Weisheiten 521

Der Geschmähte ist immer anwesend.
Uganda

Der Geschreite muss ziehen oder fliehen.
[RSpW]
i] Dem Sprichwort liegt ein im Kanton Zürich bestehendes Rechtsverhältnis zu Grunde. Der Inhaber einer verpfändeten Sache hat als 'Geschreiter' die Wahl zu fliehen, d.h. sein Eigentum den Gläubigern zu überlassen, wodurch er von jeder weitern Verbindlichkeit frei wird, oder zu ziehen, d.h. die darauf haftende Schuld zu bezahlen.

Der geschriebene Buchstabe bleibt.
la] Littera scripta manet.

Der geschworene Bruder ist oft der ärgste Verräter.

Der Gesell im Mad, die Jungfraw im Bad geben eine gute Heirat.
i] Wenn die künftige Frau erst geboren wird, während der künftige Ehemann bereits ein junger Bursche ist
bm] Kdyz nevesta se rodí, zenich na kuñ sedej.

Der Gesellschaft wegen muss man nicht in die Hölle gehen.

Der gesellschaftliche Trieb gehört demnach unter die Grundtriebe des Menschen. Der Mensch ist bestimmt, in der Gesellschaft zu leben; er soll in der Gesellschaft leben; er ist kein ganz vollendeter Mensch und widerspricht sich selbst, wenn er isoliert lebt.
Fichte, Über die Bestimmung des Gelehrten

Der Gesetzgeber soll denken wie ein Philosoph. aber reden wie ein Bauer.
Ihering

Der Gestank des Knoblauchs überwältigt den Duft des Ambra.

Der Gestank verrät das Aas.

Der Gestank wird einen schon beerdigen.

Der gestern ein Ochsenjunge gewesen ist, will heut schon nicht Pferdeknecht sein.
bm] Býval volem, a nyní nechce ostati ani konĕm.

Der gestohlene Hase trägt seine Ohren nach außen.
Portugal

Der gestohlene Pfennig gilt so viel als ein anderer.

Der gestraft wird, ist nicht mehr der, welcher die Tat begangen hat.
Nietzsche

Der Gestresste fühlt sich wie ein Karpfen im Hechtteich.
Gerhard Uhlenbruck

Der gestrige Tag ist hin, und der morgende soll noch kommen; heute muss man leben.

Der gestrige Tag kommt nicht wieder.
la] Non potest dies esse saepius, qui semel fuit.

Der gesund ist unwissend reich.
dä] Sundhed er ubekiendt rigdom.

Der Gesunde braucht keinen Arzt.
Estland

Der gesunde Fuß geht zum Frondienst, der kranke Fuß geht auf den Ofen.
Estland

Der Gesunde hat den Arsch voller Sahne.
Estland

Der Gesunde hat den natürlichen Drang, sich körperlich zu betätigen, etwas zu schaffen.
Martin Andersen Nexö (1869-1954), Erinnerungen

Der Gesunde hat neunzig Wünsche, der Kranke nur einen.

Der Gesunde ist unwissend reich.

Der Gesunde kann dem Kranken gut Rat geben.
i] Auch in dem Sinne: Anderer Gebrechen sehen und die eigenen nicht merken.
bm] Snadno jest zdravému raditi nemocnému.
it] Facil è al sano di consigliar l'infermo.
la] Facile cum valemus, recta consilia aegrotis damus. Terenz

Der Gesunde mag dem Tod näher sein als der Sterbende. Er mag geistig tot sein, nur sieht man es nicht. Wer sind wir schon, das zu beurteilen?
Mutter Teresa

Der gesunde Mann aus dem Volk ist durch und durch wesentlich: leeres Gerede kennt er nicht. Wenn er spricht, wird es Hand und Fuß haben.
Hauptmann, Das Abenteuer meiner Jugend

Der gesunde Mensch ist schön und sein Zustandekommen erstrebenswert. Aber es muss ein bisschen irgendwelcher Krankheit in ihn kommen, dass er auch geistig schön werde.
Christian Morgenstern, Stufen: Psychologisches

Der gesunde Mensch kann durch nichts gerührt werden, dass nicht zugleich die Saiten seines Wesens erschüttert werden sollten, von denen die entzückenden Harmonien des Vergnügens auf ihn herabströmen.
Goethe, Theatralische Sendung II,5

Der gesunde Mensch zählt seine Jahre nicht.
Serbien
i] Vgl. Schiller: Die Uhr schlägt keinem Glücklichen.

Der gesunde Menschenverstand ist für den Geist, was die Anmut für den Körper ist.
La Rochefoucauld

Der gesunde Menschenverstand ist oft eine der ungesundesten Verständnislosigkeiten.
Ludwig Marcuse

Der Gesunde sagt zum Kranken: 'Gott gebe dir Gesundheit, Bruder!'
sp] Dice al doliente el sano: Dios te dé salud, hermano.

Der Gesunde soll dem kranken Mann helfen.

Der gesunde Verstand steht für mich heute höher als die Vernünftigkeit..., und deshalb finde ich mehr Gefallen an der Gotteslästerung Voltaires als an der Anerkennung der Autorität der Religion, der Gesellschaft, irgendeiner Person, wer es auch sein möge!
Belinski, an W. P. Botkin, 8. 9. 1841

Der Gesunde versteht nicht den Kranken, und der Kranke nicht den Gesunden.
Estland

Der Gesunde weiß nicht, wie dem Kranken zu Mute ist.
bm] Zdravý nemocnému neverì.
dä] Helbrede veed ikke hvad den syge lider.

Der Gesunde weiß nicht, wie reich er ist.

Der Gesunde weiß nichts von seinem Reichtum.
dä] Een sund veed ei hvor lyksalig han er.

Der Gesunde zählt seine Jahre nicht.
Serbien

Der Gesundheit winkt, wer dreimal über Tische trinkt.

Der gêt nit von schmützen.
i] Er lässt sich durch Worte nicht erschrecken.
la] Ne quid moveare verborum strepitu.

Der geteilte Ozean wird zu Bächen.
Spanien

Der getretene Wurm krümmt sich. So ist es klug. Er verringert damit die Wahrscheinlichkeit, von neuem getreten zu werden. In der Sprache der Moral: Demut.
Nietzsche

Der getreue Achates (der Begleiter des Aneas).
la] Fidus Achates
Vergil, Äneis 6, 158

Der getreue Bote frägt des Kaisers Wahrheit.
[RSpW]
i] Der Richter als Diener oder Bote des Kaisers (Staatsoberhaupt) soll Recht sprechen, aber nicht selbst Recht teilen, sondern die Schöffen fragen, d.h. sie das Recht suchen oder schöpfen lassen.
mhd] Der getrouwe bode sal dez keisers warheyt fragen.

Der getreue Eckart ist mir von großer Beihülfe. Reinen und redlichen Gesinnungen treu, wächst er täglich an Kenntnis, Ein- und Übersicht und bleibt wegen fördernder Teilnahme ganz unschätzbar...
Goethe, An Zelter, 10./14.12.1830

Der Gevatter im Arsche, wenn das Kind gestorben ist.
pl] W dupie komotr, kiedy dziecko zdechlo.

Der Gevatter kommt und 's ist kein Stuhl zum Setzen da.
bm] Prijde kmotr na obed, a lzíce nebude.

Der gewaffnete Mars schadet nit so viel als die bloße Venus.
la] Pacem cum hominibus, bellum cum vitijs habe.

Der Gewähre muss antworten.
[RSpW]
i] Derjenige, welcher einem anderen ein Gut, es sei durch Geschenk, Kauf u.s.w. ausantwortet, ist für den neuen Besitzer der Vertreter in Betreff des rechtlichen Erwerbs. Wenn ein Streit über den Gegenstand entstände, würde er durch seine Aussage die eine Hand siegreich, die andere verlustig machen.
mhd] Di gewere mot antwerden.

Der Gewähre zieht das große Gericht zum kleinen, und das kleine zum großen.

Der Gewalt ist angelegt.
Schwaben
i] Das amtliche Siegel

Der Gewalt muss man weichen (sonst fällt man unter ihren Streichen).

Der Gewalt Tochter ist die Unvernunft, und ihre Schwester ist die Grausamkeit.
Russland
bm] Kde vládne síla, tam rozumu mohyla.

Der gewaltsame Niederschlag einer Revolution lässt in den Köpfen ihrer Mitspieler, namentlich der vom heimischen Schauplatz ins Exil geschleuderten, eine Erschütterung zurück, welche selbst tüchtige Persönlichkeiten für kürzere oder längere Zeit sozusagen unzurechnungsfähig macht. Sie können sich nicht in den Gang der Geschichte finden, sie wollen nicht einsehen, dass sich die Form der Bewegung verändert hat.
Karl Marx, Nachwort zu 'Enthüllungen über den Kommunisten-Prozess zu Köln'

Der gewandte Naturforscher muss sich selbst in einen höheren Sinne beobachten. Wenn er an einen Gegenstand herantritt, so ist er eigentlich der alltägliche Mensch und muss auch als solcher seine Kräfte bestens gebrauchen.
Goethe, Aphorismen und Fragmente - Philosophie

Der Gewarnte hat viel vor dem Ungewarnten voraus.

Der gewaschenen Hand schickt (o. sendet) Gott ein gutes Mahl.
i] Gott kommt demjenigen zu Hilfe, welcher sich auf den Empfang seiner Wohltaten würdig vorbereitet.
fr] À main lavée Dieu donne la repue (o. envoie un bon repas).

Der geweihte Milchtrank (einer Renntierkuh) sättigt mehr als alle Brote der Herren, die man nur verspricht.
Russland

Der Gewer öss gestorwe, der Schenker öss verdorwe, der Gîzhals lewt noch.

Der Gewerbfleiß der Väter soll der Kinder Erbe sein.
Türkei

Der Gewinn aus allen Sachen gut, woher derselbe kommen tut.

Der Gewinn eines anderen schmerzt den Neider wie eigener Verlust.
la] Alterius lucra dolet invidus ut sua damna.

Der Gewinn hat oft den Betrug zur Mutter, aber der Betrug nicht immer den Gewinn zum Sohn.
Russland

Der Gewinn ist der Bruder des Verlustes.
tü] Kar zararın kardeşidir.

Der gewinn ist so lieb, dass man sich seiner nit scheuet.

Der gewinn macht ein unruhig gewissen.
i] Nämlich der unrechtliche

Der Gewinn muss dem zukommen, der die Gefahr trägt. [RSpW]
la] Commodum eius esse debet, cuius periculum est.

Der Gewinn reucht von allen Sachen wohl.
la] Lucri bonus odor ex re qualibet.

Der Gewinn soll nicht die Basis, sondern das Resultat der Dienstleistung sein.
Henry Ford (1863 - 1947)

Der gewinnt am meisten, der zu spielen aufhört.
bm] Na výhru nehled', dbej jenom, abys neprohrál, a vyhrás.
pl] Na wygrana niezapatruj sie, ale dbaj o pewna nieprzegrana, a wygrasz.

Der gewinnt ein land, der sich selbs vberwint.

Der gewinnt genug, der den Prozess aufgibt.
i] Es ist schon ein Gewinn, wenn der Prozess zu Ende ist
fr] Gagne assez qui sort de procès.

Der gewinnt genug, der seine Sorgen verliert.
fr] Assez gagne qui malheur perd.

Der gewinnt mit Geben, der Würdigen gibt.

Der gewinnt nichts, der nicht auffsetzt.

Der gewinnt übel, der alles vertut.
fr] Mal gagne, qui tout dépense (dépend).

Der gewinnt viel, der eine Hure verliert.

Der Gewissensbiss heiligt das Laster.
Joubert, Journal intime

Der Gewissensbiss ist unanständig.
Friedr. Nietzsche, Götzen-Dämmerung

Der Gewissensbiss ist, wie der Biss des Hundes gegen einen Stein, eine Dummheit.
Friedr. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches

Der Gewissensbiss: Zeichen, dass der Charakter der Tat nicht gewachsen ist. Es gibt Gewissensbisse auch nach guten Werken: ihr Ungewöhnliches, das, was aus dem alten Milieu heraushebt.
Nietzsche, Wille zur Macht

Der gewisseste Glaube ist, eine Kuh scheißt mehr als ein Zeislein.

Der Gewohnheit zu widerstehen, kann nur hart eingehen.
fr] Qui a bu, boira.

Der gewöhnliche Kopf ist immer der herrschenden Meinung und der herrschenden Mode konform.
Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher

Der gewöhnliche Mensch ist groß in kleinen Dingen und klein in großen Dingen.
Konfuzius

Der gewöhnliche Mensch, diese Fabrikware der Natur, wie sie solche täglich zu Tausenden hervorbringt, ist, wie gesagt, einer in jedem Sinn völlig uninteressierten Betrachtung, welche die eigentliche Beschaulichkeit ist, wenigstens durchaus nicht anhaltend fähig; er kann seine Aufmerksamkeit auf die Dinge nur insofern richten, als sie irgendeine wenn auch nur sehr mittelbare Beziehung auf seinen Willen haben.
Schopenhauer, Welt als Wille und Vorstellung

Der gibt anderen wenig, der sich selber sehr viel Gutes gönnt.

Der gibt den besten Rat, der, was er will, lehrt mit der Tat.
la] Optimus orator, qui factis suadet!

Der gibt ein (guten) Reitersmann, der füttert, ehe er tränkt.
z] Es war ein Reuttersman, füttert eh er trenckt, ein Weidmann, treib auf eh er zum Garn lauf, ein Ratsherr, reuspert sich eh er spricht.

Der gibt ein bösen Regenten, der nur reformieren und bessern will.

Der gibt ein guten Zeiger in einer Uhr, dessen anschläg man nicht merkt, biss sie schlagen.

Der gibt einen Klöppel in eine große und lichte Glocke.

Der gibt ihm die Laibe heim.
Rottenburg
i] Vergilt es ihm, straft ihn.

Der gibt ihm 's Maul voll.
Nürtingen

Der gibt keinem Bettelmann was.

Der gibt oft böse Arznei, wer umsonst heilen will.

Der gibt wie der Schneider von Pressburg.
Niederösterreich
i] Man erzählt, ein Schneider aus Pressburg habe einmal Karten gespielt und fünfunddreissig Mal nacheinander die Karten gemischt und ausgegeben. Als er das sechsunddreissigste Mal die Karten genommen, habe er gesagt: ich glaube, dass ich eben gegeben habe. Seitdem heißt es, wenn einer im Eifer zwei- bis dreimal nacheinander gibt: Der gibt wie der Schneider von Pressburg.

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