Weisheiten 69


Das Pferd ist oft gescheiter als der Reiter.

Das Pferd ist schon gut, aber das Eisen ist schlecht, sagte der Rosskamm.
i] Von denen, die beim Einkauf an der Ware durchaus etwas tadeln wollen, um den Preis herabzudrücken.
bm] Dobrý kůň, ale spatná podkova.
bm] Kdyby nebylo na koni lysiny, nebylo by mu ani ceny.

Das pferd ist seines futters wert.
la] Digna canis pabulo.

Das Pferd ist seines Herrn Brotgeber (o. Ernährer).

Das Pferd ist tot, wenn das Gras gewachsen ist.
fr] Ne meurs, cheval, herbe te vient.

Das Pferd ist über die Jugendtorheiten hinaus, sagte ein Eckensteher zu einem Droschkenkutscher, der kaum von der Stelle kam.
i] Spott auf ein altes Pferd, auch auf einen trägen Arbeiter angewandt.

Das Pferd ist zum Arbeiten geschaffen, aber nicht, um geplagt zu werden.

Das Pferd ist's Futter nicht wert.
fr] Le cheval ne vaut pas l'avoine.

Das Pferd kann (oft) stürzen, ehe es in den Stall kommt.

Das Pferd kennt man an den Zähnen, die Kuh an den Hörnern

Das Pferd kennt seine Stärke nicht.
i] Wenn jemand nicht weiß, was er vermag, wenn er stärker ist als er glaubt.

Das Pferd kommt zur Krippe, aber die Krippe nicht zum Pferde.

Das Pferd läuft der Zügel wegen, springt des Hafersackes wegen.

Das Pferd läuft, soweit der Strick reicht.

Das Pferd leitet man an einer Leine (o. am Zügel), den Mann an einem Frauenhaar.
ho] Het paard gengelt aan eene loße lijn gelijk de man aan het draadje van de vrouw.

Das Pferd leitet man an einer Leine, den Mann an einem Frauenhaar.

Das Pferd lenkt man mit dem Zügel, das Weib mit dem Stock.

Das Pferd lernt man im Gehen, den Reiter im Wirtshaus kennen.
fr] On connaît le cheval en chemin, et le cavalier à l'auberge.

Das Pferd liebt den Hafer mehr als den Sattel.
Russland
ho] Dat paard will wel eten, maar geen' zadel dragen.

Das Pferd liebt die Krippe mehr als das Kummt (den Sattel).

Das Pferd lobe nach einem Monat und das Weib nach einem Jahre.
bm] Konĕ chval po mĕsici a zenu teprv po roce.

Das Pferd lobt den Sattel (Sattler).
i] Wenn derselbe so ist, dass er dem Pferde nicht wehe tut, sondern wohl anpasst.
ho] Een paard eet niet wel met zijn gareel aan.

Das Pferd merkt auf den Ruf des Herrn, aber nicht auf das Schelten des Fuhrmanns.

Das Pferd mit dem Zaume, ein bös Weib mit dem Stock.
dä] Styr hest med bidsel og ond kone med kiep.

Das Pferd mit dem Zügel, den Menschen mit dem Worte.
Türkei
dä] Styr hest met bidsel, og kone med kiep.

Das Pferd mit Sattel und Zaum zum Schinder führen.
la] Cave ne malum malo curare velis, et duplices mala.

Das Pferd möchte ein Joch und der Ochs den Sattel.
i] Man ist nie zufrieden, mit dem, was man hat
bm] Kůň zadá jho, a vůl sedlo.

Das Pferd muss fressen, wo es angebunden ist.
ho] Waar het paard aangebonden is, moet het vreten.

Das Pferd muss man anders satteln.
i] Das muss man in einer andern Weise anfassen; der Mann, die Sache muss anders behandelt werden.

Das Pferd muss schleppen, was der Unverständige ihm auflegt.

Das Pferd sammt dem Zaum (d.i. alles) verkaufen.
Nürtingen

Das Pferd scheisst Gold, aber der Ochs scheisst Dreck.

Das Pferd schlägt aus und das Maultier schlägt aus; der Esel zwischen ihnen stirbt. Türkei

Das Pferd schlägt aus, das Maultier schlägt aus, zwischen beiden stirbt der Esel.
tü] At teper, katır teper, arada eşek ölür.

Das Pferd schlägt nicht nach hinten aus, wenn es allein im Stall ist.

Das pferd schlägt, gehe ihm nicht zu nahe.
i] Warnung vor einem bösen Menschen.

Das Pferd schleppt eine Fuhre, der Weg zwei.

Das Pferd schleppt nicht, wenn der Weg nicht schleppt.

Das Pferd schüttelt die Ohren, wenn die Esel schreien.
bm] Zle koni, kolem nĕhoz osli hýkají.
kroat] Tezko konju, okol koga se osli ričeju.

Das Pferd sieht des Nachts so gut wie am Tage, sagte der Rosskamm, als er einen blinden Gaul verkaufte.

Das Pferd sieht immer nach der Krippe.

Das Pferd soll die Krippe suchen (zur Krippe gehen), nicht die Krippe das Pferd (zum Pferde).
dä] Hest skal gaae til krybben, ikke krybben til hest.
la] Aequum est, a quo quid velis, ad eum currere.
la] Non praesepe bovem, sed bos praesepe requirat.

Das Pferd soll nicht mehr schlagen.
ho] Dat paard zal mij niet meer slaan.

Das Pferd soll vor alten Zeiten auch selbst gesagt haben: 'Lieber im Heuschober eines Herrn wohnen als in der Haferkiste von neun Herren'.
Estland

Das Pferd stallt gern, wo es schon nass ist.
ho] Het paard stalt meest (liefst), daar't nat is.

Das Pferd stehlen und den Sattel zurückgeben.
en] Steal the horse and carry home the bridle.

Das Pferd steht als Tier sehr hoch, doch seine bedeutende weitreichende Intelligenz wird auf eine wundersame Weise durch gebundene Extremitäten beschränkt. Ein Geschöpf, das bei so bedeutenden, ja großen Eigenschaften sich nur im Treten, Laufen, Rennen zu äußern vermag, ist ein seltsamer Gegenstand für die Betrachtung, ja man überzeugt sich beinahe, dass es nur zum Organ des Menschen geschaffen sei, um gesellt zu höherem Sinne und Zwecke das Kräftigste wie das Anmutigste bis zum Unmöglichen auszurichten.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1801

Das Pferd steht im Stalle des Sparsamen, das Geld im Beutel des Schmiedenden, das Korn im Kasten des Schaffenden.
Estland

Das pferd stirbt oft, eh gras wächsst.
bm] Prvé nez tráva zroste, az kůň umře.
dä] Komma med mjølken sedan følet är dødt.
en] While the grass grows, the steed starves.
la] Inter calicem et os.
la] Inter malleum et incudem.
la] Inter manum et mentem.
la] Inter os et ossam (multa intervenire possunt).

Das Pferd stirbt, aber der Sattel bleibt.
i] Der Mensch stirbt, aber sein Andenken überlebt ihn.

Das Pferd strauchelt auf vier Beinen, warum soll sich der Mensch nicht bei einem Wort irren.

Das Pferd suchen und darauf sitzen.

Das Pferd sucht die Ebene.
Altgriechisch
gr] Hippos eis pedion.

Das Pferd trägt fortwährend einen Sattel, manchmal könnte auch das Schwein (einen haben).

Das Pferd trinkt genug Wasser und lässt der Kuh noch etwas übrig.
i] Wenn du auch noch so gierig und ungenügsam bist, etwas wirst du mir wohl noch lassen müssen.

Das Pferd und die Frau nimm aus der eigenen Gemeinde.

Das Pferd und sein Reiter haben nicht stets einerlei Gedanken.
en] The horse thinks one thing and he tat rides him another.
sp] Una cosa piensa el bayo, y otra el que lo ensilla.

Das Pferd verdient sein Brot mit den Hufen, der Mensch mit der Zunge.
Iran

Das Pferd versprach, lieber vier Männer in die Kirche zu bringen als einen Mann ins Wirtshaus.

Das Pferd verweigert niemals einen Galopp zum Hause.
Nigeria

Das Pferd vor (den Schlitten), die Frau in den Schlitten, der Mann soll hinterher gehen.

Das Pferd vor den Wagen, den Ochsen vor den Pflug.
la] Equus in quadriga, in aratre bos. (Jeder auf den Platz, der ihm gebührt)

Das Pferd vor die rechte Schmiede führen.
i] Sich dahin mit einer Sache wenden, wo sie gut besorgt werden kann.

Das Pferd war schön, aber jetzt ist's eine Mähre.

Das Pferd wäre ein ganz hübsches Tier, sagte der Ochse, wenn es nur ein Paar Hörner hätte.

Das Pferd wäscht sich nie, aber sieht immer; auch der Bär wäscht sich nie, alle fürchten (ihn).

Das Pferd widerspricht niemals, es geht, bis (es) auf die Nase fällt.

Das Pferd will wohl den Hafer, aber nicht den Sattel.
mhd] Dat pert will gêrne eten, mer dat will neinen sadel dragen.
la] Esse cupit mannus, sed ephippia ferre recusat.
pl] Jadłby kot ryby, ale niechce ogona maczać.

Das Pferd wird alle.
i] Ich rutsche ab, die Mittel und Kräfte gehen zu Ende.

Das Pferd wird fett vom Auge des Herrn.
Russland

Das Pferd wird hinkend, der Fisch wird stinkend, der Wein stößt dem Fass den Boden aus, so läuft der Kaufmann zum Tor hinaus.

Das Pferd wird schon ziehen, wenn das Krummholz hält.

Das Pferd wird wohl alt, aber es wird nicht wieder ein Füllen.
i] Wie der Mensch, der, sehr alt, noch einmal zum Kinde wird.
bm] Kůň jest jednou hříbĕtem, človĕk dvakrát dítĕtem.

Das Pferd wirft gern den Zaum ab, die Jugend die Zucht, das Alter die Dienstbarkeit.

Das Pferd wirft nur ein Füllen, aber es gilt mehr als zehn Hasen.
i] In der Schriftstellerwelt geht es wie in der Tierwelt, die fruchtbarsten Schriftsteller sind nicht stets die geachtetsten.

Das Pferd zieht lieber neun (Menschen), als dass es einen auf dem Rücken trägt.

Das Pferd zieht nicht, aber der Hafer.

Das Pferd zum Reiten, der Mensch zum Schreiten.
bm] Kůň k tahu, pták k letu, a človĕk ku práci.

Das Pferd, auf das man zeigt, ist nicht vorhanden.

Das Pferd, das am besten zeucht, bekommt die meisten streich.
en] The horse tat draws is not whipped.
fr] On touche toujours sur le cheval qui tire.
ho] Altijd slaat men het paard, dat wel gaat.

Das Pferd, das am meisten zieht, bekommt am wenigsten Hafer.

Das Pferd, das den Hafer verdient hat, frisst ihn nicht immer.
Wallonisch

Das Pferd, das den Hafer verdient, kriegt ihn nicht.
bm] Kůň, který nejvíce táhne, nevzdy také nejvíce ovsa dostává.
bm] Kůň, kterýz ovsa dobývá, nejménĕ ho jí.
wend] Koň, kiz najwjacy cehnje, dostanje zwjetsoh' najmenje wowsa.

Das Pferd, das den meisten Hafer bekommt, hat die meiste Lust, den Reiter abzuwerfen.

Das Pferd, das man nicht haben kann, hat immer einen Fehler.
Dänemark

Das Pferd, das seinen Halfter hinter sich herzieht, ist noch nicht ganz entkommen.
England

Das Pferd, das sich wider den Sporn sträubt, wird zweimal gestochen.

Das Pferd, so den Hafer verdient, bekommt dessen wenig, sagte der Bauer zum Grosskellner.

Das Pferd, so den meisten Hafer bekommt, hat die meiste Lust, den Reiter abzuwerfen.
dä] Den hest som faaer meest havre, er meest villig til at slaae af.

Das pferd, so langsam ist und träg, werd zuerst gerüst auf den weg.
la] Primo sternatur equus, qui tardus habetur.

Das Pferd, so wider die Sporen strauchelt, wird zweimal geschlagen.

Das Pferd, so wider die Sporen streubet, wird zweimal gestochen.
la] Nemo laeditur nisi a se ipso.

Das Pferd, welches den Hafer baut, muss Spreu fressen.

Das Pferd, welches den Hafer verdient, bekommt ihn nicht.
i] Macht geht vor Recht.

Das Pfingstbier ist der Thüringer Malvasier.
i] Das Pfingstbier ist ein thüringisches Volksfest.

Das Pflaster führt zum Laster.
i] Müßiges Umherstreifen führt in Sünden.

Das Pflaster ist gut bei Stockungen im Unterleibe.
i] Spott auf schlechtes Straßenpflaster.
fr] Le pavé de Chaumont porte médecine.

Das Pflaster kommt zu spät, wenn der Kranke am Brand gestorben ist.
sp] Despues de descalabrado untarle el casco. Quebrásteme la cabeza, y ahora me untas el casco.

Das Pflaster neben die Wunde legen.
i] Ein Mittel verkehrt anwenden.
fr] Mettre l'emplastre près de la playe.
ho] Hij legt de pleister nevens de wond.
la] Cataplasma iuxta vulnus imponere.

Das Pflöckchen treffen.
i] Der Punkt, auf den gewirkt werden soll, auf den es ankommt. Ihr habt das Pflöckchen noch lange nicht getroffen. Das Pflöckchen ist getroffen; es ist alles gesagt worden, was hat gesagt werden können.
fr] On vous trouve à dire où vous n'êtes pas.

Das Pflugeisen rostet nicht.
Estland

Das Pflügen des Feldes am Bärentag (Margaretentag, 13. VII) ist für das Feld ebensogut wie eine Fuhre Mist.

Das Pflügen im Sommer ist besser als Dünger.

Das Pflügen von nassem Lehmboden bringt keinen Preis (= keinen Nutzen).
Estland

Das Pflügen wird bewerkstelligt, indem man nicht rennt.
Walisisch

Das Phantastischste sind immer die fremden Alltäglichkeiten.
Fliegende Blätter

Das Philosophieren ist eine Eigentümlichkeit des Menschen und ein Genuss für den Geist.
Lafargue, 'Das Geld' von Zola

Das Philosophieren steht jedem frei.

Das physische Leben ist zweitaktig. Wir leben in einer Welt von auf und nieder, rückwärts und vorwärts, Tag und Nacht. Um auszuatmen, müssen wir zuerst einatmen; es gibt in diesem Prozess keinen dritten Schritt und keine Zwischenfunktion. Es ist ein und aus, ein und aus, 1-2, 1-2.
Leonard Bernstein, Von der unendlichen Vielfalt der Musik

Das Pilsener Bier ist blond wie die Heldin einer Ballade, leicht wie das Gewissen eines Diplomaten, glänzend wie die Versprechungen eines Finanzministers und schäumend wie die Rede.

Das Placebo spielen.
z] Der Welt reden und tun, was jr wolgefalle.

Das Plappern macht Schwielen nicht einmal im Maule!

Das Plerr haben.
z] Ich glaub, jhr meint, ich hab das plerr und versteh nicht eur falschheit.

Das Podagra ist nicht besser zu kurieren als mit Geduld.

Das Podagra und Zipperlein mag nit bei Armut kehren ein; nur wo man trinket starken Wein, da pflegt es oft ein Gast zu sein.
i] Zwei Podagristen (nach dem Lateinischen) an die Göttin Podagra: 'O du diamantringwürdiges, guldenketten-löbliches, viel tausend Tucaten- lötiges, Doktor-Ehrensäckelnährendes liebes Podagra! Du boten-, noten-, knotenmächtiges Heilthum! O du Königin aller Reichthumb liegend-besitzender Menschen! O du knöchelliebende, geleuchübende, betthütende Fürstin! O du hart-stark-krümbendes Farsen-peinendes Fußsohlenbrennendes, zehen-zwickzwackendes, leistretendes, spitzstein-hassendes, Bein- mürbmachendes, kniebrechendes, schuhschnitt- geweitertes, durch Markleuchtendes, Geblüte- geborenes Fräwle (Zipperlein)! Ich bitte dich, hilf u.s.w.'
la] Calceus non liberat a Podagra.
la] Frigora, Vina, Venus podagrammant corpora nostra.

Das Poem des Verstandes ist die Philosophie.
Novalis, Logologische Fragmente

Das poetische Talent entsteht in lebhaften Seelen aus der Unfähigkeit, etwas verstandesmäßig zu bewältigen.
Joubert, Gedanken und Maximen

Das poetische Talent ist dem Bauern so gut gegeben wie dem Ritter, es kommt nur darauf an, dass jeder seinen Zustand ergreife und ihn nach Würden behandle.
Goethe, Maximen und Reflexionen 732

Das Pölsterlein flicken.
i] Von Geistlichen, welche reden, was ihre Zuhörer gern hören, anstatt die ernste Wahrheit zu sagen.

Das Porträt wie die Biographie haben ein ganz eigenes Interesse; der bedeutende Mensch, den man sich ohne Umgebung nicht denken kann, tritt einzeln abgesondert heraus und stellt sich vor uns wie vor einen Spiegel...
Goethe, Wanderjahre I,7

Das Possenspiel des Lebens
la] vitae mimus

Das Postulat der Freiheit der Person gilt auch gegenüber dem Staat. Er darf seine Macht niemals so weit ausdehnen, dass die freie Entwicklung der Persönlichkeit dadurch beeinträchtigt wird.
Konrad Adenauer, Rede auf dem CDU-Parteitag, Kiel, 1958

Das Potenzproblem des Aphoristikers: je kürzer, desto besser.
Fliegende Blätter

Das Potsdamer Abkommen bedeutet ein Abkommen unter den Siegern, keine Verpflichtung gegenüber den

Das prae und Vorzug haben.

Das praktische Ergebnis dieser um sich greifenden Demokratisierung wird zunächst ein europäischer Völkerbund sein, in welchem jedes einzelne Volk, nach geographischen Zweckmäßigkeiten abgegrenzt, die Stellung eines Kantons und dessen Sonderrechte innehat: mit den historischen Erinnerungen der bisherigen Völker wird dabei wenig noch gerechnet werden, weil der pietätvolle Sinn für dieselben unter der neuerungssüchtigen und versuchslüsternen Herrschaft des demokratischen Prinzips allmählich von Grund aus entwurzelt wird. Die Korrekturen der Grenzen, welche dabei sich nötig zeigen, werden so ausgeführt, dass sie dem Nutzen der großen Kantone und zugleich dem des Gesamtverbandes dienen, nicht aber dem Gedächtnisse irgendwelcher vergrauter Vergangenheit.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches, Sieg der Demokratie

Das preisen die Schüler aller Orten,
Sind aber keine Weber geworden.
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Mephisto) Vs 1934

Das preussische Paradies.
i] So wurde früher die Halbinsel, welche den Weg von Pillau nach Fischhausen bildet, genannt
z] Ist irgendeine angenehme und mit unzähligen Veränderungen ausgeschmückte Gegend in Preußen anzutreffen, so ist es die in einem Haken von zwei Meilen begriffene Halbinsel von Pillau nach Fischhausen. Nicht nur die unvergleichliche Lage dieser Gegend, sondern auch der Überfluss aller Sinn und Gemüth ergötzenden Dinge rechtfertigen ihre Benennung, da man sie absonderlich das preussische Paradies heisst.

Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles zurück.
Thales

Das Prinzip der Demokratie entartet nicht allein, wenn der Geist der Gleichheit abhanden kommt, sondern auch, wenn der Geist übertriebener Gleichheit einreisst.
Montesquieu

Das Prinzip der Empfindung liegt also sicherlich bei allen mit Blut ausgestatteten lebenden Wesen im Herzen.
Aristoteles, Psychologie

Das Prinzip des geschichtlichen Unterrichts ist noch heute überall bei uns in Europa die systematische Entstellung. Indem die eigenen Leistungen immer hervorgehoben, die Errungenschaften der andern verschwiegen oder vertuscht, gewisse Dinge immer ins hellste Licht gestellt, andere im tiefsten Schatten gelassen werden, entsteht ein Gesamtbild, welches in manchen Teilen nur für das subtilste Auge von der nackten Lüge sich unterscheidet.
Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Das Prinzip des staatlichen Lebens liegt in der Souveränität.
Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag

Das Prinzip des werdenden Europas heisst: Gleichberechtigte Zusammenarbeit. Das Prinzip der Moskauer Europapolitik heisst zur Stunde: Hegemonie. Die Konsequenz dieser sowjetrussischen Position ist uneuropäisch: Spaltung, Spannung, Unterdrückung.
Barzel: Gesichtspunkte eines Deutschen

Das Prinzip staatlichen Lebens liegt in der Souveränitât.
Rousseau

Das Problem der Demokratie liegt darin, außergewöhnliche Menschen von gewöhnlichen wählen zu lassen.
Golo Mann

Das Problem der modernen Familie liegt darin, dass jeder die Hosen anhat.
Fliegende Blätter

Das Problem des Lebens gleicht einem Meer, in dem wir untergehen, wenn wir entweder zu viel darüber nachdenken oder zu wenig.
Samuel Butler

Das Problem einiger Frauen ist, dass sie wegen nichts in Aufregung geraten - und ihn dann sofort heiraten.
Fliegende Blätter

Das Problem ist heute nicht die Atomenergie, sondern das Herz des Menschen.
Albert Einstein

Das Problem sind nicht die kritischen Journalisten, sondern die netten.
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin!

Das Problem vieler Ehen: Der Mann möchte sich zur Ruhe setzen, die Frau zur Unruhe legen.
Rolf Thiele

Das Problematische am Leben ist nicht, daß es keine Antworten gibt, sondern daß es so viele Antworten gibt.
Ruth Benedict (1887-1948)

Das Produktionsmittel wie das Produkt der kleinen Einzelproduzenten wurde mehr und mehr wertlos; es blieb ihnen nichts übrig, als zum Kapitalisten auf Lohn zu gehen. Die Lohnarbeit, früher Ausnahme und Aushilfe, wurde Regel und Grundform der ganzen Produktion; früher Nebenbeschäftigung, wurde sie jetzt ausschließliche Tätigkeit des Arbeiters... Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung tritt an den Tag als Gegensatzvon Proletariat und Bourgeoisie.
Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft

Das Produktive ist dem Dämonischen verwandt, das übermächtig mit ihm [dem Menschen] tut, wie es beliebt, und dem er sich bewußtlos hingibt, während er glaubt, er handle aus eigenem Antriebe. In solchen Fällen ist der Mensch oftmals als ein Werkzeug einer höheren Weltregierung zu betrachten, als ein würdig befundenes Gefäß zur Aufnahme eines göttlichen Einflusses.
Goethe, Eckermann, 11.3.1828

Das Profil ist die Klippe, an der sich die Schönheit erweisen muss oder ihre sinnfälligste Bestätigung.
Jules Barbey d'Aurevilly (1808-1889), Das Glück im Verbrechen

Das Programm eines Konzertes ist nicht das Konzert. So ist das Programm einer politischen Partei nicht die Politik der Partei. Eine politische Partei ist, wenn sie die von ihr erstrebten Ziele nennt, nicht zugleich verpflichtet, auch die Wege zu weisen, auf denen sie zu ihren Zielen hin wandeln wird.
de Lagarde

Das Programm ist das Medium, welches die Musik dem Teil des Publikums, der aus Denk- und Tat-Menschen besteht, zugänglicher und verständlicher machen wird.
Franz Liszt, Robert Schumann in Neue Zeitschrift für Musik, Bd. 42, Nr. 18

Das Proletariat beweist starken Kampfinstinkt, indem es die Intellektuellen, mit einer Reihe historischer Brauchbarkeiten im Auge, mit äußerstem Misstrauen behandelt. Die Intellektuellen, welche gehorchen, indem sie ihr Denken aufgeben, und welche der herrschenden Klasse nicht fehlen, fehlen in einem anderen Sinne auch dem Proletariat nicht.
Brecht, Schwierige Lage der deutschen Intellektuellen

Das Proletariat ist die einzige Kraft, die imstande ist, die Welt zum allgemeinen Wohl des ganzen arbeitenden Volkes zu verändern.
Maxim Gorki, an den antifaschistischen Kongreß in Chikago

Das Proletariat ist diejenige Klasse der Gesellschaft, welche ihren Lebensunterhalt einzig und allein aus dem Verkauf ihrer Arbeit und nicht aus dem Profit irgendeines Kapitals zieht...
Engels, Grundsätze des Kommunismus

Das Proletariat ist heute der einzige Boden, aus dem heraus sich noch ein Mensch entfalten kann.
Becher, Kulturkrise

Das Proletariat kämpft, die Bourgeoisie will die Macht erschleichen. Das Proletariat zwingt die Selbstherrschaft im Kampf nieder, die Bourgeoisie klammert sich an die Almosen der immer schwächer werdenden Selbstherrschaft. Das Proletariat erhebt vor dem ganzen Volk das Banner des Kampfes, die Bourgeoisie das Banner der kleinen Zugeständnisse, des Paktierens und des Kuhhandels.
Lenin, Der Kampf um die Macht

Das Proletariat kann den Militarismus nur überwinden, indem es die Bourgeoisie entwaffnet, die heute die stärkste Schützerin des Militarismus ist, die selbst militaristisch verseucht ist bis auf die Knochen. Entwaffnung des Bürgertums und Bewaffnung der Arbeiterklasse!
C. Zetkin, Das erste Wort der Kommunisten im Deutschen Reichstag

Das Proletariat muss (nachdem es genügend starke politische und militärische 'Stoßtrupps' gebildet hat) die Bourgeoisie stürzen und ihr die Staatsmacht entreißen, um dieses Werkzeug im Interesse seiner eigenen Klassenziele in Bewegung zu setzen.
Lenin, Die Wahlen und die Diktatur des Proletariats

Das Proletariat steht jeder Bourgeoisie und allen Erscheinungsformen der bürgerlichen Ordnung feindlich gegenüber, aber diese Feindschaft enthebt es nicht der Pflicht, zwischen den historisch fortschrittlichen und den reaktionären Vertretern der Bourgeoisie zu unterscheiden.
Lenin, Der Fall von Port Arthur

Das Proletariat und nur das Proletariat ist die Quelle der Kraft. In ihm und nur in ihm liegt die Gewähr dafür, dass die Interessen der Mehrheit wahrgenommen werden, die Interessen der durch den Krieg und das Kapital erdrückten Werktätigen und Ausgebeuteten, die fähig sind, den Krieg und das Kapital zu bezwingen!
Lenin, Der achtzehnte Juni

Das Proletariat wird die bürgerliche Demokratie unterstützen ... wenn und inwieweit sie tatsächlich gegen die Selbstherrschft kämpft. Eine solche Unterstützung ist notwendig im Interesse des Kampfes, den das Proletariat für die Verwirklichung seiner selbständigen sozialen, revolutionären Ziele führt.
Lenin, Arbeiterdemokratie-und bürgerliche Demokratie

Das Proletariat, die unterste Schichte der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten, ohne dass der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.
Marx/Engels Manifest der Kommunistischen Partei

Das Proletariat... darf das Schiff seiner Revolution nicht aufsitzen lassen auf den Sandbänken der bürgerlichen Demokratie, des Parlamentarismus, der Klassenharmonie, der Arbeitsgemeinschaft. Es darf sein Schiff aber auch nicht zerschellen lassen an den Riffen und Klippen der Revolutionsromantik und des Putschismus. Es steuert sein Schiff geradeaus. Wir hören das Brausen des nahenden Sturmes. Er muss ein Proletariat finden, das dasteht gerüstet, zielsicher, wegklar, geschlossen, opferwillig. Bereit sein ist alles.
C. Zetkin, Das erste Wort der Kommunisten im Deutschen Reichstag

Das Prompte ist das Barbarische.
Fliegende Blätter

Das Prozessieren an den Nagel hängen.
fr] Le procès pendre au clou.

Das Publikum beklagt sich immer, dass es schlecht bedient sei, und weiß es nicht anzufangen, besser bedient zu werden.
Goethe, Italienische Reise I, 9.10.1786

Das Publikum hat eine eigene Art, gegen öffentliche Menschen von anerkanntem Verdienste zu verfahren, es fängt nach und nach an, gleichgültig gegen sie zu werden, und begünstigt viel geringere, aber neu erscheinende Talente, es macht an jene übertriebene Forderungen und lässt sich von diesen alles gefallen.
Goethe, Lehrjahre V,16

Das Publikum ist eine Kuh,
Das grast und grast nur immerzu.

Das Publikum ist groß, wahrer Verstand und wahres Gefühl sind nicht so selten, als man glaubt; nur muss der Künstler niemals einen unbedingten Beifall für das, was er hervorbringt, verlangen: denn eben der unbedingte ist am wenigsten wert, und den bedingten wollen die Herren nicht gern.
Goethe, Lehrjahre VII,8

Das Publikum ist so einfältig, lieber das Neue als das Gute zu lesen.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Das Publikum ist wunderbar nachsichtig. Es verzeiht alles - außer Genie.
Oscar Wilde

Das Publikum lernt niemals begreifen, dass der wahre Poet eigentlich doch nur, als verkappter Bußprediger, das Verderbliche der Tat, das Gefährliche der Gesinnung an den Folgen nachzuweisen trachtet.
Goethe, An J.St. Zauper, 7.9.1821

Das Publikum muss hingenommen werden wie jedes andere Element.
Hebbel, Tagebücher, 9. 2. 1848

Das Publikum sieht sich nach Autoritäten um, und es hat Recht.
Goethe, Schriften zur Literatur, Tiecks Dramaturgische Blätter

Das Publikum sieht sich nach Autoritäten um, und es hat Recht.
Goethe, Schriften zur Literatur, Tiecks Dramaturgische Blätter

Das Publikum stutzte: denn nach seinem Wunsch sich gut und gleichförmig bedient zu sehen, verlangt es an jeden, dass er in seinem Fache bleibe...
Goethe, Geschichte meines botanischen Studiums - Schicksal der Handschrift

Das Publikum verwechselt leicht den, welcher im Trüben fischt, mit dem, welcher auf der Tiefe schöpft.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Das Publikum will gekitzelt werden und nicht gekniffen.
Wolfgang Borchert (1921 - 1947)

Das Publikum will wie Frauenzimmer behandelt sein: man soll ihnen durchaus nichts sagen, als was sie hören möchten.
Goethe, Maximen und Reflexionen 1019

Das Publikum, besonders das deutsche, ist eine närrische Karikatur des Demos. Es bildet sich wirklich ein, eine Art von Instanz, von Senat auszumachen und im Leben und Lesen dieses oder jenes wegvotieren zu können, was ihn, nicht gefällt. Dagegen ist kein Mittel als ein stilles Ausharren.
Goethe, Riemer, 31.12.1809

Das Publikum, das da merkt, dass es erzogen werden soll, verhärtet und verschließt sich; sein Selbstgefühl wird gekränkt, sein Misstrauen rege, der kritische Geist des Menschen sucht sich statt in der Art der Aufführung Ziele in ihrer Absicht, und alles ist verloren.
Arnold Zweig, Volksbühnen als politische Anstalten

Das Publikum, das ist ein Mann,
Der alles weiß und gar nichts kann.
Ludwig Robert, Das Publikum

Das Publikum, im ganzen genommen, ist nicht fähig, irgendein Talent zu beurteilen: denn die Grundsätze, wornach es geschehen kann, werden nicht mit uns geboren, der Zufall überliefert sie nicht, durch Übung und Studium allein können wir dazu gelangen...
Goethe, Rameaus Neffe, Anmerkungen (Rameaus Neffe)

Das Pulver riecht schlecht, sagte der Jude, als er aus der Apotheke kam.

Das Pulver trocken und das Eisen blank halten.
i] Stets zur Verteidigung bereit sein.
z] Es gilt, unser Pulver trocken und unser Eisen blank zu halten.

Das Pulver war mir von der Pfanne abgeblitzt.
Ludwig Tieck, Novellenkranz, 1834

Das Puppentheater ist der Ausdruck der Volksphantasie und gedeiht im Klima ihres Witzes und ihrer Harmlosigkeit.
García Lorca, Das kleine Don-Cristobal-Retabel

Das Purpurkleid
Ist oft gefüttert mit Herzeleid.

Das Putzen des Pferdes ist mehr als ein Garnitz Hafer.

Das Rad der Geschichte zurückdrehen
it] to put the clock back - to turn back the clock
fr] renverser (o. remonter) le cours de l'histoire

Das Rad des Glücks dreht sich.
la] Fortunae rota volvitur.

Das Rad dreht sich rings herum, und der Leute Sachen drehen sich mit dem Rade.
Tschechien
mhd] Hiut ist er arm, der ê was rîch, daz glücke rat louft ungelîch.
bm] Kolo se dokola tocí.
bm] Lidske veci se v kole tocí.
dä] Lykkens hiul er ustadigt.
dä] Lykke-hiulet løber snart om.
la] Fortuna volubilis errat.
la] Rota saepe rotat.
la] Versatur celeri sors levis orbe rotae. Tiberius

Das Rad eilt, es sitzt ein alt Weib auf dem Wagen.

Das Rad findet immer einen Mistkuchen.
Estland

Das Rad hebt sich erst, bevor es fällt.

Das Rad ist laufend geworden.
i] Die Torheit ist begangen.

Das Rad neu schmieren hilft mehr als ein altes Gepräch.
Estland

Das Rad wird sich wenden.

Das Rad, das knarrt, wird geschmiert.
USA
en] The squeaking wheel gets the grease.

Das radikale Übel: dass jeder gern sein möchte, was er sein könnte, und die übrigen nichts, ja nicht wären.
Goethe, Maximen und Reflexionen 863

Das Radio ist eine Strafe Gottes.
Theodor Heuß

Das Radl ist ihm abgelaufen.

Das rädle hat sich umgekehrt.
i] Das Blatt hat sich gewandt.

Das Rädlein treiben.
Luther
i] Wortspiel von Rad = Rädlein und Rede = Redlein, wahrscheinlich aus den Spinnstuben, in denen beim Erzählen interessanter Geschichten die Rädlein sich am muntersten bewegen.
z] Redlin treiben.
z] Das Redlein führen.
z] Wie solchs gemein ist vndern weiben, welch Fleißiglich das redlin treiben.
z] Wann er aber selb nicht kan schreiben, so muss er leiden, das sie treiben das redlin, wie es jn gefellt.
z] Er treibt das redlin.
z] Er will das Redlin allein treiben.

Das Rädlein wird sich umdrehen.
la] Crederet Caiphas omne nefas sibi fas.

Das Rasen des leeren Magens
la] vacui ventris furor

Das rate ich dir, sei nicht unglücklich vor der Zeit, da das, wovor du, als sei es bedrohlich, dich fürchtest, vielleicht niemals kommen wird, jedenfalls nicht gekommen ist.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Das Rationale am Menschen sind die Einsichten, die er hat. Das Irrationale an ihm ist, dass er nicht danach handelt.
Friedrich Dürrenmatt

Das Rätsel Frau ist unergründlich. Wie können die mit einem halben Yoghurt mittags überleben?
Gerhard Kocher, Vorsicht, Medizin! Aphorismen zum Gesundheitswesen und zur Gesundheitspolitik

Das Rätsel wird er nicht lösen.
la] Herculanus nodus.

Das rätselhafte Schweigen brechen.
i] Endlich über einen bestimmten Gegenstand seine Meinung äußern. Schiller, Don Carlos I

Das Rauche nach außen kehren.
ndt] Dat Rûge buten kêren.
i] Milde und Freundlichkeit mit Strenge und Ernst vertauschen.

Das Rauchen jagt die Grillen fort,
doch erst gemeinsam wird's zum Sport.
Fürwahr, das ist kein großer Mann,
der nur zu Hause rauchen kann.
Slang, Was wir wollen!

Das Rauchen macht dumm, es macht unfähig zum Denken und Dichten. Es ist auch nur für Müßiggänger, für Menschen, die Langeweile haben, die ein Dritteil des Lebens verschlafen, ein Dritteil mit Essen und Trinken und anderen notwendigen oder überflüssigen Dingen hindudeln und alsdann nicht wissen, obgleich sie immer vita brevis sagen, was sie mit dein letzten Dritteil anfangen sollen. Für solche faule Türken ist der liebevolle Verkehr mit den Pfeifen und der behagliche Anblick der Dampfwolke, die sie in die Luft blasen, eine geistvolle Unterhaltung, weil sie ihnen über die Stunden hinweghilft.
Goethe, Knebel (1776/1806)

Das räudige Schaft steckt die Herde an.
fr] Il ne faut qu'une brebis galeuse pour gâter tout un troupeau.
it] La pecora rognosa infetta il gregge.

Das Rauhe herauskehren.
dä] At vende det graa ud.
la] Minimo provocare.
la] Tollere cornua.
la] Tollere cristas.

Das räumt auf, sagte Gretchen, als ihr Mann starb.

Das Rauschen der Blätter erschreckt den Hasen.
Altgriechisch

Das Rauschen und losen macht Kriegsleut böse Hosen.

Das Reale ist schlechthin eine Identität des Allgemeinen und Besonderen.
Hegel

Das Rebhuhn ist dein Feind und der Hahn ist dein Feind - wer wird dir den Anbruch des Tages mitteilen?
Kongogebiet

Das Rebhuhn sagt: Der mich tötet, trifft mich nicht so sehr wie der, der meine Federn ausreisst.
Afrika

Das Recht (od. die Redlichkeit) lebt am längsten.
Estland

Das Recht als Anhäufung von Rechtssätzen definieren heisst, menschliches Denken als die Stimme der Wörter eines Wörterbuches beschreiben.
Lévy-Ullmann

Das Recht an sich selbst ist machtlos: von Natur herrscht die Gewalt. Diese nun zum Rechte hinüberzuziehen, so dass mittels der Gewalt das Recht herrsche, dies ist das Problem der Staatskunst.
Schopenhauer

Das Recht ändert sich mit dem Himmelsstrich.

Das Recht auf Arbeit erwähnte ich schon; dazu bekenne ich mich ganz ehrlich.
Bismarck im Reichstage, 9. Mai 1884

Das Recht auf die erste Nacht
i] des Feudalherrn bei der Hochzeit einer Leibeigenen
la] ius primae noctis

Das Recht auf Eigentum beginnt, wie man sagt, mit dem Besitz. [RSpW]
la] Dominium a possessione coepisse dicitur.

Das Recht auf Freiheit
la] ius libertatis

Das recht bedarff oft (guter) hilff.
it] La buona ragione hà sovente mestier di buon aiuto.

Das Recht berichtigt sich selbst.
Estland

Das Recht beschirmt die Unschuld.
altfries] Dat riucht beschirmet da onschield.

Das Recht beugen (krümmen).
i] Den Schuldigen begünstigen und den Unschuldigen unterdrücken.

Das Recht blüht, das Gericht schützt.
Estland

Das Recht brennt nicht im Feuer, ertrinkt nicht im Wasser.
Estland

Das Recht bringt nur kleine Diebe an den Galgen.
la] Irretit muscas, transmittit aranea vespas.

Das Recht der Ehe steht im vierten Knie.
altfries] Dat riucht dis aefftis steet in da fyaerda kne.

Das Recht der Gegenwart ist das stärkste aller Rechte und das am schwersten zu bekämpfende.
Musset, Der Mann mit den zwei Geliebten

Das Recht der menschlichen Gemeinschaft
la] ius humanae societatis

Das Recht der Verwandtschaft
la] ius necessitudinis

Das Recht des Stärkeren handhaben.
i] Gewalt gebrauchen.

Das Recht des Stärkeren ist das höchste Unrecht.
la] summum ius, summa crux.
z] Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht. Ebner-Eschenbach

Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.
Ebner-Eschenbach

Das Recht des Stärkeren ist immer das beste.

Das Recht dringt auf Schuldigkeit, die Polizei aufs Geziemende. Das Recht ist abwägend und entscheidend, die Polizei überschauend und gebietend. Das Recht bezieht sich auf den Einzelnen, die Polizei auf die Gesamtheit.
Goethe, Maximen und Reflexionen 544

Das Recht dünkt selten gut, wenn es uns Schaden tut.
mhd] Vnd duncket selden gut, Recht wo das schaden tut.

Das Recht entschuldigt das Weib in der Unwissenheit.
i] Nach dem römischen Recht nicht bloß das Weib, sondern auch Bauern und Ritter.

Das Recht erlaubt, mit Waffen gegen Bewaffnete vorzugehen.
la] Armaque in armatos sumere iura sinunt.

Das Recht fährt in der Kutsche, die Schlauheit geht zu Fuß.
Estland

Das Recht frommt keinem ohne seinen Dank.
[RSpW]
i] Der Richter kann über den Antrag des Klägers nicht hinausgehen.
mhd] Daz recht fromet keime ân sinem dangk.

Das Recht gebrauchen ist eine größere Kunst, als das Recht erlernen.
z] Rechte lernen oder wissen, ist nicht große Kunst; aber das rechte Recht brauchen und in ihrem Ziel und Rinck behalten, dass sie nicht zu weit fahren, das ist Kunst. Luther

Das Recht gehört ins Gericht.
mhd] Dat reicht gehoret in dat reicht.

Das Recht geht den Weg entlang, die Falschheit an den Gartenzäunen entlang.
Estland

Das recht geht oft auf stelzen der Ungerechtigkeit.

Das Recht geht seinen Gang, du kommst oder nicht.
mhd] Du komest eder nicht, dennoch geit dat recht sinen gank.

Das Recht gibt das Pfand ohne des Herrn Willen.
[RSpW]
i] Dem Vermieter gilt die ganze Habe des Mieters als Pfand. Das Recht verleiht ihm das Pfandrecht auch ohne des Herrn, d.h. des Eigentümers Willen. Das Sprichwort gehört dem hamburger Recht an, wo es heisst: Dat recht ghyfft dat pand ane der heren willen.

Das Recht gründet in der Natur.
la] Ius in natura positum est.

Das Recht hängt am Galgen.

Das Recht hat ain wächsin nasen.
i] Auch wohl mit dem Zusatz: man mag es drehen, wie man will.
z] Wo denn noch woll geschicht, dat Recht ene wassern Näse gehabt und als en Spinnwebe gehanget.
z] Dem recht ein wächssen nasen biegen.
i] Von einem Volksbrauch entlehnt, nach welchem man Fratzenbildern und auch wohl Personen, welche alte Göttergestalten darstellten, wirkliche große Wachsnasen, auch Bärte von Flachs oder Stroh andrehte, um seinen Spott damit zu treiben.

Das Recht hat die merkwürdige Eigenschaft, dass man es behalten kann, ohne es zu haben.
Joseph Unger, Mosaik, Bunte Betrachtungen u. Bemerkungen

Das Recht hat gläserne Augen, wächserne Ohren und eine tönerne Zunge.
Russland
mhd] Das recht hât gar ain waxe nas, es lât sich piegen als der has.
mhd] Sie zichent daz reht um bi der nasen.
bm] Právo má tenký nos.
fr] Les lois ont le nez de cire.

Das Recht hat manchmal auch eine Nase aus Wachs.
Estland

Das Recht hat sein Dasein in dem gemeinsamen Volksgeist, also in dem Gesamtwillen, der insofern auch der Wille jedes einzelnen ist.
Savigny

Das Recht hat Seine Selbständigkeit und Eigengesetzlichkeit fortschreitend eingebüßt, es hat die Güte in sich aufgenommen, sich in den Dienst der Wohlfahrt, der Sittlichkeit, der Kultur gestellt - es ist zum sozialen Recht geworden.
Radbruch

Das Recht heischt einen schweren Beutel.

Das Recht hilft dem, der sich selbst nicht helfen kann.
altfries] Dat riucht helpet dam, deer him selm naet helpa mei.

Das Recht hilft oft gar schlecht.
bm] Právo nepomůze, kdyz levo přemůze.
ho] Dat rechte hevet dicwijl hulpe noot.
la] Quod confortetur ius sepe necesse videtur.

Das Recht in der Ecke, der Besen vor den Augen.
Estland

Das Recht ist alles recht, das nicht gegen die Wahrheit fecht.
fries] Dat riucht is alle riucht, daer to einst da wird ne flucht.

Das Recht ist allzeit ein fromm Mann, aber der Richter ist oft ein Schalk.
z] Das Recht ist allzeit ein fromm Mann, aber der Richter ist oft ein Schalk; und ich gedenke, da Herzog Friedrich einmahl einen Klagezettel kriegt von einer armen Frau, darinnen sie bat, er wolle ihr schaffen zu dem rechten Recht, dass der gute Fürst sehr guter Dinge darüber war, dass die Frau zweyerley Recht anzeiget, so er doch nichts wusste von einem unrechten Recht, verstands aber bald, dass es war gered so viel, der Richter wär ein Schalk. Luther

Das Recht ist alt und hergekommen manchen Tag.
i] Die Gewohnheit ist die älteste Rechtsquelle.
mhd] Daz reht ist alt und ist herkomen manigen tac.

Das Recht ist älter als das Gericht (o. Gesetz).
Estland

Das Recht ist an beide Füße gerecht, wie ein polnischer Stiefel.

Das Recht ist an jedem Ort das erste.
Estland

Das Recht ist angewandte Macht.

Das Recht ist Dasein der Freiheit, Wirklichkeit des Selbstwußten, die reale Seite und Weise des Geistes.
Hegel

Das Recht ist dem Antworter (Beklagten) viel günstiger als dem Kläger.
[RSpW]
i] Es gilt zwar als Grundsatz, dass das Recht für beide Parteien gleich sei. Das obige Sprichwort hebt aber hervor, dass in der Wirklichkeit die Waage sich zu Gunsten des Beklagten neige. Schon das ist ein Vorzug, dass er nur an seinem Wohnsitz verklagt werden kann, was für den Kläger mit manchen Schwierigkeiten verbunden ist.
mhd] Das recht ist vil gunstiger dem antwerter wenne dem clegere.

Das Recht ist dem Antworter viel günstiger als dem Kläger.

Das Recht ist der Aushängeschild, das goldene Zepter der Gewalt.
Fliegende Blätter

Das Recht ist der Geist der Gesellschaft. Alles bestehende Recht ist fremdes Recht, ist Recht, das man mir «gibt», mir «widerfahren läßt».
Fliegende Blätter

Das Recht ist der Lebenden.
i] Der Abgeordnete von Thadden-Trieglaff in seinem bekannten Antrage vom 25. April 1847 gegen die Anonymität der Presse sagt: 'Wer fällt, der bleibet liegen, wer steht, der kann noch siegen; wer übrigbleibt, hat Recht, und wer entflieht, ist schlecht.'

Das recht ist der wachenden und nahrung der arbeiter.

Das Recht ist der wachenden, das glück der Schlafenden.
bm] Bdícím práva pomáhají.
bm] Práva bdícím, ne spícím slouzí.
ho] Het regt is voor den wakende geschreven.
la] Vigilantibus jura, non dormientibus scripta sunt.

Das Recht ist des Stärksten.
z] Die Götter sind immer auf Seite des Stärksten.
z] Die Vorsehung commandiere stets das stärkste Bataillon. Napoleon I.
fr] Contre fort et contre faux ne valent ne lettres ne sceaux.
fr] Le bâton est le roi du monde.
fr] Le plus fort chasse le plus faible.
la] Jus est in armis (opprimit leges timor). Seneca
sp] Do fuerza viene, el derecho se pierde.

Das Recht ist die Form der Macht. So begrenzt es die Macht, wie die Form ihren Inhalt.
Pannwitz

Das Recht ist die stärkste Schule der Einbildungskraft. Kein Dichter interpretiert die Natur so frei wie der Jurist die Wirklichkeit.
Giraudoux

Das Recht ist ein dünnes, breites Netz; die Mücken bleiben darin hängen, die Hummeln brechen durch.

Das Recht ist ein geläuterter politischer Grundsatz.
Fliegende Blätter

Das Recht ist ein Stück Gold, das sich in dünnen Plättchen zerhämmern lässt.
Russland

Das Recht ist eine bodenlose Grube.

Das Recht ist eine Gewalt, die der Gewalt das Recht streitig macht.
Fliegende Blätter

Das Recht ist eine große Glocke, wenn nur der Schwengel nicht so leicht herunterfiele.

Das Recht ist eine Nase von Wachs, man kann sie drehen wie man will.
i] Rabelais verglich das von den Gelehrten kommentierte Recht mit einem Goldgewande, unten mit Kot verbrämt.

Das Recht ist eine schöne Braut, wenn sie in ihrem Bette bleibt.

Das Recht ist für jedermann.

Das Recht ist gerade wie des Widders Horn.
Estland

Das Recht ist größer als der König.
Estland

Das Recht ist gut, aber der Juristen Practica (die Rechtspractica) taugt nichts.

Das Recht ist heiliger und barmherziger als wir.
ndt] Dat reht is heylig ende barmharthiger dan wy syn.

Das Recht ist im Arsch des bunten Ochsen.
Estland

Das Recht ist immer über allen.
Estland
i] Es steht höher als alles)

Das Recht ist Inbegriff der Bedingungen, unter denen die Willkür des einen mit der Willkür des anderen nach einem allgemeinen Gesetz der Freiheit in Einklang gebracht werden kann.
Kant

Das Recht ist krummer hand, wird leichtlich vmgewand.

Das Recht ist lediglich der Ausdruck des Willens der Mächtigen einer Zeit. Deshalb haben Gesetze keine lange Dauer, sondern wechseln von Generation zu Generation.
Fliegende Blätter

Das Recht ist manchmal ein weicher Mann.
Estland

Das Recht ist mehr als hundert Krebse.
Estland

Das Recht ist nach Jellinek nur das ethische Minimum, in Wahrheit aber das praktische Maximum.
Fliegende Blätter

Das Recht ist nichts anderes als das ethische Minimum. Jellinek

Das Recht ist nichts anderes als die in der staatlichen Gemeinschaft herrschende Ordnung, und eben dieses Recht ist es auch, das darüber entscheidet, was gerecht ist.
Aristoteles

Das Recht ist seitlings draußen und das Gesetz rücklings im Bett.
Estland

Das recht ist selten seiner Mutter gerechtigkeit ähnlich.

Das Recht ist Simpel, ungewiss und untreu.

Das Recht ist so heilig, das es mit kaufen niemand vnehren soll.

Das Recht ist so heilig, dass man es mit Käufen nicht verunehren soll.

Das Recht ist so heilig, dass man es um kein Geld kaufen kann.
ndt] Dat recht is also heylich, dat men om gheen ghelt copen noch vten en sal.

Das Recht ist so, wie es gemacht wird, das Gerichtsurteil so, wie es gefällt wird.
Estland

Das Recht ist so, wie man es richtet, das Gericht so, wie man es biegt.
Estland

Das Recht ist viel gelinder als die Richter.
mhd] Daz recht ist vil barmherziger wenn der richter.

Das Recht ist wohl ein guter Mann, aber nicht immer der Richter.

Das Recht ist, wo das meiste Geld ist.
Lucanus, Pharasalia

Das Recht kann man nicht aufessen.
Estland

Das Recht kann man nicht mit Gold aufwiegen.
Estland

Das Recht kann nie höher sein als die ökonomische Gestaltung und dadurch bedingte Kulturentwicklung der Gesellschaft.
Marx, Kritik des Gothaer Programms

Das Recht kann niemand zu mehr zwingen als er hat.
[RSpW]
i] Die Pfändung kann nicht mehr nehmen als vorhanden ist.
altfries] Dat riucht mey neen menscha fora twinga dan hij haet.

Das Recht kann niemand zwingen ohne den Richter.
[RSpW]
i] Es würde wenig nützen, zu wissen was Recht ist, wenn es keinen Richter gäbe, welcher befugt wäre, es auszusprechen, und Macht besäße, sein Urteil zu vollziehen.

Das Recht kennt keine Freundschaft.
Estland

Das Recht klein dieben an galgen bringt, manch großer aber durchhin tringt.
la] Irretit muscas, transmittit aranea uespas.

Das Recht lässt sich in europäischen Streitigkeiten, wo ein kompetenter Gerichtshof nicht besteht, nur durch die Bajonette geltend machen.
Bismarck, im Abgeordnetenhause am 22.1.1864

Das Recht lehrt Zucht.
mhd] Daz recht leret zucht.

Das Recht liegt in der Mitte.
it] La diritta ragione non istà mai negli estremi.

Das Recht liegt unter der Banck, das Unrecht gehet im Schwank.

Das Recht macht manchen Herrn zum Knecht.

Das Recht muss der Gewalt weichen.
it] Dalla forza viene vinta la ragione.

Das Recht muss die Wahrheit niederschlagen.
i] Was unter Beobachtung der gesetzlichen Formen endgültig als Recht erkannt worden ist, gilt forthin als solches, wenn sich auch später herausstellen sollte, dass es den wahren Verhältnissen nicht entspricht.
fries] Dat riucht moet da wird neder slaen.

Das Recht muss ehrlich sein.
fries] Dat Recht schal syn Ehrlich, Hillich vnde Lydtlick, na des Landes Sede.
dä] Loghen skal waerae aerlik.

Das Recht muss oben schwimmen.

Das Recht muss seinen Gang haben, mag die Welt darüber zu Grunde gehen.
la] Fiat justitia, et pereat mundus.
z] Es herrsche Gerechtigkeit, die Schelme in der Welt mögen immer darüber zu Grunde gehen.
i] Leider richtet aber unser Recht eher zehn rechtschaffene Leute, welche die Kosten bezahlen müssen, zu Grunde, ehe es einen einzigen Schelm berührt. Wer die Torheit begeht, etwa für vier Groschen Recht gegen einen Schelm zu beanspruchen, hat hundert Taler Kosten zu bezahlen. Die in Sprichwörtern niedergelegte Volkserfahrung warnt daher jeden, dem Ruhe und Vermögen lieb sind, vor solchem Beginnen. Der obige lateinische Spruch will auch wohl nur dahin verstanden werden, dass ein vom Richter gefällter, rechtskräftig gewordener Spruch, trotz alles Widerstandes, den der Verurteilte erheben dürfte, zum Vollzug gebracht werden müsse, weil davon, dass es geschehe, das Ansehen des Gesetzes und des Richters abhänge.

Das Recht muss sich mehr nach den Fällen richten, die häufig und leicht vorkommen, als nach denen, die ganz selten eintreten. [RSpW]
la] Ad ea potius debet aptari ius, quae et frequenter et facile, quam quae perraro eveniunt.

Das Recht scheidet wohl, aber es freundet nicht.

Das Recht schiert haarscharf.
i] Das Recht darf schon scharf scheren, aber es soll nicht, wie man in Bergamo von der catalonischen Gerechtigkeit sagt: 'das Schaf sammt der Wolle aufressen.'
z] Verdammt den Richter nicht, er darf nicht billig sein, für ihn ist das Gesetz von Eisen, und seine Pflichten sind von Stein, ihn taub und kalt nur auf das Recht zu weisen.
z] Nur die Parteien können und sollen billig sein; bei billigen Richtern wäre es um die Gerechtigkeit geschehen. Seume
bm] Hor?í právo neźli meč.
ho] Stipt regt, of de wereld vergaat.
pl] Prawo gorsze ni? miecz.

Das Recht schläft manchmal, stirbt aber nie. [RSpW]
la] Dormit aliquando ius, moritur numquam.

Das Recht sei für jedermann (da).
Estland

Das Recht siegt.
Estland

Das Recht sieht nicht auf die Person.
ho] Het regt ziet geen' persoon aan; de eerst komt, gaat voor.

Das Recht soll man gleichen, dem Armen als dem Reichen.

Das Recht soll man mit Erbarmung mischen.

Das Recht soll man nicht biegen, ausgenommen die Herren tun (wollen) es.
fr] On ne doibt le droict violer, si non a cause de dominer.
la] Si violandum est ius, imperii gratia violandum.

Das Recht soll vor der Theologie das Baret abziehen.
z] Die Juristen müssen lassen die Theologiam obenan sitzen, oder müßen herunter aufs tiefste, anders wird nichts daraus. Luther
z] Die Theologen sind der Kiel, die Juristen aber der Strumpff von der Schreibfeder.
z] Ein Jurist ist in geistlichen Sachen nicht mehr denn ein Schneider und Schuster.
z] Das Jus ist eine schöne Braut, wenn sie in ihrem Bette bleibt; wenn sie aber herübersteigt in ein anderes Bett und will in der Kirche die Theologiam regieren, da ist sie eine große Hure. Darum soll das Jus vor der Theologie das Baret abziehen. Luther
z] Die Theologia soll Kaiserin seyn, die Philosophia und andere Künste Dienerin. Luther

Das Recht spricht: jedem das Seine; die Liebe: jedem das deine.

Das recht stehet auf der faust.
i] Es ist das Recht des Stärkeren, das Faustrecht gemeint.
z] Das Recht stehet ietzt auf der faust; dasselbige gilt ietzt; und ist das lateinische Wort Jus umgekehrt siv, Gewalt oder Faustrecht. Wer den andern vermag, der stecket ihn in Sack.
Luther
ho] Men voert er het regt in de vuist en in de scheede.

Das Recht steht wie Fett auf dem Wasser.
Estland

Das Recht sticht der Lüge die Augen aus dem Kopf.
Estland

Das Recht tut Gnade der Torheit.
mhd] Dat recht dut gnade der dorheit.

Das Recht tut nichts Krummes (d. i. kein Unrecht).
Estland

Das Recht überwindet alle Gewohnheit.
z] Auch eine im guten Glauben anfänglich für Recht genommene Gewohnheit fällt, sobald deren Inhalt als widerrechtlich erkannt wird, und selbst alter und gerechter Brauch kann von einer neuen und vom gesetzten Rechte niedergelegt werden, nicht nur, wenn die Aufhebung ausdrücklich ausgesprochen vorliegt, sondern auch dann schon, wenn der Brauch mit dem Neugeschaffenen in offenem Widerspruch steht.
altfries] Dat riucht wriunt alle pliga.

Das Recht und das Wasser darf man nicht aufstauen, sonst entsteht dem Lande großer Schaden.

Das Recht und der Palmesel kommen jährlich nur einmal an das Licht.

Das Recht unten ausgestreckt, das Unrecht bäuchlings darauf.
Estland

Das Recht unten, das Unrecht daraufgekippt.
Estland

Das Recht verkörpert die Anstrengung der Menschen, die Gesellschaft zu ordnen, die Regierung verkörpert die Anstrengung der Selbstsucht, die Freiheit zu vernichten.
Becher

Das Recht wankt nicht.
Estland

Das Recht wäre wohl gut, wann mans nicht krumm machte.

Das recht wehret darum lang, dass mans wie ein Kleinod in ehren hält und selten braucht.

Das Recht weicht der Gewalt.
la] Cedit viribus aequum.

Das Recht will nicht nur wertende Norm, sondern auch wirkende Macht sein, und eine Hauptpforte, durch die es aus dem Reiche der Idee in das Reich der Wirklichkeit eingeht.
Radbruch

Das Recht wird genossen, das Böse geschützt.
Estland

Das Recht wird mehr gefürchtet als Feuer.
Estland

Das Recht wird mit Füßen getreten, und mit des anderen (Recht) wird gespielt.
Estland

Das recht wird so hoch (so weit und breit) gespannt, dass daran kein end zu sehen.

Das Recht wird weder weiter noch enger.

Das Recht wissen und das recht tun ist zweyerlei.

Das Recht zu betteln ist niemand gewehrt.
i] In einem guten Staatswesen ist für das Betteln kein Raum.

Das Recht zu leben und zu triumphieren erwirbt man heute fast durch die gleichen Verfahren, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht: die Unfähigkeit zu denken, die Unmoral und die Übererregtheit.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Das Recht, das nur ein großer Geist mit festem Ziele
Besitzt vorm groben Sinn aus niederem Gewühle.
Voltaire, Mahomet, II, 5

Das Recht, Fehler zu begehen, hat man nur, wenn man imstande ist, sie in Zukunft zu unterlassen.
Charles Ferdinand Ramuz (1878 - 1947)

Das Recht, oft metaphorisch als 'gefrorene Politik' bezeichnet, ermöglicht überhaupt erst staatliches Handeln, wenn dieses Handeln als Entscheiden mit verbindlichem Anspruch verstanden werden soll.
Fliegende Blätter

Das rechte (Auge) tadelt, das linke, entschuldigt.
Estland

Das rechte aug tantzt mir im Kopf.

Das rechte Auge juckt mir.
i] Gute Vorbedeutung. Wenn man Hoffnung hat, etwas Angenehmes zu hören, wie man jetzt sagt: Es klingt mir vom rechten Ohre, um zu sagen, dass sie löblich von einem reden.

Das rechte Auge krimmt (juckt) mir, ich werde was Liebes sehen.
la] Oculus dexter mihi salit.

Das Rechte erkennen und nicht tun ist Mangel an Mut.
Konfuzius

Das Rechte ist immer sich selbst gleich, unbedingt und ewig.
Goethe, An J. F. v. Cotta, 2.9.1816

Das rechte Maß halten.
i] Die Regeln der Schicklichkeit kennen und befolgen.
fr] Il est plein de fait et de mesure.
fr] Il est toujours dans la mesure.
fr] Il garde la mesure en tout.
fr] Il fait tout avec poids et mesure.

Das rechte Maß oft überfährt, wer geizig Ehr' und Lob begehrt.

Das rechte Mitleid geht von der Tür und kommt durchs Fenster.
fr] La caritá onesta-va del uscio, ven della finestra. Welschtirol

Das rechte Ohr singet oder klinget mir.

Das rechte recht.
z] Das rechte Recht siehet weder Gunst, Gaben, Freundschaft noch Eigennutz an. Das unrechte Recht richtet nach Gunst und Gaben.
i] Wenn ein Geschäft nach einem bestimmten Rechte vereinbart ist, so kommt auch dies Recht gegenüber dem gemeinen zur Anwendung.
ho] Het regte regt ziet gunst noch gaven, vriendschap nog eigen nut aan.

Das Rechte tun, weil man nicht anders kann - wundervolle Unfreiheit.
Ebner-Eschenbach

Das Rechte, das Gute führt ewig Streit,
Nie wird der Feind ihm erliegen
Und erstickst du ihn nicht in den Lüften frei,
Stets wächst ihm die Kraft auf der Erde neu.
Schiller, Die Worte des Wahns

Das Rechte, das ich viel getan,
Das ficht mich nun nicht weiter an,
Aber das Falsche, das mir entschlüpft,
Wie ein Gespenst mir vor Augen hüpft.
Goethe, Sprichwörtlich

Das Rechtsgefühl nimmt das Resultat vorweg, das Gesetz soll dann nachträglich die Gründe und die Grenzen dafür hergeben.
Radbruch

Das Rechtswesen richtet viele Familien zugrunde und verhilft nur wenigen zu dem Ihrigen...
Casanova, Neunundneunzig Abenteuer

Das reckt sich wie Schafleder.

Das Reden von allem magst du gönnen
Denen, die selbst nichts machen können.
Geibel, Sprüche

Das redende Wort trifft das Herz.

Das redet er aus keinem Kalbskopf.

Das Rednerhandwerk gleicht in einer Hinsicht dem Kriegshandwerk: das Wagnis ist größer als in andern Berufen, doch man macht auch rascher sein Glück.
La Bruyère, Von den Kanzelrednern

Das Regenwasser enthält kein Salz, das Sprichwort keine Lüge.
Mongolei

Das Regieren an und für sich schon ist ein Verbrechen, das nicht begnadigt werden kann, das ein Volk nur zu seiner Schande erduldet...
Saint Just, Vor dem Konvent

Das Regieren beruht auf zwei Dingen: zügeln und betrügen.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares

Das Regieren in einer Demokratie wäre wesentlich einfacher, wenn man nicht immer wieder Wahlen gewinnen müsste.
Georges Clemenceau

Das Regime der Manager und Funktionäre ist an die Stelle der alten Kapitalisten getreten, und das Bündnis beider ist fast so unangreifbar wie der Adel vergangener Zeiten.
Norbert Blüm, Unverblümtes

Das Regiment führen ist schwerer als darüber reden.

Das Regiment gehet auf Stelzen.

Das Regiment gehört den Weltlichen.
ho] Den verstandigste komt het regiment toe.
la] Politici regunt orbem.

Das Regiment lehrt den Mann.

Das Regiment leidet keine Mitgenossen.
la] Nulla fides regni sociis omnis quepotestas impatiens consortis erit.

Das Regiment war wohl gemacht, das beim Frieden den Krieg bedacht.

Das Reh hat einen Löwen gefangen (besiegt, herausgefordert).
i] Wenn etwas in verkehrter Ordnung geschieht, der Schwächere z.B. den Stärkern überwindet.

Das Reh, das zu oft zur Salzlecke geht, trifft endlich auf den Jäger.
USA

Das Reich der Anlagen und ihrer Ausbildung ist die eigentliche Stadt Gottes auf der Erde, in welcher alle Menschen Bürger sind, nur nach sehr verschiedenen Klassen und Stufen. Glücklich ist, wer zur Ausbreitung dieses Reichs der wahren, innern Menschenschöpfung beitragen kann; er beneidet keinem Erfinder seine Wissenschaft und keinem Könige seine Krone.
Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Das Reich der Dichtung ist das Reich der Wahrheit,
Schließt auf das Heiligtum, es werde Licht!
Adelbert von Chamisso, Gedichte, Nachhall

Das Reich der Poesie blüht auf, und nur der ist Poet, der den Volksglauben besitzt oder sich ihn anzueignen weiß.
Goethe, Schriften zur Literatur ? Geistesepochen

Das Reich des Schriftstellers ist eine Gemeindewiese, die niemand einzuzäunen berechtigt ist.
Shaw, 20. 9. 1889

Das Reich Gottes hält nicht Pauker und Geiger.
z] Es kommt ohne Geräusch und geht still, wie die Natur seinen herrlichen Entfaltungsgang

Das Reich ist der Dienstleute.
i] Der Summe der selbständigen Landesherren, die keinen Herrn über sich haben als den Kaiser. Da die Fürstentümer als Ämter betrachtet wurden, so hießen die Landesherren Dienstleute.
mhd] Daz riche ist der dinst lute.

Das Reich ist uneinig.

Das Reich kann sicher ruhen unter den Blicken des Zaren, wenn Gott Mitwache hält.
Russland

Das Reich muss uns doch bleiben.
Luther, Kirchenlied: Eine feste Burg

Das Reich soll sich mehren.
i] Um auszudrücken, dass gewisse Dinge dem Staate (d.i. dem Volke, der Gesamtgemeinde) zufallen, wie z.B. herrenloses Gut.
mhd] Daz rich sal ein merer sien.

Das Reich steht auf schwachen Füßen, sagte der Narr, als der Kaiser das Zipperlein hatte und hinkte.

Das reich und die Schwaben mögen sich nimmer versäumen.
[RSpW]
i] Gegen Güter des Staats gibt es keine Verjährung.

Das reichste Bergwerk wird mit der Zeit erschöpft.

Das reichste Kleid
Ist oft gefuttert mit Herzeleid.

Das reichste Mahl ist freudenleer, wenn nicht
Des Wirtes Zuspruch und Geschäftigkeit
Den Gästen zeigt, dass sie willkommen sind.
Satt essen kann sich jeglicher zu hause;
Geselliges Vergnügen, munteres
Gespräch muss einem Festmahl Würze geben.
Schiller, Macbeth, III, 8 (Lady)

Das reichste Volk muss verarmen, wenn es sittlich verfällt.
W. Roscher

Das reicht gerade für einen hohlen Zahn
en] it's precious little
fr] il n'y en a pas de quoi remplir une dent creuse
it] è troppo poco

Das reicht von der Nase bis an den Mund.
i] Was unzulänglich ist, nicht ausreicht.

Das reife Alter ist aller Freuden des blühenden Jugendalters fähig und das hohe Alter aller Freuden der Kindheit.
Joseph Joubert, Gedanken, Versuche und Maximen

Das Reifen des Herzens geht dem des Körpers vorauf.
Gustave Flaubert, November

Das reifere Alter ist selten jener Hingebung fähig; die Erkenntnis des Mannigfaltigen, indem sie das Selbst bewußtsein schärfte, hat ihm seine Unbefangenheit geraubt.
Georg Forster, Die Kunst und das Zeitalter

Das Reifwerden des Herzens geht dem des Körpers voran...
Flaubert, November

Das reimet sich daher nicht.
la] Nihil ad versum.

Das reimet sich ja wie Monachus und Stomachus.

Das reimet sich wie ein faust auf ein Auge.
i] Th. Moore sagt von einem schlechten Buche, wenn es nur wenigstens gereimt wäre: Here's nor rhyme nor reason.

Das reimet sich wie weiß und schwarz.

Das reimet und füget (bindet) sich ineinander wie Kirchenzimmer.

Das reimt sich darzu, als ein pfeyl vff ein küffen.

Das reimt sich wie Arsch und Friedrich.
z] Das reimet gleich zusammen sich, als wie meine Hosen und Fridrich.

Das reimt sich wie Engel und Teufel.

Das reimt sich wie Fastnacht und Karfreitag.
en] It's as like as chalk to cheese.
fr] Cela vient comme un cheveu sur la soupe.
it] C'entra come i cavoli a merenda. - È un pugno in un occhio.

Das reimt sich wie Sauerkraut und Hobelspäne.

Das reimt sich zuosamen, als meusskot und Pfefferlot.

Das reine Gebet leitet unsere Neigung zum Himmel wie zu einer dem Feind unzugänglichen Burg.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Das reine Gefühl einer endlichen allgemeinen Gleichheit, wenigstens nach dem Tode, scheint mir beruhigender als dieses eigensinnige starre Fortsetzen unserer Persönlichkeiten, Anhänglichkeiten und Lebensverhältnisse.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,1

Das reine Hemd allein macht keine ehrbare Dirne.
Russland

Das reine Phänomen steht nun zuletzt als Resultat aller Erfahrungen und Versuche da. Es kann niemals isoliert sein, sondern es zeigt sich in einer stetigen Folge der Erscheinungen. Um es darzustellen, bestimmt der menschliche Geist das empirisch Wankende, schließt das Zufällige aus, sondert das Unreine, entwickelt das Verworrene, ja entdeckt das Unbekannte.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre ? Erfahrung und Wissenschaft

Das reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe.
G. W. Friedrich Hegel

Das Reine wird leichter schmutzig.
Bulgarien

Das reinste Gold ist das schwerste.
Estland

Das Reisen dient in jüngeren Jahren der Erziehung, in reiferen der Erfahrung.
Francis Bacon (1561-1626), Über das Reisen

Das Reisen kostet Geld, doch sieht man die Welt.

Das Reisen macht gesellig; man wird da mit Menschen bekannt und auf gewisse Weise vertraut, die wir außer dem schwerlich zu Gesellschaftern wählen würden...
Knigge, Über den Umgang mit Menschen

Das Reisen nährt Geist und Herz. Der Hypochonder reise, um seine Hypochondrie zu vergessen! Der Misanthrop reise, um die Menschen liebzugewinnen! Es reise alles, was reisen kann!
Karamsin, Reise durch Deutschland

Das reisst ins englische Laken.
i] Wird in der Gegend von Altona gebraucht, wenn ein Glied einer großen und ansehnlichen Verwandtschaft eine Schlechtigkeit verübt hat.

Das Reiten, Fechten und die Laut, das Spielen, Saufen und die Braut verderben manche gute Haut.

Das Reiterspiel treiben.
i] Von Raub, Beutemachen u.s.w. leben, ein sogenanntes Ritterleben führen.

Das reizbare Volk der Dichter
la] genus irritabile vatum

Das reizt nicht mehr, und was nicht reizt, ist tot.
Goethe, Tasso A II Sz 1 (Prinzessin) Vs 1034

Das religiöse Leben ist ein Faktum. Der Türke ruft: Allah ist groß!, und stirbt für diese Überzeugung. Der Norweger kniet noch heute vor dem Altar und trinkt Christi Blut. Jedes Volk hat irgendeine Kuhglocke, an die es glaubt, und in diesem Glauben stirbt es selig.
Knut Hamsun, Mysterien

Das Religiöse stehet der weiblichen Bescheidenheit sehr wohl, es gibt der Schönheit ein gewisses edles, gesetztes und schmachtendes Ansehen.
Lessing, Der Freigeist IV, 3 (Adraft)

Das Rennen machen
en] to make the running
fr] emporter (o. enlever) le morceau
it] vincere la corsa (o. la gara)

Das Rentier flieht, wenn man vom Geweih spricht.
Russland

Das Rentier, was uns ein Reicher geschenkt hat, muss man nicht untersuchen, man würde es sonst ohne Geweih finden.
Finnland

Das Requies in aeternum, dreimal gesungen, macht die Seelen im Fegfeuer so sanft schlafen wie die Maulwürf und Ratten.

Das Resultat einer echten Methode nennt man Stil, im Gegensatz der Manier. Der Stil erhebt das Individuum zum höchsten Punkt, den die Gattung zu erreichen fähig ist, deswegen nähern sich alle großen Künstler einander in ihren besten Werken.
Goethe, Schriften zur Kunst - Diderots Versuch über die Malerei

Das Resultat seiner Rede war, dass der Weise mit dem Nichtbewundern aufhöre...
Goethe, H. Voß, 13.2.1804

Das Retardat frisst die Kuxe.
i] Wenn ein Bergwerksaktionär oder Kuxinhaber mit den zur Betreibung erforderlichen Nachzahlungen (Zubuße) im Rückstande bleibt, so wird er in das Retardat gesetzt und sein Anteil (Kux) fällt der Gewerkschaft anheim.

Das Reule kommt hintennach.

Das Reulied singen müssen.
z] Teutschland wird das schändliche Rew Lied noch singen müßen: non putaram, non credideram, wann es nun zu grunde und drümmern geht. Luther

Das reut ihn, so viel er Haare auf dem Kopfe hat.
Rottenburg

Das Rezept passt für viel Krankheiten, sagte der Mann zu seiner Frau, und zeigte ihr einen Haselstock.
ho] Dat recept komt niet wel a propos, zei snapachtige Gerrit, en hij kreeg een drachma rottingolie.

Das Rezept war ausgezeichnet, nur die Arznei taugte nichts.

Das Rezept wäre sehr gut, wenn die Befolgung desselben vor dem Närrischsein nach der Hochzeit schützte.

Das richtige Gedächtnis für einen Politiker ist eines, das ihm sagt, woran er sich zu erinnern und was er zu vergessen hat.
Fliegende Blätter

Das Richtmaß halte fest! Der Glaube wird zum Toren,
Zum Narren die Wissenschaft, wo sie das Maß verloren.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

Das Richtscheit des Gemüts ist die Bescheidenheit.
Wer sich nach ihr nicht misst, der fehlt der Tugend weit.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Das riecht (stinkt) no Schweiß, sagte der Bauer, als er die (seine Arbeits-)Leute faulenzen sah.
Oberlausitz

Das riecht hier nach Menschen, sagte der Fuchs, als er in das Scheißhaus geraten war.
Lüneburg

Das riecht ihm in die nase.

Das riecht nach der Öllampe.
i] nach nächtlicher Arbeit
la] Olet lucernam.

Das riecht nach der Schule.
ho] Het riekt naar de school.

Das riecht nach Gelde.

Das riecht nach Ketzerei.
ho] Het riekt naar den mutsaard. 1 Mos. 22, 8

Das riecht nach Kugl.

Das riecht nach vertrockneten Veilchen.
i] H. Heine in Bezug auf eine verschwundene Liebe.

Das Riedgras lässt sich wohl mähen, aber nicht dreschen.

Das Riff zeigen, wenn das Schiff zertrümmert ist.

Das Rind auf der weiden leckt sich mit Freuden.
sp] El buey suelto bien se lame.

Das Ripsraps in meinen Sack spielen.

Das Roggenfeld soll einst gesagt haben: Es sei besser, vor dem Jakobstag (25. VII) mit Fichtenreisig über das Feld hinzuziehen, als es nachher mit der Egge beinahe zu zerreißen.
Estland

Das Roggenkorn hat versprochen, dann eine um die Hälfte größere Ernte zu geben, wenn es selbst aus dem Aussaatgefäß niederschlüpfen kann, wenn aber der Bauer es aus dem Aussaatgefäß wirft, dann werde es ihm schwindlig.
Estland

Das Rohe am Menschen bleibt immer einigermaßen, oder etwas Rohes bleibt immer an jedem Menschen, und das ist dasjenige, wodurch er lebt und woraus er sich nährt. Es ist wie der Mutterkuchen oder das Eidotter am Hintern des Huhns, woraus es eine Zeitlang Nahrung nimmt.
Goethe, Riemer, 15.3.1811

Das Rohr (Gewehr) ist geladen.
i] Ich bin zum Kampf, zur Abwehr bereit.
ho] Het roer is geladen.

Das Rohr anlegen.
ho] Leg uw roer aan.

Das Rohr bewegt sich nicht ohne Wind. Malta

Das rohr bleibt durch geringes nachgeben, der Baum fällt durch hart Widerstreben.

Das Rohr erschrickt nicht, wenn der Sturm Bäume zerbricht.
bm] Netřeba se třtinĕ báti, vĕtrové kdy dub vyvrátí.
pl] Bač się nietrzeba trzcinie, gdy wiatr dąb wywinie.

Das Rohr schwankt nicht, wenn es nicht angeweht wird.

Das Rohr verdient gemäht zu werden, das den Sumpf verlacht, in dem es wurzelt.

Das Rohrfeuer verlischt schnell.
Ägypten

Das Romantische grenzt ans Komische (Hüon und Amanda, Oberen), das Antike ans Ernste und Würdige. Das Romantische, wo es in der Großheit an das Antike grenzt, wie in den Nibelungen, hat wohl auch Stil, das heisst eine gewisse Großheit in der Behandlung, aber keinen Geschmack. Die sogenannte romantische Poesie zieht besonders unsere jungen Leute an, weil sie der Willkür, der Sinnlichkeit, dem Hange nach Ungebundenheit, kurz der Neigung der Jugend schmeichelt.
Goethe, Riemer, 28.8.1808

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