Weisheiten 497

Der Ehrgeiz kennt kein Hindernis der Ethik, der Menschlichkeit.
Wilhelm Liebknecht, Anarchismus, Sozialdemokratie und revolutionäre Taktik

Der Ehrgeiz selbst heilt den Weisen vom Ehrgeiz: Er strebt nach so hohen Dingen, dass er sich nicht auf das beschränken kann, was Schätze nennt, Stellen, Glücksgüter und Gunst.
Jean de La Bruyère, Die Charaktere

Der Ehrgeiz verderbt die Hofleute, wie der Wein die Deutschen, das Spielen die Spanier, das Buhlen die Welschen und die Unbeständigkeit die Franzosen.

Der Ehrgeiz wird Napoleon umbringen.
Katalanisch

Der Ehrgeiz, der alle Dämme durchbricht, verursacht mehr Unglück als eine Hochflut.
Fliegende Blätter

Der Ehrgeiz, der Fehler macht, darf nicht auf Verzeihung rechnen.
Fliegende Blätter

Der Ehrgeiz, zu erfinden und zu entdecken, wird im höchsten Grade angeregt, einer wird an Vorschlägen und Ideen den anderen zu überbieten suchen.
August Bebel (1840-1913), Die Frau und der Sozialismus

Der ehrlich stand ist kein schleck (noch lauter Küchenessen).

Der ehrliche Mann aus dem einen Hause gilt als Schelm im Nachbarhause.
Jean-Jacques Rousseau, Julie oder Die neue Héloïse Saint-Preux

Der ehrliche Mann geht auf der Straße, der unehrliche an der Seite der Straße.
Livland, Lettland

Der ehrlichste Mann wird am ersten (leichtesten) betrogen.
sp] El buen hombre goza el hurto.

Der ehrt ein Ölgötzen, der den gemeinen wahn in ehren helt.

Der Eichbaum für die Herren oder für die Stadt (auch mit dem Zusatz: Eichenlaub stinkt).
[RSpW]
i] Ein vorzüglich in Lübeck geltendes Sprichwort. Es stellt das harte Holz unter den Schutz der Gesetze und ganz besonders das Eichenholz, da es bei so vielen Bauten wesentlich notwendig ist. Lübeck bedurfte es ganz besonders zum Schiffsbau und für viele andere Zwecke. Die Stadt behielt sich daher bei Verleihung der Güter ihres Gebiets das auf denselben befindliche harte Holz als Stadteigentum vor, um es vor Ausrottung zu schützen, woraus das Gewohnheitsrecht entstand, dass Eichen und Buchen auf den Meiergütern nicht den Besitzern gehörten und die Bauern bestraft wurden, wenn sie sich an diesen Bäumen vergriffen hatten. Auch an einigen anderen Orten besteht in Betreff des harten Holzes ein ähnliches Verhältnis.

Der Eichelhäher hat neun Zungen im Munde.
Estland

Der Eid allein ist Gottes Urteil.
[RSpW]
i] Daher bedurfte es, um die Unschuld zu beweisen, oft vieler Eide, wovon andere Sprichwörter reden. Wo Beweise da waren, bedurfte es des Gottesgerichts, des Eides, nicht. Die Glosse zum Sachsenspiegel sagt: Der Eid heiße eben deshalb Gottesurteil, weil er wie Wasser von einer Partei zur anderen fließe.

Der eid eines unzüchtigen Weibs und eines fürsprechers ist einerlei.

Der Eid hat keine Holung.
[RSpW]
i] Wurde im altdeutschen Recht das Geringste bei der Eidesleistung versehen, als: die Hand vom Heiligen verrückt, mit dem Nachsprechen gezaudert oder dabei gestottert, so war der Schwörende vom Eide gefallen und konnte sich nimmer erholen, denn Gott hatte seinen Eid als falsch bezeichnet.

Der Eid ist der Richter in verborgenen Dingen.

Der Eid ist der Zeuge der Wahrheit.

Der Eid ist gut, aber nicht zu allen Dingen.
dä] Med ed svares og ikke klages.

Der Eid ist gut, wer recht schwören tut.

Der Eid ist mit Dreck versiegelt.
i] Der Ton liegt auf 'der'
ho] Dat is een fransche eed.
ho] De eed is met boter bezegeld.

Der Eid ist nur da zu fordern, wo die Verletzung des Vertrages unbemerkt bleibt oder nur von Gott gestraft werden kann. Wenn man den Eid für Fälle verlangt, wo die etwaige Verletzung des Vertrages nicht unbemerkt bleiben kann und dem, welchem der Eid geleistet wird, die Macht zu strafen nicht mangelt, so tut man mehr, als zu der eigenen Verteidigung nötig ist, und man zeigt dadurch dass man nicht bloß sich wohl will, sondern auch dem anderen übel will.
Hobbes, Vom Bürger

Der Eid macht mündig.
[RSpW]
i] Nach den Gesetzen sollen Minderjährige ohne Einwilligung ihrer Vormünder keinen Eid leisten. Der Sinn des Sprichworts geht nun dahin, dass das Rechtsgeschäft eines Minderjährigen, wenn er es durch einen der Form nach gültigen Eid verstärkt hat, unwiderruflich so angesehen werden soll, als habe er bereits das gesetzliche Alter erreicht, d.h. als sei er mündig oder volljährig.

Der Eidam des Galgenstricks gleicht dem Schwiegerpapa.
i] Wie: Gleich und gleich gesellt sich gern. Über eine Sippschaft im übeln Sinne bestehen die jüdisch-deutschen Redensarten: Das is e Mischpoche (misch pachah), und: Das is e Chevruse, d.h.: Die passen zusammen oder: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich u.s.w. Zur Bezeichnung von Lumpengenossen hat man den Ausdruck 'Chawerlappes'.

Der Eidam hat ein Hundeleben.
Estland

Der Eidam oder der Fuß einer Katze ist dasselbe.
Estland

Der Eidam und der Haushund, die Magd und die Hauskatze.
Estland

Der Eidechsen sind mehr als der Störche.

Der Eifer der Arbeit wirkt oft in einer Stunde mehr, als der mechanische, schläfrige Fleiß in drei Stunden.
Christ. Fürchtegott Gellert, Sämtl. Schriften (1769), Abhandlungen und Reden

Der Eifer hat neun Häute und legt alle Tage eine ab.
ndt] De Iwer hewt niegen Hüe, he legt alle Dage ene aw.
Westfalen (Er vermindert sich mit der Zeit)

Der Eifer ist ein guter Diener, aber ein miserabler (o. schlechter) Herr.

Der Eifer ist ein schlechter Diener.
Frankreich

Der Eifer, euch der gute, kann verraten.
Schiller, Wilhelm Tell, II, 2 (Meier)

Der Eifersüchtige ereifert sich weniger über den Verlust seiner Geliebten als darüber, dass ein anderer ihm vorgezogen wird.
Paul Ree

Der Eifersüchtige hat das Horn schon in den Augen.
sp] Hombre celoso, el cuerno al ojo.

Der Eifersüchtige macht sich selbst zum Hahnrei.

Der Eifrige hat Kleider, der Schuftende Hemden.
Estland

Der Eifrige hat Roggen, der Schaffende Korn.
Estland

Der eifrigen Hand wird schon Rat.
mhd] Der wachtigen hant wert al rât.
la] Lucratur studiosa manus, bibit omnia segnis.

Der Eigendünkel ist die lächerlichste Maske der Dummköpfe.
Fliegende Blätter

Der Eigene (= die Familie) nimmt auch mit Brot fürlieb, ist auch ohne Bier zufrieden.
Estland

Der eigene Bruder - ein Bluthund, schlug immer mich (und) schonte das Pferd, der Dorfbruder (= der Dorfjunge) - ein guter Bruder, schlug immer das Pferd (und) schonte mich.
Estland

Der eigene Bruder ist ein Russe, der Verwandte ein großer Hund (= Schelm), der völlig Fremde ein Gast.
Estland

Der Eigene dient um nichts.
[RSpW]
i] Der Leibeigene dient ohne jeden anderen Lohn als um sein Leben, was er erwirbt, wie was von ihm geboren wird, gehört seinem Herrn, er ist nur Gegenstand des Sachenrechts.

Der eigene Fehler fällt beim anderen am besten ins Auge.
Estland

Der eigene Fehler ist hinter dem Rücken, des anderen Fehler (ist) vor den Augen.
Estland

Der Eigene fragt, der Fremde weiß.
Estland

Der eigene Handschuh ist der allerwärmste.
Estland

Der eigene Hund ist besser als des Fremden Hund.
Estland

Der eigene Hund macht keinen Lärm - er bellt nur.
Kurt Tucholsky

Der eigene Karpfen scheint jedem größer als des anderen Stör.

Der eigene König gefällt der Königin.
Titus Maccius Plautus, Stichus

Der eigene Kopf ist der Besmer (= die Handwaage), der eigene Sinn der Maßstab.
Estland

Der eigene Korb drückt nicht.
i] Was man für sich selbst tut, wird nicht schwer.
bm] Viastní břimĕ (nůse) netizí.

Der eigene Körper behindert einen nicht.
Sanskrit, Indien

Der eigene Kot stinkt nicht.

Der eigene Kuckuck singt immer besser als des anderen Nachtigall.

Der eigene Mann kommt immer nach - scheißt man auch von der Darrstange herab.
Estland

Der eigene Mund ist der nächste Vetter.

Der eigene Mund ist immer am nächsten.
Estland

Der eigene Mund ist immer näher als des Kindes Mund.
Estland

Der eigene Mund schmerzt nicht, wenn der fremde Zahn ausgezogen wird.
Russland

Der eigene Pfennig zahlt am besten.
ho] Met onze eigene penningen moeten wij onze schuld afdoen.

Der eigene Rat ist der älteste.
Estland

Der eigene Rock paßt auf die Knochen (= auf den Leib).
Estland

Der eigene Schmerz ist besser als eines anderen Glückseligkeit.
Bulgarien

Der eigene Schmerz ist im eigenen Körper, der Schmerz der anderen ist auf dem Baum.
Estland

Der eigene Schmerz quält, dem fremden Schmerz sieht man zu.
Estland

Der eigene Schnabelvoll ist mehr als des anderen Mannes Fudervoll.
Estland

Der eigene Schuh drückt.
Estland

Der eigene Tropfen ist mehr als eines Fremden Menge.
Estland

Der Eigene und sein Gut haben immer den nämlichen Herrn.
[RSpW]
i] Weil das, was der Eigene erwirbt, immer dessen Herrn zufällt.

Der eigene Vorteil verfälscht das Urteil vollständig.
Schopenhauer

Der eigene Wille ist immer die Hauptsache.
Estland

Der eigenen Haut fürchten.

Der eigenen Mutter Brot ist besser als der Stiefmutter Butterbrot.
Estland

Der eigenen Mutter Brot ist süßer als der Stiefmutter Weißbrot.
Estland

Der eigenen Mutter Rute tut nicht so weh wie der Stiefmutter Worte.
Estland

Der eigenen Mutter Wort ist nie so schmerzlich zu hören wie der Stiefmutter Wort.
Estland

Der eigenen Tochter wird gesagt, die Fremde soll verstehen.
Estland

Der eigennutz hat alle gute freund erwürgt.

Der Eigennutz ist das fünfte Evangelium im verkehrten Christentum.

Der Eigennutz ist die Spindel am Rocken.

Der Eigennutz spricht alle Arten von Sprachen und spielt alle Rollen, selbst die der Selbstlosigkeit.
François de La Rochefoucauld, Reflexionen

Der Eigennutz spricht jede Sprache und spielt jede Rolle, selbst die des Gemeinnutzes.

Der Eigennutz vertreibt alle Rechte.

Der Eigennutz, der die einen verblendet, erleuchtet die anderen.
La Rochefoucauld, Réflexions morales

Der Eigennützige hält sich für uneigennützig, und dies ist kein hässlicher, sondern ein schöner Zug der menschlichen Natur. Er entspringt zum Teil aus der Verehrung vor der Idee dessen, was man in der Wirklichkeit keineswegs besitzt, zum Teil aus dem richtigen Gefühl, dass jedes unserer Laster sowie jede unserer Tugenden nur Stufen zu einem Äußersten nach unten oder oben sind, nie das Äußerste selbst.
Hebbel, Tagebücher, 28. 10. 1839

Der Eigennützige und Herrschsüchtige sieht in den Personen, mit welchen er umgeht, nur ihre größere oder mindere Brauchbarkeit zur Ausführung seiner Entwürfe und hält selten etwas, das ihm weder nutzen noch schaden kann, seiner Aufmerksamkeit wert.
Christian Garve, Über Gesellschaft und Einsamkeit

Der eigensinn bleibt heur wie ferndt, wie dess Müllers pferdt.

Der Eigensinn der Kinder ist nie das Werk der Natur, sondern einer schlechten Zucht, weil sie entweder gehorchen mussten oder befehlen konnten.
Rousseau, Emile oder über die Erziehung

Der Eigensinn einer Frau ist auf eine ganz wunderliche Art befestigt. Der Graben ist hinter dem Wall, und hat man die steilsten Einwendungen erstiegen und glaubt, jetzt wäre alles geschehen, entdeckt man erst, dass das Schwerste noch zu tun sei.
Börne, Gesammelte Schriften: Fragmente und Aphorismen

Der Eigensinn ist die Energie der Dummen.
Jean-Paul Sartre

Der Eigensinnige scheißt sich die Hacken voll.
i] Wortspiel

Der eigentliche Akt und Dienst unserer Intelligenz ist die Überwindung der Trägheit. Sie bleibt jedesmal als geplatzte Fiktion hinter uns und wird dann unvorstellbar.
Heimito von Doderer, Repertorium

Der eigentliche Aufbau der sozialistischen Gesellschaft aber wird erst dann beginnen, wenn wir die vollständige Gleichstellung der Frau durchgesetzt haben und gemeinsam mit der von dieser abstumpfenden, unproduktiven Kleinarbeit befreiten Frau an die neue Arbeit gehen werden.
Wladimir I. Lenin, Über die Aufgaben der proletarischen Frauenbewegung

Der eigentliche Beweis, dass wir Talent besitzen, ist die Fähigkeit, das Talent in anderen Menschen zu entdecken.
Fliegende Blätter

Der eigentliche echte Große auf der Erde wäre nur der, der sich gar nichts Böses bewußt wäre - aber dieser Einzige ist längst gekreuzigt; dennoch geben wir Selbstschmeichler diesen Namen den Fürsten und den Genies.
Jean Paul, Impromptus, Für Stammbücher: Der Große

Der eigentliche Genuss an Kunstwerken und Büchern liegt in der Empfindung, einen größeren Geist fassen zu lernen, in der fühlbaren Erweiterung der Seele. Was wir nicht verstehen, oder was wir so völlig verstehen, dass wir es selbst hervorbringen könnten, verschafft diesen Genuss nicht.
Fliegende Blätter

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ENGLISCH
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LATEINISCH
1 2 3 4
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