Weisheiten 414

Dem Biere sind die Hefen gegeben worden.
i] Wird gesagt, wenn eine Sache gut eingeleitet oder ein Anmaßender, Unverschämter gehörig abgeführt worden ist

Dem Bischofe kumet sin offen Hand nach dem krumben Stabe.

Dem Bittenden gibt man den Lohn, der Selbstnehmende bekommt Prügel.
Estland

Dem Bitteschönsager ist noch kein Kind gestorben.

Dem bleibt nur das Nachsehen, der zu spät kommt.

Dem Blinden einen Spiegel verkaufen (o. schenken).
la] Caeco speculum vel picturae.

Dem Blinden geschiehet nach seiner Gewohnheit.
i] Er sieht auch am Tage nichts

Dem Blinden hilft keine Brille.
en] A blindman will not thank you for a looking-glass.
fr] A l'aveugle ne duit miroir ni figure.
it] Ai ciechi non approda il sole.
la] Claudo pilam.
sp] Qué hará el ciego con los anteojos?
sp] La mujer del ciego para quién se afeita?

Dem Blinden ist die Welt erblindet, dem Tauben ist die Welt ertaubt, so auch an keinen Glauben glaubt, wer in sich selbst nicht Glauben findet.
Franz Werfel, Zwischen Oben und Unten

Dem Blinden ist gut vorschirmen.
ndt] Dem blinden is gut vôrschermen.
la] Non est difficile miseros illudere caecos.

Dem blinden Mann ist es gleich, ob (wie) seine Stube gemalt ist.

Dem blinden Vogel baut Gott das Nest.

Dem Blöden
Wird das Glück nicht zuteil, der Kühne sucht die Gefahr auf
Und erfreut sich mit ihr, sie hilft ihm wieder entkommen.
Goethe, Reineke Fuchs 9. Gesang Vs 8

Dem Bock an die Nieren greifen.
i] Der Sache auf den Grund gehen

Dem Bogen in der Hand von Morgen werden weder Alte noch Junge entgehen.
Hindi, Indien

Dem Borg ist nichts zu teuer.

Dem Bösen braucht man keinen Boten senden.

Dem bösen Geist gehört die Erde,
nicht dem guten.
Schiller, Wallensteins Tod II, 2 (Wallenstein)

Dem bösen Gewissen kann niemand entfliehen.

Dem bösen Gewissen scheinen Fliegen Kürassiere zu sein.

Dem bösen Hund eine kurze Leine.
fr] À méchant chien, court lien.

Dem bösen Hund ist's gleich, ob du ihn mit einem Stein oder mit Brot bewirfst.
Estland

Dem bösen Hunde wächst der Schwanz.
i] Je ärger Schalk, je besser Glück
fr] A mauvais chien la queue lui vient.

Dem Bösen je zu Teile ward, was jemand für den Frommen spart.

Dem Böswilligen gedeiht das Getreide, dem Bösen die Herde.
Estland

Dem böswilligen Pferde ein scharfer Sporn.
fr] À méchant cheval bon épéron.

Dem Boten (d.i. Heiratsvermittler) die Stiefel, dem Antreiber die Schuhe.
Estland

Dem brauchst du den Honig nicht zum Kauf anzubieten, der selber Bienenstöcke besitzt.
Russland

Dem braucht Gott die Augen nicht zuzutun, wenn er ihn strafen will.

Dem braucht man das Zungenband nicht zu lösen.
ho] Men behoeft hem van den tongriem niet te snijden.

Dem brennt die Höll' aus dem Kopf.
i] Bei Rothaarigen

Dem brennt kein Feuer mehr auf der Pfeife.

Dem Bruder, der es aufrichtig meint, helfe der Bruder, wo immer er kann.
Ecbasis captivi in belehrender Gestalt (Fuchs)

Dem Buckligen geht das Kamel vor dem Elefanten.
Russland

Dem Büffel ist es gleich, ob er auf dem Kopf der Mücke steht oder ob die Mücke auf seinem Kopf sitzt - nur der Mücke nicht.

Dem Büffel, der in den Brunnen gefallen ist, nützt eine Bambusleiter nichts.

Dem Bûr es et van 'ner kürrten Priäke un 'ner langen Metwuorst.
Iserlohn

Dem Buren ist es genug, wan er van Buren Ehre geniesst.

Dem Burschen, der tanzt und springt und ein Lied anstimmt, dem schenkt die Welt ihre Aufmerksamkeit.
Bhojpur, Nepal

Dem Cäsar die Krone anbieten.
i] Etwas scheinbar freiwillig tun, was der Betreffende sonst erzwingen würde. Aus Rom 1870: 'Allen Anzeigen nach wird dem Cäsar die Krone angeboten werden, der Erzbischof Dr. Manning wird die Überzeugung aussprechen, dass des Papsts Wort Gottes Wort sei, was dasselbe ist, das eben der Papst haben will - die Unfehlbarkeit.'

Dem Cicero eine Ohrfeige geben.
i] Verstöße gegen die lateinische Sprache machen

Dem Dampfhammer ist es eben so leicht, eine Nuss zu knacken, wie einen Eisenblock zusammenzuschmettern.
z] Es soll eine Tugend des Dampfhammers sein, dass es ihm ebenso leicht ist, eine Nuss zu knacken, als einen Eisenblock zusammenzuschmettern, aber diese Tugend würde zu wesentlichem Fehler werden, wenn die Maschine die Laune hätte, Nüsse zu knacken, während sie Eisen schmieden soll. Kölnische Zeitung, 1870

Dem Dankbaren mehr als er fordert, denn wer gibt, verkauft, wenn es nicht ein Undankbarer nimmt.

Dem Dankbaren mehr, als er erbittet.
sp] Al agradecido, más de lo pedido.

Dem darf ma a mit a Scheibtruchen über d' Noas'n foahrn, so versteht a no net woas ma will.
Niederösterreich

Dem darf man die Zügel nicht zu lang lassen.

Dem darf man die Zunge nicht lösen.
fr] Cet homme n'a pas le filet.
fr] Cette femme a langue bien pendue.

Dem das Erbe ist, der soll den Deich deichen.
[RSpW]
i] Die Pflicht zu deichen liegt dem Besitzer des Grundstücks ob
mhd] Den dat erne waer solde den dieck dyken.

Dem das glück gegen ist, bricht wohl ein Bein auff gleicher Erd.

Dem das Glücke pfeiffet, der tantzet wohl.

Dem David passt Goliath's Harnisch nicht.

Dem der dir gibt z'viel gute wort, glaub nicht allzeit an jedem ort.
la] Non bene creduntur, nimium quae blanda loquuntur.

Dem der Hagen, dem ist auch der Graben.
i] Unter Hagen ist hier der Zaun gemeint, mit dem jemand seinen Garten umgeben hat. Es ist nun sehr häufig der Fall, dass der Zaun, um ihn sowol vor den Beschädigungen des Viehes als gegen die Gewalt des Wassers zu schützen, mit einem Graben umgeben ist, der nach dem Sprichwort mit allen Vorteilen und Lasten dem zugehört, der den Zaun besitzt.

Dem der Pfennig gebeut, der ist arm zu jeder Zeit.
z] Der wird reych in meynem mut vber den der pfennig nicht herrschen tut; aber der muss ermer werden, dem der pfennig gebewt als eyn herre.

Dem Deutschen fehlt, woran seine Lage Ursache sein mag, durchaus der Trieb, die Lust, das Bedürfnis, sich im geselligen Leben zu bilden, wogegen der Franzose ganz allein von und für die Gesellschaft existiert, daher denn auch, was er schriftlich äußert, gewiss immer von dem größten Einfluss gekrönt wird.
Goethe, An Varnhagen v. Ense, November 1827 (Entwurf) Weitz

Dem Deutschen ist die philosophische Spekulation hinderlich, die in ihrem Stil oft ein unsinnliches, breites und aufdröselndes Wesen hineinbringt. Diejenigen Deutschen, die als Geschäfts- und Lebemenschen bloß aufs Praktische gehen, schreiben am besten.
Goethe

Dem deutschen Künstler, so wie überhaupt jedem neuen und nordischen, ist es schwer, ja beinahe unmöglich, von dem Formlosen zur Gestalt überzugehen und, wenn er auch bis dahin durchgedrungen wäre, sich dabei zu erhalten.
Goethe, Schriften zur Kunst - Propyläen, Einleitung

Dem Deutschen wachsen die Sprichwörter im Herzen.

Dem Dichter ist das Weib die beste Richterin,
Besonders wenn sie selbst ist keine Dichterin.
Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen

Dem Dichter muss, wenn er sich auch stille verhält, das Chorizontenwesen [Kritisch-trennende] immer unangenehm und störend bleiben.
Goethe, An Riemer 28.10.1821

Dem die Erde gehört, der ist der Nächste zum Kauf.
[RSpW]
i] Zur Lehre vom Näherrecht. Nach dem Sprichwort hatte der Eigentümer von Grund und Boden, worauf ein ihm nicht gehöriges Gebäude errichtet war, ein Vorrecht in der Erwerbung vor allen anderen Käufern

Dem die Kuh gehört, der fasst sie bei den Hörnern (o. beim Schwanz).
sd] Han mäste til rumpan som koon äger.

Dem die Nachbarn übel geraten sind, der muss sich selbst loben.

Dem Dieb bleiben die Finger.
Estland

Dem Dieb brennt der Hut auf dem Kopf.

Dem Dieb gefällt kein Baum, an dem er hängen soll.

Dem Dieb hüft der Teufel jeden Tag, aber eines Tages wird Gott dem Wächter helfen.
Jamaika

Dem Dieb wird harte Strafe (zuteil).
Estland

Dem Diebe brennt die Mütze auf dem Kopf.

Dem Diebe den Geldbeutel aufzuheben geben.

Dem Diebe gilt's für keine Ehre hoch gehängt zu werden.

Dem Diebe ist selbst das Schilfrohr verhasst.
i] Mit einer Schilfrohrfeder kann sein Urteil geschrieben werden

Dem Diebe knurrt der Leib.
Surinam
i] Sein Gewissen schlägt ihn, er verrät sich selbst

Dem Diebe läutet man nicht.
i] Der Dieb war so verachtet bei unsern Vorfahren, dass sogar die Armensünderglocke, welche die Leute auf die Vollstreckung des Todesurteils aufmerksam macht, bei der Hinrichtung eines Diebes nicht geläutet wurde
z] Ein Dieb wäre, demselben lutt men niet.

Dem Diebe passen alle Straßen.

Dem Diebe teilt man den Galgen zu.
z] Die regelmäßige Strafe des einigermaßen erheblichen oder durch persönliche oder örtliche Eigenschaften gefährlichen Diebstahls war der Galgen.
mhd] Dem dyebe theilt man den galgen.

Dem Diebe und dem Mächtigen ist jeder etwas schuldig.

Dem Diebe will kein Baum gefallen, daran er hänge.

Dem diebischen Vater ein verschwenderischer Sohn.
fr] À père pilleur fils gaspilleur.

Dem Diener vnehr widerfehrt, so er dem dient, ders nicht ist wehrt.

Dem Dilettanten ist die Nähe des Künstlers unerlässlich, denn er sieht in diesem das Kompliment seines eigenen Daseins, die Wünsche des Liebhabers erfüllen sich im Artisten.
Goethe, Dichtung und Wahrheit IV,20

Dem ding ein farb anstreichen.

Dem ding ist leicht zu helffen, ehe ein blinde Katz siehet.

Dem Dinge freien Lauf lassen.

Dem Doktor und dem Advokaten muss man nichts verschweigen.
ho] Men moet nooit iets verzwegen laten aan dokters en aan advokaten.

Dem Domme (Dummen) helpt de lewe Gott.

Dem Domme helpt de lewe Gott.

Dem dorf me ken weche Eier schelen.
Bedburg
i] Er bedarf strenger Behandlung

Dem Dorf wird Schad' und Schande sein, setzt man den Stier als Schulzen ein.

Dem Drachen die Zähne ausbrechen wollen.

Dem Dreisten und dem Schalk gib gleiches Stück.

Dem du zu trinken gibst, der ist es, der Gift in deinen Krug speit.

Dem Dummen etwas klar machen ist schwieriger, als ein Kamel über den Graben springen zu lassen.
tü] Cahile söz anlatmak deveye hendek atlatmaktan zordur.

Dem Dummen hilft der liebe Gott.
i] Ironisch, wenn jemand trotz seines Ungeschicks zurechtkommt
ndt] Dem Domme helpt de lewe Gott.

Dem Dummen ist süß der Schlaf, dem Klugen teuer die Arbeit.
Estland

Dem dummen Mann wachsen gute Kartoffeln.
Estland

Dem Dummen muss man Platz machen.
Estland

Dem dummen Schriftsteller ein dummer Bewunderer.
fr] A sot auteur sot admirateur.

Dem Dummen wachsen nie so viele Federn auf den Rücken, dass (er) fliegen kann.
Estland

Dem Dummkopf steht das blinde Glück gern Pate.

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