Weisheiten 375

Dass der Mensch, zu Behauptung seiner Freiheit, den Gegensatz des Gegebenen selbst hervorruft, diese Erscheinung zeigt sich auch im Physischen, wo das Auge den Gegensatz einer gegebenen Farbe selbst hervorbringt, und mit dem Gegebenen und dem selbst Hervorgebrachten die Totalität abschließt.
Goethe, Riemer, 26. 11. 1806

Dass der Moment alles ist und dass nur der Vorzug eines vernünftigen Menschen darin bestehe, sich so zu betragen, dass sein Leben, insofern es von ihm abhängt, die möglichste Masse von vernünftigen, glücklichen Momenten enthalte.
Goethe, Italienische Reise III, 27.10.1787

Dass der Mond zu- und abnimmt, ist der Lauf der Welt.
Japan

Dass der Neid, welcher andere so gern von der Ehre einer Entdeckung ausschließen möchte, dass die unmäßige Begierde, etwas Entdecktes nur nach seiner Art zu behandeln und auszuarbeiten, dem Forscher selbst das größte Hindernis sei.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass der Schöffen sieben sind, ist gut.

Dass der Sinn es redlich meine, haben wir ein fein Gemerke:
Wenn nicht Worte bleiben Worte, sondern Worte werden Werke.
Logau

Dass der Teufel ihr nicht käm' ins Haus, lausete jene Nonne eine Maus.
i] Denn Müßiggang ist aller Laster Anfang.

Dass der Übersetzer nicht nur für seine Nation allein arbeitet, sondern auch für die, aus deren Sprache er das Werk übernommen hat...
Goethe, An Th. Carlyle, 15.6.1828

Dass der unpoetische, in seinem bürgerlichen Behagen bequeme Kunstfreund gewöhnlich da einen Anstoß nimmt, wo der Dichter ein Problem aufzulösen, zu beschönigen oder zu verstecken gesucht hat.
Goethe, Italienische Reise III, Dezember 1787 - Bericht

Dass der ursprüngliche Wert einer jeden Religion erst nach Verlauf von Jahrhunderten aus ihren Folgen beurteilt werden kann.
Goethe, Divan, Noten und Abhandlungen - Mahmud und Gasna

Dass der Vater ein Dreck getan, so stinkt doch der Sohn nicht danach.

Dass der Verleger jederzeit genau weiß, was ihm und seiner Familie frommt, der Autor dagegen völlig darüber im dunkeln ist. Denn wo sollte er in dem völlig gesetzlosen Zustande des deutschen Buchhandels Kenntnis nehmen, was darinnen Rechtens ist, was Herkommens und was nach sonstiger Konvenienz Buchhändler sich einander verzeihen und gegen die Autoren erlauben.
Goethe, An S. Boisserée, 12.1.1826

Dass der vorzüglichste Mensch auch nur vom Tage lebt und nur kümmerlichen Unterhalt genießt, wenn er sich zu sehr auf sich selbst zurückwirft und in die Fülle der äußeren Welt zu greifen versäumt, wo er allein Nahrung für sein Wachstum und zugleich einen Maßstab desselben finden kann.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,10

Dass der Windhund einen langen Start (Stärt, Steert), das kommt von seiner Art.
i] Alles hat und behält seine eigne Natur.
ho] Dat de windt-hondt een langen steert heeft, komt hem van sijn geslachte.

Dass der winter sey grimm und kalt, vernimmt man auch von ferne balt.
la] Longe clarescit, quae hyems algore rigescit.

Dass der Zufall [in Roman und Drama] wohl pathetische, niemals aber tragische Situationen hervorbringen dürfe...
Goethe, Lehrjahre V,7

Dass der, der nötig zu haben glaubt, vom sogenannten Pöbel sich zu entfernen, um den Respekt zu erhalten, ebenso tadelhaft ist als ein Feiger, der sich vor seinem Feinde verbirgt, weil er zu unterliegen fürchtet.
Goethe, Werther 1. Buch, 15. Mai

Dass der, dessen Werk es ist, ein großes Ganze zu übersehen, zu regieren, zu erhalten, sich keinen Vorwurf zu machen braucht, geringe Verhältnisse vernachlässiget, Kleinigkeiten dem Wohl des Ganzen aufgeopfert zu haben.
Goethe, Clavigos Wohnung (Carlos)

Dass dich alles Unglück bestehe!
i] Alter und veralteter sprichwörtlicher Fluch.
ho] Dat hem alle ongeluk besta.

Dass dich d' Ente vertrette (o. vertrapple).

Dass dich das Geschwür (= Lustseuche) ankomme!

Dass dich das heilige Feuer verzehre.
fr] Que le feu Saint-Antoine vous arde.

Dass dich das hellische feuer verbrenne!

Dass dich das herzeleid bestehe!
ho] Harteleed is de diepste pajn.

Dass dich das Herzleid ankomme, sagte der Teufel zum Schelm, und gab ihm eine Maultasche, dass er ihn eingeladen, den Hintern zu küssen und dann ein Kreuz davorgemacht.

Dass dich das Kreuzdonnerwetter in den Boden 'nein schlüg.
Nürtingen

Dass dich das Mäuschen (er-)beisse!

Dass dich das parle ruere (angehe)!
Agricola
i] Auch Barle, Parlay, Parlin, Parlys (Paralysis), Parlysucht, Parleysucht, Perle, Perli, Perlin, Perlis. Drückt den Fluch aus: dass du lahm werdest. Das Übel wird auch durch Tropf (apoplexia) bezeichnet.
z] Tropff auf eyner seiten, so nur dz halb theyl des leibs lamm ist, hemiplexia.
z] Das perli macht ein menschen schlottern, stettig, hinter sich gon, vnempfintlich, weich, irrig.
z] gut fuir Siechthum der Nieren und Beschwärung der gelider, das Parlay, fuir Gicht und Tropffen.

Dass dich das wetter angehe!

Dass dich de ritz scende (schände).
i] Dass dich das Fieber verderbe.

Dass dich der Bock nicht stoße.
i] Das slavische bog, bedeutet entweder Gott oder Teufel, je nachdem dabei an den beli-bog, den weißen, lichten, guten Gott, oder an den czernibog, den schwarzen Gott oder Teufel gedacht wird. 'Bokleichnam', ein Ausruf bei Hans Sachs, heisst so viel als Fronleichnam, corpus domini. 'Durch Boks Tod lauf, trink', bedeutet, um Christi Todes, um Jesu Christi willen, lauf, trink. - Dagegen (auch bei Hans Sachs) 'Beltzenbok' meint den Beelzebub, den Teufel. Ins Bokshorn jagen, heisst, zum Teufel jagen, dass dich der Bok nit stoß (in verschiedenen Wendungen bei Hans Sachs u.a.) bedeutet, dass dich der Teufel nicht hole. - Bok ist in diesem Sinne, in dem es nicht das Tier bezeichnet, das slavische Bog.

Dass dich der Deutscher!

Dass dich der Donner erschlage.
i] Der Donner schlage dich! oder älter: Der Hammer schlage dich! steht in Beziehung zu Donar, und den Begriffen von Tod und Teufel. Diese Redensart gehört zu den Fluch- und dergleichen Formeln, die für das eigentlich Gedachte oder Gemeinte eine mildernde Verkleidung setzen. Dazu dient hier auch das Wort Donner, das aber auch in sein vielen Formen eigentlich oder durch Stellvertretung eines Dinges, das donnert, in anderen sprichwörtlichen Redensarten oder bloßen Ausdrücken in diesem Sinne angewandt wird. Aus dem Elsaß: Bîm Dunder! Bîm Dunder! Dass dich e Bumm (Bombe) platz! Dass dich der Duender! D'r Duener! D'r Dunder au! Potz Dunder! D'r Dontel! Potz Wetter! Zuem Dunner! Zuem Dunder! Potz Dunner unn Wetter! Dunnerwetter! Dunderwetter! Kritzdunnerwetter! Potz Hiehnerwetter! Dunnerschla! Ei ze schla dich ...! Dunderschiess (Donnerschoss)! Potz Dunderschiess! Zuem Dunderschiess! Dunderkeil (Donar's Keule, Keil, Hammer, Donnerkeile nennt man die Luftsteine, Aërolithen)! Donnerstrahl! (Fischart, Gargant., Kap. 34.) Dunnerwille! Dunderwischbele! Noch mehr verhüllend stehen folgende Wörter für Donner: Potz Plunder! Botz hundert! Botz hunderttausend Elen und Enden.

Dass dich der Donnerstag!
ndt] Bîm Dungsti! Zuem Dungsti! Elsaß
ndt] Bim Dumstig! Hessen

Dass dich der Einhorn in diesem Jahre nicht stoße und in vielen Jahren nicht.
i] Dass dich der Tod nicht berühre

Dass dich der Geier schände!

Dass dich der Gruzl.
Kärnten (Der Teufel)

Dass dich der Hahn hacke im Strohsacke.
i] Eine in dem früheren Niedersächsischen gebräuchliche Redensart, die einen sehr bösen Wunsch enthält. Nach den alten Gesetzen wurden früher die Kindesmörderinnen und die, welche ihre Eltern umgebracht hatten, mit einem Hunde, einem Huhne, einer Schlange und einem Affen (in dessen Ermangelung mit einer Katze) in einen Sack gesteckt und ersäuft.

Dass dich der Has!

Dass dich der Henker.

Dass dich der Hitzel!
Schlesien (Für: Teufel)

Dass dich der Kuckuck gemacht! Meiningen
i] Ausruf beim Missraten der Arbeit.

Dass dich der Neidhard schänd.
i] Eine Schimpf- oder Fluchformel.

Dass dich der Rangen anstoße!

Dass dich der Ritten schütt'.
i] In dem alten, dem 13. Jahrhundert angehörenden Fabelbuche: Der Edelstein von Boner, handelt die 48. Fabel von der Ritte. Der Ritten (jetzt in Ein- und Mehrzahl Ritten) ist das altdeutsche Wort für Fieber. Man nahm an, dass es mit ridt, reiten, rütteln zusammenhänge. Das Wort kommt in den Schriften jener Zeit in den verschiedensten Schreibweisen vor. Man findet: Ritt, Ritte, Ritten, Rieden, Rito, Rötschit; Garritt, Jaritt, Janritt, Jaritten, Jhachritten, Herzjaritten, Järitten, Gäritten. Es scheint darunter ein im 14., 15. und 16. Jahrhundert besonders sehr verbreitetes, pestartiges Fieber gemeint zu sein, das die Leute schnell (jäh) ergriff und hinraffte; daher Jaritten, Jähritten (wie Jähzorn) genannt, nicht, wie es irrigerweise geschehen ist, als ein Fieber, das ein Jahr dauert (febris quae annum durat.) Es hatte zwei Hauptstadien und begann gewöhnlich mit Frost, Rittenfrost. In der elsassischen Mundart heisst rîdere: zittern, und heisst der Ritt wohl ursprünglich das Zittern und dann das Fieber. Man nennt es dann auch das Kaltwee.
z] 'Ein fraw, die das kaltwee hat.' Aus der Legenda Sanktorum ad 2. Kal. Jun. erfahren wir, dass die heilige Petronilla dagegen angerufen wurde: 'Man eret sie gerne fuir den ritten, wan unser herre tůt vil zeichen durch ihren willen.' 'Do sties in (den Kaiser Leo IV.) eine rötte an das er starb.' 'Das dich der rit schit!' 'Das im got den ritten geb.' 'Und ob dich die pestrlentz anstoßet in dem stat, in des ritten namen, worumb bistu gehasset.' 'Sie haben das fieber oder ritschit.' 'Eine fraw, die das kaltwee hat, und den ritten, an dem tantz so bliget sie wie ein ross und meint der war sie sei huibsch.' 'Das Gott dem kargen schelmen den ritten gebe.' 'Nach dem essen stieß jm ein kleiner ritten an, ein klein fieber.' 'Ich zitter als mich der ritten schit.' 'Er hat den ritten in den hut.' 'Wolt Got, das sie der ritte schit.' 'Das dich der einfeltig ritten schit, als kündstu nit ganz drü erzelen.' 'Hyn lüss man dich den ritten han.' 'Schweig, dass dich der ritten schitt.' 'Das in der Herziar ritenschit.' 'Das dich der Herz jar ritten schitt.' 'Ich muss den Herz iarritten schweren.' 'Dass dich der Ritt schitt; du Bösswicht!' 'Ich ließ die Schul haben den Rieden.' 'Und dass dich der ritt muss schütten.' 'Ey, das schütt dich der ja ritt.' 'Geht hin, dass euch der Riet schüttelt.' 'Schütt dich der ritt, du junger Lapp.' 'Ey, das vergelt der Jar ritt dir!' 'Dass dich der ritt wasch.' 'Das sie der jarritt schütt.' 'Der herzewige ritt gange sie an!' 'Der Garritt gehe dich an.'

Dass dich der Schwede!

Dass dich der Teufel hole.
ndt] Dat di de Düwel hâl!

Dass dich der Teufel schände!
i] Verderbe, verführe, unglücklich mache.

Dass dich der Teuker!
i] Verhüllend für Teufel.
z] Viele, bloß schwarzgekleidete Kardinäle schwören nur: 'dass dich', etwas kühner: 'dass dich der Teuker', oder nur: 'dass dich der Tausend!' einer meiner Bekannten nur: 'Sadrach', weil er aus Daniel 1, 7 weiß, dass dies auch ein Fürst der Finsternis bedeutet. Andere halten auch 'Satan' für unbedeutender. So schwören die Neugriechen, die sich ungemein vor dem Teufel fürchten: 'Der soll dich holen, der draußen und weit von uns ist'; und nur in der Kirche getrauen sie sich, das Kind beim rechten Namen zu nennen, weil man dort sicher ist; dafür schwören wieder fromme Seelen bloß 'meiner Sex', ohne zu wissen, dass es sagen will: bei meinem Schwert (sass) und ohne zu überlegen, dass sie oft nichts weiter bei sich haben, als ein schlechtes Taschenmesser.

Dass dich der tropf schlage!
i] Sprichwörtlicher Fluch, der wünscht, dass der Betreffende gelähmt werden möge.
z] Dass ein yglicher mensch ynn seinem gehirn drey tropffen habe, einer zur lincken, einer zur rechten seytten und einer mitten. Wenn nun der zur lincken fellt, so wirt die lincke, fellt aber der zur rechten, so wirt die rechte seytten lam, wo er aber mitten fellt, so muss der mensche ynn vier und zwentzig stunden sterben, wo nicht ehe.

Dass dich die Franzosen ankomen!
i] Franzosen = Lustseuche
z] Dieser fluch ist new, und bei Keyser Maximilians zeytten auff kommen. Denn vor diser zeyt war diese kranckheyt und plattern vngehoret ynn deutschen landen. Da aber Maximilian kriegte mit dem Ludouico Gibboso, Konig ynn reich, und mit den Venedigern, brachten die vnseren dise platern aus Lombardien ynn Deutsche land, davon sie auch noch heuttigs tages den namen haben und heyssen Frantzosen.

Dass dich die höllische Darr' ankomme.

Dass dich die Mäuse fressen.

Dass dich die pestilenz ankomm.
ndt] Dat du de Pestelenz kriggst. Pommern
i] Sprichwörtlicher Fluch.

Dass dich die Plag bestehe!
z] Die plage ist das falbel, das fallend vbel, die große krankheyt.

Dass dich die raben fressen!
i] Sprichwörtlicher Fluch.
ho] Dat u de raven picken (schenden, vreten, beschijten).
la] Ad corvos.

Dass dich die schwere Not!
i] Gleichbedeutend mit der Verwünschungsformel: Dass dich die Kränk oder die Fallsucht (Epilepsie) heimsuche.

Dass dich die Soldaten hätten!

Dass dich die Sucht erschlage.

Dass dich die Todesgöttin erwürge!
lit] Kad tawe Gittinę nusmanztu.

Dass dich die vier bottschafft ankommen.
i] Ein sprichwörtlicher Fluch, wodurch man jemand die vier Übel wünschte, welche nach dem Heiligenglauben die vier Heiligen: Sanct- Antonius, Sanct-Ruprecht, Sanct-Valentin und Sanct-Cornelius heilten.

Dass dich die vier haken schenden, daran der Himmel hengt.

Dass dich die Wache nicht kriegt.

Dass dich ein böss jahr ankomme!
z] Das dich ein bös jar an gehe und alles übel!
i] Ein alter sprichwörtlicher Fluch, in dem man wünscht, dass jemand keine gute Stunde haben möge!
ho] Dat hem een boos jaar aankome.
ho] Dat u het goede jaar hale!

Dass dich Gott schände!
i] Verdammt seist du!
i] Agricola hat die sprichwörtlichen Redensarten, die zu seiner Zeit als Verwünschungsformeln im Brauch waren, in seiner Sammlung der 750 Sprichwörter aufgenommen: Dass dich das blaw, das vor dem donner herlauffet, ankom. Dass dich die vier botschaff ten ankommen. Dass dich der donder erschlag. Die Druess gehe dich an. Dass dich das hellische fewer verbrenne. Dass dich die frantzosen ankomen. Das falbel gehe dich an. Dass dich Gotts dufft und lufft schende. Dass dich Gotts funf Wunden schenden. Dass dich Gotts kraft (macht) schende. Dass dich Gotts leichnam schende. Dass dich Gotts marter schende. Dass dich Gott schende. Dass dich Gottes Sacrament schenden. Dass dich das hertzleyd bestehe. Dass dich ein boss iar ankomme. Dass dich die plag bestehe. Dass dich Sanct-Quirin ankom. Der ia ritten gehe dich an. Die sucht gehe dich an. Dass dich der Tropff schlage. Dat dick negen Tüffel ynnet hole liff faren. Der Teuffel fuere dich über den Osterrode hynweg. Dass dich der Teuffel schende. Dass du müssest toll, rasent und vnsinnig werden. Dass dich alles Unglück bestehe. Dass dich Sanct-Veitstantz ankom. Dass dich Sanct-Vrbans plag bestehe. Dass dich Sanct-Veltin ankom. Dass dich dass Wetter angehe. Dass dich die Pestilenz ankom. Dass dich das Parle (Paralysis) ruere. Dass dich Sanct-Anthoni ankom. Dass dir nymmer guts geschehe.

Dass dich Gotts angst schände.
i] Eine zu Agricola's Zeit sehr gewöhnliche Verwünschungsformel vom Leiden Jesu hergenommen. Der angeführte Schriftsteller sagt: 'Fast jedes Kind braucht dies Wort zu allen leichtfertigen Sachen, als wäre die Angst Christi ein Spott.'

Dass dich Gotts Dufft und lufft schende.
i] Sogar die Luft soll dir zum Verderben gereichen

Dass dich Gotts funff wunden schenden.

Dass dich Gotts krafft, Gotts macht schende.

Dass dich Gotts leichnam schende.

Dass dich Gotts Lung schendt.
z] Gotslästerer und gotsschwerer (nennen) Gots hirn, lung, leber, kröss, wunden onmacht.

Dass dich Gotts marter schende.

Dass dich Gotts sacrament schenden.

Dass dich Hasehart verzehr'!
i] In einem ungedruckten Gedichte Rüdigers von Meure. Jakob Grimm, sagt darüber: 'Ein seltener mittelhochdeutscher Ausdruck, der erst im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts vorkommt und sichtbar dem französischen hasart, hazart nachgeahmt, seiner Wurzel nach also undeutsch ist.' Er erklärt es als Würfelspiel auf Grund angeführter Quellen.

Dass dich potz Valtin schendt.
z] Valten, Valthin, kommt vom fallen und ist das fallend übel; darzu S. Valtin (ist anderst yrgent ein heilig ym Hymel, der also heysst) apoteckerknecht ist.

Dass dich S. veits tanz ankomme.
i] Eine in jener Zeit sehr übliche Verwünschungsformel.
z] Ynn Deutschen landen sind der plagen vil gewesen, als do der Teufel die leutte besessen hat und aussgerichtet was er gewolt hat .... Vnd eben daselbs wurden etliche leutte geplagt, dass sie tantzen musten oft tag an eynander, oft zwen tag, drey tag und nacht.
i] Der Sankt- Veitstanz ist eine Krankheit, deren Entstehung früher dem Teufel zugeschrieben wurde, und die in Krämpfen der willkürlichen Muskeln besteht, die sich unter Fortdauer des vollen Bewusstseins durch unwillkürliche Bewegung des Rumpfes, Kopfes und Gesichts kundgibt. Man unterscheidet kleinen und großen Veitstanz. Bei dem letztern können sich die krampfhaften Zuckungen, das Hüpfen, Tanzen, Herumlaufen im Kreise, bis zu einer Art Geisteskrankheit steigern, deren Ausgang Blödsinn oder Fallsucht sein kann. Die Krankheit kommt in den ältern Schriften unter verschiedenen Namen, als Sankt-Veltiensplag, Sankt-Veltens Siechtag, Sankt-Valentin's Siechtag Veltenstanz, Sankt- Veltes Krisem, Fallentübel, Sankt-Verden bluot, vor. Nach einigen kommen bei einzelnen Einsiedlern und Mönchen schon im 5. Jahrhundert Spuren von Sankt-Veitstanz vor. Allgemeiner zeigte sich die Plage zu Erfurt im Jahre 1237, wo am 15. Juni plötzlich tausend Knaben und Mädchen so von der Tanzwuth ergriffen wurden, dass sie vier Stunden weit von der Stadt unaufhaltsam forttanzten und den folgenden Tag von den Eltern auf Wagen zurückgebracht werden mussten. Im Jahre 1374 brach die Krankheit in den Niederlanden aus und zeigte sich 1417-18 am Rhein, besonders im Elsass. Die Ergriffenen waren in diesem Zustande gegen allen Schmerz, der durch Stechen, Zwicken u.s.w. hervorgebracht werden sollte, unempfindlich. In Strassburg wurden besonders Frauen von der Krankheit ergriffen, sie geriethen in krampfhafte Zuckungen, sprangen und tanzten so lange, bis sie erschöpft zu Boden fielen. Eine handschriftliche strassburger Chronik enthält, das Jahr 1418 betreffend, den Vers: 'Viel hundert fingen zu Strassburg an zu tanzten und springen, Frau und Mann, am offnen Marck, Gassen und Straßen, Tag und Nacht ihrer vil nicht assen, bis in das Wüten wieder gelag. Sankt Vits Tantz ward genannt die Plag.'
z] Also gat es denen die Sankt-Veltins Siechtagen hond, wen sie die Siechtagen leiden, so entpffinden sie nit, waz man inen anthut.

Dass dich S. Velten ankomme odder schende.
i] Böser Wunsch. Velten (volksmundliche Zusammenziehung aus Valentin) ist hier bloßes Wortspiel, entstanden aus Valthin = fallt hin für Fallsucht. Valentin war aber Schutzheiliger gegen Pest und Epilepsie. Man glaubt, dass der heilige Valentin, der zu Rom im 3. Jahrhundert den Märtyrertod erlitt, von dem Volke irrtümlich in das Heidenthum versetzt und dadurch unter die Teufel geraten sei, weil an seinem Gedenktage (21.5.) die schon aus Shakspeare und Walter Scott bekannten, mit allerhand abergläubischen Gebräuchen verbundenen Festlichkeiten der heirathslustigen Jugend stattfanden. Richtiger wird wohl aber der Namen Velten auf Valant zurückgeführt, der im Volksglauben den Teufel vorstellt. Der Ausdruck kommt im Volksmunde häufig und früher noch mehr als jetzt vor. Man gebraucht ihn meist in Ausrufe- und Fragesätzen, um Unwillen oder Verwunderung auszudrücken: 'Wie zum Velten hatte ich mir einbilden können. Was zum Velten, Sie wissen nicht, dass Julchen meine Nichte ist. Was Velten hatte sie im Koffer zu kramen? Ei, zum Velten, der bin ich nun wohl nicht. Wo, zum Velten, soll ich mein Schiff herkriegen. Wie, zum Velten, ist das Kätzchen heraufgekommen?' Häufig wird es auch mit Potz verbunden und steht dann für Gottsteufel, als: Potz Velten, und wie heißen Sie. Potz Velten, böse müssen Sie nicht sein. Potz Velten, jetzt fällt mir's ein. Potz Velten, was heisst das wieder? Ei, zum Velten und seiner Schwiegermutter. Die letztere Redensart erinnert an den Teufel und seine Großmutter. 'Das euch S. felten, hätte schier geflucht.'

Dass dich Sankt Antoni ankomme!
i] Im 11. und 12. Jahrhundert wütete eine Krankheit, welche das Feuer des heiligen Antonius, auch Wildfeuer (ignie infernatis, gehennalis) genannt wurde. Was für ein Übel es gewesen, ist nicht genau bekannt. Die Glieder der Kranken wurden schwarz wie verbrannt und faulten zuletzt gänzlich ab. Noch im Jahre 1533 wallfahrteten über l0.000 Italiener und ganze Scharen von Deutschen und Ungarn zum Grabe des heiligen Antonius in der Dauphiné. Bekannt ist auch, dass die Antonitermönche die Kranken christlich pflegten, die an dieser Krankheit litten. Auf diese Krankheit bezieht sich das obige, in alten Sprichwörtersammlungen vorkommende Fluchsprichwort.

Dass dich Sankt Kurin ankomme!
i] Sprichwörtliche aber veraltete Fluchformel. Der heilige Quirin soll die Macht haben, die Leute vor Krankheiten, Seuchen und allerlei Plagen zu bewahren, weshalb er in diesen Angelegenheiten angerufen wird. Wem er zum Bedürfnis wird, der muss sich in einem der genannten Zustände befinden.
z] Man hat auch ynn seinen namen ein botschafft aussgefertiget.

Dass dich Sankt Urbans (25.5.) plag bestehe.
z] Sankt Vrban wirt von den Franken dafür gehalten, als die Heyden etwan Bacchum hielten, der des weins warte. S. Vrbans plag ist eine Deutsch plage, nemlich, dass sich einer voll saufe und mache ein sewmal.
i] Unsere Vorfahren setzten unsere Alten an die Stelle des Bacchus zum Pflegen des Weins.
la] Sanktus Urbanus largitor vini.
la] Urbani plaga est ebrietas.

Dass dich Sant Veltens arbeit besteh.

Dass dich Sant Veltes Krisem anstoss.
i] In dem Liede auf die Schlacht bei Drakenburg heisst es: 'Dat perdt mach wohl hir stan unde mach sunten Veltens lyden han.

Dass dich St. Urbans Plag (oder Feuer) angehe!
i] Ein hitziges Fieber, auch das durch unmäßiges Trinken bewirkte Podogra.
z] Er dunckt sich weiß und wolgelehrt, die Noten wirfft er wieder die Erd, dasselb eine halbe stund wohl wehrt. Er machets so krumm und spricht kurtzumb, wer kehrt mirs Pultpret um. Er singet Noten Klaffterlang.
z] Ja mir ist ein Schuldner entrunnen ....Ich wolt, er het St. Vrbans blag.
z] Behüt mich got vor sant Vrbans plag.

Dass dich St. Urbansfeuer greife.
z] Mein lieber Nachbaur halt dein Frauen, schau wie tun jr die augen glitzen, wie tut jr Angesicht sie anspitzen, schau wie grissgramt sie mit den Zenen, sieh wie bibend mit den henden, schaw wie sie mit den Füßen stampff, als ob sie hab den Esels Krampff. Ich fürcht sie sei wütig und wünnig oder villeicht toll und unsinnig. Lass inn ein finster Kammer sperren.' Worauf der Mann erwidert: 'Was wilt du mich doch immer herren. Siehst nit, sie hat sanct Vrbans plag.

Dass die Anmaßung sich mit dem Elend verbindet, ist eine außerordentliche Ungerechtigkeit.
Pascal, Gedanken

Dass die Ansichten der Menschen viel zu mannigfaltig sind, als dass sie, selbst durch die vernünftigsten Vorstellungen auf Einen Punkt versammelt werden könnten.
Goethe, Wahlverwandtschaften (1808-1809) I, 3

Dass die Antizipation sich überall nur soweit erstrecke, als die Gegenstände dem Talent analog seien [... allein hätte ich nicht die Welt durch Antizipation bereits in mir getragen, ich wäre mit sehenden Augen blind geblieben, und alle Erforschung und Erfahrung wäre nichts gewesen als ein ganz totes, vergebliches Bemühen.
Goethe, zu Eckermann, 26. Febr. 1824

Dass die äußere Erscheinung der Juden mächtig beiträgt, im deutschen Volk das Bewußtsein zu erhalten, in den Juden Ausländern gegenüber zu stehn, ist ein großes Unglück.
Lagarde, Deutsche Schriften, Deutsche Frömmigkeit

Dass die Besserung der Toren durchs Lächerliche kein fruchtloses Unternehmen sei.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7

Daß die Bibel keine Spur von Humor enthält, ist eine der merkwürdigsten Tatsachen der ganzen Literatur.
Alfred North Whitehead (1861 - 1947)

Dass die christliche Religion, da sie einmal erschienen ist, nicht wieder verschwinden kann, da sie sich einmal göttlich verkörpert hat, nicht wieder aufgelöst werden mag.
Goethe, Wanderjahre II,1

Dass die Dornen werden geacht, das haben allein die Rosen gemacht.

Dass die echten Menschen aller Zeiten einander voraus verkünden, aufeinander hinweisen, einander vorarbeiten.
Goethe, Geschichte der Farbenlehre 5. Abt.. Kepler

Dass die Eltern vor den Kindern sterben, ist in der Ordnung, unnatürlich aber ist, wenn der Sohn vor dem Vater abgefordert wird.
Goethe, K. Vogel, Ende 1830

Dass die Erfahrung uns überzeuge, dass unsere besten Gedanken, Wünsche und Vorsätze unerreichbar seien und dass man denjenigen, welcher dergleichen Grillen hegte und sie mit Lebhaftigkeit äußere, vornehmlich für einen unerfahrenen Menschen hält.
Goethe, Dichtung und Wahrheit II,7

Dass die Erfahrung, wie in allem, was der Mensch unternimmt, so auch in der Naturlehre, [...] den größten Einfluss habe und haben solle, wird niemand leugnen, so wenig als man den Seelenkräften, in welchen diese Erfahrungen aufgefaßt, zusammengenommen, geordnet und ausgebildet werden, ihre hohe und gleichsam schöpferisch unabhängige Kraft absprechen wird.
Goethe, Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre - Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt

Dass die Farbe der Haut und Haare auf einen Unterschied der Charaktere deute, ist wohl keine Frage, wie wir ja schon einen bedeutenden Unterschied an blonden und braunen Menschen gewahr werden...
Goethe, Entwurf einer Farbenlehre 3. Abt. 671

Dass die flüchtigsten Bilder oft die glücklichsten Gedanken haben [...] dass die ausgeführtesten Bilder der niederländischen Schule, bei allem großen Reichtum womit sie ausgestattet sind, doch manchmal etwas an geistreicher Erfindung zu wünschen übrig lassen.
Goethe, Tag- und Jahreshefte 1806

Dass die Franzosen aus der Pedanterie zu einer freieren Art in der Poesie hervorgehen, ist nicht zu verwundern. Diderot und ihm ähnliche Geister haben schon vor der Revolution diese Bahn zu brechen gesucht.
Goethe, Eckermann, 4.1.1827

Dass die französische Poesie, so wie die französische Literatur sich nicht einen Augenblick von Leben und Leidenschaft der ganzen Nationalität abtrennt...
Goethe, An J. E. Hitzig, 11.11.1829

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