Weisheiten 587

Der Mond will der Sonne beistehen.
Russland

Der Mond will der Sonne leuchten helfen.

Der Mond, das Blasse Auge der Nacht.
Heinrich Heine

Der Monden ist nicht allezeit voll.

Der Mondschein richtet sich nicht nach dem Quaken der Frösche.

Der Mondschein und die Huren sind selten gute Freunde.
ho] De maan is een brooddief der ligte kooijen.

Der Mondschein, der in meine Stube fällt, ist mir lieber als der Sonnenschein deines Gartens (o. in des Nachbars Garten).
Oberschlesien
i] Holzfackel

Der Monotheismus, das heißt die Vorstellung eines einzigen unteilbaren Gottes, das Symptom einer höheren Religion sein sollte; das ist eine durchaus rationalistische Schlußfolgerung; die Arithmetik hat mit Religion gar nichts gemeinsam; der Monotheismus kann ebenso gut eine Verarmung wie eine Veredelung des religiösen Lebens bedeuten.
Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Der Montag ist des Sontags Bruder, den Dinstag ligt man gern im Luder, der Mittwoch ist ein Feyrtag, am Donnerstag man nichts tun mag; am Freytag geht man in das Bad, am Samstag sieht man in die Werkstatt, so bringt man die Wochen zu mit Saufen, Faulentzen und in Unruh.
la] Bis sese credatis species sunt ebrietatis, in multis primus sapiens est; alter opimus; tertius grande vorat quartus sua crimina plorat; quintus luxuriat; sextus per numina jurat; septimus incendit; octavus singula vendit; nonus nil celat, quod clam scit esse revelat; somnia denus amat; undenus turpia clamat; cum fuerit plenus vomitum reddit duodenus.

Der Montag ist in christlichen Ländern der Tag nach dem Fußballspiel.
Ambrose Bierce

Der Montag ist Unbestand.
Oberösterreich

Der Moor hat seine Schuldigkeit getan.
i] Witzwort der in Marienbads Moorbädern Geheilten.
z] Groß ist die Zahl der Gelähmten, Gichtbrüchigen, durch Schuss- und andere Wunden Verletzten, welche in jedem Sommer nach Marienbad wandern, um die aufsaugende und belebende Kraft der Moorbäder an sich zu erproben. Wie häufig sieht man j-n, der anfangs im Krankenwagen mühsam hingeschoben wurde, nach einiger Zeit frisch auf eigenen Füßen einherwandern. Wie oft hört man aus dankerfülltem Herzen dann den klassischen Ruf ertönen: Der Moor hat seine Schuldigkeit getan!

Der Mops muss mit dem Bullenbeißer nicht anbinden.
la] Cui scieris non esse parem te, tempore cede: Victorem a victo superari saepe videmus.

Der Moral Gesetze hängen nicht von den Gebräuchen der Völker ab.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héoïse (Saint-Preux)

Der Mord hat zwei Gesichter..., eine stumpfsinnige Vollzugsvisage und ein gebildetes Gesicht, hinter dem eine fatale Entscheidungsgewalt steht.
Weisenborn, Der Verfolger

Der Mörder sucht sich Sicherheit im fremden Lande.
Jabo, Afrika

Der Morgen bedrückt, der Abend beglückt.
mhd] Den morgen sorget menneglîch, so ist der âbent vröuden rîch.

Der Morgen brennt, der Abend, löscht.
Tschechien

Der Morgen bringt das Licht.
i] Ex oriente lux, sagten die Alten, aus dem Orient kommt Licht, Weisheit.

Der Morgen findet,
Verwelkt den Kranz,
Der gestern glühte
In aller Pracht;
Denn er verblühte
In dunkler Nacht.
Ludwig Tieck, Liebesgeschichte der schönen Magelone

Der Morgen grau, der Abend rot ist ein gutes Wetterbot (o. guter Wetterbot').
i] Bot = Angebot, Voraussage oder Bote

Der Morgen grau, der Abend rot,
Ist ein guter Wetterbot'!
fr] Rouge au soir, blanc au matin,
C'est la journée du pèlerin.

Der Morgen ist die Jugend der Abend das Alter.

Der Morgen ist die Mutter der Geschäfte und der Abend die Mutter der Gedanken.
Italien

Der Morgen ist klüger (o. weiser) als der Abend.
i] Der vorangegangene Abend)
bm] Jitro jest bystřejsí (moudřejsí) večera.
fin] Aamu on iltaa viisaampi.

Der Morgen ist klüger als der Abend, die Frau ist listiger als der Mann.

Der Morgen ist weiser als der Abend.
Russland
(fin) Aamu on iltaa viisaampi.

Der Morgen kam, es scheuchten seine Tritte
Den leisen Schlaf, der mich gelind umfing,
dass ich, erwacht, aus meiner stillen Hütte
Den Berg hinauf mit frischer Seele ging...
Goethe, Zueignung

Der Morgen kommt, auch wenn der Hahn nicht kräht.

Der Morgen nährt (o. sorgt), der Abend verzehrt.
i] Von Jugend und Alter

Der Morgen sorgt, der Abend verzehrt.
fr] Besoigner du matin est le vray et fin.

Der morgend gast herbergt nicht.

Der morgendliche Gast geht für den Tag (= am Tag) weg, aber der abendliche bleibt über Nacht.

Der Morgenschlaf ist süß, macht aber Hadern um die Füß'.
Rotttal
i] Hadern= Lappen, Lumpen. Er macht träge.

Der Morgenstern ist nicht schöner.

Der morgige Tag ist hinter der Nacht, der übermorgige hinter dem Berg.

Der morgige Tag ist klüger als der heutige.

Der morgige Tag wird uns etwas zum Nachdenken geben.
la] Aliquid crastinus dies ad cogitandum dabit.

Der morn (Morgen) äs wä der hekt (heute).
Siebenbürgen/Sachsen

Der Mörser riecht (o. schmeckt) immer nach (dem) Knoblauch.
i] Man kann seine niedrige Herkunft nicht verleugnen.
fr] Le mortier sent toujours les aulx.
it] Il mortaio sente sempre l'aglio.

Der Mörser riecht immer nach Knoblauch.
it] Il mortaio sente sempre l'aglio.

Der Mörser schmeckt immer nach Knoblauch. Italien (Man kann seine niedrige Herkunft nicht verleugnen)

Der Mörser zerstößt den Pfeffer nicht, sondern die Keule.

Der Most hat noch nicht verbraust.

Der Most ist nicht gut, so im August gewonnen ist.
Portugal

Der Most, der gärend sich vom Schaum geläutert,
Er wird zum Trank, der Geist und Sinn erheitert.
Goethe, Was wir bringen. Halle Sz 3 (Lachesis)

Der Motive kenne ich fünferlei Arten: Vorwärtsschreitende, welche die Handlung fördem, deren bedient sich vorzüglich das Drama. Rückwärtsschreitende, welche die Handlung von ihrem Ziel entfernen, deren bedient sich das epische Gedicht fast ausschließlich. Retardierende, welche den Gang aufhalten oder den Weg verlängern, dieser bedienen sich beide Dichtarten mit dem größten Vorteile. Zurückgreifende, durch die dasjenige, was vor der Epoche des Gedichts geschehen ist, hereingehoben wird. Vorgreifende, die dasjenige, was nach der Epoche des Gedichts geschehen wird, antizipieren, beide Arten braucht der epische sowie der dramatische Dichter, um sein Gedicht vollständig zu machen.
Goethe, Schriften zur Literatur. Über epische und dramatische Dichtung

Der Mühe gibt Gott Schaf und Kühe.
fr] A toute peine est dû salaire.

Der Mühlesel, welcher die Welle dreht, braucht kein Licht.

Der Mühlstein dreht sich immerdar, und er braucht nichts das ganze Jahr.
bm] Zernovy samy nejedí, a lidem mouku dávají.

Der Mühlstein, welcher unten liegt, mahlt auch.
dä] Den qwernsteen maler og som under ligger.
en] The lower mill-stone grinds as well as the upper.

Der Mulk (der Bewohner des Kreises Süd-Viljandi und Süd-Pärnu, Spitzname) behütet sein Pferd mehr als seine Frau.
Estland

Der Mulk hochmütig, der Mulk ist dumm.
Estland

Der Müller denkt, es wachse kein Weizen, als damit seine Mühle gehe.
Goethe, Maximen und Reflexionen 138

Der Müller hat die fettsten Schwein, die im gantzen Land seyn, das machen der Bawren Seck allein.

Der Müller hat seine Zeit, aber der Esel auch.
fr] Il y a temps pour l'âne, et temps pour le meunier.

Der Müller ist ein adelig Kind, es arbeitet für ihn Wasser und Wind.
bm] Na mlynáře voda dĕlá.

Der Müller ist fromm, der Haare auf den Zähnen (auf der Zunge und in der Hand) hat.
i] Die Müller sind in den Verdacht gekommen, dass man ihnen nicht viel trauen dürfe, sondern sie als heimliche Diebe ansehen müße; daher konnten schon zu Karl's des Großen Zeiten die Söhne der Müller nicht zu geistlichen Würden gelangen. So unbillig es auch ist, wegen einzelnen, die es verschuldet haben, eine ganze Zunft zu kränken; so nehmen es damit die Sprichwörter nicht so genau, und auch das obige ist ein Spott gegen die Müller und will sagen, dass ein frommer und ehrlicher Müller so selten angetroffen werde, als mit Haaren versehene Zähne, und ist also zu betonen: Der (derjenige) Müller ist fromm, der Haare auf den Zähnen hat, d.h.: keiner.

Der Müller ist fromm, wenn er in der Kirche ist, oder in der Stube zum Fenster hinausguckt.

Der Müller ist ihm über die Haar gekommen.
Rotttal

Der Müller ist nicht ehe fromm, dann wann er zum Fenster ausguckt.

Der Müller kann die Mühle drehen, aber nicht den Wind.

Der Müller kann nicht ohne Wind mahlen.
Estland

Der Müller kann noch anders aufschütten.
i] Die Sache kann sich noch ändern.

Der Müller lebt mit Wasser und Wind.
Estland

Der Müller meint, das Korn wachse nur für seine Mühle.
z] Der Müller denkt, es wachse kein Weizen, als damit seine Mühle gehe.

Der Müller mit der Metzen, der Weber mit der Kretzen, der Bäcker mit der Bretzen, der Schneider mit der Scheer, wo kommen die vier Diebe her.
i] Kretzen = Weberkorb. Man erzählt, dass in Bayern in älterer Zeit die Weber den Galgen bauen und die Müller die Leiter herbeitragen mussten, weil man geglaubt habe, dass diese Handwerker die längsten Finger hätten, mithin zu dieser Arbeit sich am besten schickten. Schon zu Karls des Großen Zeit waren sie von den Handwerkszünften ausgeschlossen, ein Missbrauch, der vom späteren Reichsgesetz verboten wurde. Oft mit dem ironischen Schluss: 'Wer führt die drey frommen Leut her?'

Der Müller nimmt (stiehlt) handvoll auf handvoll; aber Gott nimmt (rechnet ihm an) Maultierlast auf Maultierlast.
i] Strafende Gerechtigkeit Gottes.

Der Müller nimmt nix als seine Metz und sein Sach.

Der Müller stiehlt nett, jeder sagt zu ihm: nimm 's mein zuerst.

Der Müller und der Bach, die haben Eine Sach'.
i] Sie sind Geschäftsfreunde.
z] Der Bach ist dem Müller befreundet, dem er nützt, und er stürzt gern über die Räder; was hilft es ihm gleichgültig durchs Thal hinzuschleichen?

Der Müller und der Schenkwirt sind den Menschen niemals zu Gefallen.
Estland

Der Müller und sein Esel haben nicht immer einerlei Gedanken.

Der Müller und sein Frau haben ungleiche Mägen; denn er mahlt kaum bei Tag, da sie auch wohl bei Nacht mag.

Der Müller wird reich, wenn die Mühle sich bewegt, und nicht, wenn sie sich zu Bette legt.
sp] El molino andando gana que no estando en la cama

Der Müllerbursche ist oft weißer als der Meister (Müller) selbst.

Der Mund betet nicht, sondern ist nur der betenden Herzens Dolmetscher.
Zinkgref, Apophth.

Der Mund betet und die Hand tötet.
i] Charakteristik der Heuchler.

Der Mund der Frau und eine Landstraße sind immer offen.
Estland

Der Mund der Leute ist ein Schreckenstor.

Der Mund der Neuvermählten ist ein Butterfaß; die Zunge der Quirl.
Estland

Der Mund des Klatsches ist des Teufels Briefbeutel.
Walisisch

Der Mund des Verurteilten hat eine Stimme, aber keine Kraft.
la] Damnati lingua vocem habet, vim non habet.

Der Mund einer Frau ist ein Nest böser Worte.
China

Der Mund einer Kupplerin kennt kein Maß.
China

Der Mund erkennt eine gesalzene Sache, der Hals ein haariges Stück.
Estland

Der Mund erkennt eine gute Speise, der Arsch ein gutes Pferd.
Estland

Der Mund find't durch die ganze Welt.

Der Mund frisst oft, daran man stirbt.

Der Mund grüßet dich, das Herz flucht dir.

Der Mund hat ein kleines Loch, aber es kann Haus und Dach verschlingen.
Jiddisch

Der Mund hat kein Schloss.

Der Mund hat keinen Vorraum vorn.
Estland

Der Mund isst oft, woran man stirbt.
mhd] De munt et vake dâr men an stervet.
la] Devorat os crebro quo fit destructio vitae.

Der Mund ist das allererste Maß.
Estland

Der Mund ist des Bauches Arzt.
i] Folge der Mäßigkeit.

Der Mund ist des Bauches Henker.
i] Folge der Unmäßigkeit.

Der mund ist des bauchs hencker und artzt.
i] Denn durch ihn geht das Übermaß der Speisen wie die wohltätige Arznei.

Der mund ist des herzen münzer und dolmetsch.

Der Mund ist des Herzens Decke (o. Dolmetscher, Maß, Spiegel).
Estland

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1 2 3 4
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SPANISCH
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