Weisheiten 495

Der Dumme ist des Klugen Tafelbrett.
Estland

Der dumme Junge von Meißen.
i] Dieser Junge, von dem das wirkliche Urbild verloren gegangen ist, ist zum allgemeinen deutschen Sprichwort geworden als Quintessenz aller Dummheit. So bezeichnete man vor mehr als 50 Jahren ein altes Gemälde in einem der meißner Gasthäuser als das Bildniss des dummen Jungen. Ebenso bezeichnet man seit etwa 1750 in der Porzellanfabrik eine in einem sonst völlig leeren Zimmer aufgestellte komische Figur, dergleichen viele zur Zeit der beiden Auguste alle belustigende Caricaturen für Tafelaufsätze in derselben geschaffen wurden, als den dummen Jungen von Meißen. Man erzählt, dass diese Figur einen zwölf- bis vierzehnjährigen Knaben in natürlicher Größe dargestellt und die Eintrittsdiele zum Zimmer mittels Federdruck mit der Figur in mechanischer Verbindung gestanden habe, sodass dieselbe, bei der Annäherung von Besuchern, die Zunge zum Munde herausgesteckt hätte.

Der dumme Kerl bläst in das harte Horn, und es gibt doch soviele weiche Arschlöcher, wo er hinein blasen könnte, sagt der Garbenbinder Wenzel..
ndt] Dei dumme Kerel blässt in dat harre Horen, un et givt doch sau vêle weike Aoslöker, wo hei 'rînt blasen könne, segt de Garenbinner Wenzel.
Hildesheim

Der Dumme lässt die Tür einen Zoll offen, der Faule drei Zoll, und der Narr öffnet sie weit.
Japan

Der Dumme liebt nicht den Klugen, und der Betrunkene nicht den Nüchternen.
Russland

Der Dumme mag den Dummen, der Imam den Toten.
tü] Deli deliden hoşlanır, imam ölüden.

Der Dumme mocht allwei die gleich Dummheit, der Gscheite mocht allwei wieder a neue!

Der Dumme muss immer dem Klugen nachgeben.
Estland

Der Dumme richtet Schaden an, wenn er (auch nur) geht, um Licht zu zeigen.
Estland

Der Dumme schließt die Türe schlecht, der Faule lehnt sie nur an, der Narr lässt sie offen stehen.

Der Dumme sieht den Wald vor Bäumen nicht.

Der Dumme stirbt des Dummen Tod.
Estland

Der Dumme sucht die Tochter, und findet die Mutter.
Rumänien

Der Dumme trägt das Herz auf der Zunge, der Weise schließt das Wort ins Herz.

Der Dumme trägt sein Zeugnis auf dem Nacken.

Der Dumme verurteilt, der Kluge beurteilt.

Der Dumme weiß im eigenen Haus besser Bescheid als der Kluge im fremden.
sp] Más sabe el necio en su casa que el cuerdo en la ajena.

Der Dumme will gelobt, der Kluge gebeten werden.
Estland

Der Dumme will nicht gelehrt werden, aber der Kluge fragt sogar die anderen.
Estland

Der Dumme wünscht sich nie, gescheit zu sein, er glaubt's ohnedem, dass er es ist.
Johann Nestroy

Der Dummen voll ist alles.
Marcus Tullius Cicero, Ad familiares

Der Dummheit muss man viel zu Gute halten.

Der Dummkopf reitet auf dem Pferd und sucht es rings umher.
z] Er siehet, wie Herr Wieland spricht, den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Der Dummkopf spannt den Karren vor die Ochsen.
it] Lo sciocco mette il carro davanti ai buoi.

Der Dummkopf, welcher schweigt, gilt für weise.

Der Dummköpfe Erwerb kommt mit Leichtigkeit, und dem Beredten ist der Erwerb verschlossen. Und wenn du, o Herr, meinen Erwerb zurückbehältst wegen meiner Beredsamkeit, dann gib mir, dass ich von den größten Dummköpfen einer sei.

Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.

Der Dümmste bekommt das beste Stück vom Braten.

Der Dümmste gibt oft den besten Rat.

Der dümmste Kopf bekommt das beste Kissen.
ho] Het domste hoofd krijgt het beste kussen.

Der Dümmste wird noch einen Dümmern finden,
Der an ihn glaubt!
Max Kalbeck, Aus alter und neuer Zelt, Gedichte, Trost

Der dumpfe Massenschritt der Arbeiterbataillone...
Ferd. Lasalle, Herr Bastiat-Schulze v. Delitzsch (1864)

Der Dünckel (Dünkel) hat sich an der Herren Höff vor Rath und Gericht anstatt der vernunfft gesetzt und Regiert allenthalben.

Der Dunckel ist von jugend auff ein Febricitant gewest, und hat alle Ertzt-Theologen und Juristen angesteckt.

Der Dunckel macht den Tantz gut.

Der Duncktmich hat Gottes Sohn ans Kreuz geschlagen.

Der Dung gibt dir eine gute Ernte, das Schicksal schenkt dir eine gute Frau.
China

Der Dünger ist der Käse der Erde.
Apulien

Der Dünger ist des Bauern Gold.
Estland

Der Dünger ist mein Weihrauch, sagte der Bauer.
la] Cultor ait ruris olet coenum mihi vice thuris.

Der Dünger ist zwar kein Heiliger, aber er tut Wunder.
Spanien
bm] Ne z mračen, a z mrvení přichází pozehnáni.

Der Düngerhaufen im Hofe und die Tochter (des Hauses) auf dem Stuhl bringen gleichviel Nutzen.
Wendische Lausitz

Der Düngerwagen erhält die Kutsche.

Der Dünkel führt uns gewiss zum Bösen, ja, wenn er unbedingt ist, zum Schlechten, ohne dass man gerade sagen könnte, dass der Mensch, der schlecht handelt, schlecht sei.
Goethe, An Knebel, 8.4.1812

Der Dünkel und dunckt mich ist ein grosser Klotz, der für den Augen liegt, das kein Liecht kan hinein scheinen.

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Georg Trakl, Der Herbst des Einsamen

Der Dunst aus eigenen Töpfen ist besser als fremder Braten.

Der durch die Schrecken des Kapitalismus 'wild gewordene' Kleinbürger ist eine soziale Erscheinung, die ebenso wie der Anarchismus allen Kapitalistischen Ländern eigen ist. Die Unbeständigkeit dieses Revolutionarismus, seine Unfruchtbarkeit, seine Eigenschaft, schnell in Unterwürfigkeit, Apathie und Phantasterei umzuschlagen, ja sich von dieser oder jener bürgerlichen 'Mode'-strömung bis zur Tollheit fortreißen zu lassen - all das ist allgemein bekannt.
Lenin, Der linke Radikalismus

Der durch eigene oder fremde Schuld vor der Zeit ums Leben Gekommene muss solange vom Abendläuten an bis zum Morgenläuten umgehen, bis die abgerissenen Lebensjahre vollendet sind.
Aberglaube

Der Durchschnittsengländer ist zu schüchtern, ein Held zu sein, wenn er nicht dazu aufgefordert wird. Das britische Temperament verschwendet Heroismus niemals an unnötige Dinge.
Lloyd George, Rede zu Bangor, 28. 2. 1915

Der Durchschnittskünstler bringt Durchschnittliches hervor und nie sehr Schlechtes. Das anerkannte Genie hingegen schafft entweder wahrhaft große Werke oder absoluten Schund.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1896)

Der Durchschnittsmensch erwartet alles Gute und Böse von außen, das heißt von der Equipage und dem Arbeitszimmer, der Denkende aber von sich selber.
Tschechow, Krankenstation Nr. 6

Der Durchschnittsmensch glaubt zunächst etwas, und dann sucht er nach einem Beweis, um seine Meinung zu stützen.
Fliegende Blätter

Der Durchschnittsmensch glaubt, dass er keiner sei.
Fliegende Blätter

Der Durchschnittsmensch ist 'n Feigling.
Mark Twain, Huckleberry Finns Abenteuer

Der Durchschnittsmensch kann Erlebnisse nicht anders katalogisieren als nach den paar üblichen Normen.
Lion Feuchtwanger, Die Ziegel von Les Milles

Der Dürftige ist des Hahnreis Bruder.

Der Dürpel ist der höchste Berg.
i] Auch Dorpel = Türschwelle. Hat man die Türschwelle überschritten, ist man aus dem Hause getreten, so ist das Schwerste getan.

Der dürre Aprill
Ist nicht der Bawren (Bauern) Will,
Sondern des Prillen regen
Ist ihnen gelegen.
Kalenderspruch (16. Jahrhundert)

Der Dürre Spuren hellen, des Regens Spuren heilen nicht.
Estland

Der dürre Stamm treibt keine Sprossen mehr.
Schiller, Piccolomini (Buttler)

Der dürrste Hahn ist der beste Gockel.

Der Durst ist der beste Keller.

Der Durst ist nicht ein Ding, und doch kann er dich plagen;
Wie soll denn nicht die Sünd den Bösen ewig nagen?
Angelus Silesius, Cherubinischer Wandersmann

Der Durst löscht sich am besten mit eigenem Wein.
Italien

Der durst macht auss wasser wein.
ho] Hij heeft geen' dorst, die geen water wil drinken.

Der Durst nach Geld war die Wurzel eines giftigen Riesenbaums, in dessen unheilvollem Schatten trotz des ganzen großen Apparates von Gesetzen, Gerichten und Polizei Ihre Zivilisation fast erstickte.
Bellamy, Rückblick aus dem Jahr 2000

Der Durst nach Wissen ist jedem Menschen angeboren, die Fähigkeiten sind gleichmäßig unter den Menschen verteilt.
W. Liebknecht, Wissen ist Macht - Macht ist Wissen

Der Durstige hat Füße; der Hungrige hat Finger.
Estland

Der Durstige muss zum Brunnen gehen, der Brunnen kommt nicht zu ihm.

Der Durstige trinkt aus jedem Teich.

Der Dusselkopf stottert (d.i, besinnt sich lange), der Mann macht.
Estland

Der Düvel soll Fändrich sin, wo de Frau Hauptmann ess.

Der e (eine) hat's Hafale zerbroch'n, der anner 's Störzla.
Franken
i] Es hat jeder von beiden gefehlt
z] Er gedacht: Hast die anderswo frembde häfelen zerbrochen, so hat sie daheim krüge zerbrochen.

Der Ebe und der Unebe hänt mit enand en Laib Brot g'gessen.

Der Eben und der Uneben händ mit enand es Brod g'esse.
Luzern

Der echte Adel weiß von keiner Furcht.
en] True nobility is exempt of fear.
Shakespeare, Heinrich VI. , Zweiter Teil, IV,1

Der echte Aphorismus trifft ins Zentrum und strahlt von dort aus.
Fliegende Blätter

Der echte Deutsche bezeichnet sich durch mannigfache Bildung und Einheit des Charakters.
Goethe, Maximen und Reflexionen

Der echte Dichter ist allwissend - er ist eine wirkliche Welt im Kleinen.
Novalis, Fragmente

Der echte Künstler ist ein kritischer Künstler, ein kritisches Genie; ein Mensch, der weiß, was er tut, der folglich die Schaffensmethoden und Ausdrucksmethoden kennt.
Lunatscharski, Gedanken über die Kritik

Der echte Moslem spricht vom Paradiese
Als wenn er selbst allda gewesen wäre,
Er glaubt dem Koran, wie es der verhieße,
Hierauf begründet sich die reine Lehre.
Goethe, Divan - Buch des Paradieses - Vorschmack

Der echte Muselman wird niemals ungläubig.

Der echte Parteimann lernt nicht mehr, er erfährt und richtet nur noch.
Nietzsche

Der echte Ring
Vermutlich ging verloren.
Lessing, Nathan der Weise, III, 7 (Nathan)

Der echte Satiriker, dieser Mann, der keinen Spaß versteht, fühlt sich am wohlsten, wenn ihm ein Zensor nahm, zu sagen, was er leidet. Dann sagt ers doch, und wie er es sagt, ohne es zu sagen - das macht schon einen Hauptteil des Vergnügens aus, der von ihm ausstrahlt.
Tucholsky, Politische Satire

Der echte Schmerz begeistert. Wer auf sein Elend tritt, steht höher. Und das ist herrlich, dass wir erst im Leiden der Seele Freiheit fühlen.
Hölderlin, Hyperion

Der echte Schüler lernt aus dem Bekannten das Unbekannte entwickeln und nähert sich dem Meister.
Goethe, Maximen und Reflexionen 620

Der echte Schwabe hat Montags Nudle, Dienstags Hutzle, Mittwochs Knöpfle, Donnerstags Spätzle, Freitags gedämpfte Grundbirn, Sonnabends Pfannkuchen, Sonntags Brätle und Salätle.
i] Man unterscheidet folgende Arten von Schwaben: Seehasen, Nestelschwaben, Knöpfle- oder Suppenschwaben, Blitz- oder Bigottschwaben, Rotfüßler, Gelbfüßler und Spiegelschwaben. Der Seehas von Überlingen hatte die andern sechs zum Feldzug gegen das Ungeheuer am Bodensee, das sich später als Hase entpuppte, verführt und half sich nachher mit der Ausrede: Nun ja, Has' hin, Has' her, ein Seehas ist halt größer und grimmiger als alle Hasen im heiligen römischen Reich. Der Nestelschwab' hatte statt der Knöpfe Nesteln an Wams und Hosen, und da die meiste Zeit eine oder die andere zerrissen war, besonders an den Hosen, so musste er mit der einen Hand immer nachhelfen, was ihm so zur Gewohnheit ward, dass er auch dann so tat, wenn er nicht also hätte tun dürfen. In der Heimat des Knöpfle- oder Suppenschwaben besteht die löbliche Gewohnheit, dass man jeden Tag fünfmal isst, und zwar fünfmal Suppe und zweimal dazu Knöpfle oder Spätzle. Der Bigottschwab ist nicht bigott, aber er beteuert, flucht und schwört gar oft mit dem Ausdruck bigoscht, zur Abwechselung Potz Blitz oder beim Deixel. Der Rotfüßler hält es mit den Tieren, die rote Füße haben, d.h. er trinkt Gänsewein. Der Gelbfüßler war von Bopfingen, wo man dem Herzog die jährliche Abgabe von Eiern zu geben hatte, sie in einen Korbwagen tat und, damit recht viel hineingingen, mit den Füßen eintrat, was ihrer Ehrlichkeit keine Schande macht. Zur Zeit des Spiegelschwaben waren die Taschentücher noch nicht in Brauch, daher schwengten einige das Ding gleich von sich weg, was jetzt die Leute in die Tasche stecken; andere schmierten es dahin oder dorthin, der Spiegelschwab an den Vorderärmel, wo es sich zum Spiegel ansetzte und beim Sonnenschein glitzte.

Der Edel geht betteln.
Nassau

Der Edelgesinnte liebt die Berge, der Weise hat seine Freude am Wasser.
Japan

Der edelgesinnte Mensch ist selbstbewusst, doch nicht hochmütig. Der gewöhnliche ist hochmütig, doch nicht selbstbewusst.
Konfuzius

Der Edelleute Feste fallen selten in den Christmond.

Der Edelmann am Hofe dient, indes ihm daheim der Knüppel grünt.
i] Zur Schilderung des Polnischen Höflings

Der Edelmann fährt mit sechs Pferden, der Bettler stützt sich auf zwei Stöcke, aber am Grabe holt er den Edelmann ein.
Lettland

Der Edelmann hat immer recht, wenn klage ein Knecht.
Russland

Der Edelmann in seinem Bereich ist dem Wojwoden gleich.
i] Von dem großen Einfluss, den selbst der ärmste polnische Edelmann auf die öffentlichen Angelegenheiten seines Landes hatte. Das Wahlrecht machte, dass der höchste Adel den kleinen Edelmann, selbst wenn er mit eigener Hand den Pflug führte, mit 'Bruder' anredete. Die Stimme eines einzigen Edelmanns konnte die Landtagsverhandlungen unterbrechen. Auch auf das Alter seines Stammbaums legte der polnische Adel, besonders gegenüber dem deutschen, ein großes Gewicht. Ein polnischer Edelmann, sagt er im Sprichwort, ist älter als ein deutscher Baron.

Der Edelmann verlangt nur den Honig, die Edelfrau will auch das Wachs dazu.
Moskau

Der Edelmann, ist er ein edler Mann, hält wohl auch, was er verspricht.
bm] Pravil pán, kozich dám; zatim slevo jeho teplé.
bm] Slíbiti jest pansky, drzeti chlapsky.
fr] Le gentilhomme promet, le bourgeois tient sa parole (les promesses).
fr] Promesse de grand n'est pas héritage.
la] Qui cito, qui temere spondet se multa daturum quae male promisit, turpius ille negat.
sd] Lofva är herrachtigt, men hålla är fattig mans twång.
un] Igérni uraság; meg anni parasztság.

Der edelste Beweggrund ist das Allgemeinwohl.
en] The noblest motive is the public good.
Wahlspruch der White

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ENGLISCH
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ITALIENISCH
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LATEINISCH
1 2 3 4
PORTUGIESISCH
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SPANISCH
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