Weisheiten 51

Am Hechte ist der Schwanz das Beste.
fr] Dos de brochet, ventre de carpe.

Am heiligen Gallus (16.10.) der Apfel in den Sack muss.
pl] Swietego Garusza, musze do miecha vszystkie iablusza.

Am heiligen Georg (23. 4.) säe deine Gerste, Sanct-Marks (25.4.) ist's zu spät.
i] Allgemein: Der kleinste Aufschub schadet.
fr] A la saint George sème ton orge.

Am heiligen Tage soll die Arbeit ruhen.
bm] V den svatý práce mají spáti.

am hellen (o. hellichten) Tag
en] in broad daylight
fr] en plein jour
it] in pieno giorno

Am hellen Mittage eine Laterne anzünden.
i] Etwas nicht zu rechter Zeit tun; oder erläutern was an sich klar genug ist.
fr] Porter lanterne à midi.

Am hellen Tageslichte
Hab ich es anders gesehn.
Gewiss, Geschichten und Geschichte
Wachsen und wechseln im Entstehn. Th. Fontane

Am hellsten leuchtet der Menschengeist, wo Glanz der Kunst mit Glanz der Wissenschaft sich eint.
Emil Du Bois-Reymond, Reden (3. Juli 1890)

Am Herd und am Waschplatz wird alles, gut und böse, erzählt.

Am Heumarientag (Maria Heimsuchung, 2.7.) ist das Gras ausgewachsen.
Estland

Am Heumarientag nimmt man das erste Mal Honig, am Jakobstag (25.7.) das zweite Mal und am Laurentiustag (10.8.) das letzte Mal.
Estland

Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,
Und aus den Wolken blutigrot
Hängt der Herrgott den Kriegsmantel runter.
Schiller, Wallenstein

Am Himmel hat sich noch niemand den Kopf zerstoßen.
Russland

Am Hinken erkennt man den Lahmen.
la] E naevo cognoscere aliquem.

Am Hintern nackt und Parfümerien daran.
i] Der Bettelstolz.

Am höchsten ehren die Götter die Tugend im Geleit des Eros.
Platon, Das Gastmahl

Am Hochzeitstage schneiden Braut und Bräutigam von einem Brot je ein Brautränftel ab; wessen Ränftel zuerst vermodert, der stirbt zuerst.
Aberglaube

Am Hochzeittag flindert die Hauben, darnach fladert sie.
z] Auff Hochzeiten wird manches durchgebracht, das hernach ein lange Zeit zu bezalen ist.

Am Hofe des Königs heisst es: Jeder für sich selbst.

Am Hofe des Königs heißt es: Jeder für sich selbst. Frankreich

Am Hofe des Königs ist jeder auf sich allein gestellt.
fr] À la cour du roi, chacun y est pour soi.

Am Hofe gelten Tugend und Demut selten.
pl] Cnota i pokora niema miejsca u dwora.

Am Hofe hat man keinen Freund als sich selber.
ho] Aan 's konings hof is elk voor zich zelven alleen.

Am Hofe leben, heisst frühen Tod sich geben.
it] Chi disse corte disse morte.

Am Hofe legt man sich mit der Selbstsucht zu Bett und steht mit ihr wieder auf. Sie erfüllt einen morgens und abends, am Tag und in der Nacht, sie ist die Triebfeder im Denken, Sprechen, Schweigen, Handeln.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Am Hofe muss man tun wie am Hofe.
i] Wer unter den Wölfen ist, muss mitheulen; man soll aber vermeiden unter die Wölfe zu gehen.

Am Hofe sagt man aus zwei Gründen Gutes von jemandem: Erstens, damit er erfahre, dass wir gut von ihm sprechen, und zweitens, damit er es auch von uns tue.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Am Hofe teilt man die Menschen ein, wie ehemals die Chemiker die Metalle, nämlich in solche, die sich dehnen und strecken lassen, und in solche, die dies nicht tun.
Heinrich von Kleist, an Ulrike von Kleist, 25. November 1800

Am Hofe und im Hause des Reichen kommt man immer auf seine Kosten.
fr] A la cour (,auprès des grands), s'il n'y pleut, il y dégoutte.

Am Horn fasst man den Ochsen, beim Wort den Mann.
ho] Bij de hoornen vangt (vat, bindt) men den os, bij het woord den man.

Am Horn merkt man das Hirn.

Am Hügel versuchen wie sich der Berg ersteigt.

Am Hühnerseil stricken.
i] Etwas Unnützes und Überflüssiges tun, als wenn z.B. eine Mutter ihre Töchter in der Putzsucht und im Kokettieren unterrichtet.
z] Noch find ich frawen michel theyl, die auch stricken am hünerseyl, die jhre töchtern lerent sünden, den hünern jre schwäntz auffbinden.

Am Hungertuch nagen, macht schwächlich zu schlagen.
z] Der hungerig Wolff muss den lären Magen mit Sand füllen, dass er gewichtig sei ein Pferd niederzuziehen.

Am Hungertuche nagen.
i] Sich höchst armselig behelfen, kümmerlich leben müssen, am Notwendigsten Mangel leiden. Frisch leitet diese Redensart von dem schwarzen Tuche ab, womit in einigen Gegenden zur Fastenzeit der Altar behangen wird, was eine Anspielung auf die um diese Zeit in der katholischen Kirche übliche Enthaltung von allem Fleische sein soll. Vielleicht ist sie aber eher von der schrecklichen Erfahrung abzuleiten, welche man an bereits begrabenen Scheintoten machte, die in der wirklichen Todesangst im Sarge das Leichentuch in den Mund steckten, um nur bald aus diesem Schreckenszustande zu kommen.

Am interessantesten ist die Innenseite der Außenseiter.

Am irdenen Topfe stolz ist besser als demütig am goldenen Tische.

Am Irrwahn hängend, dass es Götter gibt,
Indes der Zufall diese ganze Welt beherrscht?
Euripides, Hekabe, 490/91

Am Jagdtag wird kein Jagdhund mit Steinen beworfen.
Afrika

Am Jakob (Jakobstag, 25.7.) ein Notbrot, am Laurits (Laurentiustag, 10.8.) ein breites Brot, am Pärtel (Bartholomäustag, 24.8.) einen Brotlaib fürs ganze Haus.
Estland

Am Jakobitag (25.7.) blüht der Schnee.
Estland

Am Jakobitag in den Acker gesteckte Stangen, die oben mit einem Spalt, in den man Knoblauch klemmt, versehen sind, wehren Unheil ab.
Estland

Am Jakobstag (25. 7.) Mehlsuppe, am Olafstag (29.7.) neues Brot.
Estland

Am Jakobstag wendet sich der Sommer schon dem Herbst zu.
Estland

Am Johannisabend werden an einem Elsenstecken geweihte Palmen, Eiben und Weghalten in den Flachsacker gesteckt.
Estland

Am Johannismorgen (24.6.) ist Gerst' und Hafer noch nicht geraten, noch nicht verdorben.
Estland

Am Johannismorgen steht der Hafer noch in Sorgen.
Estland

Am Johannistag (24.6.) die erste Kirsch nach Hause trag.
Estland

Am Johannistag muss man einen borsdorfer Apfel im Flachs verstecken können, wenn er geraten soll.
Estland

Am Josephstag (19.3.) wirft man das Licht in Bach.
i] Ende des Winters.

Am jungen Licht (Neumond) ein schwarzes Horn, im alten wird's ein Regenborn.

Am Jüngsten Gericht wird alles geschlicht't.
z] Am Jüngsten Gericht soll jeder zu seinem Recht kommen, bis dahin aber soll er gläubig und demüthig alles Unrecht ertragen. Ruge, Hallische Jahrbücher, 1842

Am jüngsten Tag wird Gott allen Blinden den Star stechen.

Am jüngsten Tag wird mancher schauen, was er hie hab für bier gebrauen.

Am jüngsten Tag wird offenbar wer hier ein guter Pilgrim (o. frommer Pilger) war.

Am jüngsten Tag, wenn die Posaunen schallen
Und alles aus ist mit dem Erdeleben,
Sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben
Von jedem Wort, das unnütz uns entfallen.
Goethe, Sonette XIII - Warnung

Am Jüngsten Tage gilt de Kauflad' so viel as 'ne Pistole.
Westfalen

Am Jüngsten Tage gilt der Beutel so viel als das Geld.
Rotttal

Am Jüngsten Tage muss man ihn totschlagen.
i] Den, der gar nicht sterben zu wollen scheint.

Am Jüngsten Tage wird man sehen, wer den größten Arsch hat.
i] Am Schluß wird abgerechnet.
mhd] Men sal wohl sein, we den grotesten êrs heft.
la] Cui maior podex refert pars ultima vitae.
ho] Men zal ten jongsten dage wel zien, wie den wijdsten aars heeft.

Am Jüngsten Tage wird's erschaut, was mancher hier für Bier gebraut.

Am Jüngsten Tage, eher nicht.

Am jünksten Middage es en Kauflatt so guet as 'ne Pistolle.

Am Kalbe erkennt man den Ochsen.

Am Kalbe erkennt man des Ochsen Hörner.

Am Kalbe schon sieht man, was für ein Ochs es werden will.

Am Kalkhuhn (kalekutischen Huhn) prüfen, wie der Fasan schmeckt.
Russland

Am kalten Eisen sterben.

Am kalten Fieber leiden.

Am kalten Mondtag, da die Frau den Beltz verbrant.
i] In dem Sinne von Nimmerleinstag.

Am kalten Ofen verbrennt man sich nicht.

Am Kamin ist es, wo die Eule (d.h. der Kahlköpfige) oft sitzt.
Hawaii

Am Kamm erkennt man den Hahn (o. die Hühner).

Am Karfreitag nüchtern ein Gänseei verzehrt, bewahrt vor Bauchschäden und Fieber.

Am Karfreitag Regen bringt dem Bauer keinen Segen.

Am Karfreitag soll der Rabe seine Kinder taufen.
Estland

Am Karfreitag soll's regnen, nicht aber am Ostertag. Luzern

Am Karfreitag trauert die Sonne bis drei Uhr Nachmittags. Schwaben

Am Karfreitag und am Ostersonntag wird der Acker vor Sonnenaufgang unter Peitschenknallen und Büchsenschießen in rasender Schnelligkeit zur Dämonenvertreibung umritten.
Aberglaube

Am Karfreitage reisen die Glocken nach Rom.
ndt] An Korfreitche rejsen de Glucken uf Roume.

Am Karnisseltag.
Oberösterreich
i] So hießen bis in die Zeiten des Kaisers Joseph II. die Bewohner des Stiftes Kremsmünster den 11. Dezember, an dem seit unvordenklicher Zeit das Andenken an den Todestag des Stifters Thassilo II., Herzogs von Bayern, durch ein sogenanntes Gespende gefeiert wurde. Jeder nämlich, der kam und verlangte, erhielt, in der Voraussetzung, dass er dem Trauergottesdienst für die Seele des Stifters andächtig beiwohne, eine Portion Brot mit Fleisch. Einmal wurden zu dem Zwecke 60 Rinder geschlachtet.

Am Karsamstag hat es neunerlei Wetter.

Am Katharinentag (25.9.) befahl das Schaf sich nicht zu scheren, es sagte, dass es in Pelz (und) Hemd in die Kirche gehen will.
Estland

Am Kellerfieber leiden.
i] An den Folgen übermäßigen Bier- oder Weingenusses kranken.
z] Dass sie eine kannen weins mehr müssen trinken, was inn bissweilen ein solch kellerfeber oder grimmen oder gegicht im Busen jaget, dass sie wohl etwa davon sterben.

Am Klange den Topf, den Narren am Kopf (o. an der Red' des Narren Kopf).

Am Klange erkennt man die Münze, an der Rede den Mann.

Am Klange erkennt man wohl, ob die Münze gut oder schlecht ist.

Am Klappern kann man nicht erkennen (o. merken), wie die Mühle mahlt.
fr] Vous ne oriez (n'entendriez pas) pas un moulin mouldre.

Am Klappern kann man nicht erkennen, wie die Mühle mahlt.

Am Klappern liegt's nicht; aber es gibt kein Mehl.

Am Kleid kennt man den Mann.

Am kleinen Riemen lernt der Hund das Leder kauen.

Am Klopf erkennt man den Topf.

Am klügsten ist es, das Schicksal und die Zeit abzuwarten.

Am Knecht kann man wohl den Herrn erkennen.
fr] Au séneschal de la maison peut-on connoistre le baron.

Am Kohlmarientag (Mariä Verkündigung, 25.3.) bindet man dem Schwein den Trog auf den Rücken und schickt es in den Wald.
Estland

Am Kohlmarientag guckt die Kuh aus dem Stall, am Georgstag (23.4.) aus dem Weidenstrauch.
Estland

Am Kohlmarientag wird der Rüssel des Schweines frei.
Estland

Am Kopf beginnt die Gesundheit.
la] A capite bona valetudo.

Am Kopf des Narren lernt der Junge scheren.

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