Weisheiten 505

Der Esel kan die ehr nicht leiden, er fahet an zu gumpen und stoltzieren.

Der Esel kan nicht Hasen jagen, der Hund kann nicht Säcke tragen.

Der Esel kann auf siebenerlei Arten schwimmen, aber wenn er Wasser sieht, vergisst er sie alle.
Armenien

Der Esel kann dein und deines Ordens Frömmigkeit noch ertragen, sagte der Müller zum Mönch, der ihn getadelt, dass er das Tier überladen habe.

Der Esel kennt seinen Schwanz nicht, bis er ihn verloren hat.
Ligurien

Der Esel kennt sieben Weisen zu schwimmen, wenn er aber das Wasser sieht, so vergisst er alle.

Der Esel kommt nicht leichtlich wider auffs Eis (o. bald auff die Strassen), da er einmahl gefallen.

Der Esel läst nicht so mit sich schertzen wie ein Hündlein.

Der Esel läuft ihm über die Zunge.

Der Esel mag lieber Heu als Gold.
la] Asinus mavult stramenta quam aurum.

Der Esel mit dem Heiltum.
dä] Asenet bær helligdom.
la] Asinus portans mysteria.

Der Esel müht sich ab, während die Stute im Überfluss zu fressen hat.

Der Esel muss Säcke tragen.
mhd] Der esel seke traegen sol. Minnesänger

Der Esel muss sich nicht um die Laute, noch der Blinde um den Spiegel bewerben.

Der Esel muss Y-a sagen.

Der Esel nennt sich selbst zuerst.

Der Esel recket die Ohren herfür (o. hervor).

Der Esel reitet ihn.

Der Esel sagt zum Hahn Dickkopf.
Griechenland

Der Esel sagt: Mein Gras ist weich.
Marathi, Indien
i] Weil er nichts anderes kennt

Der Esel sagte zum Kamel, während sie den Engpaß hinunterstiegen: Ich werds dir schon zeigen, Langhals, wenns wieder den Berg heraufgeht! Das Kamel antwortete: ich werds dir schon zeigen, Kurzschritt, in der Ebene!

Der Esel schimpft das Maultier Langohr.

Der Esel schreit i-a, wenn er auch in der Löwenhaut steckt.

Der Esel schrie, und schon hatte der Hund Leibschmerzen.

Der Esel singt darumb vbel, weil er so hoch anfängt.
mhd] Die nahtegal dicke müet, swa ein esel od ohne lüet.
dä] Eselet begynder høgt, og maae derfor strax holde op.

Der Esel soll nicht Lauten schlagen, er soll die Säcke zur Mühle tragen.

Der Esel spilt auff der leiren.

Der Esel starb und ward nie satt, der alle tag new Herren hat.

Der Esel stirbt an fremder Pflege (o. Sorge).
i] Von der Pflege vieler, davon, dass seine Verpflegung Fremden oder vielen anvertraut ist.

Der Esel straft den, so ihn reitet.

Der Esel tanzt so lange auf dem Eise, bis er stürzt.
i] Der Dummdreiste sieht die Gefahr nicht, in die er sich wagt.

Der Esel tanzt wieder, wenn das Bein geheilt ist.

Der Esel trägt das Korn in die Mühle und bekommt die Spreu (o. Disteln).

Der Esel trägt der anderen Last.

Der Esel trägt die Säcke gezwungen, ledig tät' er keinen Schritt.

Der Esel trägt sich an fremden Säcken zu Tode.
it] Sos factos anzenos imbezzant s'ainu.

Der Esel trinkt Wasser, wenn er auch Wein trägt.
it] L'asino porta il vino, e beve l'acqua.

Der Esel und der Treiber dencken nicht eins.
fr] Ce que pense l'asne, ne pense l'asnier.
fr] Une pense li asne et autre li asnier.
ho] De ezel en de drijver denken niet evereens.
it] Unu contu faghet s'ainu, s'ateru s'ainarzu.

Der Esel und der Treiber sind verschiedene Leiber.
i] Sie sind selten einerlei Meinung

Der Esel und die Nachtigall haben beid' ungleichen Schall.

Der Esel und die Nachtigall singen nicht gleich.
mhd] Der esel und diu nahtegal singent ungelîchen schal.

Der Esel up dem Plummenbôm.
i] Von ungeschickten Reitern

Der Esel verdient nur Disteln und Schläge.
i] Warnung an alle Faulen und Störrischen
la] Asino gramen et baculus.

Der Esel verliert, wenn er mit dem Fuchs disputiert.

Der Esel verstehet das Saitenspiel nit, man muss ihm Distel fürlegen.

Der Esel voraus, d' Kuh hinterdri.
Schweiz
i] Beim Vortritt eines Grobians

Der Esel wäre auch gern freundlich.
i] Gutmeinen mit Plumpheit im Bunde.
z] Es steht jm an als dem Bern das tantzen. Ein flegelhut. Er meynt es gut, es wils aber niemand gut verstehn. Ein Dap ins muss. Der gefüllt Vlrich. Camelus saltat

Der Esel weiß auch was.
i] Wenn ein dummer Mensch für klug gelten will oder wirklich im Gespräch einen glücklichen Einfall gehabt hat

Der Esel weiß nicht (o. wohl), in wessen Haus er wiehert. Spanien

Der Esel weiß nicht, in wessen Haus er wiehert.
i] Es gibt aber auch das umgekehrte: Der Esel weiß wohl, in wessen Haus er wiehert.
sp] Bien sabe el asno, en cuya casa rebuzna.
sp] Pues el asno no sabía en cuya casa rebuznaba.
sp] Pues el asno no sabía en que casa relinchaba.

Der Esel will die Lauten schlagen,
Weiß doch nicht zu fassen den Kragen.
Rollenhagen, Froschmeuseler

Der Esel will es mit dem Löwen aufnehmen.

Der Esel will geritten werden und der Gaul begert zu ackern die Erden.

Der esel will geschlagen sein (o. will schläge haben), er tut sonst kein gut.

Der Esel will geschlagen und der Pöbel mit Gewalt regiert sein.
Luther
z] Darum hat Gott der Obrigkeit ein Schwert und keinen Fuchsschwanz in die Hand gegeben. Luther

Der Esel will geschlagen, der Nussbaum geschwungen und das Weib geritten sein.
la] Nux, asinus, mulier verbere opus habent.

Der Esel will geschlagen, der Pöbel mit Gewalt regiert sein.

Der Esel will lieber Strohals Gold.
en] It is not for asses to lick honey.
un] A szamár nagyobra becsüli a szalmat, mint as aranyat.

Der Esel will Schläge haben und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein.

Der Esel will sich freundlich machen.
z] Wann einem ein ding vberauss vbel ansteht.

Der Esel will's mit dem Löwen aufnehmen.

Der Esel wird den Frühling nicht eher gewahr, bis er vorbei ist.

Der Esel wird zur Probe geschunden.

Der Esel zieht sich das Fell des Löwen über.
fr] L'áne se couvre de la peau du lion.

Der Esel, der die Kornmühle dreht, kann noch nicht die Gipsmühle drehen.
i] Die Kornmühle dreht sich bei weitem leichter als die Gipsmühle und jedes größere Haus in Kairo hat eine der erstern Art, die von einem Esel in Bewegung gesetzt wird

Der Esel, der spazieren geht, lacht über den, der Säcke trägt.
la] Loripedem rectus derideat. Juvenal

Der Esel, der vielen gehört, wird von den Wölfen gefressen.
Spanien

Der Esel, der zur Hochzeit eingeladen wird, sollte Holz oder Wasser mitbringen.
Frankreich

Der Esel, so das Brunnrad tritt, wird von dem Wasser feister nit.

Der Esel, wenn er von einem Raubtier angefallen wird, verteidigt sich nicht; entweder, weil er sich einen ruhigen Tod wünscht, oder weil er niemanden im Genuss stören mag, nicht einmal den, der ihn frisst.
Hebbel, Tagebücher, Rom, 21. 2. 1845

Der Eselin mit Schmeichelei, dem Esel mit dem Stock.
Spanien

Der Eselsstuhl halbent em vorm Haus.
Solothurn
i] Der Schneidestuhl, die Schnitzbank. Er hat blindes Glück.

Der Espe das Zittern lehren wollen.

Der Esser hat ein Zeichen auf dem Mund, der Siechende auf den Wangen.
Estland

Der Esser hat einen langen Arm, der Schläger einen kurzen.
Estland

Der Esser ißt, der Trinker trinkt.
Estland

Der Esser liebt die Esser nicht.
i] Wer es selbst gut hat, gönnt es dem anderen nicht, Glück macht selbstsüchtig

Der Esser-bei-Nacht (d.h. der Geizige) ärgert sich, wenn der Esser-bei-Tage (der Freigebige) zu ihm kommt.
Maori, Neuseeland

Der Essig ist gut, sagte der Bauer zum Pfarrer, es war aber Kirchenwein.
ho] Dat is goed krotensop, zei Evert, en hij dronk rooden hooglandschen wijn.

Der Essig, den man umsonst (geschenkt) bekommt, ist süsser als Honig, den man kaufen muss.
fr] Il n'y a si bel acquêt que le don.

Der Essweg ist nicht lang.
Surinam
i] Was man gern tut, wird einem nicht lang

Der Etat eines jeden ist und bleibt die Hauptsache, und der ist überall derselbe, oder im selben Verhältnisse, wenn der Löwe zehntausend Taler zu verwenden hat, so hat die Maus tausend Pfennige.
Goethe, Riemer, 25.8.1811

Der etwas gewinnen wil, muss etwas dran setzen.

Der etwas kann und nicht tut, der ist eine Glocke ohne Klang.

Der etwas langsam oder unrichtig will haben, der sehe dahin, dass es vielen befohlen werde.

Der Europäer hat (unter den Eingeborenen) niemand, dem er trauen kann.
Kikuju (Kenia)

Der Europäer ist wie eine unverheiratete Frau.
Liberia
i] Weil er mit allen Gemeinschaft sucht

Der europäische Mischmensch - ein leidlich hässlicher Plebejer, alles in allem - braucht schlechterdings ein Kostüm: er hat die Historie nötig als die Vorratskammer der Kostüme. Freilich bemerkt er dabei, dass ihm keines recht auf den Leib paßt, - er wechselt und wechselt.
Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse

Der ewige Flachkopf bleibt ewig Sieger. Ignoranz und Snobismus sind unüberwindliche Mächte.
Th. Wolfe, Willkommen in Altamont

Der ewige Friede ist ein Traum, und nicht einmal ein schöner, und der Krieg ein Glied in Gottes Weltordnung.
Helmuth Graf von Moltke, an Johann Kaspar Bluntschli, 11. Dezember 1880

Der ewige Frieden ist auf dem Kirchhof.

Der ewige Fuhrmann.
zit} Die Gelehrten nennen ihn den kleinen Bär.

Der ewige Ruhm besteht bei jeder Art von Größe darin, den ersten Stein gelegt zu haben.
E. Renan, Das Leben Jesus, Kap. 28

Der Experte ist ein gewöhnlicher Mann, der - wenn er nicht daheim ist - Ratschläge erteilt.
Wilde

Der Experte ist ein Mensch, der die kleinen Irrtümer vermeidet, während er dem großen Trugschluß entgegen treibt.
Stolberg

Der Expressionismus ist im ganzen ein Karnickelstall; das Vieh ist erst zehn Jahre alt und hat schon Epigonen in zwanzigster Generation.
Alfred Döblin, Male, Mühle, Male

Der Expressionist geht von sich selber aus, er erkennt nicht die Macht der Dinge an, sondern drückt ihnen seinen Stempel, seinen Willen auf, formt sie nach seinem Wesen: Er ist aktiv, und sein Handeln wird vom sicheren Selbstbewußtsein des unwandelbar dauernden Ichs gelenkt.
Victor Klemperer, LTI

Der extreme Individualist ist nicht nur unausstehlich, sondern auch seicht, denn er sieht ja nicht einmal, dass alles Bedeutende auf einer breiten Schicht ruht, dass jeder Bedeutende tief im Volksganzen verwurzelt ist. Der extreme Individualist ist wie eine Schaumblase, die auf dem Wasser treibt. Das will nicht sagen, dass man nicht eine Individualität, ein 'Kerl' sein solle.
Jakob Boßhart, Bausteine

Der fabel ein farb anstreichen.
i] Der Lüge eine Gestalt geben, sie wohl ausstaffieren.

Der Fabrikarbeiter ist in gewissem Sinne das für die Maschinen, was der Tagelöhner für das Ackergut ist, nichts bindet ihn als das Bedürfnis nach Arbeit und Lohn.
Lorenz von Stein, Die socialen Bewegungen der Gegenwart

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