Weisheiten 532

Der hat nie (wenig) Weizenbrot gegessen.
i] Von einem beschränkten Menschen, weil der Genuss des Weizenbrotes als stärkend für die Verstandeskräfte gilt.

Der hat nie das Glück gekostet,
Der die Frucht des Himmels nicht
Raubend an des Höllenflusses
Schaudervollem Rande bricht.
Schiller, Hero und Leander

Der hat nie das Glück gekostet,
Der's in Ruh genießen will.
Th. Körner, Leichter Sinn

Der hat nie ein schlimmes Jahr, wer sparsam im guten und schlimmen war.

Der hat nie hören im Maien die Vögel singen.
i] Der Gefühllose.

Der hat nimmer zeit, der sie nicht ergreifft und Reit.
la] Fugit irrevocabile tempus.
la] Quisquis potest rebus succurrere, nemo diebus.
un] Az idö járton jär, semmi szóra nem vár.

Der hat noch immer Trost gefunden, der ihn zu suchen war bereit.
en] He has always found consolation who was prepared to seek it.

Der hat noch keinen Berg umgerissen, wird auch keinen umreißen.

Der hat noch nicht ellend (Elend) und not, so etwan muss essen schimlig brot, und fleisch so yetz anhebt zu stincken, auch seigern wein darzu trincken.
la] Non miser est hic mas, cuius in saepe coquina mucidus est panis, caro rancida, pendula uina.

Der hat Pavesen (pavones) im Kopf.
la] Tineas pascit.

Der hat Pulver gerochen.

Der hat Regiments genug, der Weib und Kinder zu regieren hat.

Der hat Religion.
i] Soviel wie: er hat Batzen, Knöpfe, Moos, Weißzeug, d.h. Geld.

Der hat Risse im Kopf.
i] Ist nicht recht gescheit.

Der hat 's Geld im Sacke.

Der hat 's Glück, wenn er zum Anrichten kommt, ist der Napf umgekehrt.

Der hat 's Lachen und 's Weinen in einer Zain (Korb).
la] Iisdem e litteris tragoedia et comoedia componitur.

Der hat 's Maul auf dem rechten Fleck.

Der hat Sau. Tübingen

Der hat schon auf dem Klavier gespielt.
ho] Hij heeft alle klaviertjes aangeroerd.
ho] Hij heeft geen klaviertje overgeslagen.

Der hat schon gepockt ün gemuselt.
Jüdisch-deutsch, Warschau
i] Der hat die Pocken und Masern hinter sich. Von einem vielerfahrenen Menschen, der schon manches durchgemacht hat.

Der hat schon oft daran geleckt und noch nichts abgeleckt.
i] Versucht, bei irgendetwas zu gewinnen und ist immer leer dabei ausgegangen; hat schon oft in die Lotterie gesetzt und vergeblich auf einen Gewinn gehofft.

Der hat schon wildere Vögel gefangen.
i] Er hat schon viel erfahren, Schwereres durchgemacht.
dä] Han har fanget saa vild en fugl til form.
dä] Han har før seylet saa høy en søe.
dä] Har før været med at tage Peder paa loftet.

Der hat schwere Träume, der vor der Höllenpforte schläft.

Der hat sein Brot all gessen.

Der hat sein Ehr nicht wohl verwahrt, der sein Weib mit einer anderen spart.

Der hat sein Ei gelegt.
Nürtingen
i] Er hat das Seinige getan

Der hat sein Pfeufla (Pfeiflein) g'schniet'n.
i] Hat seinen Vorteil daraus gezogen, auch wohl mit dem Nebenbegriff: unter Anwendung nicht erlaubter Mittel und Wege.

Der hat sein Werk schier halb vollbracht, der den Anfang gut gemacht.
la] Dimidum facti, qui bene caepit, habet.

Der hat seine Naupen.
i] Von einem Menschen, mit dem schwer auszukommen ist, der seine Eigenheiten, Einbildungen, Launen hat. Auch von Dingen und Unternehmungen, die schwierig sind, sagt man: Das Ding hat seine Naupen. Die Erklärung des Wortes Naupe oder Naube ist schwierig.Man hält es mit gnaupen, knaupen, Bewegungen wie ein Hinkender machen, zusammen. Bei den Talmudisten kommen, um Schwierigkeiten zu bezeichnen, ähnliche Redensarten vor, als: Hier seh' ich einen Knoten, und bei doppelten Schwierigkeiten: Man hat ihm zwei Knoten gemacht.

Der hat seine Rolle ausgespielt.

Der hat seinen aparten Schulchen-aruch.
i] Sein eigenes Gesetzbuch, wie es zu seinem Vorteil passt oder ihm bequem ist. Schulchen-aruch (der gedeckte Tisch) ist der Titel eines Werks, worin alle rabbinischen Vorschriften geordnet enthalten sind.

Der hat seinen Dreck nicht weggetan, der ihn unter sein Fenster fegt.

Der hat seinen Himmel hier.
fr] Ils font leur Paradis en ce monde.

Der hat seinen Kopf für sich.
i] Erinnert an die Anekdote von Friedrich dem Großen im Wachsfigurenkabinet und dem Gardisten.

Der hat seinen Mahnbrief ehelicher Geburt; darum so liegt die Gabel in der Streu und die Katze auf dem Herd.

Der hat seinen Tee kriegt.
Österreich
i] Eine Tracht Prügel, auch wohl eine mündliche Lektion.

Der hat seinen Verstand im Ellenbogen.

Der hat seinen Verstand in den Hörnern.

Der hat seinen Verstand in der Kniescheibe.
ho] Het verstand is hem in de kniën gezakt.
ho] Hij heeft een goed verstand, maar het ligt wat laag (of: het will er niet uit).
ho] Hij heeft een goed verstand, maar het zit wat diep.
ho] Zijn verstand zit hem in de hielen.

Der hat sich belämmert.
i] Wenn jemand etwas tut, wovon er keinen Nutzen, sondern Spott und Schande hat

Der hat sich den Rest gegeben.

Der hat sich den Tod selber geholt.
ho] Het heeft zich zelven den dood gekocht.

Der hat sich die Zunge nicht am Brei verbrannt, der sich mit einem Weibe zanken kann.

Der hat sich ein Horn aufgesetzt.
Nassau

Der hat sich einen bedeutenden Haarzopf angelegt.
i] Ist stark angetrunken

Der hat sich gut in den Dreck gesetzt.
i] In eine unangenehme Lage, in eine Verlegenheit gebracht

Der hat sich mit dem Teufel gebissen.
Luther

Der hat sich wohl gebettet,
der aus der stürmischen Lebenswelle,
zeitig gewarnt, sich herausgerettet
in des Klosters friedliche Zelle,
der die stachelnde Sucht der Ehren
von sich warf und die eitle Lust
und die Wünsche, die ewig begehren,
eingeschläfert in ruhiger Brust.
Schiller, Die Braut von Messina, IV, 7

Der hat Sporen.
z] Ich weiß einen Heiligen, der hat Sporen. Dies ist sein Lob, des heiligen Georg.

Der hat um eins (o. eines) zu viel.
i] In Niederösterreich von jemand, in dessen Kopfe es nicht ganz richtig ist.
sinnverwandt] Der ist anbrennt. Der hat's nicht recht beieinander. Er ist nicht recht dahâm. Es fehlt ihm im Hirn. Er ist zu lang in der Pfann gelegen. Der Pfannenstiel hat 'n geschnellt. Er hat's nicht alle fünf beieinander.

Der hat viel auf der Beile.
i] Beile bezeichnet hier soviel wie Kerbholz, Rechnung

Der hat viel Mühe, der vor allen Türen kehren will.
mhd] Ain müe die anderen vindt, wers alles will besorgen.

Der hat viel zu tun, der seiner diener Schulmeister sein will.

Der hat vom Leben keinen Genuss, der jeden Bissen berechnen muss.
i] Der die Kosten von allem, was er isst und trinkt, veranschlagt.

Der hat von Schweden nichts gesehen, der Falun nicht gesehen.
i] Die Bergstadt Falun gehört zu den bedeutendsten Orten Schwedens.
la] Sueciam nescit, qui hunc locum nescit.

Der hat weit zum Reichtum, welcher zehn Scheffel aussäet und einen erntet.

Der hat wohl den Kopf im Sack.
Nürtingen

Der hat wohl einen guten Schlaf, der mit den Hühnern schlafen geht und aufsteht, wenn man zum Frühstück ruft.
ho] Het is een gezonde sleper, die met de hoenderen naar bed gaat en met de rammelen der tafelborden weder opstaat.

Der hat wohl geheirat, der ein frommes Weib hat.

Der hat wohl gejagt, der etwas gefangen hat.
fr] Il a bien chassé qui a pris.

Der hat Ziegenspeck.
i] Er ist hager, dürr. Ziegen haben bekanntlich Schmer, aber keinen Speck. Ich habe Ziegenspeck als Zubrot, heißt: ich esse trockenes Brot.

Der hat zu viel geschluckt, der daran erwürgt.
ho] Dat laet hem overgapen, daer men aen verworcht.
la] Intrat in os sepe mors et districtio gule.

Der hat zum Wortbrechen eingenommen.

Der hat zur Weisheit den ersten Schritt getan, der verließ der Torheit Bahn.
la] Sapientia prima est, stultitia caruisse. Horaz

Der hat zuviel geschluckt, der daran erstickt.

Der hat, das klingt, der kriegt, das springt.
dä] Har man kun det som klinger, man faaer vel den som springer.

Der hat'n Stolz wie a Kirchturm.

Der hat'n Sünd'nbouk mach'n möss'n.
Franken

Der hat's angefangen, jener hat's ausgemacht.
la] Hic telam texuit, ille deduxit.

Der hat's berechnet.
i] Von einem Schlauen, der zunächst auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist

Der hat's besser als ein Metzgerhund, er därf kein Kalb in Hintern beißen.
Rottenburg

Der hat's gesagt, ist kein Beweis.
i] Gegen den blinden Autoritätslauben.
jüdisch-deutsch] Vün emar Abaje is nit kein Raje (Beweisgrund). Warschau
i] Von den Reformjuden angewandt, um auszudrücken, dass in unsern Tagen das Talmudstudium keinen praktischen Nutzen biete. 'Abaje sagte' ist ein im Talmud oft wiederkehrender Satz.

Der hat's gleich beim Zuschneiden versehen.

Der hat's Glück, wenn er zum Anrichten kommt, ist der Napf umgekehrt.

Der hat's hinter den Ohren wie der Rotschimmel.

Der hat's hintern Ahrna (Ohren) wi der Gässbouk 's Inschelt (Talg, Unschlitt).
Franken

Der hat's ihm gegeben.

Der hat's im Griffe, wie die Zigeuner das Stehlen.
Böhmen

Der hat's in der Tasche.
i] Er ist wohlhabend, reich.

Der hat's mit 'n groß'n Löffel g'gessen.
i] Zur Schilderung eines Prahlhansen.

Der hats nit gut, der vmb gnad bit.

Der hat's überstanden, sagte der Schulze, als einer aus seiner Gemeinde gehängt worden war, aber wir haben's noch zu erwarten.

Der hat's wahre Licht.

Der hätt g'scheidter ins Bett geschisse.
Rheinpfalz
i] Wenn jemand arge Missgriffe macht

Der Hätti und der Wetti haben beide nichts.
Schweiz
i] Hätte ich und wollte ich, Wünschen und Klagen hilft beides nichts, Hand anlegen tut's

Der Hättich fliegt hoch.

Der Hättich und der Wolltich haben beide nichts.

Der Hättich und der Wolltich, desgleichen auch der Solltich sind leibhafte Brüder.

Der Haua en andera Stiel suacha.
i] Sich nach etwas anderm umsehen

Der Hauch (d. i. der Atem od. das Leben) geht nicht aus dem warmen Arsch heraus.
Estland

Der Hauch der Traurigkeit, und infolge davon des Todes, bedroht ohne Unterbruch die Flamme der Freude.
A. Vinet, Die Freude

Der Haue e Stiel finde.
Luzern

Der Hauer eines Elefanten kann wohl einen Löwen spießen, aber nicht der Zahn eines Ebers.

Der Haufen wird kleiner, wenn täglich auch nur ein Maul davon frisst.

Der Hauptbegriff der Metamorphose ist, dass die sich auseinander entwickelnden, der innern Naturmöglichkeit nach gleichen Teile, sich nach verschiedenen Umständen einander koordinieren, subordinieren und, wenn man sagen darf, superordinieren müssen. Die Metamorphose findet vorwärts wie rückwärts statt...
Goethe, Fragmente zur Botanik. Allg. Betrachtungen...

Der Hauptbeweis gegen das Dasein Gottes ist, dass uns das absolute Gefühl unserer Unsterblichkeit fehlt.
Hebbel, Tagebücher, 27. 7. 1835

Der Hauptfehler des Menschen ist, dass er so viele kleine hat.
Jean Paul, Siebenkäs

Der Hauptgrund für Scheidungen sind Hochzeiten.
Robert Lembke, Das Beste aus meinem Glashaus. Humoristisches und Satirisches

Der Hauptinhalt der Kultur, ihr Kern und ihr Sinn sind Wissenschaft, Technik und Kunst.
Maxim Gorki, Rede auf dem 1. Sowjetischen Schriftstellerkongreß

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