und da hat oft der auffassende Geist mehr teil an der Offenbarung als der erzeugende.
Bettina von Arnim, Goethes Briefwechsel mit einem Kinde

Alles es gued in 'n Folkspot, mär niene witte Fiksebounen, hadde de gneädige Frau saght.
Hagen
hdt] Alles ist gut im Gesindetopf, aber keine weißen Fiksbohnen. (Fikse-, Fitze- Fisebônen, d.i. die gefeset werden müssen, um sie grün (mit den Schoten) zu essen)

Alles Ewige ist notwendig.
Thomas von Aquin, Summe gegen die Heiden

Alles fällt auf mich, nur kein Beutel Geld.
i] Klage eines vom Glück Vernachlässigten.

Alles Festlegen verarmt.
Christian Morgenstern, Stufen: Lebensweisheit-Ethisches

Alles fette schadet sehr, der Fischen aber noch viel mehr.
la] Omnis pinguedo mala, piscium pessima.

Alles Fleisch ist Heu.
i] Jeder Mensch ist sterblich.
fr] Tout ce qui est chair, est périssable.

Alles Fleisch ist zu essen, und alle Mädchen sind zum Heiraten.
England
var] Alles Fleisch muss gegessen werden, alle Mädchen geheiratet.

Alles Fleisch soll gegessen, alle Mädchen sollen geheiratet werden.
England

Alles fließt, nichts ist fest.
Heraklit

Alles Fremdsein und Fernsein haßt Gott. Zur Einigung lockt und zieht Gott, eines suchen alle Geschöpfe, auch die niedersten Kreaturen suchen eines.
Meister Eckehardt, Buch der göttlichen Tröstung

Alles freuet sich und hoffet,
Wenn der Frühling sich erneut.
Friedrich Schiller, Der Jüngling am Bache

Alles Fühlende leidet in mir, aber mein Wille ist stets mein Bezwinger und Freudenbringer.
Franziska Gräfin zu Reventlow, Tagebücher

Alles führt den in Versuchung, der sich vor der Versuchung fürchtet.
Frankreich

Alles führt mich zu dem glücklichen stillen Leben zurück, zu dem ich geboren war.
Jean-Jacques Rousseau, Träumereien eines einsamen Spaziergängen

Alles für einen Apfel und ein Ei haben wollen.
ho] Men kan dat vor een ei of een' appel krijgen.

Alles für Evangelium nehmen.
i] Von Leichtgläubigen, Prüfungsscheuen.

Alles für Geld, umsonst ist nur der Tod.

Alles für nichts! ist der irdische Imperativ.
Hebbel, Tagebücher

Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz:
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.
Goethe, Brief an Auguste zu Stolberg, 17.7.1777

Alles Gebet macht rein, es ist eine Selbstpredigt.
Jean Paul, Dr. Kazenbergers Badereise

Alles Gegenwärtige ist mir nur der Stiel, an dem ich Vorzeit und Zukunft anfasse.
C. Brentano, an Bettine

Alles geht immer noch besser, als es gemacht wird.
Henry Ford (1863 - 1947)

Alles geht ins Uferlose, wo keine Frauen dabei sind.
USA
en] Everything goes to loose ends where there ain't no women.

Alles geht mit, sagte das Mädchen, da bekam sie einen Schneider.
ndt] All gôd mit, se(de) de Maid, dô krêg se 'n Snîder.

Alles geht nach Gottes Willen - aber es geht nicht, wie es gehen sollte.
sp] Todo es come Dios quiere - mas no como debe.

Alles geht vorüber - sagt mancher - aber er hat dabei nicht an die Dummheit gedacht.

Alles geht vorüber, aber die Liebe bleibt.

Alles geht vorüber, alles zerbricht, alles wird müde.
Frankreich

Alles geiht, men kein Forsk.
Sauerland
i] Der Frosch hüpft.

Alles Gelingen hat sein Geheimnis, alles Misslingen seine Gründe.

Alles gelingt, was man mit rechtem Eifer angreift.
Samuel Smiles, Charakter

Alles genau besehen, spielt denn doch der körperliche Mensch da [auf dem Theater] die Hauptrolle, ein schöner Mann, eine schöne Frau! Ist der Direktor glücklich genug, ihrer habhaft zu werden, so sind Komödien- und Tragödiendichter geborgen. Der losere Zustand, in dem eine solche Gesellschaft lebt, macht ihre Genossen mehr mit der eigentlichen Schönheit der unverhüllten Glieder bekannt als irgendein anderes Verhältnis, selbst verschiedene Kostüms nötigen zur Evidenz zu bringen, was sonst herkömmlich verhüllt wird.
Goethe, Wanderjahre III,3

Alles gerrettet!
Landsteiner, Wiener Polizeipräsident an Erzherzog Albrecht am 8. Dez. 1881 beim Brand des Ringtheaters, bei dem fast alle Besucher ums Leben kamen.
i] Während im Innern des Theaters Hunderte von Menschen verbrannten, wurden obige Worte, die in Wien seitdem in ihrer Ironie geflügelt sind, ausgesprochen.

Alles Geschehen aus Absichten ist reduzierbar auf die Absicht der Mehrung von Macht.
Nietzsche, Der Wille zur Macht

Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muss nur versuchen, es noch einmal zu denken.
Goethe, Maximen und Reflexionen 441

Alles getan (o. vertan) vor meinem end macht ein richtig Testament.

Alles getan mit bedacht, hat niemand in Unglück (ge)bracht.
la] Praecedat consideratio, et subsequatur operatio.

Alles Gewesene und Geschehene ist interessant, sofern nur zuverlässige Chroniken darüber erhalten sind.
Gogol, Über das Mittelalter

Alles Gewordene vergeht, und das Wachsende altert.
Sallust, Jogurtha

Alles gibt Brühe.
it] Tutto fa brodo.

Alles gibt es: auch das gibt es, dass es nichts gibt.

Alles Gottesdienst stehet im gehorsam.
dk] Ret Guds tieneste læres ved troen, ei ved fornuften.

Alles Göttliche auf Erden
Ist ein Lichtgedanke nur.
Schiller, Die Gunst des Augenblicks

Alles Göttliche hat eine Geschichte.
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais

Alles Göttliche und alles Schöne ist schnell und leicht. Oder sammelt die Freude sich etwa so wie Geld und andere Materien durch ein konsequentes Betragen?
Friedrich Schlegel, Lucinde

Alles Große bildet, sobald wir es gewahr werden.
Goethe, Eckermann, 16. 12. 1828

Alles große Denken ist aus dem Widerstreit zweier Einsichten entsprungen: der Unheilbarkeit des Risses im Sein und der Notwendigkeit seiner Schließung.
Hans Urs von Balthasar

Alles Große ist ja leicht der Entartung ausgesetzt, und das Sprichwort hat recht: das Schöne ist schwer.
Platon, Staat

Alles Große ist mir nichtig,
Dem der Kern des Ewgen fehlt;
Alles Kleinste ist mir wichtig,
Das der Schönheit sich vermählt.
Bodenstedt, Aus dem Nachlaß des Mirza Schaffy

Alles Große kommt uns wieder,
Alles Schöne kehrt zurück.
Körner, Bundeslied vor der Schlacht

Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität.
Goethe, Eckermann, 12. 2. 1829

Alles Große, das Menschen je geleistet, geht aus der Einsamkeit, aus der Vertiefung geistigen Schauens hervor.
Peter Rosegger, Höhenfeuer

Alles Große, zumal Neue, ist gefährlich: meistens tritt es auf, als ob es einzig berechtigt wäre.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Alles Gut ist eines anderen.

Alles Gute auf Erden findet stets üble Nachäffer...
Bulgakow, Das Leben des Herrn Molière

Alles Gute besitzt den Charakter der Gattung; es bringt ewig wieder Gutes hervor. Darum ist auch der Rechtschaffene unsterblich.
J. W. Ritter, Fragmente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers

Alles Gute hat ein Ende, außer Gottes Güte.
Schottland

Alles Gute ist entweder äußerer oder seelischer Art, und davon verdient das seelisch Gute den Vorzug.
Aristoteles, Eudemische Ethik

Alles Gute kommt von Gott.
dk] Alt godt er guds gave, det ondt er straf for synden.
fr] Dieu est le principe de toutes choses.

Alles Gute kommt von oben, sagte der Junge, als ihm eine faule Birne ins Maul fiel.

Alles Gute kommt von oben.
i] Ironisch, besonders bei Vogeldreck.

Alles Gute nimmt wie der Himmel nur wenige Farben an, es gehört mehr Kenntnis dazu, einen Friedensfürsten als einen Kriegsfürsten zu malen.
Jean Paul, Dämmerungen für Deutschland

Alles Gute siehst du bei deinem Nachbarn.

Alles Gute und alles Übel beruht auf Empfindung, der Tod aber ist der Verlust der Empfindung. Daher macht die rechte Einsicht, dass der Tod uns nichts angeht, das sterbliche Leben Genussvoll.
Epikur, Brief an Menoikeus

Alles Gute und Böse des Menschen im reifen Alter ist eng verknüpft mit der Kindheit, in der es seinen Ursprung hat. Alle unsere Irrtümer übertragen wir auf unsere Kinder, in denen sie untilgbare Spuren hinterlassen.
Maria Montessori, Kinder sind anders

Alles Gute und Schöne, was die Welt trotz aller Menschenverknechtung geschaffen hat: dessen Erben sind wir.
Johannes R. Becher, Der erste Mai

Alles Gute wächst nebenbei.
Döblin, Geist und Geld

Alles gute Werk und alles Böse, was in einer früheren Verkörperung begangen worden ist, das wird einem jeden zuteil, sei er ein Weiser oder ein Tor oder ein Held, so wie es begangen worden ist.
In dieser Weise fürwahr ist alles, das Angenehme und Unangenehme, bei den Seelen im Umlauf mit Leid und Lust.
Mahâbhârata

Alles Gute, das besteht, ist eine Frucht der Originalität.
John Stuart Mill, Die Freiheit

Alles Gute, das nicht auf moralisch-gute Gesinnung gepfropft ist, ist nichts als lauter Schein und schimmerndes Elend.
Kant, Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht

Alles Gute, was geschieht, wirkt nicht einzeln. Seiner Natur nach setzt es sogleich das Nächste in Bewegung.
Goethe, Ansprachen - Über die verschiedenen Zweige der hiesigen Tätigkeit

Alles hab ich vermocht durch ein gefälliges Lied.
Properz, Elegien, I

Alles hab' ich, sagt Peter Pharr, nur dies eine nicht.
Stettin
i] Peter Pharr war ein Krämer in Stettin, der zuletzt von allen Lebendigen noch Zopf und Kniehosen trug. Sein Geschäft kam wie sein Kostüm aus der Mode, wenn aber die Ladentür klingelte, stürzte er mit freundlichstem Diensteifer dem Kunden entgegen, welcher leider in den meisten Fällen ein mutwilliger Junge war, der einen Artikel verlangte, den er selbst mit höchster Wahrscheinlichkeit in dem Geschäft nicht vermutete, nur, um obige sprichwörtlich gewordene Redensart zu hören.

Alles Handeln ist der Idee gegenüber auch ein Handeln im kaufmännischen Sinn.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Alles hängt notwendigerweise zusammen wie die Glieder einer Kette, und alles ist zum Besten bestellt.
Voltaire, Candide oder Der Glaube an die beste der Welten

Alles hängt vom Geschmack ab und von der Fähigkeit, die Dinge anzuordnen.
Gogol, Über die Architektur unserer Zeit

Alles hängt vom Glück ab.

Alles hängt von der Intensität ab, die man auf eine Sache verwendet.
Flaubert, an George Sand, 1866

Alles hat der, welcher sich aus dem nichts macht, woran ihm nichts liegt.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

Alles hat ein Ende, selbst die Wurst, wenn sie aufgegessen ist.
[ASpW]

Alles hat ein Ende.
en] All (good) things must come to an end.
en] Everything has an end.
en] It's a long lane that has no turning.
fr] Tout n'a qu'un temps.
ho] Aan alles komt een einde.
ho] Alle begonnen werk neemt een eind.

Alles hat einen Anfang.
en] Everything must have a beginning.

Alles hat einmal anderen gehört und wird zu anderen zurückkehren.
Frankreich

Alles hat heutzutage seinen Gipfel erreicht, aber die Kunst, sich geltend zu machen, den höchsten.
Baltasar Graciàn y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Alles hat man im Leben gesehen, sonst ist man nicht reif.
Estland

Alles hat sein Aber.
it] C'è sempre un ma.

Alles hat sein Für und Wider.

Alles hat sein Maß.
la] Est modus matulae.

Alles hat sein Warum.

Alles hat seine Grenze, sagte der Bauer, ausgenommen des Nachbars Pflug, der geht bis in meine Brache (o. Wiese).

Alles hat seine Grenzen.

Alles hat seine guten Seiten.
en] It's an ill wind that blows nobody (any) good.
fr] A quelque chose malheur est bon.

Alles hat seine Taxe.
i] Der eine ist zu diesem, der andere zu etwas anderm gut.
fr] En ce monde de chaque chose vaut son prix.

Alles hat seine Tiefen. Wer Augen hat, der sieht alles in allem.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Alles hat seine Ursache.

Alles hat seine Wissenschaft, ausgenommen das Flöhefangen, das ist eine Geschicklichkeit.

Alles hat seine Wissenschaft.

Alles hat seine Zeit und Stelle in der Welt. Suche nicht mehr zu sein, sei aber auch nie weniger als zu deiner Zeit in deiner Stellung, o Vaterland, soweit es möglich ist!
J. v. Müller

Alles hat seine Zeit! Ein Spruch, dessen Bedeutung man bei längerem Leben immer mehr anerkennen lernt; diesem nach gibt es eine Zeit zu schweigen, eine andere zu sprechen...
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Einleitung

Alles hat seine Zeit, nur die alten Weiber nicht.

Alles hat seine Zeit, sagt der weise Salomon; zu seiner Zeit essen, zu seiner Zeit trinken, zu seiner Zeit an die Pumpe tasten.
z] All 't to sîner Tüd, söä Salomon, to sîner Tüd öäten, to sîner Tüd drinken, to sîner Tüd an 'n Trillhoahn foaten.

Alles hat seine Zeit.
Prediger Salomo 3, 11
i] Es kommt zu seiner und dauert seine Zeit.
dk] Aldting haver sin tiid og maade.
en] All in good time.
en] Everything has its day.
en] There is a time for everything (o. all things).
en] Timely blossom, timely ripe.
fr] Chaque chose a son temps.
fr] Il y a temps pour tout.
fr] Tout se fait avec le tems.
fr] Toute chose a sa saison.
ho] Alles moet zijn' tijd hebben.
it] Ogni cosa ha la sua stagione.
it] Ogni cosa ha il suo tempo.
it] V' è tempo per ogni cosa.
la] Omnia fert aetas. Virgil
la] Omnium verum vicissitudo est.
sd] Allt har sin tid.
sp] Qual el tiempo, tal el tiento.
un] Mindennek rendelt ideje vagyon.

Alles hat seine Zeit; der Hahn kann nicht eher den Hahn spielen, bis er aus der Schale ist.

Alles hat seinen Anfang.

Alles hat seinen Brauch und Missbrauch.

Alles hat seinen Grund, sagte Kropfliese, und machte sich einen spanischen Kragen um.

Alles hat seinen Meister.

Alles hat seinen Preis, sagte die Frau, die faule Äpfel verkaufte.
ho] Elk geldt zijn prijs, zei Salomo, als hij maar aan zijne plaats staat.

Alles hat seinen Preis.

Alles hat seinen Zweck, sagte der Bauer, da sah er in seine Mütze.
ho] Alles heft zijn inzigt, zei de boer, en hij kaak in zijne mats.

Alles hat zwei Seiten, Fanatiker sehen nur eine.

Alles heät seine Mote (Maß), men de Mälke in e Görte nit, un Fett in't Maus.
Sauerland

Alles Heil liegt mitten inne,
Und das Höchste bleibt das Maß.
Geibel, Sprüche

Alles Heilige ist ein Band, eine Fessel.
Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum

Alles Heilige ist früher als Unheilige, Schuld setzt Unschuld voraus, nicht umgekehrt.
Jean Paul, Levana

Alles Höchste, es kommt frei von den Göttern herab.
Friedrich Schiller, Das Glück

Alles Holz brennt in der Stille, außer den Dornen, die rufen 'auch wir sind Holz'.
Iran

Alles Ideelle, sobald es vom Realen gefordert wird, zehrt endlich dieses und sich selbst auf. So der Kredit (Papiergeld) das Silber und sich selbst.
Goethe, Maximen und Reflexionen 315

Alles im Leben ist folgerichtig, nur die Heirat, die ist Zufall.
Libanon

Alles im Menschen ist Organisation. Was in ihm gedeihen soll, muss in ihm säet werden.
W. v. Humboldt, Grenzen der Wirksamkeit des Staates

Alles im Munde, in den Händen nichts.
fr] Il a dit cela de bouche, mais le coeur n'y touche.
fr] Il ne dit ou promet que des lèvres.

Alles in allem - es war nicht viel.
Theodor Fontane, Summa Summarum

Alles in allem eine wirklich sehr achtbare Schöpfung, da doch der Mensch alles ganz ohne Beistand aus seinem Kopf heraus schuf.
Mark Twain, Die Vorsehung

Alles in allem übertreiben die Leute die Schwierigkeiten des Lebens.
Stevenson, Die Geschichte einer Lüge

alles in allem
la] omnia in omnibus
la] summa summarum
Tit. Marc. Plautus (um 254-184 v. Chr.) Der Grobian I, 4 (Diniarchus)

Alles in de Welt, man (nur) kên Stêrtperücke (Schwanzperücke).

Alles in der Welt endet durch Zufall und Ermüdung.
Heinrich Heine

Alles in der Welt hängt davon ab, von welchem Standpunkt aus man es ansieht.
Tammsaare, Satan mit gefälschtem Paß

Alles in der Welt hat nur eine Seele, den Menschen.
Japan

Alles in der Welt hat seine Grenzen.
Maxim Gorki, Die alte Isergil

Alles in der Welt ist eitel, der oi hat's Geld, der ander de Beutel.

Alles in der Welt ist eitel, wer kein Geld hat, scheiß' in den Beutel.

Alles in der Welt ist nur für den da, der Augen hat, es zu sehen.

Alles in der Welt ist relativ, ist Annäherungwert.
Anton Tschechov

Alles in der Welt ist Torheit, nur nicht die Heiterkeit.
Friedrich der Große

Alles in der Welt ist von der Politik abhängig, von den ökonomischen Verhältnissen und ihrem Überbau. Also auch die Literatur und selbst die exakten Wissenschaften.
Kisch, Über die Rolle des Schriftstellers in dieser Zeit

Alles in der Welt lässt sich ertragen,
Nur nicht eine Reihe von schönen Tagen.
Goethe, Sprichwörtlich

Alles in die Bromm bringen.
Wehlau
i] Drohen mit Brandstiftung. Bromm von brummen, auch Gefängnis, brummen müssen.

Alles in die Pfanne hauen.
i] Redensart aus dem Kriegsleben, womit gesagt wird, dass man niedergemetzelt und keinen Pardon gegeben habe. Sie wird aber auch uneigentlich von Klatschgesellschaften gebraucht, die ebenfalls gern Leute, die nicht anwesend sind, pfannenhauen. Man hat die Redeweise aus dem Rübenschneiden zu erklären versucht. Man stellte sich vor, wie man etwas schnitte, z.B. Rüben in eine über dem Feuer befindliche Pfanne. Wenn jemand das Schneiden recht in Übung hat, so scheint es, als haue er hinein.

Alles in die Schanze schlagen.
i] Aufs Spiel setzen. Französisch chance = der Einsatz zum Spiel, das Spiel selbst.
la] Omnium rerum periculum facere.

Alles in dieser Welt ist relativ, und es gibt keine noch so schlimme Lage für den Menschen, die nicht durch eine noch schlimmere abgelöst werden könnte.
Maxim Gorki (1868-1936), Verlorene Menschen

Alles in eine Kiste packen.

Alles in einem knopf haben (uno verbo).

Alles in einen Kessel werfen.
i] In dem Sinne wie: Alles in einen Topf werfen, über einen Kamm scheren.

Alles in einen Sack stecken (stopfen).
i] In dem Sinne, alle in eine Klasse bringen, in einen Topf werfen.
la] Omnia sub unam Myconum.

Alles in einen Stall treiben.
la] Uno fasce complecti.

Alles in einen Topf werfen
ndt] Alle aver enen Kamm scheren.
Pommern
ndt] Aelles über oau Kamm scheara.
Schwaben
z] So sollen all, die drinnen sind, vber ein Kam werden geschoren.
ho] Hij scheert ze allen over éénen kam.
en] to measure everything by (o. with) the same yardstick
en] to lump everything together
en] to apply the same standard to everything
en] to put everything topsy turvy.
fr] faire fagot de toute herbe
fr] mettre tout dans le même sac (o. pot o. panier o. sur le même pied)
fr] (man sollte nicht alles ... = il ne faut pas mélanger les torchons et (o. avec) les serviettes)
it] fare d'ogni erba fascio
it] mettere tutto in un mazzo (o. in un mucchio o. nello stesso calderone)
it] fare di ogni erba un fascio
sp] hacer de toda yerba un fardo

Alles in Kreuz und Bode neischlage (fluche).
Ulm

Alles in Liebe und Freundschaft, sagte der Bauer, als er seine Kühe in Nachbars Klee trieb.
ho] Alle ding met vriendschap, zei Govert, en hij nam de eijeren uit zijns buurmans hoendernest.

Alles in mein Reich; Gottfried, mak de Dör tau.
Sauerland

Alles in seinen Bauch stecken.
i] Alles verfressen.

Alles in seinen Sack stopfen.
z] Drumb musst er schatzen, schinden, schaben, mit scharren, scheumen, reumen, ropffen, dacht alles in seinen Sack zu stopffen.

Alles ist Arbeit für den Herrn, zieht man Kreisel auf oder wiegt man das Kind.
Estland

Alles ist aus dem Wasser entsprungen!
Alles wird durch das Wasser erhalten!
Goethe, Faust II A II, Felsbuchten (Thales) Vs 1435

Alles ist das Werk des Zufalls.
la] Omnia casu fiunt.

Alles ist des Gutsherrn Eigentum - Flüsse, Seen und Wälder.
Estland

Alles ist eine Frage des Glücks, außer der Heirat, die kann durch Heiratsvermittlung arrangiert werden.
Libanon

Alles ist einem ewigen Wechsel unterworfen, und da gewisse Dinge nicht nebeneinander bestehen können, verdrängen sie einander. So geht es mit Kenntnissen, mit Anleitungen zu gewissen Übungen, mit Vorstellungsarten und Maximen.
Goethe, Schriften zur Kunst - Propyläen, Einleitung

Alles ist einfacher, als man denken kann, zugleich verschränkter, als zu begreifen ist.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1209

Alles ist Eins, aber die Weisen haben viele Namen dafür.
Sanskrit, Indien

Alles ist eins, alles ist vielfältig. Wieviele Naturen in der des Menschen! Wieviele Neigungen!
Pascal, Pensées

Alles ist eitel, säd Salomon, as he dôrmit fârig (fertig) wier.

Alles ist eitel.
Prediger Salomo 1,2 und 8,8
la] O quantum est in rebus inane. Persius
la] Res humanae fragiles caducaeque sunt. Cicero
la] Vanitas vanitatum.

Alles ist Eitelkeit! - aber wer kommt ohne sie aus?
Jiddisch (Vgl. Prediger Salomos, 1,2)

Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt. 'Alles ist erlaubt' - aber nicht alles baut auf.
Neues Testament, Paulus (1 Korinther 10, 23)

Alles ist Essen, was das Herz nimmt.
Estland

Alles ist ewig im Innern verwandt.
Clemens Brentano, Sprich aus der Ferne heimliche Welt

Alles ist fair in der Liebe und im Krieg.
USA

Alles ist Falschheit und Betrug.

Alles ist für eine (gewisse) Zeit, aber eine Frau bis zum Tode und Gott für immer.
Slowakei

Alles ist Gemeinbesitz.
la] Omnia sunt communia.

Alles ist gleich, alles ungleich, alles nützlich und schädlich, sprechend und stumm, vernünftig und unvernünftig. Und was man von einzelnen Dingen bekennt, widerspricht sich öfters.
Goethe, Maximen und Reflexionen 623

Alles ist gut - will weiter nichts sagen, als dass alles durch unwandelbare Gesetze regiert wird.
Voltaire, Dictionnaire philosophique

Alles ist gut zu seiner Zeit.
it] Ogni cosa è buona nella sua stagione.

Alles ist gut, was den Magen füllt.

Alles ist gut, was es gibt.

Alles ist gut, was gemacht wird.

Alles ist gut, was Gott tut.

Alles ist gut, was man selten bekomt.

Alles ist gut, wenn es aus den Händen des Urhebers der Dinge kommt, alles entartet unter den Händen des Menschen.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Alles ist gut, wenn man nichts Besseres in der Hand hat.

Alles ist gut, wie es aus den Händen der Natur kommt!
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,14

Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers hervorgegangen; alles entartet unter den Händen des Menschen.
J. J. Rousseau

Alles ist gut. Nur nicht immer, nur nicht überall, nur nicht für alles.
Novalis

Alles ist in allem.
Lichtenberg

Alles ist in der Natur aufs innigste verknüpft und verbunden, und selbst, was in der Natur getrennt ist, mag der Mensch gern zusammenbringen und zusammenhalten.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 4.Abt. - Zwischenbetrachtung

Alles ist in der Natur verbunden: ein Zustand strebt zum andern und bereitet ihn vor. Wenn also der Mensch die Kette der Erdorganisation als ihr höchstes und letztes Glied schloß, so fängt er auch eben dadurch die Kette einer höheren Gattung von Geschöpfen als ihr niedrigstes Glied an; und so ist er wahrscheinlich der Mittelring zwischen zwei ineinandergreifenden Systemen der Schöpfung.
Herder, Ideen zur Geschichte der Menschheit

Alles ist in der Welt.
bm] Ve svĕtĕ vse jest.

Alles ist in dieser Zeit Poesie und Impuls.
Gogol, Über das Mittelalter

Alles ist in Gottes Hand.

Alles ist in schönster Ordnung.
en] Everything in the garden is lovely.

Alles ist in uns selbst vorhanden.
Meng-zi, Buch Meng-zi

Alles ist klein in seinen Anfängen.
Walisisch

Alles ist Kunst, was als Kunst begriffen wird.

Alles ist leer (o. nichtig), was der Bettler singt.
Estland

Alles ist Materie, was mittels der Organe zu uns kommt.
Novalis, Fragmente

Alles ist Metamorphose im Leben, bei den Pflanzen und bei den Tieren, bis zum Menschen und bei diesem auch.
Goethe, S. Boisserée, 3.8.1815

Alles ist möglich in dieser Welt, die so voll ist von Überraschungen und Unmöglichkeiten.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Alles ist möglich, aber es regnet kein Geld.

Alles ist Mutter, aber Brot ist Nahrung.
Herzegowina

Alles ist nicht Gold, was glänzt.
Estland

Alles ist nicht Honig, was süß ist.
Estland

Alles ist nicht Silber, was glänzt.

Alles ist no a Zeitlang schön.
Ulm

Alles ist nur ein Traum.

Alles ist nur Metapher. Aber warum leiden Metaphern?
Franz Werfel, Zwischen Oben und Unten

Alles ist Rauch und Wind in der Welt, ausgenommen Gold und Geld.
it] Tutto è fumo e vento, fuorchè l' oro e l' argento.

Alles ist richtig, auch das Gegenteil. Nur 'zwar - aber', das ist nie richtig.
Kurt Tucholsky

Alles ist schon dagewesen.
fr] Il n'est chance qui ne retourne.

Alles ist sinnlos, was der Welt nicht neues Blut, neues Leben, neue Wirklichkeit zuführt. Einzig um die neue Wirklichkeit geht es.
Werfel, Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig

Alles ist so, wie es aufgenommen wird.
England

Alles ist sodann gefunden:
Ich bin dein, und du bist mein,
Und so stehen wir verbunden,
Dürft es doch nicht anders sein!
Goethe, Faust II A III, Schattiger Hain
Faust Vs 9703f.

Alles ist Tand nur.
en] All is but toys.
Shakespeare, Macbeth (Macbeth)

Alles ist teuer, was die Armen kaufen und die Reichen verkaufen.
sp] Todo vale caro, que compran los pobres y venden los ricos. (Fr. Delicado, La Lozana Andaluza, 1528)

Alles ist Übertreibung, nur die Sehnsucht ist wahr, die kann man nicht übertreiben. Aber selbst die Wahrheit der Sehnsucht ist nicht so sehr ihre Wahrheit als vielmehr der Ausdruck der Lüge alles übrigen sonst.
Franz Kafka

Alles ist verloren, nur die Ehre nicht.
Franz I. nach der Schlacht bei Pavia (1525) in dem Briefe an seine Mutter

Alles ist Zauber, Schein, Verblendung. Auch das Unangenehme.

Alles ist, aber das Sein wird.

Alles ist, nachdem man's schätzt.
Joh. Fischart, Dichtungen

Alles ist, wie man einen in den Topf hineinlegt.

Alles ist
Nicht schlimm am Alter. Die Erfahrung krönt's
Mit mancher Weisheit, die der Jugend mangelt.
Schiller, Szenen aus den Phönizierinnen des Euripides, Jokaste

Alles junge Gras ist weich.
Estland

Alles käme darauf an, ob Briefe anregend, produktiv, belebend seien.
Goethe, F. v. Müller, 18.2.1830

Alles kamme unsem leiwen Heren alleine anvertruggen, awwer kein jung Méaken un kein draug Hög.
Westfalen
hdt] Alles kann man unserm lieben Herrn allein anvertrauen, aber kein jung Mädchen und kein trocknes Heu.

Alles kann der Edle leisten,
Der versteht und rasch ergreift.
Goethe, Faust II A I, Anmutige Gegend (Chor) Vs 4664

Alles kann dir jederzeit gut vonstatten gehen, wenn du nur den rechten Weg betreten und diesem gemäß urteilen und handeln willst.
Marc Aurel, Selbstbetrachtungen

Alles kann geheilt werden, außer der Dummheit.
Arabien

Alles kann gestohlen werden, bloß nicht heißes Eisen und Mühlensteine.
Estland

Alles kann keiner.

Alles kann man beim Krämer kaufen, nur Liebe wider Willen nicht.

Alles kann man durch Höflichkeit bekommen.
China

Alles kann man kaufen, außer einer Mutter und einem Vater.
Tamil, Indien

Alles kann man mit der Einsamkeit erwerben, nur nicht Charakter.
Stendhal

Alles kann man sauber machen, nur nicht einen schmutzigen Mund.

Alles kann man sich in der Einsamkeit aneignen, außer Charakter.
Stendhal, Über die Liebe

Alles kann me usen léiwen Hergott anvertruggen, man kéine Déirens (Mädchen) un kéin dréug (trocken) Heu.
Sauerland

Alles kann mit Geduld geheilt werden, nur für Ungeduld gibt es kein Heilmittel.
Libanon

Alles kannst du kaufen, nur Vater und Mutter kannst du nicht kaufen.

Alles kaputt schwatzen.
ndt] Alles kopot kallen.
Meurs
i] Das Wort kallen ist leider der hochdeutschen Schriftsprache abhanden gekommen und hält sich nur noch in den Mundarten.

Alles kehrt sich um, so wird aus gutem Böses, aus Engel Teufel und aus Jungfern Huren.

Alles Kleine ist hübsch.
en] Little things are pretty.

Alles Kleine ist Schönheit, selbst die jungen Hunde.
Jemen

Alles Klopfen und Blasen ist von ihm.
Jüdisch-deutsch
i] Er maßt sich alle Ehrenämter an.

Alles ko ma machen - nur koa viereckete Kugel nit und koa eiserns Pfannaholz.

Alles kommt an den Mann, sagte die Nonne, bloß ich nicht.

Alles kommt auf den Versuch an.

Alles kommt auf die Dosis an. Auch Champagner kann Gift werden.
Goethe, J. D. Falk, Dezember 1797

Alles kommt bei der Mission darauf an, dass der rohe sinnliche Mensch gewahr wird, dass es eine Sitte gebe, dass der leidenschaftliche ungebändigte merkt, dass er Fehler begangen hat, die er sich selbst nicht verzeihen kann. Die erste führt zur Annahme zarter Maximen, das letzte auf Glauben einer Versöhnung. Alles Mittlere von zufällig scheinenden Übeln wird einer weisen unerforschlichen Führung anheim gegeben.
Goethe, Maximen und Reflexionen 826

Alles kommt beim Denken darauf an, dass einem die rechte Vorstellung im rechten einfällt; nur hiedurch unterscheidet sich das Denkergenie vom Dummen, Toren, Narren, Blödsinnigen und Verrückten.
Hartmann, Philosophie des Unbewußten

Alles kommt einem vor Augen, ehe man siebzig ist.
Jiddisch

Alles kommt in der Wissenschaft auf das an, was man ein Aperçu nennt, auf ein Gewahrwerden dessen, was eigentlich den Erscheinungen zum Grunde liegt. Und ein solches Gewahrwerden ist bis ins Unendliche fruchtbar.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 5. Abt. - Galilei

Alles kommt nach Haus zurück.
Serbien

Alles kommt schließlich zu dem, der warten kann.
USA

Alles kommt und alles geht.

Alles kommt von Gott - außer Frauen.
Italien

Alles kommt von Gott, nur nicht Gottesfurcht.
Talmudisch
fr] Tout vient de Dieu.
la] Deus omnia non dat omnibus.

Alles kommt zu denen, die warten können.
Kanada

Alles kommt zu seiner Zeit, nur nicht der Skandal, dessen Zeit ist immer.
England

Alles Komplizierte ist kurzlebig.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Alles komt heraus wie Baumöl auf Wasser.
Jüdisch-deutsch, Brody

Alles Können und Vermögen der Menschen verlangt nach Betätigung; ein kriegerisch starkes Volk wird mit der Zeit, allen Opfern zum Trotz, ein kriegerisches Volk werden, denn die Opfer, die im Frieden gebracht werden, sind saurer als die andern, weil sie des glänzenden Lohnes entbehren.
Spitteler, Politische Tagesberichte: Militärische Curiosa

Alles könnte geschehen. Aber nur manches geschieht.

Alles kostet Geld, was nur irgend auf Bast steht.
Estland

Alles kräht
Humanität!
Phrasengeklingel.
Für boshafte Schlingel,
Für Helden vom Messer
Sind Prügel besser.
H. Vierordt, Deutsche Hobelspäne

Alles kümmt mir zü, nor kein Batel Geld.
i] Die Sprache eines Menschen, dem vorherrschend Unangenehmes begegnet.
Warschau

Alles kündet dich an!
Erscheinet die herrliche Sonne,
Folgst du, so hoff ich es, bald.
Goethe, Gegenwart

Alles kurz und klein kallen.
Meurs

Alles lässt sich sagen.
i] Aber nicht ausführen.

Alles lässt sich überwinden durch Standhaftigkeit, alles lässt sich vergessen, wenn man seine Aufmerksamkeit auf einen anderen Gegenstand heftet.
Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Alles lässt sich verbergen, nur nöt de Lungl im Häherl und Die Liebe im Hûs.
Rotttal
i] Die Lunge bläht sich im Sieden auf.

Alles Leben draußen ist nur wie Einschlafen in Kleidern. Daheim erst liegt man im Bett.
Berthold Auerbach

Alles Leben im Kosmos steht in engster Verbundenheit: nicht nur Pflanze und Erde, sondern auch Sonne und Erde, Tiere und Pflanzen, darüber hinaus das All, die Sterne (...).
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Alles Leben ist ansteckend, das körperliche und das geistige, das gute, das wir Gesundheit, und das schlechte, das wir Krankheit nennen, die Lebensfülle und der Lebensmangel. Wir werden stark unter Starken und schwach unter Schwachen.
José Ortega y Gasset

Alles Leben ist ein überschwänglicher Erneuerungsproceß...
Novalis, Poeticismen

Alles Leben ist Kampf, weil es Feuer ist.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Alles Leben ist Leiden.
Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung

Alles Leben ist Lüge. Das Rätsel des Daseins, der Welt wird niemals erraten werden. Irgendein Furchtbares steht über uns: Das Schicksal bei jedem Volk mit andern Namen genannt, das Schicksal, dem keiner entrinnen kann.
Detlev von Liliencron, Leben und Lüge

Alles Leben trägt (s)ein Ideal in sich: der innerste Trieb des geistigen Lebens ist die Bewegung nach der Idee, nach einer größeren Vortrefflichkeit. Dieser Trieb ist ihm angeboren, bei seinem Ursprung eingepflanzt.
Leopold v. Ranke

Alles Leben, auch nur einer Minute, hat ewige Gesetze hinter sich.
Jean Paul, Aphorismen

Alles Lebendige ist ein Gehorchendes.
Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Alles Lebendige ist umflossen vom Äther der Sinnlichkeit. Oder: Die Luft der lebendigen Welt ist ein leicht entzündliches und jeden Augenblick an hunderttausend Punkten aufflammendes Gas: Sinnlichkeit.
Christian Morgenstern, Aufstieg

Alles Lebendige strebt zur Farbe, zum Besondern, zur Spezifikation, zum Effekt, zur Undurchsichtigkeit bis ins unendlich Feine. Alles Abgelebte zieht sich nach dem Weißen, zur Abstraktion, zur Allgemeinheit, zur Verklärung, zur Durchsichtigkeit.
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt 586

Alles Leiden hat etwas Göttliches, denn insofern es Leiden ist, muss es noch ertragen werden können, obgleich schwer und mit Mühe. Für eine Natur, die darunter erliegt oder es gar nicht fühlt, ist es kein Leiden mehr.
Goethe, Riemer, 26.6.1810

Alles liegen und gehen lassen, wie es lieget und gehet.

Alles liegt an Zeit und Glück.
fr] Il n'y a qu'heur et malheur en ce monde.

Alles loben, alles tragen,
Allen heucheln, stets behagen,
Allem Winde Regel geben,
Anders sein und anders scheinen,
Anders reden, anders meinen,
Bös' und Guten dienstbar leben,
Alles Tun und alles Dichten,
Bloß auf eignen Nutzen richten;
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen.
Logau, Heutige Weltkunst

Alles Lyrische muss im ganzen sehr vernünftig, im einzelnen ein bisschen unvernünftig sein.
Goethe, Maximen und Reflexionen 130

Alles machet mein und dein,
Daß man nicht kann friedlich sein.
Logau, Mein und dein

Alles macht Forderungen an den, der etwas vermag, und darüber zersplittert er sein Vermögen...
Goethe, An Zelter, 11.5.1820

Alles mag erkauft werden außer Zeit, Vater und Mutter.
Schweiz

Alles Massenhafte macht einen eignen Eindruck, zugleich als erhaben und faßlich...
Goethe, Italienische Reise III, April 1788. Bericht

Alles Mehl hat Kleien.
it] Ogni farina ha crusca.

Alles Meinige trage ich mit mir.
la] Omnia mea mecum porto.
Bias (Motto M. Claudius, des Wandsbecker Boten)

Alles Memorieren helfe nichts, wenn der Schauspieler nicht vorher in den Geist und Sinn des guten Schriftstellers eingedrungen sei, der Buchstabe könne nichts wirken.
Goethe, Lehrjahre V,7

Alles Menschenblut hat dieselbe Farbe. USA

Alles Menschenwerk, wie alle Vegetation, erscheint klein gegen die ungeheuren Felsmassen und Höhen.
Goethe, Tagebuch, 6.10.1797

Alles Menschliche will Dauer, Gott will Verwandlung.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Alles missgeschick beginnt in Gottes Namen.
Schweden

Alles mit Anstand, sagte der Teufel und nahm den Pfaffen im Ornat.

Alles mit Bedacht, sagte der Junge und kämmte seine Mutter mit der Harke.

Alles mit Bedacht, sonst wird man ausgelacht.

Alles mit Bedacht. Wahlspruch des deutschen Kaisers Maximilian I.

<<< operone >>>


DEUTSCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79


ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


FRANZÖSISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49


ITALIENISCH
1 2 3 4


LATEINISCH
1 2 3 4


PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20


SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10