Weisheiten 67

An Sankt Gall führe die Ochsen aufs Feld und unterlass es nicht.
Italien

An Sankt Gall säe, säe, tue es ja.
Italien

An Sankt Galli (Sankt-Gallus, 16. Okt.), wann die Rübe reif ist.
Oberlausitz

An Sankt Johann gafft man hinein.
Picardie (Wenn es regnet, in die leeren Nüsse)

An Sankt Johann geht der Sorgo ins Korn.
Venetien (Sie haben wie alle Bewohner Oberitaliens den Glauben, dass wie in der Johannisnacht der Most in die Traube, am Johannistage der Sorgo oder Mohnhirse in die Körner geht)

An Sankt Joseph fliegen die Schwalben übers Dach, sie fliegen oder fliegen nicht, die Kälte verlässt uns.
Venetien

An Sankt Joseph legt man den Bettwärmer weg.
Mailand

An Sankt Katharina entweder Schnee oder Reif.
Toskana

An Sankt Katharina ist Schnee auf den Hügeln.
Mailand

An Sankt Katharina nimmt man den Kohlentopf.
Venetien (Sowohl den Topf zum Wärmen der Hände und Füße wie die Wärmflasche zum Auswärmen des Bettes)

An Sankt Katharina wird die Kälte schärfer.
Lombardei

An Sankt Katharina ziehe den Wärmetopf heraus.
Mailand

An Sankt Kilian (8. Juli) säe Rüben an.

An Sankt Kilian (8.7.) säe Rüben an.

An Sankt Laurenti (10.8.) Sonnenschein bedeutet ein gut Jahr für Wein.
fr] Quand il pleut en aout, il pleut bien et bon moust.

An Sankt Lorenz blickt man hinein und an Sankt Rochus knackt man sie auf.
Picardie (Nuss- und Mandelernte)

An Sankt Lorenz die große Hitze, an Sankt Antoni die große Kälte; die eine oder die andere währt nicht lange.
Sardinien

An Sankt Lorenz kommen die Nüsse mit dem Stocke, an Sankt Rochus verlieren sie die grüne Schale.
Venetien

An Sankt Lucia (23/25.12.) ist der Abend dem Morgen nah.
i] Die Tage sind da am kürzesten, der Abend grenzt an den Morgen.
dä] Dagen er kan to stumpede ender; er som stumpede lys, der har kan øjne og ender.

An Sankt Lucia beisst die Kälte.
Mailand

An Sankt Lucia martert die Kälte.
Toskana

An Sankt Lucia wachsen die Tage um den Sprung eines Flohs, an Sankt Thomas um den Schritt eines Pferdes.
Picardie

An Sankt Magdalena, ist die Nuss voll oder noch nicht voll, unsere Kinder wollen sie aufmachen.
Lombardei

An Sankt Martha (29.7.) hängt man das Licht unter den Rauchfang.
i] In Venetien soll man an diesem Tage wieder anfangen abends bei Licht zu spinnen.
it] Da Santa Marta se taca la luse sota la nappa.

An Sankt Martin der Winter im Kamin.
Venedig

An Sankt Martin lege Holz ins Kamin.
Mailand
Sankt Martin feiern. (Ein gutes Mahl bereiten, genießen)
Sankt Martin führt die Schlüssel zu jeder Seele auf dem Pfad zum letzten Urteil. (Bezieht sich auf die drei großen Gerichtszeiten (Dinge) im Jahr. Eins dieser Dinge fiel in die Zeit um Ostern (Frühling), das andere in den Anfang des Herbstes; und als drittes echtes Ding war der Martinstag bezeichnet. Nachdem das Christentum Eingang gefunden, wurde der Sonne rechtseinschließende Kraft auf die Heiligen übertragen. Die Dreizahl bildet die Regel beim echten Dinge)
Sankt Martin gab den Mantel; ein Spieler gibt Hosen, Wams und Hemd, darum weil er wohl heiliger ist, wenn er nackt seinem Herrn, dem Teufel, nachrennt.
Sankt Martin macht Feuer ins Kamin; dann, o Mädel, greif' zum Rädel. Nassau
Sankt Martin Miss is de Winter wiss.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank am warmen Ofen auf die Bank.
Sankt Martin setzt sich schon mit Dank zum Wärmen auf die Ofenbank.
Sankt Martin war ein milder Mann, trank gerne cerevisiam; und hatt' er nicht pecuniam, so ließ er seine tunicam.
Sankt Martin weiß nichts mehr von heiß.
Sankt Martin, du vol Liebe, du wonst vnter Diebe, die geben dir ein Pfennig und stelen dir ein Pferd; wer die Diebe hengte, des weren sie wohl wert.
Sankt Martins breckt dat Is, man find he gên, so mâkt he ên.
Sankt Martinus zu Pährd macht de Bauer allährd. Trier (allährd = munter, flink, rührig, vom französischen alerte. Auf den Martinstag, trierisch Meerdestag, fallen gewöhnlich für den Landmann die Zahltermine von gepachteten Grundstücken und geliehenen Kapitalien)
altfries] Sinte Martine da sloetelin feert to iwer siele in dat paed ti da lesta ordele.
fr] Faire la Saint-Martin.
fr] Saint-Martin boit le bon vin et laisse l'eau courre au molin.
la] Post Martinum bonum vinum.

An Sankt Martin scherzt der Winter nicht bald, Schnee und Frost kommen mit Gewalt.
Tschechien

An Sankt Martins Tag (10.11.) lobe unsrer Frauen Fasten.

An Sankt Matthäi ist das schöne Wetter vorüber.
Italien

An Sankt Mattheis (24.2.) geht kein Fuchs mehr übers Eis.

An Sankt Mattheis (24.2.) trinkt die Lerch' aus'm Gleis.

An Sankt Matthias (24.2.) erste Frühlingshoffhung.
Oberschlesien

An Sankt Medardus (6.8.) wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht.

An Sankt Medardus (8. Juni) wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht.

An Sankt Michael siehe gut zu, ob der Himmel heiter ist.
Venetien

An Sankt Paul Bekehr (25.1.) wendt sich der Winter halb hin, halb her.

An Sankt Philippstag die Linsen zum Felde trag.

An Sankt Urban (25.5.) setzt die Frucht die Körner an.
it] Per Sant' Urbano il frumento è fatto grano.

An Sankt Urbanstag (25.5.) ist Baum- und Weingarten verdient.
i] Da die Pflege der Baum- und Weingärten den Wirtschafter nicht das ganze Jahr in Anspruch nimmt, so war bestimmt, dass mit dem Sankt- Urbanstage, als der Zeit, da die Weingärten und Baumpflanzungen aus der Pflege des Gärtners traten und ihrer eigenen Entwickelung überlassen wurden, der Ertrag verdient sein solle.

An Sankt Valentein (14. Feb.) friert's Rad mitsamt der Mühle ein.

An Sankt Valentin (14.2.) die Hälfte Brot, die Hälfte Wein, und die Hälfte Heu fürs Vieh.
i] Die Italiener gehen sogar in der Vorsicht noch weiter, indem sie die andere Hälfte des Winters erst mit dem 14. Februar beginnen lassen.

An Sankt Vinzent (22.1.), da hat der Winter noch kein End'.

An satten Eers kan föl bitheenk. Nordfriesland (Ein sitzender Arsch kann viel erdenken)

An Säuen fehlt es nicht, wenn der Teufel aus Besessenen fährt.

An Saukauf ist wenig zu gewinnen.
i] Schädlicher Einfluss schlechter Gesellschaft.
z] Vnd fecht ein schedlichs spil jn (den Schelm, hier ein Mensch von unanständigem Betragen, pöbelhaftem Charakter, der in bessere Geaellschaft gekommen ist) an, damit sie all zu schaffen han, mit leib und leben kaum entrinnen, an sawkauf wenig nutz gewinnen.

An Schiffen und Frauen ist immer was zu flicken.

An schlechten Bissen kauen.

An schlüpfrigen Händen bleibt leicht etwas kleben.

An schmierigen Händen bleibt viel hängen.
en] Benefits bind.
fr] Qui prend s'engage.
fr] Qui prend, se vend.
it] Chi ha preso resta preso.
la] Munera capiunt hominesque deosque.
sp] Quien prende su cuerpo vende.

An Schnittern fehlt es nicht, wenn nur erst zu ernten ist.

An schönes (teueres, kostbares) Holz gehängt werden.
i] Ein Unglück ist erträglicher, wenn es von Schande frei ist. Für den der hängt, dürfte es allerdings keinen schönen Baum geben; eine hohle Weide möchte für ihn wohl mit einem Lorberbaume in gleichem Range stehen.

An Schönheit und an Leim bleibt man sehr leicht kleben.
z] Schönheit ist ein Vogelleim, jeder hänget gern daran, wer nur fleugt, wer nur schleicht, wer nur manchmal kriechen kann.

An schönne Gruß, und wear net laufe könn', deam fehl's am Fuß.
Bietigheim

An Schorf soll man nicht tasten.
i] Verharschte, wunde Stellen soll man nicht berühren.
ho] Schurft is ligt geraakt. - Schurft will niet geraakt zijn.

An schwarzen Kesseln kann man sich nicht weiß brennen.
ndt] Am e ruessige Kessel kammer sich nidd sufer rywe. Strasburg
la] Luto lutulentior.

An seine Träume glauben heisst, sein Leben im Schlaf verbringen.
China

An seinem eigenen Schopfe kann sich niemand aus der Grube ziehen, in die er gefallen ist.

An seinem Ort
la] suo loco

An seinem Stricke spinnen.
i] Auf dem Wege zum Galgen sein.

An seinem Todestage kräht kein Hahn.

An seinem Umgang erkennt man den Menschen.

An seinem Umgange (seiner Gesellschaft) erkennt man den Menschen.

An seinen Blüten erkennt man den Baum der Früchte trägt.

An seinen Früchten erkennt man jeden Baum.

An seinen Früchten erkennt man, was für ein Baum es ist.
la] Fructibus ex propriis arbor cognoscitur omnis. Beda Venerabilis, Proverbiorum liber
la] Fructibus ipsa suis, quae sit, cognoscitur arbor. Panfilus

An seinen Gewohnheiten hängt man.

An seinen Idealen zu Grund gehen können heisst lebensfähig sein.
Peter Altenberg

An seinen Nachkommen erkennt man den Mann.
la] In extremis suis agnoscitur vir.

An seinen Räten erkennt man den Fürsten.
bm] Po radcĕ krále poznati jest.

An seinen Scherzen erkennt man den Menschen.
fr] Au plaisanter on connaît l'homme.

An seinen Vertrauten soll man nicht zweifeln; einmal Bezweifelten nicht trauen.

An seiner ewigen Ängstlichkeit erkennt man den Philister und 'Bürger' (im übelsten Wortsinne).
J. M. Verweyen, Der Edelmensch

An seiner Nase findet jeder Fleisch.
i] Er ziehe sich also daran, und bekümmere sich nicht um die Nasen (Angelegenheiten) anderer.

An seiner Rübe erkennt man den Trunkenbold.
fr] À la trogne connaît-on l'ivrogne.

An seiner Sprache erkennt man das Regime.
Heinrich Mann, Der Weg der deutschen Arbeiter

An seiner Uhr ist's nie zu spät.
i] Vom Trägen.
fr] Il n'est jamais tard à son horloge.

An Septemberregen ist dem Bauern viel gelegen.

An Septemberregen
Für Saaten und Reben ist dem Bauern gelegen.

An sich denken gibt wenig Glück. Wenn man aber viel Glück dabei hat, liegt es daran, dass man im Grunde nicht an sich, sondern an sein Ideal denkt.
Friedr. Nietzsche, Wir Philologen, 2, Plan und Gedanken zur Ausführung

An sich denken, ist ganz recht; nur an sich denken, das ist schlecht.

An sich ist das Leben nichts Gutes und nichts Böses, es ist der Hintergrund, auf dem ihr selbst Gutes und Böses anbringen könnt.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

An sich ist es ja gleichgültig, ob man sein Geld spart oder ausgibt, gut oder schlecht kann nur genannt werden, was wir damit wollen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu.
William Shakespeare, Hamlet (Hamlet)

An sich rapsen und dapsen.

An sicherem Ort
la] in solido

An sichern Dingen ist der Zweifel gut.

An sieben Dingen (Stücken) wird eines Menschen Weisheit erkannt: wenn er in Gegenwart Verständigerer schweigt, niemandem in die Rede fällt, nicht unbedachtsam antwortet, gern hört und lernt, nach des Gesprächs Veranlassung fragt, in seinen Reden Ordnung hält und die Wahrheit sagt.

An Silber bin ich äußerst interessiert.
la] In argento plane studiosus sum.

An silbernen Wocken spinnt man das feinste Garn.

An sîne Rede ess weder Klack noch Schmack. Lippe

An Sittensprüchen hat der Arge sein Vergnügen,
Nicht um danach zu tun, doch um damit zu trügen.
Rückert, Weisheit des Brahmanen

An Skelm, diar sin bâst ep dê.
Amrum
hdt] Ein Schelm, der sein Bestes nicht tut.

An skürw'd Schep kan an hian Hokfal umstegh.
Nordfriesland
i] Ein räudig Schaf kann eine ganze Hürde voll anstecken.

An slacht Müs, diar man ian Hâl hea.
Nordfriesland
hdt] Eine schlechte Maus, die nur eine Höhle, ein Loch hat.

An slachten Föggel, thiar sin anj Neast egh onnerhoal kaan.
Nordfriesland
hdt] Ein schlechter Vogel, der sein eigenes Nest nicht unterhalten kann.

An so ein Leben, in dem man nie allein ist, gewöhnt man sich nicht, man lebt es bitter zu Ende.
Tucholsky, Nie allein

An solchem Kaufe solches Geld.
it] Tanto è mercante colui che perde quanto colui che guadagna.

An solchen Vorfrühlingstagen, wo der Geist die Last des Winters noch nicht ganz abgeschüttelt hat, ist's, wo die Sehnsucht nach der Ferne uns am mächtigsten ergreift. Es ist ein sonderbares Ding um diese Sehnsucht, die wir nie verlieren, so alt wir sein mögen.
Wilhelm Raabe, Die Chronik der Sperlingsgasse

An Sorgen muss mancher erworgen.
ho] De zorgen verworgen.

An Steckn muss ma sich richten in jungen Jahrn, dass ma a Heb' (= Stütze) hat für die alten Tag.

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