Weisheiten 534

Der heimliche Lauscher wird taub.
Estland

Der heimliche Zorn frisst mehr Menschen auf, als der äußere.

Der Heiratstaler gilt nur acht (vier) Groschen.
Pommern

Der Heireri sieht nit wohl, hört nit wohl und kann nit recht reden, drum muss er ein Pfarrer werden.

Der heißt mit Unrecht mir ein Mann, der seine Frau nicht meistern kann.

Der Heitere hat immer recht.
Isaak Babel (1894-1941), an W. P. Polonski, 28. 11. 1928

Der Heitere ist den Betrübten, der Traurige den Vergnügten zuwider.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (Papagei)

Der Held dringt kühn voran, der Schwächling bleibt zurück.
Schiller, Das Spiel des Lebens

Der Held frisst keine Käskörbe.

Der Held ist heiter - das entging bisher den Tragödiendichtern.
Nietzsche, Nachlaß (Unschuld des Werdens)

Der Held scheint nur von einem Metier zu sein, nämlich dem Kriegshandwerk; wogegen der große Mann von allen Metiers zu sein scheint, sei es der Robe, des Degens, des Kabinetts oder Hofes. Beide zusammengetan wiegen jedoch einen rechtschaffenen Mann nicht auf.
La Bruyère, Charaktere

Der Held zeigt wohl seine Narben, aber nur der Bettler seine Wunden.
Jean Paul, Politische Fastenpredigten

Der Helden Kinder sind und werden gemeiniglich Landschäden.

Der Heldentod (...) ist politische Münze, ist als solche Falschgeld (...)
Heinrich Böll, Worte töten Worte heilen

Der helge Zink Jan (24.6.) will drei Duden han.
So sagt man im Bergischen. In Aargau heißt es: Johanni muss drei Mâ hâ. Darauf beruht der Volksglaube, vor Johanni dürfe man nicht klettern, nicht baden, nicht im Gewitter spazieren gehen, sonst stürze man zu Tode, ertrinke, werde vom Blitz erschlagen.

Der helle Tag ist lästig, der trübe Tag Erholung.

Der Heller gilt nirgends mehr, als wo er geschlagen ist.
ndt] Der Heller gilt am mesten, wu a geschloan ist.

Der Heller macht den (o. die) Gulden ganz.

Der Heller macht die Gulden ganz.

Der Hengst ist frei wie der Farre.
[RSpW]
i] Jedermann konnte Tiere, die auf seinem Gute Schaden verursachten, pfänden, doch fand bei Flurbeschädigungen durch Tiere eine Beschränkung des Pfändungsrechts zu Gunsten aller Fasel-, d.i. Zuchttiere statt. 'Alles Zielvieh ist gefreit; geht es dem Manne zu Schaden, er darf es nur mit einem Sommerladen aus dem Korne treiben.' Um seines gemeinen Nutzens willen war der Hengst ebenso frei wie der Farre oder Zuchtstier. Es war nur erlaubt, sie mit einer kleinen Gerte, also mit möglicher Schonung, aus dem Garten zu treiben, 'das erstemal drei Raine weit, das zweitemal sechs Raine weit; kommt er aber zum drittenmal, weil ihm die Weide so schmeckt, so soll ihm der Bauer auch zu trinken bringen'. Auch die Sau durfte ihre Ferkel frei durch eines anderen Ackerland führen. Einer besondern Unverletzbarkeit hatte sich eine weiße Sau mit neun schneeweißen Ferkeln ohne Flecken zu erfreuen. 'Gehen diese in das Korn, man darf darauf nicht werfen noch schlagen, sondern sie nur über die Furche, d.i. des Ackerlandes Grenze jagen.'
mhd] Hengst ist frey wi der fahr.

Der Hengst wiehert seit allerlängst.

Der Henker danke dem Schiedsmann, wenn das Balgen geschehen ist.

Der Henker führe den weg, der es wil besser machen denn ers gelernt hat.
Luthers Tischreden

Der Henker hat's geholt.

Der Henker ist (gar) ein scharfer Barbier.

Der Henker ist los.

Der henker ist pfarrherr worden.
z] Da einer zu ehren auffsteigt wieder iedermanns hoffnung.
z] Der hirt ist wirt, der zanbrecher prediger.

Der Henker könnte sterben, ich würde doch nichts erben.

Der Henker mit dem Schwerte schlägt dem, so vor ihm ist, den Kopf ab, und dräuet denen, so hinter ihm sind.
i] Zur Abschreckungstheorie

Der Henker Polens.
i] So wurde General Potapoff, der gewesene Chef der Polizeiabteilung in Petersburg und Minister des kaiserlichen Hauses, genannt.

Der Henker sagte zu seinem Knechte: Geh und werd' ein Krämer.
i] Die alten Deutschen hielten die Krämerei für ein unehrliches Gewerbe

Der Henker schlägt seine Großmutter.
i] Es ist bald Regen, bald Sonnenschein
fr] Le diable bat sa femme.

Der Henker schlug seinen Knecht darum, das er keine Widerrede wusste.

Der Henker soll ihm den Lohn geben.
i] Auch mit dem Zusatz: Geh' zum Henker und lern' das Hexen!
ho] Loop naar den hemel, en verkoop je aan de hel.
la] Ad corvos.

Der Henker soll ihm die Augen ausstechen und der Teufel in die Luken scheißen.

Der Henker sünd nicht, wenn er richt; wer recht tut, darff jhn forchten nicht.

Der Henker tut manchem weh, ein loser Schwätzer noch viel meh.

Der Henker wird auf seiner Hochzeit tanzen.
i] Er wird gehängt werden
i] Man hat dafür auch die Redensart: Die Raben werden bei ihm Freitafel halten. Er wird in der Luft das Luftschöpfen vergessen. Er wird Feldbischof werden und den Segen mit den Füßen geben. Er wird mit einer Seilerstochter Hochzeit machen. Er wird ins Kloster der dürren Brüder gehen. In Holland nennt man den Henker oder Scharfrichter den haarlemschen Doktor, und man sagt sprichwörtlich von einem, der seine Strafe ohne Gnade empfangen hat: Hij heeft van den Haarlemschen dokter de benedictie op het schavot ontvangen.

Der Hennen gatzen leidt man vmb der eyr willn.
la] Laeta quies fessis, dum venit optima messis.

Der herausragende Pfahl wird von den Wellen gepeitscht.

Der herbe Wein sei dir lieb.
Venetien

Der Herbst ernährt, der Frühling macht schwach.
Estland

Der Herbst füttert, der Frühling mergelt aus.
Estland

Der Herbst geht auf die Seite des Knechtes, der Frühling geht auf die Seite des Herrn.
Estland
i] Die Tage werden im Herbst kürzer, im Frühling länger

Der Herbst hat des Sommers Augen, aber des Winters Zähne.
Estland

Der Herbst hat sieben Speisetische, der Frühling kein (Brot)laibchen.
Estland

Der Herbst ist eingebracht.

Der Herbst ist immer unsere beste Zeit.
Goethe, An Schiller, 27.6.1797

Der Herbst kommt früh genug, wenn er gute Früchte bringt.
la] Longius modo tutius.

Der Herbst kommt, das Herz groß (d.i. es wird kalt), der Frühling kommt, Schrnucksachen an.
Estland

Der Herd bleibt doch heiß, wenn schon das Fewr gelescht ist.

Der Herd ist eine Frau.
Hindi, Indien

Der Hering ist ein einfach Essen, man braucht nicht lange zuzumessen.
dä] Sild er selv-skifter mad.

Der Hermelin singt keine Psalmen, aus Freude darüber, dass sein Pelz vom Zaren so hoch geehrt wird.
Russland

Der Herr auf dem Lande ist ein tüchtiges Fieber für den Meier und eine Wohlfahrt für die Meierei.
Italien

Der Herr bedarf ihrer, wie Sanct-Matthäus schreibt.
i] Um eine Ablehnung oder ein Verlangen zu begründen
ho] Het is't evangelie van Palmzondag: De Heer heeft het zelf noodig.

Der Herr befehl, muss aber selbst verrichten.

Der Herr befiehlt und nicht der Knecht.
la] Caput imperat, non pedes.

Der Herr befiehlt's dem Knecht, der Knecht befiehlt's der Katze und die Katze ihrem Schwanze.
i] Wenn sich keiner zuständig fühlt.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.
Psalm 121, 8

Der Herr behüte deinen Eingang, wenn du Geld hast, und deinen Ausgang, wenn du bezahlt hast.

Der Herr bekam einen Schnupfen, und alle Diener niesten.
Polen

Der Herr beschert vns vber nacht.

Der Herr bewahre meinen Mund, sagte die Frau, da hatte sie alles gesagt, was sie wußte.
Nordschleswig

Der Herr Christus hat am meisten von gelehrten mussen leiden.

Der Herr Christus ward vom Teuffel in die wüsten gefürt, und hat sein Creutz nicht selbst gemacht.

Der Herr des Hauses gibt nicht ein Feld an zwei Ehefrauen.
Jabo, Afrika

Der Herr des Hauses ist der Gast des Dieners.
Türkei

Der Herr des Narren lacht nicht über ihn.
Bantu

Der Herr färbt einem den Pelz; auch wenn er scherzt.
Litauen

Der Herr fühlt nicht wie schwer der Sack ist, den der Knecht trägt.

Der Herr führt seine Heiligen wunderlich. (Psalm 4, 4) Oft ironisch

Der Herr führt seine Heiligen wunderlich.
Psalm 4, 4
i] Oft ironisch
la] Et scitote quam mirificavit dominus sanctum suum.

Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf.

Der Herr gibt jedermann so viel als er jhm gan.

Der Herr hat einen Schwindelgeist unter sie gegossen.
Jesaias, 19, 14

Der Herr hat es mir gegeben, und der Teufel soll es mir nicht nehmen.
König Karl XII. von Schweden, bei Voltaire, Geschichte Karls XII., 1. Buch

Der Herr hat ihm einen Pelz versprochen, aber auch sein Wort ist warm.
Russland
fr] Promesse de grand n'est pas héritage.

Der Herr hat sie gemacht und der Herr hat sie gepaart.
Bergamasken

Der Herr hat übel befehlen, der den Diener macht zu seinem Gesellen.
dä] Den herre bedrages som holder sin svend lige ved sig selv.

Der Herr hat uns zusammengefügt, sagte die Frau, als der Mann sie bei den Haaren hielt.

Der Herr hat Zeit, um zuzuhören, der Bettler hat keine Zeit, um zu bitten.
Estland

Der Herr hat zuerst sich selbst und erst dann den Aposteln die Füße gewaschen.

Der Herr hat's befohlen und muss es selber holen.
Polen

Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt.
Hiob I, 21
dä] Herren gav, herren tog.

Der Herr 'Ich-muss-selber-sehen' gerät ins Unglück.
Bantu

Der Herr im blauen Haus (Gott) macht alle Händel aus.
Oberösterreich

Der Herr im Feld, die Frau im Zelt, so fehlt's im Hause nicht an Geld.
bm] Hospodář, má páchnouti vĕtrem, a hospodynĕ dýmem.

Der Herr ist das Auge des Hauses.
Italien

Der Herr ist des Hauses Auge.
i] Er muss auf alles sorgfältig achten, was im Hause vorgeht.
it] E l'occhio della casa il di lei padrone.

Der Herr ist einer von den schlechten, der selbst sich fürchtet vor den Knechten.

Der Herr ist gut, wenn man seinen Willen tut.
dä] Herren er god, giør man hans villie.

Der Herr ist karg, die Frau ist wunderlich.
z] Singt man dem kargen am newen jare.

Der Herr ist kein Bruder, sagte der Ochsenjunge zum Kühbuben, der ihn duzte.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser; er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
la] Dominus pascit me, et nihil mihi deerit: In pascuis virentibus me collocavit, super aquas quietis eduxit me, animam meam refecit. Deduxit me super semitas iustitiae propter nomen suum.

Der Herr ist nicht mächtig, der seiner Vnder thanen nicht mechtig ist.

Der Herr ist nicht mehr hier, er ist auferstanden, schrieb der Dieb ans Sakramenthäuschen, worin der Pfaff seinen Schatz bewahrt.
i] Ein Priester hatte sein Geld, um es recht sicher zu haben, im Sakramenthäuschen verborgen und darauf geschrieben: Der Herr ist an diesem Orte (Dominus est in isto loco). Ein Dieb stahl den Schatz und schrieb darüber: Surrexit, non est hic.

Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!
Luk. 24, 34

Der Herr ist wie der Knecht.
la] Scilicet in vulgus manant exempla regentum.

Der Herr kann seinen Mann nicht niedern.
[RSpW]
i] Gehört dem Lehnrechte an. Musste der Lehnsherr heimfällige Lehen auch wieder ausgeben, so war er doch befugt, seine Rechte, samt dem Gute, worauf sie ruhen, an einen anderen zu übertragen, sodass das bisherige persönliche Band aufgelöst und der neue Erwerber verpflichtet wird, in dieses einzutreten; nur darf durch solche Veräußerung das standesrechtliche Verhältnis nicht verletzt werden. Der Lehnsmann braucht sich die Veräußerung an einen Ungenossen (dem Geburtsstand nach tiefer Stehenden), oder die Umwandlung in ein Burglehen nicht gefallen zu lassen, kann sich jedoch der Veräußerung an einen höhern Herrn nicht widersetzen.
mhd] Die herr en mach niet vernedern sinen man.

<<< operone >>>

DEUTSCH
001 002 003 004 005 006 007 008 009 010 011 012 013 014 015 016 017 018 019 020 021 022 023 024 025 026 027 028 029 030 031 032 033 034 035 036 037 038 039 040 041 042 043 044 045 046 047 048 049 050 051 052 053 054 055 056 057 058 059 060 061 062 063 064 065 066 067 068 069 070 071 072 073 074 075 076 077 078 079 080 081 082 083 084 085 086 087 088 089 090 091 092 093 094 095 096 097 098 099 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599
ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
FRANZÖSISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49
ITALIENISCH
1 2 3 4
LATEINISCH
1 2 3 4
PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10