Weisheiten 433

Den Aphorismus kultivieren nur diejenigen, die das Bangen inmitten der Worte kennengelernt haben, jenes Bangen, mit allen Worten zusammen einzustürzen.
E. M. Cioran

Den Arbeiter versucht nur ein Teufel, den Müßigen zwei.
ho] Den quaetste werkman ghoofs men die quaetste bile.
la] Peior peiori datur ascia nunc operanti.

Den ärgsten Verdruss bereitet ein spaßhaft gemeintes Wort, das die Wahrheit enthält.

Den Argwohn fliehe wie das Gift, weil er gar oft die Unschuld trift.
Neresheim

Den Argwohn kannst du leicht betrügen;
Sprich wahr, so wird er sich selbst belügen.
Wilhelm Müller, Epigramme (1837)

Den Argwohn muss man in der Geburt ersticken.

Den Arm regen, heisst den Leib pflegen.

Den arme Mann bedure, magd em net satt; wat hölpt betrure döm, de nüs hat.
Aachen

Den Ärmel länger machen als den Arm.

Den Armen bittet niemand zur Hochzeit.
it] La povertà non ha parenti, nè amici.
la] Quam raro egregios pauper sortitur honores.

Den Armen bläßt der Wind ins Gesicht.
Deisslingen

Den Armen fragt niemand nach der Wahrheit.
Litauen

Den Armen friert überall.
bm] Chudému vzdycky zima.
wend] Khudomu wječuje zyma.

Den Armen gegeben ist wohl gesäet.
en] Giving to the poor, increases the store.

Den Armen gilt der Groschen für einen Taler.
bm] Chudému i dva česká hromádka hezká. - Chudému skýva za bochník. - Nuznému i kousek za celý krájc.

Den Armen ins Feld, den Reichen ins Geld.
la] Dat veniam corvis, vexat censura columbas. Juvenal

Den armen ist hier nichts gegeben
als gute hoffnung, böse zeit.
Oswald v. Wolkenstein, Wer hier um dieser welten lust

Den armen ist's leben lang, den reichen kurtz.

Den armen jn den galgen, den riken under dat hoge altar.

Den armen Judas singen müssen.
i] In Armut, Not, Elend, in einen Zustand geraten, in dem man Klagelieder anstimmt. Die Redensart kommt in einem Spottgedicht auf Friedrich von der Pfalz als (Winter-) König von Böhmen vor. Es heisst dort Vers 11: 'Den armen Judas musst du singen gar bald, mein lieber Friez.' Sie ist aber jedenfalls älter und bezieht eich auf ein früheres Lied. Dag Gedicht ist überschrieben: 'Im Ton: o du armer Judas, was hastu getan?'

Den Armen kennt niemand, der Reiche hat überall Vettern.
sp] Quien pobreza tiene, de sus deudos es desden, y el rico, sin serlo, de todos es deudo.

Den Armen kuriert Arbeit, den Reichen der Doktor.

Den Armen Lazarum last man liegen; dessen Freund seynd Lumpen, Leuss und Hund.

Den Armen liegt es ob, die Reichen in ihrer Macht und ihrem Müßiggang zu erhalten. Dafür dürfen sie arbeiten unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbieten unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen.
France, Die rote Lilie

Den Armen machet reich der Wein, drum sollt' er allzeit trunken sein.

Den armen Mann beisst die lahme Hündin, selbst wenn er auf einem Kamel reitet.
Libanon

Den armen Mann mit guten Sinnen
Soll man vor dem Reichen minnen,
Wenn dieser nicht nach Ehre strebt.
Walther von der Vogelweide

Den Armen nimmt die Not gefangen, den Reichen zerstreuen seine Vergnügungen. Jede Lage hat ihre Pflichten, Gefahren, Ablenkungen, und nur das Genie wird ihrer Herr.
Luc de Clapiers Marquis de Vauvenargues, Nachgelassene Maximen

Den Armen sterben die Ziegen, und den Reichen die Kinder.
Schweiz

Den Armen stößt man ins Loch (od. in die Grube), den Reichen hebt man hoch.
Estland

Den ars mit Heffen wischen.
z] Sich mit eins anderen Dreck wöllen waschen, wüschen und schön machen.

Den Arsch am Ofen und den Bauch am Tische, isst man gemütlich Fische.
fr] Être le dos au feu et le ventre à table.

Den Arsch feil tragen.
i] Von Frauenzimmern, die ausgehen , Männer zu fangen

Den Arsch fütternd bekommt man nichts.
Estland

Den Arsch in die Schanze schlagen.
i] Etwas wagen, sich einer Gefahr aussetzen

Den Arsch vom Bett, so bleibt der Laken rein.
ho] Met de billen van 't bed, zei meester Barend, dan bevuil je de lakens niet.

Den Arsch waschen.
i] Erfolglose Arbeit

Den Arsch weiter tragen.
i] Sich auf den Weg machen

Den Arss auffdecken.

Den arss mit ase oder trabern wischen.
la] Lutum luto purgare.

Den Arzt holen, wenn der Kranke tot ist.
en] After death comes the physician.
fr] Après la mort le médecin.
ho] Den dokter halen, als de zieke dood is.
la] Bello peracto machinas adferre.

Den Arzt zum Erben setzen.

Den Arzt, der jede Pflanze nennt,
Die Wurzeln bis ins Tiefste kennt,
Dem Kranken Heil, dem Wunden Lindrung schafft,
Umarm ich hier in Geist- und Körperkraft.
Goethe, Faust II A II, Am untern Peneios (Faust) Vs 7345f.

Den Ärzten sind ihre Irrtümer am wenigsten zu verzeihen.

Den Ast absägen, auf dem man sitzt.
i] Sich selbst schädigen
la] Asciam ipse sibi in crus impingit.

Den Ast bauen.
i] Gehängt worden

Den Atem sparen.
i] Wenig sprechen

Den Ätna sieht man stets mit weißem Hut und einem Weinfass im Munde.
i] Der Schnee soll auf der Spitze des Ätna nie schmelzen, während an den Abhängen des Berges Wein blüht und reift.

Den auf der Türschwelle Sitzenden und den auf die Straße Scheißenden belästigt jeder.
Estland

Den Aufstieg einer Frau zu einer höheren Position hemmt nicht der Chef, sondern seine Sekretärin.
Lore Lorentz

Den Augen eines Verliebten sind selbst Pockennarben Lachgrübchen.

Den Augen glauben ist besser (o. ist mehr zu trauen) als den Ohren.
ndt] Den oyen is beter to löven als den oren.
fr] Les yeux ont plus de crédit que les orêilles.
it] Gli occhi hanno più credenza che l'orecchie.
la] Homines amplius oculis quam auribus credunt. Seneca
la] Oculis habenda quam auribus est maior fides.
la] Oculis magis habenda fides quam auribus.
la] Plus oculo credam, quam binis auribus uni.
un] Többet hisznek a szemnek mint a fülnek.

Den Augenblick genießen, sich aber nicht darin verlieren, ist das vornehmste Grundgesetz aller Lebensweisheit.
Lebensphilosophie

Den Augenblick immer als den höchsten Brennpunkt der Existenz, auf den die ganze Vergangenheit nur vorbereitete, ansehen und genießen, das würde Leben heißen!
Hebbel, Tagebücher, 23. 4. 1842

Den Ausdruck eines Gedankens verbessern, heisst einen besseren Gedanken ausdrücken.
Kudszus

Den Bach misten (o. umdüngen).
i] Unnütze Arbeit

Den Bäcker hängt man, den Schenker (Mundschenk) lässt man laufen.
i] Ist aus 1 Mos. 40, 21. 22 zu erklären
ho] De schenker kwam vrij, maar de bakker word gehangen.

Den Bäcker muss man nicht fragen, wie Bareschki schmecken, denn er selbst hat noch keine gegessen.
i] Die auf dem Plateau des Waldaigebirgs gelegene Stadt Waldai treibt einen bedeutenden Handel mit einem Brezel- oder vielmehr kringelartigen Gebäck, Bareschki genannt.

Den Badetag soll man halten wie den Sonntag.
i] Erklärt sich vielleicht daraus, dass die Badestuben im Mittelalter nicht wie heute täglich, sondern nur an bestimmten, von der Obrigkeit festgesetzten Tagen zum Gebrauch geöffnet waren, an kleinern Orten gewöhnlich Sonnabends, in Städten Montags oder Dienstags, Donnerstags und Sonnabends. Fiel auf diesen Tag ein kirchlicher Feiertag, so trat der nächstfolgende Werktag an die Stelle. Kriegk erzählt, dass der, welcher in Frankfurt a.M. am anderen Tage baden wollte, dazu die bürgermeisterliche Genehmigung einholen musste.

Den Bahner anbringen.

Den balck kan niemand bergen, den man in den augen sihet.

Den Balg füllen.

Den Balg selbst herzutragen wie der Fuchs.

Den Balg selbst zum Kürschner tragen.

Den Balken aus dem eigenen Auge ziehen.

Den Ball an die Wand werfen, damit er wieder zurückkomme.
i] In dem Sinne: die Wurst nach der Speckseite werfen
fr] Jetter la pile contre le paroy.
la] Pilam allidere parieti.

Den Ball beim Aufschnellen erwarten.
i] Den rechten Zeitpunkt benutzen
it] Aspettar la palla al balzo.

Den Ball im Sprunge nehmen.
i] Den günstigen Augenblick erhaschen, etwas zur rechten Zeit tun

Den Ballast über Bord werfen.

Den bängsten Traum begleitet
Ein heimliches Gefühl,
Dass alles nichts bedeutet,
Und wär' uns noch so schwül.
Hebbel, Dem Schmerz sein Recht

Den Bären ans Honigfass binden, dass er's hüte.
Russland

Den Bären brummen lassen.
z] Der Bürgervorstand musst' vor Aerger verstummen, die ganze Stadt, sie lacht ihn aus, und liess den Bären brummen.

Den Bären entgehen und dann von den Wölfen gefressen werden.

Den Bären fängt, wer kann, nicht wer will.
Russland

Den Bären kann man an keinen Strohhalm binden.
dä] Det er ikke godt at stinge biörn med skiev.

Den Bären loslassen.
i] Den Leidenschaften, den Ausbrüchen der Lust und des Mutwillens den Zügel schießen lassen.
ho] Hij last den beer los.

Den Bären mit dem Honig zu Markte schicken.
Russland

Den Bären suchen und vor ihm stehen.

Den Bären treiben.
z] Wann ich hab zwischen beyden lieben, den Beren jn trewlich getrieben. Hans Sachs

Den Bärenpelz machen.
i] Das Rauche herauskehren

Den Bart in der Stadt lassen.
i] Sich vor der Rückreise aufs Land dort rasieren lassen

Den Bart opfern, um den Kopf zu retten.

Den Bast reiß, wo er reisst, die Tochter verheirate, wohin man sie weist (o. holt).
Galizien

Den Bastschuh, den man angezogen, muss man tragen.
Litauen
i] Folgen guter oder schlechter Verheiratung

Den Bauch füllt man leichter als die Augen.
ndt] Der bauch wirt eim ehe voll, denn die augen.

Den Bauch kann man füllen, das Auge füllet nur Grabstaub.
Türkei
mhd] Der bauch wirt eim ehe voll, denn die augen.
ndt] Der bauch wirt eim ehe voll, denn die augen.
ndt] A Büük as fol iar a Uugen. Amrum

Den Bauch verhatscheln, heißt nach dem Kirchhof watscheln.
it] Chi troppe nutrisce il suo corpo non fa mai vecchie ossa.

Den Bauch verhätscheln, heisst zum Kirchhof watscheln.
it] Chi troppe nutrisce il suo corpo non fa mai vecchie ossa.

Den Bauer ehrten sie, und er meinte, dass sie sich vor ihm fürchteten.
Neugriechisch

Den Bauer erkennt man an der Gabel, den Advokaten am Schnabel.

Den Bauer für einen Bastschuh halten.
Litauen
i] Ihn sehr gering achten. Der Bastschuh (Pareaka) ist eine Fußbekleidung aus Bast von sehr geringem Wert, der mit einem leinenen Tuche umwundene Fuß der Landleute wird damit bekleidet.

Den Bauer schützt sein Spitz, den Klugen sein Witz.

Den Bauern das Fleisch, den Herren (o. Pfarrern) die Knochen.
Litauen

Den Bauern das Fleisch, den Herren die Knochen.

Den Bauern erkennt man an der Gabel, den Advokaten am Schnabel.

Den Bauern gehört Haberstroh.

Den Bauern gnua Mist - den Herren gnua Geld. Bua, dös wäar a Leben auf derer Welt!

Den Bauern ist gut pfeifen.
i] Sie sind nicht gewählt
fr] A gens de village trompette de bois.
la] Sat facis indoctus fidicen saltare volenti.

Den Bauern ist gut predigen.

Den Bauern lasse ja nicht wissen, dass Brot und Birnen so gute Bissen.
it] Al contadino non far sapere, quanto sia buono il cacio colle pere.

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