Weisheiten 567

Der leichtfertigkeit geferten seynd Narrheit und geferligkeit.

Der Leichtsinn auch erringt sich Diademe,
Bis aufgebracht ein Gegner ihn entleibt.
Goethe, Festzug 18.12.1818 (Epos)

Der Leichtsinn der Söhne ist zwar der Kummer der Väter, aber auch ihre heimliche Eitelkeit.
Fliegende Blätter

Der Leichtsinn des Alters ist leichtsinniger als der der Jugend.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Leichtsinn ist das größte Hindernis unseres Ansehens. Wie der zurückhaltende Mann für mehr als Mensch gehalten wird, so der leichtsinnige für weniger als Mensch.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der Leichtsinn ist ein Schwimmgürtel für den Strom des Lebens.
Ludwig Börne, Aphorismen

Der Leichtsinn schließt schon den Ausdruck der Heiterkeit aus, denn dies schöne Wort wird in unserer Sprache nur im edelsten Sinn genommen.
W. v. Humboldt, Briefe an eine Freundin, Tegel, Februar 1835

Der Leichtsinn verfolgt uns unser ganzes Leben. Wenn einer abgeklärt erscheint, dann nur deshalb, weil sein Leichtsinn seinem Alter und seiner Stellung angepasst ist.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der leichtsinnig hengt sein gewissen an einen hohen Nagel.

Der leichtsinnig legt alles auf die leicht achssel o. setzts aufs gerathwol.

Der Leichtsinnige freut sich der Flucht wie einer Spazierfahrt und der Ungenügsame verlangt, dass ihm auch noch als Bettler alles zu Dienste stehe.
Goethe, Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Der Leichtsinnige hängt sein Gewissen an den hohen Nagel.

Der Leichtsinnige trinkt Wasser, der Vorsichtige trinkt Met.
Russland

Der Leidende wird gern zum Schwätzer.
Türkei

Der Leidende wird zum Schwätzer.
Türkei

Der Leidenschaften Art vergleicht sich muntern Pferden,
Im Zaume sind sie gut, wild, wenn sie ledig werden.
Lichtwer, Das Recht der Vernunft

Der Leidenschaftliche redet stets eine fremde Sprache, die von dem, was die Dinge sind, abweicht: Aus ihm spricht die Leidenschaft, nicht die Vernunft.
Baltasar Gracián y Morales, Handorakel und Kunst der Weltklugheit

Der leidenschaftslose Mensch ist zu jenem Grad an Aufmerksamkeit unfähig, an den die Überlegenheit des Geistes geknüpft ist...
Helvetius, Vom Menschen

Der leider behelt das feld.

Der Leider überwindet den Streiter.
i] Geduld siegt

Der leidet an Blähungen.
i] Von einem aufgeblasenen Menschen, Dicktuer, Großmaul

Der leidet Pîn (Pein) und Schmerte grôt, de geren blêf und doch scheden môt.

Der Leihende findet mehr Tadel als Dank.
Estland

Der Leihende ist ein Freund, der Zurückfordernde ein Feind.
Estland

Der Leim hält (hielt) nicht.
en] The glue did not hold.

Der Leinsamen muss so dick gesäet werden, dass ihn der Ochse mit der Zunge auflecken kann.

Der Leinweber guckt zum Tuchmacher heraus.
Böhmen
i] Wenn man durch den zerrissenen Rock das Hemde sieht.

Der Leinweber schlachtet alle Jahr zwei Schwein, das eine ist gestohlen, das andere nicht sein.
i] Müller, Schneider, Weber waren früher in der öffentlichen Meinung nicht gut angeschrieben. Man meinte, sie nähmen es mit der Ehrlichkeit nicht sehr genau.

Der Leise hat des Leisen Streiche.
Estland

Der leitende Grundsatz der Stilistik soll sein, dass der Mensch nur einen Gedanken zur Zeit deutlich denken kann; daher ihm nicht zugemutet werden darf, dass er deren zwei oder gar mehrere auf einmal denke. Der Deutsche flicht aber seine Gedanken ineinander zu einer verschränkten und abermals verschränkten Periode: weil er sechs Sachen auf einmal sagen will, statt sie eine nach der anderen vorzubringen.
Schopenhauer

Der Leitstern deines Lebens sei: Treue und Ehrlichkeit. Hab' keinen Freund, der dein nicht würdig ist. Wo du gefehlt, verfehl nicht, dich zu bessern.
Konfuzius, Gespräche

Der Leitstern des Lebens sei: Treue und Ehrlichkeit.

Der Lektor las mein Buch mit seiner Konzeption. Seit dieser Zeit weiß ich, dass es Lektoren gibt, die ihr Buch von einem anderen geschrieben haben möchten, weil ihnen selbst zum Schreiben die Zeit oder die Begabung fehlt. Das ist schlimm - am schlimmsten für Junge. M. Scheer, Der Autor schreibt sein eigenes Buch

Der Lellenkönig. Basel
z] Ob selbigesmal noch der Lellenkönig am Tor fungirte, der von Rechtswegen allen Fremdlingen die Zunge zum Trotz herausstreckte, weiß ich nicht.... Seitdem haben ihn die Baseler abgeschafft und ich denke, es ist auch sonst nichts mehr vom Lellenkönig übrig geblieben. Denn wenn man einen Fremdling verachtet, so hat man einen Lellenkönig doch noch bei sich.

Der Lenz drickt (ihn) mechtig sehr.
i] Nämlich der Faul-lenz.

Der Lenz drückten gor.

Der Lenz hat ihn belegen.
Ostpreußen
i] Er ist träge geworden durch Hitze.

Der Lenz ist angekommen;
Habt ihr es nicht vernommen?
Vulpius(?), Lenzlied

Der Lenz ist feucht, der Sommer dürr, der Herbst weich, der Winter rauh.
i] Die Alten nannten den Lenz Risum Jovis, der 'Luft Gelächter.'

Der Lenz sticht ihn.
z] Den König David hat einmal der Lenz gestochen, deswegen er Nachmittag Langweil halber sich niedergelegt.

Der Lenz will ihm aufsitzen.
i] Spott schweizer Erntearbeiter über einen Genossen, der über Rückenschmerzen klagt. Man pflegt diese Klage aus Unlust zur Arbeit herzuleiten, und man nötigt nicht selten einen solchen Arbeiter, sich auf den Bauch zu legen und nach der Musik des Geigers von einem anderen Schnitter auf dem Rücken herumtanzen zulassen.

Der Leopard kämpft und kämpft, und dann leckt er (nur noch) den Lehm.
Jabo, Afrika

Der Leopard sagt: Die Dinge, die laufen, sind die, die wir fangen.
Jabo, Afrika
i] Man soll sich nicht unnötig bemerkbar machen

Der Lercheg'sang weckt di vom Winterschlaf. Bis wacker, füer Mist vff Feld und Acker.
Solothurn

Der lernt nichts, der nach seinem Kopf gelehrt werden will.

Der lernt nichts, der nach seinem Kopf will gelehrt werden.
i] Sowie der Kranke nicht zur Gesundheit gelangt, der nach seinem Gefallen will kuriert sein.

Der lernt nix, un wenn er so alt wird, wie Mesuschelach.
Jüdisch
i] Methuselah, der unter Adams Geschlecht am längsten gelegt hat und 969 Jahre alt geworden ist. 1. Mose 5,21
z] Denn am Tage, wo du davon issest, musst du sterben. 1. Mose 2,17
z] Denn tausend Jahre sind in deinen Augen, wie der Tag von gestern. Psalm 90,4

Der Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
Tucholsky, Schnipsel

Der Leser kennt nicht die Mühen des Verfassers.

Der Leser, wenn er irgend etwas Geschichtliches zur Hand nimmt, will es gern, für einige Zeit wenigstens, mit Wahrheit und Wirklichkeit vollkommen übereinstimmend ansehen. Gilt dies sogar von Roman und Gedicht, warum sollte es nicht von einer Lebensbeschreibung gelten?
Goethe, Schriften zur Literatur - Memoiren Robert Guillemards

Der Leser... bildet seinen Autor so gut wie der Autor den Leser, und einer muss des anderen wert sein, wenn sie nebeneinander gedeihen sollen.
Merck, an den Herausgeber des 'Teutschen Merkurs'

Der letscht' (letzte) hed no nid g'schosse.
Bern
i] Die Sache ist noch nicht zu Ende geführt, noch nicht entschieden, das letzte Mittel noch nicht verbraucht.

Der letzt ins Bett, der erst herauss.

Der letzt macht (schleusst) die Tür zu

Der letzt Mann nimmt die ehr einem anderen.
la] Rerum ab aliis gestarum postremus quispiam interveniens gloriam intercipit.

Der letzt muss den fuchs schleppen.

Der letzt muss herhalten.
ho] De laatste zal schijtebroek zijn.
la] Occupet extremum scabies.

Der letzt siht hinden nach.

Der letzt zahlt alls.
Luzern
ho] Die de laatste is, moet ramp hebben.

Der letzte Abdruck.
la] Extremus vitae habitus.

Der letzte Abend ist noch nicht gekommen.

Der letzte Akt ist blutig, mag die Komödie im übrigen auch schön sein: man wirft zuletzt etwas Erde auf den Kopf - dann ist's für immer aus.
Pascal, Pensées

Der letzte Bart ist ihm abgenommen worden.

Der letzte Becher macht den ersten sieden.
dä]Det sidste begere faaer den förste kunds hed.

Der letzte Becher straft den Zecher.
dä] Af det sidste begere kommer den foerste puust. Den som vil vaere den sidste i gilde-huuset am aflenen, bliver den förste i barsker-huuset om morgenen.

Der Letzte bekommt die Knochen.
Frankreich

Der letzte bekommt die Streiche.
fr] Au dernier les os.

Der letzte Betrug ist ärger, als der erste.

Der letzte Bissen ist im Topf.
Schottland

Der Letzte der Mohikaner.
i] Um den Schluss einer bestimmten Reihe anzuzeigen. Sprichwörtlich gewordener Titel eines Cooper'schen Romans. Man gebraucht dafür auch: 'Ich bin der Letzte meines Stammes,' aus Schiller's Tell

Der letzte Dezember schließt das Jahr.

Der letzte Diktator, der seine Muttersprache beherrschte, war Julius Cäsar.
Joseph Roth

Der letzte Entscheid über die Zukunft einer Gesellschaft liegt nicht in der größeren oder geringeren Vollendung ihrer Organisation, sondern in der größeren oder geringeren Wertigkeit ihrer Individuen.
Albert Schweitzer, Verfall und Wiederaufbau der Kultur

Der letzte Ernst der Dinge ist heiter. Sind sie nicht alle vergänglich und wunderbar in ihrer Einmaligkeit?
René Schickele, Genfer Reise

Der letzte esse mit den Gemalten an der Wand.

Der letzte Freier bekommt das Mädchen.

Der letzte Galgen ist ihm lieber als der erste.
ho] Hij hangt ook liever aan de laatste, dan aan de eerste galg.

Der letzte habe den schaden.

Der letzte Handel hebt alle frühern auf.
[RSpW]
i] Wie das spätere Gesetz das frühere außer Kraft setzt, so der nachfolgende Vertrag seine Vorgänger
dä] Thet vtaerst for takaer allae the thaefor warae. Jütland

Der letzte hat das Nachsehen.

Der letzte hat den Sack gestohlen.
i] Auf alle Fälle bekommt er die Schuld

Der letzte hat noch nicht geschoben (geschossen).
i] Die Sache ist noch nicht zu Ende, die Angelegenheit kann sich noch ändern. Noch kann man auf günstige Umstände hoffen, die der Sache eine ganz andere Wendung geben können.
la] Est nulli certum, cui pugna velit dare sertum.

Der letzte hat schon geschoben (geschossen).
Bayern
i] Die Sache ist zu Ende; o. es ist aus mit ihm.

Der Letzte hat zweimal Glück.
Estland

Der letzte Hund fängt bissweilen noch den Hasen.
dä] Den sidste hund fanger og ofte haren.
la] Praestat sero, quam non venire.

Der letzte im Sack ist der erste heraus.
Wendische Lausitz

Der letzte ins Bett, der erste heraus.

Der letzte Knecht macht gemeinlich den ersten fromm.

Der letzte Kreutzer macht den Gulden voll.
bm] Krejcar střeze kopy.

Der letzte kriegt die Knochen.
la] Sero venientibus ossa.

Der letzte Leib soll das Gut halten.
z] Dat letzte lyff sall dat guidt holten.

Der Letzte macht die Türe zu.
[RSpW]
i] Ursprünglich ein Grundsatz des Erbrechts. Bezeichnet als altes Rechtssprichwort den Anfall des ehelichen Gesamtguts an den überlebenden Ehegatten.

Der letzte Mann wird ja nicht im Krieg erwartet.
Estland

Der letzte Mohikaner. J. F. Cooper, Romantitel, 1826 erschienen

Der letzte muss den Sack flicken.

Der Letzte muss herhalten.

Der letzte ritt (sitt) übel.

Der letzte Sand entrollt.
z] Selbst wenn der letzte Sand entrollt, der Kranke glaubt sich stets gesünder.

Der letzte schad wird immer ärger, denn der dritt.

Der letzte Schaden ist ärger als der erste.

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