Weisheiten 68

An Stelle des Siegels
i] auf Kopien, Beglaubigung
la] loco sigilli (l. s.)

An stinckendem (faulem) Fleisch ists saltz verlohren.

An Stockfisch- un Erdäpfelsdâg (Freitag) sagen de ärm Lück, esse mêr de Erdäpfel met gekreiztem Olg (Öl) un de Stockfesch' setzen dröm eröm.
Köln

An Stricke bindet man die Ochsen, an Unterschriften die Bauern.

An Sünden gewinnet man nichts.

An Tand'lmoarkt z'sammenkaufen.
z] Was hast denn da für an Tand'lmaorkt z'sammen kauft?
i] Altes Zeug aller Art, Plunder, ein Durcheinander von unbedeutenden Dingen.

An Terno mach'n.
i] Glück haben, ein gutes Geschäft machen.
z] Mid sein Weib had er an Terno g'machd. Mit dem Kuf had er an Terno g'machd.

An Tiefe sowie an Fleiß hat es dem Deutschen nie gefehlt. Nähert er sich anderen Nationen an Bequemlichkeit der Behandlung und übertrifft sie an Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit, so wird man ihm früher oder später die erste Stelle in Wissenschaft und Kunst nicht streitig machen.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 2. Abt. - Farbenlehre und Farbenbehandlung

An Titeln soll man nicht sparen, man kauft sie ja nicht auf der frankfurter Messe.
la] Qui vents volnut pasci, indigni sunt alimento alio.

An Titeln soll man nicht sparen, sagte die Braut zum Pfarrer, als sie das Aufgebot bestellte; ich bitte um den Ehrentitel Weiland vor Jungfrau, den die selige Amtmännin bekam.

An Tröghal, hä egh mannar üsch tau Earmer.
Nordfriesland
hdt] Ein Bettler hat nicht weniger als zwei Gewerbe.
i] Will sagen, dass er nicht mit einer Gabe zufrieden ist.

An trübem Teich sammelt der Fischer leicht Reichtümer an.

An Tuch und Worten geht viel ein.

An übel gewonnenem Gut hat der dritte Erbe weder Freude noch Mut.
la] Et male partorum non gaudit tertius haeres.

An überstandene Leiden erinnert man sich gern.
la] Meminisse laborum suave qui servatus est.

An überwundene Leiden denkt man mit Siegesfreuden.
it] Quel che fù duro a patire, è dolce a ricordare.

An überwundenes Missgeschick denkt man gern zurück.
la] Jucunda est memoria praeteritorum malorum.

An und für sich; von selbst
la] per se

An und in dem Boden findet man für die höchsten irdischen Bedürfnisse das Material, eine Welt des Stoffes, den höchsten Fähigkeiten des Menschen zur Bearbeitung übergeben...
Goethe, Wanderjahre III,14

An Undankbaren ist alle Wohlthat verloren.

An ungebetnen Gast steckt man untern Ofen.

An ungetanem Werk ist nichts zu meistern.
sd] För ogjord gjärning bötes oföd fä.
sd] Hät är med ingo bött.
sd] Ogjord blijr ospord.

An unmöglichen Dingen soll man selten verzweifeln, an schweren nie.
Goethe, Italienische Reise II, Paralipomena

An Unmögliches ist niemand gebunden. [RSpW]
la] Ad impossibile nemo tenetur.

An Unmögliches ist niemand gebunden.
la] Ad impossibile nemo tenetur.
[RSpW]

An unser früheres Leben können wir uns deswegen nicht erinnern, weil Erinnerung eine Eigenschaft nur dieses Lebens ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1905)

An unverschuldeter Aufregung gestorben, erklärte der Totenschauer, als er einen Mann tot mit drei Kugeln im Kopfe fand.

An unverstendigen Leuten kan niemand Meister werden.

An Urban (25. Mai) die Hirse gut geraten kann.

An Urban (25. Mai) und Pankrazius (12. Mai) der Winzer die Ernte bemessen muss.

An Urban (25.5.) die Hirse gut geraten kann.

An Urban (25.5.) und Pankrazius (12.5.) der Winzer die Ernte bemessen muss.

An urem Mann is a Wattren (Freigebiger) auf a fremden Beutel.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wenn jemand auf Kosten anderer mildtätig ist.

An urem-Mann is wie a Hojker.
i] Höcker, Buckliger. Beide tragen, was sie besitzen, auf dem Rücken.

An urm Mann is wie a löchriger Sack.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Schwer zu füllen.

An urm Mann steht bei der Tür.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Wer Gefälligkeiten oder Wohltaten beansprucht, muss bescheiden sein.

An Ursula (21.10.) muss das (o. brings) Kraut herein, sonst schneien (noch) Simon und Juda (28.10.) hinein.'

An Ursula (21.10.) muss das Kraut herein, sonst schneien Simon und Jude (28.10.) drein.

An verdächtigen Orten halte dich nicht auf und sei nie Gefährte eines Menschen, der ein Wegweiser zum bösen Ort ist, damit er dich nichts Böses lehre. Dergleichen Leute fliehe und bleibe ihnen fern.
Buch des Kabus

An vergangenes Unglück ist gut denken.
la] Jucunda malorum praetoriorum memoria.

An verlegenem Fleisch kauft man allzeit zu teuer.

An verlorenem Appetit stirbt man nicht.
sp] Dejar de comer por haber comido no es enfermedad de peligro.

An Versprechungen ist jeder so reich, wie er will.
Ovid, Die Liebeskunst

An Versprechungen und rohem Tuch geht viel ein (zurück).
dä] Løfte og raat klæde løber meget ind.

An viel reden kennt man einen Narren.

An viel reden ohne Verstand wird der Narr erkannt.
ho] In woorden zonder slot is't kenmerk van een' zot.

An viel Rühmen soll man sich nicht kehren.
fr] De se vanter doit l'en prendre garde.

An vielem Fragen erkennt man einen Narren.
z] In den Hospitälern bemerkt man, dass die Narren vorzüglich gern Tabak schnupfen. In der Gesellschaft erkennt man sie an dem vielen Fragen.
it] Chi troppo dimanda ha testa di matto.

An vielem Lachen erkennt man den Hachen
i] Oft wird man fragen können, wer der Narr ist, der welcher lacht, oder der, über den gelacht wird.

An vielem Lachen sollst du den Narren erkennen (o. erkennt man den Narren).
la] Per risum multum debes cognoscere stultum.

An vielem Schwatzen erkennt man den Mann.
la] Qui multum fatur, stultissimus esse probatur.

An vielen Höfen essen die Esel der Gelehrten Brot und die Narren besitzen die Ehrenstellen.

An vier Dingen erkennt man den Franzosen: wenn die Uhr schlägt, wenn er jemand fragt, wenn er Versprechungen macht und wenn er von seinen Liebschaften redet.

An vier Dingen erkennt man einen Narren: sich selbst loben, sich leicht erzürnen, ungefragt viel reden und wegleihen ohne Sicherheit.
en] By six qualities may a fool be known: Anger without cause, speech without profit, change without motive, inquiry without an object, putting trust in a stranger and wanting the capacity to discriminate between a friend and a foe.

An vier Dingen geht viel ab: an Rechnungen, an Worten, Dünken und gespanntem Tuch.

An vier Dingen wird ein Mensch erkannt: in seinem Geschäft, in seinem Trinken, in seinem Zorn und seinem Spiel.

An vier Zeichen erkennet man den Mann: seine Weisheit, wenn er in Rechten ist; seine Geduld, wenn er in Not ist; seine Demut, wenn er groß ist, seinen Reichtum, wenn er tot ist.

An viererlei Leuten ist Mangel auf Erden: an Pfaffen, sonst dürfte einer nicht sechs bis sieben Pfründen haben; an Adeligen, sunst wollte nit jeder Bauer ein Junker sein; an Huren, sonst würden Eheweiber und Nonnen das Handwerk nicht treiben, und an Juden, sonst würden Christen nicht wuchern.

An Vinzenzi (22.1.) voller Sonnenschein, der lässt uns hoffen auf Korn und Wein.

An Vorwand fehlt es keinem, wenn er betrügen will.

An Wänden gehen.

An Wanj, thiar knarket, thi healt laang.
Nordfriesland
hdt] Ein Wagen, welcher knarrt, hält lange.
i] Um zu sagen, dass die, welche stets über ihre Gesundheit klagen, in der Regel am längsten leben.

An Waren und grauem Tuch geht viel ein.

An Wedwüf her iarst Mân mut altidj üübh baasel dânsi.
Nordfriesland
hdt] Der erste Mann einer wieder verheirateten Witwe muss allezeit auf dem Tische tanzen.
i] Er wird bei jedem Anlass gelobt.

An Weibern ist keine Ehre zu erjagen.

An Weibern liegt keine Macht.
i] Der Ehemann wird als der natürliche Vormund seiner Frau betrachtet, in dessen Hand auch die Verwaltung des gesammten Vermögens ruht.
mhd] An wiben liget keyne macht niet.

An Weibern und Melonen kauft man allzeit mit Gefahr.

An Weibern und Unglück ist niemals mangel gewest.

An Weibertreue und Wunder ist schwer glauben.

An Weiberweinen, Metzgerschwören und Hundehinken darf sich niemand kehren.
la] Neve puellarum lachrymis moveare caveto, ut flerent, oculos erudire suos.

An Weihnacht die Hälfte Brot, die Hälfte Wein.
Toskana

An wenig Gegenständen erscheint die Farbe in ihrer ursprünglichen Reinheit, selbst im vollsten Lichte, sie wird mehr oder minder durch die Natur der Körper, an denen sie erscheint, schon modifiziert...
Goethe, Schriften z. Kunst - Diderots Versuch ü. d. Malerei

An wessen Gewinn jemand beteiligt war, an dessen Verlust soll er auch teilhaben.
[RSpW]
la] Cuius participavit lucrum, participet et damnum.

An Willen und Worten ist kein Zwang.
i] Im Allgemeinen sollen nicht bloß die Gedanken, sondern auch die Worte, insofern in diesen nicht selbst schon, wie bei Ehrenkränkungen, das vollendete Unrecht liegt, von strafrechtlicher Ahndung verschont bleiben, da dadurch allein noch niemand Gewalt angetan wird.
mhd] An willen noch an worden i's nen gedvang.

An williger Armut hat Gott kein Schuld.

An witjen Hingst skal föl Streilis ha.
Amrum
hdt] Ein weißer Hengst (Pferd) soll viel Streu haben.
i] Wird in Bezug auf eitle Hausfrauen gebraucht.
ndt] Di wit Hingster skel fuul Streils haa. Sylt

An Witwen und Jungfrauen, an Rüben und Schoten am Wege rupft jedermann.
bm] Usklubná semena, v poli hrách ařepa, vlidech vdova a panna kazdému jsou na ránĕ.

An Witwen und Waisen will jeder ziehen und zerren.

An Witwen und Waisen will jedermann den Arsch wischen.
ho] Aan weduwen en weezen will elk trekken en plakken.

An wohlen Tagen geht er auf dem Eis tanzen.

An wohlfeiler Ware ist teuerer Kauf.
it] Guardati delle derrate di buono mencato.

An Wort und Schritten erkennt man den Mann und seine Sitten.

An Worten und an Werken kann man den Heuchler merken.
it] Per l' opere non per il vestito vien conosciuto l' hipocrita.

An worten und grauem (ungenetztem) tuch geht viel ein.
ho] Aan woorden en laken, neem altijd wat tegen het krimpen.

An Worten und Laken muss man immer etwas gegen die Krümme haben.

An Wüüf kaan onnar a Skortelduk muar wechbring, üüs sööwen Hingster tji kôn.
Nordfriesland
hdt] Ein Weib kann unter der Schürze mehr wegbringen, als sieben Pferde ziehen können.
i] Heimlich, hinter dem Rücken des Mannes.

An Zeichen erkennt man die Herberge.
ho] Het teeken wijst de zaak.

An Zerstreuungen lässt es uns die Welt nicht fehlen; wenn ich lese, will ich mich sammeln und nicht, wie jener Sultan von Indien, durch abgerupfte Märchen hingehalten sein.
Goethe, Schriften zur Literatur - Literarisches Konversationsblatt

An Zornigen ist kein Ehr zu erjagen.

An Zusagen und rohem Tuch gehet viel ein.

An zuviel Wurst kann ein Hund ersticken.

An zwei Ankern steht ein Schiff fester als an einem.
en] Good riding at two anchors, men have told, for if one break the other may hold.
la] Ancoris duabus niti bonum est.
un] Két istáphoz jó támaszkodni.

An zwei Dinge muss man sich gewöhnen, um das Leben erträglich zu finden: Die Unbilden der Zeit und die Ungerechtigkeiten der Menschen.
Chamfort, Maximen und Gedanken

An zwei Dingen fehlt immer etwas: an einer Mühle und an einer Braut.

An zwei Dingen ist immer was zu flicken: an alten Häusern und alten Weibern.

An zwei Dingen ist verloren der Safran und die goldnen Sporen: an Kuhfleisch in gelber Brüh' und einem Ritter ohne Müh'.

An zwei Dingen ist wenig zu erwischen: an Träumereien und Backfischen.

An zwei Tagen zitterst du umsonst vorm Tod:
Wo ihn Gott bestimmt, wo Gott ihn nicht bestimmt.
Denn am ersten hilft kein Arzt in deiner Not
Und am letzten dir kein Mensch das Leben nimmt.
Rückert, Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenlande

An zwei Tischen wird ein Fraß erzogen.
ndt] A zwé Tische wird en Frass erzoge.
Schweiz

An zwei wichtigen Merkmalen erkennt man den echten Kritiker: Erstens schreibt er gut und lebendig, er steht mit seiner Sprache auf du und du, er missbraucht sie nicht. Zweitens hat er das Bedürfnis und BestrebenPestalozzi, seine Subjektivität... so klar zur Darstellung zu bringen, dass der Leser eben diese Subjektivität benutzen kann, wie man ein Metermaß benutzt.
Hesse, Notizen zum Thema Dichtung und Kritik

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ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
FRANZÖSISCH
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ITALIENISCH
1 2 3 4
LATEINISCH
1 2 3 4
PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10