Weisheiten 445

Den Lebenskünstler erkennt man daran, dass er seine schlechten Erfahrungen von anderen machen lässt.
Hans Joachim Clarin

Den Lebenslauf des Esels erzählen.
Altgriechisch
i] Von abgeschmackten und lächerlichen Erzählungen, albernem Geschwätz.

Den leeren Schlauch bläst der Wind auf;
Den leeren Kopf der Dünkel.
Claudius, Denksprüche alter Weisen

Den Leib können sie töten, die Seele nicht. Mein himmlischer Vater möge der meinigen gnädig sein.
Zwingli, Letzte Worte auf dem Schlachtfeld Kappel, 11. 10. 1531

Den leid' et on, wie em Wolf et Heufressen.
Eifel
i] Ironisch von jemandem, der zu etwas wenig Neigung hat, weil dem Wolfe das Heufressen wenig anliegt.

Den Leidenschaften verdanken die Wissenschaften und Künste ihre Entdeckungen...
Helvetius, Vom Geist

Den Leiher nennt man Vetter; wenn er aber sein Geld wiederfordert, heisst er Fretter.

Den Leiher sucht man viele Meilen auf, den Forderer wirft man die Stiegen herunter.

Den leken (liegen) ôck de Nierkes wärm.
Meurs

Den Letzkopf aufsetzen.
i] Sich gegen alle Gründe verhärten, hartnäckig auf seiner Absicht, seinem Willen bestehen, verkehrt oder im Widerspruch mit andern handeln.

Den letzten Akt spielen.
i] Die Sache ganz und gar beenden
la] Supremum fabulae actum addere. Cicero

Den letzten beißen die Hunde.
ndt] Wat nåkummt, dat bitt de Wulf.
en] The devil takes the hindmost.
en] The weakest goes to the wall.
en] The devil take the hindmost.
fr] Le dernier, le loup le mange.
it] Chi tardi arriva male allogia.
la] Occupet extremum scabies.
sp] Al postrero muerde el perro.

Den letzten biten die Hunde.
Pommern
dä] Den sidste bide hundene.
fr] Le dernier le loup le mange.
ho] Den laatsten man bijten de honden.
la] Extremum occupet scabies. Horaz

Den letzten die guten Stücke.
i] Es trifft sich nicht selten, dass diejenigen, welche sich selbst an letzte Stelle gesetzt haben oder zuletzt bedient werden, bei einer Teilung gut wegkommen.
fr] Aux derniers les bons (morceaux).

Den letzten Dime in Slings vertrinken.
Nordamerika
i] Silbermünze von 10 Cents in den Vereinigten Staaten, 1/10 Dollar.

Den letzten Fleck daraufnähen.

Den letzten fressen (beißen) die Hunde.
i] Der letzte Gläubiger verliert allein oder doch am meisten bei Subhastationen und Concursprocessen.
ndt] A Leedst bat a Hüunj. Amrum

Den letzten Gang müssen wir alle gehen.
la] Calcanda semel via leti. Horaz

Den letzten holt der Teufel.
en] The devil takes the hindmost.

Den letzten Käse geben.
Rendsburg

Den letzten Knopf springen lassen.
i] Den letzten Pfennig ausgeben.

Den letzten kommen die rauden an.
i] Der Letzte soll die Krätze bekommen. Altrom
i] Der Letzte gilt für krätzig. Altrom
i] Ursprung bei den Wettläufen, die von römischen Knaben untereinander angestellt wurden. Die zuletzt ans Ziel Gelangenden wurden verhöhnt, nachdem beim Auslaufen das Extremum occupet scabies als Trumpf gesetzt worden war.

Den letzten Stich machen.
i] Etwas zu Ende bringen.
la] Circulum absolvere.

Den letzten Trumpf ausspielen.
Steiermark
i] Die letzte Kraft daran setzen, das letzte Mittel verwenden.
jüdisch-deutsch] Er hot gemacht a Siijem. (Siijem heisst das Mahl, welches bei Gelegenheit der Beendigung irgendeines Studiums, wie z.B. der Bibel des Talmud, gegeben wird, und bedeutet wörtlich Schluss, Ende, den letzten Trumpf ausschlagen)

Den letzten Wurm aus dem Hintern ziehen.

Den letzten Ziegel ein- oder auflegen.
i] Die Mauer fertig machen, den Bau oder das Werk vollenden.
la] Summum fastigium imponere.

Den letzten, schlechten, leeren Augenblick,
Der Arme wünscht ihn festzuhalten...
Goethe, Faust II A V, Großer Vorhof des Palastes (Mephisto) Vs 11589

Den Leuchter suchen, wenn man das Licht schon in der Hand hat.
la] Arrepta candela candelabrum quaeris.

Den Leuten beliebt, warum man sie treibt und trübt.
la] Nitimur in vetitum.

Den Leuten die Fersen behauen.
i] Wohl in Bezug auf üble Nachrede.

Den Leuten dient man mit Geben, dem Herrgott mit Nehmen und Danken.

Den Leuten einen blauen Dunst für die Augen ziehen.

Den Leuten gibt man mit Geben, Gott mit Nehmen und mit Danken.

Den Leuten guts tun, bringt liebe und ruhm.

Den Leuten im Maul herumfahren und jedermann auf der Zunge sitzen.

Den Leuten in die Mäuler kommen.

Den Leuten ist nichts schädlicher, denn unnütze Boten.
i] Es ist hier von Gerichtsboten die Rede, die durch nachlässige Ladungen oder ungenaue Ausführung anderer gerichtlicher Aufträge den Parteien großen Nachteil verursachen konnten. Wegen der Wichtigkeit seiner Stellung und des durch seinen Saumsal möglichen Schadens wurde er mit einer eigentümlichen Strafe bedroht, mit des Königs Malter, die große Ähnlichkeit mit einem 'kaiserliche Frühstück' hat. Es waren dies nämlich zweiunddreißig Schläge mit einer grünen Eichengerte, die zwei Daumellen lang ist. Im schwäbischen Lande wurde des Königs Malter nur zu dreißig Schlägen gerechnet.

Den Leuten nach dem Munde reden.
la] ad alienam voluntatem loqui. Cicero

Den Lichtzieher zum Schah der Sonne machen.

Den lieb ich, der Unmögliches begehrt.
Goethe, Faust II A II, Am untern Peneios (Manto) Vs 7488

Den liebe, der dir deine Fehler im Vertrauen mitteilt.
Hebräisch

Den lieben Gott in die Schule nehmen wollen.
i] Von jemandem, der alles besser wissen will als andere, und namentlich auch die schulmeistern will, die gerade den Gegenstand am genauesten kennen, welcher den Adler fliegen, die Fische schwimmen, die Espe zittern, den Storch klappern lehrt, der, wie die Franzosen sagen, mit den Franciscanern lateinisch reden und mit den Venetiern die Minerva unterrichten will.

Den lieben Gott lass ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt!
Eichendorff, Der frohe Wandersmann

Den lieben Gott mit dem Teufel bezahlen.
i] Der Undankbare

Den lieben Kindern gibt man viele Namen.

Den Liebesvermittler mag man lieber als die Eltern.

Den linken Ochsen zuerst aufjochen. Nordamerika

Den Litauer für einen Bastschuh (Pareska) halten.

Den Litauern gutes Fleisch und den Herren die Knochen.
i] Damit drücken die Litauer ihre Abneigung gegen ihre Feudalherren aus.

Den Löffel aufheben und die Schüssel zerbrechen.
Luther
i] Dem Geringfügigen mehr Aufmerksamkeit schenken als dem Wichtigern.
z] D.h. carbones prothesaura ein Löffel aufheben und eine Schüssel dafür zerbrechen.

Den Löffel hat so mancher, aber die Suppe fehlt.

Den Löffel reicht er und mit der Gabel sticht er.

Den Lohn der Tugend kannst du erschleichen, die Tugend nicht.
Russland
it] La virtù non s' acquista mai per successione.
la] Nullum theatrum virtuti conscientia majus est. Cicero
sd] Dygden ärfwes icke altijd.

Den Lorbeer auf dem Kopfe und ein leerer Magen stimmen (vertragen sich) schlecht.

Den Lorbeer in Rosinenkuchen suchen.
i] Sich bei geringfügigen, kleinlichen Geschäften Ruhm erwerben wollen.

Den Löwen bei den Pfoten erkennen.

Den Löwen erkennt man an den Klauen (o. Tatzen).
bm] Lva a medvĕda po pazouru poznás.
fr] A l'ongle on connaît le lion.
it] Dall' unghia si conosce il leone.

Den Löwen erkennt man an den Tatzen.

Den Löwen freut's, dass ihm der Bär gehorcht,
Nicht dass ihn Hund und Katze König schimpfen.
Th. Körner, Zriny, III, 4 (Soliman)

Den Löwen mit dem Clausen verschröcken.
la] Terrere leonem larva.

Den Löwen nach der Klaue malen.
la] Ex ungue Leonem.
Sophron von Syrakus (Plutarch)

Den Löwen widerlegt man nicht nach seinem Tode.

Den Löwen wundert's nicht, wenn der Jäger ihn verwundet, doch ist er voller Wut, wenn's der Esel tut.

Den Lügen muss man ein Färblein anstreichen.
i] Eine Gestalt geben; man gibt ihnen gewöhnlich die der Wahrheit.

Den Lügenpelz anlegen.
z] Wer es mit allen Guten ehrlich meint, braucht nicht im Lügenpelz sich zu vermummen.

Den macht ein guter Tag nicht besser und ein böser nicht schlimmer.
en] A good day will not mend him nor a bad day impair him.

Den Mächtigen, der dir helfen konnte, zu vergessen, ist dasselbe wie ihn verachten.
Kikuju (Kenia)

Den Mädchen fehlt nichts als ein Mann, und wenn sie den haben, fehlt ihnen - alles.

Den Mädchen, so empfänglich sind, ist es bald beizubringen.
la] Parit puella etiam si malo adsit viro.

Den Mädgen ist ein Kuß, was uns ein Glas voll Wein...
Goethe, Mitschuldigen A I Sz 2 (Söller)

Den mag keine Schuld beladen, der nicht mit Willen stiftet Schaden.
la] Haud est nocens, quicunque non sponte est nocens. Seneca

Den mag selber der Teufel nicht.
la] Orci fastidium est. Apulejus

Den Magen des Murrenden vermag niemand zu füllen.
Estland

Den Magen sättigt ein Straussenei, das Auge keine Straussenheerde.

Den Magen zu einer Apotheke machen.

Den Mageren gehen die Hosen leicht herunter.

Den Mai muss man nehmen, wann er kommt, und käm' er zu Weihnachten.

Den Maien voll Wind begehrt das Bauerngesind.

Den Maien zwischen zweien.
i] Nicht zu trocken, nicht zu feucht.

Den Mammon schilt niemand, weil er der Welt wolgefällt.

Den man darum schuldigt, der muss darum antworten.
[RSpW]
i] Der Erbe, welcher von einem Gläubiger des Erblassers in Anspruch genommen wurde, war so weit zur Zahlung verpflichtet als das Erbtheil reichte, aber nicht darüber hinaus.
mhd] Den man darumme schuldeget, de mogt darumme andworden.

Den man nicht gern hört, dem nutzt sein wollreden nichts.

Den man nicht kennt, dem folgt man nicht gern.

Den Mann aus Córdoba muss man fürchten: aus einer Nadel macht er drei.
sp] Cordobés, mala res: de una aguja hace tres.

Den Mann beim Wort, den Stier bei den Hörnern.
Estland

Den Mann beim Wort, die Frau beim Schwanz (= beim Rockschoß).
Estland

Den Mann bemerkt man an seinem Gange.
Finnland
sd] Mannen kiännes aff talet.

Den Mann beurteilt man nicht nach seinem Rocke.
Finnland

Den Mann bindet das Wort allein; der Ochse will gekettet sein.

Den Mann der Not macht wohl der Reichtum tot.
ho] Hij, die een man was in den nood, die blijft wel onder weelde dood.

Den Mann ein Tropfen Gift, den er um alles in der Welt nicht verschlucken möchte.
Möser, Patriotische Phantasien

Den Mann empfängt man nach dem Kleide und begleitet ihn nach dem Verstande.

Den Mann erkennt man an seinem Verstande...
Kleist, an Karoline von Schlieben, 18. 7. 1801

Den Mann erkennt man an seinen Worten.
Estland

Den Mann erkennt man an seiner Frau, das Kind an seiner Mutter.

Den Mann erkennt man in seinem Amt (Beruf).
dä] Man prøver best en mand i sin væld.
ho] Men kent een man niet eer voor dat hij komt tot eer.

Den Mann erkennt man ja nicht am Rock.
Estland

Den Mann erkennt man nicht am Bart.
Estland

Den Mann hat's.
z] So nennt der Sprachbrauch dortlands jenen Zustand, wo der Liebe Zauber uns gepackt hat.

Den Mann ich halb verdorben acht, dessen Vieh nicht bringt, noch tragt; des Weib gern trinket Wein, des Sohn ein Spieler pflegt zu sein, die Tochter man auf der Gassen findt und Magd und Knecht selten zu Hause sind.

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