Weisheiten 498

Der eigentliche Obskurantismus ist nicht, dass man die Ausbreitung des Wahren, Klaren, Nützlichen hindert, sondern dass man das Falsche in Kurs bringt.
Goethe, Maximen und Reflexionen 165

Der eigentliche Redner der Volksversammlung ist die Leidenschaft.
Fliegende Blätter

Der eigentliche Sinn der Politik ist die Errichtung, die dauernde Befestigung, die Selbstbehauptung der Freiheit in einer staatlichen Gestalt. Politik in diesem Sinne will Freiheit für alle.
Fliegende Blätter

Der eigentliche Sinn für die Geschichten der Menschen entwickelt sich erst spät, und mehr unter den stillen Einflüssen der Erinnerung, als unter den gewaltsamen Eindrücken der Gegenwart.
Novalis, Heinrich von Ofterdingen

Der Eigentumsbegriff ist nur der Reflex, das Erzeugnis der Staats- und Gesellschaftszustände, und mit diesen naturgemäß einer beständigen Veränderung unterworfen.
Wilhelm Liebknecht, Die Grund- und Bodenfrage

Der Eigentumsteufel vergiftet alles, was er berührt.
Jean-Jacques Rousseau, Emile

Der Eigenwille wird niemals befriedigt, wenn er auch alles hätte, was erwünscht; man ist aber befriedigt, wenn man entsagen kann.
Pascal, Gedanken

Der eigne Sinn, die eigne Kraft und der eigne Wille eines Menschen ist das Menschlichste, das Ursprünglichste, das Heiligste an ihm.
Friedrich Schlegel, Über die Philosophie

Der Eile Arbeit ist nachlässig.
Estland

Der eilend würt nit one sünd reich.

Der Eilfertige und der Lahme treffen sich auf der Fähre wieder.
Ägypten

Der Eilige und Langsame kommen an der Fähre zusammen.

Der eilt nach fremdem gut, auff den wart armut.

Der eim schalck in ein Kutten kreucht, wie ein ander Bub wider herauss schleufft.
hdt] Der ein Schalk in die Kutten steckt, wirdt ein Buben wider abziehen.

Der Eimer geht so lange zum Brunnen, bis der Henkel bricht (o. bis der Reifen abfällt).

Der Eimer, der nicht Wasser hält, misst doch Hafer.

Der ein blöd Gesicht hat, der übersieht viel.

Der ein böses Weib hat, der hat sein Fegefeuer im Hause.

Der ein' bricht 's Häferl, der ander 's Reindl.
Oberösterreich

Der ein Ding nit gerne tut, der gibt ein Propheten.

Der ein ding veracht, der will es kauffen.

Der ein Ding weiss, ist wie ein gemahlet Bild, der es tut, der hat Händ und Füss.

Der ein fromm Weib, hat den besten Haussrat.
la] Uxor bona optima poßessio.

Der ein Grobianus in frembde land führt, der wird jhn an ein Stockfisch vertauschen.

Der ein guten rat gibt, der ist weise, der folgt, ist auch weise.
z] Weise ist ein Rat, kühn ist nur die Tat.

Der ein guttat empfahet, verkaufft sein freiheyt.
z] Der guts empfahet, der ist ietz nit mehr sein selbs, sonder seins nechsten knecht und schuldig das empfangen mit gewinn zu wiederlegen.

Der ein Hauss macht, der kans machen, nicht der viel dauon redt.

Der ein Kalb stielt, stielt auch wohl eine Kuh.
i] Wer in der Jugend kleine Vergehungen sich zu Schulden kommen lässt, wird sich auch größerer schuldig machen, sobald er herangewachsen ist. - Auch deshalb, weil aus dem Kalbe eine Kuh geworden wäre.
dä] Hvo som stieler kalven, stieler vel og kocn.
fr] Qui ose prendre le veau, osera prendre vache et troupeau.
la] Taurum tollet, qui vitulum tulit.
un] Ki a singet el lopta, a röföt is nála keresik.

Der ein Lump werden soll, wird erst Schöffe.

Der ein Narrenmaul hat, wird geschlagen.
Sprüche Sal., 10, 10

Der ein pfeife im Haus will haben, dem kost der Mann, der dahinder stehet, mehr als ein Pferd zu halten.

Der ein reiches Weib genommen, ist um seine Freiheit kommen.
la] Argentum accepi, dote imperium vendidi.

Der ein Ritter ist, das ist ein zeichen, das er lobliche Taten verricht hat.
i] Wie diese mitunter beschaffen gewesen sind, erfahren wir nicht nur aus der ältern Geschichte, die uns berichtet, wie sie von ihren Burgen aus den Kaufleuten auflauerten, sie überfielen und ausplünderten; auch die neuere enthält interessante Beispiele davon. Als die Franzosen 1792 Mainz bedrohten, floh der Kurfürst in einem Wagen mit abgekratztem Wappen, der Adel rettete in namenloser Angst Leib und Habe den Rhein hinunter, dann wurde den übrigen Einwohnern verboten, dasselbe zu tun.

Der ein ungefähren Schuss tut, trifft auch.

Der ein viertelstund in einer Mühlen ist, der wird so staubig nit, als der immer darinn ist.

Der ein Wund geschlagen, der kann sie bissweilen (auch) heilen.

Der Einäugige liebt den Einäugigen.
Hindustan

Der Einäugige weint auch mit einem Auge.
Kikuyu

Der Einbruch der Nacht ist der beste Hirt, er treibt alle in die Hürde.
Bulgarien

Der Eindruck des Erhabenen, des Schönen, so wohltätig er auch sein mag, beunruhigt uns, wir wünschen unsre Gefühle, unsre Anschauung in Worte zu fassen: dazu müssten wir aber erst erkennen, einsehen, begreifen, wir fangen an, zu sondern, zu unterscheiden, zu ordnen, und auch dieses finden wir, wo nicht unmöglich doch höchst schwierig, und so kehren wir endlich zu einer schauenden und genießenden Bewunderung zurück.
Goethe, Italienische Reise III, April 1783 - Bericht

Der eine Affe lacht über den Hintern des anderen.
Japan

Der eine arbeitet, der ander hat den Vorteil.

Der eine ärgert sich über das Licht, der andere über den Schatten.

Der eine aß die Feigen, und der andere bezahlt sie.

Der eine baut auf, der andere vernichtet.
Estland

Der eine baut das Schiff, der andere scheitert damit.

Der eine baut die Brücke und der andere geht hinüber.
ho] Hij heeft de brug gelegd, en een ander loopt er over.

Der eine bedarf der Hilfe des anderen.
Sallust, Der Catilinarische Krieg

Der eine bedarf der Zügel, der andere der Sporen.
la] Alter frenis eget, alter calcaribus.

Der eine befiehlt dem einen, der andere dem anderen, aus niemandem wird etwas.
Estland

Der eine beginnt das Spiel und der andere steckt den Gewinn ein.
sp] Uno levanta la caza, y otro la mata.

Der eine bekommt Lohn, der andere Prügel.
Estland

Der eine beobachtet das Gesetz getreu und ist dennoch treulos, ein Zweiter verletzt das Gesetz und ist dennoch edel.
Oscar Wilde, Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus

Der eine berechnet die Zinsen, der andere hat das Kapital.

Der eine bete und lehre, der andere schütze und wehre, der dritte arbeite und nähre.
i] Von den drei Ständen

Der eine Bettler kann's nicht vertragen, dass der andere vor der Tür steht.
Nordfriesisch] Thi ean Bedler kan't egh ferdregh, that thi öther för dör steant.

Der eine blind leittet den anderen.
la] Caecus caeco dux.

Der eine bohrt mit dem Messer in die Terebinthe, der andere zapft das Öl in den Krug.
Tartaren

Der eine braucht die Zügel, der andere die Sporen.
it] Taluno ha bisogna di sprone, taluno di briglia.

Der eine braucht's, der andere hat's, und deswegen führt man Krieg.

Der eine braut den Met, der andere trinkt ihn.
Russland

Der eine brennt die Ziegel, der andere deckt sein Haus damit.

Der eine bricht den Marmor, der andere macht Bildsäulen daraus.

Der eine bringt 's Korn zur Mühle, der andere holt 's Mehl.

Der eine Bruder brach Töpfe, der andere Krüge. Verderbliche Wirtschaft!
Goethe, Maximen und Reflexionen 245

Der eine bub hat den anderen funden.

Der eine das Fleisch, der andere die Knochen.

Der eine drischt, der andere frisst.

Der eine empfindet nicht des anderen Not.
Estland

Der eine erregt den Staub, und einem anderen fliegt er ins Auge.
China

Der eine Esel nennt den anderen immer einen Lastträger.

Der eine fängt (o. schießt) den Hasen, der andere isst den Braten.
i] Der eine hat den geistigen Genuss des Erwerbes, der andere den sinnlichen des Verzehrens

Der eine fängt den Hasen, der andere isst ihn.

Der eine fängt den Stör und der andere macht Kaviar daraus.

Der eine fängt die Bricken, der andere verzehrt sie.

Der eine fängt die Grundel, der andere kocht sie.
la] Alter occidit apros, alter pulpamento fruitur.
un] Nem azé a' nyúl, a' ki meg-lövi, hanem a' ki meg-eszi.

Der eine fiedert die Pfeile, der andere verschießt sie.

Der eine fischt auf dem Sande und der andere fängt im Wasser nichts.
kroat] Nekomu pluto tone, a nekomu olovo pluta.

Der eine frisst den Braten und der andere muss den Spieß lecken.
un] Nem azé s' sült a' ke forgattga.

Der eine füttert den Gaul, der andere muss ihn satteln.

Der eine füttert, der andere fährt.
Estland

Der eine geht zum Nächsten, weil er sich sucht, und der andere, weil er sich verlieren möchte.
Nietzsche, Zarathustra, I, Von der Nächstenliebe

Der eine gewinnt sein Brot (o. seine Nahrung) mit Sitzen, der andere mit Laufen und Schwitzen.

Der eine gewinnt seine Nahrung mit Sitzen, der andere mit Laufen und Schwitzen.

Der eine gewinnt, der andere verliert.

Der eine gewinnt's, der andere vertut's.
en] A thrifty father has a prodigal son.
fr] A père avare fils prodigue.
fr] L'un gagne, et l'autre dépend.
it] A padre avaro figlio prodigo.
sp] Á padre endurador hijo gastador.

Der eine gibt ein Fädchen, der andere gibt ein Fädchen, auf alle zusammengenommen bekommt einer ein Hemdchen.
Estland

Der eine gibt mir Geld, der andere bezahlt mich.

Der eine glaubt blind, dass er der Satan ist, und lebt als Mensch; der andere glaubt, dass er Mensch ist, und lebt wie der Satan.
Tammsaare, Satan mit gefälschtem Paß

Der eine gräbt den Brunnen und der andere löscht sich den Durst.

Der eine gründet seinen Hochmut auf rote Backen, der andere auf den Geldbeutel, der dritte auf den Verstand, den er nicht braucht.
Pestalozzi, Der natürliche Schulmeister

Der eine hackt Holz und dem anderen fliegen die Späne an den Kopf.

Der eine hält den Beutel auf und der andere steckt es rein.

Der eine hält's und der andere lässt's net fahre.
Ulm

Der eine hat Arbeit und Fleiß, der andere Nutzen und Preis.

Der eine hat das Bier gebraut, der andere schenkt's aus.
ho] Dat biertje heeft de een gebrouwd, en de ander getapt.

Der eine hat das Geld, der andere den Beutel.
dä] Den eene er skabt til pengene, den anden til pungen.

Der eine hat das Geschrei, der andere den Nutz.

Der eine hat den Beutel, der andere das Geld.
ndt] De enne hät den Büdel, de andere dat Geld.
en] Beggars breed and rich men feed.
fr] Aux uns le rôt, aux autres la fumée.
it] Uno fa le voci e l'altro ha le noci.
sp] Unos tienen la fama y otros cardan la lana.

Der eine hat den Fleiß, der andere den Preis.
i] Bei Ungerechtigkeit

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