Weisheiten 565

Der Kuß einer alten Jungfer ist wie verschimmeltes Brot aus ausgeschlagenem Roggen.
Estland

Der Kuß eines jungen Mädchens ist wie warmes Weißbrot.
Estland

Der Kuss eines keuschen Weibes ist das Zeichen, womit die Natur ihren Segen sprüht.
August von Kotzebue, Verleumder

Der Kuss ist billig, die Träne teuer.

Der Kuß ist der Liebe Maßstab.
Estland

Der Kuß ist Handgeld für etwas anderes.
Estland

Der Kuss klang als wenn eine Kuh ihren Hinterhuf aus einem Sumpf herauszieht.

Der Küster bekommt für lange Litanei nicht so viel, wie der Pfaff für einen Schrei.
bm] Knĕz jen piskne, a uz tiskne; kostelnik (kantor) ač vříská, předc málo stiská.

Der Küster ist der Geschichten Schloß, der Pfaffe ist der Worte Knoten, die Mutter der Kinder Gesangtafel.
Estland

Der Küster ist des Pfarrers Ohrenbläser.

Der Küster mag läuten, dass die Glocke springt, die Leute gehen nicht in die Kirche bis er singt.
dä] Ringer degnen saa han sprenger, jeg kommer ei saa han synger.

Der Küster nimmt den Hut vorm Heiligen nicht ab.
z] Man sagt im Sprichwort, der Costner oder Opperman tut den Hut für den Heylichen nicht ab; das macht die gewonheyt und tägliche Beiwohnung.

Der Küster soll nicht ohne Licht ins Bett gehen.
i] Empfiehlt ihm ironisch Kirchenlicht dabei zu benutzen.

Der Küster spielt's auf der Orgel.
i] Antwort für die, welche etwas wissen wollen, was man ihnen nicht sagen will.

Der Küster und der Paster, die rauchen einen Knaster.

Der Küster will den Pfarrer lehren.
fr] C'est gros Jean, qui remontre à son curé.

Der Kwas im Vaterlande ist mehr wert als der Wein in der Fremde.
Russland

Der Lachs ist mitzunehmen.
i] Dieser augenscheinliche, nicht unbedeutende Vorteil.

Der lacht, wenn ein altes Pferd hustet.
i] Über alles, selbst da, wo gar nichts zu lachen ist.

Der Laden wünscht, dass sein Besitzer hinke. Jemen (Damit er nicht so oft fortgeht)

Der Laden wünscht, dass sein Besitzer hinke.
Jemen
i] Damit er nicht so oft fortgeht

Der Ladoga hält sich für den Ladoga, aber die Newa meint, sie sei ein Teil des Finnischen Meeres.
Russland

Der Lahm' ist wohl ein thöricht Mann, der seine Krücke verbrennt und nicht weiter kann.
dä] Det er en daare som giver skib, at han ligger selv paa landet.

Der Lahme beleidigt mit jedem Schritt.
Indien

Der Lahme kann ja den Hinkenden nicht stützen.
Estland

Der lahme Katholizismus schleppt sich unter dem blauen Himmel der alten Glaubensüberlieferung dahin... der melancholische Ausklang eines Zeitalters, das ins Grab steigt.
Zola, Das kleine Dorf

Der Lahme kommt weiter als der Sitzende.
Slowenien
i] Härtnäckigkeit lohnt sich.

Der lahme Mann schlägt (nur) einmal zu.
Liberia

Der Lahme muss dem Blinden den Weg zeigen.

Der Lahme spottet über den Dollfuß.

Der lahme Teufel ist der schlimmste.
i] Die unmerkliche Verführung ist die gefährlichste

Der Lahme vergisst das Hinken, wenn er Brot zu holen hat.
Lettland

Der Laib zum Brot, der Knust zum Dünnbier.

Der Lakai schwört, er müsse künftig Page heißen.

Der Lakedaimonier Phedares bewirbt sich um Aufnahme in den Rat der Dreihundert. Er wird verworfen. Voller Freude, dass es in Sparta dreihundert bessere Männer als ihn gibt, geht er wieder nach Hause.
Jean-Jacques Rousseau, Émile I

Der Landfrieden hält und bricht nicht.

Der Landmann braucht Land, der Edelmann Ehrungen, der Soldat Krieg, der Kaufmann Geld, der Bauer Friede, der Handwerker Arbeit, der Maler Schönheit - und Frauen die ganze Welt.

Der Landmann hasst, wenn es donnert über dem dürren Ast.

Der Landmann hat keine Zeit, auf Unheil zu sinnen.
Ukraine

Der Landmann kocht ein Meer von Wasser (= viel) und einen See von Fischen (= wenig), der Strandmann - ein Meer von Fischen und einen See von Wasser.
Estland

Der Landmann muss seinen Pflug selbst führen, wenn es gedeihen soll.

Der Landmann weiß nicht, was er tut.
i] Wie viel bei seiner Ernte auf Rechnung seines Fleißes und wie viel auf den Segen Gottes kommt.

Der Landrichter fuchst die Bauern.

Der Landrichter richtet zum Gut hin.
[RSpW]
i] Während bei persönlichen Klagen der Wohnsitz des Beklagten das zuständige Gericht bestimmte, verlangte die dingliche Klage, wo es sich um Erb und Eigen handelte, den Ort der belegenen Sache als Gerichtsstätte, schon der genauern Beweisführung wegen.
z] Der Landrichter soll richten hin zu dem Gut.

Der Landsiedel ist sich selber Hausherr.
i] Will sagen, dass es in Betreff der Vorteile und Rechte, die der Hausfriede biete, wie hinsichtlich der Störung desselben gar nicht darauf ankomme, ob der Betreffende Eigentümer des von ihm bewohnten Hauses sei; dass vielmehr der Mieter oder der Pächter in seinen vier Pfählen ebenso gut Hausfrieden habe, als wenn er Eigentümer sei; dass er als Mieter sogar gegen den Eigentümer alle Hausrechte gebrauchen könne, wenn dieser es sich einfallen liesse, ihn in seiner Wohnung zu belästigen.

Der Landstreicher hat überall ein Zuhause.

Der Landstreicher wirft den Kreisel, auch der König kann ihn nicht wegnehmen.

Der Landweg heff fürstlich Geleide.

Der Landwirt hat längst begriffen, dass man auch von zweibeinigen Rindviechern leben kann.
Eugen Roth

Der lange bleibende Gast wird langweilig.
Estland

Der Lange ißt Feigen, der Kurze nimmt ein trauriges Ende.
Libanon

Der lange lupus (das schwarze Register), darinnen wir mit einem großen Item stehen.

Der Lange nimmt solange einen Kienspan, bis der Kleine sich bückt.
Estland

Der lange Peter.
i] Es war dies ein geborener Friese und berüchtigter Seeräuber, der um das Jahr 1517 den Hansestädten Lübeck und Hamburg viel schadete. Er nannte sich einen Stürmer der Dänen, einen Strafer der Bremer, einen Fänger der Hamburger, einen Marterer der Holländer, und trug als Schreckzeichen Galgen und Rad in seine Kleidung gezeichnet.

Der lange Spieß gilt nicht.

Der lange Tag baut nicht viel Land, es tut's die rührige Hand.
it] Il lungo giorno no, ma il cuor fa l' opera.

Der langen Freude folgt das Weinen, dem langen Lachen der Furz.
Finnland

Der Langsame bekommt des Hundes Abfälle.
Estland

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als der ohne Ziel herumirrt.
Gotthold Ephraim Lessing, Hamburgische Dramaturgie

Der längste Atem gehört zum Aphorismus.
Karl Kraus

Der längste Tag hat auch seinen Abend.
z] Der längst tag hat endlich och seinen obend.
en] The longest day must have an end.
fr] Il n'y a si grand jour qui ne vienne pas a vêpres.
ho] De langste dag heeft ook een avond.
it] Non vien di, che non venga sera.

Der längste Umweg ist der kürzerste Heimweg.
en] The farthest way about is the nearest way home.

Der längste Weg ist der von der Mutter zur Haustür.
dä] Længste vey fra moderen til porten.

Der längste Weg ist der zum Grabe.
fr] Le chemin le plus long est celui ou l'on tombe.

Der längste Weg ist der, auf dem man fällt (liegen bleibt).

Der längste Weg ist oft der kürzeste.
fr] Le chemin le plus long est quelque fois le plus court.

Der Langweiler ist ein Mensch, der, wenn du dich nach seinem Befinden erkundigst, es dir erklärt.
Channing Pollock

Der Lappen muss größer sein als das Loch.
i] Gegengeschenk, Wiedergabe größer als das erhaltene Geschenk oder das Entlehnte.
bm] Záplata musí vĕtsí býti nez díra.
wend] Zapłata dyrbi wjetsa być hać dzjera.

Der Lärm der Räder ermisst nicht die Last im Wagen.
Schwarze in den USA

Der Lärm tut nicht gut, das Gute macht keinen Lärm.
it] Il rumore non fa bene, il bene non fa rumore.

Der Lassdunkel plaget ihn.

Der Lasse ist ledig (frei), dieweil er lebt.
i] Die Benennung einer Art zinspflichtiger Untertanen, deren Verhältnisse nicht überall gleich waren, und die auch Lassbauern hießen.

Der lässet ihm mit Ehren dienen, der's wider gelten mag.

Der lässt die Finger kleben.

Der lässt einem nichts in der Haut.
Niederösterreich

Der lässt heint (heute) sein Rappen lauf'n.
Franken
i] Er tummelt sich aus, macht sich einen guten Tag, legt die Zügel ab, auch: lebt verschwenderisch.

Der lässt ihm wehren.
Nürtingen
i] Von der Arbeit abwehren, er arbeitet sich nicht zu Tode.

Der lässt nix lieg'n wêi d' Mühlschta und 's glêihed Eis'n.
Nürnberg

Der lässt si üm an Kreutzer a Louch 'nei's Knia bohr'n.
Franken

Der lässt sich die Butter (nicht) vom Brote schwätzen.
Nassau

Der lässt sich keine Rüben für Birnen verkaufen.
ho] Hij laat zieh geene knollen (appels) voor citroenen verkoopen.

Der lässt sich klug gedünken.

Der lässt sich leicht überreden, der gern hört reden.

Der lässt sich leicht ziehen, der vorausspringt.
la] De facili trahitur qui saliens sequitur.
sd] Han aer godher lokka, som siaelwer will mz hoppa.

Der lässt sich um einen Kreutzer ein Loch ins Knie bohren.
Oberösterreich
slow] Za babku by kozu i přes Tatru hnal.

Der lässt sich's Wasser in den Hals laufen.
i] Lässt's bis aufs Äußerste, Schlimmste kommen.

Der Laster Verachtung ist der Tugend Lob.

Der Lasterhafte ist der politische Feind der Freiheit...
Büchner, Dantons Tod

Der Lasterhafte, wenn gelehrt,
Sich doch zuletzt zur Tugend kehrt
Und so im Grund viel besser ist,
Als Frommer, der unwissend ist.
Mohammed ben Raschid ben Mohammed Effendi, Diwan

Der lästige Schurke plagt gewiss uns lange noch,
Wenn nicht ein Geschenk uns aus des Wichtes Krallen hilft.
Aristophanes, Die Vögel, II, 931 (Peisthetairos)

Der lateinische Freitag (Dies veneris) liegt ihm immer auf der Zunge.
i] Scherzhaft von einem Verliebten oder Buhler

Der Latus ist auf dem Transport.
i] Latus bezeichnet hier alles nicht Vorhandene. Bei einer in Neisse stattgefundenen Compagnieversammlung war dem Unteroffizier am Schlusse der ersten Seite das Latus als ein noch vorhanden sein müssender Wehrmann vorgekommen. Er rief daher mehrmals, natürlich vergebens, 'Latus', ohne dass ein 'hier' erfolgte. Endlich wandte er um und fand nebenan den 'Transport' vom 'Latus' und dies gab zu der Meldung Veranlassung, dass 'Latus' auf dem Transport sein müsse. Diese Anekdote machte schleunigst die Runde durch die Stadt und kommt täglich in scherzhafter Weise zur Anwendung. Alles nicht Vorhandene ist 'Latus auf dem Transport'.

Der Latus und der Transport sind ja verfluchte Kerle; sie fressen ja so viel wie die anderen alle zusammen, sagte der Oberst, als er die Verpflegungslisten seiner Mannschaft einsah.

Der Laue dient weder zu sieden noch zu braten.
z] Die erste Schell der Faul Narren ist die löwheyt oder lewe. Dies ist eine böse Faulkeit, dieweil du weder kalt noch warm bist, sondern lewe; da dienst du nirgendt zu, weder zu sieden noch zu braten.

Der Lauf des Wassers und die Zukunft des Menschen gleichen einander.

Der lauft davon, wenn einer nur auf die ledernen Hosen duscht (klopft).
Rott-Tal

Der lauft weit, der niemals wiederkommt.

Der launische März verlässt die Sonne und nimmt den Regenschirm.
it] Marzo pazzerello lascia il sole e prende l'ombrello.

Der Laurentius (10.8.) steht bei den Bauern in Gnaden, weil bald die Gewitter nicht mehr schaden.

Der Laurentiustag (10. VIII) bringt die erste helle Nacht (= bringt zum erstenmal Kienspanbeleuchtung in die Kammer).
Estland

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1 2 3 4
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SPANISCH
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