Weisheiten 586

Der Mittelweg ist oft doppelt gefährlich.
Grabbe, Napoleon, I, 3 (Blacas d'Aulps)

Der Mittlen Rat, der Alten Wunsch ist selten umsonst.

Der Mittler hat's am besten.
In der Mitte soll der beste Platz sein.
z] Die Mittler der Hunger plagt, die Ober und Unter essen; darumb man auch ganz unrecht sagt: der Mittler hab's am besten.
la] Esuriunt medii, primi satiuntur et imi, errant qui dicunt: medium tenuere beati.

Der Mittwoch ist Unglückstag, weil er kein 'Tag' ist.

Der Moavogel (Dinornis giganteus) zertrat den Ratabaum (Metrosideros robusta), wie ist es möglich, dass er gerade wachse!
Maoren auf Neuseeland

Der möchte auch dem lieben Gott die Füße küssen.

Der möchte mit seinen armen Leuten zu Hause bleiben.

Der Mode beitreten.
z] Darumb geh wie sie um einen heißen Brey, trit dem was Mod' ist bei.

Der Mode ist in Frankreich alles unterworfen.
Napoleon I.

Der moderne Kapitalismus... ist weit mehr ein Wille zur Organisation als ein Wille zur Macht.
Malraux, So lebt der Mensch

Der moderne Mensch hat von wenig eine Ahnung, aber er redet überall mit, obwohl er weiß, dass niemand ihm zuhört.
Steve Martin

Der moderne Mensch 'läuft' zu leicht 'heiß'. Ihm fehlt zu sehr das Öl der Liebe.
Christian Morgenstern, Stufen

Der moderne Militarismus ist undenkbar ohne eine Finanzpolitik, die durch das System der indirekten Steuern entsprechende Mittel aus der Volksmasse herauszupressen versteht.
Luxemburg, Die sozialistische Krise in Frankreich

Der moderne Millionär verdankt sein Dasein und die beherrschende Rolle, die er innerhalb seiner Klasse spielt, einzig der Entwicklung der Wissenschaft, die er wiederum unterstützt, weil er an ihr verdient.
Fox, Der Roman und das Volk

Der moderne Sokrates: Ich weiß, dass die anderen nichts wissen.
Petan

Der moderne Staat ist das sichtbarste und bekannteste Erzeugnis der Zivilisation.
Ortega y Gasset

Der moderne Staat ist ein untermenschilches Wesen, mit einem riesigen Leib und einem winzigen Kopf, mit einem unstillbaren Hunger nach Geld und Macht und sehr wenig Vernunft, sehr wenig Gewissen, sehr wenig Charakter.
Coudenhove-Kalergi, Held und Heiliger

Der Mohr hat seine Arbeit getan; der Mohr kann gehen.
Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua / Mohr

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
i] Von jemandem, der sich für Erreichung irgendeines Zwecks hat benutzen lassen und dann durch einen Fußtritt seine Entlassung erhält. Der Spruch ist aus Schillers Fiesco (Act 3, Scene 4) entlehnt, wo er lautet: 'Der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.
la] Equi senecta.

Der Mohr wird von Natur nicht weiß.

Der Moment allein
Gehört dem Menschen, im Momente lebt er,
Drum kauft er um der Zukunft teuren Preis
Des Augenblickes rasch entflohne Lust.
Chamisso, Faust

Der Moment des Todes, der darum auch sehr gut eine Auflösung heißt, ist eben der, wo die regierende Hauptmonas alle ihre bisherigen Untergebenen ihres treuen Dienstes entläßt. Wie das Entstehen, so betrachte ich auch das Vergehen als einen selbständigen Akt dieser nach ihrem eigentlichen Wesen uns völlig unbekannten Hauptmonas.
Goethe, J. D. Falk, 25.1.1813

Der Monat, der die Kälte bringt, bringt auch die Wölfe.
Russland

Der Mönch antwortet, wie der Abt vorsingt.
fr] Le moine répond comme l'abbé chante.

Der Mönch bettelt für Gott und verzehrt's selber.
fr] Moine qui demande pour Dieu demande pour deux.
sp] Fraile que pide por Dios, pide por dos.

Der Mönch bettelt nur um Brot, nimmt aber gerne Fleisch.
sp] El fraile que pide pan, carne toma si se l adan.

Der Mönch denkt an Heirat und die Nonne an den Lenz.

Der Mönch denkt leicht beim Text Beata ubera über das Brevier hinaus.

Der Mönch fall übern Zaun, so ist die Kutt doch unser.

Der Mönch falle über den Zaun oder herüber, die Kappe ist allweg unser.

Der Mönch fast't gern mit vollem Bauch; wenn mich nicht hungert, fast' ich auch.

Der Mönch gehört ins Kloster, der Fisch ins Wasser, der Dieb an den Galgen.
dä] Munken tiener klosteret, og tyven galgen.
fr] Moyne au cloistre et la mort au cimetière.

Der Mönch greift den Raub nicht mit groben Krallen, sondern mit verblümten Worten an.

Der Mönch hat keine Ehrfurcht vor der Kutte.
Russland

Der Mönch hat mit der Nonne auf neun Monate einen Hopser getanzt.

Der Mönch hat seine Hand im Sod, was vorgeht, von der Wiege bis zum Tod.
z] Ist auch was in der Welt zu schaffen, da nit die ersten seyn die Mönchen und Pfaffen?
z] In der Welt kann nichts geschehn, ein Mönch muss dabei Gevatter stehn.
la] Quidquid agit mundus, monachus vult esse secundus.

Der Mönch hat weder Willen, noch Unwillen.
altfries] Dij monick haet wille ner onwille.

Der Mönch ist auch ein Mann, wann man es nit besser kan.

Der Mönch ist des Abtes Echo.
Russland

Der Mönch ist Fuchs und Hase, je nachdem die Jagd ist.

Der Mönch ist im Chor am frömmsten, wenn er auf dem Rücken liegt.
i] Auf der Bahre.

Der Mönch ist seines Klosters Eigen.

Der Mönch ist zum Gehorchen im Kloster, nicht zum Herrschen.

Der Mönch kitzelt die Dirne mit Nesseln, denn jeder treibt's nach seiner Art.

Der Mönch legt die Kutte wohl ab, aber nicht den Sinn.
i] Etwas Mönchisches wird immer bleiben; sogar Luther, der kühne Abstreifer von Mönchskutte und Mönchsgrundsätzen, hat, um die Wahrheit des Sprichworts zu bestätigen, denen, die sich nach seinem Namen nennen, noch ein recht hübsches Erbteil vom Augustinermönch hinterlassen. Etwas behält jeder aus dem vorigen Zustande, aus den früheren Verhältnissen bei.
ho] De monnik ligt zijne kap wel af, maar houdt zijn zinnen op het graf.

Der Mönch macht erst eine krumme Hand, dann einen krummen Hals.
i] Erst bittet er, dann spricht er den Dank aus.

Der Mönch macht zuvor eine krumme Hand, hernach erst einen krummen Hals.

Der Mönch muss dem Junker den Hund, der Bauer den Junker wie den Mönch sammt dessen Huren füttern.

Der Mönch passt zur Nonne, wie der Spund zum Fass.

Der Mönch predigt, man soll nicht stehlen und er selber hat eine Gans im Scapulier.

Der Mönch predigte gegen das Stehlen und hatte eine Gans im Ärmel.
en] The friar preached against stealing, and had a goose in his sleeve.

Der Mönch regiert den Abt.
i] Es ist eine verkehrte Ordnung. Die Sache steht auf dem Kopfe.
z] Wenn man oculos oculorum ordnet oder ein Herr die ihm selber macht, so regiert der Mönch den Abt, der Schwanz das Haupt.

Der Mönch scheut die Arbeit wie der Teufel das Kreuz (o. Weihwasser).

Der Mönch scheut die Arbeit wie ein fauler Hund das Wasser.
z] Ihr münch seind all uff einen haufen, faul schälck, geschaffen zu fressen und saufen.
la] O monachi, uestri stomachi sunt amphora Bacchi: vos estis, Deus est testis, turpissima pestis.

Der Mönch scheut die Arbeit, wie der Teufel das Weihwasser.

Der mönch so unkeusch ist, wird seinem Orden mehr abtrünnlich, als der das Kleid des Ordens von ihm wirft.

Der Mönch steht auf, ehe der Teufel die Schuhe anhat.

Der Mönch tut kein gut, man erschwing ihm dann die Haut wie einem Nussbaum, und dann ist er erst noch nichts wert.

Der Mönch und das Schwein finden ihren Weg schon allein.
Spanien

Der Mönch verderbt alles, fräß' er Gold, so schiss er Kieselsteine.

Der Mönch wolt ich gern einer seyn, die für das Wasser trincken Wein.

Der Mönch, der seinem Kloster entlief, preist es niemals.
England

Der Mönch, der um Brot bittet, nimmt auch Fleisch, wenn mans ihm bietet.
sp] El fraile que pide pan carne toma si se lo dan.

Der Mönch, in einen Topf gesetzt, wurzelt nicht, er will in einem Fasse sein.

Der Mönche Pantoffelholz ist von dem Feigenbaume gemacht, zu dem Christus sprach: Du sollst nimmer Frucht tragen.

Der Mond achtet nicht auf die Hunde, die ihn anbellen.
Frankreich

Der Mond belauscht am hohen Himmelsdom
Manch tief Geheimnis; er beherrscht die Narren,
Die Flut des Meers, das Hirn vernünft'ger Wesen,
Und auch ihr Herz, wie wir bei Dichtern lesen.
Byron, Don Juan

Der Mond betrügt die kleinen Jungen.

Der Mond erhält sein Licht von der Sonne.
ho] De maan heeft licht van de zon, hij van zijn' meester.

Der Mond fragt nichts danach, dass ihn die Hund anbellen.

Der Mond hat lange Arme.

Der Mond hat nicht stets ein rundes Gesicht.

Der Mond hat zwölf Söhne.
Estland

Der Mond im Lichtmonat (Februar) geht den Dachfirst entlang (= hoch), im Olafsmonat (Juli) den Zaun entlang (= niedrig).
Estland

Der Mond ist der Bauern Kalender.
i] In der Anschauung des Volks zeigt der Mond nicht nur die Witterung an, er beeinflusst sie auch in der verschiedensten Weise durch die Veränderungen seiner Lichtgestalten. In Venetien heißt es: Der Mond vertreibt, in Frankreich, der Mond verzehrt die Wolken. Bleicher Mond kündigt Regen an, rot weissagt er Wind, und glänzend, verspricht er schönes Wetter.

Der Mond ist der Diebe Verscheucher.
Estland

Der Mond ist der Häusler Sonne und die Sonne ist der Bauern Sonne.
Estland

Der Mond ist des Junggesellen Sonne.
Estland

Der Mond ist die Laterne der Räuber.
it] La luna fa lume ai ladri.

Der Mond ist ein Brot für die Armen und ein Atlastaburett für die Reichen.
García Lorca, Das kleine Don-Cristobal-Retabel

Der Mond ist eine Himmelslampe.
Estland

Der Mond ist nicht allzeit voll.
it] La luna non è sempre piena.

Der Mond ist süß, aber das Herz ist bitter.

Der Mond ist vor den Wölfen sicher.
fr] La lune est à couvert des loups, elle est en sûreté.
la] Luna tuta a lupis.

Der Mond ist wohl freundlich, aber kalt.

Der Mond kehrt sich nicht an das Bellen der Hunde.
it] La luna non si cura dell' abbaiar de' cani.

Der Mond kreint mit seinem Weib.
i] So sagt man in Oberösterreich bei einer Sonnenfinsternis.

Der Mond leuchtet doch den Pilgern durch den Wald, wenn ihn gleich die Hunde in den Dörfern und Städten anbellen.
i] Nichtachtung der schiefen Urteile.

Der Mond macht keine Trauben reif.

Der Mond muss erst aufgehen, ehe er scheint.

Der Mond nimmt ab und zu und bleibt doch ein Monat.

Der Mond reift keine Trauben.
i] Wer Dinge unternimmt, zu denen seine Kräfte nicht ausreichen. Auch: das Wissen allein kann niemand glücklich machen.

Der Mond scheint ihm die ganze Nacht.
i] Er ist vom Glück außerordentlich begünstigt.

Der Mond scheint ihm durch die Beine.
i] Dem Säbelbeinigen.

Der Mond scheint ihm in den Topf.
i] Von einem, der nichts zu leben hat.
ho] De maan schijnt in den put.

Der Mond scheint ins Wasser.
ho] De maan schijnt in het water.

Der Mond scheint, wenn auch die Hunde bellen.

Der Mond sieht auf viele Blumen, aber die Blumen sehen nur einen Mond.
Iran

Der Mond soll im Kalender stehn,
Doch auf den Straßen ist er nicht zu sehn!
Warum darauf die Polizei nicht achtet? -
Mein Freund, urteile nicht so schnell!
Du tust gewaltig klug und hell,
Wenn es in deinem Kopfe nachtet.
Goethe, Zahme Xenien V

Der Mond verändert das Wetter.
Estland

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