Weisheiten 561

Der Kopf ist jener Teil unseres Körpers, der uns am häufigsten im Wege steht.
Fliegende Blätter

Der Kopf ist keine Schrift.
Litauen
i] Was man sich im Kopfe merkt, hat man nicht so sicher, als was man sich aufgeschrieben hat.

Der Kopf ist nicht am Barte, sondern der Bart am Kopfe.
i] Man muss nicht unbedingt von einem großen Barte oder einem hohen Alter auf einen gleich ausgebildeten Verstand und großen Erfahrungsreichthum schließen.

Der Kopf ist nicht des Menschen Zar, sondern das Gehirn ist der Zar des Kopfes.
Russland

Der Kopf ist so alt as Füdli, ond 's Füdli hed no nie zahnet.
Appenzell
i] Wenn man auf die Frage, wie alt man sei, nicht gern antwortet.

Der Kopf ist stärker als die Hände.

Der Kopf ist vor allem die Kassette des Gehirns, nicht der Humus für die Haare.
Gino Cervi

Der Kopf lässt die Füße laufen.
tü] Ayağı yürüten baştır.

Der Kopf mit der Zunge hat doppelten Wert.
i] Wenn der denkende Kopf auch zugleich ein klar und gefällig redender ist.

Der Kopf mit einer Zunge kostet mehr.
Bulgarien

Der Kopf muss oben, die Füße müssen unten sein.

Der Kopf muss oft den Arsch verkaufen.
ho] De kop moet het gad verkoopen.

Der Kopf regiert und nicht die Füß'.
bm] Hlava řídí, hlava táhne.

Der Kopf schütter, der Fuß leicht.
Estland

Der Kopf soll nicht allein weise sein, sondern auch die Füße.
Russland

Der Kopf steht an der Spitze.
i] Er regiert.

Der Kopf steht ihm nicht auf der rechten Stelle.

Der Kopf steht ihm nicht darauf.

Der Kopf steht ihm nicht recht.
i] Hat keine Lust dazu. Er ist übler Laune.
z] Scheint es doch, als wenn ihm der Kopf nicht auf der rechten Stelle stände, dazu sühet er sauer, ich weiß nicht, wass ich ihm vor ein Hünel muss ertretten haben.
fr] Il n'a pas envie.
fr] Il n'est pas bien disposé.
ho] Het hoofd loopt hem om.
ho] Het hoofd staat altijd niet regt uit.

Der Kopf sucht den Hut, nicht der Hut den Kopf.
pl] Nie miejsce szuka głowy, ale głowa miejsca.

Der Kopf und das Herz haben mit den Menschen gleich ihr Spiel, wenn man nicht beiden wohl auf den Fersen ist.
Pestalozzi, Lienhard und Gertrud

Der Kopf vergisst, die Füße erinnern.
Estland

Der Kopf wird nach der Zunge gemessen.
tü] Baş dille tartılır.

Der Kopf wird nicht auf den Schwanz warten.
Estland

Der Kopf wird nicht gleich heruntergehen.

Der Kopf wird nur dann gespalten, wenn der Übeltäter selber auch da ist.

Der Kopf, der sich beugt, bekommt die Krone.
tü] Eğilen baş taç giyer.

Der Kopf, der will ihm glasset wern.

Der Koran sagt, im Paradies sei Wein
Der fromme Lohn und holde Mägdelein.
Dann sei schon hier mir Lieb und Wein erlaubt,
Wenn's droben doch dasselbe soll nur sein.
Omar Khajjam

Der Korbmacher, der einen Korb macht, macht hundert.
Brasilien

Der Korken ist immer größer als die Flaschenöffnung.
Estland

Der Körper des Papstes nimmt nicht mehr Erdraum ein als der das Kaplans.

Der Körper hört besser als das Ohr.
Haussa, Afrika
i] Erfahrung ist wichtiger als die Sinne.

Der Körper ist der Einband des Geistes, das Gesicht der Titel und das Auge der Name des Verfassers.
J. W. Ritter, Fragmente aus dem Nachlaß eines jungen Physikers

Der Körper ist der Panzer und Kürass der Seele. Nun, so werde dieser vorerst zu Stahl gehärtet, geglüht und gekältet.
Jean Paul, Levana

Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian Morgenstern

Der Körper ist ein notwendiges Vehikel, weil er die Kleider trägt und mit den Kleidern die Taschen.
Alfred Jarry

Der Körper ist eine Inschrift, auf Wasser geschrieben.
Tamil, Indien

Der Körper ist nicht der ganze Mensch.
la] Corpus nil aliud, quam tegumentum et mancipium animi.

Der Körper kann eine größere Last tragen, wenn man ihn strafft; mit der Seele ist es genauso.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Der Körper kann ohne den Geist nicht bestehen, aber der Geist bedarf nicht des Körpers.
Erasmus von Rotterdam, Handbüchlein eines christlichen Streiters

Der Körper lässt sich heilen, nicht jedoch sein Herz.

Der Körper muss, der Geist will, und wer seinem Wollen die notwendigste Bahn vorgeschrieben sieht, der braucht sich nicht viel zu besinnen.
Goethe, An Zelter, 21.11.1830

Der Körper soll den Geist nicht beherrschen.
la] Corpus nec dominus, nec socius animi, sed mancipium.

Der Körper und sein Schatten sind unzertrennlich.
Indien

Der Körper würde gern das Fasten der Seele überlassen.
Irland

Der Körper, der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
Christian Morgenstern, Tagebuch eines Mystikers

Der Korporalkönig.
i] So nannten die Zuaven den durch persönliche Bravour sich auszeichnenden König Victor Emanuel von Italien.

Der Korporalstock hat ihn zu Verstand gebracht.
la] Bis septem plagis Polypus contusus.

Der Kosack trinkt nicht auf das, was ist, sondern auf das, was kommen wird.
Russland

Der kostbarste Schatz, der den Fürsten anvertraut ist, ist das Leben der Untertanen.
König Friedrich der Große, Der Antimachiavell

Der Kosten vertreibt den lusten.

Der Kot der fremden Kinder stinkt für den eigenen mit.
Russland

Der Kot des Kirchenherrn (= Pfarrers) stinkt mehr, er hat Besseres zu essen bekommen.
Estland

Der Kot hängt sich immerdar an die räder, dass man schwerlich kann fortkommen.

Der Kot ligt ihm nah beym Herzen.

Der Kot sitzt ihm zwei Finger dick am Leibe.
fr] Il a deux doigts de crasse.

Der kou nu (kann noch) über Heck'n und Staud'n springa.
Franken

Der Kraftmensch wird geprügelt, der Geldmann erschlagen.
Estland

Der Krähe Anteil ist das, was sie aufpickt.
Irland

Der Krähe kommt ihr Junges wie eine Nachtigall vor.
Türkei
en] The crow thinks her own bird fairest.
la] Asinus asino pulcherrimus.
la] Suum cuique pulchrum.
sd] Hwar är kiär åty sitt, sade kråkan om sine Vngar.

Der krallt einem das Weiße aus den Augen.
Wien

Der Krämer bester Gewinn ist der Betrug.

Der Krämer ist nicht anders als der Kram.

Der Krämer raucht den schlechtesten Tabak.

Der Krämer und Wucherer Gedanken stecken stets im Geldsack.

Der Krämer Wagen und Pflug ist Betrug.

Der Krämer wird länger leben als seine Elle.
i] Mit dem Ton auf: 'der'. Diese Elle schließt ihre Tätigkeit mit Bankrott.

Der Kranich baut kein Nest auf einem abgestorbenen Baum.
i] Der Kranich gilt als Symbol des Lebens und wird deswegen auch als Attribut des Glücksgottes betrachtet.

Der Kranich hat hohe Beine, aber schlechtes Fleisch.
bm] Jeřàbek panský pták, ale chlapská potrava.
pl] Jerząbek panski ptak, a chłopska potrawa.

Der Kranich ist der Frösche König.
Estland

Der Kranich kennt die Grenze nicht, er überschreitet sie.

Der Kranich schaut nicht auf einen niedrigen Wald.
Estland

Der Kranich steigt selten auf einen Baum, bricht sich das Bein.
Estland

Der Kranich und der fuchs sind eines des anderen Gasterey wenig gebessert.

Der Kranich wird nicht mit einer Elster Freundschaft halten oder die Elster mit einem Kranich.
Estland

Der krank ist ein Tor, der seinn artzt zum erben macht.
dä] Den syge giør et galt raad, der keyser laegen til arving.
la] Male secum agit aeger, medicum qui haeredem facit.

Der Krank nie ärger was, denn da er wieder genas.
Luther

Der Kranke dankt Allah nicht, bis er einen Toten gesehen hat; dann dankt er ihm und sagt: Ich bin noch besser daran.
Afrika

Der Kranke darf alles sagen.
Italien

Der Kranke genest nicht stets von süßem Tranke.

Der Kranke hofft auf Genesung bis zum Tode.
Russland

Der Kranke hofft, dieweil ihm der Atem ausgeht.
Agricola
la] Aegroto, dum anima est, spes est. Cicero (um anzudeuten, dass er an dem Fortbestand der Republik noch nicht verzweifle)

Der kranke Hund sucht schon frühzeitig sein Heilkraut.
i] Man soll nicht zu spät Hilfe suchen, sondern sich bald an den Arzt wenden.
fr] Le chien au matin à l'herbe va pour son venin.
la] It matutinus canis ad herbam.

Der Kranke ist nicht gescheit (o. tut übel), der seinen Arzt zum Erben einsetzt.

Der kranke Mann ist nicht geheilt.
i] Russland verglich vor dem orientalischen Kriege 1853-55 die Türkei mit einem 'kranken Manne', in dessen Erbschaft man sich teilen müsse.
England und Frankreich eilten demselben aber zu Hilfe. Nach dem Pariser Frieden aber entstand die obige Redensart: Der kranke Mann ist nicht geheilt, die seitdem auch in anderer Beziehung sprichwörtlich gebraucht wird, um zu sagen, dass es mit einem in schlechtem Zustande befindlichen Gegenstande beim alten geblieben ist. Der geschichtliche Ursprung wird so erzählt: Es war im Januar 1853, als der Kaiser Nikolaus seine geschichtlich gewordene Unterredung mit Lord Soymour, dem damaligen englischen Gesandten in Petersburg, hatte. Der Kaiser sprach darin seine Ansichten über den zu erwartenden Zerfall des türkischen Reichs aus. 'Die Angelegenheiten der Türkei', sagte der Kaiser und Seymour berichtete es unter dem 11. Jan. desselben Jahres an Lord John Russell -, 'sind in völliger Desorganisation, das Land ist dem Zusammensturz nahe. Sein Fall würde ein großes Unglück sein; und es ist von Wichtigkeit, dass England und Russland sich darüber verständigen. Sehen Sie, wir haben einen kranken Mann auf dem Arme; und es wäre ein großes Unglück, wenn er uns eines Tags entglitte, besonders ehe wir noch alle Anstalten getroffen hätten.' Nach einigen Tagen fügte der Kaiser noch Folgendes, das Bild weiter ausführend, hinzu: 'Jetzt ist die Türkei Stufe für Stufe in einem Zustand der Altersschwäche versunken, dass, so sehr wir auch wünschen die Existenz des Kranken zu verlängern, er doch plötzlich sterben und uns auf den Armen bleiben kann. Wir können einen Toten nicht wieder aufwecken.' Es wird übrigens behauptet, die von Nikolaus angewandte Bezeichnung sei nicht in seinem Kopfe entsprungen, sondern hofgeschichtliche Überlieferung. Sie soll zuerst von Voltaire und zwar in einem seiner Briefe an Katharina von Russland angewandt sein. Zwischen ihm und der Kaiserin waren über den Gesundheitszustand des kranken Türken vertrauliche Äußerungen gepflogen worden, und Voltaire sprach es mit aller Bestimmtheit aus, 'der kranke Mann könne nur in dem über ihn zusammenschlagenden Arme Russlands sein richtiges und wohlverdientes Ende finden'. Das Voltaire'sche Wort vom kranken Manne, der auf den letzten Schlag des russischen Zaren warte, war in die russischen Hoftraditionen übergegangen und hatte sich in demselben als pikanter Ausdruck einer Idee festgesetzt, welche das Schicksal selbst in die Bestimmung Russlands eingepflanzt habe.
en] The sick man in a carriage.

Der Kranke nimmt ab, die Krankheit wächst.

Der Kranke nimmt einen Wagen.

Der Kranke regiert den Wärter.

Der Kranke spart nichts als die Schuhe.

Der Kranke sucht die Heilung, und der Arzt findet die Krankheit.
Lettland

Der kranke sucht gesundheit.

Der Kranke traut nur widerwillig
Dem Arzt, der 's schmerzlos macht und billig,
Lasst nie den alten Grundsatz rosten:
Es muss a) wehtun, b) was kosten.
Eugen Roth

Der Kranke trinkt, dass er gesunde, nur einen Löffel jede Stunde; wenn du in froher Zecher Rund bist, trink tapfer drumb, weil du gesund bist.

Der Kranke und der Gesund haben verschiedenen Mund.
dä] En syg og sund har ey en mund.

Der Kranke weiß am besten, wo's ihn schmerzt (liegt).

Der Kranke weiß besser, was ihm fehlt als der Arzt, der ihm das Rezept schreibt.
Russland
bm] Neptej se lékaře, ale nemocného, kde ho bolí.
pl] Nie doktora pytaj, chorego pytaj, gdzie go boli.

Der Kranke, der das wirkende Mittel immer zur Hand hat, ist nicht zu beklagen.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Der Kranken Gunst stärkt des Arztes Kunst.

Der kranken Seele, nach der Art der Sünden
Scheint jeder Tand ein Unglück zu verkünden.
Shakespeare, Hamlet, IV, 5 (Königin)

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