Weisheiten 54


Das Bier ist so gut und stark, dass es neun Münche erwürget und redet drey Tage auss dem Menschen.

Das Bier ist über eine Brücke (durch einen Graben) gefahren.
Ostpreußen
i] Durch Wasser verdünnt
en] Water bewitch'd.

Das Bier muss so stark sein, dass die Katze mit ihren Jungen darauf sitzen kann.
Estland

Das Bier riecht nach dem Fässchen schier.

Das Bier schmeckt gern nach dem Fass.
dä] Öllet vil gjerne smage af tönden.
ho] Die jenever smaakt naar het vat, zei dorstige Joor, en hij dronk schaerebier.
la] Omne sua retinet vinum de vite saporem.

Das Bier und der Wein folget dem Zapfen.
i] Dem Wirtshaus. Damit will man anzeigen, dass man Herberge und Nahrung wohl gratis annehme, aber den Trunk aus dem Wirtshause dahin bezahlen wolle
ho] Dat bier volgt den tap.

Das Bier wäre gut, hätte die Sau nicht den Zapfen gezogen.

Das Bier, das nicht getrunken wird, hat seine Zweck verfehlt.
Meyer-Breslau, 21. Jan. 1880 im Abgeordnetenhause

Das Bier, welches der Krüger verschenkt, ist sauer.
Lettland

Das Bild der Freundschaft ist die Treue.

Das Bild der Natur zeigt mir nur Ebenmaß und Harmonie, das Bild des Menschengeschlechts nur Verwirrung und Chaos... Ich sehe das Böse auf Erden.
Rousseau, Emile

Das Bild des Glücks schmeichelt den Menschen nicht mehr, das Verderben des Lasters hat ihren Geschmack nicht weniger als ihre Herzen entstellt.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Das Bild eines Despoten, wenn es auch nur in der Luft schwebt, ist edlen Menschen schon fürchterlich.
Goethe, Italienische Reise II, 5.3.1787

Das Bild eines Menschen ist doch wohl unabhängig; überall, wo es steht, steht es für sich, und wir werden von ihm nicht verlangen, dass es die eigentliche Grabstätte bezeichne.
Goethe, Wahlverwandtschaften II,1

Das Bild, das Gemälde war als Bild heilig. Ob sie in jenen Zeiten [achtes und neuntes Jahrhundert] weltliche Gegenstände gemalt, ich glaub es nicht. Das Bild stellte heilige Dinge vor, und die heiligen Dinge gewannen durch das Bild die Verehrung. So amalgamiert war der Begriff von Religion und Kunst.
Goethe, Tagebuch, 6.4.1790

Das Billige ist teuer.
i] Es kommt auf die Dauer teurer zu stehen
Brasilien

Das billigste Auto ist der Dienstwagen.

Das bisschen, was äußere Umstände hinzufügen können, das kommt dem wahren Glück gegenüber gar nicht in Betracht. Das trägt jeder still in sich und wärmt sich daran, wenn er sich in der Welt kalte Füße geholt hat.
Paula Modersohn-Becker, Briefe (29. Januar 1900)

Das bisslein wird ihm sauer werden.

Das Bistumb Chur ist vnder den Bistumben am Rhein (o. in der Pfaffengassen) das öberst.

Das bitt' ich mir in allen Genaden aas.

Das Bitten hat man umsonst.
la] Orator non semper est operator (exorator).

Das Bittere wird durch Gewohnheit süß.
la] Eligenda est optima vitae ratio, electam consuetudo reddet suavissimam.

Das Blasen auf dem silbernen Horne wird von den Freunden tausend Werste weit gehört.
Russland

Das bläset die Asche von der Glut.
i] Erregt Sehnsucht

Das Blatt (o. Blättchen) hat sich gewandt (kann sich wenden).
i] Die Lage der Sache hat sich ganz geändert, kann sich ändern

Das Blatt fällt ab und wird vom Wind fortgetragen, aber die Frucht fällt zum Fuße des Baumes.
Malaysia

Das Blatt hat sich gewandt.
dä] Bladet kand snart vende sig.
la] Osculana pugna.
la] Testulae transmutatio.

Das Blatt kann sich bald wenden, dass aus Glück Unglück wird.

Das Blatt schießt ihm.
i] Er gerät in Argwohn
i] Die dort beigefügte erklärende Bemerkung wird als zutreffend bezeichnet, das Blatt schießt einem, wenn er Arges, Bedenkliches ahnt. Blatt heisst am Kindeskopf die vordere Fontanelle. Hiervon sagte man ehemals: das Blatt ist geschoßen, wenn in hitzigen Krankheiten von Kindern, bei denen besonders das Gehirn entzündlich affiziert war, dieser Teil sich gesenkt und eingedrückt zeigte als ein meist tödliches Zeichen. Dieser Ausdruck hat sich nun erhalten für etwas Schlimmes, Bedenkliches ahnen. - In Iffland's Jäger wird die Redensart vom zornigen Aufbrausen gebraucht, was übrigens an hitzige Krankheit erinnert.

Das Blatt wird sich wenden.
la] Circumagetur hic orbis.

Das Blättche' hot sich gewend't.
Jüdisch-deutsch
i] Das Glück will ihm nicht mehr so wohl
ho] Het blaadje is omgekeerd (omgeslagen).

Das Blättchen hat sich gewandt.

Das Blättlein umkehren.
i] Eine andere Richtung einschlagen, sich von der entgegengesetzten Seite zeigen

Das blaue Band ist nur ein Streifen Seide für die, so keinen Orden besitzen.
Russland

Das Blaue vom Himmel (o. wie gedruckt) lügen
v] lügen, dass sich die Balken biegen
en] to lie like a book (o. a trooper o. a gasmeter) - to lie in o's teeth (o. throat)
fr] mentir comme un arracheur de dents - mentir comme an respire
it] mentire per la gola (o. come un lunario o. un epitaffio o. una gazzetta) - spararle große

Das Blaue vom Himmel kriegen.

Das Blaue, das vor dem Donner hergeht (o. herläuft).
i] Als Antwort etwa auf die Frage: Welchen Nutzen hat es? Was wird dabei gewonnen? D.i. eher Schlimmes als Gutes, weil man das dunkelblaue Gewölk, das dem Gewitter vorausgeht als gefährlich betrachtet

Das bleibe fern!
la] Longe absit!

Das bleibt ihm in der Kehle sitzen.
ho] Het blijft hem in de keel steken.

Das bleibt nicht im Sack.
i] Es wird bekannt, hört auf, Geheimnis zu sein.

Das blitzt wie Judeneier bei Mondschein.

Das blitzt wie Karfunkelstein im Rauchloch.
Königsberg

Das blöde Schwein wühlt die tiefen Wurzeln auf.

Das Blöken verlernen die Kälber nicht.
Russland

Das blökende Lamm vergisst (o. verpasst) sein Abendbrot.

Das blökende Schaf gibt wenig Wolle.

Das blökende Schaf verliert seinen Bissen.
i] Man soll nichts ausplaudern
fr] Brebis qui bêle perd sa goulée.
sp] Ovella que berra bocado que perde.

Das bloße Bewußtsein von Recht und Pflicht
Genügt dir? Mehr braucht - ein Philister nicht.
Leuthold, Sprüche

Das bloße Defendieren allein ist kein Defendieren.

Das bloße Eigentum
la] nuda proprietas [RSpW]

Das bloße, einmalige, pflichtmäßige oder neugierige Lesen bringt nie wirkliche Freude und tieferen Genuss, sondern höchstens eine flüchtig erregende, schnell vergessene Spannung.
Hesse, Der Umgang mit Büchern

Das Blümlein Wohlgemut ist für Trauern gut.

Das Blut des Aals ist giftig und den Augen schädlich
i] Ist in der Natur begründet (Ichthyotoxin).

Das Blut des Bauern ist Wasser, die Erde ist seine Seele.
Usbekisch

Das Blut des Menschen ist Nahrung, und das Leben des Menschen ist (daher) Land.
Maori, Neuseeland

Das Blut des Soldaten macht den General groß.
Italien

Das Blut erbt man, die Tugend aber wird erworben, und darum ist die Tugend viel höher zu schätzen.
Cervantes, Don Quijote

Das Blut fließt nicht mehr in die Adern zurück, ist's einmal heraus.

Das Blut ist im Herzen, wenn du ausspuckst, ist's weiß.
Surinam
i] Ins Gesicht Freund, im Herzen Feind.

Das Blut kann man erben - die Tugend erwerben.
sp] La sangre se hereda y la virtud se acquista.

Das Blut klagt allzeit den Handtätigen bei Gott an.
altfries] Dat bloet clegget altyden oen goed wr din haud dedighe.

Das Blut kreucht, wo es nicht gehen kann.
i] Blutsfreundschaft lässt sich nicht bergen, oder auch: Jeder sucht fortzukommen, so gut er kann und die Kräfte dazu hat. Der alte Volksglaube erwartete, wenn der Mörder den verlangten Reinigungseid meineidig ablege, so werde das in der Leiche stockende Blut unter Mitwirkung der Gottheit sich empören und neu aufwallen.
ndt] Dat Blôt kruppt, war 't nich gân kan. Ostfriesland
altfries] Ein Blod kräpt dag, want kniip et.
altfries] Eigen Biut (Blutsverwandtschaft) kriecht doch (treibt doch oben), wenn es kneift.
dä] Blodet kryber, der intet kand gaen.
ho] 'T bloet cruupt daert niet gaen en can.
la] Ire bonus sanguis quo nescit repit et anguis.

Das Blut lauft da zusammen, wo der Schlag geschehen ist.

Das Blut möchte einem in den Adern starren.

Das Blut schreiet zu Gott.

Das Blut wallt mehr
Beim Löwenhetzen als beim Hasenjagen!
en] The blood more stirs,
To rouse a lion, than to start a hare!
Shakespeare, König Heinrich IV., Erster Teil, I, 3

Das Blut zieht, sagte der Küster vom Glöckner.
dä] Blodet drager, sagt klokkeren om kimeren.

Das Blut, das ausfließen soll, bleibt nicht in der Ader.

Das Blutgeld soll ins Erbe gehen.
[RSpW]
i] Wie Strafgelder für Vergehen des Erblassers aus dem Erbe genommen wurden, so fielen dagegen die Bußen oder Blutgelder, die jemand wegen eines an dem Verstorbenen verübten Verbrechens an ihn zu zahlen hatte, in die Erbmasse.
ho] Dat blotgeldt schol in dat erve gaen.

Das Bocken geht leicht, das Lammen schwer.

Das Böcklein spielt schon im Garten, aber die Ziege hat noch nicht geworfen.
i] Wenn jemand von Dingen prahlerisch redet, zu denen noch nicht einmal der Grund gelegt ist.

Das Böglein überscheiten.
i] Der Sache zu viel tun, über die Schnur hauen

Das Böhmen ist ein eigenes Land. Ich bin dort immer gern gewesen. Die Bildung der Literatoren hat noch etwas Reines, welches im nördlichen Deutschland schon anfängt selten zu werden, indem hier jeder Lump schreibt, bei dem an ein sittliches Fundament und eine höhere Absicht nicht zu denken ist.
Goethe, Eckermann, 6.4.1829

Das Boot fährt so lange am Ufer hin, bis es übersetzt.
i] Man muss den rechten Zeitpunkt abwarten, die Sache lässt sich nicht übers Knie brechen

Das Borgen ist eine schlechte Sitte, wenn sie (die Borger) zurückgeben, schelten sie noch.
i] Weil sie das Mahnen übel genommen haben
masur] Pozyczay, zły obyczay, gdy oddaią, ieszcze łają.

Das böse Bein muss im Bette sein.
fr] Le lit est l'écharpe de la jambe.

Das Böse fürchtet sich weder vor Gott noch vor Menschen.
Estland

Das böse Geld! Die böse Welt!
Traut keiner Außenseite!
Die Leute machen falsches Geld,
Das Geld macht falsche Leute!
Joh. Chr. Fr. Haug

Das böse Gewissen der Bourgeoisie ist das wahre Verbrechen des Proletariats.
F. Mehring, Furcht und Schrecken

Das böse Gewissen ist ein Has', es fürchtet bald dies und bald das.

Das böse Gewissen ist eine Schelle, welche die Erde (das Leben) macht zur Hölle.

Das böse Gewissen macht aus der Mücke einen Elefanten.

Das böse Gewissen nimmt dem Menschen alle Kraft, sich selber zu helfen.
Pestalozzi, Lienhard und Gertrud

Das Böse glaubt (und denkt) man gem.

Das Böse hat keinen Herrn.
i] Dem Übel lässt sich nicht gebieten, es herrscht über uns

Das Böse hat viele Wurzeln.
Estland

Das Böse ist auch gut, aber es schmeckt nicht so süß.
ho] Het kwaad is wel eens goed, al swookt het ons niet zoet.

Das Böse ist auf allen Gassen feil.

Das Böse ist auf jegliche Weise zu meiden, darum darf man auf keine Weise Böses tun, damit daraus etwas Gutes erwachse. Das Gute aber soll man nicht auf jegliche Weise tun, darum muss man bisweilen etwas Gutes unterlassen, damit große Übel vermieden werden.
Thomas von Aquin, De correctione fraterna

Das Böse ist das, was mehr Nachteile als Vorteile, und das Gute, was mehr Vorteile als Nachteile hat. Diderot, Erzählung, Gespräch mit der Marschallin

Das Böse ist des Menschen beste Kraft.
Friedr. Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Das Böse ist ein Hügel, jeder steigt auf seinen eigenen und zeigt auf einen anderen.
Sudan

Das Böse ist leicht, und es gibt unendlich viele Formen des Bösen, das Gute ist beinahe einförmig.
Blaise Pascal, Pensées

Das Böse ist nicht schwarz wie die Regenwolke.
i] Man sieht's ihm nicht stets sogleich an, dass es etwas Böses ist. Es sieht nicht alles von vornherein so schlimm aus als es ist

Das Böse ist nichts als das Gute, gequält von seinem eigenen Hunger und Durst.
Djuhran Chalil, Der Prophet

Das Böse ist von alters her.
Ägypten

Das Böse kann das Gute nicht bezwingen.

Das Böse kann nicht mit der ganzen Seele getan werden, das Gute kann nur mit der ganzen Seele getan werden.
Martin Buber

Das Böse kann nie durch Böses geheilt werden.
la] Nunquam malum malo curatur.

Das Böse kann niemand besiegen.
Estland

Das Böse lebt nicht in der Welt der Dinge, es lebt allein im Menschen.
China

Das Böse lehrt sich selbst (o. lernt sich von selbst).

Das Böse lernt sich leicht, das Gute schwer.
fr] La méchanceté s'apprend sans maître.
la] Bona sunt malis mala.
la] Malae naturae nunquam doctore Indigent.

Das Böse lernt sich von selbst.

Das Böse liegt nicht im Menschen versteckt, sondern in der Gesellschaft...
Belinski, Über Puschkins 'Eugen Onegin'

Das Böse meiden ist noch nicht gut sein, man muss es auch nicht wollen.
Demokrit

Das Böse muss man mit Gutem vertreiben.

Das Böse nimmt nicht aus der Schöpfkelle, das Schlechte nicht aus dem Kessel.
Estland

Das Böse reist niemals allein.
China

Das Böse schreibt man in Stein, das Gute in Sand (o. Staub).
fr] Morceau avalé n'a plus de goût. (Veschluckter Bissen hat keinen Geschmack mehr)

Das böse sihet man weit fliegen, so das gute wirt oft verschwiegen.
la] Fama repleta malis, uelocibus euolat alia fama boni lente uolat, inuidia retinente.

Das Böse steht dem Guten gegenüber, mithin darf nie der Gegensatz zum Bösen, nämlich das Gute fehlen.
Goethe, J. P. Lyser, Ende 1830

Das Böse strafen heisst dem Frommen Ruhe schaffen.

Das Böse straft sich selber.

Das Böse straft sich selbst.

Das Böse trägt seine Strafe in sich.
Osmanien
dä] Ondt ¸der sig selv.
pl] Sama niecnota kazdego skarze.
pl] Samo się złé stłucze.

Das Böse verdirbt das Gute.
ndt] Dat bose vordervet dat gude.
la] Destruxisse solet violas urtica molesta.

Das böse Weib schlägt nie die Hand des Mannes, sondern stets ihre eigene Zunge.

Das Böse wird entdeckt, und täten's Raben.

Das böse Wort soll brennen, das gute Wort leben.
Estland

Das böse Wort unter allen lass unter die Sohlen fallen.
lit] Ladoka Zodi pamik po Padu.

Das Böse zehrt vom Land, das Schikanieren nimmt das Korn.
Estland

Das Böse zu seiner Zeit ist auch gut.

Das Böse, das aus deinem Mund kommt, fällt in dein Herz zurück.
sp] El mal que de tu boca sale, en tu seno se cae.

Das Böse, das wir tun, bringt uns nicht so viele Verfolgungen und Haß ein wie unsere guten Eigenschaften.
La Rochefoucauld, Maximes

Das Böse, was aus deinem Munde geht, fällt in deinen Busen.
sp] El mal que de tu boca sale, en tu seno se cae.

Das böss gerücht tödtet den mann.
en] He that has an ill name, is half hanged.
fr] Le bruit pend l'homme.
ho] Het is kwaad, in een kwaad gerucht te komen.
ho] 'T gheruft doot den man.
ho] Wee hem, die in een quaet gherucht comt.
la] Fama necat virum.
la] Sic dicunt gentes: ponit mala fama nocentes.

Das böss im hauss kompt gemeinlich vom haupt.

Das böss ist oft so wol geschmückt, das mans vor gut helt.

Das böss lert sich selbs (lernt sich von selbst).
mhd] Böshait lêrt sich selber wol.
dä] Der behöves ey skolemester til udyd.
dä] Last laeras uden bog.
dä] Ondt laerer sig vel selv.
fr] La méchanceté s'apprend sans maître.
la] Bona sunt malis mala.
la] Malae naturae nunquam doctore indigent.

Das böss lon, ist guts thon.

Das Böst muss da sein. Sie künnten nit gnug darfür fressen und saufen und alle fremden Frauen und Jungfrauen schänden und zu Huren machen, die Jugend reizen zu allen Ticken, und erdichten allen Unrat und Üppigkeit. Das alles kommt von müßiggehenden Leuten.
Paracelsus, De ordine doni

Das brach der Bemerkung die Spitze ab
v] das nahm der Bemerkung den Stachel
en] that took the edge off (o. the sting out of) his remark
fr] cela a atténué le piquant (o. le mordant) de la remarque
it] ciò ha smussato la punta dell'oßervazione

Das Brachland bringt einen jungen Ochsen um, die Frau einen jungen Mann.

Das brandschatzende Wort zieht keine Lokomotive in den Mund zurück.

Das Brauen bringt den Bürgern eine güldene Nahrung.
i] Um die Städte in Flor zu bringen, wurden ihnen seit Heinrich I. viele Vorteile eingeräumt, und einer der vornehmsten war unstreitig die Erklärung der Braugerechtigkeit zur Stadtnahrung, besonders da später das sogenannte Meilenrecht eingeführt wurde und alle Dörfer innerhalb einer Meile von der Stadt kein Bier brauen, sondern es aus der Stadt holen mussten.

Das braune Haar ist nicht schwerer als das weiße.
Walisisch

Das braune Mädchen ist von Natur heiter und reinlich.
Frankreich

Das Brautbett besehen gehen.
i] Sagt man vom Spaziergange der Hochzeitleute zwischen dem Kaffee und dem eigentlichen Hochzeitmahle

Das Brautkleid ist öfters mit dem Boy der Bereuung gefüttert.

Das Breiregnen nützt keinem Stöffel, denn es fehlt ihm zum Essen der Löffel.

Das Breite hat einen Rand, das Tiefe einen Grund.

Das brennt ihm nicht auf den Nagel.
ho] Het brandt hem niet op den nagel.

Das brennt wie a der liebwerder Christnacht.
Lusdorf bei Böhmisch-Friedland (Von einem schlecht brennenden Lichte, wobei es fast ganz dunkel ist, wie in der Christnacht zu Liebwerda, die dort gar nicht abgehalten wird. Christnacht heißen dort die ersten Weihnachtsmetten)

Das brennt wie das Clementinfeuer.
Meiningen

Das brennt wie eine Nessel.
sp] Ser como unas ortigas.

Das breslauer Lied singen.
Schlesien
i] Man sang früher in Deutschland ein scherzhaftes Lied, das man an dem einen Orte das breslauer, an einem andern das bremer nannte.
z] Von Breslau will ich singen, ist gar ein' schöne Stadt,
Wer Beine hat, kann springen, wer Geld hat, isst sich satt.
Wer drin erkrankt mit Schaden, dem ist nicht wohl zu Haus,
Und wen sie drin begraben, der kommt nicht mehr heraus.

Das Brett bohren, wo es am dünnsten ist.
i] Von denen, die sauere Arbeiten scheuen oder sich doch so leicht als möglich machen

Das bricht ihm das Herz.
ho] Dat breekt mij het hart.

Das bricht ihm 's Genick.
i] Gibt ihm das Basta, den Rest

Das bricht mein Herz nicht.
ho] Daar heeft mijn hart geene pijn aan.

Das bringe ich dir zum Geschenk.
i] Wahlspruch von Neufundland (Kanada)
la] Haec tibi dona fero.

Das bringt alle Pferde zum Wiehern.

Das bringt eben so viel frücht als vogelleim im pfeffer.

Das bringt eine sauere Gurke ums Leben!
Schlesien

Das bringt ihn an den Galgen.
ho] Het gaat hem al ter galge uit.

Das bringt ihn unter den Boden.

Das bringt kein Stück Torf in den Korb.
ho] Dat brengt geen' turf in de mand.

Das bringt keinem lust, was einem zuwider ist.

Das bringt nichts in die Suppe.
z] Wegen seines vielen Fressens hat er (der reiche Mann im Evangelio) bei unserm Herrn die Suppe verschüttet.
fr] Il n'en a pas les gants.

Das bringt sich auf dem Rücken mit.

Das bringt was (o. wenig) in die Küche.
z] Meinen, sie haben dessen macht, das allein ein gewin darbey sey, und in die Küchen trag.
fr] Cela fait bouillir la marmite.

Das brod (Brot) ist mir auss den zenen gerissen.
i] Sagt der Getäuschte, der am Ziele zu sein glaubt
la] Bolus ereptus e faucibus.

Das Brot (lass) für die Heuernte. Estland

Das Brot (sei) leicht, der Käse schwer.
i] Brot soll man nach der Leichte, Käse nach der Schwere kaufen
fr] Pain léger et pesant fromage, prends toujours si tu es sage.
ho] Brood bij deligt kaas bij de wigt.
sp] Pan con ojos, y queso sin ojos.

Das Brot am eignen Tisch ist besser als der Schwester Kuchen.
la] Malo frui propriis quam rebus egere sororis.
sd] Baetra aer siaeluir hawa aen syster widherthorffna.

Das Brot am Laden nehmen.
i] Von Armen, die nach ihren geringen Einkünften nur sehr wenig auf einmal kaufen können, oder von denen, die eine unordentliche Wirthschaft treiben
la] In diem vivit.

Das Brot auf beiden Seiten mit Butter bestreichen.

Das Brot außer dem Hause ist zu sehr gebacken oder zu sehr gesalzen.
Italien

Das Brot bäckt sich nicht im kalten Ofen.

Das Brot bekommt schon einen Esser, das Weißbrot bekommt einen Kneter. Estland

Das Brot der anderen hat sieben Krusten.

Das Brot der Dummen wird im voraus gegessen.

Das Brot der Geliebten ist süßr als der Mutter Kuchen.

Das Brot der Liebe ist süßer als Mutters Kuchen.

Das Brot der Mildtätigkeit hat harte Krusten. England

Das Brot des andern hat sieben Krusten. Italien

Das Brot des Hauses ist das beste.
Italien

Das Brot des Satten kommt für den Hungrigen zu spät.

Das Brot ernährt dich nicht: was dich im Brote speist,
ist Gottes ew'ges Wort, ist Leben und ist Geist.
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann, 1: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Das Brot geht nicht dem Bauche nach.
i] Man muss es durch Tätigkeit erwerben, der Bauch muss dem Brote nachgehen, wie ein krainisches Sprichwort sagt
russ] Chljeb za brjuchom ne chodit.

Das Brot gut gekaut, ist halb verdaut.

Das Brot hat befohlen, die Kneterin soll ihn im Brottrog glätten, im Ofen glättet es sich selbst. Estland

Das Brot hat der Has mitgebracht.
Franken
i] Wird häufig zu Kindern gesagt

Das Brot hat einst gesagt: 'In dem Haus werde ich nicht lange bleiben, wo man mich gegen den Tisch (gestützt) schneidet oder mit dem Ellbogen drückt'. Estland

Das Brot hat gesagt, es will benetzt werden, wenn man es aus dem Ofen herausnimmt. Estland

Das Brot hat gesagt: 'Es ist eine Sünde, wenn man mich zuerst mit einem geschliffenen Messer schneidet. Zuerst muss man mit dem Messer Holz schneiden, dann erst mich'. Estland

Das Brot hat gesagt: 'Legt mich nicht zwischen zwei Bretter, wenn ich geknetet bin'. Estland

Das Brot hat Hörner.
Litauen
i] Der volle Magen weicht davor zurück, als wenn es Hörner hätte.
pl] Ma chleb rogi.

Das Brot ich esse, das lied ich singe.

Das Brot in fremdem Haus hat sieben Krusten.

Das Brot ist abgebacken
i] Wenn die Rinde sich von der Krume loslöst, so dass zwischen Kruste und Krume ein Hohlraum entsteht; das wird oft beim unreifen Getreide beobachtet.
ndt] De Kösch es afgebacke (die Kruste hat sich gelöst). Rheinland
ndt] Dat Brood is afbackt. Schleswig
z] Sieht ein hund in den backofen, wo man backt, so wird das brot erlöset oder abgebacken.
i] In Frankreich gilt das Eintreten einer Katze in die Bäckerei als gefährlich.

Das Brot ist des Menschen Tod.

Das Brot ist gut, wo ist der schwarze Kleister her?
i] Spott auf schlechtes Brot wie auf andere schlechte Sachen

Das Brot ist ja weder vom Busch genommen noch von Birkenzweigen gezupft. Estland

Das Brot ist mir aus den Zähnen gerissen.
i] Von dem Getäuschten, der schon am Ziele zu sein glaubte

Das Brot ist nicht viel wert das von der Hand gleich in den Mund begehrt.

Das Brot ist nicht viel wert, das von der Hand gleich ins Maul begehrt.

Das Brot ist noch nicht gebacken, was mancher essen soll.

Das Brot ist schon (noch) im Ofen.
ho] Het brood is er al weêr in den oven geschoten.

Das Brot ist teuer, wenn kein Geld da ist.
Russland

Das Brot kommt nicht mit dem Winde geflogen.
Litauen

Das Brot läuft ihm nach und findet ihn nicht.
i] Von Müßiggängern

Das Brot läuft nicht hinter dem Esser her. Lettland

Das Brot müsste sehr theuer sein, wenn er hungern sollte.
fr] L'herbe sera bien courte, s'il ne trouve de quoi brouter.

Das Brot nach der Farbe, den Wein nach dem Geruch.

Das Brot sei leicht, der Käse schwer.

Das Brot soll gesagt haben, dass wenn sein 'Schrappkuckel' (= ein kleines, von dem zuletzt aus dem Brottrog zusammengekratzten Teig gebackenes Brot) herausgenommen wird, darf man es nicht mit dem Messer schneiden, sonst wird das richtige Brot im Ofen bersten. Estland

Das Brot tuts nicht allein, es soll auch etwas Braten sein.

Das Brot vom Bäcker, das Fleisch vom Fleischer.
i] Immer vor die rechte Schmiede
en] Take bread from the baker, and meat from the butcher.

Das Brot von gestern, das Fleisch von heute und der Wein vom letzten Jahr machen den Menschen gesund. Spanien

Das Brot weint, wenn's vergeblich gegessen wird.
Litauen

Das Brot will (ihm) nicht gar werden.

Das Brot wird schon arbeiten. Estland

Das Brot wird schon Kinder finden. Estland

Das Brot wird überall im Ofen gebacken.
var] Es wird überall mit Wasser gekocht.
i] Die Verhältnisse und Umstände sind sich überall so ziemlich gleich.
en] All bread is baked in the oven.
en] In every country the sun riseth in the morning.
fr] C'est partout comme chez nous.
fr] Tous corps sont forgés d'une matière.
it] Tutto il monde è paese.
la] Iliacos intra muros peccatur et extra.
sp] Tan buen pan hacen aquí como en Francia.
sp] Ves Frades, ves los demás lugares.

Das Brot, das ich gegessen, wurde nicht in deinem Ofen gebacken.

Das Brot, das im Unglück nähren soll, muss im Glücksofen gebacken sein.

Das Brot, so ich gegessen, war nicht alles in einem Ofen gebacken.
en] All the bread, I have eaten, was not bak'd in one oven.

Das Brötchenessen beginnt noch nicht, wenn das Hinterloch ruft.

Das Brotstück ist in der Dürre Schoß.
Estland

Das Brummen kündigt des Bären Nähe an.
Petersburg

Das brütende Huhn auf dem Nest sagt: Was hinten ist, ist hinten, was vorne ist, ist vorn.
Kosi, Afrika
i] Man soll die Nöte der Vergangenheit vergessen

Das Büblein will den Vater lehren Kinder machen.
la] Ante barbam doces senes.

Das Buch der Bücher
i] Bibel
la] liber librorum

Das Buch der Geschichte findet mannigfaltige Auslegungen.
Heinrich Heine, Verschiedenartige Geschichtsauffassung

Das Buch der Könige aufschlagen.
i] Die Karten auf den Tisch legen und sich zum Spiel niedersetzen
ho] Hij heeft de schrift vast, den bijbel von 52 bladden.

Das Buch erlaubte mir, bei einer Stelle zu verweilen, ja rückwärts zu sehen, welches der mündliche Vortrag und der Lehrer nicht gestatten konnte.
Goethe, Dichtung und Wahrheit III,12

Das Buch hat's uns gelehrt.

Das Buch in der Hand, die Lüge auf den Lippen.

Das Buch ist der Weisheit Quelle.
Estland

Das Buch ist für die heranwachsende Generation nicht weniger notwendig als die Schule.
Krupskaja, Das Kinderbuch...

Das Buch ist unter der Bank beliegen blieben.

Das Buch soll nach Feder, Tinte und Schreibtisch verlangen: aber gewöhnlich verlangen Feder, Tinte und Schreibtisch nach dem Buche. Deshalb ist es jetzt so wenig mit Büchern.
Nietzsche, Menschliches Allzumenschliches

Das Buch, das in der Welt am ersten verboten zu werden verdiente, wäre ein Catalogus von verbotenen Büchern.
Lichtenberg, Aphorismen

Das Buch, in dem die Frau schreiben will, das einzige Buch, ist das Herz des Mannes.
Jules Michelet, Die Liebe

Das buckelige eigene Kind geht vor dem geraden Stiefkinde.
Bulgarien

Das Bücken, sagt die Magd, verrenkt mir den Rücken.

Das Bündnis der Arbeiter und Bauern - das ist es, was uns die Sowjetmacht gebracht hat. Darin liegt ihre Stärke. Das ist das Unterpfand für unseren endgültigen Sieg.
Lenin, Zum vierjährigen Jubiläum der 'Bednota'

Das Buntmalen lieben.

Das Bürgerrecht wird nicht gewechselt, sondern geht verloren. [RSpW]
La] Civitas non mutatur, sed amittitur.

Das Burschenleben hat die Sitt': wer essen will, der bring' was mit.

Das Butterbrot fällt meist auf die verkehrte Seite.

Das Buttern kann verhindert werden, wenn man die Butterfaßreifen von unten aufwärts und nicht wieder von oben herab zählt.

Das Call-Girl hat die Maitresse ersetzt, weil die Männer, die für ihre Frauen keine Zeit haben, nun auch für ihre Geliebten keine Zeit mehr haben.
Hans Habe

Das Chamäleon sagt: Das Leben ist langsam.
Jabo, Afrika

Das Chaos sei willkommen, die Ordnung hat versagt.

Das charakterisiert die Haustierhalter selbst und ihre Umgebung. Sie lieben niemand; niemand liebt sie: und sie verschwenden an die Hunde ein Gefühl, mit dem sie sonst nichts anzufangen wissen.
Diderot, Jacques der Fatalist

Das Charakteristikum der Intelligenz ist Ungewissheit. Tasten ist ihr Werkzeug.
Henry de Montherland

Das Charakteristikum eines jeden Traumes ist es, dass sich alles darin nach leise veränderten, fremden, nicht irdischen, nicht menschlichen Gesetzen abspielt.
Block, Die Elementarkräfte und die Kultur

Das Charakteristische liegt zum Grunde, auf ihm ruhen Einfalt und Würde, das höchste Ziel der Kunst ist Schönheit und ihre letzte Wirkung Gefühl der Anmut.
Goethe, Schriften zur Kunst - Der Sammler und die Seinigen 5. Brief

Das charakteristische Merkmal der Geister ersten Ranges ist die Unmittelbarkeit aller ihrer Urteile. Alles, was sie vorbringen, ist Resultat ihres selbsteigenen Denkens und kündigt sich, schon durch den Vortrag, überall als solches an.
Schopenhauer, Parerga und Paralipomena

Das Ching (Kind) hat syni Auge nit g'stohle.
Solothurn
i] Er hat die Augen des Vaters oder der Mutter.

Das Christenthum der koptischen Christen geht nur bis zum Gürtel.
i] Die koptischen Christen in Ägypten haben sich neben der Taufe auch haben beschneiden lassen, daher dies Sprichwort

Das Christentum - das wahre, ist die vollendetste Lebenssache, die die Welt je aufzuweisen vermag.
Pestalozzi, An die Unschuld, den Ernst und den Edelmut meines Zeitalters

Das Christentum geht noch auf Kinderfüßen, kaum dämmert seine Mannesreife dem blöden Blicke. Wer weiß, ob nicht ein Tag kommt, wo man die blutige Kirchengeschichte der ersten 18 christlichen Jahrhunderte als die Geschichte der bösen Kinderkrankheiten des Christentums betrachtet.
Chamberlain, Grundlagen des 19. Jahrhunderts

Das Christentum hat die Moral einen großen Schritt vorangebracht. Das zu leugnen wäre ungerecht und sinnlos. Man muss aber mit dem gleichen guten Glauben anerkennen, dass seine Herrschaft zu Ende ist und die Zeit, in der es von Nutzen war, schon lange hinter uns liegt. Das Zeitalter der positiven Ideen beginnt.
Saint-Simon, Die Industrie

Das Christentum hat viel Gutes auf Erden bewirkt. Doch wird dies tausendfach durch das Schlimme überboten, das die christliche Idee mit der Vergiftung des Liebeslebens angerichtet hat.
Tucholsky, Schnipsel

Das Christentum ist befremdend. Es fordert vom Menschen, dass er sich selbst als erbärmlich, ja verächtlich erkenne, und es fordert von ihm, dass er wünsche, Gott ähnlich zu sein. Ohne ein solches Gegengewicht würde ihn diese Erhöhung unerträglich eitel und diese Erniedrigung gemein machen.
Pascal

Das Christentum ist das Blatterngift der Menschheit. Es ist die Wurzel alles Zwiespalts, aller Schlaffheit, der letzten Jahrhunderte vorzüglich. Je weiter sich wahre Bildung nach unten hin verbreitet, um so schlimmer wird es wirken. Bisher war das Christentum des Volks ziemlich unschädlich, denn es war ein roheres Heidentum.
Friedrich Hebbel, an Elise Lensing, 23. Januar 1837

Das Christentum ist das Meisterwerk des Judentums, sein Ruhm die Zusammenfassung seiner Entwicklung.
Renan, Historie du peuple d'Israel

Das Christentum ist das Mittelalter der Menschheit.
Feuerbach, Wesen des Christentums

Das Christentum ist das Mittelalter der Menschheit.
Feuerbach, Wesen des Christentums

Das Christentum ist eine Idee und als solche unzerstörbar und unsterblich wie jede Idee.
Heine, Deutschland, Deutschland bis Luther

Das Christentum ist ganz Sittlichkeit; darum auch ganz die Sache der Individualität des einzelnen Menschen.
Pestalozzi, Entwicklung des Menschengeschlechtes

Das Christentum ist so tief in der menschlichen Natur und ihrer Bedürftigkeit begründet, dass auch in dieser Beziehung mit Recht zu sagen ist: Des Herrn Wort bleibet ewiglich.
Goethe, C. F. John, 2.5.1812

Das Christentum kann das Denken nicht ersetzen, sondern muss es voraussetzen...
Albert Schweitzer, Aus meinem Leben und Denken

Das Christentum muss ob es nun gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, für Mensch und Leben suspendiert bleiben, bis es durch detaillierte politische Vorkehrungen wirklich anwendbar gemacht wird.
Shaw, Androklus u. d. Löwe, Vorwort, Die Absichten des Christentums, Zeitgemäß angewandtes Christentum

Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.
Jean-Jacques Rousseau, Der Gesellschaftsvertrag IV, Über die staatsbürgerliche Religion

Das Christentum setzt jeden in den Naturzustand (der ursprünglichen Gleichheit) zurück, ohne ihm die Moyens dazu zu geben. Daher ist jeder gefährdet, der eigentlich der Mächtigere ist, denn er darf seine Macht nicht gebrauchen. Daher befinden sich alle Lumpe so vortrefflich dabei: denn man kann ihnen nichts anhaben.
Goethe, Riemer, 15.2.1813

Das Christentum steht mit dem Judentum in einem weit stärkern Gegensatz als mit dem Heidentum.
Goethe, Maximen und Reflexionen 818

Das Christkindlein bäckt.
i] Wenn es in der Zeit vor Weihnachten am Himmel so feurig glänzt, was Frost andeutet, dann sagen die Kinder zu einander: 'Das Christkindlein bäckt!'

Das christliche Europa hat sich seines Christentums entledigt, wie ein Mensch sich der Vitamine entledigt.
Georges Bernanos (1888 - 1948)

Das Columbusei in Szene setzen.

Das Compelle mit einem spielen.
z] Es also das Ansehen hatte, als wenn man mit dem Protestierenden das Compelle spielen wollte.

Das Dach fällt ihm ein, und er erschrickt zum Tode.

Das Dach ist des Hauses Lebensdauer, Faulheit ist des Mannes Lebensdauer.

Das Dach muss eher vorn als hinten sein.

Das Dach vom Hause nehmen und die Leute hineinsehen lassen.
z] Es ist ein Buch, das ihr nur Wenige nachschreiben werden, weil nur Wenige das Dach von ihrem Hause nehmen und alle Welt hineinschauen lassen mögen. Cleveland, Ohio 1868 über das Buch der Königin Victoria von England

Das Dach, das keinen Regen gesehen hat, ist wie das Kind, das seine Mutter nicht gesehen hat.
Tamil, Indien

Das Damoklesschwert hängt über ihm.
i] Um eine unablässig drohende Gefahr zu bezeichnen

Das Dämonische ist das Verschlossene und das unfreiwillig Offenbare.
Søren Kierkegaard, Der Begriff Angst

Das Dämonische ist dasjenige, was durch Verstand und Vernunft nicht aufzulösen ist. In meiner Natur liegt es nicht, aber ich bin ihm unterworfen.
Goethe, Eckermann, 2.3.1831

Das dank' euch Herodes!
z] Herodes dank' euch für das Lied.

Das dank ihm (o. dir) der Teufel.

Das danke dir der Henker.

Das Dasein eines Schöpfers zu leugnen ist größerer Unsinn als der finsterste Aberglaube; auch waren die Gottesleugner samt ihrer Philosophie zehnmal unglücklicher als der einfältigste der Gläubigen.
Gottfried Keller, Eine Nacht auf dem Uto

Das Dasein ist dadurch charakterisiert, dass es nichteinfach ist, sondern dass es ihm in seinem Sein um sein Selbst geht.
Hannah Arendt

Das Dasein ist köstlich, man muss nur den Mut haben, sein eigenes Leben zu führen.
Peter Rosegger

Das Dasein ist nur erträglich, wenn man seine elende Persönlichkeit vergisst.
Flaubert, An George Sand, 16.4.1872

Das Dasein ist recht verwickelt, und man bekommt immer nur einen Faden zu fassen, wenn man den aussichtslosen Versuch unternimmt, es zu entwirren.
Clemens Münster

Das Dasein vollzieht sich in einem Wechselspiel von Erlebnissen, deren Gehalt von zwei Hauptfaktoren abhängig ist: vom Schicksal im weitesten Sinne und von der Seelenstruktur des Erlebenden.
Eduard Spranger

Das dauad von Ailfi bis Mittå.
Steiermark

Das Dauerhafteste beim Schreiben ist Stil, und Stil ist die wertvollste Anlage, für die ein Schriftsteller seine Zeit aufwenden kann. Es macht sich nur langsam bezahlt.
Chandler, an Mrs. Robert J. Hogan, 7. 3. 1947

Das Deck klar machen.
i] Alle Hindernisse aus dem Wege räumen, um für's Handeln Raum zu gewinnen
z] Sie sagen, dass sie das Deck zum Aktieren klar machen. Breslauer Zeitung 1864

Das dehnt sich wie Jungfernhaut.

Das demokratische System beruht auf der Überzeugung, dass man den Menschen die Wahrheit sagen kann.
Carl Friedrich von Weizsäcker

Das demokratische System, zu dem unser Staat sich bekennt, beruht auf der Überzeugung, dass man den Menschen die Wahrheit sagen kann.
Carl Friedrich von Weizsäcker

Das demütige und tugendhafte Bäuerlein wird moralisch ebensoviel oder mehr wert sein als der mächtigste Heros der Geschichte. Jener wird in den Himmel kommen, dieser ins Fegefeuer, wo nicht gar in die Hölle. Die Geschichtsschreibung jedoch, die wir fordern und auf die es uns ankommt, wird den Sünder bewundern, von dem Bäuerlein aber nichts wissen.
Benedetto Croce, Grundlagen der Politik

Das den Heiligen Gemeinsame
la] Commune Sanctorum

Das den meisten Menschen Abstruse mit einer gewissen behaglichen Freiheit vorzutragen, wirkt immer vorteilhaft.
Goethe, an Ch. L. F. Schultz, 5. Sept. 1822

Das Denken der Hand unterscheidet zweckmäßig und unzweckmäßig.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Denken der Zukunft muss die Synthese aller großen Gedanken des Alls sein.
Rolland, Die Vorboten

Das Denken fördert unser Leben nur, wenn es unserem eigenen Kopf entspringt oder wenigstens eine Frage beantwortet, die in unserer eigenen Seele entstanden ist.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1906)

Das Denken gehört zu den größten Vergnügungen der menschlichen Rasse.
Galilei im gleichnamigen Stück von Bert Brecht

Das Denken gilt unter Regierungen, die der Ausbeutung dienen, als niedrig.
Brecht, Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

Das Denken hat zur Zeit schlechte Presse. Suggeriert wird ein kontradiktorischer Gegensatz zwischen Denken und Fühlen, als gäbe es nicht zuhauf kaltherzige Dummköpfe und Gescheite mit starken Emotionen.
Thomas Rothschild (1995)

Das Denken in Analogien ist ebenso notwendig wie fruchtbar.
Jean-Marie Pelt, Das Leben der Pflanzen

Das Denken ist abstraktes Wahrnehmen, das Wahrnehmen konkretes Denken.
Lohberger

Das Denken ist dadurch wahr, dass es den Gegenstand sein lässt, was er wirklich ist.
Hakob Hommes

Das Denken ist das Produkt des ganzen Körpers.
Zola, Das Werk

Das Denken ist der Prozess, durch den niedrige Instinkte verwandelt werden.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Das Denken ist ein Attribut Gottes, oder Gott ist ein denkendes Ding.
Baruch de Spinoza, Ethik

Das Denken ist ein Laster, das man schwerlich mit administrativen Mitteln heilen kann.
Brudzinski

Das Denken ist ein Verhalten des Menschen zu den Menschen.
Brecht, Buch der großen Methode

Das Denken ist eine Kunst, keine Wissenschaft.
Lin Yutang

Das Denken ist gewissermaßen das Atemholen des Geistes. Man darf es nicht allzu lang unterlassen, wenn man nicht Gefahr laufen will, geistig zugrundezugehen.
Aus den 'Fliegenden Blättern'

Das Denken ist nur ein Traum des Fühlens, ein erstorbenes Fühlen, ein blassgraues, schwaches Leben.
Novalis, Die Lehrlinge zu Sais

Das Denken ist seinem Wesen nach frei und selbstherrlich, wenn es wirklich in Tätigkeit tritt.
Simone Weill

Das Denken ist überhaupt das Auffassen und Zusammenfassen des Mannigfaltigen in der Einheit.
Hegel

Das Denken kann sein eigenes letztes Warum nie beantworten, weil auch diese Antwort wieder ein Warum gebären würde.
Dietrich Bonhoeffer

Das Denken lernen wir, indem wir auf das achten, was es zu bedenken gibt.
Martin Heidegger

Das Denken macht die Größe des Menschen aus.
Pascal, Pensées

Das Denken mit dem eigenen Kopf ist riskant.
Zarko Petan

Das Denken soll man den Pferden überlassen, sie haben die größeren Köpfe.
i] Als Scherz

Das Denken tröstet über alles und hellt alles.
Chamfort, Maximes et pensées

Das Denken von Ursache und Wirkung ist das Rückwärtsdenken.
Oswald Spengler, Urfragen. Fragmente aus dem Nachlass

Das Denken, der Zeit verhaftet, verfällt auch wieder der Zeit. Aber weil es verfällt, eben deshalb muss unser Denken neu sein, wenn es echt sein und etwas bewirken will.
Ingeborg Bachmann, Frankfurter Vorlesungen

Das der rost dem eisen, das ist der neid dem menschen.
mhd] Rost daz îsen zert.
dä] Rust æder jern og avind æder sig selv.

Das deutlichste Anzeichen der Weisheit ist eine immer gleich bleibende Heiterkeit.
Michel Eyquem de Montaigne, Die Essais

Das deutsche Proletariat ist der treueste, zuverlässigste Verbündete der russischen und der internationalen proletarischen Revolution.
Lenin, Abschiedsbrief an die Schweizer Arbeiter

Das deutsche Schwert beschützt den deutschen Herd.
z] Man schreibt aus Tirol: Nachdem gestern die Nachricht über die Capitulation von Paris hier eingetroffen und das alte Sprichwort: Das deutsche Schwert beschützt den deutschen Herd, sich buchstäblich bewahrheitet hat u.s.w.

Das deutsche Theater befindet sich in der Schlußepoche, wo eine allgemeine Bildung dergestalt verbreitet ist, dass sie keinem einzelnen Orte mehr angehören, von keinem besonderen Punkte mehr ausgehen kann.
Goethe, Maximen und Reflexionen 735

Das deutsche Theater stellt leidenschaftliche Gegenstände mit seiner Ruhe vor, das französische gesetzte mit seiner Heftigkeit.
Goethe, Riemer, 1803-1814

Das deutsche Vaterunser hat hinter Kronstadt ein Ende.

Das deutsche Volk (d.i. das Herrenvolk) glaubt mehr an Ärzte als an Gott.
Estland

Das deutsche Volk ist frei, bleibt frei und regiert in alle Zukunft sich selbst. Das ist der einzige Trost, der dem deutschen Volke geblieben ist.
Friedrich Ebert, Bei der Eröffnung der Weimarer Nationalversammlung (6. Februar 1919)

Das deutsche Volk, so wie ich es kenne, macht es mit seinen Märtyrern, wie Gott es mit Christus machte: es lässt ihn ruhig kreuzigen und bewundert ihn: aus doppelten Gründen; was (denkt es) ist er vor der Kreuzigung?
Hebbel, Tagebücher, Mai 1836

Das deutsche Wesen ist noch gar nicht da, es muss erst werden; es muss irgendwann einmal herausgeboren werden, damit es vor allem sichtbar und ehrlich vor sich selber sei. Aber jede Geburt ist schmerzlich und gewaltsam.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Das dich der Schüttel schände.
i] Der Schüttelfrost.

Das dich ditz und jens angang!
i] Verwünschungsformel meint verhüllend den Ritten

Das dich S. Gereons plage.
la] In lapidicinas.

Das dich S. Hamprecht schent.

Das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.
1. Moses, 8, 21

Das dicke Ende ist noch hinten, sagte jene Magd, als sie den Schippenstiel in Arsch kriegte.

Das dicke Ende kommt (hinten) nach.
en] The sting is in the tail.
en] There's the devil to pay.
fr] A la queue gît le venin.
fr] Le venin est à la queue.
it] Il peggio deve ancora venire.
it] Il veleno sta nella coda.
la] In cauda venenum.

Das dicke Ende kommt nach', sagte der Mann, der mit dem Kopf durch die Wand ging.

Das dicke Ende kommt noch, sagte Eulenspiegel und steckte dem alten Weib eine Schöpfkelle in den Arsch.

Das dicke Ende kommt noch.
en] The sting is in the tail.
fr] A la queue gît le venin.

Das dickste End' ist noch hinten.

Das die Albernen gelüstet, das tötet sie.

Das die Leut so kurz leben, das macht, dass sie so wenig frölich sein.

Das Dienen Gottes ist mehr als der Menschen Treiben.

Das dienet in meinen Kram nicht.
ndt] Dat dênt in sînen Kram nich. Pommern
i] Ist nicht in seinem Sinn.

Das dienet nicht in meine Krambude.

Das dient nur als Lückenbüßer.

Das Ding beisst wie der Teufel, sagte der Bauer, als er Senf aß.
ho] Welk een ding is mosterd, het bijt, en heeft geene tanden.

Das Ding hat Adlersfedern.
i] Man glaubte nämlich, dass sie wieder wegflögen oder dass sie andere Federn, zu denen man sie lege, aufzehrten.
Luther

Das Ding hat Äste.

Das Ding hat kein Ansehen (o. Gesicht).
Nürtingen
i] Keine Art, keinen Schlag, sieht nach nichts aus, es ist keine Arbeit, alles, um zu sagen: die Sache befriedigt mich nicht, sie gefällt mir nicht

Das Ding hat Mucken.
Rottenburg
i] Die Sache hat ein Aber, einen Haken.

Das Ding hat Stacheln.

Das Ding heckt Läuse.
la] Diuturnam molestiam creat.

Das Ding heisst Hans.
Bayern
i] Es ist eine vortreffliche Sache

Das Ding ist, wie man's achtet.

Das Ding läuft verkehrt, sagte Töffel, als er einen Krebs gehen sah.
ho] Dat ding loopt verkeerd, zei de boer, en hij had een kreeft aan een touwtje.

Das Ding muss solchem Grobian
Grob zu verstehen geben man!
Fischart, Kehrab

Das Ding will sich machen.

Das Ding wird den Hund haben.
i] Vom 10. bis 13. Jahrhundert war das Hundetragen eine Strafe für vornehme Verbrecher. Der Missetäter musste ihn tragen, um anzuzeigen, dass er verdiene, gleich einem Hunde erschlagen oder aufgehängt zu werden, was für eine Erschwerung der Todesstrafe galt. Das Sprichwort will sagen, dass etwas einen schlimmen Ausgang haben werde.
la] Res redibit ad restim.

Das Ding, das du haben möchtest, muss von dem Eigentümer erbeten werden.
i] Nicht einfach genommen werden
Kikuju (Kenia)

Das Ding, das noch nie erklärte böse Ding, das uns von dem Wesen trennt, dem wir das Leben verdanken, von dem Wesen, aus dem alles, was Leben genannt werden soll, sich unterhalten muss, das Ding, das man Sünde nennt, kannte ich noch gar nicht.
Goethe, Lehrjahre VI - Bekenntnisse einer schönen Seele

Das Dintenfaß steht auf des Kaisers Tisch.

Das Disputieren über den Buchstaben macht kein Christen.

Das Docht der Lampe leuchtet anderen und verbrennt selbst.
i] Von denen, die sich für andere aufopfern und selbst dabei zu Grunde gehen

Das Dogma ist die Bestätigung der Seele in der Vergangenheit, das Axiom ist die Bestätigung des Verstandes in der Vergangenheit, Problem und Sehnsucht sind Bestätigungen des Verstandes und der Seele, die in die Zukunft streben.
Mickiewicz, Tribüne der Völker v. 17. 4. 1849

Das Dogma ist eine Zwangsjacke für das Hirn.

Das Dogma ist nicht anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken.
Ludwig Feuerbach, Pierre Bayle (1647-1706)

Das Dogma ist weniger wert als ein Kuhfladen.
Mao Tse-Tung

Das Doktorwerden ist eine Konfirmation des Geistes.
Lichtenberg, Aphorismen

Das dominante Charakteristikum des Alltagslebens ist die Spontaneität.
Agnes Heller

Das Dominus vobiscum tregt dem Probst und Abt mehr, denn das Et cum Spiritu tuo dem Küster und ganzen Konvent.

Das doppelte Antlitz des Janus
la] Ianique bifrontis imago

Das Dorf (= die Welt) gibt keinen Reichtum.
Estland

Das Dorf (o. die Nachbarschaft) gibt kalten Rat, die Menschen (geben) ein eisernes Herz.
Estland

Das Dorf brennt, und die alte Frau kämmt sich.
Rumänien

Das Dorf der Flöhe hat kein Kennzeichen.

Das Dorf in die Hand, die Gemeinde in den Mund, das Kirchspiel in den Magen - paßt alles dem schwarzen Raben (= dem Pastor).
Estland

Das Dorf kommt, man bekommt etwas, der Bauernhof kommt, man bekommt wieder etwas.
Estland

Das Dorf lobt, das Gut tadelt, das Gut lobt, die Gemeinde tadelt.
Estland

Das Drama (auf der Bühne) ist erschöpfender als der Roman, weil wir alles sehn, wovon wir sonst nur lesen.
Franz Kafka, Tagebücher (1911)

Das Drama ist die Stimmung eines Jahrhunderts, in dem die Politik ein ständiges Mimenspiel ist.
Honoré de Balzac (1799-1850), Verlorene Illusionen

Das Drama ist eine sehr sonderbare Kunstgattung, und ich ahne, indem man es hervorbringt, verknüpft man sich gleichzeitig mit dem realen Leben und löst sich gleichzeitig davon ab.
Hugo von Hofmannsthal, Briefe

Das Drama macht bei den Franzosen einen viel stärkeren Gegensatz mit dem Leben, zum Zeichen, dass ihr gewöhnliches Leben ganz davon entfernt ist. Bei den Deutschen weniger, indem sie selbst schon im Leben wenigstens naiv, gemütlich und poetisch sind.
Goethe, Riemer, 28.8.1808

Das Drama schildert den Gedanken, der Tat werden will durch Handeln und Dulden.
Friedrich Hebbel, Tagebücher

Das Drama soll eilen, und der Charakter der Hauptfigur muss sich nach dem Ende drängen, und nur aufgehalten werden.
Goethe, Lehrjahre V,7

Das Drama soll keine neuen Geschichten bringen, sondern neue Verhältnisse.
Friedrich Hebbei, Tagebücher

Das Drama, als die Spitze aller Kunst, soll den jedesmaligen Welt- und Menschenzustand in seinem Verhältnis zur Idee, d. h. hier zu dem alles bedingenden sittlichen Zentrum, das wir im Weltorganismus schon seiner Selbsterhaltung wegen annehmen müssen, veranschaulichen. Das Drama, d. h. das höchste, das epochemachende, ist nur dann möglich, wenn in diesem Zustand eine entscheidende Veränderung vor sich geht; es ist daher durchaus ein Produkt der Zeit, aber freilich nur in dem Sinne, worin eine solche Zeit selbst ein Produkt aller vorhergegangenen Zeiten ist, das verbindende Mittelglied zwischen einer Kette von Jahrhunderten, die sich schließen und einer neuen, die beginnen will.
Friedrich Hebbel, Maria Magdalena, Vorwort

Das Dramatische ist die Einheit des Kampfes mit dem Leiden.
Walter Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes

Das dritt haupt tregt (zu) schwer.
i] Wenn ein Geheimnis mehr als zwei wissen, hat es aufgehört, ein Geheimnis zu sein, denn dann erfahren es bald zehn und hundert.
z] Zwen verschweigen wol eine heimligkeit, erfährt sie der dritte, der kan sie nicht tragen, er schwetzet sie nach.
en] Three may keep counsel, if two be away.
it] Se il secreto si sà da tre, si sà da tutti.
it] Tre taceranno, se due vi non sono.
la] Si sapis, quod scis nescias. Terenz

Das dritte Horn des Widders suchen.
Russland
fr] L'humbre du soleil.
la] Solis umra.

Das dritte Mal zählt für alle.
England

Das Drüben kann mich wenig kümmern,
Schlägst du erst diese Welt zu Trümmern,
Die andre mag darnach entstehn.
Goethe, Faust I, Studierzimmer (Faust) Vs 1660

Das Druckenlassen verhält sich zum Denken wie eine Wochenstube zum ersten Kuß.
Friedrich Schlegel, Kritische Fragmente, Athenäum

Das drückt wie ein Alp.

Das du hast an den spinnrocken gehangen, das musst du selber spinnen.
Westfalen

Das Du ist die Erlösung von der Angst des Alleinseins.
O. Spengler, Untergang des Abendlandes, II: Städte und Völker

Das Duell ist der glänzendste Sieg der Mode und zugleich die Unsitte, wo ihre Tyrannei am stärksten in Erscheinung getreten ist.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Das Duellwesen privilegiert den Ehrabschneider.
G. von Below, 1896

Das dumme Schaf.
i] Als Scheltwort sehr gebräuchlich und beiderlei Geschlechts.
z] Das Schaf, ihr Mann, schwieg zu allem diesen Unwesen still.
z] Das dumme Schaf.

Das Dümmste an den Weibern ist ihr Misstrauen.
Werfel, Der Tod des Kleinbürgers

Das dümmste Buch will vom gescheitesten Vater sein.

Das dümmste Vieh schreit am lautesten.
i] Nicht bloß auf dem Bauernhofe, sondern auch, und hier noch mehr, in Politik und Religion.
z] In der Politik geht es, wie in der Natur, das dümmste Vieh schreit am lautesten.

Das dunckt (dünkt) mich, helt jeder für gewiss bey sich.

Das Dunkel der Nacht ist gewisser als das Licht des Tages.
Russland

Das dunkel Gesagte ist das dunkel Gedachte.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Das Dunkle nimmt nichts dem Schönen, es erhöht noch das Sehnen.
Venedig
i] Von Frauen dunkler Färbung, die auch ihre Verehrer finden

Das durch und durch zivilisierte Europa wird eines Tages die Beute jener Halbbarbaren, die es aus den Weiten des Nordens bedrohen, und wenn diese Eroberer dann zivilisiert werden, kehrt die Welt wieder in ihr Gleichgewicht zurück.
Giacomo Leopardi, Gedanken aus dem Zibaldone (1898-1907

Das dürftigste Schicksal, das Kläglichste entwickelt sich in den Ehen, in welchen das Weib höher steht als der Mann.
Tieck, Vittoria Accorobona

Das dürre Holz lässt das grüne brennen.

Das eben geschieht den Menschen, die in einem Irrgarten hastig werden: Eben die Eile führt immer tiefer in die Irre.
Lucius Annaeus Seneca, Briefe über Ethik

Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären.
Schiller, Die Piccolomini V, 1

Das eben ist der Fluch der Macht, dass sich
Dem Willen, dem leicht widerruflichen,
Ein Arm gleich baut, der fast unwiderruflich
Die Tat ankettet.
Kleist, Die Familie Schroffenstein, 4 (Rupert)

Das eben ist der Liebe Zaubermacht,
Dass sie veredelt, was ihr Hauch berührt,
Der Sonne ähnlich, deren goldner Strahl
Gewitterwolken selbst in Gold verwandelt.
Grillparzer, Sappho, I, 5 (Sappho)

Das eben ist die Eigenschaft der wahren Aufmerksamkeit, dass sie im Augenblick das Nichts zu Allem macht.
Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre

Das eben ist's, was manches blühende Haus und Reich
In Trümmer stößt: der allzuschöne Redeschwall!
Euripides, Hippolyt, 486/87 (Phädra)

Das Echo behält das letzte Wort.
i] Von Rechthaberischen

Das Echo durch Rufen ins Schweigen bringen.
i] Ebenso schwer oder undankbar ist es einen Rechthaberischen durch Gründe zu überzeugen

Das Echo kennt alle Sprachen.
Finnland

Das Echo wie der Nachruhm behalten nur die letzten Silben eines Menschen.
Jean Paul

Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.
Goethe, Faust, Vorspiel auf dem Theater (Dichter) Vs 74

Das edelste Gebet ist, wenn der Beter sich
In das, vor dem er kniet, verwandelt inniglich.
Angelus Silesius, Der cherubinische Wandersmann

Das Edelste und Höchste wirkt gar nicht auf die Massen; der historische Erfolg des Christentums, seine historische Macht, Zähigkeit und Zeitdauer, alles das beweist glücklicherweise nichts in betreff der Größe seines Gründers, da es im Grunde gegen ihn beweisen würde: aber zwischen ihm und jenem historischen Erfolge liegt eine sehr irdische und dunkle Schicht von Leidenschaft, Irrtum, Gier nach Macht und Ehre, von fortwirkenden Kräften des imperium romanum, eine Schicht, aus der das Christentum jenen Erdgeschmack und Erdenrest bekommen hat, der ihm die Fortdauer in dieser Welt ermöglichte und gleichsam seine Haltbarkeit gab.
Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, 2, Vom Nutzen u. Nachteil der Historie für das Leben

Das edelste, wohltuendste Verständnis findet der Künstler bei einem bescheiden gebliebenen Dilettanten.
Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Edle befindet sich oberhalb des Gürtels, das Gemeine überall.
Busc, an Marie Anderson, 27. 1. 1875

Das Edle in der Mathematik ist, dass es keine Konzessionen gibt.
K. Peltzer, An den Rand geschrieben

Das Edle muss nicht an die verschwendet werden, die keinen Sinn dafür haben. 'Gebt dem Esel Rosmarin', sagt Luther, 'so meint er doch, es sei Heu.'

Das edle Weib ist halb ein Mann, ja ganz,
Erst ihre Fehler machen sie zu Weibern.
Franz Grillparzer, Die Jûdin von Toledo (Garceran)

Das Edle zu erkennen, ist Gewinst,
Der nimmer uns entrissen werden kann.
Goethe, Tasso A III Sz 2 (Leonore) Vs 1838

Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind als das feige, selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte!
Ebner-Eschenbach, Aphorismen

Das Ehebeth ein vnbefleckt soll sein.

Das Ehejoch
la] maritale capistrum

Das ehelich geborene Kind behält seines Vaters Heerschild.
[RSpW]
i] Dies Sprichwort handelt von Kindern, die aus einer Missheirat hervorgegangen sind und will sagen, dass solche Kinder, auch wenn die Mutter mit dem Vater nicht ebenbürtig war, dennoch des letzteren Stand, Wappen und Güter erben, das Herkommen der Mutter ihnen also nicht zum Nachteil gereichen solle, obgleich bei Prinzen eine Ausnahme stattfindet.

Das Eheweib ist der Bruder des Mannes.

Das ehrbare Kleid ist der Deckschalck.
i] In der Amtskleidung liegt die Würde nicht; der Mann selbst muss seinem Amte Ehre bringen.

Das ehrbare Mädchen erledigt am liebsten etwas für andere.

Das ehrenkleid ziert den Mann, wer solches hat, der zieh es an.
la] Vestitus virum reddit, qui habet, induat.

Das Ehrenwort hat Löcher drin.

Das Ehrgefühl, als Hilfsmittel in den Händen der Tugend, ist eines der kräftigsten, den Menschen vor schlechten und verwerflichen Handlungen zu bewahren und zu großen, guten Gesinnungen und Taten zu begeistern.
Heinrich Zschokke, Stunden der Andacht

Das ehrliche (= eheliche) Kind weint auf dem Ofen, der Bastard hinter der Pforte.

Das ehrliche Vermögen bleibt, unrecht Gut holt der Satan.

Das Ehrlichste geht billig vor.

Das Ei (des Columbus) zum Stehen bringen.
i] Eine schwierige, unmöglich scheinende Sache ausführen
z] Es muss sich bald zeigen, wie der Kaiser das Ei des Columbus zum Stehen bringt. Berliner Zeitung, 1864

Das Ei auf den Stein oder den Stein aufs Ei, ist immer einerlei.

Das Ei eines Faulen piept wol, aber es kriecht nichts aus.

Das Ei heute ist besser als die Henne morgen.
la] Ad praesens ova cras pullis sunt meliora.

Das Ei ist da, aber die Henne fehlt noch.
Tataren

Das Ei ist gewöhnlich verloren, das früher als das Nest wird geboren.
i] Von unehelichen Kindern, die in größerer Anzahl sterben als die ehelichen

Das Ei ist klüger als die Henne. Estland

Das Ei ist klüger denn die Henne.

Das Ei ist nicht klüger (o. besser) als die Henne.
Estland
dä] Egget springer op og lærer hønen.
en] Don't teach your grandmother to suck eggs.
en] Jack Sprat would teach his grandam.
fr] Ce n'est pas à un vieux singe qu'on apprend à faire des grimaces (o. la grimace).
fr] C'est Gros-Jean qui remontre à son curé.
fr] L'écolier prétend enseigner son maître.
fr] Les oisons veulent mener paistre leur mère.
ho] Dat ei is kloeker dan die hen.
it] I paperi menano a bere le oche.
la] Ante barbam doces senes.
la] Imberbis senes docet.
sp] Aún no ha salido del cascarón y ya tiene presunción.
un] A tyúkmony okosb akar lenni a tyúknál.

Das Ei ist nicht klüger als die Henne. Estland

Das Ei ist noch nicht ausgebrütet.
i] Man weiß noch nicht, was aus der Sache werden, wie sie sich entwickeln wird

Das Ei ist schon da, aber die Henne fehlt noch.
i] Das Kind ist eher da als die Frau. Auch wenn jemand Hoffnungen, Träume für Wirklichkeit hält

Das Ei ist zu hart gesotten.
ho] Dat ei heeft wat lang in 't zout gelegen.

Das Ei kostet mehr als die Henne.
i] So sagt man in Zentralamerika, wenn die Auslagen mehr kosten als der zu erwartende Gewinn, wenn man z.B. die Erzeugnisse des Bodens auf einen fernen Markt bringen wollte, zu dem die Straßen fehlen, und wobei der Erlös für die Produkte nicht ausreichen würde, die Transportkosten zu decken.
sp] El huevo mas que la gallina.

Das Ei lehret das Huhn und die Kachel den Töpfer.
i] Strafender Spott auf die vorwitzige Jugend, die alles besser wissen will, als das erfahrene, kenntnissreichere Alter

Das Ei lehret das Hun Eyer legen, und das Kalb die Kuh Kälber machen.

Das Ei lehrt (o. lobt) die Henne.
Estland

Das Ei lehrt die Henne, wie man brütet.
Bantu

Das Ei meistert die Henne.
i] Der Junge, Unerfahrene will den Alten, Erfahrungsreichen belehren, tadeln, zurechtweisen
fr] Il veut apprendre à sa mère à faire des enfans.

Das Ei muss nicht klüger sein wollen als die Henne.

Das Ei nach dem Huhne werfen.
i] Die Wurst nach der Speckseite

Das Ei neben das Nest legen.
i] Etwas verkehrt anfangen

Das Ei soll nicht klüger sein wollen als die Henne.
la] Majori minor cedat in arte sua. Anonius

Das Ei tanzt nicht mit einem Stein zusammen.
Afrika

Das Ei will klüger als die Henne sein.

Das Ei will klüger sein als die Henne.
en] Don't teach your grandmother to suck eggs.
fr] Ce n'est pas à un vieux singe qu'on apprend à faire des grimaces.
sp] Aún no ha salido del cascarón y ya tiene presunción.

Das Ei, das die Henne Sonntags legt, hat auch einen Dotter.
i] Auch das Gute, was ich an Festtagen tue, hat seinen Wert

Das Eichhorn sitzt noch auf dem Baume (o. Aste) und man schnitzt schon den Bratspieß.
Litauen

Das Eichhörnchen schützt seine Behendigkeit, den Bären seine Stärke.
Russland

Das eigen Herz überwinden, ist mehr den siegen vor den feinden.
la] Vincere cor proprium plus est quam uincere mundum.

Das Eigen verachten und das Fremde lieben.
la] Alienum amamus, proximum contemnimus.

Das eigene Auge ist der König.
Estland

Das eigene Auge sieht alles.
Estland

Das eigene Auge täuscht (ja) nicht.
Estland

Das eigene Bedürfnis ist der beste Fronvogt.
Estland

Das eigene Dach behütet vor Ungemach.

Das Eigene einer jeden Landes- und Volkspoesie, besonders im Dramatischen, besteht darin, dass sie auf einem Gegensatz beruht, auf einen Gegensatz hinarbeitet, gleichsam vis-á-vis eines Gegensatzes sich in bezug auf ihn heraushebt.
Goethe, Riemer, 28.8.1808

Das Eigene erwartest, aber Fremdes nimmst auch an.
Estland

Das eigene Haus in Ordnung zu halten fällt den meisten genau so schwer, wie eine Provinz zu regieren.
la] Domum suam coercere plerisque haud minus arduum est quam provinciam regere.

Das eigene Haus ist ein goldenes Nest, das fremde Haus eine Nesselstaude.
Estland

Das eigene Haus ist für jeden die sicherste Zufluchtsort. [RSpW]
la] Domus tutissimum cuique refugium atque receptaculum.

Das eigene Hemd ist am nächsten.
Estland

Das eigene ich ist ein ärmlicher Mittelpunkt für eines Mannes Handeln.
Bacon, Von der Selbstsucht

Das eigene Kind ein Semmelchen, des anderen Kind ein Dreckfladen.
Estland

Das eigene Kind geht weinend, kommt lachend, das fremde Kind geht lachend, kommt weinend.
Estland

Das eigene Kind ist das Kindchen, das Kind der anderen ein Spänchen.
Estland

Das eigene Kind ist ein Goldstück.
Estland

Das eigene Kind ist immer am liebsten.
Estland

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