Weisheiten 75


Das Wohlbefinden der Bevölkerung hängt in erster Linie von der Bebauung und Ausnutzung des Grund und Bodens ab.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Das Wohlergehen des Menschen beruht im Bewahren seiner Zunge.

Das Wohlfeilste ist das Teuerste.

Das Wohlleben hat Hörner, die, wenn 's Glück regiert, zu lang wachsen.
Tschechien

Das Wohlleben ist an das Übermaß des Besitzes geknüpft, und darum flüchtet man zu der Kunst (Erwerbskunst), die dieses Übermaß gewährt und so das Genussleben erlaubt. Kann man aber den Überfluss nicht durch die Erwerbskunst erzielen, so versucht man es auf anderen Wegen und macht in diesem Bestreben von allen menschlichen Vermögen und Vorzügen einen widernatürlichen Gebrauch.
Aristoteles, Politik

Das Wohlwollen soll nie zur Herablassung werden.
en] Benevolence should never turn into condescension.

Das Wölfchen wird zum Wolf am Ende, verzögern es auch Menschenhände.

Das Wölflein schlägt man, und den Wolf meint man.
bm] Proto vlčka bijí, aby se starý vtípil.

Das wolle der Himmel verhüten.
la] Procul ab auribus nuntius veniat.

Das wolle Gott nicht, denn ich habe meinen Schirm zu Hause gelassen, rief der Pfarrer, der eben um Regen gebetet hatte, als ihm der Küster sagte, es fange an zu regnen, als wenn es mit Mollen vom Himmel komme.

Das wolle Gott nimmermehr.
la] Dii meliora (ferant).
z] Wenn wir ein boss geschrey horen odder ein vnglucke, das yemand geschehen ist aus denen, die wir lieb haben. Agricola

Das Wollen (d, i. der Wunsch) ist richtig, das Bekommen (d. i. das Ergebnis) arm.
Estland

Das wollen alle Herren sein,
Und keiner ist der Herr von sich.
Goethe, Zahme Xenien

Das Wollen hingegen ist frei, scheint frei und begünstigt den Einzelnen. Daher ist das Wollen schmeichlerisch und musste sich der Menschen bemächtigen, sobald sie es kennenlernten. Es ist der Gott der neuen Zeit; ihm hingegeben, fürchten wir uns vor dem Entgegengesetzten, und hier liegt der Grund, warum unsre Kunst sowie unsre Sinnesart von der antiken ewig getrennt bleibt.
Goethe, Schriften zur Literatur - Shakespeare und kein Ende

Das Wollen ist uns gegeben aufgrund unserer freien Willensentscheidung, nicht aber das Können dessen, was wir wollen.
Bernhard von Clairvaux, Gnade und Willensfreiheit

Das Wollen kommt von Menschen und nicht vom Geld.
Welskopf-Henrich, Der Bergführer

Das wollen wir den gelehrten befehlen (o. überlassen).
i] Wir wollen uns mit der Untersuchung der Sache nicht erfolglos den Kopf zerbrechen, da sie über unser Verständnis geht
ho] Dat mogen de geleerden beslissen.
la] Bellum Cononi curae sit.
la] Quae supra nos, nihil ad nos.

Das wollen wir Gott befehlen.
ho] Wij willen het Gode bevelen.

Das wollen wir schon kriegen, sagte Schneider Meinert, er meinte aber das Korinthenbrot.
ndt] Dat wöl wi wull krîgen, sä Snîder Meinert, he mên aber de Krintstûte. Süderdithmarschen

Das wollen wir tun, wenn der Fuchs wird meiden das Huhn und wenn ein Hund den Hasen fleucht, der Einfältige den beschissnen Juden betreugt, und wenn der Frosch 'nen Storch verschlückt, der Bettler nimmer seine Kleider flickt, und wenn die Gans einen Wolf wird jagen, und wenn die Frauen kein Kind mehr tragen.
i] Nimmerleinstag.

Das Wollene dehnt sich, das Rohe zerfällt.
Estland

Das wollte der rothaarige Donner!
i] Nordfriesischer Fluch

Das wollte sein guter Stern.

Das Wort Arbeit lässt eine weite Bedeutung zu. Wenn wir das Wohl unserer Mitmenschen zu fördern suchen, wenn wir den Anforderungen des Lebens zu genügen bemüht sind, so arbeiten wir. Jeder muss seiner Stellung entsprechend mit seinem Pfunde wuchern.
Jean-Jacques Rousseau

Das Wort aus dem Munde, ist klein wie ein Hermelin, nachher wird es groß wie ein Ochse.
Finnland

Das Wort aus einem Munde dringt in tausend Ohren.

Das Wort blieb mir in der Kehle stecken
en] the word stuck in my throat
fr] le mot m'expira dans la gorge
it] sono rimasto senza parola

Das Wort 'brav' ist ein Wort, das ein Kind immer versteht, auch wenn man es ihm nicht erklärt.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Das Wort bricht der Männer Sinn.
Estland

Das Wort 'Demokratie' ist, in der Öffentlichkeit der Massen unantastbar, als Wort zu einem Götzen unseres Zeitalters geworden.
Jaspers

Das Wort der Ahnen ist das Wesen der Wörter.

Das Wort der Ahnen ist eine wertvolle Erbschaft für die Kinder.

Das Wort des Klugen bricht die Kraft des Mächtigen.
Estland

Das Wort des Zaren ist ein Sprichwort.
Russland

Das wort ehre und ansehen hat, darauf auch erfolget die tat.
la] Verbum laudatur, si factum tale sequatur.

Das Wort einer sündhaften (also offenbar schönen) Frau übertönt das ihres Mannes an der Türe des Gerichtshofs.
Babylon

Das Wort eines ehrlichen Mannes ist so gut wie seine Handschrift.
it] La parola d'un galant'uomo vale uno scritto (denaro contante, cento ipoteche).

Das Wort eines Weisen gilt soviel, als wär's mit Pinsel und Tusche geschrieben.

Das Wort eines weisen Mannes gilt auch ohne Eid als Pfand.

Das Wort 'Entwicklung' ist so verhängnisvoll, weil das, was es ausdrückt, bestaunt, statt gesteuert zu werden pflegt.
Graff

Das Wort Erziehung ist ein Zierwort, ein schöner Deckmantel für vielerlei Mangelhaftes, Gleichgültiges oder geradezu Häßliches.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Wort fliegt als Spatz aus und kehrt als Rabe nach Haus.
Litauen

Das Wort Freiheit klingt so schön, dass man es nicht entbehren könnte, und wenn es einen Irrtum bezeichnete.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III, 11

Das Wort Freiheit klingt so schön, daß man es nicht entbehren könnte, und wenn es einen Irrtum bezeichnete.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III, 11

Das Wort 'Friede' ist etwas Süßes, der Friede selbst eine heilsame Sache, aber zwischen Frieden und Knechtschaft ist ein gewaltiger Unterschied!
Cicero (3, 91), 2. Philippica gegen M. Antonius

Das Wort frönt wie ein Sklav'
Jeglicher Gruft, auf jedem Epitaph
Lügt es Trophäen; oft schweigt's, und dem Gedächtnis
Ehrwürd'ger Namen läßt es als Vermächtnis
Vergessenheit und Staub.
Shakespeare, Ende gut, alles gut

Das Wort 'Geduld' ist ein Schatz im Haus.

Das Wort geht aus einem Munde, aber in tausend Ohren.

Das Wort geht in den Wald, der Hieb trifft.
Estland

Das Wort geht von Mund zu Mund wie das Vögelchen von Ast zu Ast.
Spanien

Das Wort geht weiter als der Mann.
ho] Het woord gaet vorder dan de man.

Das Wort Gnade
In einem sünd'gen Mund ist nur Entweihung.
Shakespeare, Heinrich II. (York)

Das Wort Gottes ist frei, es will nicht Fesseln dulden durch Vorschriften der Menschen.
Martin Luther, Tischreden

Das Wort Gottes ist nicht schwer, wenn nur der Eigennutz nicht wär'.

Das Wort Gottes wär' nicht zu schwer,
Wenn nur der Eigennutz nicht wär'.
Markgraf Georg von Brandenburg

Das Wort Gottesdienst sollte verlegt und nicht vom Kirchengehen, sondern bloß von guten Handlungen gebraucht werden.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Das Wort 'gut' hat einen hässlichen Beigeschmack.
Brecht, Flüchtlingsgespräche

Das Wort haben.
i] Die Erlaubnis, das Recht, die Pflicht zu sprechen.

Das Wort hat einen guten Sinn: was weg ist, das lass fahren hin.

Das Wort hat Füße unten.
Estland

Das Wort hat hinten einen Schwanz.
Estland

Das Wort hat keinen Knoten, die Rede keine Fortsetzung.
Estland

Das Wort heraus, schlägt's übers Haus.

Das Wort Hering bezeichnet jeden Hering.
[RSpW]
i] In Bezug auf das Verhältnis von Preis und Ware. Wird z.B. um einen bestimmten Preis eine Lieferung von Heringen, die vielleicht noch im Meere schwimmen, ohne weitern Zusatz bedungen, so ist eine Rechtsbestimmung darüber notwendig, was für Heringe geliefert werden sollen, weil nach dem Wortlaute allein es jeder beliebige sein könnte, wodurch die Erfüllungsweise ganz in das Belieben des Verpflichteten gestellt würde.
ndt] Dat wordt herinck betekenet allen herinck.

Das Wort Herrschaft ist ihnen ein so angenehmes Wort, und es klingt so vornehm, sich selbst beherrschen zu wollen. Sie reden gar zu gerne davon und möchten uns glauben machen, es sei wirklich auch in der Ausübung ernst damit; und wenn ich doch nur einen einzigen in meinem Leben gesehen hätte, der auch nur in der geringsten Sache sich zu beherrschen imstande gewesen wäre!
Goethe, Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten /Baronesse

Das Wort 'Honig' macht noch nicht süß.

Das Wort hüpft von Mund zu Mund wie der Vogel von Ast zu Ast.
sp] Va la palabra de boca en boca, como la pajarilla de hoja en hoja.

Das Wort im Munde verdrehen.

Das Wort ist älter als der Krieg.
Estland

Das Wort ist der Astralleib des Dinges.
Leonhard, Aeonen des Fegefeuers

Das Wort ist die Entschuldigung des Gedankens.
Jules Renard, Ideen, in Tinte getaucht

Das Wort ist draußen und der Esel drinnen.
ndt] Dat Wôrd is herût, un de Esel binnen.
i] Von und zu unbesonnenen Schwätzern.

Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben
Blicken ein Paar schöne Augen hervor.
Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor,
Er verdeckt mir zwar das Gesicht,
Aber das Mädchen verbirgt er nicht,
Weil das Schönste was sie besitzt,
Das Auge, mir ins Auge blitzt.
Goethe, Divan - Buch Hafis - Wink

Das Wort ist frei, die Tat ist stumm, der Gehorsam blind.
Schiller, Wallensteins Lager, 6. Auftritt (Wachtmeister)

Das Wort ist heraus und der Esel drinnen.
ndt] Dat Wôrt is herût, un de Esel is drinnen.
i] Der Holsteiner von unbesonnenem und einfältigem Schwatzen.

Das Wort ist heraus, aber der Esel steht noch.
ho] Het woord is eruit, maar de ezel staat er nog.

Das Wort ist hundertköpfig.
it] La parola ha cento capi.

Das Wort ist kein Pfeil, es ist aber schlimmer als ein Pfeil.
Russland

Das Wort ist mächtiger als der es spricht.
Hofmannsthal

Das Wort ist Medium der Erinnerung.
Ebner

Das Wort ist nur der Körper von unsern innern Empfindungen.
Philipp Otto Runge, An Pauline Bassenge (April 1803)

Das Wort ist nur ein Zeichen für den Gedanken.
Nietzsche

Das Wort ist schmerzhafter als die Rute.
Estland

Das Wort ist stärker als die Wurfschleuder, und die Mäßigung besiegt den Erdkreis.
Stifter

Das Wort ist Tat, und in des Busens Tiefen
Drängt keine Gottheit den Entschluss zurück.
M. Beer, Bräute von Aragonien

Das Wort ist tot, der Glaube macht lebendig.
Schiller, Maria Stuart, V, 7 (Melvil)

Das Wort ist weltweit. Dreifach ist seine Strahlung: es klingt, es denkt, es schildert. Es ist wollender Rhythmus und fühlende Melodie. Es ist Begriff und Erkenntnis.
D. Diebold, Anarchie im Drama

Das Wort ist wie der Wind, man holt es weder mit dem Hengste, noch mit Windhunden ein.

Das Wort ist wie ein Sperling, Fliegt es aus dem Mund, erreichst du es nicht mehr.
Estland

Das Wort ist wie ein Sperling, sagt eines unserer Sprichwörter: Läßt du ihn los, fängst du ihn nie mehr.
Gogol, Die Beichte des Autors

Das Wort ist wie nasses Leder, es lässt sich dehnen, wohin man zieht.
tü] Söz dediğin yaş deridir, nereye çekersen oraya gider.

Das Wort keimt durch das Wort, ein Moor brennt von einem Funken.

Das Wort Kraft bezeichnet zunächst etwas nur Physisches, sogar Mechanisches, und das, was sich aus jener Materie organisieren soll, bleibt uns ein dunkler unbegreiflicher Punkt. [...] Dieses Ungeheure personifiziert, tritt uns als ein Gott entgegen, als Schöpfer und Erhalter, welchen anzubeten, zu verehren und zu preisen wir auf alle Weise aufgefordert sind.
Goethe, Aufsätze zur allgemeinen Pflanzenkunde - Bildungstrieb

Das Wort macht den Handel.

Das Wort mag nicht hinwider in.
la] Nescit vox missa reverti. Horaz

Das Wort 'Mischehe' ist eines der hässlichsten der deutschen Sprache. Es klingt, als sei dies ein Gemisch einer Ware, die in einer Gemischtwarenhandlung zu haben ist.
Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte.

Das Wort muss einen Knoten und die Rede eine Fortsetzung haben.
Estland

Das Wort muss gut sein, das ein gutes Schweigen verbessern kann.
Niederlande

Das Wort muss stehen.
i] Das gegebene Wort wird vom Gericht als verpflichtend anerkannt.
fries] Dat word moet staen.

Das Wort Revolution hat zweierlei Bedeutung. Einmal versteht man darunter den einfachen Sturz einer Regierung, der das Ergebnis einer kurzen Straßenschlacht sein kann. Das ist der engere Sinn des Wortes. Der weitere umfaßt den ganzen Entwicklungsprozeß eines neuen Gesellschaftsorganismus, der sich die entsprechende Staatsform zu schaffen hat.
W. Liebknecht, Über die politische Stellung der Sozialdemokratie

Das Wort schallt mehr in dir als in des andern Munde;
So du ihm schweigen kannst, so hörst du es zur Stunde.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Das Wort Schnelläufer fehlt im Wörterbuch der Lahmen.
Russland

Das Wort schwebt (läuft, liegt) mir auf der Zunge (herum).
en] the word is an the tip of my tongue
fr] j'ai le mot sur le bout de la langue
fr] J'ai le mot sur les lèvres, sur le bord des lèvres.
it] ho la parola sulla punta della lingua.

Das Wort Schwierigkeit muss gar nicht für einen Menschen von Geist als existent gedacht werden. Weg damit!
Lichtenberg, Aphorismen

Das Wort Seele gehört zu den Wörtern, die jeder ausspricht, ohne sie zu verstehen... Wir haben uns also entschlossen, das Empfindungs- und Denkvermögen Seele zu nennen, wie wir das Lebensvermögen Leben und das. Willensvermögen Wille nennen.
Voltaire, Philosophisches Wörterbuch

Das Wort sei wahr, die Tat entschlossen.

Das Wort siegt.
Estland

Das Wort soll im Ton zur vollen Blüte aufbrechen.
Rob. Franz, Mündliches

Das Wort sticht, das Wort rettet.
Estland

Das Wort stirbt auf seinen Lippen.
ho] Het woord sterft op zijne lippen.

Das Wort verbindet das Wort.
Estland

Das Wort verbindet den Mann.
Estland

Das Wort verwundet leichter, als es heilt.
Goethe, Natürliche Tochter A III Sz 4 (Herzog) Vs 1472

Das Wort 'Verzeihen' ist ein Familienschatz.

Das Wort von einem ist Wort von keinem.
ho] Hed woord van één is 't woord van geen.

Das Wort 'Weib' möchte ich nicht gern aus den Lobsprüchen des Geschlechts verschwinden sehen. Wenn sich die eigentümlichen Wörter verlieren, so verschwinden allgemach die Begriffe.
Kant

Das Wort 'Wenn' ist das deutscheste aller deutschen Wörter.
Hebbel,Tagebücher, 1838

Das Wort 'Wissenschaft' ist durch Missbrauch so abgegriffen, dass man heute damit Dinge bezeichnet, die man früher bescheiden 'Lehre' nannte.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Wort Zufall ist Gotteslästerung.
Nichts unter der Sonne ist Zufall.
Lessing, Emilia Galotti, IV, 3 (Orsina)

Das Wort, das den Mund verlassen hat, wächst auf seinem Wege.
Norwegen

Das Wort, das dir entschlüpft ist, ist dein Herr, dasjenige, das du bei dir behieltest, ist dein Diener.
Frankreich

Das Wort, das du noch nicht ausgesprochen hast, kannst du noch tilgen; ist es dir entfahren, kann es nicht mehr zurückkehren.
la] Delere licebit quod non edideris; nescit vox missa reverti.

Das Wort, das schon dem Mund entschlüpft, holt auch ein Viergespann nicht ein.

Das wort, der glaub, das gebet und die geduld sind der Kirche Waffen.

Das Wort, es solle kein mit der Geometrie Unbekannter, der Geometrie Fremder, in die Schule des Philosophen treten, heisst nicht etwa, man solle ein Mathematiker sein, um ein Weltweiser zu werden.
Goethe, Maximen und Reflexionen 654

Das Wort: wir sind zufrieden! macht unsre Weisheit aus.
Wir seufzen doch hienieden vom Glück nicht viel heraus.
Aug. Langbein, Gedichte

Das Wörtchen Ehe besteht nur aus drei Buchstaben, von denen zwei sogar noch gleich sind. Und trotzdem muss manches Ehepaar Jahrzehnte daran buchstabieren.
Agatha Christie

Das Wörtchen 'Ja' bringt Verdruss, das Wörtchen 'Nein' führt zu keinerlei Übel.

Das Wörtchen 'Zuständigkeitshalber' ist für den Bürokrat eine ultima ratio.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das wörtlein aber ist klein und hat ein großen Rock, man kan viel darunter verbergen.

Das Wörtlein 'zu' ist meist gefährlich,
Es schadet selbst dem Wörtlein 'ehrlich'.
Ephr. Mos. Kuh, Hinterlassene Gedichte

Das Wortspiel ist eine der kleinen Vortrefflichkeiten einer lebendigen Unterhaltung.
Fliegende Blätter

Das Wortspiel ist in gewissem Sinn dem Reim entgegengesetzt. Beim Reim beruht der Reiz darauf, dass verschiedene Gedanken durch gleiche Klänge ausgedrückt werden, beim Wortspiel darauf, dass gleiche Klänge verschiedene Gedanken ausdrücken.
Hebbel, Tagebücher, 1847

Das Wunder ist das äußere Gesicht des Glaubens, der Glaube die innere Seele des Wunders.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Das Wunder ist das einzig Reale, es gibt nichts außer ihm. Wenn aber alles Wunder ist, das heisst durch und durch unbegreiflich, so weiß ich nicht, warum man dieser großen einen Unbegreiflichkeit, die alles ist, nicht den Namen Gott sollte geben dürfen.
Christian Morgenstern, Stufen

Das Wunder ist des Augenblicks Geschöpf.
Goethe, Natürliche Tochter A IV Sz 2 (Gerichtsrat) Vs 2152

Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.
Goethe, Faust I, Nacht (Faust) Vs 766

Das Wunder ist die Eselsbrücke aus dem Reiche der Idee zur Praxis.
Marx/Engels, Deutsche Ideologie

Das Wunder ist nicht ein Widerspruch zu den Naturgesetzen, sondern ein Widerspruch zu dem, was wir von diesen Gesetzen wissen.
Augustinus

Das Wunderbare und das Erstaunliche halten nicht länger als eine Woche in Aufregung.

Das Wunderbare! Zuweilen hege ich Zweifel, aber dann meine ich doch wieder, es sei besser, ein einziges Mal von seinem vollen mystischen Schein getroffen zu sein, als die andere Art, wie ihr andern den gemeinsamen Idealen unserer Jugend näher zu kommen sucht. Ihr ringt und hastet, und hier und da erhascht ihr einen Fetzen des Ideals, der euren prüfenden Händen gleich wieder entfliegt, ohne dass ihr je dahin gelangtet, ganz zu können, ganz zu verstehen oder ganz zu vergessen.
Heinrich Mann, Das Wunderbare

Das Wunderbare, ja das Unmögliche, erzählt und wieder erzählt, nimmt endlich vollkommen die Stelle des Wirklichen, des Alltäglichen ein.
Goethe, Italienische Reise III - Philipp Neri

Das wunderbarste Gedächtnis ist das einer verliebten Frau.
Italien

Das Wunderlichste bleibt immer, dass die Nationen überhaupt gern etwas Vortreffliches wünschten, und doch wohl, wenn es sich ganz rein darstellte, es kaum genießen könnten.
Goethe, An K. F. v. Reinhard, 18.6.1829

Das Wunderlichste im Leben ist das Vertrauen, dass andre uns führen werden. Haben wir's nicht, so tappen und tolpen wir unsern eignen Weg hin, haben wir's, so sind wir auch, eh wir's uns versehen, auf das schlechteste geführt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 927

Das wünsche ich meinem (ärgsten) Feinde nicht.
i] So etwas Schlimmes.
jüdisch-deutsch] A sa Makke meine S'onem. (Eine solche Wunde wie diese oder jene ist, wünsche ich meinen Feinden)

Das wünscht mancher Hund seiner Mutter nicht.

Däs wurd da Butta binda.
i] Das wird den Ausschlag geben. Meist ironisch

Däs wurd de Wald net umreissa.
i] Das bringt dich nicht um.

Das würde ein Esel begreifen.
fr] Un asne y mordroit.

Das wurde für ein tüchtiges Mädchen gehalten, das geheiratet wird, während es nur einmal die Schuhe wichst (d. i. so schnell).
Estland

Das würde ich gerne sehen, sagte der blinde Hugo von Hollowee
en] That would I fain see said blind Hugh of Hollowee.

Das wurde ihm nicht an der Wiege gesungen
en] he never dreamed (o. dreamt) that it would come to this
fr] il ne l'a pas trouvé (o. reçu) dans son berceau
it] nessuno avrebbe mai potuto immaginarselo

Das würde mir gerade passen, erwiderte der Kellner, als ihm der Wirt, dem er seinen Dienst angeboten hatte, sagte, dass jetzt im Geschäft nichts zu tun sei.

Das Würdige beschreibt sich nicht.
Goethe, Faust II A I, Weitläufiger Saal (Herold) Vs 5569

Das würfelspiel manchen bringen tut um geld, kleider und all sein gut.
la] Sum nudus ut passer, facit hoc mihi tessera et asser.

Das Würfelspiel, und darüber muss man sich schon wundern, betreiben sie (die Germanen) nüchtern als etwas Ernsthaftes.
la] Aleam, quod mirere, sobrii inter seria exercent.

Das Würmchen läuft ihm über die Nase.
Thüringen
i] Wenn einer zornig wird.

Das Würmlein kriecht ihm bald in die Nase.
i] Wird leicht zornig.

Das wurmt ihm im Kopfe.
fr] Cela lui a mis martel en tête.

Das wusste er schon, eh' er auf den Strohwisch getan hat.
Luther

Das wusste Johann Heinrich 1620 wohl.
Holland

Das wussten wir, ehe du in die Windeln hofiert hast.

Das wütende Feuer unterdrückt man mit Wasser, den eingebrochenen Feind unterwirft man mit Kriegern.

Das X ist der Klappstuhl des Alphabets.
Ramòn Gómez de la Serna

Das zähe Eisen erkennt man an der Feuerstelle.
Afrika

Das Zahnen wird erleichtert, wenn man einer Maus den Schwanz abbeisst und ihn dem Kinde umhängt

Das Zankeisen ziehen.

Das Zaudern, das oft in ruhigen Zeiten nützlich ist, bringt Männern in unruhigen Zeiten den Untergang.
Alph. de Lamartine, Geschichte der Girondisten

Das Zehntel für ein Kind ist leicht zu zahlen.
Estland

Das Zehren muss nach dem Gute sein; der Weise glaubt, der Narr sagt: nein.

Das Zeichen eines Heuchlers ist ein dreifaches: wenn er spricht, lügt er; wenn er verspricht, hält er nicht; und wenn er vertraut, fürchtet er.
Mohammed

Das Zeichen sieht er prächtig aufgerichtet,
Das aller Welt zu Trost und Hoffnung steht,
Zu dem viel tausend Geister sich verpflichtet,
Zu dem viel tausend Herzen warm gefleht,
Das die Gewalt des bittern Tods vernichtet,
Das in so mancher Siegesfahne weht:
Ein Labequell durchdringt die matten Glieder,
Er sieht das Kreuz, und schlägt die Augen nieder.
Er fühlet neu, was dort für Heil entsprungen,
Den Glauben fühlt er einer halben Welt,
Doch von ganz neuem Sinn wird er durchdrungen,
Wie sich das Bild ihm hier vor Augen stellt:
Es steht das Kreuz mit Rosen dicht umschlungen.
Wer hat dem Kreuze Rosen zugesellt?
Goethe, Geheimnisse Vs 57f.

Das Zeichen wahrer Weisheit ist, die Narrheit der anderen ruhig ertragen.

Das Zeichen, woran man am unmittelbarsten den echten Dichter, sowohl höherer als niederer Gattung erkennt, ist die Ungezwungenheit seiner Reime: sie haben sich,wie durch göttliche Schickung, von selbst eingefunden: seine Gedanken kommen ihm schon in Reimen. Der heimliche Prosaiker hingegen sucht zum Gedanken den Reim; der Pfuscher zum Reim den Gedanken.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung, II, 3, Kap. 37, Zur Ästhetik der Dichtkunst

Das Zeichnen entwickelt und nötigt zur Aufmerksamkeit, und das ist ja doch das Höchste aller Fertigkeiten und Tugenden.
Goethe, F. v. Müller, 30. Nov. 1816

Das zeigt die Meisterhand.
fr] Cela est fait de main de maître.

Das zeigt sich recht oft, dass die besten, edelsten, aufopferndsten Gefühle gerade die sind, die in unglückliche Schicksale führen.
W. von Humboldt, Briefe an eine Freundin, 10.9. 1826

Das Zeitalter wird so spitzfindig, dass der Bauer dem Hofmann auf die Fersen tritt.
Shakespeare, Hamlet, V, 1 (Hamlet)

Das Zeitlich vergeht, das Ewig besteht.

Das Zeitliche mit dem Ewigen verwechseln.

Das Zeitrad bleibt nicht stehen.

Das Zeitrad dreht sich selbst ohne Geld (= unentgeltlich).

Das Zeitrad läuft langsam.

Das Zeitungs-Geschwister,
Wie mag sichs gestalten,
Als um die Philister
Zum Narren zu halten?
Goethe, Zahme Xenien V

Das Zeitungsschreiben mag keine schwierige Kunst sein und ist gewiß keine erhabene Kunst, aber eine Kunst ist es immerhin, oder mindestens doch ein Handwerk. Und auch ein Handwerk will gelernt sein.
F. Mehring, Ein warnendes Exempel

Das Zelt ist für den Bescheidenen immer geöffnet.

Das Zeremoniell an Höfen, im Umgange - was ist es andres als Formalienjagd und Klauberei?
Kant, Werke

Das Zeremoniell ist der Rauch der Freundschaft.
China

Das zergeht wie ein Schneeball.
i] Zu einer geschwängerten Person, welche meint, die Folgen würden nicht hervortreten, die Anschwellung werde sich wohl wieder verlieren.

Das zerreisst mir das Herz - das drückt mir das Herz ab
en] it breaks my heart
fr] cela me fend le cour
it] ciò mi strugge (o. spezza) il cuore

Das Zeugen macht den Vater und nicht das Heiraten.
Russland

Das Zeugnis der Nachbarn ist der Prüfstein für jedermann.
Gälisch

Das Zeugnis dreier Braver ist besser als das hundert Böser.
ho] Beter is dat ghetuge van drie berue mannen, dan van hondert bose.

Das Zickel bockt manchmal ärschlich.
i] Die Sache geht oft verkehrt.

Das Zickel wird sich schlachten.
i] Das Geschäft wird nicht ohne Gewinn bleiben.

Das Zicklein essen, ehe die Geiss gelammt.

Das Zicklein läuft so lange in den Kohl, bis es die Wolle lässt.

Das Zicklein springt höher als die Ziege.

Das Zicklein stirbt oft schneller als (o. so schnell wie) die Ziege.

Das zieht nicht.

Das zieht sich alles nach dem Leib, sagte der Schneider, da hatte er den Ärmel an die Tasche genäht.

Das zieht wie Hechtsuppe.

Das zieht wie spanische Fliege, sagte die Frau, da schlug sie ihren Bengel (Jungen) mit der Halskrause.
ho] Dat klemt, zei de boer, en hij sloeg sijn wijf met een koolblad voor hare billen.

Das zieht, sagte der Fuhrmann, da schlug er sein Pferd mit der Rodehacke.

Das Ziel aller Glaubensbekenntnisse liegt darin, im einzelnen Menschen das Bewußtsein für das Königreich des Lichts in sich selbst zu wecken. Wenn Religion als innerer Wandel und Selbstreinigung verstanden wird, werden ihre Triumphe entscheidend sein.
Sarvepalli Radkrishnan: Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, am 22.10.1961

Das Ziel bestimmt nicht nur die politische Strategie, sondern auch die Moral... Die Mittel wirken sich immer auf das Ziel aus, erhöhen oder deformieren es.
Ehrenburg, Memoiren

Das Ziel des Lebens ist Bejahung, es hat keinen Sinn, die Dinge nicht zu bejahen, und es hat keinen Sinn, mehr Dinge zu haben, wenn man sie weniger bejaht.
Gilbert Keith Chesterton

Das Ziel des Lebens ist das Gute.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1852)

Das Ziel des Lebens ist Selbstentwicklung.
Oscar Wilde, Das Bildnis des Dorian Gray

Das Ziel des Volkes ist viel sittlicher als das der Großen: Diese wollen unterdrücken und jenes nur nicht unterdrückt werden.
Niccolò Machiavelli, Der Fürst

Das Ziel eines Krieges kann nicht so groß sein, als dass er sich rechtfertigen ließe.
Fliegende Blätter

Das Ziel ist in der Verwirklichung das Letzte, das Erste aber in der Absicht der Vernunft.
Thomas von Aquin, Summa theologica

Das Ziel ist unser, so lange wir den Stein in der Hand halten; ist er aus der Hand, gehört das Ziel den Steinen.

Das Ziel meiner innigsten Sehnsucht, deren Qual mein ganzes Inneres erfüllte, war Italien, dessen Bild und Gleichnis mir viele Jahre vergebens vorschwebte, bis ich endlich durch kühnen Entschluss die wirkliche Gegenwart zu fassen mich erdreistete.
Goethe, Kampagne in Frankreich 1792 - Zwischenrede

Das Ziel muss man früher kennen als die Bahn.
Jean Paul

Das Ziel nicht erreichen und dabei vorübergehen, ist eins.
sd] Att icke hinna fram till målet, och löpa det samma förbi kommer på ett ut.

Das Ziel überschreiten.
i] Über die Schranken hinausgehen.
la] Extra oleas.

Das zischende Teewasser gilt schon als Tee, das versprochene Mädchen schon als verheiratet.
Mongolei

Das zu Boden geworfene Brotkrümchen weint sieben Jahre.
Estland

Das zu sein sei stets bedacht, wozu fremdes Lob dich macht.
i] Der durch irdische Güter oder Ämter Hochgestellte ist dann erst glücklich, wenn er sich bemüht zu sein, was seine Schmeichler von ihm rühmen.

Das zu tun, was Gott mich tun hieß, was er mir befahl oder befehlen wird, davon werde ich um keines noch unter den Lebenden weilenden Menschen willen ablassen.
Jeanne d'Arc, Aussage im Nachverhör in der Kerkerzelle in Rouen (31. März 1431)

Das Zuchthaus und die Fasten sind gemacht den Armen zu Lasten.
sp] Cárcel y cuaresma, para los pobres es hecha.

Das Zuckerrohr ist immer süß, der Mensch nur manchmal.
Birma

Das Zuckerrohr würde seine Süßigkeit verlieren, wollte man es in den Schilfsumpf des roten Meeres verpflanzen.

Das Zufälligste am Menschen sind seine Manieren, weil sie am meisten von der Erziehung, von der Lebensweise, von der Gesellschaft abhängen, in der der Mensch lebt...
Belinski, Betrachtungen über die russische Literatur des Jahres 1846

Das Zufällig-Wirkliche, an dem wir weder ein Gesetz der Natur noch der Freiheit für den Augenblick entdecken, nennen wir das Gemeine.
Goethe, Maximen und Reflexionen 103

Das zufriedene Herz gilt mehr als alles Gold der Welt.
Friaul
fr] Coeur content, grand talent.

Das Zugreifen ist doch der natürlichste Trieb der Menschheit. Greifen die Kinder nicht nach allem, was ihnen in den Sinn fällt?
Goethe, Werther 2. Buch, 30. Oktober

Das Zuhause geht nirgendhin verloren.
Estland

Das Zuhause ist da, wo die Säcke niedergelegt werden.
Estland

Das Zuhause ist ja kein Frosch, dass es davonspringt.
Estland

Das Zuhause ist ja kein Hase, dass es davonläuft.
Estland

Das Zuhause ist ja kein Zicklein, dass es entflieht.
Estland

Das Zuhause läuft ja nicht davon.
Estland

Das Zuhause-Bleiben macht die Sklavin nicht schwanger.
Afrika

Das zuhlt si aus.
Steiermark
i] Ironisch, das ist auch der Mühe wert

Das Zuhören ist leichter als das Tun.

Das Zuhören und Zugucken hat man frei, aber vor dem Mitsprechen soll man sich hüten.

Das Zukünftige ist ungewiss.

Das Zünglein an der Waage bilden
en] to tip the scales
fr] faire pencher la balance
it] essere determinante (o. decisivo)

Das Zünglein an der Waage wird oft von scharfen Zähnen bewacht.
Fliegende Blätter

Das Zunicken eines Herrn ist für den Narren ein Frühstück.
England

Das Zurückführen der Wirkung auf die Ursache ist bloß ein historisches; zum Beispiel die Wirkung, dass ein Mensch getötet worden, auf die Ursache der losgefeuerten Büchse.
Goethe, Riemer, 20.1.1811

Das Zusammenleben mit einem Mann, der seine Frau weder achtet, noch ihr vertraut, ist so, als führe man bei lebendigem Leib das Leben von Toten.
George Sand, Briefe

Das Zusammensein mit ihr zu Hause fällt mir schwer.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1863, nach wenigen Monaten Ehe)

Das Zusammentreffen ist der Trennung Anfang.

Das Zuschneiden thuts nicht, man muss auch wissen zusammen zu nähen.
bm] Ač nehezky skrojen, ale peonĕ usit.

Das Zutrauen ist wie die Freundschaft keine Kunst zurzeit, wenn alles gelingt und glückt.
Goethe, An die Herzogin Amalia, 25. 9. 1792

Das Zuviel ist ein Bruder des Zuwenig.
Arabien

Das Zuviel zersprengt den Topf und den Deckel.

Das Zwangsläufige hat mich immer mehr interessiert als das Notwendige, und es ist mir immer so vorgekommen, als könne man aus dem, was sich täglich wiederholt, mehr Erkenntnis schöpfen als aus dem, was nie mehr wiederkehrt.
André Gide, Tagebuch 1889 - 1939 II, 406, Blätter

Das zweien gerecht ist, ist einem zu eng, dreien zu weit.
i] In Bezug auf Geheimnisse.
ho] Waar meer dan twee personen 't weten, komt een geheim hoast in 't licht.

Das Zweitbeste nach keiner Frau ist eine gute Frau.

Das zweite Ich
la] alter ego
la] alter idem

Das zweite Weib hat einen goldenen Arsch.

Das zweite Weib ist wie eine Märzsonne: Sie gibt nicht warm, sie gibt nicht kalt.
Jiddisch

Das zweite, dem allgemeinen Bemerken sich aufdringende Werk, waren Baldes Gedichte, welche nach Herders Übersetzung, jedoch mit Verheimlichung des eigentlichen Autors, ans Licht kamen und sich der schönsten Wirkung erfreuten. Von reichem Zeitgehalt, mit deutschen Gesinnungen ausgesprochen, wären sie immer willkommen gewesen, kriegerisch verworrene Zeitläufe aber, die sich in allen Jahrhunderten gleichen, fanden in diesem dichterischen Spiegel ihr Bild wieder, und man empfand als wie von gestern, was unsere Urvorfahren gequält und geängstigt hatte.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1795

Das Zwielicht ist der Raum des Dichters und der Kunst überhaupt. Wo die Vernunft an die Sinnlichkeit und die Sinnlichkeit an die Vernunft grenzt, ist der Mensch in seinem schönsten Spiele.
Johann Gottfried Seume, Apokryphen

Das, das gibt erst dem Menschen seine ganze Jugend, dass er Fesseln zerreisst.
Friedrich Hölderlin, Hyperion

Das, was anfangs der Leidenschaft schmeichelte, wird von der Zeit zu spät als Irrtum erkannt.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Das, was den Künstler groß und eigentümlich macht, kann er nur aus sich selbst schaffen.
Goethe, J. Ch. Lobe, 8.11.1821

Das, was der Mensch lernt, das weiß er auch.

Das, was der Selbstheit eines jeden oder seiner Natur am meisten eigen und gemäß ist, das ist auch für jeden das Würdigste und Angenehmste.
Aristoteles, Ethik

Das, was die Bande zweiter Ehe flicht,
Ist schnöde Sucht nach Vorteil, Liebe nicht.
Es tötet noch einmal den toten Gatten,
Dem zweiten die Umarmung zu gestatten.
Shakespeare, Hamlet, III, 2 (Königin)

Das, was die Menschen den Kampf ums Dasein nennen, ist also nichts andres als der Kampf um den Aufstieg. Und wenn sie sich auf diesen Kampf einlassen, fürchten sie nicht etwa, dass es am nächsten Morgen nicht zum Frühstück für sie reiche, sondern dass es ihnen nicht glückt, ihren lieben Nächsten zu übertrumpfen.
Bertrand Russell, The Conquest of Happiness

Das, was die Musik ausspricht, ist ewig, unendlich und ideal; sie spricht nicht die Leidenschaften, die Liebe, die Sehnsucht dieses oder jenes Individuums in dieser oder jener Lage aus, sondern die Leidenschaft, die Liebe, die Sehnsucht selbst.
Richard Wagner

Das, was die Welt nicht kennt, nicht nennt, war glücklich
Und gut; denn das Gewöhnliche, das Alte,
Uralte, wie die Blumen und der Mond,
Die ewig gleich sehn, ist das Best' und Schönste.
L. Schefer, Laienbrevier

Das, was die Zeit nicht erschüttert, macht sie stärker.
Frankreich

Das, was du dem anderen sagen willst, sag vorher dir selbst.
Estland

Das, was ein Landtag ist, schließt sich in diesen Reim: Versammelt euch, schafft Geld und packt euch wieder heim.
i] Auf Landtagen, antwortete Feuerbacher 1525, der Sprecher der aufgestandenen schwäbischen Bauern, den Regierungsdeputirten, 'man nitz als dass man Geld geben müsse; und die Bauern meynten, man habe schon Landtage genug und übergenug gehalten; und wenn man nun ängstlich die Abgeordneten nach ihrer Rückkehr gfragt habe, was sie Guts mitbrächten, so hätten sie nie etwas anders gesagt, als man müsse von neuem Geld geben.
König, Bauernaufruhr in Deutschland, 1525

Das, was eine Nase zur Nase macht, ist bei allen dasselbe; und doch hat ein jeder seine eigene, wir irren allesamt, nur jeder irrt anders.
Weber, Demokritos

Das, was ich lehre, scheint so leicht,
Und fast unmöglich zu erfüllen:
'Nachgiebigkeit bei großem Willen.'
Goethe, Epimenides A II Sz 10 (Einigkeit) Vs 915f.

Das, was ich von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit meinem ganzen Wesen liebe, kann mir nicht gleichgültig sein...
Belinski, 'Die Taten Peters des Großen'

Das, was Ihnen in Ihrem eigenen Inneren schlecht erscheint, wird schon allein dadurch, dass Sie es in sich bemerken, geläutert.
Fjodor M. Dostojewski, Die Brüder Karamasow

Das, was jemand braucht, um seinen Weg wählen zu können, ist Wissen. Was kommt dabei heraus, wenn man einen Mann, der weder Notenlesen noch Klavierspielen lernen durfte, vor ein Klavier stellt und ihm die freie Wahl über die Tasten läßt?
Brecht, Freie Wahlen

Das, was Kinder im Umgange beachten müssen, ist, einem jeden durch Beobachtung des Zeremoniells und der Aufmerksamkeiten, die ihm nach den Gesetzen der Höflichkeit gebühren, die gehörige Ehrerbietung, Achtung und Zuneigung zu beweisen. Dies zu tun, ohne sich der Schmeichelei, Verstellung oder Niederträchtigkeit verdächtig zu machen, ist eine große Kunst, welche man sich bloß durch gesunden Verstand und in guter Gesellschaft erwerben kann.
Locke, Gedanken über Erziehung

Das, was man «laxe Moral» nennt, ist dann und wann nur eine behagliche, gutmütige Teilnahme an der Komödie auf der Bühne der Menschheit.
Raabe

Das, was man für die Menschen tut, ist nicht genug, das, was man für sie getan hat, ist nichts: die ganze Existenz, die man ihnen geschaffen hat, nehmen sie von Gottes Gnaden, und so ist man, als wenn man nicht wäre, nicht gewesen wäre.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1320

Das, was man gedacht, die Bilder, die man gesehn, lassen sich in dem Verstand und in der Einbildungskraft wieder hervorrufen, aber das Herz ist nicht so gefällig, es wiederholt uns nicht die schönen Gefühle, und am wenigsten sind wir vermögend, uns enthusiastische Momente wieder zu vergegenwärtigen, man wird unvorbereitet davon überfallen und überläßt sich ihnen unbewußt.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,14

Das, was man gesehen, geht über die Augen, was man getan, (geht) über das Herz.
Estland

Das, was man 'laxe Moral' nennt, ist dann und wann nur eine behagliche, gutmütige Teilnahme an der Komödie auf der Bühne der Menschheit.
Raabe

Das, was man liebt, kritisiert man oft am heftigsten.
Leonard Bernstein, Freude an der Musik

Das, was man mit Maß nicht tut,
Nimmer kann es werden gut.

Das, was man sonst den schönsten Teil, die reinsten Freuden des Lebens nennen möchte, eben auch nur, weil es uns aus dem realen Dasein heraushebt und uns in anteilslose Zuschauer desselben verwandelt, also das reine Erkennen, dem alles Wollen fremd bleibt, der Genuss des Schönen, die echte Freude an der Kunst, dies ist, weil es schon seltene Anlagen erfordert, nur höchst wenigen und auch diesen nur als ein vorübergehender Traum vergönnt.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Das, was man wahr empfindet, auch wahr auszudrücken, d. h. mit jenen kleinen Beglaubigungszeugen der Selbstempfindung, macht eigentlich den großen Schriftsteller.
Lichtenberg, Bemerkungen vermischten Inhalts

Das, was mir wichtig scheint, hältst du für Kleinigkeiten.
Das was mich ärgert, hat bei dir nichts zu bedeuten.
Goethe, Laune des Verliebten Sz 3 (Eridon)

Das, was uns antastet und angreift, ist unser Heil; es bewahrt uns vor Erstarrung.
Ricarda Huch (1864 - 1947)

Das, was uns umgibt, erhält dadurch dass wir der Geber und der Veranlassung gedenken ein Leben, wir sehen es in geistiger, liebevoller, genetischer Verknüpfung und durch das Vergegenwärtigen vergangener Zustände wird das augenblickliche Dasein erhöht und bereichert...
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,10

Das, was uns unglücklich macht, sind nur unsere Begierden und der Müßiggang.
France, Die rote Lilie

Das, was unsere Gedanken erfassen können, ist im Verhältnis zu dem, was sie nicht erfassen können, kaum ein Punkt, fast nichts.
Locke, Untersuchung über den menschlichen Verstand

Das, was wir bös nennen, ist nur die andre Seite vom Guten, die so notwendig zu seiner Existenz und in das Ganze gehört, als Zona torrida brennen und Lappland einfrieren muss, dass es einen gemäßigten Himmelsstrich gebe.
Goethe, Zum Schäkespears Tag

Das, was wir ein böses Gewissen nennen, ist immer ein gutes Gewissen. Es ist das Gute, was sich in uns erhebt und uns bei uns selber verklagt.
Fontane

Das, was wir von uns selber wissen und im Gedächtnis haben, ist für das Glück unseres Lebens nicht so entscheidend, wie man glaubt. Eines Tages stürzt Das, was Andere von uns wissen (oder zu wissen meinen) über uns her - und jetzt erkennen wir, dass es das Mächtigere ist. Man wird mit seinem schlechten Gewissen leichter fertig, als mit seinem schlechten Rufe.
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Das, was zwischen gleich und gleich eine Beleidigung heisst, wird, vom Größeren zum Kleineren, als Gewalt bezeichnet.
Spanien

Das, wodurch alle Wesen verschieden sind, ist das Leben; das, worin sie gleich sind, ist der Tod.
Yang Chu

Das, wonach viele trachten, muss man scharf beachten.
la] Difficile custoditur, quod multis placet.

Das, woran sich freut die Masse, gewährt dünne und oberflächliche Freude, und welche Freude immer nicht von Herzen stammt, ermangelt der Grundlage.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Das, wovor wir am meisten Angst haben, ist häufig das, worauf wir am meisten hoffen.
Fliegende Blätter

Das'Christentum hat die Moral einen großen Schritt vorangebracht. Das zu leugnen wäre ungerecht und sinnlos. Man muß aber mit dem gleichen guten Glauben anerkennen, daß seine Herrschaft zu Ende ist und die Zeit, in der es von Nutzen war, schon lange hinter uns liegt. Das Zeitalter der positiven Ideen beginnt.
Saint-Simon, Die Industrie

Da-Sein heisst: Hineingehaltenheit in das Nichts.
Martin Heidegger

Dasein ist Pflicht, und wärs ein Augenblick.
Goethe, Faust II A III, Innerer Burghof (Faust) Vs 9418

Daseinszweck des Kindes ist es, sein eigenes Leben zu leben.
Alexander S. Neill, Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung

Dasitten as 'ne Ûle in Stierwensnäen.
i] Wie eine Eule in Sterbensnöten

Dasitzen wie die Braut im Winkel.
Oberösterreich
i] So sagt man von jemand, der an einer einsamen Tischecke sitzt. In manchen Gegenden soll die Braut während des Mahles 'im Winkel sitzen', wie dies Baumgarten aus Oberösterreich bemerkt

Dasitzen wie ein Klotz.
z] Ar soss dou wie ej Kloutz und rührt sich nie, jo maiche Menschen sein wie de Klötzer.

Dasitzen wie ein Scheffel Unglück.

Dasitzen, als wollt' er alle Tritt Feuer ausspeien und Kohlen fressen.
z] Wenn einer bei ehrlichen Zechen und Gastereien, so Lusts halber sind angestellet, sitzet da als wollt er u.s.w. fressen, redet gar nichts, viel weniger lachet er einmal, darum, dass die Gäste sagen sollen: ach, wie ist das ein ernsthafter Mensch, wie sinnet er stäts so tief u.s.w.

Dasjenige, was sich nicht durch eigene Kraft erhalten kann, hat auch kein Recht zu existieren.
Heine, Reisebilder, I: Norderney

Dasjenige, wodurch die Menschen am meisten zu Fehlern veranlaßt werden, ist, dass sie sich meistens mit vagen Vorstellungen begnügen und sich nicht die Mühe geben, sich klare Ideen über die Dinge zu machen.
Friedrich der Große

Dass aber auch der Mensch eine Art Lüsternheit nach dem Übel und eine dunkle Sehnsucht nach dem Genusse des Schmerzens habe, ist schwerer zu bemerken, mit anderen Gefühlen verwandt, unter anderen Symptomen verhüllt...
Goethe, Theatralische Sendung II,5

Dass aber der Wein von Ewigkeit sei
Daran zweifl ich nicht,
Oder dass er vor den Engeln geschaffen sei
Ist vielleicht auch kein Gedicht.
Der Trinkende, wie es auch immer sei,
Blickt Gott frischer ins Angesicht.
Goethe, Divan - Schenkenbuch - Ob der Koran...

Dass aber ein Mathematiker, aus dem Hexengewirre seiner Formeln heraus, zur Anschauung der Natur käme und Sinn und Verstand, unabhängig wie ein gesunder Mensch, brauchte, werd ich wohl nicht erleben.
Goethe, An Zelter, 17.5.1829

Dass abgesonderte Kenntnisse durch Vergleichung leichter gewonnen und festgehalten werden...
Goethe, Schriften zur Kunst - Propyläen, Einleitung

Dass alle einsehen, der Notwendigkeit müsse man gehorchen.
Cicero, Von den Pflichten

Dass alle geistig wie körperlich durchaus naturkräftig ausgestatteten Menschen in der Regel die bescheidensten sind, dagegen alle besonders geistig Verfehlten weit eher einbilderischer Art.
Goethe. Eckermann, 3.4.1830

Dass alle großen weltgeschichtlichen Begebenheiten, alle großen Weltentdeckungen und Erfindungen, endlich die großen Männer meist nach der zweiten Hälfte oder zum Schlusse eines Jahrhunderts gekommen wären.
Goethe, A. E. Odyniec, 25.8.1829

Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel.
Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft

Dass alle Verhältnisse unzerstörlich sind, die das Schicksal beschlossen hat.
Goethe, Wahlverwandtschaften I,18

Dass alles auf das Prinzip ankommt, woraus man etwas tut.
Goethe, An Schiller, 21.8.1799

Dass alles eitel sei. Niemand entsetzt sich vor diesem falschen, ja gotteslästerlichen Spruch, ja man glaubt etwas Weises und Unwiderlegliches gesagt zu haben.
Goethe, Dichtung und Wahrheit IV, 16

Dass alles in der Welt ankommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss.
Goethe, Wahlverwandtschaften I,6

Dass alles vergeht, weiß man schon in der Jugend, aber wie schnell alles vergeht, erfährt man erst im Alter.
Marie von Ebner-Eschenbach

Dass alles, was ist oder scheint, dauert oder vorübergeht, nicht ganz isoliert, nicht ganz nackt gedacht werden dürfe, eines wird immer noch von einem anderen durchdrungen, begleitet, umkleidet, umhüllt, es verursacht und erleidet Einwirkungen...
Goethe, Versuch einer Witterungslehre

Dass alles, was uns von Jugend auf umgab, jedoch nur oberflächlich bekannt war und blieb, stets etwas Gemeines und Triviales für uns behält, das wir als gleichgültig neben uns bestehend ansehen, worüber zu denken wir gewissermaßen unfähig werden.
Goethe, Geschichte meines botanischen Studiums

Dass andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht natürlich, dass wir selbst keines haben, immer unfassbar.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Dass anderer Menschen Gedanken solchen Einfluss auf uns haben!
Goethe, Egmont A II, Egmonts Wohnung (Egmont)

Dass angeborene Kraft und Eigenheit mehr als alles Übrige des Menschen Schicksal bestimme.
Goethe über seine Gedichte - Urworte - Orphisch - Dämon

Daß Arglist des Verkäufers dem gutgläubigen Käufer nicht schaden darf, ist Rechtens. [RSpW]
la] Dolum auctoris bona fide emptori non nocere certi iuris est.

Dass Arm' und Reiche sind, das macht mir keine Pein;
Doch warum muss denn ich just grad der Arme sein?

Dass auch Objekte mit der Bezeichnung ?Geld? erfaßt werden, ist unbestritten. [RSpW]
la] Corpora quoque pecuniae appellatione contineri nemo est, qui ambiget.

Dass auf Inhalt, Gehalt und Tüchtigkeit eines zuerst aufgestellten Grundsatzes und auf der Reinheit des Vorsatzes alles in den Wissenschaften beruhe. Auch wir sind überzeugt, dass dieses große Erfordernis nicht bloß in mathematischen Fällen, sondern überall in Wissenschaften, Künsten, wie im Leben stattfinden müsse.
Goethe, Schriften zur Literatur - Naturphilosophie

Dass auf jedem andern Weg der Mensch
Sich zeugte seinesgleichen, und es keine Fraun
Auf Erden gäbe: glücklich wäre rings die Welt!
Euripides, Medeia

Dass Autoren und Publikum durch eine ungeheure Kluft getrennt sind, wovon sie, zu ihrem Glück, beiderseits keinen Begriff haben.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III, 13

Dass bayerisch Bier auch Helden nährt, das haben die Bayern in Frankreich gelehrt.

Dass bei einer wahren Harmonie der Gemüter man einander immer wieder begegnet, wenn man noch so weit auseinander zu gehen scheint.
Goethe, An Herzog Karl August, 25.1.1788

Dass bei gegeneinander stehenden Meinungen es immer gleichgültig ist, welche befolgt wird.
Goethe, Wanderjahre III,11

Dass bei Gott allein das Sein und daher alles Sein nur das Sein Gottes ist, diesen Gedanken lässt sich weder die Vernunft noch das Gefühl rauben. Er ist der Gedanke, dem allein alle Herzen schlagen.
Schelling

Dass bei solchem Unglück, welches der Mensch dem Menschen bereitet, wie bei dem, was die Natur um zuschickt, einzelne Fälle vorkommen, die auf eine Schickung, eine günstige Vorsehung hinzudeuten scheinen.
Goethe, Kampagne in Frankreich, 3.9.1792

Dass beim Theater immer nur vom Augenblick die Rede ist und die wunderliche, bunte, zufällige Abwechslung desselben sich zu einem geschichtlichen Vortrage kaum bequemen mag.
Goethe, An J.L.Tieck, 2.2.1820

Dass Bescheidenheit die größte Zierde des Kunstnovizen sei.
Goethe, G. Moltke, 30.4.1830

Dass Böses aus Gutem entstehen kann, ist begreiflich, wie aber Gutes aus Bösem?
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Dass Böss muss doch zuletzt gestraft werden.

Dass Bücher nicht die Erfahrung und Gelehrsamkeit nicht das Genie ersetzt, sind zwei verwandte Phänomene: ihr gemeinsamer Grund ist, dass das Abstrakte nie das Anschauliche ersetzen kann.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Dass das absurde eigentlich die Welt erfülle.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III, 15

Dass das Berliner Theater das einzige in Deutschland ist, auf welchem sich eine allgemeine deutsche Sprache ausgebildet hat, so dass - ich spreche natürlich von den gebildeten Schauspielern - der Berliner, zumal in dem höheren Drama und Trauerspiel, auf jeder Bühne in Deutschland auftreten kann.
Goethe, F. Förster, (25.) 8.1831

Dass das eigentliche Talent nichts sein kann als die Sprache des Genies.
Goethe, An Lavater, 24.7.1780

Dass das eine Auge das andre nicht sieht.
i] Arbeitete er, oder schlief er
z] Er warf sich aufs Lager und schlief so wacker, dass ein Auge das andre nicht sah.

Dass das Fleisch noch im Topf steckt, kann auch einfach daher kommen, dass keine Katze in der Nähe ist.

Dass das Gehirn ein bloßer Arbeiter im Dienste des Bauches sei, ist freilich das gemeinsame Los fast aller derer, die nicht von der Arbeit ihrer Hände leben, und sie wissen sich recht gut darein zu finden. Aber für die großen Köpfe, d. h. für die, deren zerebrale Kräfte über das zum Dienste des Willens erforderliche Maß hinausgehn, ist es eine Sache zum Verzweifeln. Daher wird ein solcher es vorziehn, nötigenfalls in der beschränktesten Lage zu leben, wenn sie ihm den freien Gebrauch seiner Zeit zur Entwicklung und Anwendung seiner Kräfte, also die für ihn unschätzbare Muße,gewähren.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Dass das Gewahrwerden großer produktiver Naturmaximen uns durchaus nötigt, unsre Untersuchungen bis ins Allereinzelnste fortzusetzen, wie ja die Verzweigungen der Arterien mit ihren verschwisterten Venen ganz am Ende der Fingerspitzen zusammentreffen.
Goethe, An W. v. Humboldt, 1.12.1831

Dass das Größte und Herrlichste vergehe, liegt in der Natur der Zeit und der gegeneinander unbedingt wirkenden sittlichen und physischen Elemente.
Goethe, Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Dass das Kalb ein Bulle geworden ist, weiß man in der Koppel.
Äthiopien

Dass das Leben des Menschen nur ein Traum sei, ist manchem schon so vorgekommen.
Goethe, Werther 1. Buch, 22. Mai

Dass das Lesen eine Kunst ist, dazu muss man nicht nur die Leser, sondern auch die Schriftsteller, auch sich selber erziehen.
Becher, Das poetische Prinzip

Dass das Natürliche und Einfache immer seine Freunde findet, auch wenn der allgemeine Geschmack gänzlich verdorben ist.
Goethe, Soret, 27.2.1832

Dass das Sterben kost't kein Geld, ist das Best' in dieser Welt, sonst müsste mancher arme Gesell für einen Reichen in die Höll'.

Dass das unschätzbare Glück der Freiheit nicht darin besteht, dass man alles tut, was man tun mag, und wozu uns die Umstände einladen, sondern dass man das ohne Hindernis und Rückhalt, auf dem geraden Wege tun kann, was man für recht und schicklich hält...
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Dass das Urteil der Menge, welches immer einer hohen reinen Leitung bedarf...
Goethe, Rameaus Neffe, Nachträgliches

Dass das Weib das Gebärende in der Natur ist, zeigt die höhere Stufe, auf der es steht. Das Weib eigentlich ist die letzte Grenze der Erde, und der Mann steht durchaus eine Stufe niedriger.
Johann Wilhelm Ritter, Fragmente

Dass das Weib, seiner Natur nach, zum Gehorchen bestimmt sei, gibt sich daran zu erkennen, dass eine jede, welche in die ihr naturwidrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgendeinem Mann anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen lässt; weil sie eines Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber; ist sie alt, ein Beichtvater.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, II, 27

Dass das Zeitalter so viel über Erziehung schreibt, setzt gleich sehr ihren Verlust und das Gefühl ihrer Wichtigkeit voraus.
Jean Paul, Levana

Dass dasjenige, was einmal ins Leben berufen ist, auch ohne weitere Sorge fern so gut als nah gedeihen mag ...
Goethe, An Kronprinz Ludwig v. Bayern, 6.7.1825

Dass dein Freund gestorben ist, glaube, nicht aber, dass er reich geworden ist.
Aramäisch
i] Schlechte Nachrichten sind häufiger als gute

Dass dein Leben Gestalt, dein Gedanke Leben gewinne,
Laß die belebende Kraft stets auch die bildende sein.
Goethe, Tabulae votivae 38 - Dichtungskraft

Dass dem echten Dichter die Kenntnis der Welt angeboren sei und dass er zu ihrer Darstellung keineswegs vieler Erfahrung und einer großen Empirie bedürfe.
Goethe, Eckermann, 26.2.1824

Dass dem Menschen in seinem zerbrechlichen Kahn eben deshalb das Ruder in die Hand gegeben ist, damit er nicht der Willkür der Wellen, sondern dem Willen seiner Einsicht Folge leiste.
Goethe, Maximen und Reflexionen 477

Dass dem Menschen zur höchsten Ehre gereiche, im Unglück sich zu fassen, den Schmerz mit Gleichmut und Anstand zu ertragen, um höchlich geschätzt, verehrt und als Muster aufgestellt zu werden.
Goethe, Wahlverwandtschaften I,18

Dass dem wohldenkenden Menschen nur dann etwas skandalös vorkomme, wenn er Bosheit, Übermut, Lust zu schaden, Widerwillen zu helfen bemerkt, dass er davon sein Auge wegwendet.
Goethe, Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Dass den Willen des Sohns, den heftigen, gerne die Mutter
Allzu gelind begünstigt, und jeder Nachbar Partei nimmt,
Wenn es über den Vater nur hergeht oder den Ehmann.
Goethe, Hermann und Dorothea 5. Gesang Vs 112

Dass der Autor einen großen Reichtum von Motiven der Pastoralwelt auf eine höchst geschickte Weise zusammengefunden und besonders das Hauptmotiv der Retardation in der größten Mannigfaltigkeit zu benutzen gewußt.
Goethe, Tagebuch, 22.7.1807

Dass der Autor, wenn er einigermaßen vom Geiste begünstigt ist, seine Sachen selbst bringen und reproduzieren solle.
Goethe, An F. A. Wolf, 16.12.1807

Dass der Dichter, besonders der moderne, der lebende, Anspruch an die Neigung des Lesers, des Beurteilers machen und voraussetzen darf, dass man konstruktiv mit ihm verfahre...
Goethe, An H. K. Eichstädt, 15.9.1804

Dass der eigentliche Dichter die Herrlichkeit der Welt in sich aufzunehmen berufen ist und deshalb immer eher zu loben als zu tadeln geneigt sein wird.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Dschelat-eddin Rumi

Dass der eigentliche Trost nur von dem Leidenden, die Fassung nur von dem Beschädigten ausgehen könne.
Goethe, An Ch. G. v. Voigt, 26.7.1813

Dass der Geist des Menschen ein eignes Ganzes ausmache, das sich mit einem anderen nie vereinigen, wohl aber an mehr oder wenigem Punkten sich berühren könnte.
Goethe, Theatralische SendungII,2

Dass der gerechte Mensch wächst wie ein Palmenbaum,
Verwunder ich mich nicht: nur dass er noch find't Raum.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Dass der große Geist sich hauptsächlich vom kleinen darin unterscheidet, dass sein Werk selbständig ist, dass es ohne Rücksicht auf das, was andre getan haben, mit seiner Bestimmung von Ewigkeit her zu koexistieren scheine, da der kleine Kopf, durch übel angebrachte Nachahmung, seine Armut und seine Eingeschränktheit auf einmal manifestiert.
Goethe, An J. G. Röderer, 21.9.1771

Dass der größte Teil der Geschichte nichts weiter als ein Klatsch sei. [Bei Gelegenheit von Plutarchs Schrift: De malignitate Herodoti.)
Goethe, Riemer, zeitlich unbestimmt

Dass der Hund nicht zur Hochzeit kommt, das macht der Prügel hinter der Tür.

Dass der Kitsch oft besser gemacht ist als die Kunst, das ist keine Eigenart des Filmes. Von jeher und überall hat sich der Unwert in Szene zu setzen verstanden.
Victor, Wir wollen nicht nur Illusionen

Dass der Kopf im Raume sei, hält ihn nicht ab, einzusehn, dass der Raum doch nur im Kopfe ist.
Arthur Schopenhauer, Den Intellekt überhaupt und in jeder Beziehung betreffende Gedanken

Dass der liebenswürdigste Brief, nicht das hundertste Teil von dem Reiz der Unterredung enthält.
Goethe, An Friederike Oeser, 13.2.1769

Dass der Mensch aller geistigen Organe bedürfe, wenn er sich an das Ungeheuere wagt, gestehen wir gern. Der Philosoph, der Mathematiker, der Chemiker, der Physiker, dürfen da wohl gemeinschaftlich handeln...
Goethe, An J. S. Schweigger, 25.4.1814

Dass der Mensch das Gute, das ihm widerfährt, wie einen glücklichen Raub dahinnehmen und sich weder um rechts noch links, viel weniger um das Glück und Unglück eines Ganzen bekümmern soll.
Goethe, An Charlotte v. Stein, 25.1.1787

Dass der Mensch das Ziel in seiner Jugend so nahe glaubt! Es ist die schönste aller Täuschungen, womit die Natur der Schwachheit unsers Wesens aufhilft.
Friedrich Hölderlin, Hyperion

Dass der Mensch den Wert einer klaren Wirklichkeit gegen ein trübes Phantom seiner düstern Einbildungskraft von sich ablehnt.
Goethe, Kampagne in Frankreich - Duisburg, November 1792

Dass der Mensch der Veränderung nicht widersteht, welche die Zeit hervorbringt.
Goethe, Wanderjahre I,12

Dass der Mensch die Kraft habe, das Gute zu wollen und zu vollbringen...
Goethe, Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Dass der Mensch die Rede eigentlich für die höchste Handlung hält, so wie man vieles tun darf, was man nicht sagen soll.
Goethe, Reise in die Schweiz 1797, Schaffhausen, 19.9.

Dass der Mensch eigentlich nur berufen ist, in der Gegenwart zu wirken.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,10

Dass der Mensch in der Gegenwart, ja vielmehr noch in der Erinnerung die Außenwelt nach seinen Eigenheiten bildend modele.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1811

Dass der Mensch in seiner Jugend das Ziel so nahe glaubt! Es ist die schönste aller Täuschungen, womit die Natur der Schwachheit unseres Wesens aufhilft.
Hölderlin, Hyperion

Dass der Mensch ins Unvermeidliche sich füge, darauf dringen alle Religionen, jede sucht auf ihre Weise mit dieser Aufgabe fertig zu werden. Die christliche hilft durch Glaube, Liebe, Hoffnung gar anmutig nach, daraus entsteht denn die Geduld, ein süßes Gefühl, welch eine schätzbare Gabe das Dasein bleibe, auch wenn ihm, anstatt des gewünschten Genusses, das widerwärtigste Leiden aufgebürdet wird.
Goethe, Wanderjahre III, 11

Dass der Mensch nur in Gesellschaft Gleicher oder Ähnlicher wirken könne.
Goethe, F. Grillparzer, 2.10.1826

Dass der Mensch zuletzt Epitomator von sich selbst wird! Und dahin zu gelangen ist schon Glück genug.
Goethe, Maximen und Reflexionen 995

Dass der Mensch zum Menschen werde,
Stift er einen ew'gen Bund
Gläubig mit der frommen Erde,
Seinem mütterlichen Grund;
Ehre das Gesetz der Zeiten
Und der Monde heil'gen Gang,
Welche still gemessen schreiten
Im melodischen Gesang.
Schiller, Das Eleusische Fest

Dass der Mensch, der das Gute will, sich ebenso tätig und rührig gegen andere verhalten müsse, als der Eigennützige, der Kleine, der Böse. Einsehen lässt sich's gut, es ist aber schwer in diesem Sinne handeln.
Goethe, Italienische Reise I, 23.11.1786

Dass der Mensch, selbst ein Produkt der Evolution, nur Partikel in einem gewaltigen, nichtumkehrbaren Prozess ist, scheint als Erkenntnis so kränkend, dass man offenbar außerstande ist, das anzunehmen.
Hark Bohm

Dass der Mensch, so gern er sich auszeichnet, sich auch ebenso gern unter seinesgleichen verlieren mag.
Goethe, Entwurfeiner Farbenlehre 6.Abt.. 842

Dass der Mensch, trotz aller Dummheiten und Verwirrungen, von einer höhern Hand geleitet, doch zum glücklichen Ziele gelange.
Goethe, Eckermann, 18.1.1825

Dass der Mensch, um frei zu sein, sich selbst beherrschen müsse.
Goethe, Benvenuto Cellini, Anhang

Dass der Mensch, zu Behauptung seiner Freiheit, den Gegensatz des Gegebenen selbst hervorruft, diese Erscheinung zeigt sich auch im Physischen, wo das Auge den Gegensatz einer gegebenen Farbe selbst hervorbringt, und mit dem Gegebenen und dem selbst Hervorgebrachten die Totalität abschließt.
Goethe, Riemer, 26. 11. 1806

Dass der Moment alles ist und dass nur der Vorzug eines vernünftigen Menschen darin bestehe, sich so zu betragen, dass sein Leben, insofern es von ihm abhängt, die möglichste Masse von vernünftigen, glücklichen Momenten enthalte.
Goethe, Italienische Reise III, 27.10.1787

Dass der Mond zu- und abnimmt, ist der Lauf der Welt.
Japan

Dass der Neid, welcher andere so gern von der Ehre einer Entdeckung ausschließen möchte, dass die unmäßige Begierde, etwas Entdecktes nur nach seiner Art zu behandeln und auszuarbeiten, dem Forscher selbst das größte Hindernis sei.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass der Schöffen sieben sind, ist gut.

Dass der Sinn es redlich meine, haben wir ein fein Gemerke:
Wenn nicht Worte bleiben Worte, sondern Worte werden Werke.
Logau

Dass der Teufel ihr nicht käm' ins Haus, lausete jene Nonne eine Maus.
i] Denn Müßiggang ist aller Laster Anfang.

Dass der Übersetzer nicht nur für seine Nation allein arbeitet, sondern auch für die, aus deren Sprache er das Werk übernommen hat...
Goethe, An Th. Carlyle, 15.6.1828

Dass der unpoetische, in seinem bürgerlichen Behagen bequeme Kunstfreund gewöhnlich da einen Anstoß nimmt, wo der Dichter ein Problem aufzulösen, zu beschönigen oder zu verstecken gesucht hat.
Goethe, Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Dass der ursprüngliche Wert einer jeden Religion erst nach Verlauf von Jahrhunderten aus ihren Folgen beurteilt werden kann.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Mahmud und Gasna

Dass der Vater ein Dreck getan, so stinkt doch der Sohn nicht danach.

Dass der Verleger jederzeit genau weiß, was ihm und seiner Familie frommt, der Autor dagegen völlig darüber im dunkeln ist. Denn wo sollte er in dem völlig gesetzlosen Zustande des deutschen Buchhandels Kenntnis nehmen, was darinnen Rechtens ist, was Herkommens und was nach sonstiger Konvenienz Buchhändler sich einander verzeihen und gegen die Autoren erlauben.
Goethe, An S. Boisserée, 12.1.1826

Dass der vorzüglichste Mensch auch nur vom Tage lebt und nur kümmerlichen Unterhalt genießt, wenn er sich zu sehr auf sich selbst zurückwirft und in die Fülle der äußeren Welt zu greifen versäumt, wo er allein Nahrung für sein Wachstum und zugleich einen Maßstab desselben finden kann.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,10

Dass der Windhund einen langen Start (Stärt, Steert), das kommt von seiner Art.
i] Alles hat und behält seine eigne Natur.
ho] Dat de windt-hondt een langen steert heeft, komt hem van sijn geslachte.

Dass der winter sey grimm und kalt, vernimmt man auch von ferne balt.
la] Longe clarescit, quae hyems algore rigescit.

Dass der Zufall [in Roman und Drama] wohl pathetische, niemals aber tragische Situationen hervorbringen dürfe...
Goethe, Lehrjahre V,7

Dass der, der nötig zu haben glaubt, vom sogenannten Pöbel sich zu entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet.
Goethe, Werther 1. Buch, 15. Mai

Dass der, dessen Werk es ist, ein großes Ganze zu übersehen, zu regieren, zu erhalten, sich keinen Vorwurf zu machen braucht, geringe Verhältnisse vernachlässiget, Kleinigkeiten dem Wohl des Ganzen aufgeopfert zu haben.
Goethe, Clavigos Wohnung (Carlos)

Dass dich alles Unglück bestehe!
i] Alter und veralteter sprichwörtlicher Fluch.
ho] Dat hem alle ongeluk besta.

Dass dich d' Ente vertrette (o. vertrapple).

Dass dich das Geschwür (= Lustseuche) ankomme!

Dass dich das heilige Feuer verzehre.
fr] Que le feu Saint-Antoine vous arde.

Dass dich das hellische feuer verbrenne!

Dass dich das herzeleid bestehe!
ho] Harteleed is de diepste pajn.

Dass dich das Herzleid ankomme, sagte der Teufel zum Schelm, und gab ihm eine Maultasche, dass er ihn eingeladen, den Hintern zu küssen und dann ein Kreuz davorgemacht.

Dass dich das Kreuzdonnerwetter in den Boden 'nein schlüg.
Nürtingen

Dass dich das Mäuschen (er-)beisse!

Dass dich das parle ruere (angehe)!
Agricola
i] Auch Barle, Parlay, Parlin, Parlys (Paralysis), Parlysucht, Parleysucht, Perle, Perli, Perlin, Perlis. Drückt den Fluch aus: dass du lahm werdest. Das Übel wird auch durch Tropf (apoplexia) bezeichnet.
z] Tropff auf eyner seiten, so nur dz halb theyl des leibs lamm ist, hemiplexia.
z] Das perli macht ein menschen schlottern, stettig, hinter sich gon, vnempfintlich, weich, irrig.
z] gut fuir Siechthum der Nieren und Beschwärung der gelider, das Parlay, fuir Gicht und Tropffen.

Dass dich das wetter angehe!

Dass dich de ritz scende (schände).
i] Dass dich das Fieber verderbe.

Dass dich der Bock nicht stoße.
i] Das slavische bog, bedeutet entweder Gott oder Teufel, je nachdem dabei an den beli-bog, den weißen, lichten, guten Gott, oder an den czernibog, den schwarzen Gott oder Teufel gedacht wird. 'Bokleichnam', ein Ausruf bei Hans Sachs, heisst so viel als Fronleichnam, corpus domini. 'Durch Boks Tod lauf, trink', bedeutet, um Christi Todes, um Jesu Christi willen, lauf, trink. - Dagegen (auch bei Hans Sachs) 'Beltzenbok' meint den Beelzebub, den Teufel. Ins Bokshorn jagen, heisst, zum Teufel jagen, dass dich der Bok nit stoß (in verschiedenen Wendungen bei Hans Sachs u.a.) bedeutet, dass dich der Teufel nicht hole. - Bok ist in diesem Sinne, in dem es nicht das Tier bezeichnet, das slavische Bog.

Dass dich der Deutscher!

Dass dich der Donner erschlage.
i] Der Donner schlage dich! oder älter: Der Hammer schlage dich! steht in Beziehung zu Donar, und den Begriffen von Tod und Teufel. Diese Redensart gehört zu den Fluch- und dergleichen Formeln, die für das eigentlich Gedachte oder Gemeinte eine mildernde Verkleidung setzen. Dazu dient hier auch das Wort Donner, das aber auch in sein vielen Formen eigentlich oder durch Stellvertretung eines Dinges, das donnert, in anderen sprichwörtlichen Redensarten oder bloßen Ausdrücken in diesem Sinne angewandt wird. Aus dem Elsaß: Bîm Dunder! Bîm Dunder! Dass dich e Bumm (Bombe) platz! Dass dich der Duender! D'r Duener! D'r Dunder au! Potz Dunder! D'r Dontel! Potz Wetter! Zuem Dunner! Zuem Dunder! Potz Dunner unn Wetter! Dunnerwetter! Dunderwetter! Kritzdunnerwetter! Potz Hiehnerwetter! Dunnerschla! Ei ze schla dich ...! Dunderschiess (Donnerschoss)! Potz Dunderschiess! Zuem Dunderschiess! Dunderkeil (Donar's Keule, Keil, Hammer, Donnerkeile nennt man die Luftsteine, Aërolithen)! Donnerstrahl! (Fischart, Gargant., Kap. 34.) Dunnerwille! Dunderwischbele! Noch mehr verhüllend stehen folgende Wörter für Donner: Potz Plunder! Botz hundert! Botz hunderttausend Elen und Enden.

Dass dich der Donnerstag!
ndt] Bîm Dungsti! Zuem Dungsti! Elsaß
ndt] Bim Dumstig! Hessen

Dass dich der Einhorn in diesem Jahre nicht stoße und in vielen Jahren nicht.
i] Dass dich der Tod nicht berühre

Dass dich der Geier schände!

Dass dich der Gruzl.
Kärnten (Der Teufel)

Dass dich der Hahn hacke im Strohsacke.
i] Eine in dem früheren Niedersächsischen gebräuchliche Redensart, die einen sehr bösen Wunsch enthält. Nach den alten Gesetzen wurden früher die Kindesmörderinnen und die, welche ihre Eltern umgebracht hatten, mit einem Hunde, einem Huhne, einer Schlange und einem Affen (in dessen Ermangelung mit einer Katze) in einen Sack gesteckt und ersäuft.

Dass dich der Has!

Dass dich der Henker.

Dass dich der Hitzel!
Schlesien (Für: Teufel)

Dass dich der Kuckuck gemacht! Meiningen
i] Ausruf beim Missraten der Arbeit.

Dass dich der Neidhard schänd.
i] Eine Schimpf- oder Fluchformel.

Dass dich der Rangen anstoße!

Dass dich der Ritten schütt'.
i] In dem alten, dem 13. Jahrhundert angehörenden Fabelbuche: Der Edelstein von Boner, handelt die 48. Fabel von der Ritte. Der Ritten (jetzt in Ein- und Mehrzahl Ritten) ist das altdeutsche Wort für Fieber. Man nahm an, dass es mit ridt, reiten, rütteln zusammenhänge. Das Wort kommt in den Schriften jener Zeit in den verschiedensten Schreibweisen vor. Man findet: Ritt, Ritte, Ritten, Rieden, Rito, Rötschit; Garritt, Jaritt, Janritt, Jaritten, Jhachritten, Herzjaritten, Järitten, Gäritten. Es scheint darunter ein im 14., 15. und 16. Jahrhundert besonders sehr verbreitetes, pestartiges Fieber gemeint zu sein, das die Leute schnell (jäh) ergriff und hinraffte; daher Jaritten, Jähritten (wie Jähzorn) genannt, nicht, wie es irrigerweise geschehen ist, als ein Fieber, das ein Jahr dauert (febris quae annum durat.) Es hatte zwei Hauptstadien und begann gewöhnlich mit Frost, Rittenfrost. In der elsassischen Mundart heisst rîdere: zittern, und heisst der Ritt wohl ursprünglich das Zittern und dann das Fieber. Man nennt es dann auch das Kaltwee.
z] 'Ein fraw, die das kaltwee hat.' Aus der Legenda Sanktorum ad 2. Kal. Jun. erfahren wir, dass die heilige Petronilla dagegen angerufen wurde: 'Man eret sie gerne fuir den ritten, wan unser herre tůt vil zeichen durch ihren willen.' 'Do sties in (den Kaiser Leo IV.) eine rötte an das er starb.' 'Das dich der rit schit!' 'Das im got den ritten geb.' 'Und ob dich die pestrlentz anstoßet in dem stat, in des ritten namen, worumb bistu gehasset.' 'Sie haben das fieber oder ritschit.' 'Eine fraw, die das kaltwee hat, und den ritten, an dem tantz so bliget sie wie ein ross und meint der war sie sei huibsch.' 'Das Gott dem kargen schelmen den ritten gebe.' 'Nach dem essen stieß jm ein kleiner ritten an, ein klein fieber.' 'Ich zitter als mich der ritten schit.' 'Er hat den ritten in den hut.' 'Wolt Got, das sie der ritte schit.' 'Das dich der einfeltig ritten schit, als kündstu nit ganz drü erzelen.' 'Hyn lüss man dich den ritten han.' 'Schweig, dass dich der ritten schitt.' 'Das in der Herziar ritenschit.' 'Das dich der Herz jar ritten schitt.' 'Ich muss den Herz iarritten schweren.' 'Dass dich der Ritt schitt; du Bösswicht!' 'Ich ließ die Schul haben den Rieden.' 'Und dass dich der ritt muss schütten.' 'Ey, das schütt dich der ja ritt.' 'Geht hin, dass euch der Riet schüttelt.' 'Schütt dich der ritt, du junger Lapp.' 'Ey, das vergelt der Jar ritt dir!' 'Dass dich der ritt wasch.' 'Das sie der jarritt schütt.' 'Der herzewige ritt gange sie an!' 'Der Garritt gehe dich an.'

Dass dich der Schwede!

Dass dich der Teufel hole.
ndt] Dat di de Düwel hâl!

Dass dich der Teufel schände!
i] Verderbe, verführe, unglücklich mache.

Dass dich der Teuker!
i] Verhüllend für Teufel.
z] Viele, bloß schwarzgekleidete Kardinäle schwören nur: 'dass dich', etwas kühner: 'dass dich der Teuker', oder nur: 'dass dich der Tausend!' einer meiner Bekannten nur: 'Sadrach', weil er aus Daniel 1, 7 weiß, dass dies auch ein Fürst der Finsternis bedeutet. Andere halten auch 'Satan' für unbedeutender. So schwören die Neugriechen, die sich ungemein vor dem Teufel fürchten: 'Der soll dich holen, der draußen und weit von uns ist'; und nur in der Kirche getrauen sie sich, das Kind beim rechten Namen zu nennen, weil man dort sicher ist; dafür schwören wieder fromme Seelen bloß 'meiner Sex', ohne zu wissen, dass es sagen will: bei meinem Schwert (sass) und ohne zu überlegen, dass sie oft nichts weiter bei sich haben, als ein schlechtes Taschenmesser.

Dass dich der tropf schlage!
i] Sprichwörtlicher Fluch, der wünscht, dass der Betreffende gelähmt werden möge.
z] Dass ein yglicher mensch ynn seinem gehirn drey tropffen habe, einer zur lincken, einer zur rechten seytten und einer mitten. Wenn nun der zur lincken fellt, so wirt die lincke, fellt aber der zur rechten, so wirt die rechte seytten lam, wo er aber mitten fellt, so muss der mensche ynn vier und zwentzig stunden sterben, wo nicht ehe.

Dass dich die Franzosen ankomen!
i] Franzosen = Lustseuche
z] Dieser fluch ist new, und bei Keyser Maximilians zeytten auff kommen. Denn vor diser zeyt war diese kranckheyt und plattern vngehoret ynn deutschen landen. Da aber Maximilian kriegte mit dem Ludouico Gibboso, Konig ynn reich, und mit den Venedigern, brachten die vnseren dise platern aus Lombardien ynn Deutsche land, davon sie auch noch heuttigs tages den namen haben und heyssen Frantzosen.

Dass dich die höllische Darr' ankomme.

Dass dich die Mäuse fressen.

Dass dich die pestilenz ankomm.
ndt] Dat du de Pestelenz kriggst. Pommern
i] Sprichwörtlicher Fluch.

Dass dich die Plag bestehe!
z] Die plage ist das falbel, das fallend vbel, die große krankheyt.

Dass dich die raben fressen!
i] Sprichwörtlicher Fluch.
ho] Dat u de raven picken (schenden, vreten, beschijten).
la] Ad corvos.

Dass dich die schwere Not!
i] Gleichbedeutend mit der Verwünschungsformel: Dass dich die Kränk oder die Fallsucht (Epilepsie) heimsuche.

Dass dich die Soldaten hätten!

Dass dich die Sucht erschlage.

Dass dich die Todesgöttin erwürge!
lit] Kad tawe Gittinę nusmanztu.

Dass dich die vier bottschafft ankommen.
i] Ein sprichwörtlicher Fluch, wodurch man jemand die vier Übel wünschte, welche nach dem Heiligenglauben die vier Heiligen: Sanct- Antonius, Sanct-Ruprecht, Sanct-Valentin und Sanct-Cornelius heilten.

Dass dich die vier haken schenden, daran der Himmel hengt.

Dass dich die Wache nicht kriegt.

Dass dich ein böss jahr ankomme!
z] Das dich ein bös jar an gehe und alles übel!
i] Ein alter sprichwörtlicher Fluch, in dem man wünscht, dass jemand keine gute Stunde haben möge!
ho] Dat hem een boos jaar aankome.
ho] Dat u het goede jaar hale!

Dass dich Gott schände!
i] Verdammt seist du!
i] Agricola hat die sprichwörtlichen Redensarten, die zu seiner Zeit als Verwünschungsformeln im Brauch waren, in seiner Sammlung der 750 Sprichwörter aufgenommen: Dass dich das blaw, das vor dem donner herlauffet, ankom. Dass dich die vier botschaff ten ankommen. Dass dich der donder erschlag. Die Druess gehe dich an. Dass dich das hellische fewer verbrenne. Dass dich die frantzosen ankomen. Das falbel gehe dich an. Dass dich Gotts dufft und lufft schende. Dass dich Gotts funf Wunden schenden. Dass dich Gotts kraft (macht) schende. Dass dich Gotts leichnam schende. Dass dich Gotts marter schende. Dass dich Gott schende. Dass dich Gottes Sacrament schenden. Dass dich das hertzleyd bestehe. Dass dich ein boss iar ankomme. Dass dich die plag bestehe. Dass dich Sanct-Quirin ankom. Der ia ritten gehe dich an. Die sucht gehe dich an. Dass dich der Tropff schlage. Dat dick negen Tüffel ynnet hole liff faren. Der Teuffel fuere dich über den Osterrode hynweg. Dass dich der Teuffel schende. Dass du müssest toll, rasent und vnsinnig werden. Dass dich alles Unglück bestehe. Dass dich Sanct-Veitstantz ankom. Dass dich Sanct-Vrbans plag bestehe. Dass dich Sanct-Veltin ankom. Dass dich dass Wetter angehe. Dass dich die Pestilenz ankom. Dass dich das Parle (Paralysis) ruere. Dass dich Sanct-Anthoni ankom. Dass dir nymmer guts geschehe.

Dass dich Gotts angst schände.
i] Eine zu Agricola's Zeit sehr gewöhnliche Verwünschungsformel vom Leiden Jesu hergenommen. Der angeführte Schriftsteller sagt: 'Fast jedes Kind braucht dies Wort zu allen leichtfertigen Sachen, als wäre die Angst Christi ein Spott.'

Dass dich Gotts Dufft und lufft schende.
i] Sogar die Luft soll dir zum Verderben gereichen

Dass dich Gotts funff wunden schenden.

Dass dich Gotts krafft, Gotts macht schende.

Dass dich Gotts leichnam schende.

Dass dich Gotts Lung schendt.
z] Gotslästerer und gotsschwerer (nennen) Gots hirn, lung, leber, kröss, wunden onmacht.

Dass dich Gotts marter schende.

Dass dich Gotts sacrament schenden.

Dass dich Hasehart verzehr'!
i] In einem ungedruckten Gedichte Rüdigers von Meure. Jakob Grimm, sagt darüber: 'Ein seltener mittelhochdeutscher Ausdruck, der erst im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts vorkommt und sichtbar dem französischen hasart, hazart nachgeahmt, seiner Wurzel nach also undeutsch ist.' Er erklärt es als Würfelspiel auf Grund angeführter Quellen.

Dass dich potz Valtin schendt.
z] Valten, Valthin, kommt vom fallen und ist das fallend übel; darzu S. Valtin (ist anderst yrgent ein heilig ym Hymel, der also heysst) apoteckerknecht ist.

Dass dich S. veits tanz ankomme.
i] Eine in jener Zeit sehr übliche Verwünschungsformel.
z] Ynn Deutschen landen sind der plagen vil gewesen, als do der Teufel die leutte besessen hat und aussgerichtet was er gewolt hat .... Vnd eben daselbs wurden etliche leutte geplagt, dass sie tantzen musten oft tag an eynander, oft zwen tag, drey tag und nacht.
i] Der Sankt- Veitstanz ist eine Krankheit, deren Entstehung früher dem Teufel zugeschrieben wurde, und die in Krämpfen der willkürlichen Muskeln besteht, die sich unter Fortdauer des vollen Bewusstseins durch unwillkürliche Bewegung des Rumpfes, Kopfes und Gesichts kundgibt. Man unterscheidet kleinen und großen Veitstanz. Bei dem letztern können sich die krampfhaften Zuckungen, das Hüpfen, Tanzen, Herumlaufen im Kreise, bis zu einer Art Geisteskrankheit steigern, deren Ausgang Blödsinn oder Fallsucht sein kann. Die Krankheit kommt in den ältern Schriften unter verschiedenen Namen, als Sankt-Veltiensplag, Sankt-Veltens Siechtag, Sankt-Valentin's Siechtag Veltenstanz, Sankt- Veltes Krisem, Fallentübel, Sankt-Verden bluot, vor. Nach einigen kommen bei einzelnen Einsiedlern und Mönchen schon im 5. Jahrhundert Spuren von Sankt-Veitstanz vor. Allgemeiner zeigte sich die Plage zu Erfurt im Jahre 1237, wo am 15. Juni plötzlich tausend Knaben und Mädchen so von der Tanzwuth ergriffen wurden, dass sie vier Stunden weit von der Stadt unaufhaltsam forttanzten und den folgenden Tag von den Eltern auf Wagen zurückgebracht werden mussten. Im Jahre 1374 brach die Krankheit in den Niederlanden aus und zeigte sich 1417-18 am Rhein, besonders im Elsass. Die Ergriffenen waren in diesem Zustande gegen allen Schmerz, der durch Stechen, Zwicken u.s.w. hervorgebracht werden sollte, unempfindlich. In Strassburg wurden besonders Frauen von der Krankheit ergriffen, sie geriethen in krampfhafte Zuckungen, sprangen und tanzten so lange, bis sie erschöpft zu Boden fielen. Eine handschriftliche strassburger Chronik enthält, das Jahr 1418 betreffend, den Vers: 'Viel hundert fingen zu Strassburg an zu tanzten und springen, Frau und Mann, am offnen Marck, Gassen und Straßen, Tag und Nacht ihrer vil nicht assen, bis in das Wüten wieder gelag. Sankt Vits Tantz ward genannt die Plag.'
z] Also gat es denen die Sankt-Veltins Siechtagen hond, wen sie die Siechtagen leiden, so entpffinden sie nit, waz man inen anthut.

Dass dich S. Velten ankomme odder schende.
i] Böser Wunsch. Velten (volksmundliche Zusammenziehung aus Valentin) ist hier bloßes Wortspiel, entstanden aus Valthin = fallt hin für Fallsucht. Valentin war aber Schutzheiliger gegen Pest und Epilepsie. Man glaubt, dass der heilige Valentin, der zu Rom im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitt, von dem Volke irrtümlich in das Heidenthum versetzt und dadurch unter die Teufel geraten sei, weil an seinem Gedenktage (21.5.) die schon aus Shakspeare und Walter Scott bekannten, mit allerhand abergläubischen Gebräuchen verbundenen Festlichkeiten der heirathslustigen Jugend stattfanden. Richtiger wird wohl aber der Namen Velten auf Valant zurückgeführt, der im Volksglauben den Teufel vorstellt. Der Ausdruck kommt im Volksmunde häufig und früher noch mehr als jetzt vor. Man gebraucht ihn meist in Ausrufe- und Fragesätzen, um Unwillen oder Verwunderung auszudrücken: 'Wie zum Velten hatte ich mir einbilden können. Was zum Velten, Sie wissen nicht, dass Julchen meine Nichte ist. Was Velten hatte sie im Koffer zu kramen? Ei, zum Velten, der bin ich nun wohl nicht. Wo, zum Velten, soll ich mein Schiff herkriegen. Wie, zum Velten, ist das Kätzchen heraufgekommen?' Häufig wird es auch mit Potz verbunden und steht dann für Gottsteufel, als: Potz Velten, und wie heißen Sie. Potz Velten, böse müssen Sie nicht sein. Potz Velten, jetzt fällt mir's ein. Potz Velten, was heisst das wieder? Ei, zum Velten und seiner Schwiegermutter. Die letztere Redensart erinnert an den Teufel und seine Großmutter. 'Das euch S. felten, hätte schier geflucht.'

Dass dich Sankt Antoni ankomme!
i] Im 11. und 12. Jahrhundert wütete eine Krankheit, welche das Feuer des heiligen Antonius, auch Wildfeuer (ignie infernatis, gehennalis) genannt wurde. Was für ein Übel es gewesen, ist nicht genau bekannt. Die Glieder der Kranken wurden schwarz wie verbrannt und faulten zuletzt gänzlich ab. Noch im Jahre 1533 wallfahrteten über l0.000 Italiener und ganze Scharen von Deutschen und Ungarn zum Grabe des heiligen Antonius in der Dauphiné. Bekannt ist auch, dass die Antonitermönche die Kranken christlich pflegten, die an dieser Krankheit litten. Auf diese Krankheit bezieht sich das obige, in alten Sprichwörtersammlungen vorkommende Fluchsprichwort.

Dass dich Sankt Kurin ankomme!
i] Sprichwörtliche aber veraltete Fluchformel. Der heilige Quirin soll die Macht haben, die Leute vor Krankheiten, Seuchen und allerlei Plagen zu bewahren, weshalb er in diesen Angelegenheiten angerufen wird. Wem er zum Bedürfnis wird, der muss sich in einem der genannten Zustände befinden.
z] Man hat auch ynn seinen namen ein botschafft aussgefertiget.

Dass dich Sankt Urbans (25.5.) plag bestehe.
z] Sankt Vrban wirt von den Franken dafür gehalten, als die Heyden etwan Bacchum hielten, der des weins warte. S. Vrbans plag ist eine Deutsch plage, nemlich, dass sich einer voll saufe und mache ein sewmal.
i] Unsere Vorfahren setzten unsere Alten an die Stelle des Bacchus zum Pflegen des Weins.
la] Sanktus Urbanus largitor vini.
la] Urbani plaga est ebrietas.

Dass dich Sant Veltens arbeit besteh.

Dass dich Sant Veltes Krisem anstoss.
i] In dem Liede auf die Schlacht bei Drakenburg heisst es: 'Dat perdt mach wohl hir stan unde mach sunten Veltens lyden han.

Dass dich St. Urbans Plag (oder Feuer) angehe!
i] Ein hitziges Fieber, auch das durch unmäßiges Trinken bewirkte Podogra.
z] Er dunckt sich weiß und wolgelehrt, die Noten wirfft er wieder die Erd, dasselb eine halbe stund wohl wehrt. Er machets so krumm und spricht kurtzumb, wer kehrt mirs Pultpret um. Er singet Noten Klaffterlang.
z] Ja mir ist ein Schuldner entrunnen ....Ich wolt, er het St. Vrbans blag.
z] Behüt mich got vor sant Vrbans plag.

Dass dich St. Urbansfeuer greife.
z] Mein lieber Nachbaur halt dein Frauen, schau wie tun jr die augen glitzen, wie tut jr Angesicht sie anspitzen, schau wie grissgramt sie mit den Zenen, sieh wie bibend mit den henden, schaw wie sie mit den Füßen stampff, als ob sie hab den Esels Krampff. Ich fürcht sie sei wütig und wünnig oder villeicht toll und unsinnig. Lass inn ein finster Kammer sperren.' Worauf der Mann erwidert: 'Was wilt du mich doch immer herren. Siehst nit, sie hat sanct Vrbans plag.

Dass die Anmaßung sich mit dem Elend verbindet, ist eine außerordentliche Ungerechtigkeit.
Pascal, Gedanken

Dass die Ansichten der Menschen viel zu mannigfaltig sind, als dass sie, selbst durch die vernünftigsten Vorstellungen auf Einen Punkt versammelt werden könnten.
Goethe, Wahlverwandtschaften (1808-1809) I, 3

Dass die Antizipation sich überall nur soweit erstrecke, als die Gegenstände dem Talent analog seien [... allein hätte ich nicht die Welt durch Antizipation bereits in mir getragen, ich wäre mit sehenden Augen blind geblieben, und alle Erforschung und Erfahrung wäre nichts gewesen als ein ganz totes, vergebliches Bemühen.
Goethe, zu Eckermann, 26. Febr. 1824

Dass die äußere Erscheinung der Juden mächtig beiträgt, im deutschen Volk das Bewußtsein zu erhalten, in den Juden Ausländern gegenüber zu stehn, ist ein großes Unglück.
Lagarde, Deutsche Schriften, Deutsche Frömmigkeit

Dass die Besserung der Toren durchs Lächerliche kein fruchtloses Unternehmen sei.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7

Daß die Bibel keine Spur von Humor enthält, ist eine der merkwürdigsten Tatsachen der ganzen Literatur.
Alfred North Whitehead (1861 - 1947)

Dass die christliche Religion, da sie einmal erschienen ist, nicht wieder verschwinden kann, da sie sich einmal göttlich verkörpert hat, nicht wieder aufgelöst werden mag.
Goethe, Wanderjahre II,1

Dass die Dornen werden geacht, das haben allein die Rosen gemacht.

Dass die echten Menschen aller Zeiten einander voraus verkünden, aufeinander hinweisen, einander vorarbeiten.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 5. Abt.. Kepler

Dass die Eltern vor den Kindern sterben, ist in der Ordnung, unnatürlich aber ist, wenn der Sohn vor dem Vater abgefordert wird.
Goethe, K. Vogel, Ende 1830

Dass die Erfahrung uns überzeuge, dass unsere besten Gedanken, Wünsche und Vorsätze unerreichbar seien und dass man denjenigen, welcher dergleichen Grillen hegte und sie mit Lebhaftigkeit äußere, vornehmlich für einen unerfahrenen Menschen hält.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7

Dass die Erfahrung, wie in allem, was der Mensch unternimmt, so auch in der Naturlehre, [...] den größten Einfluss habe und haben solle, wird niemand leugnen, so wenig als man den Seelenkräften, in welchen diese Erfahrungen aufgefaßt, zusammengenommen, geordnet und ausgebildet werden, ihre hohe und gleichsam schöpferisch unabhängige Kraft absprechen wird.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass die Farbe der Haut und Haare auf einen Unterschied der Charaktere deute, ist wohl keine Frage, wie wir ja schon einen bedeutenden Unterschied an blonden und braunen Menschen gewahr werden...
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt. 671

Dass die flüchtigsten Bilder oft die glücklichsten Gedanken haben [...] dass die ausgeführtesten Bilder der niederländischen Schule, bei allem großen Reichtum womit sie ausgestattet sind, doch manchmal etwas an geistreicher Erfindung zu wünschen übrig lassen.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1806

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