Weisheiten 533

Der Hauptirrtum im Leben der Menschen besteht darin, dass jeder meint, sein Leben werde dirigiert von der Sucht nach Genuss und von der Abscheu vor Leiden.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1886)

Der Haupt-Leidtragende nimmt nicht am Begräbnis teil.
USA

Der Hauptpunkt der ganzen weiblichen Existenz ist die Gebärmutter.
Goethe, Einleitung in die vergleichende Anatomie

Der Hauptreiz der Kindheit beruht darauf, dass alles, bis zu den Haustieren herab, freundlich und wohlwollend gegen sie ist; denn daraus entspringt ein Gefühl der Sicherheit, das bei dem ersten Schritt in die feindselige Welt hinaus entweicht und nie zurückkehrt.
Friedrich Hebbel, Aufzeichnungen aus meinem Leben

Der Hauptschlüssel eines Reichen ist der beste Dietrich.

Der Hauptschlüssel eines Reichen öffnet mehr Türen als der eines Schlossers.
Frankreich

Der Hauptzug des Charakterlosen ist der Mangel an Gerechtigkeit im Urteil.
Goethe, Schriften zur Literatur - Entwurf zu einem Volksbuch historischen Inhalts

Der Hauptzug im Nationalcharakter der Italiener ist vollkommene Unverschämtheit. Diese besteht darin, dass man einesteils sich für nichts zu schlecht hält, also anmaßend und frech ist; andernteils sich für nichts zu gut hält, also niederträchtig ist. Wer hingegen Scham hat, ist für einige Dinge zu blöde, für andere zu stolz. Der Italiener ist weder das eine noch das andere, sondern nach Umständen allenfalls furchtsam oder hochfahrend.
Schopenhauer, Nachlaß, Neue Paralipomena

Der Hauptzweck aller Plastik, welches Wortes wir uns künftighin zu Ehren der Griechen bedienen, ist, dass die Würde des Menschen innerhalb der menschlichen Gestalt dargestellt werde.
Goethe, Schriften zur Kunst - Verein der deutschen Bildhauer

Der Hausfrau Augen kochen wohl.

Der Hausfrau Ehre ist mehr als des armen Mannes fünf Kühe.
Estland

Der Hausfrau guter Ruf geht durch die Löcher der Kleider davon.

Der Hausfrau Name ist wohl in Ehren, das Hausfrausein aber etwas ganz anderes.
Estland

Der Hausfriede ist ein tägliches Wohlleben.

Der Hausfriede kommt von der Hausfrau.

Der Haushalt dick (= groß), brodelt häufig der Topf.
Estland

Der Haushalt groß, brodelt häufig der Topf.

Der Haushalt hat ein gross Maul.
i] Das Jahr ist lang, und alle Tage will er haben

Der Haushalt ist der beste, in dem man nichts Überflüssiges will, nichts Notwendiges entbehrt.
Plutarch, Das Gelage der Sieben Weisen

Der Haushalt ist der Nerv des Staates. Daher muss er den profanen Augen der Untertanen entzogen werden.
Richelieu

Der Hausherr geht den Gästen voran.

Der Hausherr im Haus ist wie der Bär im Walde.

Der Hausherr weiß als erster, wann Salz und Reis teuer sind.

Der Häusler und der Inste - sie beide haben viele Kinder.
Estland

Der häusliche Kreis ist so enge, so leer.
Wilhelm Hauff, Mitteilungen aus den Memoiren des Satan

Der Hausmutter augen kochen wol, und des herrn fustappen tüngen den Acker wohl.
Luthers Werke
z] Haben die Weisen gesagt; d.i. das Herr und Fraw selbst vleissig zusehen und ein aug darauff haben sollen wie es zugehet.

Der Hausrat verderbet den Stadtrat.
z] Von der Kinderliebe und Versorgung sagt das alte Sprichwort: der Hausrat verderbet den Stadtrat.

Der Haussegen besteht in vier: in einem gnädigen Gott, in einem gesunden Leib, in einem tugendsamen Weib, in einem seligen Tod.

Der Hausstand mehret und nähret, der weltliche Stand dem Bösen steuert und wehret, der geistliche Stand unterrichtet und lehret.

Der haust am besten, der seiner Sache selbst Erbe ist.
i] Symbol der Genusssucht

Der Haustochter Arsch ist nur dann zu berühren, wenn man einen Finger nass taucht.
Estland
i] Wenn man vom Arsch der Haustochter einen Floh fängt

Der Haustochter Magen ist klein, der des Waisenkindes groß.
Estland

Der Hausvater ist die Seele des Hauses.
it] L'huomo è l'anima della casa.

Der Hauszins schläft nicht, wir mögen wachen oder schlafen.

Der Hauszins steht nie still.

Der Haut fürchten.

Der hebe Herrgott hat die Menschen an einem Tage gemacht, sie sind aber auch danach geworden.

Der Hebel ist für zwei Männer.

Der Hebel muss sich nach der Last richten.

Der Hechel, entspricht die Hede.
Russland

Der Hecht frisst den Karpfen aus Liebe.

Der Hecht ist des Fisches Wolf.

Der Hecht kennt den Boden des Sees, und Gott den Boden des Meeres.
Finnland

Der Hecht kennt die Tiefe des Teichs, Gott die Tiefe des Meeres.
Finnland

Der Hecht spielt nicht mit kleinen Fischen.

Der Hecht war doch blau.
i] Zur Bezeichnung einer gern widersprechenden Frau nach einer Gellert'schen Fabel: Die Widersprecherin.

Der Heckerhut macht böses Blut.
i] Bezieht sich auf die Kämpfer für die deutsche Reichsverfassung unter dem badischen, jetzt in Illinois lebenden Volksführer Fr. Hecker, dessen Hutform den Freischaren als Muster für ihre Kopfbedeckung galt. Bei der aufgeregten Stimmung jener Zeit erregte der Hut den Hass der politischen Gegner, und mitunter in einem Grade, der einen Lieutenant zu der Äußerung hinriss: 'Wer einen Heckerhut trägt, dem spaltet den Schädel.' (Westdeutsche Zeitung, 1849

Der Hedonist fordert existentielle Satisfaktion.
Alexander Eilers

Der heget adelig Gemüt,
Dem selbst der Mut in Freiheit blüht.
Joh. Friedr. Fischart, Bündnuß v. Verain d. Freien Stätt Zürich, Bern v. Straßburg (1588)

Der Hegewisch hat immer einen Strohkopf.

Der Hehler ist ärger (o. schlimmer) als der Stehler.

Der Hehler ist fauler als der Stehler.

Der Hehler ist nicht besser als der Stehler.

Der Hehler ist so schlimm (o. gut) der Stehler.
en] The receiver is as bad as the thief.
fr] Autant celui qui tient l'échelle que celui qui écorche.
it] Tanto à ladro chi ruba quanto che tiene il sacco.
la] Socius fit culpae, qui nocentem sublevat.
sp] Hay ladrones porque hay encubridores.

Der Hehler ist so schlimm (o. sträflich) wie der Stehler.

Der Hehler leidet gleich dem Diebe.

Der Hehler macht den Stehler.

Der Hehler und der Finder sind zwei schlimme Kinder.
i] Unter Diebeshehlern werden alle diejenigen verstanden, welche Diebe und Räuber wissentlich und in böser Absicht bei sich aufnehmen, sie mit Unterhalt versorgen und ihnen das gestohlene Gut abnehmen. Da sie in vielen Stücken gefährlicher sind, als die Diebe selbst, die durch sie nur sicher werden, so haben unsere Vorfahren geglaubt, dass sie ebenso bestraft zu werden verdienten, als die letztern selbst. Und dies ist eben der Sinn des Sprichworts. So sagt das Sächsische Landrecht: 'Wer Diebe behauset, oder Raub behelt, oder Einen mit Hilfe dazu stärket, wird er des überwunden, man soll über ihn richten, als über jenen, der es selbst gethan.' Viele Diebe sagen, sie haben es gefunden; auch von den Findern, welche das Gefundene dem rechtmäßigen Eigentümer nicht wiedergeben

Der Hehler und der Stehler gehören beide in die Helle.

Der Hehler und der Stehler sind beide Diebe.

Der Hehler und der Stehler sind ein Gumpisch (Mischmasch).

Der Hehler und der Stehler sind gleiches Lohns wert.

Der hehre Name wird, so mein ich, profaniert,
Wenn man ihn überall und stets im Munde führt.
Molière, Der Menschenfeind

Der Heiland wird Schnee (Wind, Regen) schicken.
Oberlausitz
i] Im Kreise derer entstanden, die auch die gewöhnlichen Naturerscheinungen vom Heiland ableiten, und später, vielleicht nur ironisch, weiter verbreitet.
z] Seelen, die sich nicht ganz in das ewige Wesen versenkt haben, dass sie ihren Bissen Brot nur in dem Heiland essen und denen das im Namen Jesu auf den Abtritt gehen noch ein Geheimnis ist, verfallen in allerlei Zweifel. Büddings Sammlung, Mystagogos, Hainburg 1858

Der heilige Abt Gallus ist den Schweizern gewogen, der Hahn hat gekräht, da Petrus hat gelogen, und alle wissen, dass die Franzosen sein betrogen.
i] Wortspiel mit dem Wort Gallus, das a) Name eines Abtes ist, b) einen Hahn und c) einen Franzosen bezeichnet

Der heilige Ambrosius (4.4.) schneit oft dem Bauern auf den Fuß.

Der heilige Blasius (3.2.) stößt dem Winter die Hörner ab.

Der heilige Christ hat das Bescherte wieder gestohlen.
i] Wenn Tauwetter zu Weihnachten eintritt und den kurz vorher gefallenen Schnee beseitigt

Der heilige Christ hat mir einen Quark beschert.

Der heilige Christ hat zur Eisbrück gelicht, sollt' sie nicht sein, so beschert er sie ein.

Der heilige Christ ist in Kot gefallen.

Der Heilige des Dorfes ist ein Betrüger (Verrückter).
Ägypten

Der Heilige des Tages ist der größte unter den Heiligen des Himmels.
i] Leibniz redet einmal von gewissen Menschen ohne Grundsätze, die sich immer von dem Eindrucke des Augenblicks bestimmen lassen. 'Ihnen ist die Beschwerde des Augenblicks immer die größte Beschwerde und das Vergnügen des Augenblicks immer das größte Vergnügen: sie gleichen jenen panegyrischen Predigern ohne Takt, bei denen, wie das Sprichwort sagt, der Heilige des Tages immer der größte sein muss unter allen Heiligen des Himmels.

Der heilige Franziskus barbierte zuerst sich selbst und dann seine Mönche.
Italien

Der Heilige Geist ist der Gottseligen, die Erfahrung aber der Gottlosen Schriftschlüssel.

Der Heilige Geist spricht aus ihm.
ho] De Heilige Geest spreekt uit zijn' mond.

Der Heilige hat seinen Weihrauch verloren.
ho] De heilige verliest zijnen wierook.

Der heilige Hiob ging über Land, er nahm den Stab in seine Hand. Warum bist du so traurig? Weil mir mein Mund tut faulen. So nimm das Wasser in den Mund und lass es laufen durch den Schlund.
Schwäbischer Zaubersegen gegen Mundfäule

Der heilige Joseph (19.3.) sagt: Wenadit (Benedikt) steh af und bou Hawan. Benedikt aber antwortet: Is noch um drei Tag z' bal, noh insa lieben Fraun is guet baun.
Oberösterreich
i] Um diese Zeit wird der sogenannte Märzhafer gebaut, auf den man viel Wert legt.

Der heilige Laurentius hat auch auf dem Rost noch gelacht, was nur beweist, wie nah das Lachen dem Tod ist.
August Everding

Der heilige Leopold (15.11.) ist dem Altweibersommer hold.

Der heilige Mamerz (11. Mai)
hat von Eis ein Herz;
Pankratius (12.) hält den Nacken steif,
sein Harnisch klirrt von Frost und Reif;
Servatius (13.) Mund der Ostwind ist,
hat schon manch' Blümlein totgeküsst.

Der heilige Mamerz (11.5. Mamertius),
der hat von Eis ein Herz,
Pankratius (12.5.) hält den Nacken steif,
sein Harnisch klirrt von Frost und Reif,
Servatius' (13.5.) Mund (o. Hund?) der Ostwind ist -
hat schon manch' Blümlein totgeküsst,
und zum Schluss, da fehlet nie,
die eisigkalte Sophie (14.5.).

Der heilige Martin mocht' es wohl wissen, warum er seinen Mantel entzweigerissen.
i] Bezieht sich auf die bekannte Legende von dem Heiligen, der, als er einen nackten Bettler erblickte, seinen Mantel mit ihm teilte.
pl] Wiedział święty Marcin, za co dał plaszcza uciąc.

Der heilige Martin treibt den alten ans Kamin.
pl] Swię tego Marcina stary do komina.

Der heilige Nepomuk (16.5.) trieb uns die Wassergüß' zuruck.

Der Heilige nimmt auch mit Talgkerzen fürlieb, wenn ihm keine Wachskerzen angezündet werden.

Der heilige Sebastian ist gut, sprach der Mönch; wie ich auch mit ihm teile, er schweigt und ist zufrieden.

Der heilige Sebastian macht um eine Stunde kürzer die Nacht.
it] Per San Bastiano un' ora abbiamo.

Der Heilige Stuhl; kirchliche Gewalt
la] sancta sedes

Der Heilige tut die Wunder und der Priester nimmt die Kerzen.

Der Heilige, der keine Wunder vollbringt, hat wenige Pilger.
England

Der Heilige, der von nichts erlöst, hat keine Pilger.
fr] Le saint qui ne guérit de rien n'a pas de pèlerins.

Der heiligen Fegfewer ist jhr tägliche Buss und Creuz und das absterben des alten Adams.

Der Heiligen Gut hat der Wehre nicht.

Der Heiligen Gut.
z] Er nimmt es von der Heylchen gut; hett ers nit, sein pfründ wer ringer und hett zu schlecken kaum die finger.

Der heiligen Mut sihet nicht auff zeitlich gut.
i] Es ist zwischen Heiligen und Heiligen ein großer Unterschied, zu denen, welche das Sanct vor sich zu haben pflegen, darf man in der Regel nicht mit leeren Händen kommen

Der Heiligen Plätze vererben sich leichter als ihre Heiligkeit.
Russland

Der Heiligen sind nicht solche Haufen, als ihrer in die Kirche laufen.
la] Non omnes sancti, qui calcant limina templi.
la] Non omnes sancti sunt, qui delubra deorum intrant.

Der Heiligenschein macht den Heiligen nicht.
z] Er ist ja von Rubens dem Kopfe der ruchlosen Maria von Medici, und von einem neuern Künstler sogar dem Kopfe des neben dem heiligen Lukas stehenden Ochsen gegeben worden. W. Ranke, Verirrungen der christlichen Kunst, Breslau 1855

<<< operone >>>

DEUTSCH
001 002 003 004 005 006 007 008 009 010 011 012 013 014 015 016 017 018 019 020 021 022 023 024 025 026 027 028 029 030 031 032 033 034 035 036 037 038 039 040 041 042 043 044 045 046 047 048 049 050 051 052 053 054 055 056 057 058 059 060 061 062 063 064 065 066 067 068 069 070 071 072 073 074 075 076 077 078 079 080 081 082 083 084 085 086 087 088 089 090 091 092 093 094 095 096 097 098 099 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599
ENGLISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
FRANZÖSISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49
ITALIENISCH
1 2 3 4
LATEINISCH
1 2 3 4
PORTUGIESISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20
SPANISCH
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10