Weisheiten 428

Dem Traum soll man so wenig glauben wie einem Hunde.
Serbien

Dem träumt 's, 's schnei Bollen, un net g'nug.
Schwaben

Dem träumt's von der vorigen Fastnacht.
Franken
i] Von einem Zerstreuten.

Dem Trauwohl hat man den Gaul weggetrieben.
ho] Trouw reed met het paard weg.

Dem treuen Mädchen brach das Herz, nachdem sie den Treulosen geliebt. Ach, sagte sie, warum bricht es zu spät? Der Demant zerspringt schon, wenn ein treuloses Herz nur annaht, und warnt das treue.
Jean Paul, Polymeter: Die Treulosigkeit

Dem Trinker ist der Rock nicht an den Leib gepicht.

Dem trotzigen Weib lass die Leine locker.
sp] A la mujer brava la soga larga.

Dem Trunke ergeben sein.
fr] Être sujet à l'yvrognerie.

Dem Trunke zu viel tun.
fr] Il se fait beau garçon.

Dem Trunkenbold kommt auch der Teufel mit dem Maß entgegen.
Rumänien

Dem Trunkenen geht man aus dem Weg.

Dem Trunkenen leuchtet das Licht nicht, es blendet ihn.
bm] Opilý svicky nepostaví, ale svalí.

Dem trunkenen Manne soll ein Fuder Heu ausweichen.

Dem trunkenen Manne soll ein geladener Wagen weichen.
z] Ein Weisthum bestimmt sogar: wenn ein Düngerwagen mit fünf Pferden angefahren und ihm ein Betrunkener in den Weg käme, so soll der Fuhrmann still halten, den Mann an sich vorübergehen lassen, ihm auch gute Worte auf den Weg geben und erst dann seine Straße weiter fahren, denn sonst könnte er Anlass zum Zorn geben.

Dem Trunkenen wird die Zunge schwer.

Dem Trünklein geneigt sein.

Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm!
Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen?
Was er erkennt, lässt sich ergreifen.
Goethe, Faust II A V, Mitternacht (Faust) Vs 11446

Dem Tunichtgut gib Geld in die Hand und in den Ehestand.
sp] Al malo darle dinero y casarle.

Dem Türken kommt der Verstand erst, wenn es zu spät ist.
i] Bei den Osmanen sind die Türken, worunter sie aber auch die halbwilden Nomadenherden türkischen Bluts in Anatolien und Mittelasien verstehen, nicht gut angeschrieben. So sagen sie von denselben warnend: Dem Türken bleibe nichts schuldig; am Hochzeitstage oder am Bairamsfeste wird er seine Schuld eintreiben.

Dem Türken scheint die Stadt ein Gefängnis.

Dem Türken und dem kleinen Kinde versprich entweder nichts, oder gib es ihm.
Herzegowina
bm] Dítĕtí dej, a neslibuj, a tak také Turku.

Dem tut das Maul nicht wehe.

Dem tut der Kopf (schon lange) nicht mehr weh.
i] Er ist gestorben.
ndt] Den dêft de Kop nich mêr weh. Pommern
dä] Hans hoved vaerker ikke som det giorde.

Dem tut er's im schlaf beschern.

Dem tut kein Zahn mehr weh.
fr] Il y a longtemps, qu'il n'a plus mal aux dens.
ho] Zijne tanden doen hem niet meer zeer.

Dem Tyrannen steht es wohl an, religiöse Ergebung zu predigen, und die, denen er auf Erden kein Plätzchen verstatten will, an den Himmel zu verweisen.
Johann Gottlieb Fichte, Reden an die deutsche Nation 8

Dem Übel entronnen und Besser gewonnen.
la] Effugi malum, inveni bonum.

Dem Übel nicht mit Gewalt zu widerstreben, ist kein Gebot, sondern ein entdecktes, bewusst erkanntes Lebensgesetz für jeden einzelnen Menschen und für die gesamte Menschheit -ja für alles Lebendige.
Leo N. Tolstoi, Tagebücher (1907)

Dem Übel soll man entgegen gehn (und stehn).
fr] Contre mauvais fortune bon coeur.

Dem Übel soll man entgegengehen. (Problemen muss man sich stellen)

Dem Überfluss geht vil ab, dem geiz alles.

Dem unaufrichtigen Menschen scheint die ganze Welt verlogen und unwirklich; sie zerfällt unter seinen Händen zu einem Nichts.
Hawthorne, Der scharlachrote Buchstabe

Dem ungeborenen Kind näht man kein Höschen.
tü] Doğmadık çocuğa don biçilmez.

Dem Ungemessnen beugt sich die Gefahr,
Beschlichen wird das Mäßige von ihr.
Goethe, Natürliche Tochter A I Sz 6 (Eugenie) Vs 597

Dem Ungetreuen öffnet die Treue die Tür zu seinem schädlichen Tun.
la] Aditum nocendi perfido praestat fides.

Dem Unglück kann man nicht entlaufen.
fr] On ne peut fuir, sa mauvaise destinée.

Dem Unglück muss man fest entgegentreten.
la] Capienda rebus in malis praeceps via. Seneca

Dem Unglück sind keine Mauern zu hoch.

Dem Unglück sucht jeder aus dem Wege zu gehen.
i] Sogar den Unglücklichen.

Dem Unkraut schadet der Frost nicht.
Portugal

Dem Unreinen ist nichts rein, sondern unrein ist ihm Sinn und Gewissen.
Paulus, Brief an Titus 1, 15

Dem unstedigen Mond kan man kein kleyd anmachen.

Dem Unterdrückten das Fleisch, dem Unterdrücker die Knochen.
Altschottisch

Dem Unverdrossenen ist kein Ding zu schwer, der Fleiß macht alles gering.

Dem unvorsichtigen kann man leicht in die Karten sehen.

Dem Unwissenden werden siebzig Irrtümer vergeben, dem Gelehrten nicht ein einziger.
Arabien

Dem Unzufriedenen bringen Reichtum und Ehren der Pein genug.

Dem Vater gleicht oft der Sohn und singt gern nach seinem Ton.
la] Saepe solet similis filius esse patri.

Dem Vater und Mutter gebührt keine Ehr,
Der sein'm Kind gönnt weder Lieb noch Lehr.
Rollenhagen, Froschmeuseler, 1. Buch, 2. Teil, 6. Kap., 95/96

Dem verblendeten Stolz fehlt es nie an Worten.
Lichtenberg, Vermischte Schriften

Dem Verdienste seine Kronen (und den Schweinen ihre Bohnen).
it] Al merito le sui corone.
la] Palmam qui meruit, ferat.
la] Plus mereri debet, in quo virtus est.
la] Vera laus verae virtuti debetur.

Dem Verdienste seine Kronen.
Schiller, Ode an die Freunde

Dem Verdrossenen kann's auch unser Herrgott selbst nicht recht machen.

Dem Vergünstiger tut es wehe, wenn es andern wohl geht.

Dem Verleumder soll man sein Ohr nicht leihen.
la] Difficilem oportet aurem habere ad crimina.

Dem Verliebten sind tausend Meilen nur eine Meile.

Dem verlorenen Beil den Stiel nachwerfen.
la] Post perditam securim, abjicere manubrium.

Dem Verrat traut man nur wie dem Fuchs,
Der, noch so zahm, gehegt und eingesperrt,
Nicht ablässt von den Tücken seines Stammes.
Shakespeare, König Heinrich IV., 1. Teil, V, 2 (Worcester)

Dem Verräter zuerst die Knute.
Russland

Dem verschuldeten Bauern verhagelt jedes Jahr die Ernte.
sp] (El) hombre adeudado (o. necesitado), cada año apedreado

Dem Verschwender fehlt viel, dem Geizigen alles.

Dem Verständigen ist bald genug gesagt.
ho] Den verstandige is haast genoeg gezegd.
ho] Een woord is voor de geleerden genoeg.
ho] Het is genoeg gezegd voor hem, die verstand heeft.
sd] Wijs man förstår fulle en half quädin wisa.

Dem versteht sich's nicht von selbst, dass jeder allgemeine Satz Ausnahmen leidet.
Goethe, Werther 1. Buch, 12. August

Dem Verzweifelnden verzeiht man alles, dem Verarmten gibt man jeden Erwerb zu.
Goethe, Maximen und Reflexionen 857

Dem viel bieten, der wenig verlangt, ist eine Art abzuschlagen.
Spanien

Dem vielen fehlt das viel.
i] Wer von vielem etwas kann, kann meist nicht viel

Dem Vogel genügt, was er mit dem Schnabel bringt.
Estland

Dem Vogel in der Hand kann man den Kopf abreißen; lässt man ihn fliegen, kann er uns beschmeißen.
dä] Den fugl er snart kryst, i hænde er; men slipper han løs, da er han snarest til at beklikke en.

Dem Vogel ist ein einfacher Zweig weit lieber als ein goldener Käfig.

Dem Vogel noch Flügel ansetzen.
i] Einen Eilenden noch anspornen.

Dem Vogel sind nicht vier Flügel gegeben, sondern zwei, weil man auch mit zweien fliegen kann; so ist es auch dem Menschen nicht gegeben, alles zu wissen, sondern nur die Hälfte oder ein Viertel. Soviel er wissen muss, um sein Leben zu leben, soviel weiß er.
Tschechow, In der Schlucht

Dem Vöglein, das dem Ei entschlüpft ist, macht Gott das Nest.

Dem Volk ists besser, wenn nur einer herrscht...
Goethe, Elpenor A I Sz 1
Evadne Vs 68

Dem Volk kam weder Wasser bei noch Feuer.
Schiller, Wilhelm Tell, IV, 3 (Stüßi)

Dem Volke fremd und nützlich doch dem Volke,
Ziehe ich des Weges, Sonne bald, bald Wolke -
Und immer über diesem Volke!
Friedr. Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft

Dem Volke zum Spiegel, zum Zügel, zum Riegel.

Dem Wachsen des Geldes folgt die Sorge.
la] Crescentem sequitur cura pecuniam.
Horaz, Oden

Dem wachsen noch Hörner.
Nassau

Dem wachsenden Geld folgt die Sorge.
Horaz, Lieder

Dem wachsenden Reichtum (o. Geld) folgt die Sorge.
la] Crescentem sequitur cura pecuniam.
Horaz, Oden

Dem wackern Mann ist die ganze Welt Vaterland.
Italien

Dem wackern Mann vertraut ein Weib getrost,
Und wär' er fremd, ein zweifelhaft Geschick.
Goethe, Die natürliche Tochter, IV, 2 (Gerichtsrat)

Dem wackren Mann gilt ein Wort soviel wie dem wackren Pferd ein Peitschenhieb.

Dem Wählenden bleiben die Zäume.
Estland

Dem wahrhaft religiösen Menschen ist Gott kein bestimmungsloses Wesen, weil er ihm ein gewisses, wirkliches Wesen ist. Die Bestimmungslosigkeit und die mit ihr identische Unerkennbarkeit Gottes ist daher nur eine Frucht der neuem Zeit, ein Produkt der modernen Ungläubigkeit.
Ludwig Feuerbach, Das Wesen des Christentums

Dem Waisenkind gibt niemand Geld, es bekommt nichts als Ratschläge.
Italien

Dem Waisenkind wird mit dem Löffel gegeben, und mit dem Schöpflöffel genommen.
Estland

Dem Walfisch die rote Tonne hinwerfen.
i] jemandem einen Gegenstand der Beschäftigung bieten, um seine Aufmerksamkeit und Kraft von Dingen abzulenken, durch deren Angriff er gefährlich werden kann.

Dem Walfisch schadet es nicht, wenn ein Stint nach ihm schnappt.

Dem Wandersmann gehört die Welt
In allen ihren Weiten.
Rückert, Wanderlied

Dem ward de Kopp (Kopf) nich mehr weh dohne, de dat gemakt heft.

Dem wäre ein Nasenstüber gesund gewesen.
en] I had rather it had wrung you by the nose than me by the belly.

Dem wäre mit sixtinischem Salat geholfen.
i] Sixtus V. hatte als Franziskanermönch mit einem armen, aber braven Advokaten zusammen gelebt. Der letztere geriet ins Elend, aber zufällig bediente er sich desselben Arztes, den Sixtus V. hatte, wodurch dieser Kenntnis von der Lage seines frühern Freundes erhielt. Sixtus sagte zu seinem Gaste, er werde jetzt den kranken Advokaten durch einen vortrefflichen Salat selbst heilen. Der Doktor ließ sich von dem Kranken begierig den Salat zeigen und fand in dem Korbe unten eine Menge Zechinen. Diese gute Handlung wurde bei den Italienern zum Sprichwort; und wenn man dort von einem redet, der Geldes benötigt ist, so pflegt man zu sagen: Dem wäre mit sixtinischem Salat geholfen.

Dem Wartenden scheinen Minuten Jahre zu sein.

Dem Wasser ist nicht zu trauen, es reisst den Mühlgang weg.

Dem Wasser setzt man einen Damm entgegen, aber dem Mund des Menschen kann man nichts entgegensetzen.
Estland

Dem Weh und Ach folgt Freude nach.
it] Dopo il tormento vien il contento.

Dem wehrt sich nichts.
i] Der kennt keine Schranke, dem steht nichts im Wege, das er nicht besiegt.

Dem Weib und dem Narren lass ihren Lauf.
it] All' aria ed ai pazzi strada libera.

Dem Weib und der Henne die Gurgel umgedreht und sie gibt dir das Leben.
sp] A la mujer y a la gallina tuércele el cuello y te dará la vida.

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ITALIENISCH
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LATEINISCH
1 2 3 4
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SPANISCH
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