Weisheiten 71

Andern das Glück in die Hände spielen.
i] Wenn uns etwas nicht nach Wunsch gelingt, und ein anderer davon den von uns beabsichtigten Vorteil erhält. Vom Würfelspiel entlehnt, wenn man so wirft, dass man verliert und ein anderer gewinnt.

Andern die Federn vom Rocke klauben.

Andern die Schalen geben und sich den Dotter behalten.

Andern ein Vormünder, sich ein Torminder.
z] Wie solt ich andere guberniern, da ich mich selbst nit kann regiern, andern ein Vormünder, mir ein Torminder.

Andern empfiehlt er Braten und kann sich selber nicht raten.
la] Aliis prospiciens, non sibi.

Andern fängt man Ratten, sich kann man keine Maus fangen.

Andern flickt man die Säcke, die seinen lässt man die Mäuse fressen.
fr] Les cordonniers sont ordinairement les plus mal chaussés.

Andern ins Maul sehen müssen.
i] Ihrer Gnade leben müßen.

Andern ist gut predigen.

Ändern ist nicht bessern.

Ändern ist nicht bessern; und bessern ist zweierlei.

Andern Leuten flickt er den Sack, seinen lässt er die Mäuse fressen.

Andern Leuten muss der Esel Haare tragen.

Andern predigen ist leichter als selber tun.
it] Chi predica agl' altri, non si scordi di se stesso.
it] Felice chi mette in opra il ben che dice.
it] Per ben predicar, si deve prima far.

Andern putzt sie auf, aber sie selber ist eine Schlumperliese.
bm] Jiné kase (podkasává), a sám se plíhá.

Andern raten ist leichter als sich selber erkennen.
z] Stromabwärts schwimmt, wer andern rät, stromaufwärts, wer sich selbst erkennt.
la] Leve est dare consilium, arduum se noscere.

Andern raten wir immer recht und uns selber beraten wir schlecht.
z] Wir können allen andern raten, dass dies und jenes soll gehn von statten, zum öfftern aber wohl geschicht, dass wir uns können raten nicht.
la] Tria sunt necessaria: vesci absque saturitate, non refugere laborem, et abstinere a venere.

Andern soll man viel, sich selber nichts verzeihen.

Ändern und bessern ist zweierlei; viel wird in der Welt geändert, aber wenig gebessert.

Andern vergib viel, dir selbst nichts.
dä] Forlad andre, men ei dig selv.
it] Condona i falli d'altrui ma non i tuoi propri.

Andern vertreibt er die Ratten und ihn vertreiben die eigenen Mäuse.
Russland
fr] L'enseigne du logis chacun esberge et demeure à la playe.
la] Qualis vita, talis fama.

Andern will er Ratten fangen und ihn selbst fressen die Mäuse.
z] Wer andern Rat erteilt und da ihm Hülffe Not, sich allzulang verweilt, von dem heissts: Dieser Mensch wiel andern Ratten fangen und kan vor sich doch selbst nicht eine Maus erlangen.
it] Chi non sà far i fatti suoi, peggio sà far quei d'altri.
la] Nequicquam sapit, qui sibi ipsi non sapit.

Andern zum Ergötzen, sich zu Tode zu hetzen.
Wendische Lausitz

Anders benehmen sich Männer, wenn sie allein unter sich, anders, wenn sie mit Frauen zusammen sind, und wieder anders wird sich dieselbe Gesellschaft betragen, wenn ein Vornehmerer unter sie tritt, dem sie Ehrfurcht zu bezeigen Ursache haben.
Goethe, Rameaus Neffe, Anmerkungen. Geschmack

Anders denk' ich, anders tu' ich.

Anders denkt der Braune und anders der, so ihn sattelt.

Anders der Mund es redet, anders das Herz es meint.
fr] Il a dit de bouche, mais le coeur n'y touche.

Anders hat sich der Jüngling, anders der Greis zu betragen. Vom Jüngling fordert man, dass er die älteren Leute ehrt, dass er sich den Besten und Bewährtesten anschließt, um sich auf ihren Rat und ihr Ansehen zu stützen; denn die Unerfahrenheit des jugendlichen Alters bedarf zur Stütze und Leitung der Umsicht des gereiften Alters.
Cicero, Drei Bücher von den Pflichten

Anders ist der Honig, anders sein Preis.

Anders ist es mit den Franzosen (im Gegensatz zur deutschen Kolonisation), welche ihrer Anlage nach gewalttätig sind und andere Nationen ausschließen wollen, wo sie sich festsetzen.
Chamberlain zu Herbert Bismarck (1884)

Anders lebt man bei uns, anders zu Rom.

Anders machen ist nicht besser machen.
ndt] Anderschmachen äs nit Biessermâchen.

Anders reden dann im Herzen han, ist gemein bei jederman.
la] Est mens nostra suis contraria saepe loquellis.

Anders reden und anders meinen ist das schändlichst auf Erden.

Anders regiert man das Schiff, wenns gut Wetter ist, anders wanns bös und ungestümm ist.

Anders sagen die Musen, und anders sagt es Musäus.
Goethe, Physiognomische Reisen. Der Dichter

Anders singt die Krähe, anders die Nachteule.

Anders spricht der Herr, anders der Knecht.
la] Alia Leucon, alia Leuconis asinus portat.

Anders spricht er und anders denkt (tut) er.
la] Aliud in ora, aliud in corde.

Anders und doch der gleiche
la] alius et idem
Horatius, Carmen saeculare

Anders,
Begreif ich wohl, als sonst in Menschenköpfen,
Malt sich in diesem Kopf die Welt.
Schiller, Don Carlos, III, 10 (König Philipp)

Anderswo (o. anderwärts) ist auch gut Brot essen.
ndt] Annerwegen ward ok Brod backt.
ndt] Annertwäigen wärt äuk Bräoud backen.
Arnsberg
dä] Man bager saa godt bröd andensteds som her.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.
la] Omne solum forti patria est.

Anderswo gibt es (o. sind) auch Leute.
z] Sie tun nach ihrem, nicht nach deinem Willen.

Anderswo isset man auch Brot.

Anderswo ist auch gut Brot essen.
la] Abdera pulchra Tejorum colonia.

Anderswo ist die Welt auch nicht mit Brettern vernagelt (o.) verschlagen.

Anderswo ist's immer besser.
bm] Kde nás není, tam dobře.

Anderswo sucht er, was er zu Haus im Überfluss hat.
Böhmen
i] Nämlich zu tun und zu sorgen.

Anderswo
la] alibi

Anderthalb Mann und ein Pferdekopf.
i] Von einem Zimmer oder irgendeinem Orte, wo sich sehr wenig Menschen befinden. Aus einer Till Eulenspiegelschen Erzählung entstanden. Als Till Eulenspiegel noch als kleiner Knabe in der Wiege lag, da kam eines Morgens, als seine Eltern oben nicht anwesend waren, ein Mann zu Pferde an die Tür, die er aufstieß und fragte, ob niemand zu Hause sei. Eulenspiegel antwortete: 'Anderthalb Mann und ein Pferdekopf', weil er sich nur für einen halben Mann rechnete, der Reiter aber mit dem Leibe auf dem Kopfe des Pferdes lag und beide zum Teil im Wohnhause waren.

Änderung der Gesetze bessert niemand.

Änderung macht oft gute Ordnung.

Änderung zum Nachteil
la] reformatio in peius
[RSpW]

Änderungen im Regiment nehmen selten ein gutes End'.

Anderwärts ist auch gut Brot essen.

And'r Laits (Leute) Brûd is d'r Kend'r Säm'l.

Andre Jahr', andre Haar'; andre Zeit, andre Freud.

Andre lehren ist die größte Kunst.

Andre Leute, wenn sie springen
In die Schranken, sind gesund;
Doch wir Minnesänger bringen
Dort schon mit die Todeswund'!
Heine, Der Minnesänger

Andre Städtchen, andre Mädchen.
Ovid

Andre Zeit, andre Anfechtung.

Andre Zeiten, andre Musen.
Uhland, Die neue Muse

Andre Zeiten, andre Vögel!
Andre Vögel, andre Lieder!
Sie gefielen mir vielleicht,
Wenn ich andre Ohren hätte.
Heine, Atta Troll

Andre zu kennen, das musst du probieren,
Ihnen zu schmeicheln oder sie zu vexieren.
Goethe, Sprichwörtlich

Andreas (30. November) hell und klar, bringt ein gutes Jahr. Eifel

Andreas (30.11.) hell und klar bringt ein gutes Jahr.
ndt] Andreas, hell on klôr bröngd e gud Jôhr. Trier
pl] Święty Andrzej jasny i pogodny będzie roczek płodny.

Andreasschnee (30.11.) bleibt hundert Tage liegen.

Andreasschnee kann lange liegen, Hubertusschnee (3.11.) im Graben versiegen.

Andreasschnee tut dem Korn weh.
pl] Śnieg na Andrzeja, dla zboża zła nadzieja.
pl] Śniegi w dzień Andrzeja gęste, żytom czynią szkody częste.

Andreasschnee tut Korn und Weizen weh.

Andreis Misse (o. Sünte Dreies Misse) bringet den Winter wisse (= gewiss).

Andrer Leute Frauen sind die besten, die eigenen Kinder sind die besten, Gemüse des eigenen Gartens schmecken nicht, die aus anderen Gärten sind die besten.
China

Andrer Leute Kreuz lehrt das eigne tragen.

Andrer Leute Schmerzen tun nicht weh.
Köthen

Andrer Lüte (Leute) Küje hend allewîl e größer Üter.

Andrer Mann, andres Glück.

Andrer Torheit bemerkt man ehere als eigene.

Andrês brängk (bringt) dä kahle Frês (die kalten Fröste).
Köln
ho] Sint Andries staat op en vringt, en laat niet af voor onze Lieur frouw Lichtmesdage.

Andres macht Pappe süß.

Andris bringt den Schnee gewiss.

Andrus (Andreastag, 30.11.), der ehrliche Mann, gibt die Weihnachten (25.12.), Toomas (Thomastag, 21.12.), der grobe Mann, bringt die Weihnachten, Nuut (Knutstag, 7. od. 13.1.), der Zapfen vom Bierfaß, bringt die Weihnachten fort.

Ane kluge Maus wêss mehr alls ee Lôch, sagte der Spitzbube, als er ins zehnte Gefängnis ging.
Schlesien

Äneas roch Lavendelduft und kannte seine Mutter.

Anerkennende Worte sind eine beliebte Einleitung für anschließenden Tadel.

Anerkennung geht in der Regel nur so weit, als sie dazu dient, dem Anerkennenden selbst Relief zu geben.
Karl Gutzkow, Vom Baum der Erkenntnis

Anerkennung ist das Brot der Geister.

Anerkennung ist das Wort eines Idioten, man findet sie im Lexikon, aber nicht im menschlichen Herzen.
Honoré de Balzac, Modeste Mignon

Anerkennung ist eine beliebte Friedhofspflanze.

Anerkennung ist eine Pflanze, die vorwiegend auf Gräbern wächst.

Anerkennung und Applaus können auch Vernichtung bedeuten.

Anerzogen ist wie angeklebt, manchmal aber verwächst das Angeklebte.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Anes, Fanes (Fenchel), Koriander ist der vin' als wi der ander.
Ulm

Anfahen ist schwer, beharren ist Kunst.
Petri, II, 16.

Anfall fällt vor sich.
[RSpW]
i] Der Erbgang ist niederwärts.
mdh] Der Anfall vellet vor sich.

Anfall stirbt der Mutter in den Schoß.
[RSpW]
i] Wird ein eheliches Kind erst nach des Vaters Tode geboren, so ist es Erbe, sobald es die Augen öffnet und die vier Wände beschreit. Stirbt es wieder, so fällt sein Anteil an die Mutter, was der Sinn des obigen Sprichwortes ist.
mhd] Daz angevelle stirbet der muter in den schoz.

Anfang flüchtig, Fortgang nichtig.

Anfang heiß, Mitte lau, Ende kalt.
la] Principium fervet, medium tepet, ultima frigent.

Anfang ist bedenkenswert.

Anfang ist dasjenige, was selbst nicht mit Notwendigkeit auf ein anderes folgt, wogegen nach ihm naturgemäß ein anderes ist oder wird; Ende im Gegenteil das, was selbst naturgemäß nach einem andern folgt, sei es mit Notwendigkeit oder bloß in der Regel, wogegen nichts andres nach ihm folgt.
Aristoteles, Dichtkunst

Anfang ist die Hälfte des Ganzen.
ho] Het begin is het halve werk.
la] Principium dimidium totius. Hesiod

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1 2 3 4
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